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Digitalisierung in der Filmbranche. Ein Lichtblick für Low-Budget Produktionen?

Bachelorarbeit 2014 69 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.0 Einleitung

2.0 Relevanz und Forschungsstand
2.1 Gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz
2.2 Forschungsstand

3.0 Auswirkungen der Digitalisierung
3.1 Konvergenz
3.2 Veränderungen der Kostenrelationen
3.3 Veränderungen der Unternehmensform
3.4 Veränderungen am Arbeitsmarkt

4.0 Auswirkungen der Digitalisierung auf die Filmbranche
4.1 Die Planung eines Films
4.2 Das Drehen eines Films
4.3 Postproduktion
4.4 Der Independent Film
4.5 Low-Budget und Micro Budget Film

5.0 Methode: Qualitative, teilstrukturierte Expertinneninterviews
5.1 Planung und Befragungsvorbereitung
5.2 Stichprobe und Untersuchungszeitraum
5.3 Durchführung der Interviews
5.4 Interviewpartnerinnen
5.5 Kategoriensystem und Auswertung
5.6 Kritische Reflexion

6.0 Ergebnisse der Expertinneninterviews
6.1 Digitalisierung der Filmbranche - Hauptauswirkungen
6.1.1 Kostenreduktion und Branchenzugang
6.1.2 Konkurrenz
6.1.3 Entprofessionalisierung
6.2 Auswirkungen auf die Dreharbeiten und deren Berufszweige
6.2.1 Virtuelles Denken
6.2.2 Beleuchterinnen und Statistinnen
6.3 Auswirkungen auf die Postproduktion und deren Berufszweige
6.3.1 Neuer Beruf „Cutterin“ und Möglichkeiten der Postproduktion
6.3.2 Verlagerung von Berufen in die Postproduktion
6.3.3 Visuelle Effekte, virtuelle Welten und Videonachbearbeitung
6.4 Low-Budget und independent Film im Zeitalterder Digitalisierung
6.4.1 Digitalisierung als Chance für Low-Budget Filme
6.4.2 Visuelle Effekte und virtuelle Welten in Low-Budget Produktionen
6.4.3 Low-Budget Film - Genre

7.0 Fazit und erste Annahmen

8.0 Literaturverzeichnis

9.0 Anhang (Interview-Leitfaden und Codebaum)

1.0 Einleitung

Mit einem Budget von 341,8 Millionen Dollar ist „Fluch der Karibik - Am Ende der Welt“ der teuerste Kinofilm aller Zeiten. Dicht gefolgt wird der dritte Teil der Piratensaga mit Johnny Depp vom 1963 produzierten Film „Cleopatra“, der ein Budget von 339,5 Millionen Dollar benötigte und dem weltbekannten Liebesdrama „Titanic“ mit 294,3 Millionen Dollar Budget. Auch in Deutschland werden die aufgewendeten Budgets, die in Filme hineingesteckt werden immer höher. Als der teuerste deutsche Film gilt „Cloud Atlas“ vom deutschen „Lola rennt“-Regisseur Tom Tykwer, wobei dieserauch nur eine Koproduktion ist. (Vgl. Moviepilot2014: o.S.). Zwischen der Produktion deutscher Filme und der Produktion in Hollywood liegen dennoch Welten. So lagen die durchschnittlichen Produktionskosten eines Hollywood Films 2008 bei 100 Millionen Dollar (vgl. Sueddeutsche 2008: o.S.), während in Deutschland 2008 noch nicht einmal die 3 Millionen Marke (vgl. Statista 2014: o.S.) geknackt wurde. Diese immensen Geldbeträge zeigen, was für ein eingeschweißtes und schwer zu fassendes Geschäft die Filmbranche ist. Sie wird dominiert von Riesenunternehmen und Konglomeraten wie AOL TIME WARNER (Warner Bros., New Line), VIVENDI UNIVERSAL (Universal, Focus, StudioCanal), The Walt Disney Company (Disney, Touchstone, Miramax), News Corporation (20th Century Fox), Viacom (Paramount), Sony Corp. (Columbia Tristar), Dream Works SKG, Tracinda Corp. (MGM/United Artists). (Vgl. Blanchet 2003: 81-87). Es stellt sich die Frage, ob Low-Budget und Independent Filme und generell kleinere Filmproduktionen überhaupt noch in der Lage sind, aufeinem Markt, der von großen Unternehmen und Riesenbudgets dominiert wird, mitzuhalten?

