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Produktpiraterie. Ursachen, Rechtsgrundlagen, Auswirkungen und Maßnahmen zur Bekämpfung

Hausarbeit 2016 24 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Vorgehensweise

2 Grundlagen
2.1 Definition und Erscheinungsformen
2.2 Gründe für die Zunahme
2.3 Die Wichtigkeit des Wissensmanagements
2.4 Rechtsgrundlagen zur Piratenbekämpfung
2.4.1 Urheberrecht
2.4.2 Patentrecht
2.4.3 Nationale und internationale Rechtsgrundlagen

3 Auswirkungen von Produktpiraterie
3.1 Auswirkungen durch die VR China
3.2 Auswirkungen für die Industrie
3.3 Auswirkungen für den Verbraucher
3.4 Auswirkungen für das Gemeinwesen
3.5 Fallbeispiele
3.5.1 Fälschung von Apple Produkten
3.5.2 Kopie der Mercedes B-Klasse

4 Maßnahmen gegen Produktpiraterie
4.1 Organisatorische und wirtschaftliche Maßnahmen
4.2 Technische Maßnahmen
4.3 Politische Maßnahmen
4.4 Fallbeispiel: Alibaba hilft Microsoft im Kampf gegen Raubkopie

5 Schlussbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Geschichte der Nachahmung hat ihren Ursprung in der Antike. Bereits damals wurden keramische Gegenstände mit Namen versehen, damit diese von gefälschten Exemplaren zu unterscheiden waren. Mittlerweile hat die moderne Produktpiraterie hoch an Bedeutung gewonnen. Angefangen hat es in den 70er Jahren, als erstmalig in Europa gefälschte Luxusmarken (z. B. Gucci-Anzüge) auf den Markt kamen. Aufgrund der schlechten Kopie wurden die Fälschungen schnell erkannt und der Kauf vermieden. Heute sind es die immer besser werdenden Produktionsmethoden und das große Angebotsspektrum, die es der Wirtschaft nicht leicht machen Original und Fälschung zu unterscheiden. Neben der Textilwirtschaft sind weitere Branchen wie z. B. Technik, Pharmazie und Maschinenbau von der Marken- und Produktpiraterie betroffen. Unternehmen, von klein bis groß, erleiden jährlich Milliardenverluste und können sich der fehlenden Erfahrung gegenüber Produktpiraterie nicht auf Dauer verteidigen. Sie stehen unter der großen Herausforderung, ihre Produkte und Marken zu beschützen und gegen die Piraterie zu kämpfen. Darüber hinaus besteht die Komplexität im globalen Welthandel: Das geistige Eigentumsrecht des Produktes muss vor grenzüberschreitenden Handelsaktivitäten geschützt werden, da diese eine wichtige Rolle für den Unternehmenserfolg sind. China, als Weltmarktführer bei der Produktion von Plagiaten, stellt beispielsweise eine große Gefahr dar, da die größte Anzahl der Fälschungen aus diesem Land kommen.

Die Counterfeiting Intelligence Bureau (CIB) hat sich die Bekämpfung zur Hauptaufgabe gemacht und der Wirtschaft bewiesen, dass der Schaden von Piraterie bei 57% des Welthandelsvolumens liegt. Mit ihrer Statistik haben sie gezeigt, dass Produktpiraterie auch eine enorme Bedrohung für die Weltwirtschaft geworden ist.

1.2 Ziel der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die wachsende Problematik der Produktpiraterie näher zu erläutern, ihre Wirkungen für die Wirtschaft offen zu legen und ausgewählte Strategien zur Bekämpfung darzustellen. Dabei sollen folgende Fragestellungen beantwortet werden:

- Was sind die Ursachen für Produktpiraterie?
- Wer ist von Produktpiraterie betroffen?
- Welche Ziele verfolgt das Rechtssystem?
- Welche Strategien sind anwendbar?

1.3 Vorgehensweise

Um Produktpiraterie besser zu verstehen, werden zunächst im zweiten Kapitel die Grundlagen näher erläutert. Punkte wie Erscheinungsformen und die Gründe für die Zunahme stehen hierbei im Mittelpunkt des Kapitels. Daneben werden die Bedeutung des Wissensmanagements und wichtige Rechtgrundlagen näher erörtert. Im dritten Kapitel werden die Auswirkungen und Ursachen von Produktpiraterie im Detail - mit Beispielen - verdeutlicht. Abschließend werden wichtige Maßnahmen zur Abwehr und Bekämpfung dargelegt und ein Fazit gezogen. Es werden bewusst nur wichtige ausgewählte Strategien beschrieben, da ein umfassender Bericht von Produktpiraterie den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen würde.

2 Grundlagen

In Deutschland werden jährlich über 110 Milliarden Euro für Innovationen ausgegeben.

