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Frühkindlicher Autismus und Asperger-Autismus. Systematischer Vergleich im Hinblick auf Ursache, Diagnostik und Interventionsmöglichkeit

Seminararbeit 2016 18 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen
2.1 Autismus
2.2 Frühkindlicher Autismus
2.3 Asperger-Syndrom

3 Autismus-Spektrum-Störungen und seine Ausprägungen
3.1 Der Frühkindliche Autismus und das Asperger-Syndrom
3.1.1 Diagnosekriterien des Frühkindlichen Autismus
3.1.2 Diagnosekriterien des Asperger-Syndroms
3.1.3 Epidemiologie des Frühkindlichen Autismus
3.1.4 Epidemiologie des Asperger-Syndroms
3.1.5 Symptomatik des Frühkindlichen Autismus
3.1.6 Symptomatik des Asperger-Syndroms
3.1.7 Ursache des Frühkindlichen Autismus
3.1.8 Ursache des Asperger-Syndroms
3.1.9 Diagnose des Frühkindlichen Autismus
3.1.10 Diagnose des Asperger-Syndroms

4 Intervention für die Hand von Lehrerinnen und Lehrer
4.1 Notwendigkeit der Interventionsmöglichkeit
4.2 Mögliches Interventionsprogramm mit dem TEACCH-Programm

5 Unterschiede zwischen dem Asperger-Syndrom und dem Frühkindlichen Autismus

6 Fazit

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Schon seit einigen Jahren arbeiten Psychologen und Pädagogen an der Integration autistischer Schülerinnen und Schüler, um einer Exklusion entgegenzuwirken. Da in der heutigen Zeit die Integration zunehmend an Bedeutung gewinnt, muss Förderung autistischer Menschen gelingen. Anderenfalls kann die vereinbarte UN-Menschenrechtskonvention Artikel 24, in der besagt wird, dass Jeder, ob behindert oder nicht behindert, die gleichen Rechte und Pflichten hat, nicht umgesetzt werden.

Diese Seminararbeit mit dem Titel "Ein systematischer Vergleich zwischen dem Frühkindlichen Autismus und dem Asperger-Autismus im Hinblick auf Ursache, Diagnostik und Interventionsmöglichkeit" beinhaltet ein Vergleich zwischen Frühkindlichem Autismus und dem Asperger-Syndrom in Bezug auf die genannten Teilbereiche.

Zentrale Fragen der Seminararbeit sind:

Durch welche Kriterien ist es möglich den Frühkindlichen Autismus und das Asperger-Syndrom zu diagnostizieren? Dazu geht der Verfasser auf die Kriterien des ICD und des DSM-IV ein. Eine weitere zentrale Fragestellung ist die, welche Symptome und Ursachen sind typisch für den Frühkindlichen Autismus und das Asperger-Syndrom? Abschließend geht der Verfasser auf Interventionsmöglichkeiten für die Lehrerinnen und Lehrer ein, die Integration autistischer Schülerinnen und Schüler voranbringen. Dazu stellt der Verfasser das TEACCH-Programm vor.

Bezugnehmend auf diese Fragestellungen erfolgt ein Vergleich zwischen dem Asperger-Syndrom und dem Frühkindlichen Autismus.

Diese Seminararbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil, Kapitel 2, findet eine Begriffserklärung statt. Im zweiten Teil, Kapitel 3 und 4 werden die Autismus-Spektrum-Störungen im Hinblick auf die Ursache, Diagnostik und Interventionsmöglichkeit erklärt. Im dritten Teil der Seminararbeit (Kapitel 5) erfolgt ein abschließender Vergleich. Das Fazit befindet sich in Kapitel 6.

2 Begriffserklärungen

Im Folgenden wird der Verfasser den Begriff des Autismus, den Frühkindlichen Autismus und das Asperger-Syndrom definieren.

2.1 Autismus

Ursprünglich stammt der Begriff Autismus aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "selbst" ("autos") und "Zustand" ("ismos"). Bleuler, ein Schweizer Psychiater, hat diesen Begriff erstmals beschrieben. Er ging davon aus, dass es sich bei den Symptomen des Autismus um eine Schizophrenie handelt.