Hier kommt nun die Digitalisierung und Computertechnologie ins Spiel. Bis in die 1980er Jahre gab es in der Geschichte des Films kaum Veränderungen der Basistechnologie. Als aber dann digitale Techniken in der Filmproduktion Fuß fassten, brach eine neue Ära des Filmemachens an. Ob Computeranimationen, digitale Bildverarbeitung oder Onlinemarketing, bis vor einigen Jahren waren das noch unbeschrittene Bereiche. Mittlerweile sind sie aus der Filmindustrie nicht mehr wegzudenken. Der technische Stand der Gegenwart wirkt sich auf die Art und Weise, wie Filmideen in Filme umgesetzt werden können, aus. Neben Animations­Werkzeugen, die es den FilmemacherInnen ermöglichen unvorstellbare Bilder und Szenerien zu gestalten, werden leistungsfähige Computer, Kameras und alle weiteren Gerätschaften und jegliche andere Hardware und beispielsweise auch Videoschnitt-Software, preiswerter. Um noch einmal kurz aufzulisten:

- Bild- und Tonmaterial ist digital und nicht mehr analog
- Bearbeitung auf Computern wird möglich
- Aufnahmegeräte für Bild und Ton und auch die weiteren Geräte sprechen alle dieselbe digitale Sprache
- Geräte werden kleiner und handlicher
- Die Funktionalität steigert sich
- Arbeitsschritte werden optimiert
- Vieles wird günstiger und so auch für „kleinere“ Filmerinnen erschwinglich
- Ein riesiges Studio wird zum Filmschnitt nicht mehr benötigt, ein Computer reicht

Mein Interesse rührt daraus, weil die Filmbranche in der letzten Zeit und vor allem im Zuge der Digitalisierung angefangen hat, sich zu verändern. Zwar ist sie nach wie vor beherrscht von großen Konzernen, trotzdem, aber auch nur vielleicht, scheint sich eine neue Chance für den Low-Budget Film und kleinere Filmproduktionen anzubahnen. Zudem ist zu sagen, dass ich selber freiberuflich Image- und Eventfilme, Werbung, Kurzfilme und Trailer produziere und mir eine Zukunft in der professionellen Spielfilmproduktion wünsche. Deshalb ist es für mich ganz besonders interessant herauszufinden, ob die Digitalisierung und ihre Auswirkungen quasi einen neuen Bedeutungs- und Machtgewinn für kleinere Filmproduktionen und den Independent Film gegenüber den großen Filmproduktionen mit sich bringen.

Daraus resultieren die folgenden Forschungsfragen:

Welche Auswirkungen haben die technologischen Errungenschaften der Digitalisierung für die Berufsbilder der Filmbranche und wie hat sich diese seither verändert?

Ermöglichen diese Veränderungen, ausgelöst durch die Digitalisierung, dem Low-Budget Film eine neue Chance?

Als theoretische Grundlage fungiert das Konzept der Konvergenz, während sich der Methodikteil auf die Analyse und Auswertung qualitativer Leitfaden-Interviews mit Expertinnen der Filmbranche stützt. Als Endprodukt ist diese Bachelorarbeit für Filmschaffende und Interessierte relevant und gibt Auskunft darüber, wie die Digitalisierung die Filmbranche verändert hat, wie sich die Berufswelt in der Filmbranche verändert hat und ob Low-Budget Filme im Zuge dessen eine neue Blütezeit erleben können.

2.0 Relevanz und Forschungsstand

Der folgende Abschnitt soll kurz darauf eingehen, warum das Thema dieser Bachelorarbeit relevant ist. Dabei soll mein Interesse bekundet, sowie die gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz offengelegt werden. Zudem ist es wichtig zu erfassen, wie der derzeitige Forschungsstand zu dem Thema ist und welche Literatur es von welchen Autorinnen dazu bereits gibt.

2.1 Gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz

Um noch einmal kurz zu meinem persönlichen Interesse zu kommen: seit ca. fünf Jahren drehe ich immer wieder Filme. In der Zeit, und vor allem auch mithilfe meines Studiums, habe ich mich soweit verbessert, dass ich mittlerweile professionell in der Filmbranche tätig bin. Ich arbeite zusammen mit FreundInnen und KollegInnen, die mein Interesse teilen. Zudem kenne ich mehrere FilmemacherInnen, die auch professionell in der Branche tätig sind. Uns allen geht es dennoch gleich: wir sind klein und unbedeutend im Vergleich mit großen marktbeherrschenden Filmproduktionen. Jede und jeder träumt aber trotzdem davon, mal einen Spielfilm zu machen. Man hört immer wieder von erfolgreichen Low-Budget Filmproduktionen, die von Personen wie uns in die Tat umgesetzt wurden. Die Möglichkeit ein erfolgreiches Produkt abzuliefern, ohne gleich massenhaft Geld zu investieren und Teil einer Riesenproduktion zu sein, besteht also durchaus. Die Digitalisierung ist hinsichtlich der Filmproduktion die wohl hauptsächlich verändernde Instanz. Gerade deshalb ist es so interessant zu fragen, wie die Digitalisierung die Filmbranche verändert. Welche Vorteile bringen die digitalisierten Gerätschaften? Wie verändern sich Kostenrelationen? Welche neuen Chancen bietet der Arbeitsmarkt und wie verändern sich Unternehmen? Diese und viele weitere Fragen machen es für mich, auch als Betroffenen, umso spannender, sich mit dem Thema wissenschaftlich auseinanderzusetzen.

