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Beurteilung der quantitativen Studie "Growing old at home". Hintergründe, Ergebnisse und Relevanz

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Erläuterung und Hintergrund zur Studie

3 Die Fragestellung der Studie

4 Studiendesign und methodisches Vorgehen
4.1 Das Design der untersuchten Studie
4.2 Die Randomisierung
4.3 Die Stichprobe
4.4 Der lineare Forschungsprozess und die weiteren wichtigen Stationen darin

5 Auswertung der Studie
5.1 Die falsche Studie?
5.2 Bewertung der Studienergebnisse
5.3 Attrition Bias

6 Zusammenfassende Beurteilung der Studie bezüglich der Gütekriterien
6.1 Die Validität der Teilergebnis-Studie Studie
6.2 Die Validität der Gesamtstudie

7 Fazit

Verzeichnis der Anlagen

Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

1 Einleitung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung: „Evidenzbasierung in der Pflege“ habe ich beschlossen, mich mit einer quantitativen Studie auseinander zu setzen. Nachdem in der einführenden Vorlesung zur quantitativen Pflegeforschung herausgearbeitet wurde, dass in der Pflegeforschung der Anteil von quantitativen Studien gegenüber den qualitativen eher gering ist, wurde ich aufmerksam. Als dann weiter dargestellt wurde, dass es von den quantitativen Studien, speziell in der deutschsprachigen Pflegeforschung, wiederum nur sehr wenige gibt, die dem höchsten Standard einer randomisiert kontrollierten Studie entsprechen, entschied ich mich, eine solche RCT-Studie zu suchen. Da ich ausgebildeter Altenpfleger bin und im Berufsfeld der häuslich ambulanten Altenpflege arbeite, machte ich mich entsprechend auf die Suche nach einer RCT Studie mit geriatrischen Bezug innerhalb des Bereiches der häusliche Pflege. Zudem sollte sie in Deutschland durchgeführt worden sein.

Ich durchforstete verschiedene Datenbanken, die an PUBMED angeschlossen sind, recherchierte auf CINAHL, schaute mich in der Bibliothek in Fachzeitschriften um, und tat mich schwer, etwas Passendes zu finden. Ich startete meine Suche über die Stichworte: rct + home + care + elderly + german und variierte diese, teils auf Englisch, teils auch auf Deutsch. Nach verschiedenen Variationen und Links, denen ich folgte, stieß ich über PUBMED auf die Studie: „Growing old at home - A randomized controlled trial to investigate the effectiveness and cost-effectiveness of preventive home visits to reduce nursing home admissions“, veröffentlicht über biomedcentral.com/1471-2458/8/185.

Diese Studie zum Nutzen von präventiven Hausbesuchen wurde von der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit der Universität Leipzig und der Universität Bremen, unter der Leitung von Professor Behrens, im Raum Halle und Leipzig vom 01.02. 2007 bis zum 31.01.2010 durchgeführt. Sie traf genau mein Interesse, um mich hier in dieser Hausarbeit ausführlich mit der Beurteilung einer quantitativen Studie zu befassen.

Im 2. Kapitel gebe ich hierzu Informationen zum Hintergrund der Studie, bevor im 3. Kapitel die Forschungsfrage näher untersucht wird. Von dort ausgehend soll unter 4 das Design der Studie erläutert werden. Die Ergebnisse der Studie in ihren Aussagen, sowie in ihrer Relevanz und Bedeutung, werden im 5. und 6. Kapitel im Zentrum der Betrachtung stehen. Abschließend erfolgt unter 7 mein Fazit.

2 Erläuterung und Hintergrund zur Studie

Aufgrund der demographischen Entwicklung werden verschiedenste Konzepte zur ambulanten und stationären geriatrischen Versorgung in Deutschland diskutiert. Das Konzept der präventiven Hausbesuche für ältere Menschen zielt unter anderem auf die Reduktion von Pflegeheimaufnahmen und Krankenhausbehandlungen (vgl. Meinck, M. in Günster, C. et al (2012), S. 249 - 258).

