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Wissenschaftliche Exegese von Mt 8, 1-4. Die Heilung eines Aussätzigen

Hausarbeit 2012 25 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Textanalyse
1.1 Abgrenzung des Textes und Einordnung in den Kontext
1.2 Übersetzungsvergleich
1.3 Textkritik
1.4 Narrative Analyse
1.5 Analyse der Textsemantik
1.6 Textstrukturierung

2. Historisch-kritische Textrekonstruktion
2.1 Literarkritik und Überlieferungsgeschichte
2.2 Formkritik und Gattungsgeschichte
2.3 Traditionsgeschichte
2.4 Redaktionsgeschichte
2.5 Historischer Ort und ursprüngliche Intention des Textes

3. Gegenwartsbedeutung des Textes

4. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Die Heilung eines Aussätzigen (Mt. 8, 1-4)

1 Als er aber von dem Berg herabgestiegen war, folgten ihm große Volksmengen. 2 Und siehe, ein Aussätziger kam heran und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. 3 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und sogleich wurde sein Aussatz gereinigt. 4 Und Jesus spricht zu ihm: Siehe, sage es niemandem, sondern geh hin, zeige dich dem Priester, und bring die Gabe dar, die Mose angeordnet hat, ihnen zum Zeugnis!

Diese Perikope handelt von Heilung und Gesetzestreue, indem sich Jesus den Randgruppen der jüdischen Gesellschaft zuwendet. Direkt nach der Bergpredigt ist ihr als erster Wunderbericht besondere Wichtigkeit zuzusprechen. Aber was will sie uns gegenwärtig sagen? Sind wir Bittsteller, die an Jesus treten und geheilt werden wollen? Sollen wir wie Jesus handeln und die Menschen der Randgruppen unserer Gesellschaft von ihren körperlichen, geistigen Krankheiten heilen?

In der folgenden Analyse untersuche ich den Text in seinen verschiedenen Übersetzungen im Vergleich zu vorangegangenen und folgenden Bibelstellen. Die Untersuchung der Erzählweise und der Semantik machen die Strukturierung der Perikope deutlich. Texte der anderen Evangelien haben nach der Zwei- Quellen-Theorie synoptische Parallelen, die zu berücksichtigen sind. Welche Gattung der Text hat, wird zu klären sein. Textelement für Textelement wird nach der einzelnen Bedeutung für den soziokulturellen Hintergrund durchleuchtet. Alttestamentliche Parallelen zeigen weitere Verknüpfungsmöglichkeiten. Um den historischen Ort und die ursprüngliche Intention des Textes möglichst plastisch darzustellen, habe ich mich in eine Person versetzt, die ein ursprünglicher Adressat gewesen sein könnte. Vier Kommentare von Gnilka, Luz, Sand und Wiefel bilden die theologische Unterfütterung der Analyse.

In Kapitel 3 versuche ich den gegenwärtigen Bedeutungshorizont der Perikope aufzuzeigen.

1. Textanalyse

1.1 Abgrenzung des Textes und Einordnung in den Kontext

Um die Perikope als selbständigen Textabschnitt abzugrenzen, betrachte ich folgende Kriterien: Wechsel von Ort, Zeit und Personen, die Einleitungsformel, sowie die Veränderung der Thematik1.

Die Perikope beginnt zunächst mit einem Ortswechsel, indem Jesus und die Volksmenge vom Berg hinabsteigt. Erst die darauffolgende Perikope spielt sich in Kapernaum ab. Somit folgt kein Wechsel in der Zeit, sondern nur ein fortlaufender Ablauf, indem der Weg vom Berg beschrieben wird. Die Personen, die wie angemerkt Jesus und eine Volksmenge ausmachen, sind aus der vorigen Perikope. Dazu tritt jedoch ein Aussätziger, der nur in dieser Perikope auftritt und am Ende der Perikope weggeschickt wird.

