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Platons Höhlengleichnis. Analyse der Ideenlehre, der Paideia und dem Wesen der Wahrheit

Hausarbeit 2015 19 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Die Ideenlehre.
2.1 Zum Begriff der Ideen
2.2 Die Idee des Guten

3. Das Höhlengleichnis
3.1 Lage der Gefangenen
3.2 Das Höhlengleichnis - Eine Analogie zur Wirklichkeit
3.3 Die vier Dimensionen der Höhle..
3.4 Der pädagogische Gedanke des Höhlengleichnisses - Paideia

4. Analyse des Höhlengleichnisses - Was bedeutet Unverborgenheit?

5. Ergebnisse

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Platon lebte von 427 - 347 v. Chr. und wurde als Sohn einer der führenden Familien Athens geboren. Im Alter von 20 Jahren traf er Sokrates und blieb acht Jahre dessen Schüler. Nach der Verurteilung und Hinrichtung seines Lehrers, die ihn maßgeblich in seinem Denken und seiner Entwicklung beeinflussen sollte, verließ er Athen und unternahm zahlreiche Reisen. 387 v.Chr. eröffnete er eine Schule in Athen, die auch nach seinem Tod im Alter von 80 Jah- ren noch mehrere Jahrhunderte bestand und als Platonische Akademie bekannt ist. Platons Schriften weisen zumeist die Form des Dialoges auf, in welchen Sokrates eine wichtige Rolle spielt. Platons Werke sind von zeitloser Relevanz für unser Fach und beschäftigen Philoso- phen jeglicher historischer Epochen. Als eines der monumentalsten seiner Werke gilt gemein- hin die Politieia. In diesem Dialog, in dem Thematiken rund um das Modell des Idealstaates, die Gerechtigkeit, die Wahrheitserkenntnis, die Philosophie und die Erziehung zum Philoso- phen sich bewegen, nimmt das Höhlengleichnis im Zentrum des Werkes eine wesentliche Funktion ein. Im folgenden soll daher der Versuch unternommen werden, das Höhlengleichnis näher zu betrachten. Das Höhlengleichnis diente Platon als Erziehungskonzept, dessen höchs- tes Ziel die Idee des Guten im Erkenntnisprozess darstellt. Platon erläutert mit diesem Gleich- nis seine Ideenlehre und die Aufgabe der Philosophie. Die Möglichkeit der Erkenntnis, der Wirklichkeit ist daher ein zentrales Thema.

Dieses Gleichnis ist eine bildhafte Darstellung über den Urzustand unserer Natur hinsichtlich Bildung und Unbildung. Die Idee des Guten spielt hier eine zentrale Rolle. Es geht nicht mehr um den theoretischen Status der Idee, sondern es wird ausschließlich von dem praktischen Le- ben gesprochen. Ziel der Hausarbeit soll es sein, die Frage nach dem Wesen der Wahrheit zu erörtern und zu beantworten und inwiefern Platons Verständnis der Paideia dem Prozess der Wahrheitserkenntnis zuträglich sein kann. Um die Tiefe des Gleichnisses ergründen zu kön- nen, scheint es mir zunächst angebracht, zum Verstehen von Platons Ideenlehre, als funda- mentale Komponente im Höhlengleichnis beizutragen. Im Anschluss dessen soll eine intensi- vere Auseinandersetzung mit dem Gleichnis folgen, die abschließend mit einer näheren Ana- lyse endet.

