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Die Geschichte der Atomenergie in Deutschland von ihren Anfängen bis zum Ausstieg. Darstellung und Berichterstattung in tschechischen Zeitungen

von Josef H. (Autor)

Bachelorarbeit 2013 62 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Übersichtliche Gliederung:

1. Die Einleitung

2. Die Zielsetzung und Forschungsmethode

Theoretischer Teil

3. Der Anfang der Atomkraft
3.1.Die Erfindung der Atomenergie
3.2.Die Lage Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg

4. Im Laufe der Zeit
4.1.Die goldene Ära
4.1.1. Offizieller Beginn
4.1.2. Gründung des Forschungszentrums Karlsruhe
4.1.3. Der erste Reaktor Deutschlands
4.1.4. Der erste Atomstrom aus der Steckdose
4.1.5. Die Inbetriebnahme neuer AKWs
4.1.6. Ölkrise
4.2.Der Umbruch in den 70er Jahren
4.3.Die Ereignisse in Harrisburg 1979 und Tschernobyl

5. Der Einstieg in den Ausstieg.
5.1.Im Jahre
5.2. Im Rückblick auf die letzten 5 Jahre

6. Die Sorgen der Öffentlichkeit mit der Zeit

7. Die energetische Zukunft Deutschlands
7.1. Die Elektrizitätserzeugung aus Atom
7.2. Erneuerbare Quellen im Trend

8. Die Stellung Tschechiens zur Atomkraft

Praktischer Teil

9. Die Recherche von Zeitungsartikeln

10. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Anhang :
- Verzeichnis der Atomkraftwerke in Deutschland zum Energiegewinn seit dem Anfang
- Atomausstiegsbeschluss 2011
- Auszug aus dem novellierten Atomgesetz 2011

1. Einleitung

Die Atomkraft ist schon seit der Erfindung des Kernspaltens ein häufig diskutiertes Thema. Unter diesem Begriff ist Folgendes zu verstehen:

- Atomkraft als Atombombe mit verheerenden Auswirkungen für die Menschheit
-Atomkraft als Mittel zum Energiegewinn, d.h. für friedliche Zwecke verwendet

Obwohl heutzutage die Kernenergieerzeugung aus verschiedensten Gesichtspunkten besprochen wird, rückt in den Vordergrund auch der Missbrauch von Atomwaffen in Ländern wie zum Beispiel Nordkorea oder Iran, beziehungsweise Pakistan und Indien. Dies weist auf die Wichtigkeit der Technologie und den verantwortungsvollen Umgang mit ihr hin, denn mit Atom kann man Vieles erlangen - sowohl einen energetischen Wohlstand und somit eine wirtschaftliche Blütezeit als auch vernichtete Gebiete im Falle eines GAUs oder eines terroristischen Atomanschlags.

Meiner Auffassung nach kam jetzt für alle Menschen eine einzigartige Gelegenheit, über die Anwendung der Kernenergie nachzudenken und aufgrund dessen dazu eine Stellung zu nehmen. Den Anlass dazu gibt uns die endgültige Entscheidung Deutschlands aus der Kernenergie bis 2022 völlig auszusteigen und diese durch erneuerbare Quellen zu ersetzen. Von daher begrüßte ich die Möglichkeit, meine Bachelorarbeit „Die Geschichte der Atomenergie in Deutschland. Eine geschichtliche Betrachtung der Entwicklung von Kernenergie seit ihrem Anfang bis heute“ zu verfassen.

Der Ausstieg Deutschlands ist bereits seit den 80er Jahren bekannt, dennoch wurde mehrmals umgewertet, weil es Gründe sowohl für die Beibehaltung als auch für den Ausstieg gab und auch heute gibt. Trotz allem wurde die Technologie immer als Brückentechnologie angesehen, denn man dachte immer an die Gefahren, die das Atom in sich birgt.

Gänzlich gesehen ist das Thema der Atomenergie ein umfangreiches Kapitel, das weit den Umfang dieser Bachelorarbeit überschreitet. Daher ist das Thema auf eine geschichtliche und gegenwärtige Untersuchung der Atomenergie in der BRD und in dem wiedervereinigten Deutschland beschränkt. Mit dieser Arbeit möchte ich auf die Problematik der Elektrizitätserzeugung aus Atom aufmerksam machen und möglichst viele Leute zum Nachdenken über unsere Zukunft anregen.

