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Aygen-Sibel Celiks "Alle gegen Esra". Ein strukturiertes Lesetagebuch als Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Mobbing in der Grundschule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung des Buches „Alle gegen Esra“
2.1 Die Autorin – Aygen-Sibel Çelik
2.2 Inhalt des Buches „Alle gegen Esra“
2.3 Struktur, Erzählform, Sprache und Stil
2.4 Didaktische Begründungen und Überlegungen zur Anwendung in der Schule

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Internetzugriffe

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit sollen anhand des Kinderromans „Alle gegen Esra“ von Aygen-Sibel Çelik verschiedene Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing aufgezeigt werden. Das hier bearbeitete Buch ist im Arena Verlag in der Reihe „Was hättest du getan?“ erschienen. Diese Reihe wird von verschiedenen Autoren mitgestaltet und behandelt für Kinder und ihre Sozialisation bedeutsame Themen wie beispielsweise Mobbing, Petzen oder Erpressung (vgl. http://www.arena-verlag.de/rubrik/kinderbuch/life-junior).

Um eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing zu ermöglichen, wurde ein Lesetagebuch[1] angefertigt, welches aufgrund der Formatierung, als eigenständige Datei vorliegt.

Das Führen eines Lesetagebuches und das damit verbundene Schreiben über dieses, ist aufwendiger und verbindlicher, als das Sprechen über ein Buch (vgl. Hintz 2011, S.255).

„Das Schreiben als Objektivierung innerer Vorgänge und Zustände [unterliegt] schon von sich aus anderen formalen Anforderungen […] als das Sprechen und [erfordert] eine größere Genauigkeit beim Formulieren“ (ebd.).

Durch die Arbeit mit Lesetagebüchern kann „ein individuelles, vertieftes, erfahrungsbezogenes Lesen und Schreiben“ (ebd. S.266) und ein Austausch zwischen Leser und Buch geschaffen werden (vgl. ebd. S.261).

Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein strukturiertes Lesetagebuch angefertigt, welches die Schülerinnen und Schüler dazu anhält, vor, während und nach dem Lesen darin zu arbeiten und sich dadurch mit dem Gelesenem und eigenen Vorstellungen auseinanderzusetzen. Klar formulierte Aufgabenstellungen und Ziele regen Schülerinnen und Schüler zu einer Auseinandersetzung an und dienen als Schreibanlass (vgl. ebd. S.3/254).

Um ein strategisches Lesetagebuch zu dem Kinderroman „Alle gegen Esra“ von Aygen-Sibel Çelik zu erarbeiten, wird zuerst der Roman näher analysiert und beleuchtet.

Zunächst erfolgt ein kurzer Abriss über das Leben der Autorin, Aygen-Sibel Çelik, welche selber einen Migrationshintergrund hat, auf den eine inhaltliche Zusammenfassung des Romans folgt. Anschließend wird der Roman auf seine Struktur und Sprache, sowie auf Erzählform und Stil untersucht. Darauf folgt eine didaktische Begründung, die den Einsatz des Buches und des Lesetagebuchs im Unterricht legitimiert und genauer erläutert wird. Die Arbeit wird ein persönliches Fazit abschließen, indem auch die Erstellung der Aufgaben reflektiert wird.

2. Vorstellung des Buches „Alle gegen Esra“

Im folgenden Teil dieser Arbeit wird der Kinderroman „Alle gegen Esra“ von Aygen-Sibel Çelik genauer betrachtet und analysiert.

2.1 Die Autorin – Aygen-Sibel Çelik

Aygen-Sibel Çelik wurde 1969 in Istanbul geboren, kam allerdings mit zwei Jahren nach Deutschland und wuchs hier auf (vgl. http://www.aygenart.de/Biografie.html). Sie studierte Pädagogik und Kinder- und Jugendliteratur in Frankfurt am Main, wo sie auch heute noch lebt. Zwischendurch lebte Aygen-Sibel Çelik sechs Jahre in Istanbul, wo sie mit einem Germanistikstudium begann, es dann aber mit anderem Schwerpunkt aber in Deutschland beendete. Nach ihrem Studium war Aygen-Sibel Çelik mehrere Jahre Redakteurin einer Fachzeitschrift, schrieb viele Rezensionen und Artikel über Kinder- und Jugendbücher, bevor sie selbst damit begann, Bücher zu schreiben (vgl. ebd.). Heute verbringt sie ihre Zeit neben dem Bücherschreiben damit, aus ihren Büchern vorzulesen (vgl. Çelik 2010, S.2).

