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Aufgaben, Organisation und Entwicklung der Weltbank (IBRD und IDA)

Hausarbeit 2002 45 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. VORBEMERKUNG

2. ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER IBRD
2.1. EREIGNISSE VOR DER BRETTON-WOODS-KONFERENZ
2.2. DIE BRETTON-WOODS-KONFERENZ IM JAHRE 1944

3. ZIELE UND AUFGABEN DER WELTBANK
3.1. AUFGABEN VOM ZEITPUNKT DER GRÜNDUNG BIS ZUM JAHRE 1948
3.2. AUFGABEN NACH EINSETZEN DES MARSHALL-PLANS IM JAHRE 1948
3.3. HEUTIGE AUFGABENSCHWERPUNKTE UND DAZUGEHÖRIGE DARLEHENSAUSGABEN
3.4. ABGRENZUNG ZUM IWF

4. ORGANISATION UND FINANZIERUNG DER WELTBANK
4.1. ZUSAMMENSETZUNG
4.2. ERWEITERUNG DER IBRD
4.3. FINANZIERUNGSKONDITIONEN UND -QUELLEN

5. ÜBERBLICK ÜBER DIE ENTWICKLUNGSPOLITIK DER WELTBANK IN DEN LETZTEN FÜNF JAHRZEHNTEN
5.1. ENTWICKLUNGSPOLITIK IN DEN ERSTEN JAHREN DER GESCHÄFTSTÄTIGKEIT IM ZEITRAUM VON 1945 BIS 1968
5.2. ARMUTSORIENTIERTE ENTWICKLUNGSPOLITIK VON 1968 BIS 1981
5.3. SEIT 1981 MEHRFACHE UMSTRUKTURIERUNG DER ENTWICKLUNGSSTRATEGIE
5.4. AKTUELLE ENTWICKLUNGSPOLITIK UND -ZIELE

6. SCHLUSS

ANHANG

BEGRIFFSERKLÄRUNG

LITERATURVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: MITTELVERGABE PRO REGION: IBRD UND IDA, STAND: 2000.

ABBILDUNG 2: MITTELVERGABE PRO SEKTOR: IBRD UND IDA, STAND: 2000.

ABBILDUNG 3: WELTBANKPRÄSIDENTEN SEIT GRÜNDUNG DER INSTITUTION UND IHRE AMTSDAUER.

ABBILDUNG 4: MITTELVERGABE DER WELTBANK PRO SEKTOR IM ZEITRAUM VON 1992 BIS 2000.

ABBILDUNG 5: MITTELVERGABE PRO REGION: IBRD, STAND: 2000.

ABBILDUNG 6: MITTELVERGABE PRO SEKTOR: IBRD, STAND: 2000.

ABBILDUNG 7: MITTELVERGABE PRO REGION: IDA, STAND: 2000.

ABBILDUNG 8: MITTELVERGABE PRO SEKTOR: IDA, STAND: 2000.

ABBILDUNG 9: STIMMVERTEILUNG IN DER IBRD, STAND: 1994.

1. Vorbemerkung

Die Weltbankgruppe ist eine der größten Organisationen der Welt, die die Entwicklung armer Länder unterstützt. Im Jahr 2000 stellte die Gruppe mehr als 15 Milliarden US-Dollar seinen „Klientenländern“1 als Darlehen zur Verfügung. Diese „Entwick- lungsunterstützung“ wird in mehr als 100 sich entwickelnden Wirtschaftssystemen getätigt. Hauptziel ist dabei die Verbesserung des Lebensstandards der ärmsten Menschen und das Vorantreiben und die Unterstützung der Entwicklung der ärmsten Länder. Die Weltbankgruppe hat für alle ihre „Klienten“ je nach Bedarf unterschiedliche Bereiche, die gefördert und verbessert werden müssen. Dazu gehören u.a. die Bereiche Gesundheit und Ausbildung, die Armutsverringerung, Umweltschutz und die Förderung der privaten und geschäftlichen Entwicklung.2