Im zweiten (praktischen) Teil wird die Reflexion deutscher Atompolitik in tschechischen Medien behandelt. In diesem Teil werden 20 Zeitungsartikel aus dem Internet bearbeitet, indem sie zusammengefasst und gewertet werden. Das Hauptthema besteht darin, herauszufinden, wie die tschechische Öffentlichkeit von der deutschen Atomkraft informiert wird.

2. Zielsetzung und Forschungsmethode

Das Ziel dieser Arbeit liegt daran, zu analysieren, wie sich die Atomenergieerzeugung in der BRD und in dem wiedervereinigten Deutschland im Laufe der Zeit entwickelte. Sie gibt Aufschluss über die Situation und Ereignisse in dieser Branche im Zeitraum von dem zweiten Weltkrieg bis heute.

Die Atompolitik ist ein wichtiger Aspekt der deutschen Landeskunde, denn am Beispiel der Atompolitik kann sehr gut die aktive Zivilgesellschaft Deutschlands beobachtet werden, was ein interessantes landeskundliches Beispiel für das aktuelle Deutschlandbild darstellt.

Der theoretische Teil verfolgt das Ziel, die Atomenergie seit ihrem Anfang bis heute geschichtlich zu betrachten. Alle Kapitel sind aus zeitlicher Sicht geordnet und beschreiben die wichtigsten Argumente, die thematisch und zeitlich zu einzelnen Epochen passen. Darüber hinaus wird ein Kapitel über die größten Sorgen der Öffentlichkeit hinzugefügt. Zur Bachelorarbeit gehören nicht zum Beispiel folgende Themen: ökonomische Folgen des Atomausstiegs, energetische Nachfolgetechnologien (genauer betrachtet), die Atomenergie in der DDR.

Im praktischen Teil wird auf eine Rezeption der deutschen Atompolitik in tschechischen Medien eingegangen. Dieser Teil ermöglicht, eine Einsicht in die Atompolitik Deutschlands seitens der tschechischen Medien zu gewinnen - wie wird von der deutschen Atompolitik berichtet. Es werden hier 20 Zeitungsartikel zusammengefasst und bewertet.

3. Der Anfang der Atomkraft

3.1. Die Erfindung der Atomenergie

Alles fing mit der Erfindung der Kernspaltung im Jahre 1938 an. „Kaum eine wissenschaftliche Entdeckung hat die Welt so sehr verändert wie die der Kernspaltung“. ( Kernspaltung wird 70 Jahre alt, online)

Die Erfindung ist mit dem Namen Otto Hahn verbunden, obwohl er in Zusammenarbeit mit Luise Meitner und Fritz Strassmann an dem Versuch arbeitete. Im Allgemeinen geht es darum, dass beim chemischen Spalten von Uran große Menge Energie entsteht, die man sowohl für Energieherstellung als auch für eine Atombombe als auch in anderen Bereichen menschlichen Tuns (Medizin, Datierungsmethoden, Leuchtziffern) anwenden kann. Das Prinzip besteht darin, dass beim Beschießen von Uran neue Neutronen entstehen, die weitere Reaktionen verursachen und somit entsteht eine Kettenreaktion. 1944 wurde dem Erfinder Otto Hahn der Nobelpreis für diesen Beitrag für die Wissenschaft verliehen. (vgl. Die Entdeckung der Kernspaltung, online)

3.2. Die Lage Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg

Bereits im 20. Jahrhundert haben sich Wissenschaftler und Politiker mit dem Atom-Gedanken gespielt. Gleich danach haben Physiker weltweit angestrebt, diese neue Erfindung zu nutzen. Leider war die erste Idee der möglichen Nutzung nicht die friedliche, sondern die vernichternde, dennoch ist es nachvollziehbar, denn am Ende der 30er Jahren stand die Welt vor dem 2. Weltkrieg, also als logischer Schritt war für jede Nation die Herstellung einer Atombombe. Welche Auswirkungen eine Atombombe für die Menschheit darstellt, hat sich in Hiroshima und Nagasaki gezeigt- dies gilt bis heute als ein warnendes Beispiel für die Zukunft.