Weiterhin wurde Aygen-Sibel Çelik im Jahr 2006 für das Arbeitsstipendium für Schriftsteller des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst für den Roman „Seidenhaar“ und für das Stadtschreiberstipendium für Kinder- und Jugendliteratur der Stadt Mannheim nominiert (vgl. http://www.aygenart.de/Biografie.html).

Das Bundesministerium für Unterricht kürte einige ihrer Titel zum „Buch des Monats“ (vgl. ebd.).

Çelik lässt in ihren Büchern häufig die türkische Kultur einfließen und türkische Figuren in ihren Büchern eine Rolle spielen (vgl. ebd.).

Die Themen sind häufig aus der Lebenswelt der Kinder entnommen, sodass diese einen direkten Zugang erfahren. Beispielsweise thematisiert sie die Probleme mit dem eigenen Aussehen in der Pubertät, die Besonderheiten des Islams, Freundschaften zwischen verschiedenen Kulturen oder Mobbing in der Schule (vgl. http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/CelikAygen-Sibel über http://www.aygenart.de/Biografie.html).

2.2 Inhalt des Buches „Alle gegen Esra“

Der Kinderroman „Alle gegen Esra“ von Aygen-Sibel Çelik ist erstmalig im Jahr 2010 als Original-Taschenbuchausgabe im Arena-Taschenbuchverlag erschienen. Das Buch ist Teil der Reihe „Was hättest du getan?“ des Arena-Taschenbuchverlags, dessen Besonderheit darin liegt, dass die Bücher verschiedene Ausgänge der Geschichte beinhalten (vgl. Çelik 2010, S.4).

Protagonistinnen des Buches sind Funda und Esra, die beide einen türkischen Migrationshintergrund haben. Funda hat in der Klasse 3b viele Freunde und ist gut integriert. Esra hingegen gilt als Außenseiterin. Sie zieht sich anders an als die anderen, „[…] bei 32 Grad […] ein […] langärmlige[s] Baumwollsweatshirt und lange […] dicke […] Jeanshosen […]“ (Çelik 2010, S.9) und spielt auch nie mit den anderen Kindern in der Pause, sondern steht allein auf dem Schulhof (vgl. ebd. S.14).

Das Buch beginnt mit einer kritischen Szene. Esra weint, weil jemand ihren Ranzen die Treppe heruntergeworfen hat und ihre ganzen Sachen schmutzig und zerknickt im Treppenhaus verteilt liegen. Kein anderes Kind hilft ihr, alle schauen nur zu.

Frau Mertl versucht zwar herauszufinden, wer Esras Ranzen umgeworfen hat, jedoch wird die Situation nicht aufgeklärt.

Dann steht ein Schulausflug ins Freibad an, auf den sich alle Kinder sehr freuen und die Erlaubnis ihrer Eltern erhalten. Nur Esra hat keine Erlaubnis dabei. Sie antwortet Frau Mertl auch nicht auf die Fragen, warum sie dieses Mal nicht mit darf. Funda, die bereits am Anfang des Buches Mitleid verspürt, Esra aber dennoch nicht hilft, bemerkt, dass Esra traurig aussieht. Die anderen Kinder der Klasse tuscheln über Esra, worüber auch Funda lachen muss (vgl. ebd. S.13).

Auf dem Elternabend wird deutlich, dass Frau Mertl und auch die anderen Eltern der Meinung sind, Esras Familie nimmt nie an Veranstaltungen teil, weil sie Türken sind und es somit „[a]ndere Länder, andere Sitten“ (ebd. S.17) wären. Die Kinder der Klasse 3b und auch die Klassenlehrerin Frau Mertl beschuldigen Esras Eltern, dass diese Esra alles verbieten und sie dazu zwingen, diese Kleidung zu tragen. „Es ist Hochsommer, deine Eltern scheinen das immer noch nicht mitbekommen zu haben“ (Çelik 2010, S.9).

Fundas Mutter ist darüber sehr wütend, sagt beim Elternabend aber nichts dazu. Ihre Familie und die Familie von Elvin, ein anderes türkisches Kind der Klasse, werden als Ausnahmen der türkischen Mitbürger gesehen (vgl. ebd. S.19).

Nach dem Schwimmbadausflug ist Esra nicht in der Schule und Funda wird von Frau Mertl ausgewählt, Esra die Hausaufgaben zu bringen (vgl. ebd. S. 25).

