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Symptome des Ästhetischen in Nelson Goodmans „Sprachen der Kunst – Entwurf einer Symboltheorie“. Darstellung und Kritik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 22 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Theoriekern des Entwurfs einer Symboltheorie
2.1 Goodmans Erkenntnistheorie
2.1.1 Philosophische Einordung Goodmans
2.1.2 Goodmans Weisen der Welterzeugung
2.2 Der Begriff „Symbol“ bei Goodman
2.3 Varianten der Bezugnahme
2.3.1 Denotation
2.3.2 Exemplifikation
2.3.3 Ausdruck
2.3.4 Metapher
2.4 Symboltheorie bei Goodman
2.4.1 Aufbau eines Symbolsystems
2.4.2 Autographische und allographische Symbolsysteme
2.4.3 Syntaktische Eigenschaften eines Notationssystems
2.4.4 Semantische Eigenschaften eines Notationssystems
2.5. Symptome des Ästhetischen

3. Kritik an Goodmans Symptomen des Ästhetischen
3.1 Bildliche Zeichensysteme sind hochgradig syntaktisch differenziert anstatt syntaktisch dicht
3.2 Zeichensysteme sind hochgradig semantische differenziert anstatt semantisch dicht
3.3 Die Symptome syntaktischer Fülle, multiple und komplexe Bezugnahme und Exemplifikation bleiben unbegründet

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was ist schön? Was ist Kunst? Gibt es für diese Fragen klare Antworten?

Wie nicht anders zu erwarten, muß die Analyse der ästhetischen Ordnung letztlich im Vagen verbleiben und sich mit Vagem begnügen. Ästhetische gute (schöne) Ordnung läßt sich nicht in concreto bestimmen und definieren“ (Otto 1993 257).

Das Anliegen der traditionellen philosophischen Ästhetik, diese Probleme zu beleuchten, sind dem Inhalt von Goodmans Hauptwerk „Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie“, welches 1968 erschien, weit entfernt. Er klammert Fragen der ästhetischen Wertung aus. Für Goodman stellt die Symbol- und Erkenntnisfunktion der Künste in den Vordergrund. Daher ist das Ziel, Goodmans eine allgemeine Theorie der Symbole anzustreben um somit die Künste mit der Erkenntnistheorie zu verbinden. Dafür untersucht er verschiedene Formen symbolischer Bezugnahmen an Beispielen der verschiedenen Künste. „Das Erzeugen eines Bildes ist gewöhnlich an der Erzeugung dessen, was bildlich dargestellt wird, beteiligt“ (Goodman 20121. 41). Kunst kann laut Goodman also der Erkenntnis dienen.

Sein Werk „Sprachen der Kunst“ hat Einfluss auf die Kunsttheorie, Erkenntnistheorie sowie der Symbol- und Notationstheorie und gilt als „Klassiker der Ästhetik“ (Scholz 1999 583). „Die […] entwickelten Thesen, besonders zum Zusammenhang von Kunst- und Erkenntnistheorie, hat Goodman in den Arbeiten „Weisen der Welterzeugung“, „Vom Denken und andern Dingen“, sowie „Revisionen. Philosophie und andere Künste und Wissenschaften“ fortgeführt (vgl. Betzler 1998 320).

In der vorliegenden Arbeit soll es um die Darstellung Goodmans Theorie sowie die der Symptome des Ästhetischen und Kritik an diesen gehen. Dafür ist die Darstellung eines theoretischen Grundwissens notwendig, welches im Punkt zwei gegeben wird. Dabei geht es zum Beispiel um die philosophische Einordnung Goodmans, wie auch um seine Erkenntnis- und Symboltheorie. Nachdem grundlegende Informationen bezüglich Goodmans Theorie dargestellt wurden, wird zu der Kritik der Symptome des Ästhetischen übergegangen. Die Symptome des Ästhetischen sind möglicherweise nicht korrekt bezeichnet oder begründet. Auf dieses Thema wird in dem dritten Teil dieser Arbeit eingegangen. Am Ende der vorliegenden Arbeit folgt eine abschließende Betrachtung, welche die Ergebnisse kritisch resümiert.

2. Der Theoriekern des Entwurfs einer Symboltheorie

2.1 Goodmans Erkenntnistheorie

2.1.1 Philosophische Einordung Goodmans

Nelson Goodman ist ein amerikanischer Philosoph, der von 1906 bis 1998 lebte (vgl. Betzler 1998 320). Er ist einer der wichtigsten Vertreter der analytischen Philosophie, beschreibt philosophische Probleme mittels der modernen Logik und versucht diese zu lösen (vgl. Spree). Er hat „die Grundlagendiskussionen in der analytischen Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, in der Metaphysik sowie der Zeichentheorie und Ästhetik nachhaltig beeinflußt“ (Volpi 1999 852).