Die Lage nach dem 2. Weltkrieg scheint immer noch im Zeichen der militärischen Aufrüstung zu verlaufen, denn „ jede Nation bemühte sich möglichst schnell mit den Amerikanern gleichzuziehen. England, Russland und Frankreich gelang der Sprung in den elitären Club der Atombombenmächte.“ (Geschichte und Hintergrund des deutschen Atomprogramms, online, S.1)

In dieser Zeit war natürlich schon der friedliche Energiegewinn bekannt, der aber immer noch nur nebenbei stand, an der ersten Stelle war vor allem die Bombe. In der Regierung Adenauers (1949-1963) wurde viel Geld in die Atomentwicklung hineingeflossen, viele Atomforschungszentren deutschlandweit wurden aufgebaut. Der Zweck war sowohl friedlich als auch verheerend.

Wenn Deutschland so große Geldmengen in andere Bereiche wie z.B. Japan in die Mikroelektronik ausgegeben hätte, hätte heute neue erneuerbare Technologien längst rentabel betreiben können.

Da es anderen Nationen weltweit nicht gefiel, dass Deutschland, das Land, dass den 2. Weltkrieg verursacht hatte, Atombombenmacht werden wollte, wurde ihm gegen seinen Willen seine atomare Aufrüstung verboten, indem der sogenannte Atomwaffensperrvertrag durchgesetzt wurde. Genau hieß es, auf eigene Atomprogramme zu verzichten. Die friedliche Nutzung des Kernspaltens beeinträchtigte es keineswegs, denn zum Ausgleich wurde Deutschland Förderung bei der zivilen Nutzung versprochen. Dem Land bestand immer die Möglichkeit, im Falle des Falles Atombomben schnell herstellen zu können und somit sich mit anderen Mächten gleichzusetzen.

( Vgl. Geschichte und Hintergrund des deutschen Atomprogramms, online)

4. Im Laufe der Zeit

4.1. Die goldene Ära

Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war dank der Erfindung der Kernspaltung weltweit auf energetischer Ebene mit der Atomenergie verbunden. Alle großen Mächte wie die USA, Frankreich, Russland und Großbritannien strebten die Anwendung der Kernenergie in ihren Energieplänen an, denn diese Technologie schien damals als Zeichen des Fortschritts.

Doch Deutschland wurde der Aufstieg in die Energieerzeugung aus Atom von den Allierten zunächst verweigert. Der damalige Kanzler Konrad Adenauer wollte keinen Rückstand zulassen und unternahm notwendige Schritte für den Anfang der Kernforschung in Deutschland. Schließlich im Jahre 1952 gelang es ihm das Atomkraftverbot aufzuheben und somit wurde die Entwicklung von Kernkraftwerken in Gang gesetzt. Adenauer trieb eifrig mit dem Bundeswirtschaftsminister Erhard und weiteren Experten der Atomindustrie die Entwicklung voran, um den zeitlichen Rückstand aufzuholen.

(Vgl. Die deutsche Atompolitik und die Energieversorger, online) 8

4.1.1. Offizieller Beginn

Erst am 5. Mai 1955 wurde offiziell bekannt gegeben, dass Deutschland die Kernenergie ohne Einschränkungen einsetzen kann und somit fing die Blütezeit der Elektrizitätserzeugung an. (Vgl. Die deutsche Atompolitik und die Energieversorger, online)

In diesem Jahr erlangte die Bundesrepublik Deutschland ihre Unabhängigkeit und konnte offiziell mit der Kernforschung loslegen. Die Regierung Adenauers errichtete das Bundesministerium für Atomfragen, wessen Minister Franz-Josef Strauß wurde. (vgl. Geschichte der Kernenergie, online)

4.1.2. Gründung des Forschungszentrums Karlsruhe

Im Jahre 1956 beschloss der Atomminister Strauß die Errichtung des Forschungszentrums in Karlsruhe. Schon damals protestierten einige Bürger von umliegenden Gebieten, weil sie die unbewährte atomare Technologie als gefährlich betrachteten. „Unsere Bedenken in den Gefahren für Menschen, Pflanzen und Tiere, die konnten bisher nicht voll widerlegt werden. Denn selbst hierin streiten sich noch Professoren“. (Zeitreise: Von der AKW Euphorie zu AKW nein danke, online)

