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Das CEED-Projekt. Eine Chance für die Kunst?

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. CEEDs
2.1. Das Forschungsprojekt
2.2. XIM – Die immersive 3D-Kammer
2.3. Datengenerierung mithilfe des Unterbewusstseins

3. Zusammenspiel aus Unterbewusstsein und kreativem Prozess
3.1. Kreativer Prozess nach Graham Wallas
3.2. Frequenzbereich der Gehirnaktivität
3.3. Neurologischer Erklärungsansatz des kreativen Prozesses

4. BrainX3
4.1. Virtual-Reality-Tools zur Datenvisualisierung
4.2. Sensoren

5. Anwendungsbereiche

6. „Home of the Brain“

7. Fazit

1. Einleitung

Big Data gehört zu dem Phänomen unserer heutigen Zeit und findet in den aktuellen wissenschaftlichen Diskursen viel Beachtung. Jede Minute werden in unserer Welt 1,7 Milliarden Bytes von Daten generiert, was etwa 360.000 DVD’s entspricht.[1] Die Daten sind dabei überall. Sie können sowohl von Menschen, als auch von Maschinen generiert werden. All diese Informationen stellen den Menschen allerdings auch vor eine Herausforderung: die heutigen Datenmengen sind so groß und komplex, dass neue Ideen, Werkzeuge und Infrastrukturen benötigt werden. Es stellt sich also die Frage, wie das menschliche Gehirn es in Zukunft schaffen wird, die ansteigende Menge an komplexen Daten zu bewältigen. EU-Forscher haben hierfür das Projekt CEEDs entwickelt. Die Technologie geht jedoch über eine reine Verarbeitung von Massendaten weit hinaus. Neben einer daran anknüpfenden optimalen und immersiven Datenvisualisierung hat sich das Projekt zur Aufgabe gemacht, den Menschen selbst in seiner Erzeugung von kreativen Ideen zu unterstützen. Zudem soll mithilfe diverser Sensoren das Einholen von Echtzeit-Feedback ermöglicht werden. All diese Ansätze haben gemein, dass sie teilweise auf das menschliche Unterbewusstsein rekurrieren.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll es neben einer deskriptiven Darlegung des CEED-Projekts sein, den Zusammenhang zwischen dem menschlichen Unterbewusstsein und der Kreativität herauszustellen und zu klären, inwiefern dieser Ansatz auch für die Kunst interessant ist. Um dies zu ermöglichen, wird das innerhalb des Kreativitätsdiskurses entstandene Vier-Phasen-Modell des kreativen Prozesses von Graham Wallas vorgestellt und anschließend in Zusammenhang mit den neurologischen Prozessen des menschlichen Gehirns gesetzt. Insgesamt liegt das Hauptaugenmerk damit auf der Frage, inwiefern sich das CEEDs-Projekt auch für den kunstschaffenden Bereich fruchtbar machen lässt.

Die Verknüpfung des menschlichen Gehirns mit neuen Technologien wurde schon Anfang der 1990er Jahre von der Kunst aufgegriffen und thematisiert. Dies zeigt sich insbesondere im Kunstwerk „Home of the Brain“ von Monika Fleischmann und Wolfgang Strauss. Da dieses Werk sowohl einen starken immersiven Charakter als auch gewisse Parallelen zu dem CEEDs-Projekt aufweist, soll es am Ende der Arbeit vorgestellt und im Fazit aufgegriffen werden, um die Verzahnung der Immersion sowohl mit der Kunst als auch mit der Technik zu verdeutlichen. Genauso wie sich ebenfalls das menschliche Unterbewusstsein sowohl vor dem Hintergrund der Neurologie als auch Kreativität betrachten lässt.

