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Welchen Einfluss haben soziale Netzwerke auf die Lebenszufriedenheit?

Eine Forschungsarbeit

Forschungsarbeit 2014 33 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Netzwerke
2.1 Definition
2.2 Forschungsstand
2.3 Hypothesenableitung

3. Sekundärdaten: Deutscher Alterssurvey

4. Empirische Analyse
4.1 Variablen
4.2 Methoden
4.3 Ergebnisse

5. Diskussion

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

SPSS-Syntax

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Entwicklung der Netzwerkanalyse

Abbildung 2 - Netzwerkeinheiten

Abbildung 3 - Deutscher Alterssurvey (DEAS) im Zeitverlauf

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 - Deskriptiver Überblick über die Variablen Lebenszufriedenheit, Netzwerkgruppen, Geschlecht, Sozialer Status, Altersgruppen und Partnerstatus

Tabelle 2 - Relative Häufigkeiten und Chi2-Signifikanztest für Lebenszufriedenheit nach Netzwerkgruppen (%)

Tabelle 3 - Relative Häufigkeiten und Chi2-Signifikanztest für Lebenszufriedenheit nach Geschlecht (%)

Tabelle 4 - Relative Häufigkeiten und Chi2-Signifikanztest für Lebenszufriedenheit nach sozialer Status (%)

Tabelle 5 - Relative Häufigkeiten und Chi2-Signifikanztest für Lebenszufriedenheit nach Altersgruppen (%)

Tabelle 6 - Relative Häufigkeiten und Chi2-Signifikanztest für Lebenszufriedenheit nach Partnerstatus (%)

1. Einleitung

Es wird leise - seit dem Umzug ins Altersheim sind die gewohnten Klänge der geliebten Wohnung verstummt. Weder die eigenen Kinder noch die spielenden Enkelkinder sind zu hören. Auch Frau Schmidt aus der 3. Etage kommt nicht mehr zum täglichen Plaudern herunter. Selbst die Vögel scheinen an diesem Ort anders zu singen - es ist eine Art Trauerlied, welches sie ununterbrochen vor sich hin pfeifen. Traurigkeit ist eingezogen und füllt das neue Zimmer mit Eintönigkeit. Das Warten auf die immer weniger werdenden Besuche durch die Familie und Freunde wird zur Leidensprüfung und birgt das Gefühl der Einsamkeit. Während die Pflegerin Mahlzeiten und Tabletten reicht, werden die Stränge zu geliebten Netzwerken mit der Schere des Alterns gekappt. Neue Kontakte zu knüpfen erfordert Mut, Lebensfreude und Zufriedenheit, nur sind es gerade diese, die sich im Warten auf die Lieben der Vergangenheit in ein unwohliges Nichts auflösen...

Lebensqualität und Lebenszufriedenheit sind zentrale Begriffe im Leben der Menschen und lassen sich anhand vieler Faktoren definieren. „Lebenszufriedenheit wird dabei als eine Bilanz verstanden, mit der Menschen ihre gegenwärtigen Lebensbedingungen, ihre Möglichkeiten, Präferenzen, Erwartungen und Anpassungsleistungen evaluieren.“ (Böhnke / Kohler, 2007, S. 373). Die Determinanten zur Beeinflussung von Lebenszufriedenheit sind vielfältig und erschließen sich vor allem in den Definitionen von Gesundheit, Einkommen, Bildung und Arbeitslosigkeit. Aber auch soziale Beziehungen und Netzwerke spielen eine wichtige Rolle bei der Betrachtung von Lebenszufriedenheit. So sind nach Diener et al. (1999) Ehen und soziale Beziehungen Garanten für eine höhere Lebenszufriedenheit (ebd.). Vorwiegend im Alter wird auch Gesundheit als eines der wichtigsten Lebensziele angegeben und mit Lebensqualität und -zufriedenheit verknüpft (vgl. Zank, 2000 zit. In: Becker, 2012, S. 9). Soziale Netzwerke können hierbei einen besonderen Orientierungsrahmen bieten und vermitteln Wissen als auch Informationen zu gesundheitsbewusstem Verhalten. Zwar muss die Einbindung in soziale Netzwerke nicht zwangsläufig positive Effekte nach sich ziehen, dennoch ist der Einfluss, den sie haben können enorm (Bruns, 2012). Was aber sind soziale Netzwerke und wie können sie die Lebensqualität beziehungsweise Lebenszufriedenheit von Menschen in der zweiten Lebenshälfte beeinflussen? Der vorliegende Forschungsbericht wird sich an dieser Forschungsfrage orientieren und zunächst den Begriff des ‚Sozialen Netzwerkes’ erläutern und definieren. Weiter wird der aktuelle Forschungsstand zum Thema ‚Soziale Netzwerke und Lebenszufriedenheit’ skizziert. Mit Hilfe einer Sekundärdatenanalyse wird weiterführend untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Netzwerkgröße und der allgemeinen Lebenszufriedenheit besteht. Weitere Variablen wie sozialer Status, Alter, Geschlecht und Partnerstatus werden ebenfalls in die Hypothesenbildung aufgenommen und auf Zusammenhänge in Bezug auf Lebenszufriedenheit überprüft. Als Datengrundlage wird in diesem Bericht der Deutsche Alterssurvey (DEAS) von 2008 verwendet. Eine detaillierte Beschreibung des Datensatzes erfolgt im Kapitel 3 - Sekundärdaten: Deutscher Alterssurvey. Nach einer Darstellung der empirischen Analyse, welche die Beschreibung der Variablen und die Methodik der Prüfung umfasst, werden die Ergebnisse in Anbetracht des Forschungsstandes verglichen und diskutiert. Zu guter Letzt gilt es alle Resultate in einer Zusammenfassung zu präsentieren und aufzubereiten.