4.1.3. Der erste Reaktor Deutschlands

Die von dem Atomministerium vorangetriebene Wissenschaftsgemeinde auf dem Gebiet Atomenergie feierte 1957 seinen ersten Reaktor, der in Garching bei München errichtet wurde. Es handelte sich um einen Forschungsreaktor, der ausschließlich der Wissenschaft diente. Für sein Aussehen wurde auch Atom-Ei genannt. Dort wurden bis zum Jahr 2000 Forschungen durchgeführt. (vgl. Atom-Ei Forschungsreaktor München, online)

4.1.4. Der erste Atomstrom aus der Steckdose

Als erstes Atomkraftwerk, das gewonnene Elektrizität ins öffentliche Netz einspeiste, gilt die im Jahre 1961 erbaute Anlage Kahl (Nähe Großwelzheim). Kennzeichnend für sie war, dass sie auch wissenschaftlichen Zwecken diente. Nach dem Erlass des Atomgesetzes, das die Atomkraft als Technologie zum Elektrizitätsgewinn zugelassen hatte, speiste diese Anlage für 25 Jahren Betriebszeit die Energie ins öffentliche Netz ein. Nach dieser Laufzeit ging im November 1985 vom Netz und wurde völlig zurückgebaut. (vgl. Anfang und Ende des ersten deutschen Meilers, online)

4.1.5. Die Inbetriebnahme neuer AKWs

Die 70er und teilweise auch die 80er Jahre sind bezeichnend für die Inbetriebnahme vieler neuer AKWs in der BRD. In dieser Zeit gingen folgende Kraftwerke ans Netz: (vgl. Geschichte der Kernenergie, online)

- Niederaichbach(1972)
- Biblis A(1974)
- Biblis B, Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel (alle 1976)
- Isar 1(1977)
- Unterweser(1978)
- Phillipsburg 1(1979)
- Grafenrheinfeld(1981)
- Krümmel(1983)
- Brokdorf(1986)
- Isar 2 und Emsland(beide 1988)
- Neckarwestheim 2(1989)

4.1.6. Ölkrise 1973

Der Ausbruch der Ölkrise im Jahre 1973 veränderte die Ansicht auf die Kernenergie. Bald wurde allen klar, dass eine energetische Diversifizierung nötig ist. Die Versorgungssicherheit musste sichergestellt werden, was damals die BRD in die Richtung Kernenergie drängte, obwohl es sich bereits im Falle Harrisburg zeigte, welche Gefahr im Atom steckt. Dennoch, trotz allen Risiken, schien der Kurs unausweichlich auf die Atomenergie zu gehen. Der gleiche Trend zeigte sich auch in anderen Ländern zu verlaufen. Am Beispiel Frankreichs und sogar Russlands sieht man im Bereich Energieherstellung eine Weiche gestellt. In diesen beiden Ländern wurde in den 70er Jahren der Atomenergieanteil stark angestiegen, obwohl im Falle Russlands es nicht wegen seinem Rohstoffreichtum an Öl und Gas notwendig war. Die BRD strebte in diesem Zeitraum die Diversifizierung der Energien an, d.h. Kohle, Gas, Öl , Atom und unterstützte Entwicklung alternativer Energiequellen mit dem Ziel, möglichst unabhängig von Öl zu werden. (vgl. Ölkrise und Kernkraft, online)

Das Umdenken in der energetischen Politik hatte zur Folge, dass neue Pläne über neue AKWs und Wiederaufbereitungsanlagen vorgestellt wurden. „Lag 1972 noch der Anteil von Erdöl und Kohle bei knapp 90 Prozent, sank er im letzten Jahr auf ca. 60 Prozent“. (Wettach, Sven:

Die Ölkrise 1973-Hintergründe …)

4.2.Der Umbruch in den 70er Jahren

Die Begeisterung über die Kernenergie begann langsam zu Beginn der 70er Jahre zu senken. Man dachte über einen längeren Zeitraum hinweg an die Vorteile der Kernenergie, die ausschlaggebend waren. Nach und nach wuchs der Gedankenaustausch, was die Nutzung der Kernenergie angeht. Alle fragten sich nach Vor- und Nachteilen dieser Technologie und wiesen darauf hin, dass jede technische Anlage irgendwelche Mängel aufweist. Zunächst nahmen diese Debatten keinen Einfluss auf die energetische Politik der Bundesrepublik, weil immer neue AKWs ans Netz gingen. Erst später, aufgrund zunehmender Genehmigungsprobleme kam es zu zeitlichen Verzügen und Preisanhebungen, die den Gegnern als ein wichtiger Nachteil zugutekamen. (vgl. Stephany, Manfred: Zur Geschichte der NUKEM…)