2. CEEDs

2.1. Das Forschungsprojekt

Bei „CEEDs“, dessen Abkürzung für „Collective Experience of Empathic Data Systems“ steht, handelt es sich um ein EU Großforschungsprojekt, welches mit 6,5 Millionen Euro aus dem Programm „Neue und künftige Technologien" des 7. Rahmenprogramms der Europäischen Union gefördert wurde.[2] Dabei handelt es sich um ein riesiges Projekt, das sich aus 16 Partnern aus neun Länder zusammensetzt, darunter Deutschland, England, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, Ungarn, Finnland und die Niederlande.[3] CEEDs hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Werkzeuge für die „Human-Computer-Interaction“[4] zu entwickeln und zu verbreiten, die dabei helfen sollen, im Alltag leichter und schneller Entscheidungen zu treffen und Informationen effektiver zu verarbeiten.

CEEDs soll dazu dienen, die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Menschen in Bezug auf die Produktion und Verarbeitung von Informationen zu verbessern. Ziel dabei ist es, große und komplexe Datenmengen besser erfahren und verstehen zu können. Damit könnten beispielsweise Studenten effizienter lernen oder Journalisten diverse Quellen schneller überprüfen.[5]

Vorhaben mit ähnlichen Ansätzen, große und komplexe Datensätze zu verarbeiten, hat es zwar schon bereits häufiger gegeben,[6] aber die eigentliche Neuheit am CEEDs-Projekt ist, dass nicht eine Maschine, sondern der Mensch selbst in seinen Fähigkeiten zur Verarbeitung und Interpretation Big Data optimiert werden soll.[7] Das Projekt bietet eine radikale Lösung, die auf der Zusammenführung diverser Erkenntnisse aus wissenschaftlichen und technischen Bereichen fußt. Die Lösung besteht dabei aus zwei Teilen. Zum einen kann CEEDs dazu genutzt werden, riesige Datenmengen zu visualisieren und bietet somit einen Nutzen auf der Ebene der Datenverarbeitung. CEEDs erschafft dabei eine virtuelle Realität, die es den Menschen erlaubt, die Eigenschaften von riesigen Datensätze bewusst zu erleben. Dies gilt jedoch nicht nur für abstrakte Datensätze. Auch alltägliche Kontexte sollen in die virtuelle Realität verlagert werden. Einfachere Umgebungen wie Büros, Häuser oder Landschaften sollen für den Anwender simuliert und erfahrbar gemacht werden.[8]

Zum anderen versucht CEEDs, auch auf der Ebene der Datenerzeugung selbst einen Nutzen zu schaffen. Dies soll mithilfe der Nutzung der Kraft und des Potentials des menschlichen Unterbewusstseins ermöglicht werden.[9] Es hat sich gezeigt, dass nur ein geringer Teil von sensorischem Input das menschliche Bewusstsein erreicht, wobei der übrige Rest immer noch vom Gehirn weiterverarbeitet wird. Gerade diese unbewusste Verarbeitung ist besonders hilfreich bei der Erkennung von neuen Mustern und ausgeprägten, bedeutsamen Signalen.[10] Diese sollen dazu genutzt werden, das Potential des menschlichen Unterbewusstseins besser zu nutzen und so die ganze Macht der menschlichen Kreativität zu entfalten.

Die komplette Ausschöpfung der menschlichen Kreativität ist dabei besonders für den kunstschaffenden Bereich interessant. Gerade für die Kunst ist Kreativität von essenzieller Bedeutung, da sie selbst „ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses“[11] darstellt. Somit kann das CEEDs-Projekt als Schnittstelle zwischen der Human-Computer-Interaction und dem Anwendungsbereich der Kunst fungieren. Auf potentielle Anwendungsbereiche innerhalb der Kunst soll in Kapitel 5 noch genauer eingegangen werden.

2.2. XIM – Die immersive 3D-Kammer

Die sogenannte „eXperience Induction Machine“ oder kurz „XIM“, die sich an der Pompeu Fabra University in Barcelona befindet, ist eine von den Forschern des CEEDs Projekts entwickelte Maschine, durch die der Anwender mithilfe virtueller Realität in das „Innere“ großer Datenmengen eintauchen und der menschliche Geist effizienter neue Ideen entwickeln soll.[12] Die Forscher speisen hierfür zunächst die Massendaten in die Maschine ein, woraus XIM anschließend eine virtuelle Realität kreiert. Die immersive multimodale Umgebung enthält dabei eine Palette an Sensoren, wodurch das System in der Lage ist, die Informationen genau in der richtigen Weise für den Anwender darzustellen. Gerade die Sinnesansprache auf multimodaler Ebene ist für einen hohen Grad an Immersion unabdingbar.[13]

