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Robinsonmotive in der Popkultur des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich von "Robinson Crusoe" und "The Walking Dead"

von Lisa S. H. (Autor)

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung ... 2

2. Popkultur. 2

3. The Walking Dead als Paradebeispiel der Popkultur ... 3

4. Grundmotive der Robinsonade ... 5

4.1 Isolation ... 6

4.2 Überlebensbemühungen ... 6
4.2.1 Physisches Überleben ... 6
4.2.2. Psychisches Überleben ... 7
4.2.3 Überleben als Gemeinschaft ... 8

4.3 Die Reise ins Innere der Robinsonfigur ... 9

5. Die Grundmotive der Robinsonade in The Walking Dead ... 9

5.1 Das Motiv der Isolation in The Walking Dead ... 9

5.2 Das Motiv der Überlebensbemühungen in The Walking Dead ... 10
5.2.1 Physisches Überleben ... 10
5.2.2 Psychisches Überleben ... 11
5.2.3 Überleben als Gemeinschaft ... 12
5.3 Das Motiv der Reise ins Innere der Robinsonfigur in The Walking Dead ... 13

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung ... 15

Quellenverzeichnis ... 18

1. Einleitung

Daniel Defoes Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe, das 1719 als erstes Werk einer Trilogie erschien, prägte sowohl den Namen, als auch den Beginn der literarischen Gattung der Robinsonade. Die Geschichte des schiffbrüchigen Robinsons, der auf einer einsamen Insel um sein Überleben kämpft, wird seit dem 18. Jahrhundert immer wieder in verschiedenen Variationen in Literatur, Film, Musik und Kunst aufgegriffen und hat schon seit einigen Jahren auch seinen Einzug in die populäre Massenkultur gefunden.

Die folgende Hausarbeit stellt eine Analyse des populären Phänomens The Walking Dead bezüglich der Motive von Robinsonaden dar und versucht die Frage zu beantworten, ob es als Robinsonade charakterisiert werden kann oder nicht, und wie sich dies begründen lässt. Um die Analyse zu bewerkstelligen, wird zu Anfang ein kurzer Erklärungsversuch des Begriffs

‚Popkultur‘ gegeben. Anschließend wird begründet, warum sich The Walking Dead besonders eignet, um Robinsonmotive in der Popkultur zu untersuchen. Dem folgend, werden aus schon vorhandener Forschungsliteratur drei zentrale Grundmotive der Robinsonade herausgearbeitet, um einen Überblick über die Gattung zu bekommen. Anschließend wird die Haupthandlung von The Walking Dead auf diese Grundmotive hin untersucht und diskutiert, ob und inwieweit sie sich als Robinsonade charakterisieren lässt.

2. Popkultur

In der Literatur finden sich zahlreiche Definitionsversuche des Begriffs „Popkultur“ und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Folgendes Zitat von Roger Behrens beschreibt die Komplexität des Begriffes deutlich: „Die Definition von Pop besteht in der Definition des Definitionsproblems: dass Popkultur begrifflich nicht eindeutig zu fassen ist, weil es sich nicht um ein eindeutiges Phänomen handelt; dass Pop also nicht definierbar ist, ist selbst schon Pop = Definition von Pop.“1 Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Popkultur, auch Populärkultur genannt, die Kultur der breiten Masse einer Gesellschaft, den sogenannten ‚Mainstream‘. Häufig hängt dem Begriff eine negative Konnotation an, da er dem Begriff der sogenannten ‚hohen Kultur‘ entgegengesetzt wird.2 Hecken schreibt, „die Gegenstände der populären Kultur gelten zumeist als oberflächlich, standardisiert, vulgär, trivial oder allzu reizvoll; [...]"3 Ob dies der Wahrheit entspricht, und eine Unterteilung von hoher und niedriger Kultur heute noch sinnvoll oder überhaupt noch möglich ist, sei dahin gestellt. In dieser Arbeit wird sich mit dem Begriff Popkultur insbesondere im Sinne von Massenkultur beschäftigt, vor allem jedoch mit (Massen-)Medien, deren besondere Art der Aufbereitung und Verbreitung von Informationen eine große, wenn nicht sogar grundvoraussetzende Rolle in der Kultur der heutigen Gesellschaft spielt.