Natürlich bin ich auch von einer gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Relevanz dieses Themas überzeugt. Es sollte betont werden, dass Film ein gesellschaftliches und kulturelles Gut ist, welches nach Vielfalt streben sollte. Gegner der Vielfalt ist der Mainstream und der Mainstream bringt Einnahmen. So hielten sich Produktionskosten deutscher Filme im Bereich zwischen zwei und drei Millionen Euro auf (vgl. Statista 2014: o.S.). Auch wenn diese Zahlen im Vergleich mit dem amerikanischen Markt, welcher zur Zeit auf rund 100 Millionen Dollar Film­produktionskosten (vgl. Sueddeutsche 2008: o.S.) kommt, wenig relevant erscheinen. Solche immensen Produktionskosten bedeuten, dass Erfolg garantiert sein muss, was wiederum bedeutet, dass filmische Experimente eher ausgeschlossen werden. Es wird auf die üblichen Zutaten gesetzt, welche schon zuvor die Zuschauerinnenmassen in die Kinos zogen. Gesellschaftlich ist dies insofern problematisch, da eine Angleichung der Filmlandschaft stattfindet. im Zuge der Digitalisierung jedoch, scheint dieses Phänomen ein wenig aufzubrechen.

Des Weiteren muss man sich vor Augen führen, in welchem Ausmaß die Digitalisierung nicht nur die Filmlandschaft, sondern etliche Zweige der Gesellschaft verändert hat. Die Digitalisierung hat einen technischen Wandel zur Folge, außerdem aber soziale und ökonomische Folgen. Auch wirkt sie sich auf das Rechtswesen und die Politik aus. Wissenschaftlich ist die Digitalisierung ein hochinteressantes Thema, welches also auch die Filmbranche betrifft.

Der Nutzen aus den in dieser Arbeit herausgearbeiteten Ergebnissen liegt bei Filmschaffenden und auch Forscherinnen und allgemein interessierten an der Entwicklung der Filmindustrie.

2.2 Forschungsstand

Zur Digitalisierung und Konvergenz gibt es bereits einiges an Literatur und Forschung. Als Grundlage, unter anderem für die Theorie dienen folgende Bücher:

- „Die Zukunft der Kommunikation: Phänomene und Trends in der Informationsgesellschaft“ von Michael Latzer, Ursula Maier-Rabler, Gabriele Siegert und Thomas Steinmaurer (Hg.)
- „Strukturwandel der Medienwirtschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“ von Manfred Knoche und Gabriele Siegert
- „Medienökonomie“ von Jürgen Heinrich
- „Mediamatik- Die Konvergenz von Telekommunikation“ von Michael Latzer In erster Linie sind diese Bücher dazu da, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Filmbranche auszulegen. Wie die Titel der Bücher schon vernehmen lassen, geht es um Trends in der Informationsgesellschaft, das digitale Zeitalter, Medienökonomie und Konvergenz. Konvergenz entpuppt sich als Folge von Digitalisierung und Veränderungsinstanz von Kostenrelationen, Organisations­formen und Arbeitsmarkt. Auch zur Filmbranche unter Einwirkung der Digitalisierung und Internet lassen sich informative Bücher finden. So erläutert Alexander Scholz in seinem Buch „Filmmarketing 2.0 - Vermarktung von Spielfilmen im Social Web“ wie sich die Potentiale des Web 2.0 für die Filmindustrie nutzen lassen. Joachim Knaf hingegen analysiert in seinem ähnlichen Buch „Online Filme produzieren - Geschäftsmodelle im Zeitalter der Digitalisierung“ bestehende Geschäftsmodelle der AV-Produzenten und stellt mit einem Fallbeispiel ein mögliches Geschäftsmodell in den Neuen Medien vor. Hilfreich dürfte auch noch das Buch „Und Action! Digitale Filmproduktion von A bis Z“ von Ulrich Stöckle sein, welches fundiertes Wissen zu Technik, Produktion und Gestaltung professioneller Videos und die verschiedenen Produktionsprozesse genauer erläutert. Da bei dieser Arbeit aber die Independent Filmproduktion und kleine Unternehmen im Vordergrund stehen, ist es vor allem wichtig zu erläutern was Independent Film ist und wie sich dieser im Zeitalter der Digitalisierung entwickelt hat und noch weiter entwickeln kann. In der Hinsicht sind diese drei Bücher interessant:
- „Independent Film“ von Frederic P. Miller, Agnes F. Vandome und John McBrewster
- „The independent film producer's survival guide: A business and legal sourcebook“ von Funnar Erickson, Harris Tulchin und Mark Halloran
- „Low-Budget-Filme: Marketing und Vertrieb optimieren“ von Sibylle Kurz, Esther van Messel und Björn Koll

