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Eine strategisch-militärische Betrachtung des schmalkaldischen Krieges

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 33 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

1. Die „Militärische Revolution“ und die Neuausrichtung des Kriegswesens zu Beginn der frühen Neuzeit

2. Der Schmalkaldische Bund und die Situation im Reich am Vorabend des Schmalkaldischen Krieges

3. Der Donaufeldzug (Juni bis November 1546)

4. Der Sächsische Feldzug (November 1546 bis April 1547) und die Schlacht bei Mühlberg

5. Fazit und Ausblick

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Die „Militärische Revolution“ und die Neuausrichtung des Kriegswesens zu Beginn der frühen Neuzeit

Die Herrschaft des Habsburgers Karls V. kann als ein höchst vielschichtiges und komplexes Geflecht von politischen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Prozessen und Faktoren bezeichnet und verstanden werden.[1] Am außergewöhnlichsten und gleichsam faszinierendsten ist jedoch aus Sicht des Autors, wie sich die Vorstellungen und Wahrnehmungen Karls V. an der Realität rieben und er selbst dann, als er das Blatt in der Hand hatte, letztlich eine Veränderung nicht nachhaltig in seinem Sinne zumindest mitgestalten konnte. In der vorliegenden Arbeit soll genau dieser Punkt aus militärischer Sicht untersucht werden. Der Schmalkaldische Krieg wurde einst von Johannes Burkhardt als der „Urtyp“ des Religionskrieges bezeichnet.[2] Dieser Konflikt stellt gleichsam den Höhepunkt und den Wendepunkt der Herrschaft und der Macht Karls V. dar. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es daher sein, die entscheidenden militärisch-strategischen Faktoren für den Sieg Karls V. und die Niederlage seines Gegenspielers, des Schmalkaldischen Bundes, in diesem für ihn aus vielen Gründen wichtigen Konflikt herauszuarbeiten. Dafür ist es aus Sicht des Autors jedoch unerlässlich, sich die taktisch-militärischen Voraussetzungen sowie die grundlegenden Neuerungen im Kriegswesen und in Kriegsführung am Beginn der frühen Neuzeit vor Augen zu führen. Im Folgenden soll daher versucht werden, kurz die Voraussetzungen und Grundprozesse dieser so genannten „Militärischen Revolution“ zu beleuchten und die grundlegenden militärischen Gegebenheiten zur Zeit des Schmalkaldischen Krieges zu untersuchen.

Die sich daran anschließende Abhandlung widmet sich der oben genannten militärgeschichtlichen Fragestellung. Dabei soll vor allem der Krieg selbst in seinen jeweiligen Etappen und Höhepunkten analysiert und auch die Zusammensetzung und Organisation des Schmalkaldischen Bundes als Institution untersucht werden. Anschließend soll in einem kurzen Ausblick angerissen werden, warum Karl V. seinen Erfolg letztlich nicht nutzen konnte. Letztendlich werden in einem Fazit die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

„Die professionellen Armeen des Frühmittelalters bestanden in der Regel aus Rittern und Einzelkämpfern. Das Söldnerwesen und Schusswaffen, insbesondere Kanonen, ließen den kostenintensiven trainierten Ritter überflüssig werden.“[3] Die Muskete wurde um 1550 in einigen spanischen Regimentern in Italien eingeführt. Diese neue Waffe war nun in der Lage, ein Gewicht so stark zu beschleunigen, dass es noch auf eine Entfernung von 100 Metern einen Plattenpanzer durchschlug.[4] Viele militärische Truppentypen verschwanden daraufhin, wie die Breitschwertkämpfer, die Hellebardiere, die Armbrustschützen und - für einen bestimmten Zeitraum - die Kavallerie. Die Pikeniere blieben erhalten; den Musketieren kam zunächst die Aufgabe zu, die Formationen der Pikeniere wirksam zu verteidigen. Allerdings kehrte sich diese Funktion bald um. „Aufgrund der erbärmlich niedrigen Feuergeschwindigkeit, mussten jetzt die Pikeniere die Musketiere schützen.“[5] Auch vor den Verbesserungen der Musketen wurden zwar einzelne Schützenkompanien aufgestellt, allerdings blieb das bestimmende Merkmal ein Wechselspiel zwischen Musketier und Pikenier.

