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Chancen und Risiken von Gesundheits- und Medizintourismus mit ausländischen Patienten für medizinische Leistungserbringer in Deutschland

Studienarbeit 2016 24 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Gesundheits- und Medizintourismus
2.1 Gesundheitstourismus
2.2 Medizintourismus
2.3 EU-Patientendirektive

3. Methodik

4. Ergebnisse
4.1 Quellenmärkte ausländischer Patienten
4.2 Bayern als wichtiger Standort
4.3 Finanzielle Auswirkungen
4.4 Haftung
4.5 Interkulturelle Kompetenzen

5. Diskussion
5.1. Chancen ausländischer Patienten für deutsche Kliniken
5.2 Risiken ausländischer Patienten für deutsche Kliniken

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Abgrenzung Gesundheitstourismus

Abbildung 2: Markt- und Nachfragemotive

Abbildung 3: Anzahl stationärer Patienten aus den Top-15 Quellenmärkten 2011

Abbildung 4: Nachgefragte medizinische Leistungen von ausländischen Patienten

Abbildung 5: Durchschnittserlöse durch ausländische Patienten

Abbildung 6: Top-5 Kommunikationswege zur Gewinnung ausländischer Patienten

1. Einleitung

Patienten rund um den Globus werden mobiler. Zur ästhetisch-plastischen, Herz-, Zahn- oder Augen-OP nach Kolumbien, Mexiko, Südkorea, Thailand, Südafrika oder Dubai? Immer mehr Länder dieser Welt investieren kräftig in ihre Healthcare- Infrastruktur und schreiben sich die medizinische Kompetenz ihrer ärztlichen Spezialisten auf die Fahne, um gezielt Patienten aus dem Ausland anzuziehen. Die Reisenden stehen dabei im Konflikt zwischen Qualität und Preis. Deutschland nimmt mit rund 200.000 ausländischen Patienten pro Jahr eine Sonderrolle im Medizintourismusgeschäft ein.1 International gesehen sind deutsche Kliniken aufgrund der Qualität der Leistung, den neusten Technologien und Methoden und der hohen Fachkompetenz der Ärzte oft die letzte Rettung für Schwerkranke. Der geschätzte Umsatz liegt dabei bei rund 1 Milliarde Euro allein für die deutschen Krankenhäuser. Zusätzlich profitieren Hotels, Dolmetscher sowie der Einzelhandel von dem Gesundheits- und Medizintourismus.2 Doch ergeben sich durch die Behandlung ausländischer Patienten auch Risiken für die deutschen Kliniken?

Ziel dieser Studienarbeit ist es, Gesundheits- und Medizintourismus zu erläutern und zu unterscheiden sowie die Chancen und Risiken für die medizinischen Leistungsbringer darzustellen. Im Folgenden werden zuerst die Begriffe definiert und voneinander abgegrenzt, die EU- Patientendirektive erklärt und auf die Methodik eingegangen. Im darauffolgenden Kapitel wird dann näher auf die Quellenmärkte eingegangen, die finanziellen Aspekte aufgezeigt, die Haftungsfrage und deren Problem veranschaulicht sowie die interkulturellen Anforderungen, die entstehen, aufgezeigt. Zum Schluss werden die Chancen und Risiken aus Sicht der deutschen Kliniken erläutert und in einem Fazit zusammengefasst.

2. Definition Gesundheits- und Medizintourismus

Aufgrund der ähnlichen Wortwahl beider Begriffe können diese nur schwer voneinander getrennt werden. Generell stellt der Gesundheitstourismus einen Überbegriff dar, der neben dem Medizintourismus noch mehrere Dienstleistungen umfasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Abgrenzung Gesundheitstourismus

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitstourismus#/media/File:Arten_von_Gesundheitstourism us.jpg

Wie die Abbildung zeigt, spielt der Medizintourismus eine untergeordnete Rolle neben den Wellness- und gesundheitsorientierten Reisenden. Neben Kurtourismus und Wellnesstourismus wird außerdem noch in Medical Wellnesstourismus unterteilt. Hier produzieren die „Großen Drei“, Deutschland, Frankreich und Österreich, derzeit jährlich mehr als 58 Milliarden Euro an Wellnessausgaben. Das bedeutet, dass beinahe 20% der gesamten Wellnessausgaben weltweit von diesen drei Ländern produziert werden (GSWS, 2014).3 Im Folgenden soll versucht werden, die Begriffe bestmöglich zu unterscheiden und zu definieren.