3. The Walking Dead als Paradebeispiel der Popkultur

„The zombie industry has exploded.“4 Dies schreibt David Reilly in seinem Artikel The Coming Apocalypses of Zombies and Globalization, der 2015 in dem Sammelband Zombietalk: Culture, History, Politics erschien. Und er hat Recht. Zurzeit erleben wir einen regelrechten Zombie-Boom, wo zombieähnliche Repräsentationen mehr und mehr, und in sich immer wieder verändernden Formen und Konzepten, durch die Medien in unsere heutige Gesellschaft sickern. Doch das Zombiephänomen ist nicht nur in Literatur, Film, Fernsehen oder Videospielen zu finden, sondern findet seinen Ausdruck inzwischen auch durch verschiedene Fan-Praktiken, wie zum Beispiel sogenannte Zombie-Cosplays oder Zombie-Runs.5 Die Frage, warum Zombies so beliebt sind, beantwortet Matt Mogk in seinem Buch Everything You Ever Wanted to Know About Zombies, mit der Vermutung, dass die Beliebtheit des Konzepts einer Zombieapokalypse ein Resultat der ungewissen Zeit sei, in der wir leben. Eine Zeit, geprägt durch Terroranschläge, Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen und neue Krankheiten, in welcher unsere technisierte Welt schneller zum Stillstand kommen könnte, als gedacht.6 Weiter erwähnt Mogk, dass Zombies solches Interesse wecken könnten, da sich viele Menschen durch sie an sich selbst erinnert fühlen, wie sie, in überfüllten Städten in der Masse lebend, ihrem bedeutungslosen Job nachgehen, bis sie sterben.7 Das Konzept von Toten, die erneut zum Leben erweckt werden, ist nichts Neues und schon seit vielen Jahrhunderten Thema in Religion und Folklore. Der erste, der uns den heute bekannten klassischen Zombie brachte, war Georgo Romero mit seinem 1968 erschienenen Film Die Nacht der lebenden Toten (Original: Night of the Living Dead). Seither tauchen fleischfressende Zombies in den verschiedensten Formen auf. Manchmal sind sie auferstandene Tote, manchmal mit einem Virus infizierte Kranke, manche sind intelligenter als andere, manche schnell, manche langsam.

Zombies fanden nach und nach ihren Weg durch die Geschichte in den sogenannten Mainstream und werden auch heute immer wieder neu erfunden. The Walking Dead ist ebenfalls eine der Geschichten, die auf diesem Thema, das so tief in unserer populären Kultur verankert ist, basieren und kann deshalb als Teil der populären Kultur gesehen werden. Doch nicht nur das Zombie-Thema rechtfertigt The Walking Dead als Paradebeispiel für die Popkultur, und somit als Kernthema dieser Hausarbeit, sondern auch die unzähligen medialen Formen, in welchen es in den letzten Jahren schon aufgetreten ist. Die Popkultur, der sogenannte Mainstream, drückt sich heutzutage nicht mehr nur in Form von Literatur, Film, Musik und Kunst aus. Durch die neuen Techniken in unserer globalisierten Welt besteht Popkultur aus sehr viel mehr Elementen. Das Phänomen The Walking Dead fand seinen Anfang mit der noch nicht abgeschlossenen amerikanischen Comicbuchreihe des Autors Robert Kirkman, die seit 2003 monatlich erscheint. 2010 startete schließlich die gleichnamige Fernsehserie, die lose auf den Comics basiert und seither von dem amerikanischen Fernsehsender AMC und in Deutschland vom Sender FOX ausgestrahlt wird. Neben der Fernsehserie entstanden, aufgrund ihrer Beliebtheit, im Laufe der Jahre eine Talkshow rund um die Serie, namens Talking Dead, eine zweite Fernsehserie, ein sogenanntes ‚‘Spin-off‘, namens Fear the Walking Dead, mehrere Kurzfilme, Bücher, Merchandise, mehrere Videound Computerspiele, sowie die mehrmals im Jahr sattfindende Walker Stalker Convention, eine große Zusammenkunft von Fans und Stars der Serie. In der Zeit um Halloween gibt es außerdem in einigen amerikanischen Freizeitparks Geisterbahnen und Attraktionen mit einem The Walking Dead Thema und im Movie Park Germany wird 2016 eine dauerhafte Attraktion namens The Walking Dead Breakout eröffnet, wo sich Besucher auf 700 Quadratmetern auf „echte Darsteller, modernste Technik und originalgetreue “Schauplätze“8 freuen dürfen. Etwas, was sich in so vielen Bereichen der Popkultur wiederfinden lässt und behaupten kann, ist eine genauere Betrachtung wert und wurde aufgrund dessen ausgewählt, um in dieser Hausarbeit auf der Suche von Robinsonmotiven in der Popkultur, die Popkultur zu repräsentieren. Um den Lesern dieser Hausarbeit, die nicht mit The Walking Dead vertraut sind, einen Überblick zu verschaffen, ist im Folgenden eine kurze Inhaltsangabe nötig.