Die Weltbankgruppe besteht aus fünf Institutionen, die nacheinander und den jewei- ligen veränderten Bedürfnissen entsprechend gegründet wurden. Sie setzt sich aus der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD)3 und deren Tochterorganisationen IDA4 (Internationale Entwicklungsorganisation), IFC5 (Inter- nationale Finanz Corporation), MIGA6 (Multilaterale Investitionsgarantie-Agentur) und ICSID7 (Internationale Mitte zur Regelung von Investitionsstreitigkeiten) zusammen. Jede der vier Tochterorganisationen besitzen für sich eine eigene Rechtspersönlich- keit. Dennoch haben sie einen gemeinsamen Präsidenten sowie das gemeinsame Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung von unterentwickelten Mitgliedsländern zu fö r- dern. Ihre Aufgaben sind durch unterschiedliche Funktionen gekennzeichnet, die im Kapitel 4.2 kurz erläutert werden. Unter dem Begriff „Weltbank“ oder „Bank“ sind laut Weltbank - Jahresbericht 20008 die IBRD und die IDA zusammen gemeint.

Hauptbestandteil der Betrachtung ist in meiner Hausarbeit insbesondere in den Ka- pitel, in den es um die Gründungszeit und die darauffolgenden Jahren geht, die IBRD als Mutterorganisation, da die Tochterinstituion IDA erst viel später gegründet wurde. Die IBRD und IDA haben beide ihren Schwerpunkt in der Entwicklungshilfe von ar- men Ländern, wobei die IBRD und IDA ihre Darlehen und Kredite zu unterschiedli- chen Bedingungen vergeben. Die Konditionen der IBRD sind bzgl. Laufzeit und Zin- sen härter als die der IDA, die sich nur um die ärmsten Länder kümmert, die für die IBRD-Darlehen nicht mehr kreditwürdig genug sind. Die jährliche Endsumme der vergebenen IBRD-Darlehen ist grundsätzlich bedeutend höher als die insgesamt pro Jahr vergebenen Kredite der IDA. Seit 1998 bis 2000 waren die Gesamt- Jahresdarlehen der IBRD drei- bis fast viermal höher als die Gesamt-Jahreskredite der IDA.9

Die übrigen Tochterorganisationen werden im wesentlichen kurz dargestellt. Eine detailliertere Darstellung der Tochterorganisationen in allen Bereichen würde den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen.

2. Entstehungsgeschichte der IBRD

2.1. Ereignisse vor der Bretton-Woods-Konferenz

Der Gründung der IBRD im Jahre 1944 in Bretton-Woods gingen grundlegende Ereignisse voraus, die im folgenden kurz erwähnt werden.

Bereits kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden Überlegungen ange- stellt, mit Hilfe welchen Systems so negative wirtschaftliche und soziale Entwicklun- gen, wie sie in den dreißiger Jahren stattfanden, entgegengewirkt werden könnte. Eine Wiederholung des Wirtschaftschaos und der ruinösen Abwertungen zur Ver- besserung der Exportfähigkeit wie dies bereits während der Weltwirtschaftskrise (´23-´33) geschehen ist, sollte verhindert werden.10 Es nahmen selbst „Staaten, die politisch betrachtet in Frieden lebten, an zermürbenden Handelskriegen und sinnlo- sen Abwertungswettläufen teil.“11 Weiteres Ziel war, einen potentiellen zukünftigen Protektionismus12 zu vermeiden.13 Denn gerade der Protektionismus sowie katastro- phale Regierungspolitiken machten aus der Depression die „Great Depression“ der dreißiger Jahre.14 Aufgrund dieser Erfahrungen sollte eine neue Wirtschafts- und Währungsordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen werden, die eine weltweite wirtschaftliche Koordination und Zusammenarbeit ermöglichte und die in der Lage war, aufkommende Konflikte zu bewältigen. Noch im Jahr 1941 wurden der britische und der amerikanische Wirtschaftstheoretiker (Keynes und White) be- auftragt Pläne für den Aufbau und die Durchsetzung eines solchen Systems zu ent- werfen.

Keynes und White entwickelten miteinander konkurrierende Modelle, die den jeweili- gen finanzpolitischen Zukunftsperspektiven ihres Landes entgegenkamen.15 Keynes ursprüngliche Idee war die Gründung einer Weltzentralbank, die Kredite an Defizit- länder vergeben sollte, welche durch vorherige Kreditaufnahme in den Überschuß- ländern16 finanziert werden sollten. Desweiteren sollten die Überschußländer zum Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz verpflichtet werden. Außerdem sollten feste Wechsel- kurse angestrebt werden sowie als internationale Rechnungseinheit eine Kunstwä h- rung, nämlich der „Bancor“, geschaffen werden. Der Vorschlag des Amerikaners