2. Soziale Netzwerke

„Netzwerke sind überall.“ (Holzer, 2006, S. 5). Das Themenfeld der sozialen Netzwerke ist seit langem ein fester Bestandteil der soziologischen Forschung und ist nahezu unerschöpflich. Als Gründervater der formalen Soziologie hat Simmel bereits zur Jahrhundertwende die Gesellschaft als Netzwerk verstanden, welches sich aus den sozialen Beziehungen der im ständigen Austausch stehenden Individuen herausbildet (vgl. Serdült, 2002, S. 128). Folgt man den Ausführungen von Stegbauer so ist die Netzwerkforschung dennoch ein relativ junges Wissenschaftsfeld, dessen Wurzeln zwar weit in die Geschichte der Soziologie zurückreichen, aber in gebündelter Form vor allem seit Ende der sechziger Jahre in den USA betrieben wird und im deutschsprachigen Raum noch wenig verbreitet ist (vgl. Stegbauer, 2008, S. 11). „Während in den USA viel stärker die Analysetechniken im Vordergrund stehen, kommt im deutschsprachigen Gebiet, stärker als dies im internationalen Bereich üblich, eine Theoriedebatte mit hinzu.“ (Stegbauer, 2008, S. 13). Bevor Mitte des 20. Jahrhunderts die Graphentheorie für sozialwissenschaftliche Fragestellungen entdeckt und angewandt wurde, gab es viele Vordenker aus den Bereichen der Soziologie, Sozialpsychologie und Sozialanthropologie, die sich mit netzwerkanalytischen Ansätzen beschäftigten (vgl. Holzer, 2006, S. 29f.). Zur deskriptiven Erfassung von Gruppenstrukturen entwickelte Moreno (1934) die Soziometrie, die noch heute als Vorläufer der modernen Netzwerkanalyse gilt (vgl. Bruns, 2008, S. 90; Holzer, 2006, S. 30). Aber auch Wissenschaftler wie White, Coleman, Milgram oder Barabasi haben die Geschichte der Netzwerkforschung durch ihre Studien und Theorien geprägt (vgl. Holzer, S. 31ff.; Abbildung 1). Heute wird die moderne Analyse von Netzwerken vorwiegend unter den Begriffen „social network analysis“, „Analyse sozialer Netzwerke“ und „Netzwerkforschung“ zusammengefasst (vgl. Stegbauer, 2008, S. 12f.; Trappmann, 2011, S. 16).