Eine häufig angewandte Einleitungsformel ist: Als er (gemeint Jesus) aber von einem/ zu einem Ort herabstieg/ ging/ kam/ … . Diese Perikope wie auch die folgende Mt. 8,5 - 8,13 beginnt mit einer dieser formelhaften Beschreibungen eines Ortswechsels als Einleitungsformel. In V2 nutzt Matthäus die hervorhebende Hinweisformel „und siehe“, die wohl generell für alle Wunderberichte in Kap.8 und 9 steht2. Sie leitet jedoch nur innerhalb der Perikope die Heilung ein und grenzt nicht ab.

In der Betrachtung der Thematik ist zu erkennen, dass die vorherige Perikope ein Gleichnis über die Wirkung von Predigten, die zu betrachtende Perikope eine direkte Heilung und die folgende Perikope eine Heilung aus der Ferne thematisiert. So ist die Perikope von umliegenden Perikopen abzugrenzen. Wichtig ist jedoch auch sie in den Kontext eingeordnet zu sehen. Um die Perikope in den Kontext einzubetten, beginne ich im kleinen Umkreis der Perikope und komme dann zu den Buchabschnitten des Gesamtevangeliums des Matthäus. Für diese Betrachtung nehme ich die Einteilungen des Matthäusevangeliums nach Niebuhr zu Hilfe.

Die Nachbarkapitel 4,23 - 7,29 thematisieren die Bergpredigt, somit beginnen mit unserer Perikope Mt. 8,1 - 8,4 die Wundergeschichten und Streitgespräche. In Mt. 10 folgt schließlich die Aussendungsrede.

Im Gesamtevangelium befindet sich die Perikope noch weit am Anfang des Evangeliums. Mt. 1,1 - 4,16 beginnt mit der Vorgeschichte, darauf folgt sogleich 4, 17 - 11, 30 Der vollmächtige Christus und seine Gemeinschaft3. In diesem Buchabschnitt befindet sich unsere Perikope. „In diesem Abschnitt befinden sich die meisten und größten Wunder Jesu (Aussatzheilung, […])“4 und unsere Perikope Aussatzheilung macht damit den Anfang. In Mt. 12,1 - 16,12 folgen noch weitere wenige Wunder, die nicht ganz so groß sind. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch anführen, dass in Mt. 16,13 - 20,34 Der Weg zur Passion, 21-25 Die letzten Tage in Jerusalem und 26-28 Passion und Ostern folgen.

1.2 Übersetzungsvergleich

Wichtig bei der Betrachtung der Perikope ist die Berücksichtigung darauf, dass es eine Übersetzung aus dem Griechischen ist. Jedoch wurde die Perikope, wie die ganze Bibel, nicht nur einmal übersetzt und so gilt es, die Übersetzungen zu vergleichen und den Text, der dem Original am nächsten ist, herauszufinden5. Hierzu nehme ich die Interlinearübersetzung zu Hilfe und vergleiche sie mit der Perikope in der Einheitsübersetzung, der Luther, der Elberfelder und der Zürcher Bibel.

Zu Beginn nutzt die Elberfelder Bibel die Vergangenheitsform „herabgestiegen war“6, wie auch die Interlinearübersetzung die Vergangenheitsform „hinabgestiegen war“7. Dies zeigt einen abgeschlossenen Ortswechsel. Jesus und die Menschenmenge befinden sich nun also nicht mehr auf dem Berg, aber auch nicht wie angenommen auf dem Weg vom Berg hinunter und trotzdem sind sie noch nicht in Kapernaum. Wir können davon ausgehen, dass es ein Tal oder Weg ist, auf dem diese Perikope also abspielt. In der Übersetzung der Zürcher Bibel folgen Jesus „viele Leute“8. Diese Übersetzung nimmt auch die Interlinearübersetzung vor. Von einer großen Menge9 ist in der Lutherbibel die Rede, was vielleicht schon als Übertreibung gelten könnte. Aber in der Elberfelder Bibel wird schließlich noch mehr übertrieben, indem sie von großen Volksmengen10 spricht. Somit werden die vielen Leute auf viele Völker ausgeweitet.

