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Soziale Ausschließung durch Armut und ihre Bedeutung für Heranwachsende

Hausarbeit 2015 20 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Beziehung von Armut und sozialer Ausschließung
1.1 Armut als eindimensionale und mehrdimensionale Betrachtung
1.1.1 Eindimensionale Armut
1.1.2 Absolute Armut
1.1.3 Relative Armut
1.2 Mehrdimensionale Armut
1.2.1 Konzept der Lebenslage
1.2.2 Relative Deprivation
1.3 Kinder- und Jugendarmut
1.4 Einführungen in die Thematik Soziale Ausschließung
1.4.1 Was ist soziale Ausschließung
1.4.2 Soziale Ausschließung und Armut

2 Dimensionen und Folgen sozialer Ausschließung für Heranwachsende
2.1 Materielle Dimension
2.2 Bildung
2.3 Gesundheit
2.4 Wohn- und Lebensraum
2.5 Kriminalisierung

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Als ausländische Studierende habe ich aus meiner Heimat El Salvador einen deutlichen Einblick in die Problematik breiter Armut und welche Bedeutung und Folgen soziale Ausschließungen durch derartige Armut für die Menschen, speziell für Kinder und Jugendliche, haben. Oft entstehen Kreisläufe, aus denen es nur äußerst selten Auswege gibt; die Armut verfestigt sich, Perspektivlosigkeit, Gewalt und Kriminalität wachsen. Auch wenn Deutschland ökonomisch nicht mit meinem Heimatland zu vergleichen ist, es zu den reichsten Ländern unserer Erde gehört und ein breites Netz sozialer Sicherungen und Hilfsmechanismen aufzuweisen hat, so lässt sich in den letzten Jahren dennoch auch hierzulande zunehmende Armut und eine immer weiter wachsende Schere zwischen Arm und Reich beobachten. Ebenso wie Armut insgesamt, nimmt auch die Bedürftigkeit speziell von Kindern und Jugendlichen in Deutschland merkbar zu. Immer mehr Heranwachsende leben in armen oder zumindest materiell unsicheren Verhältnissen. Vor wenigen Wochen erst beschäftigte sich der Spiegel[1] ausführlich mit diesem Thema und sprach von 2,6 Millionen Kindern, deren Alltag von Mangel und Verzicht gekennzeichnet sei. Kein Urlaub, kein Kino, keine neue Kleidung, das sind nur wenige Beispiele einer langen Liste von Benachteiligungen für Kinder aus sozial schwachen Familien. Kinder erfahren immer wieder, dass sie ausgeschlossen sind, nicht teilhaben können an Möglichkeiten oder Aktivitäten, die vielen ihrer Altersgenossen offenstehen. In dieser Arbeit soll genau darauf der Blick gerichtet werden. Was bedeutet Armut und die aus ihr immer wieder resultierende Ausschließung für Kinder und Jugendliche, welche Folgen bringt sie mit sich? Nach einem kurzen Blick darauf, was mit Armut und sozialer Ausschließung gemeint ist und wie diese miteinander zusammenhängen, soll es dann im Weiteren konkret um Dimensionen und Folgen derartiger Ausschließungen für Heranwachsende gehen.

1 Beziehung von Armut und sozialer Ausschließung

1.1 Armut als eindimensionale und mehrdimensionale Betrachtung

Armut "beraubt Menschen ihrer materiellen Unabhängigkeit und damit der Fähigkeit, über ihr Schicksal und das ihrer Kinder selbst zu entscheiden." (Holz Gerda 2010, S. 25) Um Armut zu verstehen, bedarf es, die etablierten Definitionen zu betrachten. In der wissenschaftlichen Forschung gibt es mehrere Gesichtspunkte von Armut. So wird unter anderem zwischen eindimensionaler und mehrdimensionaler Armutsdefinition unterschieden.

1.1.1 Eindimensionale Armut

Zu den eindimensionalen Armutsdefinitionen gehören unter anderem Begriffe wie absolute und relative Armut. Beide hatten lange Zeit in Entwicklungs- und Industrieländern hohe Bedeutung und werden bis heute genutzt, Armut zu messen, weshalb es erforderlich ist, diese etwas näher auszuführen.

1.1.2 Absolute Armut

"Bei der absoluten Armut ist das physische Existenzminimum (Nahrung, Getränke, Kleidung, Unterkunft,…) nicht sichergestellt, so dass das Überleben gefährdet ist.“ (Merten Roland 2010, S 136). Es geht um die Frage, welche Güter und Dienstleistungen ein Mensch braucht, um seine physische Existenz zu sichern. (vgl. Kubon-Gilke Gisela 2013, S. 478). In einem Land wie Deutschland mit seinem sozialen Netz und den verschiedenen Absicherungs- und Unterstützungsmechanismen dürfte es diese Art der Armut eigentlich nicht geben und tatsächlich ist die absolute Armut hierzulande auch nur ein seltenes Phänomen, aber sie kommt doch vor. So gibt es immer wieder Menschen, wie zum Beispiel Obdachlose, die durch die Netze fallen und von den Sicherungssystemen nicht erreicht werden. (vgl. Merten Roland 2010, S. 136)

1.1.3 Relative Armut

Relative Armut hingegen bestimmt sich immer in Ausrichtung auf den Lebensstandard einer Gesellschaft. Dazu gehören Einkommen, Bildung, Gesundheit, Wohnen, Eigentum, Beschäftigung, etc. (vgl. Merten Roland 2010, S.136). Wichtig ist hervorzuheben, dass die relative Armut sich unterschiedlich messen lässt. Beispielsweise durch das Konzept der relativen Einkommensarmut, bei dem immer allgemein Bezug auf das mittlere Einkommen eines Landes genommen wird. Es wird gefragt, ob eine Person bzw. ein Haushalt mindestens einen bestimmten Prozentsatz des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Zurzeit wird bei den meisten Studien der Wert von 60 Prozent des Medianeinkommens als Armutsgrenze herangezogen. Wer weniger hat, gilt als arm. In der EU hat sich diese Vorgehensweise als Standard der Messung von Armut etabliert. (vgl. Kubon-Gilke Gisela 2013,S. 481).