Das System präsentiert dabei die Daten nicht nur so, wie es der Nutzer gerne hätte, sondern passt darüber hinaus sofort die Darstellung an, sobald es eine potentielle Gehirnüberlastung registriert. Wenn beispielsweise die Daten-Assimilierung zu komplex oder zu stressig für den Probanden ist, wird die Visualisierung der Daten vereinfacht oder die Informationsdichte reduziert. Wenn hingegen der Nutzer dabei ist, sich zu langweilen, wird die visuelle Präsentation intensiviert. So werden die Informationen ständig passgenau auf ihn zugeschnitten. Dies wird dadurch ermöglicht, dass die Reaktion des Anwenders kontinuierlich gemessen und entsprechend darauf reagiert wird. Damit ermöglicht XIM selbst für Daten, die entweder aufgrund ihrer Komplexität oder Größe nur schwer zu enkodieren sind, eine effektive Datenverarbeitung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: „eXperience Induction Machine“

2.3. Datengenerierung mithilfe des Unterbewusstseins

Nicht nur in Bezug auf die Verarbeitung und Visualisierung von Informationen, welche in erster Linie durch Rationalität und Effizienz gekennzeichnet ist, hat das CEEDs-Projekt mit XIM ein entsprechendes Modell entwickelt. Auch hinsichtlich einer eigenständigen kreativen Datengenerierung offeriert es einen potentiellen Lösungsansatz.

Die These dabei lautet, dass der Mensch nur etwa 10% seiner Gehirnaktivität bewusst wahrnimmt. Die übrigen 90% sollen mithilfe von CEEDs nutzbar gemacht werden.[14] Tatsächlich ist der überwiegende Teil der Kapazität des menschlichen Gehirns dem Unterbewusstsein zugeordnet und nur ein geringer Teil steht dem Bewusstsein zur Verfügung.[15] Die Forscher des CEEDs-Projekts suchen daher nach Möglichkeiten, die Signale des Unterbewusstseins nicht nur zu erkennen, sondern auch zu interpretieren.

[...]


[1] Vgl. European Commision 2014, URL: http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/12759_de.htm

[2] Vgl. European Commision 2014, URL: https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/ceeds-new-ways-exploring-big-data

[3] Vgl. ebd.

[4] Human-Computer-Interaction: HCI abgekürzt, ist durch das Zusammenwirken eines oder mehrer Menschen mit einem technischen System gekennzeichnet.

[5] Vgl. Universitat Pompeu Fabra 2014, URL: http://specs.upf.edu/news/2842

[6] Vgl. Bachmann, Ronald; Kemper, Guido; Gerzer, Thomas 2014, S. 248.

[7] Vgl. CEEDs-Projekt 2014, URL: http://ceeds-project.eu/ceeds-objectives/aboutceeds/

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. European Commision 2014, URL: https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/ceeds-new-ways-exploring-big-data

[10] Vgl. ebd.

[11] Schwarzfischer 2014, S. 285.

[12] Vgl. European Commision 2014 URL: https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/ceeds-new-ways-exploring-big-data

[13] Vgl. Grubner 2015, S. 17.

[14] Vgl. European Commision 2014 URL: https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/ceeds-new-ways-exploring-big-data

[15] Vgl. Leodolter 2015, S. 8.

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668221758
ISBN (Buch)
9783668221765
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322976
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Schwerpunkt Kultur und Ästhetik digitaler Medien
Note
1,3
Schlagworte
CEEDs Brain Immersion Kreativität Kunst Unterbewusstsein Gehirnwellen Home of the Brain Collective Experience of Empathic Data Systems Human-Computer-Interaction komplexe Datenmengen Datenverarbeitung Datenerzeugung Stimulation XIM eXperience Induction Machine

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Titel: Das CEED-Projekt. Eine Chance für die Kunst?