Machiavelli meinte, als sich die Feuerwaffen durchzusetzen begannen, in der idealen Armee müssten schätzungsweise 20 Fußsoldaten auf einen Reiter kommen.[6] Machiavellis Kritik an der einseitigen Nutzung der Musketiere, allgemeine Trends und die sich allmählich durchsetzenden Ideen der Reformer mündeten letztendlich in einen Prozess, den man heute als „Militärische Revolution“ bezeichnet.[7] Die wesentlichen Elemente dieses Prozesses waren folgende:[8]

Technik: Erste Kanonen sowie Fortschritte in der Metallurgie führten zur Produktion und Entwicklung von besonders leistungsfähigen Kanonenrohren und Musketen. Das neu verdichtete Schießpulver verlieh den Feuerwaffen auch neue Wirksamkeit und führte zu einer regelrechten Massenproduktion von Musketen. Die Steigerung der Wirksamkeit der Kanonen veranlasste die Städte, ihre Befestigungsanlagen weiter zu verbessern. Die neue Komplexität der Kriegführung führte jetzt auch zur verstärkten Anwendung von wissenschaftlichen Methoden und mathematischen Überlegungen bei der Artillerie und beim Befestigungsbau.

Taktik: Große Infanteriekörper wurden von den militärischen Reformern in viele kleinere Einheiten von 300 - 500 Mann unterteilt, um den Kanonen eine geringere Angriffsfläche zu bieten und ihre Flexibilität auf dem Schlachtfeld zu erhöhen. Die Nachteile dieses entstandenen geringeren Zusammenwirkens der Truppen versuchte man durch eine verbesserte Kombination mit der Artillerie auszugleichen. Auch die Aufstellungen dieser kleineren Infanteriekörper wurden verändert.

Organisation: Die meisten Soldaten, die im Dreißigjährigen Krieg dienten, waren Söldner; doch unter dem Einfluss Machiavellis und der nassauischen Reformer begann sich das langsam zu ändern. Gustav Adolf war diesbezüglich ein Pionier. Er begann langsam, nationale schwedische Heere zu bilden. Nach und nach begannen sich dann in einem langwierigen Prozess die nationalen Heere zu entwickeln, auch wenn es noch ein weiter Weg bis zur modernen nationalstaatlichen Armee war. Taktische Gegebenheiten und das stetige Anwachsen der Truppen mündeten in einer hierarchischen Gliederung des Offizierskorps. Auch eine einheitliche Sprachregelung, neue Waffen sowie komplizierte Kampftaktiken gingen mit einem hohen Maß an Übung und Training einher. Mit dem Anwachsen der Streitmächte wurde es auch zunehmend schwieriger, auf dem Schlachtfeld zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Folglich setzte sich daher auch das Tragen von Uniformen immer mehr durch.

Größenordnung der Armee: Mit dem größeren Ausmaß der Kriege ging auch eine Vergrößerung der allgemeinen Truppenstärke in nahezu allen wichtigen Staaten einher. Auch in Friedenszeiten erlebten die Armeen einen signifikanten Zuwachs.

Allerdings bleibt zu sagen, dass der Begriff „Revolution“ nicht unumstritten ist, da er eigentlich eine abrupte, unmittelbare und oft gewaltsame Veränderung bezeichnet. Dieser militärische Wandlungsprozess umfasste jedoch fast 100 Jahre.[9]

2. Der Schmalkaldische Bund und die Situation im Reich am Vorabend des Schmalkaldischen Krieges

Der Schmalkaldische Bund war fünfzehn Jahre lang die zentrale Formation des politischen Protestantismus im Reich und bestimmte somit maßgeblich die Reformationsgeschichte.[10] Das größte Problem bei seiner Betrachtung und Untersuchung besteht allerdings in der stark selektiv süddeutsch-hessisch-reichsstädtisch geprägten Quellenbasis.[11]