International wurden präventive Hausbesuche schon über Jahrzehnte in randomisiert kontrollierten Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen erforscht (vgl. ebd. S. 251). In Deutschland gab es hierzu bisher kaum Studien. Meinck erwähnt hier drei unterschiedliche, jeweils regionale, Studien aus Deutschland: Projekt „mobil“ des DIP (2008), Projekt „Gesund älter werden“ von Theile et al. (2008) und das von mir untersuchte Projekt „Altern zu Hause“, das von Fleischer et al (2008) beschrieben wird.

Nach weiterer Recherche im Internet fand ich auf der Seite des Universitätsklinikums Halle eine kurze Zusammenfassung dieser Studie (http://www.medizin.uni-halle. de/index.php?id=670), das englische Abstract zur Vorab-Veröffentlichung ist im Anhang dieser Arbeit beigelegt.

Der Hintergrund dieser Studie bildet die Feststellung, dass in unserer alternden Gesellschaft zum einen der einzelne Bürger so lange wie möglich von sich aus zuhause leben möchte, und dies zum anderen aber auch gesellschaftlich von Vorteil ist. Hierdurch würden im Vergleich zu einer Versorgung im Pflegeheim für die Sozialversicherungsträger weniger Kosten entstehen (vgl. Fleischer, S. et al (2008), S. 1). Zudem wird allgemein vermutet, dass die Potenziale familiärer Netzwerke abnehmen und der einzelne Mensch sich zunehmend allein versorgen muss bzw. die Hilfe professioneller Dienste benötigt. Der präventive Hausbesuch als Beratung und Informationen, die den älteren Menschen ins Haus gebracht werden, wird als Möglichkeit gesehen, deren Gesundheit zu fördern und die selbstständige Lebensführung so lange und umfangreich wie möglich zu erhalten. Die Schwelle zu ambulanten Hilfsangeboten soll gesenkt und Interventionsmöglichkeiten erhöht werden (vgl. Gebert, A.; Schmid, C. (2009), S. 53).

Präventive Hausbesuche sind meines Erachtens eine ausbaufähige Möglichkeit der Beratung in Form einer Bringstruktur. In unserem Gesundheitssystem ist es überwiegend so, dass sich Betroffene zu einer Einrichtung begeben müssen, um sich dort Rat zu holen. Doch gerade im komplexen Feld der häuslichen Altenpflege scheint eine Beratung und Unterstützungs-Intervention vor Ort von Vorteil. Zentral scheint mir dabei die Frage, neben den notwendigen fachlichen Instrumenten, wer die Intervention durchführt, wie sich die entsprechende Beratungs-Beziehung gestaltet. Diese Frage bekommt in der Studie kein Gewicht. Vielleicht deshalb, weil sie mehr in eine qualitative Forschung fallen würde. Trotzdem wäre dies zu bemängeln, da der Beziehungsaspekt für solch eine Intervention nicht zu vernachlässigen ist. Dieser Punkt lässt für mich die Frage offen, wie realitäts-bezogen die tatsächliche Studien-Intervention und deren Ergebnis einschätzbar ist.

3 Die Fragestellung der Studie

Auf der genannten Internetseite des Universitätsklinikums Halle wurde die Fragestellung wie folgt formuliert: „Können präventive Hausbesuche durch geschultes Personal helfen, den individuellen Hilfs- und Pflegebedarf von über 80-jährigen zu ermitteln, deren Kompetenzen und Ressourcen für eine autonome Lebensführung zu stärken, die Versorgung durch Angehörige zu optimieren, sowie bei Bedarf ambulante Dienstleister zu vermitteln?“