Obwohl in Mt. 8,3 die Interlinearübersetzung, die Elberfelder Bibel, sowie die Zürcher Bibel das Personalpronomen „er“11 übersetzen, ist die genaue Benennung Jesus in der Lutherbibel und der Einheitsübersetzung nachvollziehbar. Sie ist für den Textfluss angebrachter, um Missverständnissen vorzubeugen und die schnelle Verbildlichung zu ermöglichen. Auf die Frage des Aussätzigen, ob Jesus ihn reinigen möchte, formuliert die Elberfelder Bibel ein kurzes, knappes „Ich will.“12, was der Interlinearübersetzung identisch ist. Die anderen Übersetzungen verdeutlichen diese Antwort für den Leser in verschiedenen Ausführungen.

Die Einheitsübersetzung ist bei dem Befehl: „werde rein“13 identisch mit der Interlinearübersetzung und formuliert somit eine zukünftige Anweisung, wobei die anderen Übersetzungen mit der Anweisung „sei rein“14 eine plötzlichere und bestimmtere Wundertat beschreiben. So scheinen diese Übersetzungen die Heilung noch spektakulärer machen zu wollen, was aber an anderen Stellen der Perikope nicht nochmals auftritt, also eher weniger zu berücksichtigen ist.

In der Interlinearübersetzung wird die Heilung wie folgt übersetzt: „Und sofort verschwand durch Reinigung sein Aussatz“15 Die vier ausgewählten Übersetzungen formulieren diese Stelle alle anders. Die Elberfelder Bibel schreibt, dass sein Aussatz gereinigt wurde16. Es scheint fast so, als wäre der Aussatz noch da, aber wenigstens sauber und ist die unglücklichste Formulierung. Bei der Einheitsübersetzung „ wurde der Aussätzige rein“17. Hierbei fehlt der Zusatz, dass er VOM AUSSATZ rein wurde. Die Formulierung: „von seinem Aussatz geheilt“18 befindet sich in der Zürcher Bibel und wirft die Frage auf, ob es sich um eine Heilung oder Reinigung handelt oder ob es überhaupt einen Unterschied dazwischen gibt. Schließlich ist in der Perikope erst nur die Rede von Reinigung und da wirkt die plötzliche Nutzung eines Synonyms verwirrend. In der Lutherbibel „wurde er von seinem Aussatz rein“19, somit ist der Aussatz weg und der Interlinearübersetzung am nächsten. In der Interlinearübersetzung, Einheitsübersetzung und der Lutherbibel wird die folgende Rede von Jesus im Präsenz eingeleitet20, so wird die Anweisung an den Geheilten aktuell und tritt aus der Erzählung heraus.

[...]


1 vgl. Enger, 22012, 12

2 vgl. Sand, 1963ff, 176

3 Niebuhr, 42011, 75f

4 Niebuhr, 42011, 78

5 vgl. Enger, 22012, 13

6 Elberfelder Bibel (2006)

7 Dietzfelbinger, 1994, 29

8 Zürcher Bibel (2007)

9 vgl. Lutherbibel (1984)

10 vgl. Elberfelder Bibel (2006)

11 Dietzfelbinger, 1994, 29, Elberfelder Bibel (2006), Zürcher Bibel (2007)

12 Dietzfelbinger, 1994, 29, Elberfelder Bibel (2006)

13 Dietzfelbinger, 1994, 29, Einheitsübersetzung (1979/80)

14 Elberfelder Bibel (2006), Lutherbibel (1984), Zürcher Bibel (2007)

15 Dietzfelbinger, 1994, 29

16 vgl. Elberfelder Bibel (2006)

17 Einheitsübersetzung (1979/80)

18 Zürcher Bibel (2007)

19 Lutherbibel (1984)

20 vgl. Dietzfelbinger, 1994, 29, Elberfelder Bibel (2006), Zürcher Bibel (2007)

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668222373
ISBN (Buch)
9783668222380
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322994
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
2,0
Schlagworte
exegese texte heilung aussätzigen

Autor

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Titel: Wissenschaftliche Exegese von Mt 8, 1-4. Die Heilung eines Aussätzigen