Als Symbol des ersten Widerstandes wird der geplante Bau von AKW Wyhl angesehen. Vor allem die Bauern und Anrainer aus umliegenden Dörfern befürchteten große Gefahren und Umweltzerstörung, die ein solcher Bau mit sich bringen konnte. So nahmen die Protestaktionen ihren Lauf und der geplante Bauplatz wurde von ihnen mehrmals besetzt, wobei mehrere Leute dabei verhaftet wurden, bis das Verwaltungsgericht Freiburg die Bauarbeiten einstellte. Diese Ereignisse gingen in die Geschichte ein, denn der Baustopp wurde erstaunlicherweise durchgesetzt und das AKW Wyhl niemals erbaut, also man kann es als Erfolg der Protestler betrachten.

Als ein anderes Projekt dieser Zeit gilt das AKW Brokdorf. Auch dort versammelten sich viele Bewohner aus der Umgebung, die sich in der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU) zusammenschlossen und verlangten das Gleiche wie in Wyhl - einen sofortigen Baustopp. Leider ist es ihnen nicht gelungen, das schon bekannte Szenario zu wiederholen und der Bau wurde aufgrund eines Sofortvollzugs von damaligem Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein Gerhard Stoltenberg (CDU) durchgesetzt. Mehrere Proteste in Brokdorf wurden von der Polizei aufgelöst. Die Lage spitzte sich dadurch noch zu und am 13.11.1976 erreichte ihren Höhepunkt, als sich ungefähr 30000 Protestler vor dem Standort Brokdorf versammelten. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei, die die ganze Aktion mit Einsatz von Tränengas und anderen Mitteln niederschlug, infolgedessen an dem Staat heftige Kritik geübt wurde. (vgl. Symbol Brokdorf, Die Geschichte eines Konflikts, online)

„Wenn wir in Brokdorf den Platz räumen würden, stünden dieselben Leute kurz darauf in Krümmel und bald danach in Brunsbüttel. Und anschließend geht es vielleicht nicht mehr um ein Kernkraftwerk, sondern um einen Flughafen“. (Symbol Brokdorf, Die Geschichte eines Konflikts, Dr. Rolf Olderog, S. 270)

4.3.Die Ereignisse in Harrisburg 1979 und in Tschernobyl 1986

Den ersten ernsthaften Vertrauensbruch im Thema Atomenergie brachten in Gang die Ereignisse im Jahre 1979 in den USA. Der Zwischenfall in dem AKW Three Mile Island bei Harrisburg gilt bis heute als der erste bis dahin schwerste Unfall in einem AKW, denn es passierte dort eine Teil-Kernschmelze, d.h. die Radioaktivität entwich außerhalb des Reaktors ins Freie, aber zum Glück nicht von der Atomanlage raus. Dieses Ereignis wird als Verkettung von menschlichen Fehlern bezeichnet, was aber beweist, dass alle technischen Anlagen in sich trotz allen möglichen Sicherheitssystemen versteckte Fehler bergen. Das AKW Harrisburg zwar entkam einem GAU, dennoch gab den Atomgegnern einen neuen Auftrieb. (vgl. Niels Boeing: 28. März 1979 Harrisburg: Kernschmelze der Glaubwürdigkeit, online)

Noch etwas Schlimmeres als in Harrisburg ereignete sich 1986 in Tschernobyl. Diese Katastrophe kann man als den schlimmsten GAU bezeichnen, denn auf der internationalen INES-Bewertungsskala erhielt Tschernobyl die schlimmste Note 7. „Der Unfall ereignete sich während eines Tests, bei dem geprüft werden sollte, ob bei einem Stromausfall die Rotationsenergie der Turbine noch übergangsweise zur Stromerzeugung genutzt werden kann, bis die Notstromaggregate hochgelaufen sind“. (Czakainski Martin. Tschernobyl - Der Reaktorunfall. S.4). Es kam aufgrund von Missentscheidungen und auch versteckten Systemschwächen zum Wasserstoffausbruch, infolge dessen der Reaktorbehälter riss und die Radioaktivität trat raus. Die Feuerwehrleute versuchten von Hubschraubern den verunglückten Reaktor mit verschiedenen Gegenständen abzudecken, um das Strahlungsrisiko zu minimieren. (vgl. Czakainski Martin. Tschernobyl - Der Reaktorunfall)