Des weiteren sind auch Online-Quellen interessant, um herauszufinden welche neuen Chancen der Independent Film heutzutage hat, da dies ein sehr aktuelles Thema ist. Viele sehr aufschlussreiche Online-Publikationen sind von professionellen Filmemacherinnen, also Regisseurinnen, Kameraleuten und Producerinnen. Zwar sind diese meist nicht sonderlich wissenschaftlich, da sie auf den eigenen Erfahrungen der Betroffenen basieren, trotzdem lässt sich diesen ein Wert abgewinnen und es gibt genug Publikationen, wissenschaftliche, wie weniger wissenschaftliche, um einen Katalog zu erstellen, welcher sich mit den Chancen des Low-Budget und Independent Films und der kleinen Filmproduktionen im digitalen Zeitalter, welches ein digitalisiertes Arbeitsumfeld zufolge hat, befasst.

3.0 Auswirkungen der Digitalisierung

Die Kommunikationsinfrastruktur und ihre üblichen Strukturen erfuhr, durch die Digitalisierung jeglicher Arten von Information, eine starke Veränderung. Durch die Kombination von Bild-, Sprach-, Text- und Datenkommunikation entstand ein Angebot von neuen bzw. veränderten Diensten, während das Internet durch seine schnelle Entwicklung die Basis für veränderte Firmen- und Wirtschaftsstrukturen schuf. (Vgl. Zimmer 1999: 9)

„Die Digitalisierung aller Medien schreitet voran, obgleich es sich um Text, Bild, Grafik, Video, Sound, Fernsehen oder Telekommunikation handelt. Alles was digitalisiert werden kann, lässt sich manipulieren, verbinden und interaktiv gestalten. Alles deutet darauf hin, dass Multimedia hybride Erzeugnisse hervorbringt, die die Vorteile der alten mit denen der neuen Medien verschmelzen. Der Computerbildschirm wird zum interaktiven Fernseh- und Videobildschirm, der künftige HDTV-Bildschirm, gekoppelt mit dem Computer, zur Peripherie des Medienzentrums im Wohnzimmer“ (Rötzer 1993: 81).

Durch die Verschmelzung alter Märkte entstehen neue, funktionaler orientierte Märkte und auch neue Formen von Arbeitsfeldern. Die Abgrenzung der Märkte erfolgt nach Funktionen für Rezipientinnen und Konsumentinnen wie zum Beispiel „Unterhaltung“ oder „Bildung“ oder„aktuelle information“. (Vgl. Heinrich 1994: 131)

3.1 Konvergenz

Als Konvergenz bezeichnet man die Annäherung von Industrien, die bisher als klar getrennt galten. Insbesondere zählen die einzelnen Sektoren der Kommunikations­industrie zu den Konvergenzmärkten. (Vgl. Selhofer 1999: 101).

Gemeint ist damit der Transformationsprozess, welcher sich im elektronischen Kommunikationssektor, also im Rundfunk und in der Telekommunikation, unter anderem aber auch in den Printmedien vollzieht. Als typisch für diese Veränderung gilt das Verschmelzen von traditionellen Grenzziehungen zwischen Technologien, Industriesparten, Dienstkategorien, Sektoren, Politikfeldern und Wirtschaftsräumen. (Vgl. Latzer 1997: 16).

Im Kommunikationssektor ist mit Konvergenz das Phänomen gemeint, das, nach dem Verschmelzen der digitalen Computertechnik, also der Informatik, mit der Telekommunikation, was als Telematik bezeichnet wird, auch das Verschwimmen der Grenzen beschreibt, die zwischen der Telematik und den digitalisierten Medien liegen. Als Ergebnis ergibt sich die Mediamatik. (Vgl. Latzer 1999: 25).