White widersprach in wichtigen Punkten dem Keynes. Whites Plan sah einen inter- nationalen Fonds vor, der Kredite an Mitgliedsländer vergeben sollte. Diese Kredite sollten durch Einlagen der Mitgliedsländer und eventuellen Anleihen gedeckt sein. Entgegen Keynes Vorschlag sollten die Überschußländer nicht zum Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz verpflichtet werden. Allerdings sah auch White feste Wechselkurse vor, die nur mit der Zustimmung des Fonds abgeändert werden sollten. Auch in sei- nem Plan sollte eine internationale Währung entstehen, die „Unitas“ benannt werden sollte. Jedoch fiel auf der Konferenz von Bretton Woods der Vorschlag einer interna- tionalen Währung unter den Tisch. Desweiteren wurden die von White ursprünglich entwickelten Ideen bereits vor der Bretton-Woods-Konferenz auf Druck des US- amerikanischen Bankensystems „abgemildert“.17

2.2. Die Bretton-Woods-Konferenz im Jahre 1944

Die IBRD wurde im letzten Kriegsjahr, zeitgleich mit dem IWF, konzipiert. Mit Hilfe der IBRD sollten die langfristigen strukturellen Probleme der ärmsten Länder besei- tigt und der Wiederaufbau Europas unterstützt werden. Durch die Vergabe von gün- stigen Krediten zu langen Laufzeiten wollte man in den armen und den durch den Krieg stark gebeutelten Staaten „soziale Explosionen“ vermeiden und das Weltwirt- schaftssystem vor weiteren Krisen schützen.18 Das Ziel dieser Institution war es, die wirtschaftliche Entwicklung der Mitgliedsstaaten und den Lebensstandard der Men

schen zu fördern.19 Die Währungs- und Finanzkonferenz fand vom 1. bis zum 21. Juli 1944 „unter der geistigen Führung von Keynes“20 in Bretton Woods21 statt.22 Letztendlich „...einigte man sich auf einen Plan .., der zwar vom Einfluß Keynes geprägt war, aber im wesentlichen stark an Whites Modell orientiert war...“23.

Im Dezember 1945 trat das Abkommen über die IBRD in Kraft und im Juni 1946 nahm sie in ihrem Hauptsitz, in Washington, D. C., 24 ihre Geschäftstätigkeit auf.25

3. Ziele und Aufgaben der Weltbank

3.1. Aufgaben vom Zeitpunkt der Gr ü ndung bis zum Jahre 1948

Die Aufgaben bzw. Ziele der IBRD wurden in Artikel I der IBRD-Satzung festgelegt. Dazu gehörten folgende Punkte:

a) Beitrag zum Wiederaufbau und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Mitgliedslä n- der,
b) Förderung privater ausländischer Kapitalanlagen,
c) Förderung eines ausgeglichenen Welthandels, Hebung der Produktivität und des Lebensstandards sowie Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Mitglieds- ländern,
d) Abstimmung der von ihr garantierten oder gewährten Darlehen mit anderen inte r- nationalen Darlehenstätigkeiten, so dass die nützlicheren und dringenderen Vor- haben zuerst durchgeführt werden und
e) Berücksichtigung der Geschäftsbedingungen in den Mitgliedsländern und Unter- stützung bei der Umstellung von Kriegs- auf Friedenswirtschaft.26

3.2. Aufgaben nach Einsetzen des Marshall-Plans im Jahre 1948

Allerdings sollten sich einige wesentliche Aufgaben der IBRD mit Einsetzen des vom damaligen US-Außenminister George C. Marshall im Jahre 1948 initiierten Europ ä i- schen Wiederaufbauprogramms (Marshall-Plan)27 als überflüssig erweisen (s. auch Kapitel 5.1.). Es war nun nicht mehr die Aufgabe der IBRD, die vom 2. Weltkrieg zer- störten Produktionsstätten wieder aufzubauen und die Kriegsproduktion auf die Her- stellung von Friedensgütern umzustellen. Die veränderte Aufgabensituation führte- dazu, dass die vorrangige Aufgabe der Weltbank nun die Förderung der unterent- wickelten Länder war.28

Die IBRD hat ihre Aufgaben selbst definiert. Sie bestehen darin, Darlehen zu verge- ben, die die wirtschaftliche Entwicklung in den Schuldnerländern vorantreiben. Dabei bestimmt die Bank, was förderungswürdig ist oder nicht. Somit wirkt sie mehr oder weniger stark auf die wirtschaftspolitischen Zielvorstellungen der „Dritte Welt“- Staaten ein.29