Der Schmalkaldische Bund wurde am 27. Februar 1531 als ein Zusammenschluss zwischen neun Fürsten und elf Städten gegründet.[12] Dieser Bund war eine freiwillige Vereinigung von protestantischen Obrigkeiten und wurde im Prinzip bereits im Dezember 1530 durch den Abschluss des Bundesvertrags begründet. Darin versicherten sich die Bündnisteilnehmer v.a. gegenseitige militärische Hilfe, die jedes einzelne Mitglied gegenüber jedem anderen zu leisten hatte.[13] Er diente den reformatorischen Territorien somit vor allem als Instrument zur politischen und militärischen Sicherung gegen den Kaiser und dessen Verbündete. Die Initiative zur Gründung lag bei Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen von Kursachsen und Landgraf Philipp von Hessen, welche dem Bündnis auch als Hauptleute vorstanden.[14] Dabei ist zu beachten, dass der Bund besonders vor dem Hintergrund des in Augsburg 1530 wieder in Kraft gesetzten Wormser Edikts und der gewaltsamen Bedrohung des Protestantismus geschlossen wurde. Mitglieder waren - neben Kursachen und Hessen - Brandenburg-Ansbach, Braunschweig und Anhalt sowie protestantische Städte in Norddeutschland (Lübeck, Bremen, Magdeburg) und auch in Süddeutschland, allen voran Straßburg.[15] Jedoch war der konkrete Bündnisfall in dem Vertrag eher vage gehalten. Daher war das Bündnis - zeitgenössisch ausgedrückt - eine eher „gemeine“ Einung.[16]

In den Jahren 1531 bis 1538/43 traten weitere 43 städtische und fürstliche protestantische Obrigkeiten aus dem ganzen Reich dem Schmalkaldischen Bund bei. Allerdings muss hierbei bereits betont werden, dass zu keinem Zeitpunkt der Existenz des Bündnisses sämtliche evangelische Obrigkeiten im Bündnis präsent waren. Genau dies hatte weitreichende Folgen für seine Mitglieder.[17]

Einer der wichtigsten protestantischen Reichsfürsten, die im Schmalkaldischen Bund nicht vertreten waren, war Moritz von Sachsen. Als Moritz 1541 Kurfürst des albertinischen Sachsen wurde, hofften sowohl sein ernestinischer Vetter Johann Friedrich[18] als auch sein Schwiegervater Philipp von Hessen, die vorhandenen Spannungen zwischen den beiden Herrscherhäusern in Sachsen abbauen und Moritz als Mitglied des Schmalkaldischen Bundes gewinnen zu können.[19] Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Moritz und Johann Friedrich zerstritten sich anlässlich der Regelung einer Schirmherrschaft über die Stiftlande Magdeburg und Halberstadt. Moritz wollte sich in keine Fehde der beiden Hauptleute mit hineinziehen lassen und den Schmalkaldische Bund nur dann unterstützen, wenn er von dritter Seite außerhalb angegriffen wird.[20] Der junge Herzog Moritz bemühte sich somit größtenteils nach außen um Neutralität.[21] Diese Vorgänge und die Distanz zwischen Moritz und dem Schmalkaldischem Bund blieben Kaiser Karl V. keinesfalls verborgen.[22]

Das ursprünglich auf sechs Jahre geschlossene Bündnis wurde 1536/37 um zehn Jahre verlängert. Mit der im Dezember 1535 verabschiedeten so genannten „Verfassung zur Gegenwehr“ trat der Schmalkaldische Bund zudem in eine neue Phase. Unter Führung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen und des hessischen Landgrafen Philipp baute das Bündnis jetzt kontinuierlich sein militärisches Potential aus.[23] Aus einem Bündnis der Worte, so Kurfürst Johann Friedrich, wurde nun ein Bündnis der Taten. Als Militärbündnis funktionierte der Schmalkaldische Bund bis 1542 auch erstaunlich effizient. Doch mit dem Einsatz des gesamtbündischen Militärpotentials durch die beiden Hauptleute zugunsten der städtischen Bündnismitglieder Goslar und Braunschweig gegen Herzog Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel im Sommer 1542 wurden die zentrifugalen Kräfte, welche die bündische Geschichte seit Jahresende 1539 kennzeichneten, endgültig virulent.[24] Der Herzog war ein treuer Parteigänger des Kaisers und ein vehementer Gegner der Reformation. Dieser Präventivschlag des Schmalkaldischen Bundes, der zur Vertreibung des Herzogs und zur Okkupation seines Territoriums führte, stand jenseits des im Bündnis herrschenden Konsenses, dass das bündische Militärpotential allein der Abschreckung dienen sollte. Viele Mitglieder sprachen deshalb offen von einem bundeswidrigen Verhalten.[25] Näher betrachtet war damit ein wesentlicher Bestandteil des Bündnisses verletzt: Bei weitest möglicher Autonomie des einzelnen Mitglieds und dessen Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe war die Entscheidungsfindung innerhalb des Schmalkaldischen Bundes im Konsens der Beteiligten zu suchen. Der gesamte Inhalt und der Anspruch des Bündnisses beruhten auf dieser Annahme. Es gelang somit nicht, das Bündnis an Entwicklungen anzupassen und so robust auszugestalten, dass es diesen Fehler seiner Führungsfiguren intern folgenlos verarbeitet hätte.[26]

