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Realität und Fiktion in Mariano Azuelas "Los de abajo"

Seminararbeit 2004 15 Seiten

Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.)Einleitung: Einführendes zu Autor und Werk

2.)Hauptteil: Untersuchung der Verbindung von historischen und autobiographischen Fakten und Fiktion in Los de abajo;
a. Kurze Zusammenfassung des Verlaufs der bewaffneten Phase der mexikanischen Revolution
b. Zeitliche Einordnung des Romans in den Ablauf der historischen Ereignisse
c. Autobiographische Züge in Los de abajo
d. Epische und mythische Elemente des Romans

3.)Schlussteil: Der geschlossene Kreis und der tiefe Fall des Helden; Azuelas Absage an die Revolution

Bibliographie

1.)Einleitung: Einführendes zu Autor und Werk

Mariano Azuela wurde am 1. 1. 1873 in Lagos de Moreno im mexikanischen Bundesstaat Jalisco geboren. Nach seiner Kindheit im städtischen Laden und der Ranch seiner Eltern, genoss er seine Schulausbildung in Lagos und später in Guadalajara, wo er 1892 sein Medizinstudium begann, dass er 1898 erfolgreich abschloss. Danach kehrte er in seinen Heimatort zurück, wo er 1900 Carmen Rivera heiratete, mit der er fünf Kinder bekam. Als Gegner des Regimes des Diktators Porforio Díaz, war Azuela überzeugter Anhänger Maderos. Als nach der Ermordung Maderos durch Huerta im Jahre 1913 und dem Sturz Huertas durch die Armeen Villas und Carranzas im Juli 1914, ein erneuter Bürgerkrieg zwischen Carranza und Villa beginnt, schließt sich Azuela im Oktober dieses Jahres als Arzt den Truppen des villistischen Generals Julían Medina an. Mit diesen flieht er vor den Carrancistas, die immer mehr Territorium erobern von Ort zu Ort, wobei er sich schließlich von der eigentlichen Einheit trennt und mit den Verwundeten nach Chihuhauha flieht, wo er als Arzt arbeitet, bis er wiederum durch den Druck der Carrancistas, nach Ciudad Juárez gehen muss, von wo aus er sich 1915 nach El Paso in Texas absetzt. Hier veröffentlicht er seinen Roman Los de abajo, den er während seiner Zeit bei den Truppen Medinas geschrieben hat, in der Zeitung El Paso del Norte als Fortsetzungsgeschichte. Der Roman fand allerdings zu diesem Zeitpunkts so gut wie keine Beachtung. Nach der Rückkehr nach Mexiko im folgenden Jahr lebt er zunächst in Guadalajara und dann in Mexiko-Stadt und betätigte sich als Schriftsteller und Arzt. 1925 wurde Los de Abajo wiederaufgelegt nicht nur in Mexiko, sondern auch, durch Freunde Azuelas in Spanien und Frankreich und erregte nun die gebührende Aufmerksamkeit.1927 zog Azuela mit seiner Familie in ein Haus in Colonia Santa Maria la Ribera, wo er schrieb und eine Arztpraxis für Hilfsbedürftige eröffnete, die er bis 1949 betrieb. Am 1. März 1952 starb er im Alter von 79 Jahren an Herzversagen.[1]

Sein literarisches Werk umfasste 23 Romane[2], sowie einige Theaterstücke Biografien und diverse andere Aufzeichnungen und Notizen. Aber Los de Abajo ist das Werk, dass die größte Anerkennung fand, in mehrere Sprachen übersetzt wurde und als Prototyp des mexikanischen Revolutionsromans gilt.

Los de Abajo erzählt die Geschichte des Farmers Demetrio Macías, der nach einem Streit mit dem Großgrundbesitzer Don Monico, von diesem als Maderist bei den föderalistischen Truppen Huertas denunziert wird und aus seinem Heimatdorf fliehen muss. Sein Haus wird niedergebrannt, seine Frau rettet sich mit ihrem kleinen Kind zu ihrem Vater. Demetrio versammelt eine Gruppe von 25 Männern, die sich ebenfalls vor den Föderalisten verstecken um sich und zieht mit ihnen in den Kampf. Unter seinen Begleitern befinden sich: Anastasio Montanes, der engste Freund Demterios, Cordoniz, der auf Grund eines Diebstahls fliehen musste und sich dann den Rebellen anschloss, Pancracio, der besonders durch seine Grausamkeit auffällt und Venancio, der vor der Revolution Friseur war und stolz vor den Anderen damit angibt, lesen zu können. Es gelingt ihnen eine feindliche Truppe in einer Schlucht in einen Hinterhalt zu locken und zu vernichten, allerdings wird Demetrio in der Schlacht verletzt. Die Gruppe flieht in den Wald, wo sie später den Studenten Luis Cervantes aufgreifen, der von seiner huertistischen Kompanie desertiert ist, um sich den Rebellen anzuschließen. Zunächst halten die Rebellen ihn für einen Spion und überlegen ihn zu erschießen. Schließlich kommen sie jedoch zu der Einsicht, dass er ungefährlich ist und er gewinnt das Vertrauen Demetrios, nicht zu letzt auf Grund der Tatsache, dass er durch sein Medizinstudium in der Lage ist dessen Bein zu heilen. Auf einem Gehöft an dem die Truppe Rast macht, verliebt sich Demetrio in die junge Camila, die ihrerseits Gefallen an Cervantes findet. Demetrio würde sie gerne mitnehmen, entscheidet sich aber dagegen. Cervantes rät Demetrio dazu sich dem villistischen General Natera anzuschließen. Gemeinsam mit diesem gelingt es ihnen die Stadt Zacatecas in einer blutigen Schlacht einzunehmen. Nach der Entmachtung Huertas, kämpft die Gruppe nun auf der Seite Villas gegen Carranza. Dabei wird ihr Vorgehen immer brutaler und rücksichtsloser: raubend und mordend ziehen sie durch das Land, wobei sich ihre Verbrechen sehr bald nicht allein gegen die „entmachteten“ Reichen in den Orten die sie passieren richtet, sondern auch gegen die einfache Bevölkerung. Zu denen die sich ihnen anschließen gehören: der „Güero Margarito“ und „La Pintada“, die beide durch ihre rücksichtslose Grausamkeit und ihren Sadismus auffallen. Cervantes kehrt zurück in das Dorf in dem Camila lebt und nimmt, diese mit, um sie zu Demetrio zu führen. Camila wird auf Grund von Eifersucht von der Pintada ermordet, Demetrio leidet schwer unter ihrem Verlust. Cervantes trennt sich von der Gruppe und setzt sich nach El Paso, Texas ab. Mit dem Sieg Carranzas über die Truppen Villas wendet sich das Glück der Gruppe. Demetrio kehrt zurück in sein Heimatdorf, um Frau und Kind nach fast zwei Jahren Abwesenheit wieder zu sehen. Schließlich gerät er mit seiner Truppe, in der gleichen Schlucht in der sie ihre erste Schlacht gegen die Föderalisten gewannen, in einen Hinterhalt, aus dem kein einziger von ihnen entrinnen kann.

