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Gefahr durch fremde Sprachen? Anglizismen im gegenwärtigen Sprachgebrauch und der Streit um französische Wörter im siebzehnten Jahrhundert

Facharbeit (Schule) 2016 19 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Englischer Spracheinfluss auf das Deutsche
2.1 Definition: Anglizismus
2.2 Ursachen englischer Spracheinflüsse

3. Sprachreformen im 17. Jahrhundert
3.1 Französischer Spracheinfluss auf das Deutsche
3.2 Sprachgesellschaften und die Kritik am französischen Spracheinfluss im 17.Jh.

4.Fremdsprachen: Gefahr für die deutsche Sprache oder Weiterentwicklung?
4.1 Fazit

1. Einleitung

In andauernden gesellschaftlichen Veränderungen der Kultur, der Gebräuche und vielfältiger Innovationen und Erfindungen, werden Anpassungen in der sprachlichen Entwicklung gefordert. Neue Bezeichnungen zu immer wieder neu erscheinenden Gegenständen, Ideen oder Verfahren, sind unabdingbar zur Differenzierung, sowie präziser Bezeichnung der einzelnen Sachverhalte. Im Laufe der Entwicklung von Sprachen, sind Prozesse des Fremdeinflusses anderer Sprachen, auf beidseitiger Ebene oft beobachtet worden. Gleichermaßen ist auch die deutsche Sprache von Außeneinflüssen geprägt worden, denn im Laufe der Jahrhunderte hat sich die deutsche Sprache stark verändert.

Ursprünglich sind die Wurzeln der deutschen Sprache auf die indogermanischen[1] Sprachen zurückzuführen. Allerdings trennte sich die deutsche Sprache im Mittelalter von den anderen germanischen Sprachen ab.

Bis heute unterliegt die deutsche Sprache weiteren Veränderungen vor allem durch neue Wörter aus Fremdsprachen oder durch Beseitigung von Begriffen aus dem Wortschatz.

Wesentliche Einflüsse stammen aus dem Griechischen, dem Lateinischen, dem Französischen und dem Englischen.

Als Reaktion auf den Sprachwandel reagieren zahlreiche Kritiker, indem sie die Gefahr einer „Überfremdung'' ankündigen, bei dem die nationale und kulturelle Wiedererkennbarkeit ihrer eigenen Sprache vor dem Verfall steht. Oft wird dabei von leichtfertigem und überflüssigem Gebrauch von fremden Wörtern gesprochen.

Bekannter Kritiker ist hierfür Walter Krämer: „ Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch.’’ ( Gefährden Anglizismen die deutsche Sprache?)

Andererseits gibt es auch Meinungen, die für den Sprachwandel stehen. Hierbei ist die Rede von einem natürlichen Prozess des Anpassens, welcher erforderlich ist und keine bleibende Gefahr für die deutsche Sprache bildet.

Wir müssen akzeptieren, dass es eine ganze Reihe von Wörtern gibt, die der deutsche Wortschatz nicht hergibt.“ [2]

In dieser Facharbeit werde Ich mich mit der Fragestellung befassen, ob fremdsprachliche Einflüsse eine Gefahr der Verfremdung oder eine Bereicherung des Deutschen bedeuten. Dabei kläre Ich auf über den gegenwärtigen Einfluss des Englischen und den im 17. Jahrhundert französischen Einfluss auf die Sprache und die Meinungen der Gesellschaft.

Dabei werden Gründe für den Einfluss von Anglizismen und französischen Wörtern untersucht und auf deren Auswirkungen eingegangen.

Anschließend werde Ich im letzten Teil englischen und französischen Spracheinfluss vergleichen, Vor- und Nachteile abwägen und mein Fazit zur Frage: „Sprachwandel: Gefahr oder Entwicklung?'' geben.

2. Englischer Spracheinfluss auf das Deutsche

„Die Geschichte der deutschen Sprache ist zugleich eine Geschichte der Beeinflussung durch fremde Sprachen.“ [3] ,

Englischer Spracheinfluss ist im neben dem Französischen eine vergleichsweise junge Erscheinung. Erst im 19. Jahrhundert begann der starke Einfluss des Englischen auf das Deutsche.Wegen Errungenschaften auf den Gebieten von Kolonien,Wissenschaft, Industrie,Wirtschaft und der Seefahrt, etablierte sich England immer mehr zur politischen Großmacht. Anstelle des Französischen bevorzugte man, um 1900 in Berlin, in den obersten Gesellschaftsschichten, die englische Sprache.

Bis in die heutige Zeit hat sich der Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache stetig gesteigert.