Goodman selbst stellt die Schwerpunkte seiner Philosophie mit den ersten Sätzen in seinem Werk „Weisen der Welterzeugung“ wie folgt dar:

„Zahllose Welten, durch Gebrauch von Symbolen aus dem Nichts erzeugen – so könnte ein Satiriker einige Hauptthemen im Werk Ernst Cassirers zusammenfassen. Diese Themen – die Vielheit von Welten, die Scheinhaftigkeit des „Gegebenen“, die schöpferische Kraft des Verstehens, die Verschiedenartigkeit und die schöpferische Kraft von Symbolen- sind wesentliches Bestandteile auch meins Denkens“ (Goodman 19842 13).

Ein Beitrag zum Induktionsproblem leistete er in „Fact, Fiction and Forecast“. Dabei handelt es sich um einen Lösungsansatz des Induktionsproblems, in dem er Regeln vorschlägt, die gültige von ungültigen induktiven Schlüssen unterscheiden. Das Induktionsproblem kann mit Goodmans Erkenntnis- und Symboltheorie verbunden werden (vgl. WW. 153-157.). Auf das Thema wird nicht weiter eingegangen, da es den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.

1968 erschien Goodmans Hauptwerk „Languages of Art“ (dt. „Sprachen der Kunst“). In diesem Werk entwickelte Goodman eine allgemeine Symboltheorie und setzt Sprachen mit Symbolsystemen gleich. Seine Untersuchungen führten „über die Künste hinaus in Themenbereiche der Wissenschaft, der Technologie, der Wahrnehmung und der Praxis. Problem aus dem Bereich der Künste sind eher Ausgangs- und Zielpunkte“ (SK 9).

Die kantische Transzendentalphilosophie und die „Wende der Sprache“ bilden die Grundlage für Goodmans Erkenntnistheorie, welche die Basis für seine Symboltheorie ist.

„Geleichwohl glaube ich, daß dieses Buch zur Hauptströmung der modernen Philosophie gehört, die damit begann, daß Kant die Struktur des Geistes ersetzte, in deren Fortführung C.I. Lewis die Struktur der Begriffe an die Stelle der Struktur des Geistes treten ließ, und die nun schließlich dahin gekommen ist, die Struktur der Begriffe durch die Strukturen der verschiedenen Symbolsysteme der Wissenschaften, der Philosophie, der Künste, der Wahrnehmung und der alltäglichen Rede zu ersetzen“ (WW 10.).

Die „Wende der Sprache“ löste in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Kants mentalistisches Pradigma ab. Mit der „Wende der Sprache“ wird eine Umorientierung der Philosophie, von der Bewusstseinsphilosophie zur Sprachanalyse bezeichnet. (vgl. Stierstorfer 2004 147f.) Goodman kann dieser Umorientierung zugeordnet werden, da er versucht eine allgemeine Symboltheorie zu entwickeln, indem er symbolische Prozesse als erkenntnisschaffend ansieht.

Außerdem holte er sich für seine Symboltheorie Anregungen bei Cassirers „Philosophie der symbolischen Formen“, die die Bedeutung der Symbolisierung in Sprache und Kunst als eigenständige Erkenntnisformen etabliert hat (vgl. Betzler 1998 326).

„Goodman untersucht daher spezifische kognitive Leistung von Kunst und damit ihren Beitrag zur Erkenntnis“ (vgl. ebd. 320). Seine erkenntnistheoretische Position beschreibt Goodman in seinem Werk „Weisen der Welterzeugung“ selbst „als radikaler Relativismus unter strengen Einschränkungen […], der auf eine Art Irrealismus hinausläuft (WW 10).

2.1.2 Goodmans Weisen der Welterzeugung

Was versteht Goodman unter Irealismus?

„Irrealismus behauptet nicht, daß alles oder überhaupt etwas irreal ist, sondern sieht, daß die Welt in Versionen auflöst und Versionen Welten erzeugen, er findet, daß Ontologie im Verschwinden ist, und forscht nach dem, was eine Version zu einer richtigen und eine solide gebauten macht“ (Goodman 19873 51 ).

Goodman versteht Irrealismus also nicht wörtlich. Er bezeichnet seine Erkenntnistheorie so, weil er „mit dem Rationalismus ebenso auf Kriegsfuß steht wie mit dem Empirismus, mit dem Materialismus ebenso wie mit dem Idealismus und dem Dualismus […]“ (WW 10).