Eine andere Definition kommt von Wirth.

"Autismus ist ein Syndrom, welches eine Gruppe abnormer Verhaltensweisen und gestörter Hirnfunktionsleistungen umfaßt (!) und mit einer schweren Störung des affektiven Kontaktes einhergeht (...) Nach anderer Auffassung ist Autismus kein Syndrom, sondern ein Verhaltensspektrum."[1]

Remschmidt beschreibt den Autismus als eine Form der Schizophrenie, wobei er ein typisches Symptom die Zurückgezogenheit in eine andere Vorstellungswelt sowie den mangelnden Kontakt zu anderen Menschen meint.[2]

2.2 Frühkindlicher Autismus

Der Begriff des Autismus, welcher erstmals von Bleuler 1911 eingeführt wurde, unterzog sich einem Wandel. Schließlich war der Begriff des Autismus zu dieser Zeit zu den Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht eindeutig beschrieben, da dieser nur unter einem Rückzug in eine Phantasiewelt bekannt war.

Leo Kanner, ein amerikanischer Psychiater, beschrieb 1943 in seinem Buch Kinder, die von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit leben. Beide Ansätze unterscheiden sich. Bleuler ging nur davon aus, dass Autismus mit einer Schizophrenie gleichzusetzen ist. Kanner dagegen ging davon aus, dass es Menschen gibt, die von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit leben.

2.3 Asperger-Syndrom

Das Asperger Syndrom oder in der heutigen Literatur auch bekannt als Asperger-Autismus wurde 1944 vom österreichischen Arzt Asperger entdeckt. Frei von Kanners Erkenntnissen untersuchte Asperger Kinder, die intelligent, aber in sich gekehrt waren. Diese Kinder hatten Probleme mit einer sozialen Anpassung und hatten wenig Kontakt zu anderen Kindern. Asperger beschrieb das Phänomen als "autistische Psychopathie". Auffällig war, dass diese Kinder laut Asperger spezielle Interessen aufwiesen.

Allerdings waren seine Erkenntnisse im Gegensatz zu Kanner international zunächst nicht anerkannt. Anfang der 80er Jahren führte die britische Psychiaterin Wing die Forschungen von Asperger weiter und definierte die leichteren Fälle im Gegensatz zum Frühkindlichen Autismus als Asperger-Syndrom. Erst seit diesem Zeitpunkt waren Asperger Erkenntnisse weltweit anerkannt.[3]

3 Autismus-Spektrum-Störungen und seine Ausprägungen

Der Begriff der Autismus-Spektrum-Störungen umfasst heutzutage alle Ausprägungen des Autismus. Dazu gehört der Frühkindliche Autismus, das Asperger-Syndrom und der atypische Autismus.

Symptome die bei allen drei Formen vorhanden sind, sind beeinträchtigte soziale Interaktion, beeinträchtigte Kommunikation und Kontaktaufnahme sowie sich immer wiederholende Verhaltensmuster.

Das von Leo Kanner beschriebene Symptom ist die bekannteste und die verbreitetste Form des Autismus. Im Gegensatz dazu ist das Asperger-Syndrom die mildere Form des Autismus. Andere Ausprägungen des Autismus ist der atypische Autismus und der high-functioning-Autism (Sonderform des Frühkindlichen Autismus), welcher aufgrund des geringen zur Verfügung stehen Umfangs, nicht Inhalt dieser Seminararbeit ist.

3.1 Der Frühkindliche Autismus und das Asperger-Syndrom

Im folgenden Abschnitt geht der Verfasser auf Epidemiologie (Folgen), Symptomatik, Ätiologie (Ursachen) sowie die sich darauf beziehende Diagnostik ein.

3.1.1 Diagnosekriterien des Frühkindlichen Autismus

ICD ist die internationale statische Klassifikation von Krankheiten (ICD, engl.: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems).[4]

Diese internationale Einteilung von Krankheiten hat den Vorteil, dass die Krankheiten international anerkannt sind.