2.1 Gesundheitstourismus

Einerseits wird der Gesundheitstourismus definiert als „Kombination von Urlaubsvergnügen und individuellen, fachkundig betreuten und wissenschaftlich fundierten Gesundheitsprogrammen.“4 Neben dem rein auf Vergnügen ausgerichteten Gesundheitsreisenden, dem bewusst präventiv Reisenden und dem durch Krankheit bestimmtem Patiententouristen, ist die Fülle der verschiedenen Ausprägungen kaum voneinander abgrenzbar. Die umfassendste Definition liefert KASPAR (1996) zum Gesundheitstourismus als „Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Ortsveränderung und dem Aufenthalt von Personen zur Förderung, Stabilisierung und gegebenenfalls Wiederherstellung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens unter der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher noch dauernder Wohn- und Arbeitsort ist.“5 Weltweit erfährt der Gesundheitstourismus aufgrund des demographischen Wandels zunehmende gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Bedeutung. Der demografische Wandel mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung bei zugleich rückgehender Geburtenrate belastet vor allem die Gesundheitssysteme in den westlichen Industrieländern. Dies liegt darin begründet, dass die Zahl der Beitragszahler abnimmt und die Eigenvorsorge somit immer wichtiger wird. Aber auch die Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie Herz- Kreislauf- Erkrankungen und Allergien machen eine verstärkte Selbstbeteiligung an den Krankenkosten wahrscheinlich.6 Die Welttourismusorganisation (UNWTO) sieht den Gesundheitstourismus als einen eigenständigen Teilbereich des Tourismus.7

Der Sammelbegriff kann unterschieden werden durch verschiedene Markt- und Nachfragemotive, die heutzutage von den Reisenden erstrebt werden. Hier gibt es drei grundsätzliche Motive, welche in der folgenden Abbildung aufgezeigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Markt- und Nachfragemotive

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitstourismus

Neben dem ‚ Gesund werden ‘, welches die klassische Kur oder Reha umfasst, beschreibt der Gesundheitstourismus ebenfalls das ‚ Gesund bleiben ‘ und das ‚ Genie ß en ‘. Hier wird verdeutlicht, dass Reisende nicht ausschließlich aufgrund ärztlichem Rat oder Verschreibung reisen. Ob ein Wellnessurlaub zur Entspannung oder ein Schönheitsurlaub - der Gesundheitstourismus ist ein zunehmend wachsender Markt.8 Durch zunehmenden Stress, Alltagsbelastung und Zukunftsdruck steigt das Gesundheitsbewusstsein und die Sehnsucht nach Erholung wird folglich größer. Wie oben erwähnt spielen auch die Altersstrukturen eine große Rolle. Die Lebenserwartung steigt, die Geburtenrate sinkt, deshalb hat der Gesundheitstourismus großes Wachstumspotenzial.

2.2 Medizintourismus

„Patienten-Tourismus“, „Klinik-Tourismus“ oder „OP-Tourismus“ sind nur wenige Begriffe, die den Medizintourismus zu beschreiben versuchen. Grundsätzlich umfasst diese Form des Tourismus diejenigen Leistungen, bei denen ausländische ärztliche Behandlungen und operative Eingriffe in Anspruch genommen werden. Typische Beispiele sind Schönheitsoperationen, Zahnbehandlungen oder Knie-und Hüftoperationen. Hier lassen sich wieder verschiedene Typen von Reisenden unterscheiden.