Des Weiteren spricht Goodman davon, die Welt in Versionen aufzulösen und dass Versionen Welten erzeugen können. Doch was ist damit gemeint? Zunächst sollte festgehalten werden, dass Goodman sagt, dass das Auge nie einfach nur erfasst. Die Wahrnehmungen der Menschen werden aufgrund von Erfahrungen aus der Vergangenheit beeinflusst. Goodman nimmt die kunstwissenschaftliche Analyse von Gombrich auf, die besagt, dass das menschliche Sehen nicht objektiv ist, sondern immer schon von Einstellungen und Erwartungen geleitet ist (vgl. Betzler 1998 326). Das bedeutet, dass das bloße Erfassen der Welt nicht möglich ist: „Nichts wird entblößt gesehen oder bloß gesehen“ (SK 19). Wir sehen etwas immer als etwas, da es das „unschuldige“ Auge nicht gibt (vgl. ebd.). Durch dieses etwas-als-etwas-sehen werden Weise der Welterzeugung geschaffen. Es gibt viele verschiedene Versionen, die sich sogar wiedersprechen können. Goodman gibt dazu folgende zwei Aussagen als Beispiel: „Die Sonne bewegt sich immer und die Sonne bewegt sich nie“ (WW 14). Hierbei handelt es sich um zwei unterschiedliche Bezugsrahmen, die er als Beschreibungssystem bezeichnet. Zum einen kann der Bezugsrahmen der Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang sein (die Sonne bewegt sich). Zum anderen kann es aber auch das heliozentrische Weltbild sein (die Sonne ist der Mittelpunkt der Welt und bewegt sich nicht).

Beschreibungssysteme beziehen sich immer auf eine eigene Welt. “Wenn konfligierende Aussagen wahr sind, sind sie in unterschiedlichen Welten wahr. Eine Welt in der sich die Erde bewegt, ist keine, in der die Erde still steht“ (Goodman & Elgin 19934 72).

Goodman schreibt weiter „Wir sind bei allem, was beschrieben wird, auf Beschreibungsweisen beschränkt. Das Universum besteht gewissermaßen aus diesen Weisen und nicht aus einer Welt oder aus Welten. Er bestreitet die Reduktion auf eine Weltversion. Aus der Welt an sich werden unzählige Weltversionen. Als Beispiel bringt Goodman einen Mann. Dieser kann auf viele Weisen sein. „[…] ein Schwarm von Atomen, ein Zellkomplex, ein Fiedler, ein Freund, ein Verrückter und vieles mehr“ (SK 17f.). Was ist er wirklich? Er kann alles sein. Daraufhin sagt Goodman „[…] wenn man auch die zugrunde liegende Welt jenseits dieser Version gegenüber denen, die daran hängen, nicht abzustreiten braucht, ist diese Welt vielleicht doch eine ganz und gar verlorene“ (WW 16).

Mittels alter Weltversionen entstehen neue Welterzeugungen. „Die Weltversionen werden jeweils durch Umbau und Neuordnung bereits vorhandener erzeugt“ (Betzler 1998 324).

Laut Goodman gibt es fünf Arten der Welterzeugung: Komposition und Dekomposition, Gewichtung, Ordnen, Tilgung und Ergänzung sowie Deformation (vgl. WW 20-30).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es verschiedene Weltversionen gibt. Es ist zusätzlich zusagen, dass nicht jede Weltversion eine richtige ist. Die Richtigkeit einer Theorie wird laut Goodman an „Triftigkeit, Bündigkeit, Reichweite, Informationsgehalt und der organisierenden Kraft des gesamten Systems […] gemessen“ (WW 34). Dies ist wichtig, denn nur richtige Weltversionien können eine Welt schaffen.

2.2 Der Begriff „Symbol“ bei Goodman

Was ist ein Symbol? Laut des Dudens ist es ein Sinnbild. (vgl. Kraif 2007 1010) Es ist etwas Bezeichnendes und hat eine eigene Bedeutung, ohne auf etwas Bezeichnetes Bezug nehmen zu müssen. Ein Symbol ist selbstbedeutsam und grenzt somit ein. Es ist allerdings nicht das gleiche wie ein Zeichen, denn diese sind nicht selbstbedeutsam. „Das Zeichen ist vom Symbol verschieden“ (Hegel 1970. 270). In Hegels Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaft beschreibt er das Symbol „eine […] Anschauung, deren eigene Bestimmtheit ihrem Wesen und Begriffe nach mehr oder weniger der Inhalt ist, den sie als Symbol ausdrückt“ (ebd.). Es wird also die Eigenständigkeit des Symbols deutlich, die Hegel als Kennzeichen für ein Symbol sieht.