Ein freudiger Grund für Produktpiraten, gewinnbringende Ideen zu kopieren und diese zu günstigen Preisen auf dem Markt anzubieten.[1] Die Globalisierung hat es der Piraterie ermöglicht, Produkte schneller nachzuahmen und dadurch Unternehmen einen erheblichen Schaden hinzuzufügen. Durch die Barrierefreiheit hat sich der Wirtschaftsverkehr weltweit beschleunigt. Auch Kontrollen können weniger durchgeführt werden. Für das Zollamt ist es z. B. unmöglich, alle Produkte zu kontrollieren.[2]

Die ICC hat bewiesen, dass der Marktanteil von Produktpiraten bis zu 7% des Welthandels beträgt. Weiter hat die WIDO bekannt gegeben, dass der jährliche Schaden ca. 450 Milliarden US-Dollar beträgt. Wirtschaftler sind der Meinung, dass in der Realität der Schaden höher ausfällt und Unternehmen vielmehr um ihre Existenz kämpfen müssen.[3]

2.1 Definition und Erscheinungsformen

In der Weltwirtschaft gibt es keine einheitliche Definition von „Produktpiraterie“, da es durch weitere Begriffe wie z. B. Markenpiraterie, Plagiate, Kopien, Fälschungen usw. verschieden aufgenommen wird.[4] Der wichtigste Begriff unter ihnen ist das Wort „Imitat“ (lat. Nachahmung). Imitate können legal oder illegal erfolgen. Illegal ist es dann, wenn die Schutzrechte des Urhebers missachtet werden. Sie treten zeitlich nach dem Originalprodukt auf, haben die gleiche Funktionalität für Kunden und sind von der Technik her fast gleich aufgebaut.[5]

Die u. g. rechtswissenschaftlichen Unterschiede erschwert die Arbeit der Identifikation der Begrifflichkeiten:

- Produktpiraterie: Ein unrechtmäßiges Nachahmen und Vervielfältigen von Produkten eines Herstellers, der ein Schutzrecht des Produktes besitzt.
- Markenpiraterie: Ein illegales Nachahmen und Verwenden von Logos & Namen
- Fälschung: Das Produkt wird als Original ausgegeben. Fälscher möchten den Bekanntheitsgrad für sich nutzen. Durch Aussehen des Produktes und der Marke ist die Fälschung schnell erkennbar.
- Plagiat: Das Produkt wird als Fälschung verkauft. Die Marke wird nicht kopiert. Es werden Patente, Muster und Lizenzen verletzt.
- Raubkopie: Das geistige Eigentum wird verletzt (z. B. Verkauf von DVDs auf dem Schwarzmarkt). Es werden Schutzrechte des Urhebers verletzt.
- Knockoff: Gefälschte Produkte, die von Verbraucher als Original aufgenommen werden.[6]

Gebräuchlich werden heutzutage Marken- und Produktpiraterie einheitlich verwendet. Bei Luxusartikeln werden sie meistens zusammen kopiert. Aus der ökonomischen Sicht können weitere Differenzierungsmerkmale aufgezählt werden:

- Distributionskanal: Am „weißen“ Markt“ zugelassene gefälschte Produkte (z. B. gefälschte Uhren). Gefälschte Produkte, deren Verkauf verboten ist (z. B. DVDs am „schwarzen“ Markt). Gefälschte Produkte, deren Kontrolle im „grauen Markt“ nicht möglich ist.
- Immaterielle (z. B. Werke, Filme) und materielle Güter (z. B. alle physischen Gegenstände)
- Produkte die erkannt und nicht erkannt werden.[7]

2.2 Gründe für die Zunahme

Die weltweite Herstellung von gefälschten Produkten hat ordentlich an Bedeutung gewonnen. Unternehmen waren sich nicht wirklich bewusst, wie bedrohlich es ist, dass Unternehmensideen von Dritten ohne Erlaubnis kopiert und verkauft werden. Die weniger bedrohlichen Maßnahmen haben das organisatorische Verbrechen motiviert, auf jeder Ebene der Wirtschaft durch Imitate aufzutreten.[8] Jedoch bringt es auch weitere Gründe mit, warum Produktpiraten sich nicht davor scheuen, auch z. B. wertvolle Produkte von Großunternehmen zu kopieren: Die Herstellung von Fälschungen ist billiger und kann bis zu zehnmal höhere Gewinnmargen bringen. Durch die Nachahmung sparen Fälscher massiv an Entwicklungs-, Forschungs- und Marketingkosten. Meistens werden Produkte in Entwicklungsländern von Billiglohnarbeitern gebaut. Es muss nicht für Werbung und Qualitätskontrolle investiert werden. Darüber hinaus wird eher minderwertiges Material verwendet, wofür man auch keine Gewährleistung geben muss.[9]

In aller Regel werden sehr erfolgreiche Produkte (z. B. aktuell Apple Geräte) kopiert, die in der Marktwirtschaft eine enorme Bedeutung gewonnen haben. Demnach ist dies die Begründung, warum es von einem Produkt verschiedenartige Fälschungen gibt.[10] Betroffen sind meistens Großunternehmen, die mit einer starken Marke auf dem Markt vertreten sind.[11]

