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Chancen und Risiken des Factoring als Finanzierungsinstrument im Großhandel

Seminararbeit 2016 15 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung und Vorgehensweise

2 Der Großhandel als Distributionskanal

3 Factoring im Großhandel
3.1 Finanzierungsinstrument Factoring
3.2 Chancen durch den Einsatz von Factoring
3.2.1 Verbesserung der Bilanzstruktur
3.2.2 Wettbewerbsvorteil
3.2.3 Verlagerung des Ausfallrisikos
3.2.4 Kosteneinsparung
3.3 Risiken durch den Einsatz von Factoring
3.3.1 Kosten des Factorings
3.3.2 Imageschaden
3.3.3 Abhängigkeit von einer Factoringgesellschaft
3.3.4 Beschränkung der Ankaufs- und Bevorschussungsquote

4 Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung und Vorgehensweise

Der Großhandel zählt mit einem Jahresumsatz von 1.159 Milliarden Euro (Stand 2014)1 zu den umsatzstärksten Branchen Deutschlands. Als Bindeglied zwischen Industrie, Handwerk, Gastronomie und Einzelhandel stellen Konditionsmanagement, Lageroptimierung und die Zwischenfinanzierung zwischen dem An- und Verkauf der Handelswaren die Herausforderungen des Großhandels dar.2

Genauer betrachtet ist eine Zwischenfinanzierung zwischen dem mit dem Ankauf der Handelswaren verbunden Geldabfluss und dem Verkauf der Waren verbunden Geldzu- fluss notwendig. Die Dauer des zu überbrückenden Zeitraums steht in Abhängigkeit zu dem Zeitpunkt des Abverkaufs der Ware und zu den mit den jeweiligen Vertragspart- nern vereinbarten Zahlungsbedingungen. Entscheidend für die Länge des Zahlungsziels sind die Marktstellung des Großhändlers und die Verteilung zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Markt. Beispielsweise können die Abnehmer im Falle eines vorlie- genden Nachfrageoligopols deren Machtstellung nutzen, um sowohl Preise als auch Zahlungsbedingungen gegenüber dem Großhandel durchzusetzen.

Damit ein Großhändler die geforderten Zahlungsziele gewähren kann, bedarf es in vielen Fällen einer Vorfinanzierung, z.B. durch ein Bankdarlehen, um verfrüht an liquide Mittel zu gelangen. Jedoch werden gerade in Zeiten von Basel II und III auch andere Finanzierungsmöglichkeiten wie der Verkauf von Forderungen, sogenanntes Factoring, als Alternative zum klassischen Bankdarlehen eingesetzt.

In der vorliegenden Seminararbeit wird der Einsatz von Factoring als Finanzierungsinstrument im Großhandel dargestellt. Neben der Betrachtung des Factoring als Finanzierungsinstrument wird insbesondere auf die mit dem Einsatz verbundenen Chancen und Risiken eingegangen. Ziel dieser Seminararbeit ist die kritische Würdigung der mit dem Factoring verbundenen Chancen und Risiken für den Großhandel.

2 Der Großhandel als Distributionskanal

Bei den am Markt agierenden Handelsbetrieben wird aufgrund ihrer Stellung in der Handelskette zwischen Großhandel und Einzelhandel unterschieden.3 Der Einzelhandel betreibt direkten Absatz an private Haushalte und ist dementsprechend dem Business- to-Consumer-Bereich zuzuordnen. Im Gegensatz dazu beschränkt sich der Großhandel auf den Absatz an gewerbliche Abnehmer und damit auf den Business-to-Business- Bereich.4

„Großhandel im funktionellen Sinne liegt vor, wenn Marktteilnehmer Güter, die sie in der Regel nicht selbst be- oder verarbeiten (Handelswaren), vom Hersteller oder ande- ren Lieferanten beschaffen und an Wiederverkäufer, Weiterverarbeiter, gewerbliche Verwender (z.B. Behörden, Bildungsstätten) oder an sonstige Institutionen (z.B. Kanti- nen, Vereine), soweit es sich nicht um private Haushalte handelt, absetzen.“5

Der An- und Verkauf von Handelswaren steht im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit des Großhändlers. Die angekauften Vorräte sind seitens des Großhändlers für den Zeitraum zwischen An- und Verkauf vorzufinanzieren. Der zu überbrückende Zeitraum kann sich durch abnehmerseitig gewährte Zahlungsziele weiter verlängern. Aufgrund der markt- üblichen Zahlungsziele von 60 bis 90 Tagen bedienen sich Großhändler häufig beim Finanzierungsinstrument Factoring, um vorzeitig liquide Mittel zu erhalten.