3.3. Heutige Aufgabenschwerpunkte und dazugeh ö rige Darlehensausgaben

Die IBRD ist in Verbindung mit der IDA eine der größten Finanzierungsquellen für Entwicklungshilfe, deren Ziel es ist, die Armut weltweit zu verringern. Beide haben ihren Haupt-Aufgabenbereich in der Entwicklungshilfe von armen Ländern. Die IBRD hat ihre „Berufung“ der Armutsreduzierung dahingehend ausgeweitet, dass sie 1960 die Tochterorganisation IDA (s. auch Kapitel 4.2.) gegründet hat, die ihren Schwe r- punkt im Bereich des Wohlergehens der Bevölkerung, der Gesundheit und der (Aus)Bildung sowie Erziehung hat und gerade an die Länder Darlehen vergibt, die für die IBRD nicht mehr kreditwürdig genug sind. Aus diesem Grund zeige ich in diesem Kapitel die Mittelvergabe nach Sektoren und Regionen im Gesamtüberblick, also IBRD und IDA zusammen, aber auch für jede der beiden Institutionen einzeln auf, um den Schwerpunkt ihrer jeweiligen Tätigkeiten deutlich zu machen.

Die verliehenen Mittel der Weltbank beliefen sich im Jahr 2000 auf 15,330 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 10,9 Milliarden US-Dollar auf die IBRD und 4,4 Milliarden US-Dollar auf die IDA.

Die Kreditnehmenden Länder der Weltbank (IBRD und IDA) sind in sechs Re-gionen aufgeteilt31:

1) „Afrika“ (Africa)
2) „Ostasien und die Pazifikregion“ (East Asia an Pacific) 3) „Südasien“ (South Asia)
4) „Europa und Zentralasien“ (Europe and Central Asia)
5) „Lateinamerika und die Karibikregion“ (Latin America and the Caribbean) 6) „Mittlerer Osten und Nordafrika“ (Middle East and North Africa)

Die meisten Ausleihen der Weltbank wurden im Jahr 2000 mit 26% ($ 4,0 Milliarden) an „Lateinamerika und den Karibikbereich“ und jeweils 20 % an „Europa und Ze n- tralasien“ sowie „Ostasien und den Pazifikbereich“ vergeben. Der „Mittlere Osten und Nordafrika“ haben mit „nur“ 6 % den geringsten Anteil an den insgesamt $ 15,3 Milliarden vergebenen Mitteln der Weltbank. „Afrika“ und „Südasien“ liegen mit je- weils 14 % dazwischen.32

In allen Regionen ging die Höhe der verliehenen Mittel deutlich zurück, außer in Afrika. Afrika macht nicht in demselben Maß Fortschritte wie die anderen Länder. Somit ist weiterhin eine starke Entwicklungsunterstützung für Afrika erforderlich, was insbesondere auch in der Mittelvergabe der IDA an Afrika deutlich wird.

Denn die IDA vergab1999 und 2000 fast 50 % ihrer gesamten Ausleihen ($ 4,4 Milliarden) alleine an Afrika (siehe in diesem Kapitel unter B.1).

Nach Sektoren aufgeteilt, ergeben sich folgende Bereiche, die von der Welt-bank unterstützt werden:

1) Der Öffentliche Sektor (Public Sector)
2) Der Finanz- und Privatsektor (Finance and Private Sector)
3) Infrastruktur33 (Infrastructure)
4) Städtische Entwicklung (Urban Development)
5) Landwirtschaft und Umwelt (Agriculture and Environment)
6) Wirtschaftspolitik (Economic Policy)
7) Entwicklung der Bevölkerung (Human Development)
8) Andere34 (Other)

Um die Armut in den o.g. Regionen effektiv zu bekämpfen, ging der größte Anteil der insgesamt 15,3 Milliarden US-Dollar (22 %) der Weltbank direkt in den Bereich der „Bevölkerungsentwicklung“ (Human Development). An zweiter Stelle liegen die Ausgaben für die Infrastruktur mit 15 % und an letzter Stelle die Höhe der Mittelvergabe für die „Städtische Entwicklung“ (5 %).35

Die regionalen Mittelvergabender IBRD können separat von denen der IDA betrachtet werden. Jede der beiden Institutionen hat eine andere Schwerpunktsetzung bzgl. der Vergabe von Finanzmitteln. Gleiches gilt für die Mittelvergabe pro Sektor.

