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Die Reformationspolitik Philipp des Großmütigen von Hessen. Der Landgraf als Bewahrer des Friedens bei den Protestanten

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

1) Einleitung..

2) Philipp und sein Mitwirken zur Reformation in Hessen
2.1) Die politische Persönlichkeit Landgraf Philipps von Hessen
2.2) Geographische und politische Ausgangslage im 15. Und 16. Jahrhundert
2.3) Reformatorische Landespolitik..
2.4) Reformatorische Außenpolitik

3) Fazit

4) Literaturverzeichnis

1) Einleitung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Reformations- und Konfessionspolitik des Landgrafen Philipp von Hessen. Der Fokus des ersten Teils meiner Arbeit (Kap. 2.3) liegt auf der Frage, inwieweit es Philipp schaffte die Reformation in Hessen zu etablieren und zu einem gefestigten, geschlossenen Komplex zu formen. Im zweiten Abschnitt (Kap. 2.4) wird in dieser Arbeit untersucht werden, wie es Philipp schaffte Frieden zwischen den evangelischen Lagern zu schaffen und die Reformation im Reich vor dem kaiserlichen Einfluss zu verteidigen. Ich werde mich im Folgenden zeitlich auf die Regierungszeit Philipps bis zur Niederlage des Schmalkaldischen Bundes beschränken.

Das heutige Bild Hessens zum Reformationszeitalter ist hauptsächlich von Christoph Rommel geprägt. Der hessische Historiker schuf im 19. Jahrhundert eine, bis heute in ihrer Quellennähe, unübertroffene Darstellung des Landesstaates. Obwohl eine ausführliche Biographie Philipps und eine zusammenfassende Monographie bisher fehlen, widmeten sich zahlreiche Historiker der reformatorischen Politik des hessischen Landfürsten. Besonders das Philipp-Jahr, der 500. Geburtstag des Landesherrn, schlug sich in einer ausführlichen Bibliographie in Form von Sammelbänden und Ausstellungskatalogen nieder. Ursula Braasch-Schwersmann, Hans Schneider und Wilhelm Ernst Winterhagen veröffentlichten mit dem Sammelband „Landgraf Philipp der Großmütige 1504-1567. Hessen im Zentrum der Reform“ eine umfassende Sammlung wissenschaftlicher Schriften. Norbert Stienczka vereinte in seinem 2005 erschienenen Band „ Mit dem Glauben Staat machen“ eine Auswahl Eröffnungsreden und wissenschaftlicher Vorträge. 1 Neben Sammelbänden, Vorträgen und Ausstellungen, wie z.B. der Wanderausstellung „Mit dem Glauben Staat machen“ existieren eine Vielzahl wissenschaftlicher Aufsätze, die auch jenseits des Philipps-Jahres veröffentlicht wurden. So widmen sich in ihren Aufsätzen u.a. Walter Heinemeyer 1997 und Gabriele Haug- Moritz 1996 der Reformationspolitik Philipps in Hessen.

Um die philippinische Reformations- und Konfessionspolitik hinreichend erläutern zu können, werde ich zunächst die politische Persönlichkeit Philipps skizzieren. In der Wissenschaft gehen die Meinungen über den Landgrafen auseinander. So argumentieren Kritiker mit seinem fatalen Fehler der Doppelehe, welcher nicht nur ihm persönlich, sondern auch Hessen und den Verbündeten Städten innerhalb des Schmalkaldischen Bundes, immens schadete. 2 Demgegenüber verdeutlichen viele Historiker die beeindruckenden politischen Erfolge Philipps als Anführer der Reformation in Hessen und der evangelischen Stände im Reich. Laut Volker Press ist keiner mit der Reformation und der evangelischen Bewegung so eng verbunden, wie Philipp der Großmütige von Hessen. 3 Neben seiner Persönlichkeit bildete auch die Ausgangslage Hessens vor dem Amtsantritt Philipps 1518 eine wichtige Voraussetzung, um den Verlauf der Reformation in Hessen ausreichend explizieren zu können. Die verbesserte politische und geographische Ausgangslage Hessens im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert waren wichtige Grundlagen für die erfolgreiche reformatorische Innen- und Außenpolitik des Landgrafen. Mit der hessischen Reformationspolitik war Hessen ein wichtiges Beispiel für einen evangelischen Landesstaat geworden. Ich werde mich daher im Kapitel 2.3 der reformatorischen Landespolitik des Landgrafen widmen. Neben der hessischen Innenpolitik waren nicht zuletzt die erfolgreiche Reichs- und Unionspolitik des Landgrafen wichtige Grundlagen für den Frieden innerhalb der Protestanten. In Kapitel 2.4 werde ich zum einen den Anteil Philipps am innerkonfessionellen Frieden, zum anderen die Verteidigung des evangelischen Glaubens gegenüber der habsburgischen Reichspolitik erörtern. Philipps Bemühungen, den evangelischen Glauben nach außen hin zu verteidigen, standen in engem Zusammenhang mit seiner Vermittlungspolitik zwischen den Anhängern Luthers und Zwinglis. Er vertrat hierbei stets eine neutrale dogmatische Position. Im Fazit werde ich die Erkenntnisse meiner Arbeit zusammenfassen und ausgehend von den vorigen Kapiteln die Leitfragen beantworten.