Wird der Begriff Autismus im ICD-10 nachgeschlagen, so wird unter Autismus eine "tiefgreifende Entwicklungsstörung" erklärt, welcher unter dem Punkt F84 verzeichnet ist. Der Frühkindliche Autismus ist genau unter dem Punkt F84.0 zu finden.[5]

Ein weiteres diagnostisches Mittel ist das DSM-IV (englisch Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)[6]. Dies ist ein diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen. Es handelt sich hierbei um ein anderes Klassifikationsinstrument der American Psychiatric Association. Werden nun die Aussagen des ICD-10 und des DSM-IV zusammengefasst, so lässt sich feststellen, dass folgende Gemeinsamkeiten deutlich werden. Es besteht eine qualitative Abweichung in der sozialen Interaktion sowie im Kommunikationsmuster. Des Weiteren ist ein signifikantes Merkmal, dass ein begrenztes und sich wiederholendes Repertoire an Interessen und Aktivitäten zu erkennen ist. Diese Entwicklungsstörung beschreibt die Beeinträchtigung in diesen Merkmalen. Abweichungen des Verhaltens und der Entwicklung sowie der Ausprägung der betroffenen Autisten sind dabei sehr differenziert. Daher erfüllt nicht jeder Mensch mit Frühkindlichem Autismus die klassischen Merkmale des Frühkindlichen Autismus. Davon wird das Asperger-Syndrom unterschieden.

3.1.2 Diagnosekriterien des Asperger-Syndroms

Das Asperger-Syndrom zählt ebenso zu den "tiefgreifenden Entwicklungsstörungen". Anfang der 90er fand man dieses Syndrom imICD-10. Damit wurde diese Krankheit international akzeptiert. Im Jahr 1994 wurde diese auch in den DSM-IV aufgenommen.[7]

In der aktuellsten Ausgabe des ICD-10 findet man das Syndrom unter dem Schlüssel F84.5. In der Forschung ist es dennoch schwierig, einen Unterschied zwischen der schizophrenen Persönlichkeitsstörung und dem Asperger-Syndrom vorzunehmen, denn im ICD-10 ist beschrieben, dass eine schizophrene Persönlichkeitsstörung das Asperger-Syndrom ausschließt. Im Kindesalter allerdings schließt das Asperger-Syndrom eine schizophrene Persönlichkeitsstörung nicht aus.[8] Wie hieraus zu erkennen ist, ist dieses Paradox in der Forschung noch nicht ausreichend diskutiert worden.

3.1.3 Epidemiologie des Frühkindlichen Autismus

Mitte des 20.Jahrhunderts wurde angenommen, dass Autismus-Spektrum-Störungen selten vorkommen. Aktuelle Forschungen zeigen dennoch, dass es ein deutlich höheres Vorkommen heutzutage gibt.[9] Des Weiteren wird in den meisten Forschungen der Frühkindliche Autismus behandelt. Untersuchungen zum Asperger-Syndrom oder zu anderen Formen des Autismus sind seltener. Bis vor wenigen Jahren ging die Forschung davon aus, dass es sich bei Menschen mit Frühkindlichem Autismus um eine Form der geistigen Behinderung handelt. Allerdings ist dieser Ansatz heute weitgehend widerlegt worden. Häufig sind dreimal soviele Jungen betroffen wie Mädchen. Die Ursache, warum die Krankheit bei Jungen häufiger auftritt, ist bis heute ungeklärt. Die Häufigkeit des Frühkindlichen Autismus wird mit 13 bis 22 Kindern pro 10000 Kinder angegeben. Die Gesamtheit aller autistisch geprägten Krankheiten werden allerdings mit 60 bis 70 Kindern pro 10000 beziffert.[10] Demnach schwanken diese Zahlen leicht. Des Weiteren lässt sich festhalten, dass Autismus in allen sozialen Schichten vorkommt. Der Frühkindliche Autismus ist jedoch in höheren sozialen Schichten häufiger anzutreffen als in niedrigeren sozialen Schichten der Gesellschaft.[11] Woran das liegt ist noch unerforscht.