Die Globalisierung und der Abbau von Handelsbarrieren bieten den Piraten die Möglichkeit, sich leichter auszuweiten und z. B. im Internet ihre Produkte zu verkaufen. Das Internet ist ein stark vertretener Vertriebsweg, wo Fälscher schwer zu finden sind. Demnach ist es aufgrund von Bildern und Videos im weltweiten Handel nicht leicht, Fälschungen vom Original zu trennen. Eine Strafverfolgung von ausländischen Unternehmen in eigenem Land ist kaum vorhanden. Hohe Steuern in unterentwickelten Ländern tragen dazu bei, sich z. B. Medikamente mit geringem Wirkstoffgehalt aus dem Ausland zu kaufen, da diese im eigenen Land zu teuer sind.[12] Kulturelle Faktoren, wie z. B. der Konfuzianismus (siehe Kapitel 3.1) tragen auch zu Produktpiraterie bei.[13] Die konstante Nachfrage von Verbrauchern erlaubt es, Fälschungen weiter auf dem Markt zu verkaufen. Verbraucher haben somit eine gewisse Mitschuld, da sie bewusst oder unbewusst bereit sind, das qualitativ minderwertigere Imitat zu kaufen. Die Unerfahrenheit und Lustlosigkeit der Unternehmer zur Bekämpfung lassen dem Handeln der Produktpiraten seinen freien Lauf.[14]

Die Produktpiraterie unterscheidet bei der Vermarktung zwischen zwei Strategien: Die Höchstpreisstrategie erlaubt es dem Piraten, das Produkt zum gleichen Preis wie das Original zu verkaufen. Dadurch sollen Produkte schwieriger als Fälschung enttarnt werden. Im Gegenzug gibt es noch die Niedrigpreisstrategie, wo das Produkt zu einem günstigen Preis angeboten wird. So kann schneller in den Markt eingedrungen werden. Eventuell wird auch das Originalprodukt vom Markt verdrängt. Es besteht jedoch große Gefahr, schneller enttarnt zu werden. Andererseits sind Gesetzgebungen meist harmlos und Rechtswege aus Kostengründen geschlossen.[15]

2.3 Die Wichtigkeit des Wissensmanagements

Fälschungen und Plagiate tragen dazu bei, dass Unternehmen geistiges Eigentum bzw. eine gewisse Menge an Know-how verlieren. Unter Know-how kann man die Dokumentation von Wissen der Mitarbeiter verstehen.[16] Sie ist in jedem Bereich eines Unternehmens vertreten und kann aufgrund von z. B. Kundenkontakt sehr schnell unrechtmäßig kopiert werden. Des Weiteren ermöglichen unkontrollierte Zugänge (z. B. zu wichtigen Materialien) in der Fertigung, unbewusste detaillierte Infos an Neukunden und die Offenlegung von Patenten und Lizenzen, dass Know-how illegal von Dritten benutzt werden kann.[17] Deshalb ist es von großer Bedeutung, Wissensmanagement zu betreiben. Das Wissensmanagement beschäftigt sich mit der Identifikation, Bewahrung, Nutzung, Verteilung, Entwicklung und dem Erwerb von Wissen.[18] Dabei ist zwischen implizitem (z. B. Erfahrungen und Überzeugung) und explizitem Wissen (z. B. Weitergabe von Dokumentation) zu unterscheiden.[19] Ferner können Methoden wie das Storytelling Modell angewendet werden: Teamkollegen können z. B. neuen Mitarbeitern unter die Arme greifen und mit Weiterleiten von Erfahrungswerten das Know-how im Unternehmen besser schützen und die Weitergabe an Dritte verhindern.[20]

[...]


[1] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 3

[2] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 20

[3] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 20

[4] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 43

[5] Vgl. Gausemeier/Glatz/Lindemann (2012), S. 3

[6] Vgl. Niemand (2014), S. 13 ff.

[7] Vgl. Niemand (2014), S. 16 f.

[8] Vgl. von Welser/González (2007), S. 22

[9] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 55 f.

[10] Vgl. von Welser/González (2007), S. 23

[11] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 56

[12] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 59 f.

[13] Vgl. Grigori (2014), S. 52

[14] Vgl. Stephan/Schneider (2011), S. 58 ff.

[15] Vgl. Gausemeier/Glatz/Lindemann (2012), S. 10 f.

[16] Vgl. Kleine (2014), S. 7 f.

[17] Vgl. Gausemeier/Glatz/Lindemann (2012), S. 16

[18] Vgl. Probst/Raub/Romhardt (2012), S. 30 f.

[19] Vgl. Wohlwender (2015), S. 21; Lehner (2014), S. 61

[20] Vgl. Lehner (2014), S. 203 f.

Details

Seiten
24
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668226272
ISBN (Buch)
9783668226289
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323224
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management Essen, Standort Duisburg
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Produktpiraterie. Ursachen, Rechtsgrundlagen, Auswirkungen und Maßnahmen zur Bekämpfung