2.1 Definition: Anglizismus

Englische Spracheinflüsse und deren Übernahme in andere Sprachen bezeichnet man als „Anglizismus“ (vom mittellateinischen anglicus, welches sich als englisch übersetzen lässt.). Dabei sind alle englischen Spracheinflüsse aus Amerika, England und aller übrigen englischen Herkunftsländer (Australien,Kanada etc.) gemeint. Es ist möglich, dass ein Anglizismus vom britischen Englisch als Britizismus bezeichnet wird, ist sie aus dem Amerikanischen kann die Bezeichnung Amerikanismus lauten.

Anglizismen sind vor allem in bestimmten (Fach-)Jargons gebräuchlich. Dabei kann der Gebrauch des entnommenen Englischen auf verschiedenen Ebenen eines anderen Sprachsystems erscheinen, wie z.B: der Artikulation bei Namen, der Formenbildung bei Konjugationen, der Ortographie oder der lexikalischen Ebene bei der vor allem fremde Wörter übernommen werden. Englische Spracheinflüsse betreffen in der deutschen Sprache vor allem die lexikalischen Ebenen, also Einflüsse auf den Wortschatz.

Dabei sind verschiedene Kategorien von „Anglizismen“ bekannt, jedoch sind damit hauptsächlich unveränderte bzw. direkt übernommene englische Begriffe gemeint. Wörter wie: Jeans, Recycling, Sale, Keyboard oder Sex, sind in der deutschen Gesellschaft allgemein üblich und sind für viele vom Sprachgefühl her, keine Fremdwörter mehr. Im Gegensatz dazu gibt es Wörter wie: Flatscreen, Rollerblades, Gay, welche bei den Deutschen stärkere Unstimmigkeiten über die alltägliche Benutzung aufweisen. Diese Begriffe sind Hypothesen zufolge im Prozess der Konventionalisierung. Dies sind Beispiele für übertragene Wörter, aus dem Englischen, ohne weitere Veränderungen oder deutschen Mischeinflüssen. Diesen stehen z.T. Lehnübersetzungen und Lehnübertragungen gegenüber.

Eine Lehnübersetzung stellt eine genaue Eins-zu-Eins Nachbildung eines Fremdworts, in der Muttersprache dar:

Geburtenkontrolle (birth-control), Familienplannung (family planning),Gehirnwäsche (brain-washing).

Unter Lehnübertragungen werden allerdings Teillehnübersetzungen [4] verstanden, welche die Grundbedeutung bzw. die Idee des entnommenen Fremdworts zusammenfasst aber in der Regel nicht die genaue wörtliche Übersetzung wiedergibt: Wolkenkratzer (skyscraper).

In der Formenbildung wird z.B. die englische Konjugationsform -ed gebraucht, ähnlich dem Deutschen -et, welches aber so in dieser Form nicht vorkommt. Beispiel: Er dated, Sie printed. Genauso werden an englische Wörter deutsche Konjugationen, wie -en angehängt:

joggen, mailen, dancen, skateboarden.

Beobachtbar sind Veränderungen im Bereich der Ortographie, bei der die Verwendung von c statt k, wie etwa Holocaust, Camera, Chris, sowie bei Interpunktionsregeln bei der die englische Weise vom Setzen von Anführungszeichen ( ''…'' statt „...“) benutzt wird.

Oft wird der abwertende Begriff Denglisch in Verbindung mit Scheinanglizismen gebraucht. Scheinanglizismen markieren Wörter einer nicht-englischen Sprache, welche dennoch den Anschein erwecken, es stamme aus dem Englischen. Vor allem ist das Wort Handy als gängiger Begriff für ein Mobiltelefon im Gebrauch vieler Deutschen. Durch die Aussprache kann der Eindruck entstehen, der Name stammt aus dem Englischen, obwohl dies nicht zutrifft. Es ist eher mit dem deutschen handlich in Verbindung zu bringen.

Ein Entlehnungsvorgang, ist demnach zusammengefasst eine bestimmte Art von Veränderung der Kommunikationsgewohnheiten eines Individuums, einer Teilgruppe oder einer ganzen Sprachgemeinschaft. Fremdsprachliche Integrierung in einer anderen Sprache, ist ein langfristiger wiederholbarer Bewusstseinsprozess der Gesellschaft. Daraus folgend zeichnen sich bestimmte Lehnübersetzungen, beim Hörer unbewusst ab, denn die Konfrontation mit Anglizismen ist in der heutigen Gesellschaft unumgänglich. Sie begleiten uns auf den Gebieten der Werbung, der Technik oder des Sports und sind wegen des alltäglichen Gebrauchs für viele Deutsche fast unmerklich. Der quantitative Teil von Anglizismen ist in den letzten 200 Jahren rasant gestiegen.( Die Deutsche Sprache erfuhr stets Einflüsse aus dem Lateinischen, Griechischem, Französischem oder dem Englischen und wird deshalb, von vielen, als eine so genannte „extrovertierte“ Sprache verstanden. Dazu zählen zusätzlich noch die Sprachen des Französischen und des Englischen, welche als Symbol des stetigen Wandels europäischen Gedankenguts und dessen Kultur stehen, welche sich im Austausch mit anderen Kulturen und Sprachen befinden.)