Im umfangreicheren englischsprachigen Studien-Protokoll lässt sich Forschungsfrage auf den ersten Blick nicht eindeutig identifizieren. Aus dem Titel lässt sich schließen, dass von der Annahme ausgegangen wird, präventive Hausbesuche verringern die Anzahl von Pflegeheim-Übersiedelungen. Im weiteren Verlauf des englischen Protokolls findet sich am Ende von Seite 2, unscheinbar im Fließtext, folgende, klärende Formulierung: „Our hypothesis is: Preventive home visits will reduce the incidence of nursing home admissions within the investigated period of 18 months. Furthermore we expect the intervention to be cost-effective. The results can be used as a basis for recommendations on the funding and implementation of preventive home visits in Germany.“

Hiermit ist die Forschungsfrage genannt und gleichzeitig die Erwartung formuliert, dass die Forschungsergebnisse als Basis der Implementierung von präventiven Hausbesuchen in Deutschland dienen können. Damit lässt sich weiter sagen, dass bezüglich der Operationalisierung, die Zahl von Eintritten ins Pflegeheim als die abhängige Variable klar benannt ist. Es wird erwartet, dass sich diese durch präventive Hausbesuche reduziert. Womit sich hierin die unabhängige Variable erkennen lässt. Als weitere abhängige Variable wird dann die wirtschaftliche Effizienz aufgeführt, indem angenommen wird, dass sich durch die Intervention Kosten eingesparen lassen. Wobei sich für diesen Teilaspekt die Operationalisierung aufwendig und schwierig gestalten dürfte.

Durch die Nennung des Zeitraums der Untersuchung ist ein klarer Rahmen gesteckt. Ob und wie sehr sich die Nachhaltigkeit einer Intervention in einem Zeitraum von 18 Monaten messen lässt, könnte man weiter diskutieren.

Die Stichprobe wird in der Hypothese nicht explizit benannt. Entschuldigend kann gesagt werden, dass aus dem Zusammenhang der vorangegangenen Sätze deren Population klar deutlich wird. Die exakten Kriterien der Stichprobe bestimmen, dass nur Menschen über oder gleich 80 untersucht wurden, die zudem körperliche Beeinträchtigungen haben. Dies ist durchaus eine spezielle Gruppe, und ob sie repräsentativ ist bezüglich des Nutzens der geplanten Intervention kann bezweifelt werden. Dies könnte sich gegebenenfalls negativ auf die Relevanz der gesamten Studie auswirken.

Die Falsifizierbarkeit der These ist grundsätzlich gegeben, wobei sie jedoch positiv formuliert ist, so dass die gewünschten Ergebnisse erwartet werden. Hiermit ist die Gefahr gegeben, dass Gegenpositionen bzw. Aspekte übersehen werden. Somit lässt sich sagen, dass die Studienhypothese in H1-Form auf Verifizierbarkeit, nicht auf Falsifizierbarkeit, ausgelegt ist (vgl. König (2013): unveröffentlichte PPT zur 2. Vorlesung, S. 3 und 6).

4 Studiendesign und methodisches Vorgehen

Das Studiendesign ist von zentraler Bedeutung für eine Studie. Zuerst ist zu klären, ob ein qualitative oder eine quantitative Forschung vorliegt bzw. geeignet ist, die Forschungsfrage zu bearbeiten. Je nachdem ergeben sich unterschiedliche Prozess-Verläufe und damit auch ein unterschiedliches Design. Während bei qualitativer Forschung der Prozess zirkulär verläuft, die Ergebnisse durch Sampling zu neuen Ausgangslagen führen und prinzipiell induktiv vorgegangen wird, zeichnet sich quantitative Forschung durch deduktives Vorgehen und einen linearen Prozess-Verlauf aus (vgl. ebd., S. 23 f).

