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Depressionen. Formen, Ursachen, Therapieansätze

Hausarbeit 2014 23 Seiten

Medizin - Neurologie, Psychiatrie, Süchte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines
2.1. Definition
2.2. Zahlen und Fakten
2.3. Geschichte

3.Verlaufsformen

4.Diagnostik
4.1. ICD
4.2. DSM

5. Entstehung
5.1. Biologische Faktoren
5.2. Psychosoziale Faktoren
5.3. Vulnerabilitäts-Stress Modell

6.Therapieansätze
6.1. Pharmakotherapie
6.2. Psychotherapie
6.3. Alternative Therapieformen

7. Interventionen der Sozialen Arbeit

8.Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen eines Praxissemesters an der Katholischen Hochschule Aachen, an der ich Soziale Arbeit im Bachelorstudiengang studiere, war ich in der Arbeit mit Menschen mit psychischen Störungen tätig. Ich absolvierte mein Praktikum auf einer allgemeinpsychiatrischen Station im Alexianerkrankenhaus, auf der mehr als die Hälfte der Patienten depressiv waren. Auch statistisch gesehen ist die Depression die häufigste psychische Störung weltweit. So war es mir ein Anliegen, auch in meinem Fachvortrag und dieser dazugehörigen Hausarbeit das psychische Störungsbild der Depression näher zu beschreiben.

Doch was verbirgt sich hinter einer Depression, ab wann wird überhaupt von einer Depression als klinische anerkannte und Behandlungsbedürftige Störung gesprochen und was sind normale Stimmungsvarianten des menschlichen Lebens? Denn Empfindungen wie Schmerz, Hass, Trauer, Verzweiflung oder Ausweglosigkeit hat jeder schon einmal erlebt und sie gehören genauso zum Leben wie Glück oder Freude.

In dieser Arbeit gehe ich zunächst auf Allgemeinheiten über die Störung Depression ein, wie die Herkunft und Bedeutung des Begriffes und gebe einen kurzen Einblick in den geschichtlichen Hintergrund dieser seit langer Zeit bekannten Störung. Daraufhin werden die unterschiedlichen Verlaufsformen erläutert, die eine affektive Störung nehmen kann und zu denen auch die Depression gehört. Anschließend wird erklärt, wie diese Störung durch die zwei bedeutsamsten Klassifikationssysteme diagnostiziert werden kann. Dann wird ein Blick auf die verschiedenen Ursachen für die Entstehung einer Depression geschaut, die vielseitig und individuell sind. So wie die Ursachen, sind auch die Therapien individuell und nicht in jedem Fall ebenso wirkungsvoll. Zum Schluss wird aufgewiesen, worauf man besonders als Sozialarbeiterin in der Arbeit mit depressiven Menschen achten sollte und welche sozialarbeiterischen Hilfen das Sozialgesetzbuch für Menschen mit psychischen Störungen leistet.

2. Allgemeines

2.1. Definition

„Der Begriff Depression entstammt dem lateinischen Wort depressus und bedeutet niedergedrückt. Er bezeichnet einen schwer beschreibbaren, quälenden Verlust an Lebensfreunde, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.“[1]

Obwohl jeder Mensch schon einmal negative Gefühle hatte, die genauso wie Glück und Freude zum Leben dazugehören, spricht man von einer Depression erst dann, wenn Emotionen wie Trauer, Verzweiflung und Ausweglosigkeit das eigene Leben beherrschen und das Wesen eines Menschen tiefgehend verändern. Die Depression ist zunächst von dem Leitsymptom der depressiven Verstimmung geprägt, die ganz unterschiedlich zum Ausdruck kommen kann. Sie kann sich schleichend anbahnen oder aber ganz plötzlich da sein. Sie kommt entweder durch Verzweiflung, Trauer, Desinteresse, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit und ein Gefühl von Leere zum Ausdruck, oder aber durch Gereiztheit, Missmut, Angst bis hin zur Panik. In extremen Formen der Störung können kaum noch Emotionen empfunden werden. Es entsteht eine völlige Inaktivität auf Reize aus der Umwelt, ein Gefühl der Leere und Ausgebranntheit bleibt zurück. Die Symptomatik kann dabei Einfluss auf die emotionale, kognitive sowie auf die somatische Ebene nehmen. Auch das Verhalten der Erkrankten kann stark voneinander abweichen: Manche ziehen sich völlig in sich zurück und meiden jeglichen Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld und dem professionellen Hilfesystem, andere suchen dagegen sehr stark den Kontakt zu anderen Menschen, wollen sich aussprechen und ihr Leid klagen. So hat die Depression viele Facetten und ist nicht immer gleich als solche zu entschlüsseln.[2]