Im folgenden wird jede der beiden Institutionen (IBRD und IDA) alleine für sich be- trachtet:

A.1. Mittelvergabe der IBRD pro Region, Gesamtausleihen: $ 10,9 Milliarden36:

Im Jahr 2000 verlieh die IBRD $ 1,8 Milliarden von ihren Gesamtausleihen ($ 10,9 Milliarden) an die Türkei. Sie unterstützte damit Struktur- und Sozialreformen und half nach einem schweren Erdbeben. China erhielt 1,7 Milliarden US-Dollar für die Verbesserung der Infrastruktur und für das Weiterkommen der Entwicklung in den ländlichen Gebieten. Ostasien wurde mit $ 2,5 Milliarden unterstützt. Argentinien und Indonesien waren letztes Jahr noch die größten Darlehensnehmer ($ 6 Milliarden zusammen). Im Jahr 2000 liehen sie sich zusammen „nur“ noch 70 Millionen US- Dollar.

Von allen o.g. Regionen wurden „Lateinamerika und die Karibik“ (36%), „Europa und Zentralasien“ (25%) und „Ostasien und die Pazifikregion“ (23%) mit dem größten Anteil an den IBRD-Ausleihen gefördert ($ 10,9 Milliarden). Afrika steht mit weniger als 1 % an letzter Stelle bei der IBRD, da viele der Staaten nicht mehr kreditwürdig genug für die IBRD-Darlehen sind und daher von der IDA ihre Darlehen erhalten.

A.2. Mittelvergabe der IBRD pro Sektor, Gesamtausgaben: $ 10,9 Milliarden37:

Die hauptsächliche Tätigkeit der IBRD im Jahre 2000 waren die Verbesserung der „Infrastruktur“38 mit 16 % ($ 1,8 Milliarden) und des Sektors „Bevölkerungsentwick- lung“ mit 15,5 % ($ 1,7 Milliarden), der Bereiche wie Ausbildung, Gesundheitswesen und Ernährung sowie Soziale Absicherung umfaßt. Hierbei war besonders die Stä r- kung des Gesundheitswesens ein wichtiger Punkt. Weitere finanzielle Unterstützung der IBRD galten der Stärkung des „Finanzsektors“ mit 15 % ($ 1,6 Milliarden) und der Verbesserung des „Öffentlichen Sektors“ mit 14 % ($ 1,5 Milliarden). Diese vier Sektoren sind wichtige Elemente für eine erfolgreiche Entwicklung im „Privaten Sektor“ und in der Armutsreduzierung.

B.1. Mittelvergabe der IDA pro Region, Gesamtausgaben: $ 4,4 Milliarden39:

Der Schwerpunkt der Mittelvergabe der IDA lag im Jahr 2000 auf der Region Afrika. Neue Kredite der IDA in die afrikanischen Regionen betrugen im Jahr 2000 weiterhin $ 2,0 Milliarden, genauso viel wie im Jahr davor (1999). Afrika erhielt im Jahr 2000 mit 47 % den größten Anteil aller IDA-Darlehen. Gefolgt von Südasien mit 27 % und „Ostasien und der Pazifikregion“ mit 11%. An letzter Stelle mit dem geringsten Anteil an Darlehen stehen „Europa und Zentralasien“ (7 %), der „Mittlere Osten und Nord- afrika“ (4 %) sowie „Lateinamerika und die Karibik“ (4 %). Alleine Indien erhielt in diesem Jahr Darlehen in Höhe von $ 867 Millionen. Als Unterstützung für die Sozial- und Strukturreformen erhielt Tansania $ 330 Millionen und Vietnam $ 286 Millionen.

B.2. Mittelvergabe der IDA pro Sektor, Gesamtausgaben: $ 4,4 Milliarden40:

Von großer Bedeutung war für die IDA im Jahre 2000 die Förderung des Sektors der „Bevölkerungsentwicklung“ (Human Development). Dafür vergab sie Kredite in Höhe von $ 1,6 Milliarden (38 %). An zweiter Stelle wurde der Sektor „Infrastruktur“ (13 %) unterstützt, der die Bereiche Transport, Telekommunikation, Wasserversorgung und hygienische Anlagen umfaßt. Gefolgt vom Sektor „Landwirtschaft und Umwelt“ (12 %) und der Förderung der „Wirtschaftspolitik“ (10 %).41

3.4. Abgrenzung zum IWF

Der IWF42 wurde auf der Grundlage der Konferenz von Bretton Woods im Jahre 1945 gegründet. Er nahm im Jahre 1947 mit der Unterzeichnung von 29 Ländern offiziell seine Geschäftstätigkeit auf.43 Im Jahr 2000 hatte er bereits 182 Mitglieder.