2.2 Ursachen englischer Spracheinflüsse

Verbreitet wurde die englische Sprache durch historische, wirtschaftliche, politische und kulturelle Faktoren.[5] Generell verbreitet sich eine Sprache, durch soziale und ökonomische Ursachen.

Es werden zunächst historische und ökonomische, also außersprachliche und damit landesunabhängige Gründe für englische Spracheinflüsse aufgezählt[6], daraufhin wird auf den gesellschaftlichen Aspekt der Integration von Anglizismen eingegangen.

- Großbritanniens Kolonialismus und Welthandel im 17 Jh.- 19 Jh.
- Entstehung der Weltmacht USA im Laufe des 1. Weltkriegs.
- Übernahme der Errungenschaften der modernen amerikanischen Industrie und Konsumgesellschaft.
- USA als wichtiger Bestandteil wirtschaftlicher Vormachtstellung.
- Große Anzahl an Erfindungen und Innovationen aus den USA.

Der immer stärkere Einfluss von Fremdwörtern beruht insgesamt auf der permanenten Wortschatzerweiterung. Es entsteht immer neuerer Benennungsbedarf, aufgrund von Einführung neuer Gegenstände oder neuer Verfahren. Die Schließung dieser Benennungslücken wird erforderlich, um dem Streben sprachlicher Verdeutlichung und Differenzierung, in vielen Sach- und Fachbereichen nachzugehen. Diese Lücken können durch neue Wortbildungen gefüllt werden, dennoch sind anschauliche und dem spezifischem Bereich zutreffende Wörter gefordert. Oftmals wird die englische Sprache, den stilistische Anforderungen, auf internationaler Ebene gerecht.

„[...]wo ein Begriff in der Zielsprache unterlegen wirkt - trockener, umständlicher, ungelenker, nämlich weniger leicht einbindbar […] wird das englische Wort lieber doch gleich so belassen, wie es ist. [...]“[7]

Und genau so ist es so oft vorzufinden, dass wegen der Durchsetzungskraft der englischen Sprache in der Gesellschaft, bestimmte Sachverhalte im Englischen beibehalten werden. Dies kritisiert Walter Krämer in diesem Zitat: „Vor hundert Jahren hat man für neue Dinge, wo auch immer sie herkamen, problemlos deutsche Wörter finden und erfinden können: airplane = Flugzeug, helicopter = Hubschrauber, assembly line = Fließband usw. Aber das scheint sich heute niemand mehr zu trauen. “[8]

Es ist klar beobachtbar, dass der Gebrauch von Anglizismen eher bei jungen Leuten festzustellen ist. Oftmals werden in bestimmten Gruppierungen zugehörige „ Slangbegriffe “, wie z.B.: Weed, chillen, tight, cool, genutzt. Ursache ist zum Teil, die Verbreitung amerikanischer Jugendkultur, besonders propagiert in der Musikszene sowie vieler Sozialer Netzwerke.

[...]


[1] Quelle: Wikipedia, sowie: http://www.deutschunddeutlich.de/contentLD/GD/GDiv80iIndogermanisch.pdf

[2] Professor Wilhelm Schellenberg ; http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Anglizismen-fuellen-Luecken-in-unserem-Wortschatz-1763599047 15.02.15 / TA...

[3] (Seite 1: Anglizismen im Deutschen: am Beispiel des Nachrichtenmagazins 'Der Spiegel' von Wenliang Yang )

[4] Anglizismen in deutschen und französischen Werbeanzeigen von Sabine Kupper S.14

[5] Anglizismen in deutschen und französischen Werbeanzeigen von Sabine Kupper S.17

[6] Teile der Tabelle entnommen aus: Anglizismen in deutschen und französischen Werbeanzeigen: zum Umgang von Deutschen Und Franzosen mit Anglizismen S.18

[7] Zitat: Dieter E. Zimmer Deutsch und anders - die Sprache im Modernisierungsfieber. Reinbeck 1998

[8] Zitat: Walter Krämer: sich einmischen oder wegschauen

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668228788
ISBN (Buch)
9783668228795
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322933
Note
2,5
Schlagworte
gefahr sprachen anglizismen sprachgebrauch streit wörter jahrhundert

Autor

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