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Reformen im Weltklimarat und globaler Handel mit CO2- Verschmutzungsrechten. Erfolgversprechende Schritte vor dem Hintergrund der Weltumweltordnung?

Hausarbeit 2016 38 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1 Theoretische Grundlagen
1.1 Aufgaben und Ziele des Weltklimarates und der UN-Klimakonferenz
1.2 Aufbau und Funktionsweise des Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten

2 Übertragbare Reformen innerhalb der Weltumweltordnung
2.1 Reformen im Weltklimarat
2.1.1 Vor- und Nachteile übertragbarer Reformen im Weltklimarat
2.1.2 Reformhindernisse im Weltklimarat
2.2 Implementierung eines globalen Handelssystems für CO2-Verschmutzungsrechte am Beispiel des Europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS)
2.2.1 Analyse des Emissionshandelssystems der EU (EU-ETS)
2.2.2 Vor- und Nachteile bei der Implementierung eines globalen Handelssystems für CO2-Verschmutzungsrechte
2.2.3 Widerstände bei der Umsetzung eines globalen Handelssystems für CO2-Verschmutzungsrechte

3 Fazit

Abstract

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es zu analysieren, ob innerhalb der Weltumweltordnung Reformen im Weltklimarat und ein globales Handelssystem für CO2-Verschmutzungsrechte erfolgversprechende Maßnahmen sind. Die Analyse des Weltklimarates nimmt Bezug auf bereits durchgeführte Reformen sowie momentane öffentlich diskutierte interne und externe Kritik. In der Analyse des globalen Handelssystems, wird das Europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) als Analyseobjekt ausgewählt. Es ist gegenwärtig das größte Emissionshandelssystem mit derzeit 31 teilnehmenden Ländern. Die Analyse-Erkenntnisse aus beiden umweltpolitischen Themen werden in Vor- und Nachteile klassifiziert. Das Ergebnis der Analyse des Weltklimarates und eines globalen CO2-Handelssystems spiegelt denkbare und theoretische Umsetzungsmöglichkeiten, aber auch Herausforderungen und Widerstände wider. Um mögliche Lösungen der Widerstände zu bewältigen, werden wissenschaftliche Konzepte wie z.B. das Coase-Theorem oder das Pareto-Optimum herangezogen. Entsprechend der Analyse und der genutzten Konzepte wird auf grundlegende Probleme hingewiesen die abgebaut werden müssen, bevor es zu Veränderungen innerhalb der Weltumweltordnung kommen kann. Die Ausarbeitung und Interpretation der Grundprobleme wird als erforderlich und zielführend betrachtet, sodass Reformen im IPCC und ein globales CO2-Handelssystem entscheidungsrelevante und erfolgversprechende Schritte sein können. Der zukünftige Ausblick beinhaltet mögliche Entscheidungsformen innerhalb der Weltumweltordnung die den erzielten Konsens beim Weltklimagipfel in Paris befürworten. Um ein umfassenderes Verständnis von dem Sachverhalt zu erlangen, wurde die hermeneutische Forschungsmethode gewählt. Die hinzugezogene Fachliteratur konnte Kenntnisse, Schlussfolgerungen, Entscheidungsmöglichkeiten und Gegendarstellungen zur Verfügung stellen.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1.1: Organisationstruktur des IPCC

Abb. 1.2 Die Luft wird schlechter

Abb. 1.3 Ablauf des Emissionshandels

Abb. 2.1 Weltweit operierende, sowie geplante und angedachte ETS

Abb. 2.2: Fünf-Jahres-Chart CO2-Emissionsrechte in EUR

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Im Dezember 2015 erzielte der Weltklimagipfel in Paris erstmals seit Jahren einen Durchbruch. Die Weltgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, und ab dem Jahr 2050 sollen keinerlei Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Das sind ambitionierte Ziele, die von allen Teilnehmern der Weltumweltordnung Reformen und Veränderungen erfordern. Ein beteiligtes Gremium ist der Weltklimarat (im folgenden IPCC - Intergouvernemental Panel on Climate Change), der wissenschaftliche Daten und Informationen zum Klimawandel liefert. Ein weiterer Bestandteil der Umweltordnung ist der Handel mit CO2-Emissionen, das mit dem Kyoto-Protokoll als marktwirtschaftliches Umweltinstrument geschaffen wurde. Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit Reformen im Weltklimarat und ob ein globales Handelssystem für Verschmutzungsrechte vorstellbare Maßnahmen sind, um den erzielten Konsens der Weltgemeinschaft beim Pariser-Klimagipfel in seiner Umsetzung zu fördern.