Der Symbolbegriff bei Nelson Goodman unterscheidet sich von dem zuvor genannten Verständnis von Symbolbegriff. Er sagt, dass er den Begriff des Symbols in seinem Werk als einen sehr „allgemeinen und farblosen Ausdruck gebraucht“ (SK 9). Bei Goodman umfasst der Ausdruck „Symbol“: „Buchstaben, Wörter, Texte, Bilder, Diagramme, Karten, Modelle und mehr […]“ (SK 9). Zudem sagt er auch, dass er den Begriff des Symbols nicht in einer geheimnisvollen Weise nutzt.

Alle von Goodman betrachteten Symbole beziehen sich in einer Weise auf etwas. Sie fungieren also als Mittel der Bezugnahme (vgl. Betzler 1998 320). Daher soll es im nächsten Abschnitt um einen Grundbegriff von Goodman Symbolthoerie gehen: Die Bezugnahme.

2.3 Varianten der Bezugnahme

Laut Goodman haben alle Symbole die Eigenschaft der Bezugnahme. Es stellt sich die Frage, was diese überhaupt ist? Er gibt in seinem Werk „Revisionen. Philosophie und andere Künste und Wissenschaften“ an, dass Bezugnahme „die Beziehung zwischen einem Symbol und dem, wofür es in irgendeiner Weise steht“ sei (R 165). Bezugnahme kann also als „Stehen für“ angesehen werden. (DD 86).

Goodman geht nicht weiter auf eine Definition von Bezugnahme ein, sondern erläutert die verschiedenen Arten von Bezugnahme. Diese nennt er auch Spielarten der Bezugnahme. Da Goodman keine genaue Definition von „Bezugnahme“ gibt, sondern seinen Ansatz mit verschiedenen Spielarten von Bezugnahme beschreibt, kann dieser als ein extensionaler bezeichnet werden. Für Goodman gibt es verschiedene Arten der Bezugnahme: Denotation, Exemplifikation, Ausdruck und Metapher.

2.3.1 Denotation

Die Denotation ist die „Bezugnahme durch ein Wort oder ein anderes Etikett auf etwas, worauf es zutrifft“ (R. 165f.).

Was ist ein Etikett? „Etikett ist ziemlich allgemein zu verstehen, so daß es wohl Bilder als auch Wörter umfaßt […]“ (R166). Etikett könnte auch als „Oberbegriff“ bezeichnet werden, der eine Klasse von Gegenständen bezeichnet. Etiketten sind folglich ein Mittel zur Organisierung (vgl. SK 41). Nach Goodman können alle Etiketten denotieren. Daraus kann geschlossen werden, dass Denotation eine Eigenschaft der pikturalen (bildlich) wie auch der verbalen Repräsentation ist. So sagt Goodman bezüglich Denotation:

„Ein Bild, das einen Gegenstand repräsentiert – ebenso wie ein Passage, die ihn beschriebt -, nimmt auf ihn Bezug und, genauer noch detoniert ihn. Denotation ist der Kern der Repräsentation und abhängig von Ähnlichkeit“ (SK 17).

Goodman unterscheidet in drei Typen der Denotation (vgl. SK 31):

1. Singuläre Denotation: Ein Bild des Papstes denotiert den Papst.
2. Multiple Denotation: Ein Etikett denotiert die Elemente einer gegeben Klasse einzeln. Ein Bild eines Adlers in einem Wörterbuch denotiert die Klasse der Adler im allgemein.
3. Nulldenotation: Einige Etiketten denotieren nichts. Dieser Fall tritt bei fiktiven Personen oder Bilder ein, bspw. das Bild eines Einhorns.

2.3.2 Exemplifikation

Die Exemplifikation führt von einem symbolisierenden Gegenstand auf ein Etikett. Daher ist sie eine Umkehrung der Denotation. Es wird eine Eigenschaft des Symbols exemplifiziert. Goodman schreibt: „Exemplifikation ist Besitz plus Bezugnahme“ (SK 60). Ein Gegenstand muss also nicht nur Eigenschaften besitzen, sondern auch auf diese Bezug nehmen. „Das Stoffmuster exemplifiziert nur die Eigenschaften, die es hat und auf die es Bezug nimmt“ (SK 60). Es können daher nur Eigenschaften exemplifiziert werden, die von einem Etikett denotiert werden. „Während alles denotiert werden kann, können nur Etiketten exemplifiziert werden“ (SK 63). Was meint Goodman mit exemplifizierten Eigenschaften und exemplifizierten Etiketten? Für ihn sind diese beiden Ausdrücke nicht zu unterscheiden, da sie „ohne weiteres durchgängig in einer der beiden Möglichkeiten formuliert werden“ können. Zudem schreibt er, dass er als Nominalist den Begriff „Etikett“ bevorzugt. Laut Goodman exemplifizieren Etiketten die Eigenschaften von Symbolen. Diese Eigenschaften wiederum denotieren die exemplifizierten Symbole.