Als Funda bei Esra zu Hause ankommt und diese sieht, ist sie schockiert. Esra „ist sommerlich gekleidet, trägt Shorts und ein Trägerhemd und ist barfuß“ (ebd. S.27/28). Besonders geschockt ist Funda aber von der ` roten Schlange´ die auf Esras Körper zu sehen ist und „kann nicht anders als auf die feurige Schlange zu starren“ (ebd. S.28).

Fundas Mutter erklärt ihr, dass es sich bei der `Schlange´ um ein Feuermal handelt und Funda kann plötzlich sehr gut verstehen, warum Esra sich immer so seltsam verhält (vgl. ebd. S.32).

Auf der Seite 33 müssen die Leser des Buches sich für einen Lösungsweg entscheiden. Sind sie der Meinung, dass Funda sich nicht in Esras Angelegenheiten einmischen sollte, lesen sie den Lösungsweg A. Wenn sie allerdings glauben, dass es richtig wäre, Esra Hilfe anzubieten, lesen sie Lösungsweg B (vgl. ebd. S.33).

Der Lösungsweg A macht an einigen Stellen deutlich, dass Funda Esra nicht beisteht, trotzdem zweifelt sie aber daran, ob sie sich richtig verhält. Das Benehmen der anderen Kinder findet sie absolut nicht richtig, „[ihr] Magen verkrampft sich, als sie Henriks Bemerkung hört“ (ebd. S.37) schreitet aber dennoch nicht ein, „Blödmann denkt sie, aber sie sagt nichts“ (ebd.).

Als alle Mädchen der Klasse 3b Esra nach dem Sportunterricht beschimpfen und einengen, hält sie es nicht mehr aus und schreitet ein. Allerdings verrät sie Esras Geheimnis, wodurch diese sich so sehr schämt, dass sie einige Tage nicht in die Schule kommt (vgl. ebd. S.48-50). Funda fühlt sich schlecht und möchte Esra nun doch gerne helfen (vgl. ebd. S.53).

Die Geschichte des Lösungsweg B verläuft anders. Funda traut sich zuerst nicht, Esra zu helfen, spricht sie auf dem Weg nach Hause aber doch an und fragt sie, ob sie gemeinsam nach Hause gehen wollen (vgl. ebd. S.59).

Funda fragt Esra viele Dinge über ihr Feuermal und verbringt den Nachmittag gemeinsam mit ihr. „Funda ist richtig erstaunt. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich so mit Esra unterhalten und all ihre Geheimnisse erfahren würde“ (ebd. S.67).

Trotz des schönen gemeinsamen Tages ist Funda am nächsten Tag in der Schule nicht wohl dabei, dass Esra alles mit ihr zusammen machen will. Die anderen Mädchen der Klasse finden es doof, das Funda nun mit Esra befreundet ist, und nennen sie eine „Verräterin“ (ebd. S.75).

Als es um die Kleidung für das Mädchenfußballturnier geht und Esra diese nicht anziehen will, weil sie kurz sind und man ihr Feuermal sehen könnte erfindet Funda eine Notlüge, um Esra zu helfen (vgl. ebd. S.76).

Die anderen Mädchen sind sauer darüber, dass Esra nicht mitspielen muss, und beschimpfen sie und Funda nach dem Sportunterricht in der Kabine. Sie versperren beiden den Weg. Funda schafft es sich durchzudrängeln, Esra hingegen nicht. Die Mädchen ziehen an ihrer Kleidung, sodass plötzlich das Feuermal zu sehen ist (vgl. ebd. S.79-81).

Esra weint und Funda steht ihr zur Seite. Sie tröstet Esra und erklärt den anderen Kindern und Herrn Schröder, dass Esra sich für ihr Feuermal schämt und sich nur deswegen anders anzieht und komisch verhält (vgl. ebd. S.83-84).

[...]


[1] Lesetagebücher gibt es in unterschiedlichen Formen. Zum einen gibt es vorstrukturierte Lesetagebücher, welche buchbezogene Aufgaben zu den jeweiligen Kapiteln beinhalten. Zum anderen gibt es freie Lesetagebücher, deren Art Bearbeitung jedem Kind freigestellt ist (vgl. Hintz 2011, S.235).

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668222458
ISBN (Buch)
9783668222465
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323080
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Deutsche Sprache und Literatur
Note
1,3
Schlagworte
aygen-sibel celiks alle esra lesetagebuch möglichkeit auseinandersetzung mobbing grundschule

Autor

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