2) Philipp und sein Mitwirken zur Reformation in Hessen

2.1) Die politische Persönlichkeit Landgraf Philipps von Hessen

Philipp wurde 1504 in Marburg geboren. Er erlebte eine Reihe von Adelsaufständen gegen das Regiment seiner Mutter, einem politisches Mächteringen, welches sich auch in den Anfängen seiner Regierungszeit niederschlug und seine Persönlichkeit langfristig prägen sollte. Unter dem Druck des hessischen Adels ließ ihn seine Mutter 1518 für mündig erklären und noch im selben Jahr begann seine Regierungszeit. 4

Philipps Politik war maßgeblich von seinem Glauben geprägt. Nach seiner Begegnung mit Melanchthon 1524 in Worms, nahm er selbst den evangelischen Glauben an und ließ noch im selben Jahr die evangelische Lehre in Hessen predigen. Er verstand es wie kaum ein Anderer religiöse und politische Ziele aufs Engste miteinander zu verknüpfen und in größeren Komplexen zu denken. 5 Manfred Rudersdorf beschreibt ihn als den selbstständigsten evangelischen Territorialfürsten seiner Zeit und politischen Vorkämpfer der evangelischen Konfession im Reich. 6 Glanz und Demütigung, Sieg und Niederlage liegen in der Biographie Philipps jedoch eng beieinander. So war er zwar erfolgreicher Reformationsfürst und Reichspolitiker, manövrierte sich jedoch 1540 in eine Doppelehe mit dem Hoffräulein Margarethe, was ihm nicht nur persönlich schadete, sondern auch seinem Ansehen unter den evangelischen Landesständen. Das dunkelste Kapitel seiner politischen Karriere war sicherlich die Niederlage im Schmalkaldischen Krieg und die anschließende 5-jährige Gefangenschaft, die seine Konfessionspolitik in den Folgejahren entscheidend geprägt hat. Er agierte fortan eher im Hintergrund, beratend und deutlich passiver als noch vor der Niederlage des Bundes und seiner Festnahme 1547. 7 Seinen Beinahmen „der Großmütige“ verdankt Philipp seiner Sorge um das Wohl seiner Untertanen und seiner Fürsorge für die Armen und Bedürftigen, die sich in dem Ausbau von Schulen, dem Bau von Hospitälern und der Einrichtung der Armenkasse niederschlugen. Ausdruck seiner großmütigen Persönlichkeit war neben seinen hessischen Bemühungen auch seine Offenheit im evangelischen dogmatischen Diskurs und seine Vermittlungsfähigkeit innerhalb des Reiches. 8