Einerseits gibt es den qualitätsorientierten Medizintourismus, bei welchem Personen aus Staaten mit niedrigen medizinischen Standards in Staaten mit höheren Standards reisen, um sich dort behandeln zu lassen. Hier liegt der Fokus auf der Qualität der Leistung, oft verbunden mit den bestentwickelten Technologien und Methoden. Andererseits gibt es den kostenorientierten Medizintourismus, welcher das umgekehrte Phänomen darstellt. Personen wohnhaft in Staaten mit hohem medizinischem Standard reisen aufgrund von Kostenersparnis oder verkürzte Wartezeiten in Länder mit niedrigerem medizinischem Niveau. Bei beiden Arten von Reisenden spielt die Globalisierung eine wichtige Rolle. Durch die einfache Beschaffung von Informationen durch das Internet und die Möglichkeit der schnellen Kommunikation mit den Dienstleistern im Ausland fällt es dem Patienten leicht, seine Reise zu planen. Oft stehen hier auch Ziele mit touristischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten im Vordergrund, da die medizinische Reise dann mit Urlaub verbunden wird.9

2.3 EU-Patientendirektive

Die Patientenmobilitätsrichtlinie 2011/24/EU über die „Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung“ wurde im Jahr 2011 vom Europaparlament beschlossen und vom EU-Ministerrat genehmigt. Seit 2013 wird diese in den Mitgliedsstaaten umgesetzt. Für den EU-Bürger bedeutet das, er kann sich weitgehend selbst aussuchen, in welchem Land er die medizinische Behandlung in Anspruch nehmen will. Um einen allgemeinen Rahmen zu schaffen und Patienten die Prozedur zu erleichtern, wurde diese Richtlinie erstellt. Hier ist es vor allem wichtig, dass der Patient Zugang zu allen Informationen und Vorraussetzungen hat sowie über Qualität und Sicherheit aufgeklärt wird. Außerdem müssen Versicherung und Kostenerstattung bezüglich des Patienten geklärt werden. Die Richtlinie beschreibt auch öffentliche Impfprogramme und soll den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im Bereich der Gesundheitsförderung in der EU stärken. Um den Bürgern ausreichend Informationen zu bieten, richtet jeder Staat eine oder mehrere Kontaktstellen ein, welche in engem Kontakt mit anderen Dienstleistern sowie den Krankenversicherungen stehen.

[...]


1 vgl. Ärzte Zeitung, http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/904013/ medizintourismus-deutschland-ziel-immer-beliebter.html?sh=2&h=-145943621 (Letzter Zugriff:02.03.2016)

2 vgl. Leading Medicine Guide, http://www.leading-medicine-guide.de/Gesundheitstourismus (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

3 vgl. SpaCamp, http://www.spacamp.net/2014/12/aktuelle-zahlen-aus-internationalem-wellness tourismus -potential-deutschland (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

4 vgl. Krüger, Henrike, http://www.diplom.de/e-book/223350/ unter suchung-und-analyse-des-kur-und- rehabilitationswesens-als-teil-des (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

5 vgl. Schwaiger, Jürgen, http://www.diplom.de/e-book/224930/megatrend-gesundheitstourismus (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

6 vgl. Bundesministerium für Gesundheit http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/her ausforderunen/demografischerwandel.html (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

7 vgl. Link Fang, http://www.linkfang.de/wiki/Gesundheitstourismus (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

8 vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, http://www.innovativer-gesundheitstourismus. de/fileadmin /user_ upload/pdf/Leitfaden_Gesundheitstourismus.pdf (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

9 vgl. Leading Medicine Guide, http://www.leading-medicine-guide.de/Gesundheitstourismus (Letzter Zugriff: 02.03.2016)

Details

Seiten
24
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668216273
ISBN (Buch)
9783668216280
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v322360
Institution / Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,3
Schlagworte
Tourismus Cross-border health care Tourismusmanagement Medizintourismus ausländische Patienten Gesundheitstourismus

Autor

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Titel: Chancen und Risiken von Gesundheits- und Medizintourismus mit ausländischen Patienten für medizinische Leistungserbringer in Deutschland