2.3.3 Ausdruck

Eine weitere Spielart der Bezugnahme ist der Ausdruck. Goodman sagt, „daß ein Ausdruck wie „kalte Farbe“ oder „hohe Note“ eine erstarrte Metapher ist“ (SK 73). Ausdruck ist also metaphorische Exemplifikation. Ein Bild drückt etwas aus, wenn es eine Eigenschaft besitzt, die metaphorisch von einem Etikett denotiert wird. „Das Bild ist grau, doch nur metaphorisch traurig“ (SK 73). Ein Bild exemplifiziert folglich „traurig“ metaphorisch, wenn das Bild auf traurig Bezug nimmt und „traurig“ das Bild metaphorisch denotiert. „Was Traurigkeit ausdrückt, ist metaphorisch traurig“ (SK 88).

2.3.4 Metapher

Thomas Hobbes schrieb: „Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf“ (Hobbes 1994 69). Dies ist eine Metapher im literarischen Sinne.

Eine Metapher ist laut Goodman der Transfer eines Etiketts von einer Sphäre auf eine andere oder die Verlagerung eines Schemas innerhalb einer Sphäre. „Ein Schema lässt sich fast überallhin transportieren“ (SK 78). Es ist jedoch zu sagen, dass die vorherige Benutzung der Metapher relevant ist und somit der Transfer nicht vollkommen willkürlich ist. „Selbst dort, wo einer höchst merkwürdigen und fremdartigen Sphäre ein Schema aufgezwungen wird, dirigiert vorrausgegangene Praxis die Anwendung von Etiketten (SK 78). „Die Sonne lacht. Der Himmel weint.“ Die sind einfache Transfers von Etiketten auf Personen. Sie werden als Personifikationen bezeichnet.

2.4 Symboltheorie bei Goodman

Nelson Goodman versucht mittels einer allgemeinen Symboltheorie Ordnung in die unterschiedlichen Weltversionen, die Symbolsysteme, zu bringen. Er versucht eine „sie all umfassenden Organisation“ (WW. 18) zu finden und stellt dieses systematisch dar.

2.4.1 Aufbau eines Symbolsystems

Für den Entwurf einer Symboltheorie versucht Goodman den Weg „einer analytischen Erforschung von Typen und Funktionen von Symbolsystemen“ zu gehen (WW 18).

Symbolsysteme können dem Erkenntnisgewinn sowohl in der Wissenschaft als auch der Kunst dienen. Entscheidend für das Erkennen und Bilden richtiger Weltversionen ist die Analyse verschiedener Symbolsysteme. Hier kommt Goodmans Symboltheorie ins Spiel. Diese soll „eine Kritik der Welterzeugung und zugleich einen Fortschritt des Verstehens ermöglichen“ (Betzler 1998 325).

Wie ist ein Symbolsystem aufgebaut? Wenn auf etwas Bezug genommen wird, dann werden dafür Etiketten angewendet. Ein Etikett funktioniert allerdings nur in einem Schema. Goodman sagt: „Wir kategorisieren durch Mengen von Alternativen“ (SK 76). Es wird deutlich, dass Dinge durch weitere Dinge in ihrem Umfeld bestimmt werden. Goodman bringt das Beispiel der Farbe Rot. „Was als rot gilt, variiert etwas, und zwar abhängig davon, ob Gegenstände als rot oder nicht rot oder als rot oder orange oder gelb oder grün oder blau oder violett klassifiziert werden“ (SK 76). Es können folglich unterschiedliche Schemata angewandt werden.

[...]


1 Im Folgenden abgekürzt mit SK

2 Im Folgenden abgekürzt mit WW

3 Im folgenden abgekürzt mit DD

4 Im Folgenden abgekürzt mit R

Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668217584
ISBN (Buch)
9783668217591
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322579
Note
1,5
Schlagworte
symptome ästhetischen nelson goodmans sprachen kunst entwurf symboltheorie darstellung kritik

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