Nach dem „Nürnberger Anstand" 1532 und dem „Frankfurter Anstand" 1536 standen sich die Religionsparteien im Reich mit der Zeit immer unversöhnlicher gegenüber. Der „Regensburger Abschied“ verlängerte noch einmal den Nürnberger Religionsfrieden. Kaiser Karl V. konnte angesichts der drohenden Türkengefahr nicht auf die militärische Unterstützung der protestantischen Fürsten verzichten. Allerdings verbot er die Erweiterung des Schmalkaldischen Bundes.[27] Dennoch schien eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und den katholischen Reichsständen auf der einen sowie dem Schmalkaldischen Bund auf der anderen Seite über kurz oder lang unabwendbar.[28] Auf dem Wormser Reichstag im Frühjahr 1545 stellte der Kaiser zwar baldige weitere Religionsverhandlungen in Aussicht und forderte die Protestanten zur Teilnahme am bevorstehenden Trienter Konzil auf.[29] Doch durch das Scheitern dieser Religionsgespräche 1546 in Worms schwand jede Hoffnung auf eine friedliche Lösung. Auch die Weigerung der Schmalkaldener, das Konzil mit Delegierten zu beschicken, bestärkte wohl Karls Kriegsabsichten.[30] Ab wann Karl V. den Krieg gegen die Protestanten für sich beschlossen hatte, ist unklar. Als gesichert gilt jedoch, dass der Kaiser spätestens seit Mai 1545 den Krieg gegen die in seinen Augen rebellischen evangelischen Stände fest geplant hatte.[31] Exemplarisch für die vielen Faktoren, welche Karl in seinem Beschluss bestärkt hatten, den Krieg gegen die Protestanten zu eröffnen, steht nach Karls Memoiren beispielsweise der Sieg über den klevischen Herzog 1543. Obwohl er ein Protestant war, unterstützte ihn der Schmalkaldische Bund nicht.[32] Angeblich wollte Johann Friedrich von Sachsen zur Rettung des Herzogs eingreifen, aber Landgraf Philipp von Hessen war dagegen und verhinderte schließlich ein solches Vorgehen.[33] Dies muss ein fatales Signal über die internen Konflikte des Bundes an den Kaiser gesendet haben. In den folgenden Jahren von 1543-45 bereinigte Kaiser Karl V. alle europäischen Konfliktherde durch Friedensschlüsse und forcierte den Aufbau eines Bündnissystems für den Konfessionskrieg gegen den Schmalkaldischen Bund.

