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Ehrenamtliches Engagement im Sportverein. Befindet sich das Ehrenamt in einer Krise?

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung der Begriffe: Freiwilligenarbeit, bürgerschaftliches Engagement , Ehrenamt

3. Motive für das ehrenamtliche Engagement
3.1 Nutzen- Kosten- Überlegungen eines Ehrenamtlichen

4. Vor- und Nachteile ehrenamtlicher Leistungserstellung

5. Wandel und Krise des Ehrenamtes

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Über die Bedeutung und Leistung ehrenamtlicher Mitarbeiter äußerten sich in der Vergangenheit bereits namhafte Politiker. So war es Helmut Schmidt der in seinem Grußwort zum Bundestag des DSB in Düsseldorf 1982, der unter dem Thema „ Das Ehrenamt im Sport“ stand, das freie Engagement im Sport für eine wichtige Kraftquelle unserer Gesellschaftsordnung hält. Auch für Altkanzler Helmut Kohl ist „die freie Entfaltung der Bürger nur möglich, wenn viele Bürger ehrenamtliche Aufgaben übernehmen“.

Heutzutage engagieren sich etwa ein Drittel der Bundesbürger ehrenamtlich (vgl. Rosenbladt, 2000). Genauer gesagt sind 23 Millionen Menschen über 14 Jahre ehrenamtlich in Vereinen, Verbänden, Initiativen oder Kirchen tätig. Man bedenke, dass Organisationen wie die Freiwilligen Feuerwehren ausschließlich ehrenamtliche Mitglieder haben. Auch der Katastrophenschutz der Bundesrepublik wird hauptsächlich von ehrenamtlichen Arbeitern geleistet. Desweiteren können Dienste wie: der Natur- und Umweltschutz, Bewährungshilfe, Telefonseelsorge, Caritas und Diakonie, Hilfsorganisationen, Hausaufgabenhilfe, Behinderteneinrichtungen etc. dazu gezählt werden. Demnach könnten viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens ohne Ehrenamtliche gar nicht existieren. In den letzten Jahren wurde des Öfteren über eine Krise des Ehrenamtes berichtet, was mich dazu veranlasst hat, die Situation des freiwilligen Engagements in Sportvereinen wissenschaftlich zu untersuchen. Was motiviert Menschen überhaupt dazu ehrenamtlich tätig zu sein und was sind die Vor- und Nachtteile eines solchen Engagements? Wie groß ist letztlich der Einfluss der Gesellschaft auf das Ehrenamt, oder trägt einzig und allein der Sport die Verantwortung für diesen Bereich? Zurzeit engagieren sich noch 4,4 Millionen Deutsche ehrenamtlich in Sportvereinen. Doch wie schaut die Entwicklung in den nächsten Jahren aus? Inwiefern müssen sich Sportvereine neu strukturieren, um einen weiteren Verfall des Ehrenamtes zu regulieren? Die vorliegende Arbeit versucht einige dieser Fragen zu beantworten und zieht darüber hinaus ein Fazit, in dem noch einmal die Kernaussagen diskutiert werden sollen.

2. Einordnung der Begriffe: Freiwilligenarbeit, bürgerschaftliches Engagement , Ehrenamt

Allgemein betrachtet handelt es sich bei dem Begriff des Ehrenamtes um eine freiwillige, meist unentgeltliche Ausübung eines öffentlichen Amtes. Demnach herrscht darüber Einigkeit was ehrenamtliche Arbeit nicht ist: bezahlte Berufsausübung (vgl. Dierkes 1989, 10). So konkurrieren seit den 1990er Jahren eine Vielzahl von Begriffen, wie etwa „ Ehrenamt“, „Freiwilligenarbeit“, „bürgerliches Engagement“ oder „ sozialgesellschaftliches Engagement“ um eine einheitliche Definition. Im Folgenden soll besonders auf die vielfältigen Ausprägungen und Dimensionen der Freiwilligenarbeit eingegangen werden. Heinemann/Schubert (1992, 14) definieren das Wort „Freiwilligenarbeit“ als freiwillige, unentgeltliche Erstellung von Leistungen für und in freiwilligen Vereinigungen.