2.2. Zahlen und Fakten

Statistisch gesehen gehört die Depression zu den häufigsten psychischen Störungen und ist in der Bevölkerung weit verbreitet. So haben Studien des Robert Koch Institutes, ein Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten in Berlin, ergeben, dass 15 Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Depression erkrankt. Daher erklärt es sich, dass Antidepressiva die meistverschrieben Medikamente weltweit sind.

In der Hälfte aller Fälle beginnt die Depression vor dem 32. Lebensjahr und nur bei 10 Prozent tritt sie noch nach dem 56. Lebensjahr auf.[3]

Bei dem Vergleich der Diagnosehäufigkeit zwischen Frauen und Männern, kann man feststellen, dass Frauen fast doppelt so häufig an Depressionen erkranken wie Männer. Es fällt jedoch auf, dass umso schwerer die Depression ist, die Differenz zwischen Männern und Frauen sinkt. Dies lässt sich dadurch erklären, dass Frauen bereits bei leicht ausgeprägten depressiven Episoden den Arzt aufsuchen und eine Diagnose gestellt wird. Es wird vermutet, dass Männer zwar ebenso häufig erkranken, jedoch erst bei stärkerer Ausprägung der Störung professionelle Hilfe annehmen. Eine Besonderheit bei Frauen ist jedoch das Risiko vor der monatlichen Menstruation oder bei anderen hormonellen Umstellungen, wie bei einer Geburt oder der Wechseljahre zu erkranken. Dies liegt vor allem an einer verminderten Produktion der Sexualhormone Östrogen und Progesteron.

Laut offizieller Statistiken nehmen sich in Deutschland jährlich 12.000 Menschen selber das Leben und begehen somit einen Suizid. Das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Drogen, Mord und AIDS zusammen. Die Dunkelzahl der Suizidversuche ist schätzungsweise 15-20mal so hoch.

Etwa 16 Prozent aller Menschen mit Depressionen begehen einen solchen Selbsttötungsversuch an dessen Folgen 6 Prozent sterben.[4]

2.3. Geschichte

Gewisse Formen der Depression, die bis ins 18. Jahrhundert als Melancholie bezeichnet wurde, gibt es wahrscheinlich schon seitdem der Mensch existiert. Das hängt sehr wahrscheinlich mit der Fähigkeit des Menschen zusammen, sich selbst zu reflektieren und über sein Leben nachdenken zu können. Neben Menschen zeigen jedoch auch höher entwickelte Tiere, wie beispielsweise Primaten, Emotionen wie Ängstlichkeit, Aggressivität oder Trägheit nach einschneidenden Veränderungen in ihrem gewohnten Lebensumfeld.

Schon lange weiß die Menschheit um die Wirkung bestimmter Pflanzenmittel zur Bekämpfung von Traurigkeit/Gelähmtheit und Melancholie. Bereits in den mesopotamischen und ägyptischen Hochkulturen im 4.-3. Jahrtausend v. Chr. wurde die Wirkung des Schlafmohns, auch Pflanze der Freude genannt, als Beruhigungs-Schlaf-und Schmerzmittel gebraucht und sogar bis in die Neuzeit als Antidepressivum eingesetzt. Auch die Wirkung von Cannabis und Johanniskraut sind bereits seit dieser Zeit bekannt.[5]

Die ersten schriftlichen Hinweise auf die Depression gibt es beispielsweise schon in der Bibel aus der Zeit des 1.Jahrtausends v.Chr. Dort ist die Rede von den ‘trübsinnigen Anwandlungen‘ des ersten israelischen Königs Saul, den sein Schwiegersohn David durch Harfenspiele aufheitern sollte.[6]

Im alten Griechenland um 400 v.Chr. war Hippokrates von Kos, der Vater der Medizin, erstmals der Auffassung, dass Krankheiten rationalen Hypothesen entstammen und nicht religiös verursacht sind. Hippokrates ging zum einen von der These aus, dass das Gehirn der Sitz aller geistiger, sowie seelischer Fähigkeiten ist und zum anderen, dass die Depression durch ein schädliches Übermaß der schwarzen Galle, auch genannt Schwarzgalligkeit, verursacht wird.[7]

Der Grieche Galen von Pergamon, Leibarzt des römischen Kaisers, entwickelte im 2. Jh. n.Ch. die sogenannte Viersäftelehre, die sogar bis ins 18.Jh. Gültigkeit besaß. Sie besagt, dass der Körper aus den vier Körperflüssigkeiten Blut, Schleim, gelber sowie schwarzer Galle besteht. Die Krankheitslehre basiert darauf, dass alle Krankheiten auf ein Ungleichgewicht dieser Säfte zurückzuführen ist.