4.1 Das Design der untersuchten Studie

Schon aus dem Studientitel, der wissenschaftlichen Empfehlung entsprechend, wird deutlich, um welche Art von Studie es sich handelt. Es ist eine quantitative Studie des höchsten Standards, experimentell und randomisiert kontrolliert. Zudem wird multizentrisch (Halle und Leipzig) vorgegangen und durch die verschiedenen Messzeitpunkte innerhalb eines zeitlichen Verlaufs, kann man von einer Längsschnittstudie sprechen. Die Studie wurde in ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT00644826 registriert

4.2 Die Randomisierung

Die Randomisierung in Bezug auf die Zuteilung zur Interventionsgruppe oder Kontrollgruppe erfolgt blockweise und stratifiziert nach den Studienzentrum Halle und Leipzig. Die Geheimhaltung der Randomisierungsliste wird nicht weiter erwähnt, außer dass mit der üblichen Sorgfalt vorgegangen wird. Weil zuerst für alle ein Screening durchgeführt wurde und danach die Gruppen randomisiert aufgeteilt wurden, ist für beiden Gruppen die Vergleichbarkeit gewährleistet. Eine Doppel-Verblindung, dass weder der Forscher noch der Klient weiß, wer die zu untersuchende Intervention (in doppelt-verblindeten Studien sind dies oft neu entwickelte Arztneimittelwirkstoffe) erhält und wer nicht, ist hier per se ausgeschlossen. Die Forscher wussten also, wer sich in welcher Gruppe befindet, könnten somit durch ihre Erwartungshaltung Ergebnisse beeinflussen. Die Auswertung und Datenanalyse wird dagegen von einem Statistiker durchgeführt, der nicht in die Durchführung eingebunden ist und die Daten verblindet erhält, ohne zu wissen aus welcher Gruppe sie stammen. An dieser Stelle ist damit Objektivität gewährleistet.

4.3 Die Stichprobe

Die Stichprobe an sich wurde auf drei Wegen rekrutiert, über Hausärzte, über Krankenhäuser und per Post (mit Hilfe der Meldebehörden). Die Teilnehmer mussten zwingend 80 Jahre oder älter sein und Beeinträchtigungen in Bezug auf ihre Alltagsbewältigung mitbringen (Pflegestufe 1 oder vergleichbar). Ausgeschlossen wurden Personen ohne ausreichende Deutschkenntnisse, Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen bzw. ohne Einwilligungsfähigkeit und Personen, deren Pflegebedarf höher als Pflegestufe 1 lag.

Obwohl die Teilnehmer auf verschiedenen Wegen rekrutiert wurden, lässt sich fragen, in wie weit die gefundenen Teilnehmer repräsentativ sind. Es ist davon auszugehen, dass viele der alten Menschen, die freiwillig an der Studie teilnahmen, tendenziell eh aktiver in puncto Selbstsorge und dem Managment ihrer Defizite sind, als andere. Da dies aber in den Forschungsgegenstand fällt, ist dies problematisch. Zudem wurde schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass die Auswahlkriterien an sich, bezogen auf die Intervention selbst, aber auch auf die Repräsentativität der Ergebnisse, problematisch sein könnten.

Zur Berechnung der notwendigen Stichprobengröße wurde, bezüglich der Hauptzielgröße „Heimübersiedelung“, von dem Effekt ausgegangen, dass diese sich innerhalb der Stichprobe von 20% auf 7% bei der Interventionsgruppe verringern sollte. Die Drop-Out- Rate wurde mit 30% veranschlagt, da in dieser Altergruppe von erhöhter Mortalität und Multimorbidität ausgegangen wird. Der Alphafehler wird mit 5%, also mit einer durchschnittlichen Signifikanz einbezogen, β wird auf 20 % geschätzt,. Die Angabe der „Power“ fehlt, sie wird wahrscheinlich wie üblich auf 80% gesetzt. All dies zusammen ergibt laut Studienbeschreibung eine Stichprobengröße N von 320.

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668218666
ISBN (Buch)
9783668218673
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321588
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Schlagworte
beurteilung studie growing hintergründe ergebnisse relevanz

Autor

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