3 Factoring im Großhandel

Im Jahr 2014 wurde in der Branche Handel und Handelsvermittlung über 25% des ge- samten Factoringumsatzes in Deutschland erzielt.6 Diese Zahl unterstreicht die Bedeu- tung des Factorings für den Handel und somit auch für den Großhandel in Deutschland.

3.1 Finanzierungsinstrument Factoring

Factoring wird im Sinne des Kreditwesengesetz (KWG) als „der laufende Ankauf von Forderungen auf der Grundlage von Rahmenverträgen mit oder ohne Rückgriff“ defi- niert.7

Im Mittelpunkt steht der laufende Verkauf von Geldforderungen aus Lieferungen und Leistungen eines Factoringkunden (=Klient) an eine Factoringgesellschaft (=Factor). Die verkauften Forderungen werden an den Factor abgetreten, im Gegenzug erhält der Klient den vereinbarten Kaufpreis sofort ausgezahlt.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung des Beziehungsgeflechts beim Factoring

Wie in der Abbildung dargestellt, stellt ein Factoringvertrag die Grundlage für die Ab- wicklung des An- und Verkaufs von Forderungen dar. Vertraglich werden die Rechte und Pflichten der Vertragspartner, die Gebühren und der Umfang des Factoringge- schäfts geregelt.9

Nachfolgende Funktionen können in einem Factoringvertrag einbezogen werden:10

Finanzierungsfunktion:

Ankauf und Bevorschussung von Forderungen durch den Factor führen zu einem sofortigen Zufluss an liquiden Mitteln.

Dienstleistungsfunktion:

Diese kann die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, das Mahn- und Inkassowesen sowie Beratungsleistungen durch den Factor enthalten.

Kreditversicherungs- oder Delkrederefunktion:

Mit dem Ankauf der Forderungen geht das Ausfallrisiko der Forderungen auf den Factor über, sofern die Forderungen rechtlichen Bestand haben. Nachträgli- che Regressansprüche bei Nichtzahlung können nicht geltend gemacht werden.

Aufgrund der unterschiedlichen Funktionen, die im Zuge des Factorings abgedeckt werden können, sind in der Praxis verschiedene Arten von Factoring entstanden. Zu den meist verbreiteten Factoringarten zählen das Standard-Factoring, das FälligkeitsFactoring und das Inhouse-Factoring.11

Das Standard-Factoring, auch Full-Service-Factoring genannt, deckt neben der Finan- zierungsfunktion auch die Dienstleitungs- und Delkrederefunktion ab. Beim Fälligkeits- Factoring verzichtet der Klient auf die sofortige Auszahlung des Kaufpreises. Im Mit- telpunkt stehen zum einen die Absicherung des Forderungsausfalls und zum anderen die Abnahme der Debitorenbuchhaltung und des Mahnwesens.

[...]


1 Vgl. Schwarz, A., Rottenburg, I. v. (o.J.), S. 7.

2 Vgl. ebd., S. 3.

3 Vgl. Zentes, J. et al. (2012), S. 3 f.

4 Vgl. Müller-Hagedorn, L. et al. (2012), S. 50.

5 Ausschuss für Definitionen aus Handel und Distribution (2006), S. 37 zitiert nach Müller-Hagedorn, L. et al. (2012), S. 54.

6 Vgl. Moseschus, A. (2015), S. 9.

7 § 1 Abs. 1a Nr. 9 KWG.

8 Vgl. Hartmann-Wendels, T. et al. (2014), S. 17; Wöltje, J. (2013), S. 459.

9 Vgl. Pape, U. (2014), S. 203.

10 Vgl. Größl, L. et al. (2014), S. 50; Olfert, K. (2013) S. 409 ff.; Perridon, L. et al. (2012), S. 474; Wöltje, J. (2013), S. 463 ff.; Zantow, R., Dinauer J. (2011) S. 314.

11 Vgl. Moseschus, A. (2014), S. 11.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668220850
ISBN (Buch)
9783668220867
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322932
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Stuttgart – Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Factoring Finanzierung Großhandel

Autor

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Titel: Chancen und Risiken des Factoring als Finanzierungsinstrument im Großhandel