Geheilt wurde man demnach nur, indem die Säfte des Körpers wieder ins Gleichgewicht gebracht wurden. Diese Säfteregulierung entstand durch den Aderlass, Schröpfen oder Abführmittel. Besonders gebräuchlich war beispielsweise Nieswurzelextrakt als Mittel gegen Melancholie. Es verursacht Erbrechen und Durchfall mit schwarzem oder blutigem Stuhl. Ein Irrglaube war, dass der Körper somit von einem krankmachenden Übermaß an schwarzer Galle gereinigt und somit geheilt wurde.[8]

Im Mittelalter wurde Melancholie dagegen als Laster und sogar als eine der sieben Todsünde gesehen, die mit Faulheit, Unlust und der Verneinung zu Gottes Schöpfung einhergeht.

Johann Christian Reil, ein Berliner Medizinprofessor, entwickelte im 18Jh. die psychische Kur zur Behandlung geistiger sowie seelischer Störungen. Sie ist die erste methodische Umsetzung einer Verhaltenstherapie und beruht auf dem Lohn-Strafe Prinzip. In den damaligen Irrenhäusern wurde nach diesem Prinzip gehandelt. Bei positivem Verhalten wurden die Insassen demnach belohnt durch Wärme, Gymnastik, Mohnsaft, Musizieren, Geistesarbeit und gärtnerische Betätigung. Bei unerwünschtem Verhalten jedoch standen dem gegenüber Isolation, Nahrungsentzug, Schläge sowie Eisbäder.[9]

Ab dem 19.Jh. widmete sich die Forschung erstmalig dem Nervensystem, obwohl wie bereits erwähnt, schon seit der Antike das Gehirn als Sitz der Seele angesehen wurde. So dauerte es mehr als 2000 Jahre bis man gewissen seelischen Funktionen bestimmte Hirnregionen zuschreiben konnte. Die Melancholie oder Depression wurde dabei ebenfalls als eine Erkrankung des Nervensystems betrachtet.

So etablierte sich in dieser Zeit die Lehre der Erkennung und Behandlung psychischer Krankheiten als eigene Wissenschaft.

Kurz darauf, Anfang des 20.Jh.,begann die Ära der synthetisch hergestellten Psychopharmaka. 1956 wurde Imiprmin, das erste neuzeitliche Antidepressivum entwickelt und zwei Jahre später auf den Markt gebracht. Dieses Medikament nahm Einfluss auf das Ungleichgewicht von Botenstoffen im Nervensystem, so wie die modernen Antidepressiva es in abgewandelter Form auch heute noch tun.

Ebenfalls in den Anfängen des 20.Jh wurde die Psychoanalyse durch den Neurologen Sigmund Freud weltbekannt und ein fester Bestandteil der Behandlung von psychischen Störungen.

Bis zum heutigen Tag haben sich die Behandlungsansätze zwar noch weiterentwickelt und verbessert, wurden jedoch nicht mehr grundlegend verändert.[10]

3.Verlaufsformen

Die Depression wird den affektiven Störungen zugeordnet und verläuft meist in Phasen, die über Wochen, Monate bis hin zu Jahren auftreten können.[11]

Beim ersten Auftreten einer Depression ist die Rede von einer depressiven Episode.

Diese geht immer einher mit verminderter Stimmung, Antrieb, Aktivität und einem Verlust an Interesse und Freude. Der Schlaf ist gestört, die Ermüdbarkeit erhöht, der Appetit vermindert und das Selbstwertgefühl gesunken. Sie kann in leichte, mittelgradige oder schwere Episoden unterstuft werden.[12]

Wenn eine solche depressive Episode wiederholt, d.h. zweimal oder öfters auftritt, ist die Rede von einer rezidivierenden depressiven Episode. Zwischen den depressiven Phasen treten jedoch immer normale Phasen von unterschiedlicher Dauer auf. Auch sie kann in leichte, mittelgradige oder schwere Episoden unterstuft werden.