2. Die Ideenlehre

2.1. Zum Begriff der Ideen

Ein Fundament in der Platonischen Philosophie ist die Ideenlehre. Platon teilt die Welt in das Reich der Wahrnehmungen und das Reich der Ideen. Er unterscheidet streng zwischen der vergänglichen das heißt der sinnlich wahrnehmbaren Welt und dem unveränderlichen, ewigen Reich der Ideen. Durch das Konzept der Idee wird alles Denken und Sein bestimmt. Unter der Welt des Seins versteht Platon die Welt der Ideen, die dem Verstand nur durch das Denken zu- gänglich sind. Die Ideen sind die Gesetze nach denen sich die Welt des Werdens richtet, die alles Veränderliche umfasst. Die Welt der Erscheinungen besteht Platon zufolge lediglich aus Abbildern übergeordneter Ideen. Das Reich der Wahrnehmung kann auch als Sinnenwelt be- zeichnet werden. Diese Sinnenwelt ist nur das Abbild der ihm gegengesetzten Ideenwelt.1 Die Welt, in der wir leben, enthält die intelligiblen Abbilder der Ideen, die wir nur mit unseren Sinnen erfassen können. Über die Phänomene in der Sinnenwelt ist weder Wissen noch wahre Erkenntnis möglich, nur Meinungen, durch die man die Wahrheit nicht erfassen kann. Platon ist der Auffassung, dass die Sinneswahrnehmung nicht zu Wissen führen kann.

Die Sinne können täuschen, weil die Gegenstände der sinnlichen Wahrnehmung, die explizi- ten Einzeldinge, sich ständig verändern. Deshalb ist von ihnen kein Wissen, sondern nur Mei- nung möglich. Alles, was in der Sinnenwelt existiert, besteht aus einem vergänglichen Mate- rial. Aussagen können daher nicht omnipräsent sein, da die Dinge, die beschrieben werden, sich ständig verändern. Nichts ist in der Sinnenwelt, es gibt nur viele Dinge, die entstehen und vergehen.2

Die Ideen sind zeitlos, dauerhaft, unveränderlich und existieren autark von den Einzeldingen, die man durch seine Sinne wahrnehmen kann, deshalb kann man die Ideenwelt nicht mit unse- ren Sinnen erfassen, sondern nur mit dem Verstand erkennen und wahrnehmen. Diese Ideen sind im Grunde die Basis der Einzeldinge.3 Erkenntnistheoretisch gesehen muss man eine Idee erst erkannt haben, bevor man die Einzeldinge wahrnehmen kann als das, was sie sind. Gäbe es also die Ideen nicht, könnte man die Einzeldinge nicht identifizieren. Man erkennt z.B. ein Bett nur als Bett, wenn man schon vorher internalisiert hat, was ein Bett ist. Alles Wissen über sinnlich Erfahrbares setzt ein richtiges Verständnis der jeweils zugrunde liegenden Idee vor- aus. Die Ideen stellen die Welt des Seins dar. Laut Platon ist die Idee also ein abstraktes, geis- tiges Musterbild, das in einer Wirklichkeit hinter der Sinnenwelt besteht und der Sinnenwelt übergeordnet ist. Die Idee des Bettes ist der Begriff der vielen einzelnen, realen Betten, die in der Wirklichkeit existieren; sie ist der Gattungsbegriff, ein bloß denkbares Abstraktum.4 Für jede Form in unserer Welt existiert eine Urform in der Ideenwelt. Während die Formen der Ideenwelt perfekt und unveränderlich sind, so sind ihre Abbilder unvollständige und sich indi- viduell unterscheidende Kopien. Somit ist das ideale Bett ein Musterbett aller realen Betten, das seine Aufgabe adäquat erfüllt.5

Die Idee verkörpert die Grundform und das Charakteristikum der einzelnen Dinge. Die Ideen sind ewige, unteilbare und unveränderliche Wesenheiten und existieren unabhängig von wahrnehmbaren Dingen.6 Nach Platons Lehre gibt es ohne Ideen kein Wissen über die Wirklichkeit und kein durchweg moralisches Handeln. Die Ideen bilden einen nur durch das Denken erfassbaren Bereich, an dessen Spitze die Idee des Guten steht.