Folglich werden der Weltklimarat und dessen Reformen der letzten Jahre analysiert. Anschließend wird ein Bezug zu ergänzenden Reformmöglichkeiten hergestellt. Im weiteren Verlauf dient der Markt handelbarer CO2-Verschmutzungsrechte als Vergleich. Das EU-ETS dient dabei als Analyseobjekt. In diesem Zusammenhang wird in den theoretischen Grundlagen auf das Kyoto-Protokoll und die UN-Klimakonferenz eingegangen sowie auf den Weltklimarat und den aktuellen Handel mit CO2-Emissionsrechten. In der weiteren Abfolge der Hausarbeit werden die Reformen des Weltklimarates und die Implementierung eines globalen CO2-Handelsystem analytisch vorbereitet, um die Vor- sowie Nachteile zu interpretieren. Anhand dieser Interpretationen wird auf mögliche Reformhindernisse im Weltklimarat sowie Widerstände bei der Umsetzung eines globalen CO2-Handelssystems eingegangen. Innerhalb des Fazits wird auf die ausgeführte Analyse eingegangen und Bezug zur Fragestellung hergestellt.

1 Theoretische Grundlagen

Im Fokus des Kapitels steht die theoretische Betrachtung des Weltklimarates und der UN-Klimakonferenz (1.1) sowie die Funktionsweise des Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten (1.2).

1.1 Aufgaben und Ziele des Weltklimarates und der UN-Klimakonferenz

Laut Grotelüschen ist der IPCC „ein einzigartiges Expertengremium, das den Stand der Klimaforschung aus wissenschaftlicher Sicht bewertet, die Auswirkungen des Klimawandels (KW) abschätzt und Handelsperspektiven aufzeigt.“[1] Die Gründung des IPCC erfolgte durch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) im Jahr 1988.[2] Stand heute sind aktuell 195 Staaten aktive Mitglieder im IPCC. Innerhalb der Organisation besteht der IPCC aus einem Vorstand, der mit 31 Klimaexperten besetzt ist, einem Exekutiv-Komitee, welches die Beschlüsse innerhalb der Vollversammlung umsetzt sowie dem Kernstück von drei Arbeitsgruppen und aus einer Projektgruppe zu nationalen Treibhausgasinventaren.[3] Die folgende Abb. zeigt die formulierte IPCC Organisationsstruktur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1.1: Organisationstruktur des IPCC[4]

Die IPCC Vollversammlung ist das Entscheidungsgremium des IPCC und hat die Aufgabe darüber zu entscheiden, wann und in welchem Turnus (ca. alle 6 Jahre) Sachstandsberichte erscheinen. Der fünfte und letzte Sachstandsbericht ist im Jahr 2014 von der IPCC Vollversammlung verabschiedet worden. Die Sachstandsberichte des IPCC sind das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit, Zusammenführung von Forschungsergebnissen und Erhebungen von Klimaexperten sowie dem Involvieren von externen, wissenschaftlichen Mitwirkenden, Fachleuten und Gutachtern.[5] Diese Sachstandsberichte werden in zwei unterschiedlichen Begutachtungsphasen von freiwilligen wissenschaftlichen und regierungsverantwortlichen Experten geprüft, die Verbesserungsvorschläge an die Autoren zurück geben.[6]

Der IPCC bildet mit seinen Sachstandsberichten die Grundlage für umweltpolitische Entscheidungen zur Bekämpfung des KW auf nationaler sowie auf internationaler Ebene.