Bei der Dysthymia,. handelt es sich um eine schwächere aber anhaltende affektive Störung, die chronisch und mindestens zwei Jahre andauert. Sie lässt sich nicht in einzelne Episoden festmachen und ist nicht ausreichend schwer genug, um als schwere, mittelgradige oder leichte depressive Episode klassifiziert werden zu können. Perioden von normaler Stimmung dauern nicht länger als eine Woche.[13] Die Betroffenen sind demnach immer gedrückter Stimmung, erleben jedoch keine Stimmungseinbrüche, die an eine leichte depressive Episode herankommen. Trotzdem ist diese Störung mit erheblichem Leiden sowie Einschränkungen in wichtigen Lebensbereichen der Betroffenen verbunden. Je früher der Beginn dieser Störung eintritt, desto schwerer scheint die Form der Störung zu sein.[14]

Bei den bis hierhin beschriebenen Verlaufsformen handelt es sich ausschließlich um unipolare affektive Störungen, die diagnostiziert werden, wenn bisher nur depressive Phasen aufgetreten sind. Von einer bipolaren Störung wird hingegen gesprochen, wenn jeweils eine depressive und eine manische Phase im Krankheitsverlauf aufgetreten sind.

Meist wechseln die sich ab, so dass viele Betroffene unmittelbar nach einer depressiven Phase in eine manische hineinrutschen. Die sichere Diagnose von uni- oder bipolarer Störung ist dabei nicht einfach, da beispielsweise eine Person nach mehreren durchlebten depressiven Phasen nie sicher sein kann, ob nicht noch manische Phasen folgen können. Eine Manische Phase ist gekennzeichnet durch eine anormale, also extreme Steigerung der Stimmung, des Selbstwertgefühls sowie des Antriebs. Durch eine erhöhte Unruhe sowie stärkere Ablenkbarkeit sind Betroffene außerdem schneller gereizt. Die Hemmschwelle sinkt und die Gesprächigkeit nimmt zu. In einer solchen Phase wird mehr und unüberlegter Geld ausgegeben als üblich, da durch eine Art Größenwahn schneller Geschäfte getätigt werden, deren Folge hohe Verschuldungen sein können. Auch das Auftreten der Betroffenen verändert sich und äußert sich beispielsweise in einem schrillen Kleidungsstil oder auffälligem Makeup. Eine übermäßige Beschäftigung mit angenehmen Dingen sowie die fanatische Ausübung dieser sind typisch. Andere wichtige Dinge werden dabei völlig vernachlässigt. Im schlimmsten Fall verlieren die Betroffenen komplett die Kontrolle über sich selbst.[15]

Es ist mit anderen Worten das genaue Gegenteil einer depressiven Phase und eher unwahrscheinlich zu übersehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[16]

[...]


[1] Payk (2010): Depression, S. 9.

[2] vgl. Goldmann/Roth/Schaub (2006): Kognitiv-psychoedukative Therapie zur Bewältigung von Depressionen, S. 1.

[3] www.rki.de

[4] www.buendnis-depression.de

[5] vgl. Payk (2010): Depression, S. 11.

[6] ebd. S. 10.

[7] ebd. S. 12.

[8] ebd. S. 13.

[9] ebd. S. 14.

[10] ebd. S. 15.

[11] vgl. Barocka/ Fehr/ Freitag (2013): Depressive Störungen über die Lebensspanne, S. 17.

[12] vgl. Goldmann/Roth/Schaub (2006): Kognitiv-psychoedukative Therapie zur Bewältigung von Depressionen, S. 1.

[13] vgl. Goldmann/Roth/Schaub (2006): Kognitiv-psychoedukative Therapie zur Bewältigung von Depressionen, S. 9.

[14] vgl. Hammen (1999): Depression, S.18.

[15] vgl. Hammen (1999): Depression, S. 14.

[16] http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/depression-erkennen.php

Details

Seiten
23
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668227811
ISBN (Buch)
9783668227828
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322941
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Note
1,7
Schlagworte
Depressionen Psychische Störung Soziale Arbeit Therapie Ursachen Formen Behandlungsansätze ICD DSM Vulnerabilität Diagnostik Psychotherapie Pharmakotherapie Alternative Therapie Interventionen

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Titel: Depressionen. Formen, Ursachen, Therapieansätze