- „freiwillig“ bedeutet, die Mitarbeit wird nicht aufgrund eines ökonomischen, physischen oder rechtlichen Zwang erbracht
- „unentgeltlich“ heißt, die Freiwilligenarbeit basiert nicht auf vertraglich vereinbarten, monetären Gegenleistungen.
- „Erstellung von Leistungen“ beinhaltet, dass freiwillige Arbeit a) produktiv ist, d.h. eine Wertschöpfung darstellt, welche jedoch nicht in das BSP eingeht, da diese nicht über den Markt bereitgestellt bzw. bewertet wird und b) außerhalb von privaten Haushalten erzeugt wird und c) nicht in sich selbst, sondern wegen des Nutzens, den sie vermittelt , wertvoll ist und daher auch von dritten erzeugt, also die Leistungen auch über den Markt bezogen werden können
- „Für und in Organisationen“ heißt, diese Form der Arbeit bezieht sich auf die Ziele und Zwecke der Vereinigung bzw. jene öffentliche Funktion erfüllt, welcher sich die Organisation widmet.

Die freiwillige Tätigkeit kennzeichnet sich durch verschiedene Formen. Anders als im alltäglichen Sprachgebrauch, wonach man unter dem Begriff „Ehrenamt“ zumeist alle gängigen Formen der Freiwilligenarbeit dazuzählt, verwendet man im (Sport-)wissenschaftlichen Sprach- bzw. Begriffsgebrauch unterschiedliche Differenzierungen der verschiedenen Formen.

In den Ausführungen von Heinemann/Schubert (1992, 15-16) werden die Ausprägungsformen nach vier Kriterien differenziert (vgl. Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Quelle: nach Heinemann/Schubert

Das erste der vier Kriterien bezeichnen Sie als „Grad der Institutionalisierung“. Hierbei unterscheidet man zwischen formeller und informeller Freiwilligenarbeit. Während der Begriff der informellen Freiwilligenarbeit jegliche Form der unbezahlten Mithilfe und Unterstützung mit einschließt, die sowohl von Mitgliedern als auch von Dritten (z.B. von Eltern oder anderen Familienangehörigen) erbracht werden, ist die informelle Freiwilligenarbeit an eine feste, dauerhafte Position mit einer möglichen Aufgabenübertragung gebunden. Diese Form der Institutionalisierung wird in der Regel durch Wahlen herbeigeführt und seltener durch Delegation, Berufung oder Ernennung und kann somit als ehrenamtliche Tätigkeit bezeichnet werden.

Abhängig vom Grad der Institutionalisierung unterscheiden sich letztendlich die Motive der Übernahme, der Charakter der Tätigkeit, die Kompetenzen und der jeweilige in Betracht kommende Personenkreis.

Als zweites unterscheiden Heinemann und Schubert nach kollektiver oder individueller Leistungserstellung. Damit weisen sie darauf hin, dass eine Leistung individuell erbracht werden kann oder gemeinsam im Kollektiv, durch das Zusammenwirken aller bzw. eines größeren Teils der Vereinsmitglieder.

Ein weiterer Differenzierungsgrad ist der Verpflichtungscharakter der Arbeit. Trotz der Freiwilligkeit eines Ehrenamtes, kann es sein das Mitgliedschaftsverpflichtungen existieren( z.B. Platzpflege, Clubhausdienst etc.), denen man nachkommen muss, will man Sanktionen vermeiden. Als vierten und letzten Punkt unterscheiden Heinemann/ Schubert die institutionelle Einbindung der Mitarbeiter. Demnach besteht ein Unterschied in der Leistung von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern. Nur anhand dieser vielfältigen Ausprägungen lässt sich nach Meinung von Heinemann/ Schubert (1992, 16) der gesamte Umfang, welche dem Verein als Unterstützung zu Gute kommt, beurteilen.

3. Motive für das ehrenamtliche Engagement

Was genau motiviert Menschen, einen großen Teil ihrer Freizeit zu opfern, um ehrenamtlich tätig zu sein? Im Folgenden wird darauf eingegangen, dass ein ehrenamtliches Engagement durch eine Vielzahl verschiedener Motive bedingt ist und eine primäre Motivation meist nicht bestimmt werden kann. Meist ist es eine Kombination aus Altruismus und Egoismus, welches Leute animiert ehrenamtlich zu arbeiten.