2.2) Geographische und politische Ausgangslage im 15. Und 16. Jahrhundert

Der Grund für die herausragende politische und geographische Position Hessens im Reformationszeitalter war besonders dem Abwehren des Mainzer Einflusses im 15. Jahrhundert zu verdanken. Nach dem Aussterben der Landgrafen von Thüringen in männlicher Linie, war Hessen geprägt von einer ständigen Konfrontation mit dem benachbarten Kurmainz. Große Teile Hessens wurden von der Erzdiözese Mainz betreut, nur wenige Gebiete fielen unter den Einfluss anderer Diözesen. Durch die erfolgreiche Schlacht bei Großenenglis 1427 und innere Auseinandersetzungen zwischen den Erzbischöfen, gelang es Hessen dem jahrhundertelangen Einfluss der Mainzer zu entgehen. 9 Wichtige territoriale und politische Maßnahme waren die Heiratsbündnisse mit der Katzenelnbogischen Grafschaft. 10 Heinrich III. nahm 1548 Anna von Katzenelnbogen zur Frau und sicherte Hessen somit das Erbe der reichen und strategisch wichtigen Grafschaft. 1479 ging das wertvolle Erbe der Landgrafschaft in hessischen Besitz über. Neben den materiellen Besitzungen vergrößerte sich vor allem der politische Machteinfluss Hessens Richtung Süden, bis an die Grenzen der Hauptstadt des Mainzer Kurstaates. 11 Ein ebenfalls wichtiger Einschnitt war die Ziegenhainer Erbschaft. Als 1550 der letzte Ziegenhainer starb, wurde es durch einen Erbvertrag von 1537 zu Hessen angehörig. Die strategisch wichtige Grafschaft schloss die Lücke zwischen Ober- und Niederhessen. 12 Die einheitliche Zentralverwaltung unter Landgraf Ludwig und Wilhelm II. ebneten Philipp den Weg seiner Territorial-und Konsolidierungspolitik in Hessen, deren oberstes Ziel die Organisation eines evangelischen Landesstaates war.

[...]


1 Gury Schneider - Ludorff, Philipp von Hessen im Zentrum der Reformation - Erträge des Philipps - Jahres, in: Jahrbuch der hessischen kirchengeschichtlichen Vereinigung, 56 (2005), 89ff.

2 Vgl. Volker Press, Landgraf Philipp von Hessen, in: Klaus Scholder / Dieter Kleinmann (Hrsg.), Protestantische Profile, Königstein 1983, 76

3 Vgl. ebenda, 60

4 Vgl. Walter Heinemeyer, Das Zeitalter der Reformation, in: Walter Heinemeyer (Hrsg.), Das Werden Hessens, Marburg 1986, 230

5 Vgl. Volker Press 1983, 61ff.

6 Vgl. Manfred Rudersdorf, Der Augsburger Religionsfrieden und die Reichsstände Hessen, Württemberg, Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach/Bayreuth, in: Heinz Schilling (Hrsg.), Der Augsburger Religionsfrieden 1555. Wissenschaftliches Symposium aus Anlaß des 450. Jahrestages des Friedenschlusses. Augsburg 21. Bis 25. September 2005, Gütersloh 2007, 274

7 Vgl. Manfred Rudersdorf, Hessen, in: Anton Schindling / Walter Ziegler (Hrsg.), Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500-1650, 4 Mittleres Deutschland, Münster 1992, 271f.

8 Vgl. Volker Press 1983, 76f.

9 Vgl. Manfred Rudersdorf 1992, 258ff.

10 Vgl. Eckhart G. Franz Quam Luterismus venit in Hassiam - Als der Lutherismus nach Hessen kam. Die Anfänge der Reformation und die Ausbildung des frühmodernen Staates am Beispiel der Landgrafschaft Hessen, in: Lothar Graf zu Dohna / Reinhold Mokrosch (Hrsg.), Werden und Wirken der Reformation, Darmstadt 1986, 237

11 Vgl. Otto Volk, Die Landgrafschaft Hessen um 1500, , in: Ursula Braasch-Schwersmann / Hans Schneider / Wilhelm Ernst Winterhagen, Landgraf Philipp der Großmütige : 1504 - 1567 ; Hessen im Zentrum der Reform ; Begleitband zu einer Ausstellung des Landes Hessen, Marburg 2004, 19ff.

12 Vgl., ebenda, 19

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668204911
ISBN (Buch)
9783668204928
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321314
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Neuere Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
Konfessionspolitik Reformation Philipp von Hessen Historiker Landgraf Hessen Außenpolitik Innenpolitik

Autor

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Titel: Die Reformationspolitik Philipp des Großmütigen von Hessen. Der Landgraf als Bewahrer des Friedens bei den Protestanten