2.1 Definition

„Eine der bekanntesten Netzwerkdefinition formuliert J. Clyde Mitchell [1969], der soziale Netzwerke als ‚a specific set of linkages among a defined set of persons, with the additional property that the characteristics of these linkages as a whole may be used to interpret the social behaviour of the persons involved’ [...] definiert“ (Bruns, 2008, S. 90). Demnach bezeichnen soziale Netzwerke eine Menge von Personen und deren Beziehungen untereinander. Darüber hinaus geben sie den Interaktionszusammenhang zwischen sozialen Akteuren an und verweisen auf die dazugehörigen Relationen sowie Interdependenzen (vgl. Marquadsen, 2012, S. 68). Für die Analyse von Netzwerken wurden im Laufe der Netzwerkforschung wichtige Begriffe etabliert, die eine exakte Unterscheidung „[...] zwischen (a) den Einheiten eines Netzwerkes, (b) den Arten der Querverbindungen zwischen diesen Einheiten und (c) unterschiedlichen Netzwerkmustern als Ganzem [ermöglichen]“ (Joas, 2001, S. 106). Soziologen bezeichnen die Einheiten eines Netzwerkes als Knoten (engl. nodes oder vertices), welche durch Kanten (engl. edges, arcs, links oder ties) miteinander verbunden sind und die Beziehung zwischen den Akteuren verdeutlichen (vgl. Joas, 2001, S. 106; Holzer, 2006, S. 34; Abbildung 2). Im Verständnis dieser Einheiten bilden sich Sektoren unterschiedlicher Dichte heraus und beschreiben den Informationsfluss innerhalb der Akteure. Granovetter (1973) unterscheidet hierbei in strong ties und weak ties, die jeweils die Stärke der Verbindung zwischen zwei Knoten angeben. Weak ties - also ‚schwachen Beziehungen’ - wird dabei die Funktion zugeschrieben, dass sie den Zugriff auf Ressourcen vereinfachen, die in engen Beziehungen nicht zur Verfügung stehen (vgl. Marquadsen, 2012, S. 68f.; Abbildung 2). Unabhängig von dieser Betrachtung, können die Querverbindungen zwischen den Knoten nach ihrer Art, Reziprozität und Symmetrie untersucht werden. In der Netzwerkforschung können die Knoten für kollektive Akteure wie Gruppen, Organisationen oder Staaten stehen; werden aber oftmals für die Abbildung von Individuen genutzt (Joas, 2001, S. 106f.). „Die Idee der Netzwerkforschung dabei ist, dass die vorhandenen sozialen Beziehungen das Verhalten der involvierten Individuen besser erklären können als individuelle Faktoren.“ (Bruns, 2012, S. 90). Dieser Grundgedanke basiert auf der These zur Beschreibung sozialer Tatsachen von Durkheim, der bereits 1961 postulierte, dass das Ganze mehr sei als die Summe seiner Teile (ebd.). Schließlich beschreibt diese These, dass das Handeln sozialer Akteure nur im Kontext ihres jeweiligen Netzwerkes berücksichtigt werden kann, „[...] da dieses über Eigenschaften verfügt, die die einzelnen Akteure nicht haben.“ (Bruns, 2012, S. 90 zit. nach Jansen, 2003, S. 13). Die Schlussfolgerung hieraus bedeutet, dass soziale Netzwerke durchaus „nützliche Netzwerke“ darstellen können, da sie als soziales Kapital verstanden werden und den Zugang auf Unterstützungs- und Hilfeleistungen erleichtern. Auch materielle Zuwendungen stehen im Möglichkeitsbereich von Netzwerken (vgl. Holzer, 2006, S. 14). „In den meisten Definitionen von Sozialkapital steht der Zugang zu Ressourcen über Kontakte deutlich im Vordergrund.“ (Holzer, 2006, S. 14). So verweist auch Bourdieu (1983) in seiner Kapitaltheorie auf die Wichtigkeit von Sozialkapital, welches sich aus der Vernetzung von Individuen ergibt (vgl. ebd., S. 15). Um die Einbindung von Individuen in Netzwerke zu veranschaulichen, bettet Bruns die Individuen in drei unterschiedliche Netzwerkebenen. Hierbei werden Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte dem primären Netzwerk auf der Mikroebene zugeordnet. Auf der Mesoebene werden hingegen Vereine, Selbsthilfegruppen, soziale Verbände oder Institutionen wie Kindergärten und Schulen im sekundären Netzwerk verortet (Bruns, 2012, S. 96 ff.). „Die Akteure der dritten Netzwerkebene, die sogenannten tertiären Netzwerke, bestehen im Gegensatz zu den primären und sekundären Netzwerken aus professionellen Akteuren [und sind der Makroebene zuzuordnen].“ (Bruns, 2012, S. 102 eigene Hervorhebungen). Im Gesundheitsbereich zählen dazu unter anderem Krankenhäuser, Arztpraxen und Krankenkassen (vgl. ebd.). Während die Beziehungsstärke innerhalb des primären Netzwerkes am höchsten ist, verringert sich die Intensität der Beziehungen kontinuierlich auf der sekundären und tertiären Netzwerkebene (Bruns, 2012). In dieser Arbeit wird ausschließlich das primäre Netzwerk von Menschen betrachtet, die über 40 Jahre alt sind. Über die Größe des primären Netzwerkes sollen zum einen Aussagen über das Netzwerkmuster im Ganzen getroffen werden und zum anderen wird geprüft, ob ein Zusammenhang zwischen der Größe des Netzwerkes und der Lebenszufriedenheit besteht.