3.1.4 Epidemiologie des Asperger-Syndroms

Im Gegensatz zum Frühkindlichen Autismus gibt es beim Asperger-Syndrom kaum epidemiologische Forschungen. Wissenschaftliche Untersuchungen ergeben eine Häufigkeitsrate von 10 bis 13 Kindern pro 10000.[12] Hierbei unterscheidet sich im Gegensatz zum Frühkindlichen Autismus das Geschlechterverhältnis deutlich. Vom Asperger-Syndrom sind neunmal soviele Jungen betroffen wie Mädchen. Ob das Asperger-Syndrom überwiegend in hohen oder niedrigen sozialen Schichten auftritt, wurde noch nicht untersucht.

3.1.5 Symptomatik des Frühkindlichen Autismus

Menschen die unter dem Frühkindlichen Autismus leiden, sind am stärksten von Symptomen betroffen. So können die Hälfte der Menschen mit Frühkindlichen Autismus keine Sprache erwerben. Frühkindliche Autisten haben Probleme eine differenzierte Sprache zu entwickeln. Sie verstehen Sprache oftmals wörtlich und verstehen daher keine Metaphern, Redewendungen und Ironien. Eine verminderte Intelligenz ist bei Frühkindlichen Autisten ebenso anzutreffen.[13]

Überdies zeichnet sich der Frühkindliche Autismus durch einen "Rückzug in die eigene Gedankenwelt aus. Betroffene Kinder vermeiden den Kontakt zu Eltern, Geschwistern und anderen Menschen oder beschränken ihn auf das Nötigste."[14]

Des Weiteren können Kinder, die an einem Frühkindlichen Autismus leiden, ängstlich oder wütend auf Veränderungen in ihrer Umwelt reagieren. Für Menschen mit frühkindlichem Autismus können kleine Veränderungen am Tag schon die Folge haben, dass sie überfordert sind und nicht wissen, wie sie auf diese Veränderung reagieren sollen. Es zeigt sich weiterhin, dass oftmals Spezialinteresse charakteristisch ist.[15]

3.1.6 Symptomatik des Asperger-Syndroms

Symptome des Asperger-Syndroms sind ähnlich, aber unterscheiden sich in ihrem zeitlichen Dasein sowie in ihrer Ausprägung zum Frühkindlichen Autismus.

Die Symptome des Asperger-Syndroms zeigen sich oftmals erst nach dem 3. Lebensjahr. Beim Frühkindlichen Autismus treten die Symptome vor dem 3. Lebensjahr vor.

[...]


[1] Wirth u.a., 2000, S.720.

[2] Remschmidt, 2000, S.9.

[3] vgl. Petermann, u.a., 2001, S.114 ff.

[4] http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/

[5] Wiesbrock, 2005, S.12.

[6] http://lexikon.stangl.eu/3362/dsm-iv/

[7] http://www.autismus-in-berlin.de/Remschmidt%20-Asperger%20Syndrom.pdf

[8] Ebenda.

[9] http://www.aerzteblatt.de/archiv/63173

[10] http://w3.autismus.de/pages/startseite/denkschrift/was-sind-autistische-stoerungen/haeufigkeit.php

[11] Kuhles, 2007, S.23.

[12] vgl. http://www.aerzteblatt.de/archiv/63173

[13] Schirmer, Brita (2012): Vorlesungsskript vom 6.2.2012. Spezielle Fragen der Verhaltensstörungen.

[14] http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Autismus/Symptome/Fruehkindlicher-Autismus-Symp-10290.html

[15] Ebenda.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668220911
ISBN (Buch)
9783668220928
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322950
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
frühkindlicher autismus asperger-autismus systematischer vergleich hinblick ursache diagnostik interventionsmöglichkeit

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Titel: Frühkindlicher Autismus und Asperger-Autismus. Systematischer Vergleich im Hinblick auf Ursache, Diagnostik und Interventionsmöglichkeit