So lässt sich die Konvergenz in zwei Stufen aufteilen, die das Verschmelzen von bisher getrennten Branchen durch technische Innovation beschreiben. Sie beschreiben das Zusammenwachsen der Medien, der Telekommunikation und der Informationstechnologien.

Es lassen sich drei Ebenen der Konvergenz voneinander unterscheiden: (Vgl. Latzer 1997: 75).

- Unternehmensbezogen: die Firmenebene
- Technisch: die Netzebene
- Funktional: die Dienste-Ebene

Auf der Firmenebene wird sich mit der unternehmensbezogenen Konvergenz auseinandergesetzt. Gemeint ist der Aspekt, dass eine einzige Firma für den Telekommunikations- und den Rundfunksektor Hard- und auch Software herstellen kann.

Auf der Dienste-Ebene wird sich mit der funktionalen Konvergenz auseinander­gesetzt. Interessant ist hier die Entstehung neuer Möglichkeiten und Angebote der Kommunikation durch das Zusammenwachsen von Computer-, Rundfunk- und Telekommunikationstechniken. (Vgl. Burkart 1999: 66). Gesprochen wird von „hybriden Diensten“, welche entstehen, wenn entweder eine Kombination aus Telekommunikationstechnik und Rundfunk verwendet wird oder wenn bestehende Dienste auf eine neue Art und Weise, welche die traditionellen und funktionalen Abgrenzungen durchbricht, verwendet werden. (Vgl. Latzer 1997: 78).

Auf der Netzebene wird sich mit der technischen Konvergenz auseinandergesetzt. Das bedeutet, dass hier die Digitalisierung im Vordergrund steht, also die digitale Verarbeitung von Informationen. Die analoge und voneinander abgetrennte Form der Datenübertragung von Schrift, Ton oder Bild wird durch die digitale und folglich schnellere und kompaktere Übertragung von Daten abgelöst. Dadurch bildet sich eine harmonisierte und harmonisierende Kommunikationsinfrastruktur, bei der im technischen Sinne alle Dienstleistungen integriert werden. Als Folge der technischen Konvergenzsteigtdas Integrationspotential. (Vgl. Meier 1999:33).

Die Verschmelzung der bisher voneinander getrennten Massenmedien Rundfunk, Presse und Film macht das Rezipieren über ein Medium, und zwar das Internet, möglich. Die zuvor getrennten Medien werden vom Internet miteinander vereinigt und das Internet verbindet die Massenmedien mit speziellen eigenen Elementen. Im Internet kann jede und jeder zur potentiellen Senderin oder zum potentiellen Sender werden, da es nicht nur ein Angebot der Inhalte anbietet. (Vgl. Burkart 1999: 66).

Die Konvergenz der Medien lässt sich in folgende vier Bereiche aufteilen: (Vgl. Heinrich 1999: 79).

- Die Konvergenz der Medieninhalte
- Die Konvergenz der Vertriebswege
- Die Konvergenz der Empfangsgeräte
- Die Konvergenz der Medien selbst

Die Konvergenz der Medieninhalte macht möglich, dass Sprache, Bild, Text und Bewegtbild durch ihre durchgängige Digitalisierung leicht miteinanderzu vermischen sind. Das Inhalte-vermischen führt zu einer Konvergenz der Medien selbst, was heißt, dass alte, bzw. klassische Massenmedien integriert werden. Der Prozess wird noch verstärkt durch die Möglichkeit, dass ein und dieselben Inhalte auf unterschiedlichen Vertriebswegen übertragen werden können. Die Grenzen zwischen Radio, Zeitung und TV, bzw. Kino sind nicht mehr eindeutig definierbar. Online-Zeitschriften oder Video-on-Demand sind Beispiele sind Phänomene der Konvergenz.

Durch die Konvergenz der Vertriebswege ist die Informationsübertragung in digitalisierter Form nicht mehr gebunden an ein bestimmtes Übertragungsnetz. Es ist völlig unrelevant, ob die Übertragung überSatellit, Kabel oder terrestrisch abläuft. Im technischen Sinne sind die Daten, die transportiert werden nicht relevant für die Nutzung der Übertragungsnetze. Dasselbe gilt für das Netz, das zu Übertragung verwendet wird und die Datenübertragung. Es wird von einem Gesamtübertragungs­netz gesprochen, in welchem jederlei Informationen in Datencontainern übertragen werden. Zum Beispiel kann man per Telefonkabel fernsehen und per Fernsehkabel telefonieren.