3.1 Nutzen- Kosten- Überlegungen eines Ehrenamtlichen

Laut Badelt (1985) existieren drei unterschiedliche Nutzenüberlegungen, die für die Übernahme eines ehrenamtlichen Engagements sprechen.

a) So handelt es sich bei der ersten Überlegung um eine Form des Altruismus. Demnach ist es für den Einzelnen eine persönliche Befriedigung, wenn er anderen hilft bzw. mit seiner Arbeit dem Wohl des Vereins dient. So erhöht das Wohlergehen der Anderen auch das eigene Wohl und ist demzufolge auch für ihn selbst nützlich. Viele Wissenschaftler sprechen im Zusammenhang mit dem Wort „Altruismus“ von einem Spender und einem Empfänger. Der Nutzen, der dem Spender durch das durch sein Handeln bewirkte Wohlergehen bei Dritten entsteht, kann zwischen 1 und 0 liegen (MARGOLIS, 1982, 36). Genauer gesagt bedeutet das, dass bei 1 der Nutzen für Spender und Empfänger gleich groß sein wird. Im zweiten Fall entsteht nur beim Empfänger ein Nutzen. Aus diesem Grund kann man sagen, dass in allen Fällen, bei dem der Wert kleiner ist als 1, der Spender sich besser stellt. Vorausgesetzt er berücksichtigt nicht die Wirkungen seines Handelns auf andere. Konkret spricht man im ersten Fall von einem rationalen Altruisten und im zweiten von einem Idealisten.

Verschiedene Untersuchungen über die motivationale Bedeutung von Altruismus in Bezug auf eine ehrenamtliche Tätigkeit kamen zu verschiedenen Ergebnissen. Zum Beispiel spielt die Größe eines Vereins eine entscheidende Rolle bei der Übernahme eines Ehrenamtes. Folglich wird die Bereitschaft zu einer ehrenamtlichen Mitarbeit größer sein, wenn sie in kleineren Vereinen mit hohem Bekanntheitsgrad und großer Engagementbereitschaft aller Mitglieder gefordert wird. Der Einzelne ist direkt mit allen Mitgliedern in Kontakt und kann zu jeder Zeit den Erfolg seines Handelns bei Dritten feststellen und nachvollziehen.

b) Von selbstwertorientierter ehrenamtlicher Tätigkeit spricht man, wenn nicht wie zuvor der Nutzen einer Tätigkeit aus Wirkungen gewonnen wird, sondern sich eine Befriedigung aus der Tätigkeit selbst heraus ergibt. Unabhängig von der Bezahlung der Arbeit, bewertet die handelnde Person die Sinnhaftigkeit seiner Aufgabe nach der psychischen Befriedigung (psychic income). Der Nutzen einer solchen Tätigkeit kann damit erlebt werden, dass

- Anerkennung, Achtung, Prestige und Dank bei den Mitgliedern der Organisation erworben werden
- die Arbeit an sich als Zufriedenheit empfunden wird, sprich wenn man Gefallen findet am Leiten von Sitzungen oder die Identifikation mit dem Reglement der Vereinigung als besonders hoch einschätzt

Solche Formen des Nutzens können vor allem dann erwartet werden, wenn eine ehrenamtliche Tätigkeit als Ausgleich für Enttäuschungen und mangelnde Karrierechancen im Beruf, aber auch für ungenügende Anerkennung und hohe Unzufriedenheit in der Familie, also aus kompensatorischen Erwägungen, angestrebt wird (Heinemann/Horch 1981, 147).

c) Die dritte und letzte Begründung ehrenamtlich tätig zu werden, wird von der Erwartung bestimmt, für seine Leistungen entlohnt zu werden. Es wird demnach vom Spender eine Gegenleistung vom Leistungsempfänger erwartet. Ehrenamtliche Tätigkeit ist in diesem Fall tauschorientiert ( Kurz 1977, Posner 1980). Beispielsweise erwartet der Spender, dass er die Möglichkeit zur Mitbestimmung in Bezug auf das Sporttreiben und darüber hinaus seine eigenen Vorstellungen durchsetzen kann. Oder man erwartet von der Organisation, dass man gegenüber anderen bessere Zugriffsmöglichkeiten auf Ressourcen des Vereins besitzt. Auch materielle Vorteile, wie etwa Reisen, Einladungen, Aufwandsentschädigungen, Sonderbeiträgen etc. können an die übernommene Aufgabe geknüpfte Vorstellungen sein.

Diese drei Formen (Altruismus, Selbstwertorientierung und Tauschorientierung) stellen Bedingungen dar, an denen sich der Verein orientieren bzw. eingehen muss, wenn er ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen möchte.

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Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668206038
ISBN (Buch)
9783668206045
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321323
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Sportmanagement Sportökonomie Sportorganisation Sportwissenschaften Ehrenamt Sportverein Engagement

Autor

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