Die UN-Klimakonferenz ist die wichtigste Zusammenkunft auf internationaler und politischer Ebene, um grenzüberschreitend die globalen Umweltprobleme zu diskutieren.[7] Die erste UN-Klimakonferenz fand in Berlin 1995 statt. Dort ist die Ausarbeitung eines verbindlichen, völkerrechtlichen Protokolls zum Kampf gegen den KW bis zur dritten Vertragsstaaten-Konferenz in Kyoto/Japan (1997) vereinbart worden.[8] Die Vereinbarung ist in Form des Kyoto-Protokolls (KP) während der dritten UN-Klimakonferenz in Kyoto erreicht und verabschiedet worden. Das ausgegebene Kyoto-Ziel war die jährlich entstehenden weltweiten Emissionen im Zeitraum von 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5% im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken.[9]

Das KP enthielt erstmals eine rechtsverbindliche und verpflichtende CO2-Ausstoß Obergrenze für die Industrieländer. Das KP gilt als ratifiziert, wenn es mindestens 55 Staaten unterzeichnen. Jedoch muss die Gesamtheit der 55 Staaten mindestens 55% der CO2-Emissionen im Jahr 1990 verursacht haben.[10] Um die festgeschriebenen Kyoto-Ziele kosteneffizient zu realisieren, während nachhaltiges Wirtschaften gleichzeitig gefördert wird, sieht das KP drei flexible Mechanismen vor: Den Handel mit Emissionsrechten, die projektbezogenen Mechanismen Joint Implementation (JI) und die Clean Development Mechanismen (CDM).[11]

Eine der größten Herausforderungen war die Ratifizierung des KPs. Die Realisierung des KP ist dann erfolgreich, wenn nicht nur kleine und mittelgroße Nationen zustimmen, sondern auch die großen Industrienationen wie z.B. die USA oder Großbritannien. Das KP ist am 16.2.2005 in Kraft getreten, da 2004 Russland als drittgrößter CO2-Emittent der Ratifizierung des KPs zustimmte.[12] Auf der UN-Klimakonferenz in Doha 2012 ist entschieden worden, das KP bis zum Jahr 2020 (Kyoto II) zu verlängern und somit direkt an das erste KP (Kyoto I) anzuschließen. Ebenso wie die Formulierung des Ziels ein internationales Klimaabkommen, welches weltweit von allen Staaten eingehalten werden soll, bis 2015 zu verabschieden.[13] Das internationale Klimaabkommen ist am 12.12.2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris beschlossen worden. Es nimmt alle teilnehmenden Länder in die Verantwortung, die globale Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und ab 2050 keine weiteren CO2-Emissionen in die Erdatmosphäre auszustoßen.[14] Das bedeutet, dass die Nutzung von regenerativen Energien (Windkraft, Solarenergie) und neue klimarelevante Innovationen die fossilen Energien (Kohle, Erdöl) ablösen sollen.

Die UN-Klimakonferenzen trugen in ihrer über zwanzigjährigen Geschichte dazu bei, dass die Weltgemeinschaft den KW nicht verneint, sondern ihm aktiv und mit klaren Bekenntnissen entgegentreten möchte. Doch bereits Ende 2012 war abzusehen, dass das ambitionierte Ziel 2050 keine weiteren CO2-Emmissionen auszustoßen sich schwierig gestaltet, wie die folgende Abb.1.2. vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1.2Die Luft wird schlechter[15]

1.2 Aufbau und Funktionsweise des Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten

Der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten ist ein wiederkehrendes Thema der aktuellen Tagespresse. Über den Ausstoß von CO2-Emissionen, Kauf oder Verkauf von CO2-Verschmutzungsrechten von Unternehmen, Staaten oder Staatengemeinschaften wie z.B. innerhalb der EU-Gemeinschaft wird berichtet, debattiert oder in den vorgesehenen Gremien entschieden. Innerhalb der Politik gibt es Regierungen, die den Umweltschutz für sich als verbindliches Kernziel festgelegt haben. Ebenso weisen Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Wissenschaftler durch unterschiedliche Veranstaltungen und Veröffentlichungen auf den CO2-Ausstoß und die daraus resultierenden Klimaschäden hin. Der CO2-Ausstoß ist ein weltweites Problem, mit dem sich wie, im Kap. 1.1 beschrieben, vorrangig der IPCC und die UN-Klimakonferenzen beschäftigen.