Der Protagonist der Geschichte ist Rick Grimes, ein Sherriff in Georgia, der bei einem Einsatz angeschossen wird und ins Koma fällt. Als er wieder erwacht, gibt es die Welt, die er kennt, nicht mehr und er findet sich in einer weltweit ausgebrochenen Zombieapokalypse wieder.

Er muss lernen in der neuen Welt zu überleben und trifft dabei nach und nach auf weitere Überlebende, von welchen manche friedlich, andere feindlich gesinnt sind. Allgegenwärtig ist die Frage, welche Handlungen in solch einer Welt moralisch richtig und gerechtfertigt sind, wenn es ums eigene Überleben und das von Freunden und der Familie geht.

Um die Robinsonmotive in The Walking Dead herausarbeiten zu können, ist es notwendig, die Gattung der Robinsonade genauer zu betrachten, was im Folgenden der Fall sein wird.

4. Grundmotive der Robinsonade

Obwohl laut Celia Torke in der Forschung noch immer umstritten ist, welche Elemente fundamental für die Gattung der Robinsonade sind, soll im Folgenden versucht werden gattungstypische Elemente anhand zweier Fachtexte herauszuarbeiten.9 In seinem 1976 erschienenen Buch Die Robinsonade: Themen und Formen einer literarischen Gattung, trägt Erhard Reckwitz fünf Motive zusammen, die er als die Grundmotive von Robinsonaden charakterisiert, um die Gattung zu definieren. Hierbei dient ihm Defoes Robinson Crusoe als Paradigma und Ausgangspunkt. Bei den von Reckwitz genannten Hauptmotiven handelt es sich um Isolation, Überlebensbemühungen, Natur und Zivilisation, die Insel als Exil, sowie die Reise ins Innere der Robinsonfigur. Ein moderneres wissenschaftliches Werk bezüglich Robinsonmotiven, ist das von Mara Stuhlfauth 2011 geschriebene Buch Moderne Robinsonaden: Eine gattungstypische Untersuchung am Beispiel von Marlen Haushofers Die Wand und Thomas Glavinics Die Arbeit der Nacht. Stuhlfauth nennt folgende Motive als thematische Grundmuster der Robinsonade: Isolation, Überlebensbemühungen, die Reise ins Innere der Robinsonfigur, die Gefährten der Robinsonfigur und die fiktionale Autobiographie. Aufgrund des begrenzten Umfanges dieser Arbeit, möchte ich mich auf die drei Motive beschränken, die in beiden Werken Erwähnung finden: Isolation, Überlebensbemühungen und die Reise ins Innere der Robinsonfigur.

[...]


1 Behrens 2003, S. 37

2 Vgl. Hecken 2007, S. 179

3 Ebd.

4 Vgl. Castillo, Schmid, Reilly u. Browning 2015, S.64

5 Vgl. Hubner 2014, S.3

6 Vgl. Mogk 2011, S. 217

7 Vgl. Mogk 2011, S. 218

8 http://movieparkgermany.de/de/freizeitpark/attraktionen/walking-dead-breakout (eingesehen am 04.03.16)

9 Vgl. Torke 2011, S. 27

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668204591
ISBN (Buch)
9783668204607
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v321214
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,3
Schlagworte
Robinsonade The Walking Dead Popkultur Zombies Robinson Crusoe Vergleich Moderne Robinsonaden Robinsonmotiv

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    Lisa S. H. (Autor)

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