2.2 Forschungsstand

„Die Größe der individuellen Lebenszufriedenheit als Maß des erfolgreichen Alterns ist von unterschiedlichen Variablen bzw. Voraussetzungen abhängig.“ (Becker, 2012, S. 5). Hierfür nennt Becker subjektive Gesundheit, das Erleben von persönlicher Kontrolle und die Häufigkeit sowie die Qualität von sozialen Kontakten, welche insbesondere außerhalb des Altenheims stattfinden sollten (vgl. ebd.). Nan Lin ist der Überzeugung, dass die Verstärkung von „identity und recognition“ durch soziale Netzwerke ebenfalls die Lebenszufriedenheit erhöht und koppelt den Mehrwert sozialer Kontakte im Sinne des Sozialkapitals (Lin, 2001, S. 7). „Der Einzelne erfährt in Netzwerken soziale Unterstützung und wird nach außen bestätigt.“ (Deindl, 2005, S. 5). Als weiteren wichtigen Faktor für Lebenszufriedenheit nennt Deindl den individuellen Wohlstand, welcher bis zu einer bestimmten Schwelle auch die Zufriedenheit fördert (ebd.). Deindl prüfte 2005 in einer eigenen Sekundärdatenanalyse, die auf der Studie „Selbst- und Kollektivorientierung“ (SuKO) basiert, den Zusammenhang zwischen sozialem Kapital und Lebenszufriedenheit. Abschließend stellte er fest, dass ein genereller positiver Einfluss von Netzwerken auf die abhängige Variable Lebenszufriedenheit ausgeschlossen werden kann. Dennoch können vor allem enge soziale Beziehungen - also strong ties - die Lebenszufriedenheit positiv beeinflussen (Deindl, 2005). Auch Hradil betont, dass der Zugang zu Ressourcen und Fertigkeiten entscheidend für die Erhaltung der Lebenszufriedenheit ist und beschreibt diesen Ansatz vorwiegend über die Bewahrung der Gesundheit. Soziale Netzwerke übernehmen seiner Meinung nach in diesem Zusammenspiel eine besondere Aufgabe. Den Hauptgrund für hohe Gesundheitsrisiken bestehen für ihn jedoch in der Höhe des Bildungsgrades (Hradil, 2006, S. 40). Barth hingegen bezieht sich auf Ergebnisse von Diewald und Schenk und schildert, ähnlich wie Deindl, dass die Größe eines Netzwerkes wenig über die Intensität der Beziehungen aussagen kann, aber gleichwohl die „[...] [vermehrte] Bereitstellung von Arbeitshilfen und Beschaffung von Informationen nachgewiesen werden [konnte].“ (Barth, 1998, S. 19 eigene Hervorhebungen). Bezogen auf die Netzwerke von älteren Menschen sehen Jungbauer-Gans und Gross einen positiven Zusammenhang von Gesundheit und der Spannweite sozialer Netzwerke. Als Indikator für soziale Isolation benennen sie Einsamkeit und verweisen auf die Bedeutsamkeit sozialer Netzwerke zur Förderung von Gesundheit (Jungbauer-Gans / Gross, 2006, S. 78). „So wirkt sich das soziale Netzwerk besonders in Zeiten akuten und chronischen Stresses unterstützend aus (Pufferthese).“ (Jungbauer-Gans / Gross, 2006, S. 81). Im Gleichklang argumentieren Knesebeck und Schäfer, wobei sie darauf hinweisen, dass soziale Netzwerke sowohl Chancen als auch Einschränkungen von Lebensqualität mit sich führen. „Allerdings ist die Frage, wie soziale Ungleichheit, soziale Beziehungen und Gesundheit im höheren Lebensalter zusammenhängen, bislang weitgehend ungeklärt.“ (Knesebeck / Schäfer, 2006, S. 249). Als mögliche Analyseansätze nennen die beiden Autoren die unterschiedlichen Wirkungen sozialer Beziehungen zwischen Statusgruppen. Demnach kann davon ausgegangen werden, dass Personen unterer sozialer Schichten zum einen über weniger soziale Beziehungen verfügen und zum anderen anfälliger gegenüber Krankheiten sind, aufgrund mangelhafter sozialer Beziehungen und fehlender Ressourcen. Die Datenlage ist hierzu laut Knesebeck jedoch zu gering, um valide Aussagen zu treffen (Knesebeck /Schäfer, 2006, S. 250).