Bereits in den sechziger Jahren befassten sich Crocker (1966) und Dales (1968) mit der Etablierung eines Handelssystems mit Verschmutzungsrechten.[16] Dales vertritt den Ansatz den Markt für einen Handel mit Verschmutzungsrechten zu institutionalisieren, in dem der Staat eine Obergrenze von Verschmutzung festlegt.[17] Dieses umweltpolitische Instrument von handelbaren Verschmutzungsrechten wird als das garantierte Recht verstanden, in einem festgelegten Zeitraum, eine festgelegte Menge an Schadstoffen, insbesondere Kohlenstoffdioxid, zu emittieren.[18] Laut Schneider darf ein Emittent „ Verschmutzungsrechte kaufen oder, wenn er Verschmutzungsrechte besitzt, eine beliebige Menge davon verkaufen; er muss jedoch gewährleisten, dass die im Rahmen einer Berichtsperiode getätigten Emissionen durch Verschmutzungsrechte gedeckt sind.“[19] Die folgende Abb. 1.3 verdeutlicht den Ablauf des Emissionshandels.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1.3Ablauf des Emissionshandels[21]

Durch den Emissionshandel entsteht ein Handelsmarkt von CO2-Emissionsrechten, in dem das Angebot und die Nachfrage den Preis regeln. Aus unternehmerischer Perspektive bedeutet es zusätzliche Kosten bei erhöhten CO2-Emissionen. Damit soll ein Anreiz erfolgen, als Unternehmen, in klimafreundliche Techniken zu investieren anstatt CO2-Zertifikate zu erwerben und damit die Kosten zu steigern. Das gleiche Prinzip des Emissionshandels, welches auf unternehmerischer Basis in der Abb. 1.3. dargestellt ist, kann auf die internationale Ebene nach dem „ System der Mengenbegrenzung und des Handels (Cap und Trade)“[22] übertragen werden.

Der Emissionsmarkt kann von den Handelspartnern dazu genutzt werden, mit den benötigten oder zu veräußernden Emissionszertifikaten zu handeln. Daraus resultiert eine Verschiebung von CO2-Emissionen auf internationaler Ebene untereinander, was einem globalen Handelssystem nahekommt. Der Grundgedanke des KP wird dadurch nicht beeinträchtigt, denn die zugelassene Gesamtmenge an ausgestoßenen Emissionen der Handelspartner bleibt in der Folge gleich, wodurch der Handelsmechanismus den Klimaschutzeffekt sichert.[23]

[...]


[1] Grotelüschen, 2013, S. 2.

[2] Vgl. Grotelüschen, 2013, S. 7.

[3] Vgl. ebd.

[4] Grotelüschen, 2013, S. 7.

[5] Vgl. Grotelüschen, 2013, S. 3.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. Gabler, 2016a.

[8] Vgl. Aachener Stiftung Beys, 2016.

[9] Vgl. Eurostat, 2016.

[10] Vgl. Aachener Stiftung Beys, 2016.

[11] Vgl. Zenke/Fuhr, 2006 S. 10/11.

[12] vgl. Aachener Stiftung Beys, 2016.

[13] vgl. Aachener Stiftung Beys, 2016.

[14] vgl. Bundesministerium für Umwelt, 2015b, Nr. 344/15.

[15] Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V., 2012.

[16] Vgl. Schneider, 2013 S. 27.

[17] Vgl. Frowein, 1976 S. 18.

[18] Vgl. Schneider, 2013 S. 29.

[19] Ebd.

[20] Klett Verlag GmbH, 2012.

[21] Klett Verlag GmbH, 2012.

[22] Zenke/Fuhr, 2006 S. 11.

[23] Vgl. Zenke/Fuhr, 2006 S. 11.

Details

Seiten
38
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668210158
ISBN (Buch)
9783668210165
Dateigröße
982 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321396
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg – Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,9
Schlagworte
reformen weltklimarat handel co2- verschmutzungsrechten erfolgversprechende schritte hintergrund weltumweltordnung

Autor

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