5. Der Einstieg in den Ausstieg

5.1. Im Jahre 2000

Erst mit dem Regierungsaustausch im Jahre 1998 konnte der Atomausstieg gesetzlich vorangetrieben und umgesetzt werden. Aus den damaligen Wahlen in den Bundestag sind die Koalitionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen hervorgegangen. Diese Koalition hat in ihren gemeinsamen Vertrag den Atomausstieg aus der Atomenergie eingearbeitet. „Der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie wird innerhalb dieser Legislaturperiode umfassend und unumkehrbar gesetzlich geregelt“. (SPD/Bündnis 90/Die Grünen: Aufbruch und Erneuerung - S. 19)

Die Entscheidung beider Parteien musste mit den Energieversorgungsunternehmen geschlossen werden. Diese Verhandlungen dauerten mehrere Sitzungen, denn es mussten alle notwendigen Angelegenheiten (Konsensverhandlungen) Schritt für Schritt verhandelt werden und dies wollte die Regierung innerhalb eines Jahres schaffen.

Erstens sollte eine Atomgesetzänderung für mögliche Verhandlungen mit den Energieversorgern vorgenommen werden und im nächsten Schritt sollte mit ihnen ein neues Gesetz zum entschädigungsfreien Aussteigen beschlossen werden. Dies galt als besonders wichtig, denn es bestand die Gefahr, dass die Versorger die Regierung zum Gericht ziehen konnten. Die Ursache dafür waren etwaige Schadenersatzforderungen, die seitens der Regierung ausgezahlt werden konnten, denn bisher wurden den Atomkraftbetreibern zeitlich unbegrenzte Betriebszeiten erlaubt. (vgl. Raschke, Die Zukunft der Grünen. S.204)

Als erstes wollte die Regierung die Technologie der Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe ab dem 1. Januar 2000 einstellen, was zu diesem Zeitpunkt nicht vereinbart wurde und die Regierung musste dieses vorgesehene Verbot verschieben ( vgl. Raschke, Die Zukunft der Grünen. S.182)

Der größte Streitpunkt bei der zweiten Verhandlung um 2 Monate später war die Besteuerung der Rückstellungen für Entsorgung des Atommülls, denn das Finanzministerium, vertreten durch den Lafontaine, verlangte von den Energieversorgern entgangene Steuern in der Höhe von 50 Milliarden DM. (vgl. Mez. Lutz: Der deutsche Weg zum Atomausstieg….)

Es war damals beiden Seiten klar, dass ein Kompromiss ohne Zugeständnisse von beiden Seiten nicht möglich ist. Die Energieunternehmen haben sich sowohl bei der Besteuerung der Rückstellungen als auch im Thema Laufzeitverlängerung zögerlich gezeigt und es drohte, dass sie die Verhandlungen abbrechen. Im Rahmen der Verhandlungen erstellten beide Seiten ein 26-Punkte-Papier, dessen Inhalt die Laufzeit von AKWs auf 35 Jahre bestimmt. Dieser Entwurf wurde bei der dritten Verhandlung abgelehnt.

Einen von beiden Seiten anzunehmenden Kompromiss war schwierig zu schließen, denn es entstand ein Unterschied zwischen Kalenderjahren und Volllastjahren im Betrieb. Die Energieunternehmen bestanden ausgerechnet auf der Volllastjahrezählung, was umgerechnet in Betriebsjahre durchschnittlich 42 Jahre darstellte. Mit der Betriebsfrist war es immer kompliziert einen Beschluss zu fassen und so schlug das Umweltministerium vor, flexible Stilllegungszeiten von Anlagen zu erlauben. (vgl. Raschke: Die Zukunft der Grünen)

Erst am 14. Juli 2000 ist die endgültige Fassung von beiden Seiten, genannt auch Atomkonsens 2000 beschlossen.

Aus inhaltlicher Sicht ist es zum Beispiel zu nennen:

Das Ende der Wiederaufbereitung erfolgt zum 1. Juli 2005, danach werden die Zwischenlager zu Endlagern.