2.2. Die Idee des Guten

Die Idee des Guten nimmt in der platonischen Ideenlehre als Ziel und Ursprung alles Seins eine Schlüsselposition ein. In der Welt der Ideen gibt es eine Idee, die allen zu Grunde liegt. Die Stellung des Guten innerhalb des Denkbaren wird mit der Sonne im Bereich des Sichtba- ren verglichen. Im Sonnengleichnis ist es das Bild der Sonne, die Idee des Guten. Die höchste Erkenntnis ist die Erfassung der höchsten Idee, der Idee des Guten. Paul Natorp definiert die Idee des Guten als die oberste Norm des Wahren und des Schönen, als den Grund der Wahr- heit, des Erkennens und der Erkennbarkeit.7 Das Gute ist nach Platon das letzte Ziel allen ethi- schen Strebens. Platon vergleicht im Sonnengleichnis das Gute mit der Sonne. So wie die Sonne der Ausgangspunkt des Sehens ist, so gilt das Gute als Ursprung von Wissen und Weisheit. Das Licht wird von der Sonne erzeugt und befähigt das Auge zu sehen und das Wesen des eigentlich Guten ist das, was den erkannt werdenden Objekten Wahrheit verleiht und dem erkennenden Subjekt das Vermögen des Erkennens gibt.8 Die Idee des Guten ist die höchste Instanz und der Anfang von allem. Sie bringt Erkenntnis und Wahrheit hervor, aber man schätzt sie noch höher als diese beiden.

Das Gute ist im Reich der Vernunft wie die Sonne im Reich des Sichtbaren. Die Sonne ver- leiht ihnen das Vermögen gesehen zu werden und gibt ihnen selbst Werden, Wachstum sowie Nahrung. Dies tut sie ohne selbst ein Werden zu sein. Das Gute verleiht dem Erkennbaren nicht nur das Erkanntwerden, sondern auch sein Sein und Wesen, ohne selbst ein Sein zu sein.9

„ Die Sonne, denke ich, wirst du sagen, verleihe dem Sichtbaren nicht nur das Vermögen, gesehen zu werden, sondern auch das Werden und Wachstum und Nahrung, unerachtet sie selbst nicht Werden ist.

- Wie sollte sie das sein! - Ebenso nun sage auch, dass dem Erkennbaren nicht nur das Erkanntwerden von dem Guten komme, sondern auch das Sein und Wesen habe es von ihm, obwohl das Gute selbst nicht das sein ist, sondern nochüber das sein an Würde und Kraft hinausragt. - “

Die Idee des Guten ist nach Platon das oberste Prinzip und Ziel allen Strebens. Sie ist Ursache der Wahrheit und der Erkenntnis des Guten. Das höchste Ziel des Philosophen ist deshalb die Erkenntnis der Idee des Guten. Diese Erkenntnis ist nach Platon eine notwendige Bedingung für moralisches Handeln. Das Gute steht als ein absoluter Orientierungspunkt für das praktische Handeln.10 Von der Idee des Guten ist alles andere abhängig, weil erst das Gute dem Menschen und den Dingen Sein und Nutzen verleiht.

Die Idee des Guten erleuchtet und gibt das richtige Denken und Handeln. Das Wissen der Idee des Guten macht alles andere Wissen nützlich und vorteilhaft (505b). Die Idee des Guten ist Quelle von Wahrheit und Wissen.

[...]


1 Vgl. Schleiermacher, Friedrich: Platon. Politeia S. 217-218

2 Vgl. Leuschner, Nora: Platons Ideenlehre S. 5

3 Gaarder, Jostein: Sofies Welt S. 103-108.

4 Vgl. Vonessen: Platons Ideenlehre. S. 124

5 Vgl. Vonessen: Platons Ideenlehre. S. 124

6 Vgl. Kunzmann: dtv-Atlas Philosophie. S. 39

7 Vgl. Dr. Natorp, Paul: über Platons Ideenlehre. S. 64

8 Vgl. Schleiermacher, Friedrich: Platon. Politeia 508 e

9 Vgl. Schleiermacher, Friedrich: Platon. Politeia 509b-c

10 Schleiermacher, Friedrich: Platon. Politeia 510b 6

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668221734
ISBN (Buch)
9783668221741
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323058
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
Schlagworte
Höhlengleichnis Platon Politieia Ideenlehre

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