In meiner Arbeit werde ich zunächst versuchen Azuelas Roman in den Ablauf der historischen Ereignisse einzuordnen und an Hand von Azuelas Aufzeichnungen zur Entstehung von Los de abajo untersuchen wie weit der Roman von seinen persönlichen Erfahrungen mit den Truppen Medinas geprägt ist[3]. Des weiteren gehe ich auf den, in der Rezeptionsgeschichte des Werks häufigen, Vergleich mit den antiken, griechischen Epen, an Hand des Textes Texturas épicas en Los de abajo von Seymor Menton ein.

2.) Hauptteil: Untersuchung der Verbindung von historischen und autobiographischen Fakten und Fiktion in Los de Abajo

a.: Kurze Zusammenfassung des Verlaufs der bewaffneten Phase der mexikanischen Revolution

Die mexikanische Revolution begann mit dem Aufstand unter Francisco Madero im Jahre 1910/11, die letztendlich der beinahe 30-jährigen Herrschaft des Diktators Porfirio Díaz ein Ende bereitete. Madero erklärte den erneuten Wahlsieg Díaz` für ungültig und rief zu einem nationalen Aufstand gegen den Diktator auf. Während sein eigenes politisches Lager hauptsächlich aus Mitgliedern von Mittel- und Oberschicht bestand, deren Ziel eine Demokratisierung des Landes war, schlossen sich den Aufständen im Norden, die sich von Chihuahua schnell nach Sonora und Cocahuila ausbreiteten, auch die Bauern im südlichen Bundesstaat Morelos unter Führung von Emiliano Zapata an. Obwohl Maderos politischer Kurs keinerlei Reformen vorsah, die die Lebensverhältnisse der Landbevölkerung verbessert hätten. Im Mai 1911 gelang es den Aufständischen Díaz zu stürzen. Aus den Neuwahlen, die im Dezember desselben Jahres abgehalten wurden, ging Madero als neuer Präsident hervor. Jedoch konnte Madero in seiner nur etwas über ein Jahr dauernden Amtszeit die verschiedenen Interessen seiner Anhängerschaft nicht auch nur ansatzweise befriedigen, so dass es schon bald zu verschiedenen Aufständen (u. A. durch Zapata) kam, die Madero allerdings erfolgreich bekämpfte. Da es ihm aber nicht gelang, die „tatsächliche

[...]


[1] Alle biografischen Angaben und Daten stammen aus der Einführung von John E. Englekirk und Lawrence B. Kiddle zu: Mariano Azuela: Los de Abajo, Novela de la Revolución Mexicana , Illinois, 1992, S. 11- 15

[2] Zur ausführlichen Auflistung seiner Romane vgl.: José Luis Martinez: Revisión de Mariano Azuela, erschienen in: Literatura Mexicana , Vol. 3, 1992, Núm. 1, México D.F., 1992, S. 41- 61

[3] Vgl.: Mariano Azuela: Azares de mi novela Los de abajo, veröffentlicht als: Los de abajo in Mariano Azuela: Los de abajo, Edición Crítica, Jorge Ruffinelli Coordinador, Paris, 1988, S. 280- 295. Wenn ich mich von hier an auf dieses oder andere Bücher beziehe, bezeichne ich sie mit der Nummer in der Bibliographie meiner Arbeit und gebe nur den bestimmten Text oder Artikel den ich zitiere und wo er im Buch zu finden ist, sowie die Seitenzahl an.

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638329255
ISBN (Buch)
9783640330256
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32127
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – LAI
Note
1
Schlagworte
Realität Fiktion Mariano Azuelas

Autor

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Titel: Realität und Fiktion in Mariano Azuelas "Los de abajo"