Die Laufzeit jedes AKWs wird auf 32 Kalenderjahren ab Beginn der kommerziellen Inbetriebnahme ausgemacht.

Die Regierung verpflichtet sich, auf keine Art und Weise die Atomenergienutzung zu beeinträchtigen.

Das Neubauverbot ist seitens der Betreiber zur Kenntnis zu nehmen. (vgl. Vereinbarung zwischen der Bundesregierung. online)

5.2.Im Rückblick auf die letzten 5 Jahre

In den letzten 5 Jahren ergab sich auf der Ebene der Atomkraftwerke Vieles. Die Atomkraft als solche ist in Deutschland über einen längeren Zeitraum hinweg als Brückentechnologie angesehen, jedoch trotz allen Vorwürfen bis zur Katastrophe in Japan rechneten alle Regierungen mit ihr, zumindest bis zum geplannten Stilllegen einzelner Anlagen. Im Anschluss an die im Jahre 2000 getroffene Entscheidung der rot-grünen Koalition wurden die Zukunftspläne der Atomenergie in Deutschland noch umgewertet.

Laufzeitverlängerung 2010

Die schwarz-gelbe Koalition beschloss im Jahre 2010 eine Laufzeitverlängerung betreffend alle im Betrieb befindliche AKWs. Durschnittlich sollte die Betriebszeit um 12 Jahre verlängert werden. Für die noch vor 1980 ans Netz gegangenen Anlagen sollte es 8 Jahre, für die übrigen sogar 14 Jahre betragen. Somit soll das letzte AKW erst im Jahr 2036 heruntergefahren werden. Die Beweggründe für die Beibehaltung waren vor allem die CO2- Minderung, die mit dem Atom erreichbar ist, des weiteren auch die Begebenheit, dass diese Energie billig herzustellen ist, denn die Frage nach den Kosten immer aktuell ist. Als Voraussetzung für den Weiterbetrieb war die Sicherheitsnachbesserungen, alle Anlagen mussten moderneren Sicherheitsstandarts entsprechen. Zum Bestandteil des Verlängerungsvertrages zählt auch die Unterstützung regenerativer Energieträger, die im Jahr 2010 noch nicht imstande waren, vor allem aus Kostengründen das Atom zu ersetzen. In diesem Energiekonzept steht: „Laut Energiekonzept soll auch der Anteil erneuerbarer Energien kräftig gesteigert werden. 2050 sollen 80% des Stroms aus regenerativen Quellen kommen. Gleichzeitig soll massiv Energie gespart werden, vor allem beim Heizen und Kühlen von Gebäuden“. (vgl. Und zitiert von: Fünf Minister feiern eine strahlende Zukunft, online)

Der Zwischenfall in Fukushima

Obwohl die Welt bereits die Auswirkungen eines GAUs von Harrisburg und Tschernobyl kannte, dachte damals niemand an einen weiteren Zwischenfall. Dennoch waren alle von den Ereignissen in Japan überrascht.

Der Unfall passierte am 11. März 2011 nach einem Erdbeben der Stärke 9. Infolge des starken Erdbebens und kurz darauf entstandenen Tsunami wurden die Kühlsysteme und die Notstromversorgung des AKWs außer Betrieb gesetzt. Die unzureichende Kühlung der Atommeiler führte dann zur Kernschmelze, infolge dessen die Radioaktivität raustrat. Die Lage spitzte sich stufenweise zu, es kam zu mehreren Wasserstoffexplosionen und die Bevölkerung aus umliegenden Dörfern musste evakuiert werden, es wurde eine Sicherheitszone eingerichtet, die man bis heute aus Gesundheitsgründen nicht betreten darf.