Seit 1952 ist auch Deutschland Mitglied.44 Wie die IBRD, so hat auch der IWF seine Zentrale in Washington, D.C. Die Aufgaben der beiden Institutionen (IWF und IBRD) unterscheiden sich, im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung, dass beide die gleichen Aufgaben hätten, dahingehend, dass die Weltbank bei der längerfristigen Entwicklung bestimmter Länder helfen soll (Wiederaufbau nach Kriegen und Ent- wicklung der Mitgliedsländer), während der IWF die weltweite Währungsstabilität überwachen und sicherstellen soll, 45 indem er kurzfristige Hilfe zum Zahlungsbi- lanzausgleich gewährleistet.46 „Die Mitgliedsstaaten beteiligen sich durch Zurverfü- gungstellung von Zahlungsmitteln, die der ..[IWF]weitergibt, um Ländern in Za h- lungsbilanzschwierigkeiten zu helfen.“47 „Die in Bretton Woods vereinbarten festen Wechselkurse mit dem Dollar als Leitwährung und die [..]Schaffung des [...] IWF als Kontrollinstanz waren nötig,um zu verhindern, dass einzelne Länder sich durch einseitige Abwertung ihrer Währung Vorteile zu verschaffen suc hten.“48

[...]


1 Läder, die Darlehen empfangen.

2 Vgl. World Bank - „About Us“, Oktober 2001, o. O., O. V., http://www.worldbank.org/about, S. 1-2.

3 Abk. für englisch „International Bank for Reconstruction and Development“.

4 Abk. für englisch „International Development Association“.

5 Abk. für englisch „International Finance Corporation“.

6 Abk. für englisch „Multilateral Investment Guarantee Agency“.

7 Abk. für englisch „International Centre for Settlement of Investment Disputes“.

8 Vgl. World Bank Annual Report 2000, Annual Review and Summary, o.O., o. V., S. 2

9 Siehe im Anhang, Abbildung 4: Mittelvergabe der Weltbank pro Sektor im Zeitraum von 1992 bis 2000.

10 Vgl. Samuelson, P. / Nordhaus, W.: Volkswirtschaftslehre - Grundlagen der Makro- und Mikroökonomie, Band 2, 8. grundlegend überarbeitete deutsche Auflage, Köln: Bund, 1987, S. 708.

11 Samuelson, P./ Nordhaus, W.: Volkswirtschaftslehre, 15. übersetzte Auflage, Wien/Frankfurt: Üeberreuter, 1998, S. 832.

12 Siehe im Anhang unter „Begriffserklärung“.

13 Vgl. Sandner, P./ Sommer M.: IWF - Weltbank - Entwicklungshilfe oder finanzpolitischer Knüppel für die „Dritte Welt“? 7. unveränderte Auflage, Stuttgart: Schmetterling, 1992, S.11 (Arbeitskreis Entwicklungspolitik im BDKJ).

14 Vgl. o. V.: Rezession in den USA: Wie geht es weiter?, in: WISU 30. Jg. (Oktober 2001) Heft 11, S. 1438.

15 Vgl. Kuhlmann, U.: Globale Umweltprobleme und die Rolle der Weltbank - Eine institutionenökonomische Analyse, Hagen: ISL, 1998, S.87 (Beiträge zur Struktur- und Konjunkturforschung, Bd. 36).

16 Das würden in Zukunft vor allem die USA sein.

17 Vgl. Sandner, P./ Sommer M.: IWF - Weltbank, Entwicklungshilfe oder finanzpolitischer Knüppel für die „Dritte Welt“? (FN 13) S. 12-14.

18 Vgl. Sandner, P./ Sommer M.: IWF - Weltbank, Entwicklungshilfe oder finanzpolitischer Knüppel für die „Dritte Welt“? (FN 13) S.18-19.

19 Vgl. Bertelsmann, Das große Universallexikon - Discovery, o. O., 1999, o. V., „Weltbank“, (CD-ROM).

20 Samuelson, P./ Nordhaus, W.: Volkswirtschaftslehre, 15. übersetzte Auflage, Wien/Frankfurt: Üeberreuter, 1998, S. 832.