1.2 Mehrdimensionale Armut

Parallel gibt es mehrdimensionalen Armutsdefinitionen. Sie beziehen sich nicht nur auf materielle Aspekte, sondern betrachten auch andere Dimensionen von Armut.

1.2.1 Konzept der Lebenslage

Bereits in den dreißiger Jahren hat Otto Neurath dies unter seinem Konzept der Lebenslage thematisiert. „…der Inbegriff aller Umstände, die verhältnismäßig unmittelbar die Verhaltensweise eines Menschen, seinen Schmerz, seine Freude bedinge. Wohnung, Nahrung, Kleidung, Gesundheitspflege, Bücher, Theater, freundliche menschliche Umgebung, all das gehört zur Lebenslage..." (Neuraht, zitiert nach Glatzer Wolfgang / Hübinger Wolfgang u.a. 1990, S.35).

In der heutigen Forschung geben Indikatoren wie Einkommen, Wohnsituation, schulische und berufliche Ausbildung, soziale Kontakte, Gesundheit und subjektives Wohlbefinden Auskunft über eine bestimmte Lebenslage. Aufgrund der vielen Einzelindikatoren kann das Konzept der Lebenslage keine fertige und allgemeingültige Definition von Armut geben. (vgl. Hock Beate u.a. 2000, S.27).

1.2.2 Relative Deprivation

Durch die relative Deprivation wird Armut etwas konkreter definiert. Dafür haben Wissenschaftler die obengenannten Einzelindikatoren in einer Umfrage bearbeitet. Betroffene wurden befragt, was für sie notwendige Lebensstandards seien. Halten mindestens 50% der Befragten ein bestimmtes Gut für notwendig, gehört es zum notwendigen Lebensstandard. Güter, die seltener genannt werden, gehören demzufolge nicht zu der Kategorie des Lebensstandards. Hat ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen aus finanziellen Gründen drei oder mehr dieser notwendigen Standards nicht zur Verfügung, so gilt dieser bzw. diese als arm. ( vgl. Hock Beate u.a. 2000, S. 27). Armutskonzepte wie die der Lebenslage oder der Relativen Deprivation weichen ab von Eindimensionale Armutskonzepten, wo die Messung oder Analyse der Armut ausschließlich auf der Ebene des Einkommen oder der Versorgung stecken bleibt. Deshalb geben sie ein erweitertes Spektrum mit verschiedenen Komponenten bezüglich der Frage, was Armut ist.

1.3 Kinder- und Jugendarmut

Kinder- und Jugendarmut gab es in der Geschichte Deutschlands schon immer. Sie ist nicht ein Phänomen der heutigen Zeit. Bereits im 19.Jahrhundert hat diese Gruppe die Aufmerksamkeit von Menschen wie dem Theologen und Pädagogen Johann Hinrich Wichern geweckt. Wichern versuchte, das Elend der Kinder und Jugendlichen aus Hamburg zu verstehen und zu bekämpfen. Eine Betrachtung über die Folgen der Armut analysierte er schon damals und so war es für ihn von Bedeutung, sein Projekt „das Raue Haus“ mit einem pädagogischen und seelischen Ansatz zu gestalten. Wichern hatte erkannt, dass nur Nahrung und materielle Aspekte nicht ausreichend sind für die Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen. Bis heute wird auf die Erkenntnisse Wicherns zurückgegriffen und die Armut von Kindern und Jugendlichen aus einem besonderen Blickwinkel heraus behandelt. Denn bei Kinder- und Jugendarmut geht es zweifellos um mehr, als nur wenig Geld zu haben. Für die Betroffenen bedeutet es zum Beispiel auch, weniger persönliche Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu haben. Das umfasst auch, sozial benachteiligt und (etwa im Hinblick auf Bindung und Kultur, Wohlergehen und Gesundheit, Wohnen und Wohnumfeld, Freizeit und Konsum) unterversorgt zu sein. (vgl. Butterwegge Christoph 2013, S. 62). Die AWO-ISS-Studie[2] nimmt in Anspruch, einen erweiterten, kindgerechten Armutsbegriff zu entwickeln. Wichtig ist dabei vor allem, die Lebenssituation und -lage des Kindes selbst in Betracht zu ziehen und nicht nur die materiellen Verhältnisse seiner Familie. Zuerst wurden bei der kindgerechten Armutsdefinition zwei Aspekte unterschieden, und zwar die Dimensionen und die Einflussfaktoren in Verbindung mit der Lebenslage des Kindes oder Jugendlichen. Im Zentrum steht die oder der Heranwachsende, von dem ausgehend die verschiedenen Dimensionen in den Blick genommen werden.

[...]


[1] Der Spiegel, Ausgabe Nr. 20 vom 9.5.2015, Titel: „…und raus/rauf bist du! Die Lüge von der Chancen-gleichheit – warum schon die Geburt über Bildung und Aufstieg entscheidet.“ (Von Müller, Ann-Kathrin)

[2] Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V. und das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668220997
ISBN (Buch)
9783668221000
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322971
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
1,0
Schlagworte
soziale ausschließung armut bedeutung heranwachsende

Autor

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