Den wissenschaftlichen Ausführungen zufolge besteht zwar keine Einigkeit über den Zusammenhang von Größe eines Netzwerkes und der Lebenszufriedenheit, dennoch ist durchaus ein gleicher Tenor im Bezug auf die Wichtigkeit von sozialen Netzwerken festzustellen. Allerdings zeigen die unterschiedlichen Ansätze, Theorien und Studien auch, dass Lebenszufriedenheit von weiteren Determinanten abhängig ist und keineswegs auf soziale Netzwerke beschränkt werden kann. Ungeachtet dessen wird in dem vorliegenden Bericht mit einer bivariaten Analyse geprüft, ob ein direkter Zusammenhang zwischen der Größe eines Netzwerkes und des Konstrukts Lebenszufriedenheit besteht. Vor allem in Hinblick auf die alternde Gesellschaft in Deutschland (vgl. Statistisches Bundesamt, 2011) sowie die fortschreitende Digitalisierung, welche mit dem Einsamkeitsmythos einhergeht (vgl. Sülzle, 2001), besteht die Sorge, dass wichtige soziale Netzwerke in der Zukunft verkümmern und das Sozialkapital der Individuen schrumpft. Zumal „[s]ocial contact is very important for the well-being of people (Mette 2005) and since social networks become smaller with age the importance of a partner and other family rises (Wagner and Wolf, 2001).“ (Doblhammer, o. J.).

2.3 Hypothesenableitung

„Bei der Lebenszufriedenheit handelt es sich [nach Schilling und Wahl (2002)] um ein ‚multiaspektivisches Konstrukt (...), in dem affektive Komponenten von subjektiver Beurteilung eigener objektiver (ökonomischer, sozialer, gesundheitlicher) Lebensbedingungen zu unterscheiden sind’ [...].“ (Deindl, 2005, S. 5 eigene Hervorhebungen). Folglich sind es unterschiedliche Faktoren, welche, neben der Einbindung in soziale Netzwerke, die Variable Lebenszufriedenheit beeinflussen (ebd.). Allerdings wurde im Kapitel 2.1 ausführlich darauf verwiesen, dass die Integration in soziale Netzwerke als soziales Kapital verstanden werden kann und dies zu einer Erhöhung der Lebenszufriedenheit führt (Deindl, 2005; Lin, 2001). Aus diesen Annahmen erschließt sich die Hypothese 1 (H1), dass soziale Netzwerke die Lebenszufriedenheit von Individuen beeinflussen. Weiter wird in diesem Bericht geprüft, ob das Geschlecht einen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit ausübt (H2). Gleichermaßen wird der soziale Status (H3), das Alter (H4) und der Partnerstatus (H5) auf einen Zusammenhang mit dem Konstrukt Lebenszufriedenheit analysiert. Um die Gestaltung der Hypothesen im Sinne eines Chi ²-Signifikanztests zu verdeutlichen, werden die genannten Hypothesen als Nullhypothesen formuliert, die es gegebenenfalls zu falsifizieren gilt (vgl. Bentele / Brosius / Jarren, 2013, S. 317). Bei ermittelter Ablehnung der Nullhypothese wird die Annahme der Alternativhypothese akzeptiert (Diekmann, 2012, S. 705). Mit Hilfe des Chi²-Signifikanztests wird getestet, „[...] ob sich ein Ergebnis von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit verallgemeinern lässt.“ (Bentele et al. 2013, S. 317). Für diesen Forschungsbericht ergeben sich somit folgende Null- und Alternativhypothesen, wobei H0x jeweils die Nullhypothese und HAy die Alternativhypothese verdeutlicht:

1.

H01 - Es besteht kein Zusammenhang zwischen Netzwerkgröße und Lebenszufriedenheit.

HA1 - Es besteht ein Zusammenhang zwischen Netzwerkgröße und Lebenszufriedenheit.

2.

H02 - Es besteht kein Zusammenhang zwischen Geschlecht und Lebenszufriedenheit

HA2 - Es besteht ein Zusammenhang zwischen Geschlecht und Lebenszufriedenheit

3.

H03 - Es besteht kein Zusammenhang zwischen sozialem Status und Lebenszufriedenheit

HA3 - Es besteht ein Zusammenhang zwischen sozialem Status und Lebenszufriedenheit

[...]

Details

Seiten
33
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668210639
ISBN (Buch)
9783668210646
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321656
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
1,0
Schlagworte
welchen einfluss netzwerke lebenszufriedenheit eine forschungsarbeit

Autor

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Titel: Welchen Einfluss haben soziale Netzwerke auf die Lebenszufriedenheit?