Die Konvergenz der Empfangsgeräte ist auf technische Innovationen ausgerichtet. Besonders zu unterstreichen ist die Verschmelzung unterschiedlicher Geräte wie zum Beispiel dem Computer und dem TV. Entspringen kann daraus ein Computer mit TV Funktion oder ein Fernseher mit Computer-ähnlichen Eigenschaften. Für solche Entwicklungen ist das NutzerInnenverhalten entscheident. Die Aufteilung unterschiedlicher Funktionsweisen von TV und Computer, also Unterhaltung und Arbeit, fungieren entgegen einer faktischen Konvergenz.

3.2 Veränderungen der Kostenrelationen

Im Bereich der Produktion der Medien kommt es zu einer Veränderung der Kostenrelationen. Das liegt daran, da die Digitalisierung eine starke Senkung der Kosten in unterschiedlichen Bereichen einleitet. Billigere Elemente der Produktion lösen teurere Elemente der Produktion ab. Man nennt dies den Substitutionseffekt. Computer steuern zum Beispiel immer mehr Sendeabläufe. Durch die digitalisierte Form wird die Produktion simpler. Das gilt ganz besonders für die Bearbeitung von Bildern und den Filmschnitt. Hinzu kommen digitalisierte Kameras, Tonaufnahme­geräte und Studios. Sie ermöglichen eine günstigere Produktion und Verarbeitung. Daraus folgt, dass Produktionen aus technisch definierten, sehr großen Betriebseinheiten ausgelagert werden, hin zu kleineren und meist mobilen Produktionseinheiten. Teilweise geht das bis zur so genannten „Do-it-Yourself- Production“, da die Medienproduktion immer günstiger und dadurch auch frei zugänglich fürjede und jeden wird. (Vgl. Heinrich 1999: 80).

Aber nicht nur im Produktionspart der Medien verändern sich die Kostenrelationen, weil man generell sagen kann, dass Systeme und Maschinerien die Produktions­und Verwaltungsprozesse versimpeln und effizientere Gestaltungen ermöglichen. Ein gutes Beispiel dafür ist die mittlerweile sehr geringe Nachfrage an technischen Zeichnern, weil Designprogramme (CAD), die von Computertechnologie gestützt werden und so genannte automatisierte Fertigungssteuerungssysteme, einen großen Teil dieserArbeit übernehmen.

3.3 Veränderungen der Unternehmensform

Beginnend bei Konstruktion und Produktion breitete sich die arbeitssparende Welle der Rationalisierung langsam aus und erweiterte sich auf den Verwaltungs- und Bürobereich durch das Emporkommen von PCs, also Personalcomputern. Sowie Arbeitsbereiche, als auch Lebensbereiche formen sich nach und nach um in digitale Konstruktions- und Kunstwelten. (Vgl. Saiger 1998: 35).

„Ob Baugewerbe oder Verkehrsleitsysteme, ob fast menschenleere Chipfabriken oder chemische Labors, ob Voice-Mail-Kundenservice oder Bestellautomaten im Handel, ob Diagnosecomputer im Krankenhaus oder

Sachbearbeitungs-PCs in der Verwaltung, ob virtuelle Multimedia­Freizeitparks oder Multimedia-Training, überall ersetzen technische Systeme menschlicheArbeit“ (Saiger 1998: 36).

Die Unternehmensform mit vielen Mitarbeiterinnen, wie sie bisher geläufig war, ist durch die neue Vernetzungsstruktur, wie Computer sie ermöglichen, nicht mehr erforderlich. Lager können geöffnet bleiben, da man mit den Lieferantinnen „online“ ist. So genannte „just in time“-Lieferungen lassen sich mit diesen vereinbaren. in jüngeren Zeiten waren viele Mitarbeiterinnen auf der Ebene der Sachbearbeiter von Nöten, heute kann man diese fast zur Gänze abbauen. Das liegt daran, weil mithilfe von Computernetzen für die Be- und Verarbeitung von Prozessen nur noch wenige bis eine Person gebraucht werden. Noch ein weiterer Aspekt läutet das Ende traditioneller Unternehmen ein - das vermehrte Auftauchen so genannter Projektteams oder auch unternehmerische Gruppen, die nur noch über Computernetze kommunizieren und als „virtuelle“ Organisationen bezeichnet werden. Ein vortreffliches Beispiel dafür sind die Spielzeugunternehmen Martell und der Sportschuh und -bekleidungshersteller Nike. Beide besitzen keine firmeneigenen Fabriken mehr, ihr hauptsächliches Kapital stellt sich aus Markenname und Lizenzrechten zusammen und das Team an Mitarbeiterinnen setzt sich final nur noch aus einer Kernmannschaft zusammen. Nur wenn Nachfrage besteht, werden mit Dritten Netzwerke errichtet, die dem Einkauf, der Produktion und letztendlich der Vermarktung dienlich sind. Genauso ist es bei dem Automobilwerk von Mercedes im amerikanischen Bundesstaat Alabama. Nur noch knapp 20 Prozent der Produktion wird von den fest angestellten Mitarbeiterinnen angefertigt. Der Rest der Produktion, der sich auf die verbleibenden 80 Prozent bezieht, kommt mittels Zukauf zustande. (Vgl. Saiger 1998: 38f.)