Der gesamte Unfall ist auf die Wetterlage und Verkettung menschlicher Fehler zurückzuführen. (vgl. Das AKW Fukushima dai ichi, online)

Die Reaktion der schwarz-gelben Koalition

Bereits 3 Tage nach der Katastrophe beschloss die Bundesregierung ein Moratorium, dessen Aufgabe darin besteht, nachzuweisen, ob die AKW-Anlagen in Deutschland den neuesten Sicherheitsmaßnahmen standhalten können. Die 7 noch vor 1980 ans Netz angebundene AKWs wurden abgeschaltet und alle 17 überprüft. Seit diesem 3-Monate langen Moratorium wurden die ältesten nicht mehr hochgefahren. (vgl. Wie sich Deutschland gegen Atomkraft entschied, online)

Im Rahmen des Moratoriums wurden alle Themen bezüglich Atomausstieg und Nachfolgetechnologien und deren Anwendung im deutschen Versorgungssystem behandelt. Nach mehreren Verhandlungen auf der Bundesebene wurde das endgülige Aus für die Atomenergie am 6.6.2011als Novellierung des Atomgesetzes gebilligt. Für den Ausstieg sprachen sich sowohl die Koalition als auch die oppositionellen Parteien. Als Enddatum für das letzte AKW wurde 31. Dezember 2022 festgesetzt. (vgl. Atomausstieg beschlossen und alle Fragen offen, online)

Im Anhang befindet sich der offizielle Ausstiegsbeschluss 2011 und ein Auszug zum Ausstieg aus dem novellierten Atomgesetz (2011).

6. Die Sorgen der Öffentlichkeit mit der Zeit

Seit dem Anfang der Inbetriebnahme hat es Vorurteile und auch Schwächen der Technologie gegeben, die mit der Zeit immer mehr besprochen werden und auf die die Öffentlichkeit immer mehr aufmerksam gemacht wird.

Heutzutage gehört zu den aktuellsten Themen der Atomenergie in Deutschland die Laufzeitverlängerung und die Frage der Endlagerung vom abgebrannten Treibstoff. (vgl. Felix Matthes: Mythos Atomkraft…)

Über die Verlängerung der Laufzeiten wird immer mehr diskutiert. Sie liegt im Interesse vieler Subjekte - vor allem der Atomindustrie und der Regierung. Das bestehende Interesse beweist folgender Satz: „ Falls es zu keinen grundlegenden Änderungen in der Atomstrompolitik kommt, ist die Anlagenlaufzeit die wichtigste Determinante der Atomstromproduktion im kommenden Jahrzehnt.“ (Felix Matthes: Mythos Atomkraft… S. 84-85) Auf einer Seite stehen die wirtschaftlichen Profite, auf der anderen eher Befürchtungen seitens der Bevölkerung. Nicht nur deutschlandweit ist die Einstellung gegenüber dem Bau neuer Reaktoren ablehnend. Verantwortlich dafür sind sowohl Ereignisse, wie beispielsweise Reaktorunfälle von Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima als auch Abfallentsorgung als auch mögliche radioaktive Freisetzung.

Ein oft verbreitetes Thema der Gegner heißt die Sicherheit der AKWs gegen einen Terroranschlag oder Beständigkeit gegen einen Absturz eines Passagierjets. Besonders spürbar ist die Problematik eines möglichen Anschlags nach dem 11. September 2001 geworden. Dass dies keine Gedankenausschweifung ist, bezeugen die Geschehnisse aus der Vergangenheit - ein Beispiel für alle - 1972 haben 3 Luftpiraten versucht, eine DC-9 der Southern Airlines, mit der sie auf den Oak-Ridge-Forschungsreaktor des US-Militärs zusteuern wollten. Zum Glück gelang es nicht, denn die Erpresser 2 Millionen Dollar von der Regierung erhielten. Auch später gab es mehrere Versuche, unterschiedliche AKWs zu bedrohen - mit Bombenanschlägen oder Beschädigungen von Stromleitungen (kurzgeschlossen). (vgl. Felix Matthes: Mythos Atomkraft…)

Die Gefahr für die Bevölkerung weltweit besteht auch im Falle eines Krieges, denn „Atomkraftwerke die „attraktivsten“ Ziele für terroristische oder militärische Angriffe darstellen“. (Felix Matthes: Mythos Atomkraft…S.114).

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Details

Seiten
62
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668222298
ISBN (Buch)
9783668222304
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323045
Institution / Hochschule
Masaryk Universität
Note
A
Schlagworte
geschichte atomenergie deutschland anfängen ausstieg darstellung berichterstattung zeitungen

Autor

  • Josef H. (Autor)

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Titel: Die Geschichte der Atomenergie in Deutschland von ihren Anfängen bis zum Ausstieg. Darstellung und Berichterstattung in tschechischen Zeitungen