21 Ort im USA-Staat New Hampshire.

22 Vgl. Kuhlmann, U.: Globale Umweltprobleme und die Rolle der Weltbank, (FN 15) S.88.

23 Kuhlmann, U.: Globale Umweltprobleme und die Rolle der Weltbank, (FN 15) S.88.

24 District of Columbia, Bundeshauptstadt und seit 1800 Regierungssitz der USA.

25 Vgl. Kuhlmann, U.: Globale Umweltprobleme und die Rolle der Weltbank, (FN 15) S.88-89.

26 Vgl. Kuhlmann, U.: Globale Umweltprobleme und die Rolle der Weltbank, (FN 15) S.90.

27 Am 05.06.1947 von Marshall vorgeschlagen und im Jahre 1948 wirksam. Amtl. Bezeichnung: „ERP“, Abk. englisch für European Recovery Program. Damit sollten beteiligte europäische Länder durch amerikanische Lieferungen von Rohstoffen und Waren, durch Aufträge und (z. T. nicht zurückzuzahlenden) Kredite in die La- ge versetzt werden, ihre Kriegsschäden zu heilen, ihre Wirtschaft wieder aufzubauen und dem Kommunismus Widerstand zu leisten.

28 Vgl. Kuhlmann, U.: Globale Umweltprobleme und die Rolle der Weltbank, (FN 15) S.90.

29 Vgl. Hill, A.: IWF und Weltbank - BRD und „Dritte Welt“, 1. Auflage, Kiel: Magazin, 1982, S. 11. (Bundeskon- greß entwicklungspolitischer Aktionsgruppen).

30 Siehe im Anhang, Abbildung 3: Mittelvergabe der Weltbank pro Sektor im Zeitraum von1992 bis 2000.

31 Siehe im Anhang die Liste, in der die aufnahmeberechtigten Länder von Weltbankausleihen wiedergegeben sind.

32 Siehe im Anhang, Abbildung 1: Mittelvergabe der Weltbank pro Region im Jahre 2000.

33 Dazu gehören: Transport, Telekommunikation, Wasserversorgung und sanitäre Anlagen.

34 Dazu gehören: Elektrizitiät und Energie, Öl und Gas, Bergbau.

35 Siehe im Anhang, Abbildung 2: Mittelvergabe der Weltbank pro Sektor im Jahre 2000.

36 Siehe im Anhang, Abbildung 5: Mittelvergabe der IBRD pro Region im Jahre 2000.

37 Siehe im Anhang, Abbildung 6: Mittelvergabe der IBRD pro Sektor im Jahre 2000.

38 Dazu gehören der Transport, die Telekommunikation und die Wasserversorgung.

39 Siehe im Anhang, Abbildung 7, Mittelvergabe der IDA pro Region im Jahre 2000.

40 Siehe im Anhang, Abbildung 8, Mittelvergabe der IDA pro Sektor im Jahre 2000.

41 Vgl. World Bank Annual Report 2000, (FN 8), S. 7-11.

42 Internationaler Weltwährungsfonds, Abkürzung: IWF; englisch International Monetary Fund, Abkürzung: IMF

43 Vgl. Bertelsmann, Das große Universallexikon - Discovery, o. O., 1999, o. V., „IWF“, (CD-ROM).

44 Vgl. Informationsblatt – Der IWF auf einen Blick, Juli 2000, o.O, o. V., http://imf.org/external/np/exr/facts/deu/glanced.htm , S. 1.

45 Vgl. Vogl, F.: Die Weltbank, 4. Auflage, o. O., 1988, S. 2.

46 Vgl. Woll, A.: Allgemeine Volkswirtschaftslehre, 10. überarbeitete und ergänzte Auflage, München: Vahlen, 1990, S. 80.

47 Samuelson, P./ Nordhaus, W.: Volkswirtschaftslehre, 15. übersetzte Auflage, Wien/Frankfurt: Ueberreuter, 1998, S. 833.

48 Schüle, U.: Weltwirtschaftsordnung und unternehmerische Internationalisierungsstrategien, in: WiSt 30. Jg. (August 2001) Heft 8, S. 423.

Details

Seiten
45
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638119566
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3230
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Emden – FB Wirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
Aufgaben Organisation Entwicklung Weltbank IDA) Aktuelle Fragen Wirtschaftstheorie

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