3.4 Veränderungen am Arbeitsmarkt

Die Agrargesellschaft entwickelte sich zu einer industriegesellschaft, dieserVorgang ist historisch abgeschlossen. Auch die industriegesellschaft gilt als weitestgehend überwunden. Danach kam es oftmals zu einer Thematisierung der Dienstleistungsgesellschaft, welche sich nun aber „im Umbruch zur so genannten informationsgesellschaft befindet, deren Ausgangskraft in der globalisierten Verwendung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien liegt. (Vgl. Todtenhaupt2000: 105).

Die neuen technologischen Möglichkeiten treiben den Zugang zu lohnenden Geschäften voran und weiten diesen aus. InvestorInnen und Kundinnen haben es leichter das beste Angebot für sie heraus zu suchen und dahin zu wechseln. Dadurch verstärkt sich die Wettbewerbssituation mehr und mehr und erfordert von den Anbieterinnen stets innovativ zu sein und Neues auf den Markt zu bringen. Wenn man in diesem Konkurrenzkampf überleben möchte, muss man den Markt also immer schneller mit neuer Ware füttern. (Vgl. Reich 2000: 137).

Außerdem lassen sich zwei richtungsweisende Aspekte für zukünftige Arbeitsmärkte und Beschäftigungsverhältnisse festlegen: zum Einen erweitert sich die Vielfalt von Berufen und zum Anderen übertreten Unternehmen, die einer Branche bisher fremd waren, die Grenzen zwischen bis hierher klar voneinander abgetrennten Sektoren. (Vgl. Altmeppen 1999: 69). Durch diese Entwicklung entstehen folglich neue Tätigkeitsbereiche. Diese neuen Formen der Produktion bedürfen aber zusätzlich einer neuen Definition der Arbeitsfelder. Im Bereich der Presse bemerkt man diesen Vorgang ganz besonders stark, da Print-Informationen mehr und mehr zu nur einem von einer ganzen Menge an Verbreitungskanälen gehören. So entwickeln sich Verlage nach und nach zu Multimedia Organisationen, welche ihre Produkte online, via CD oder als E-Books vertreiben. Dadurch entwickeln sich HerstellerInnen aus der Computerindustrie zu neuen konkurrenzfähigen MitstreiterInnen. Mithilfe von so genannter „Desktop-Publishing-Software“ und Digitaldruck kann so die Produktion von akzeptablen Produkten von Personen ermöglicht werden, die aber nicht wirklich zum Produktbereich des Verlags hinzu zählen. Weiter treibt die Digitalisierung einen fundamentalen Wandel traditioneller Berufsgruppen wie zum Beispiel SetzerIn, DruckerIn oder JournalistIn voran. Grundlegend neue Organisationsstrukturen von Arbeit, wie Telearbeit oder virtuelle Unternehmen, entstehen. Diese Entwicklung erfordert einerseits Definitionen der neuen Berufe und andererseits neue Schritte, welche die Qualität in diesen neuen Berufen garantieren, weil eine Verstärkung des Wettbewerbs am Informationsmarkt stattfindet. Fünf Kerntätigkeiten lassen sich voneinanderdifferenzieren: (Vgl. Hummel 1998: 4f.).

- ProjektmanagerIn
- Koordiniert und leitet die Abläufe
- JournalistIn/AutorIn
- Verfasst „Hypertexte“
- Programmiererin
- Entwickelt interaktive Lösungen
- Screen-Designerin
- Bildung ästhetischer Standards
- Layout-Design
- Konzeptionistin
- Erwerb, Kalkulation und Verbreitung multimedialer Produkte

Zur Qualitätsgewährleistung werden für genannte Berufsgruppen Qualifikationen verlangt, welche von Wichtigkeit für die inhalte-Produktion sind. Dabei sind Fähigkeiten zur Selektion, Bearbeitung und Präsentation ganz besonders wichtig. Die altbekannte Festanstellung gehört immer mehr der Vergangenheit an, während das freiberufliche Arbeiten an Masse gewinnt. Die Arbeitsverhältnisse verändern sich dahingehend, ganz besonders im Bereich der Medien, obwohl ein größeres Risiko besteht und eigene Büros und/oder Agenturen von Nöten sind. (Vgl. Altmeppen 1999: 70).

So kommt es zur Entstehung nicht besonders großer, unternehmerischer Gruppengefüge von miteinander arbeitenden Personen, welche nur die temporäre Markterfordernis aneinander bindet. Diese Entwicklung gilt aber nicht nur für Menschen, sondern genauso auch für Betriebe, Maschinen und Informationen. Sie werden je nach Job und Projekt beliebig ge- und entkoppelt. Aus Arbeitnehmerinnen werden also nach und nach immer mehr Auftragnehmerinnen. (Vgl. Saiger 1998: 37). „Es ist die Auflösung der Mitarbeiter-, Kunden-, Lieferantenrollen in gemischte Projektteams aus externen Selbstständigen, Abnehmern, Zulieferern und internen Mitarbeitern.“ (Saiger 1998: 38). Man kann behaupten, dass die zukünftige Geschäfts- und Arbeitswelt aus befristeten Abschnitten besteht und bestehen wird. Außerdem werden wirtschaftliche Paarungen immer flüchtiger, was zur Folge hat, dass jeder einzelnen Person selbst die Verantwortung für ihre Karriere überlassen wird, da die Verantwortung auf niemand anders abgeschoben werden kann. Wenn man Freiberuflerin ist, entscheidet der Auftrag, mit wem man das nächste Projekt angeht. So entsteht ein Netzwerk, das aus beginnenden und sich wieder aufgliedernden Teams besteht. Endloses Potential zur innovation und starke Dynamik sind in diesem System versichert, während aber die Zuordnung, welche

Verpflichtungen wer wem gegenüber hat und wer am nächsten Tag wen austauschen wird, nicht mehr wirklich besteht. (Vgl. Reich 2000: 137).

Die Medien- und Softwarebranche ist Paradebeispiel für die projektbezogene Zusammenarbeit von Freiberuflerlnnen. Stark profitieren daran Agenturen und Unternehmen die in der Zeitarbeitvermittlungsbranche tätig sind. Dieser Wirtschaftszweig gilt als einer der am schnellsten wachsenden. Das Unternehmen „Manpower“ gehört mit zu den größten Arbeitgeberinnen in den USA und ist auch in Salzburg vertreten. (Vgl. Rifkin 1995: 21).

4.0 Auswirkungen der Digitalisierung aufdie Filmbranche

Noch bis zum Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde der Großteil der Filme auf 35-mm-Film gedreht. Bis dahin gab es nie sonderlich starke Abänderungen im Ablauf. Zuerst gehörte das Negativmaterial in die Kamera. ln dieser wurde es belichtet und nachträglich dann entwickelt. Danach wurde eine Kopie des fertigen Negativs angefertigt, mit welcher dann der Filmschnitt beginnen konnte. Effekte wurden nur selten im Bild untergebracht. Der Prozess der Produktion war dementsprechend über eine ganze Weile der gleiche. Beginnend mit dem Drehen der Realszenen, folgte daraufhin der Schnitt, worauf dann die Abmischung des Tons anstand. Zuletzt musste nur noch der Titel und der Abspann hinzugefügt werden, damit der Film fertig war für die Premiere. Mit der Digitalisierung änderte sich alles. Für die kommerzielle „Filmproduktion gehören digitale und virtuelle Produktionsverfahren mittlerweile zum Alltag“ (Todtenhaupt 2000: 112). Während einerseits natürlich digitale Effekte den Attraktivitätsgehalt eines Films steigern, in der Produktion aber teuer sind, kommt andererseits der Postproduktion hoher Bedeutungsgehalt, auch vonseiten kleinerer Filmproduktionen zu.

„Die fortschreitende Digitalisierung greift in die Planung, die eigentliche Produktion und die Nachbearbeitung eines Films gravierend ein und führt dazu, dass sich diese drei Bereiche, die zuvor lange Zeit weitgehend zumeist unter der Kontrolle des Regisseurs eine Einheit bildeten, immer mehr voneinanderseparieren.“ (Todtenhaupt2000: 113).

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Details

Seiten
69
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668232945
ISBN (Buch)
9783668232952
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322687
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Kommunikationswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
film video produktion low budget digitalisierung kamera filmproduktion low-budget digital kino

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