Über Karls Motivation zu diesem Krieg lässt sich Einiges sagen und noch mehr spekulieren. Bei Ferdinand Seibt heißt es, der Kaiser habe den eigentlichen Grund des Krieges, die religiösen Gegensätze, tarnen wollen, indem er den Konflikt nach einem Exekutionskrieg aussehen ließ. Des Weiteren soll Karl V. die Protestanten des Angriffs beschuldigt haben.[34] Aus Sicht des Autors ist dieser Aussage zuzustimmen, allerdings muss hervorgehoben werden, dass dieser geplante Krieg kein „Kreuzzug“ gegen die Protestanten war und auch nicht so konzipiert wurde. Zwar lässt sich die Einbindung des Papstes in das Unternehmen als Indiz für einen „Ketzerkrieg“ bzw. Kreuzzug gegen die „Ungläubigen“ sehen, jedoch stehen dem die Bündnisse mit den protestantischen Fürsten gegenüber, welche Karl V. einging.[35] Neben der religiösen spielte die machtpolitische Komponente eine ebenso große Rolle. In den Augen des Kaisers war es somit wohl eher ein Waffengang, um den Schmalkaldischen Bund und damit die politisch organisierte ständische Macht des Protestantismus im Reich zu vernichten und das Habsburger Kaisertum gegenüber den Ständen zu stärken.[36] Karl schrieb am 9. Juni 1526 an seine Schwester Maria von Ungarn: „habe mich angesichts all dieser Umstände und Überlegungen entschlossen, den Krieg gegen den besagten Herzog von Sachsen und Landgrafen von Hessen zu beginnen als gegen Störer des allgemeinen Friedens und Verächter der Autorität des heiligen Reichs […]. Wie sehr auch die Möglichkeit besteht, dass dieser Deckmantel und Vorwand für den Krieg es nicht verhindert, daß die Abtrünnigen davon überzeugt sind, es geschehe wegen der Religion, wird dies doch ein Anlass sein, sie zu trennen.“[37] Des Weiteren gehe es seiner Meinung nach darum, die evangelischen Stände zu „einigermaßen erträglichen Bedingungen zu nötigen, durch die man, wenn man schon nicht mehr damit erreicht […] verhindern kann, dass alles unwiderruflich verloren geht.“[38]

Allerdings war Karl V. klar, dass er diesen so verstandenen Krieg aufgrund der territorialen und machtpolitischen Gegebenheiten (die Mehrheit des Reiches war protestantisch) nicht ohne Bündnispartner im Reich selbst führen konnte.[39] Der Kaiser nutzte die Reichstage, um erste Kontakte zu möglichen Verbündeten für den bevorstehenden Krieg zu knüpfen. Dabei gelang es ihm, bedeutende Herrscher auf seine Seite zu ziehen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg Kulmbach[40] und Markgraf Hans von Küstrin.[41] All diese Verhandlungen wurden im Geheimen geführt.[42] Die wichtigste Vereinbarung aus Sicht des Autors war aber die mit Herzog Moritz von Sachsen am 19./20. Juni, dessen Länder einen hohen strategischen Wert im Krieg gegen Kursachsen besaßen.[43] Kaiser Karl V. und seine Berater, vor allem sein Bruder Ferdinand, erkannten die Distanz, die Moritz zu den Hauptleuten des Schmalkaldischen Bundes hatte, und zogen ihn vor allem mit der Aussicht, die Kurwürde von Johann Friedrich zu erhalten, schließlich auf ihre Seite. Auf die besondere Rolle von Moritz von Sachsen während des Schmalkaldischen Krieges wird in Kapitel drei und vier noch genauer eingegangen. Für diese Bündnisse musste der Kaiser allerdings auch Zugeständnisse machen: So versicherte er beispielsweise dem Markgrafen von Küstrin und Herzog Moritz, dass man nicht mit dem Schwert gegen die Religion vorgehen wolle, sondern bis zu einer Lösung der Frage auf einem Konzil warten wolle. In weiteren Zugeständnissen ging es dann vor allem um territoriale Gewinne und um die Kurwürde für Herzog Moritz.[44] Auch Papst Paul III. sicherte in einem Vertrag vom 7.6.1546 dem Kaiser seine finanzielle und militärische Hilfe zu, während Herzog Wilhelm von Bayern neben territorialen Gewinnen die pfälzische Kurwürde versprochen wurde.[45] Der Papst verpflichtete sich, außer den bereits übergebenen 200.000 Dukaten ungefähr 12.500 Soldaten für die Dauer von vier Monaten bereitzustellen[46] und ein weiteres Jahr die Hälfte der kirchlichen Einnahmen Spaniens sowie 5.000.000 Dukaten aus den Lehengütern der spanischen Klöster beizusteuern.[47] Mit dem bayerischen Herzog konnte der Kaiser jedoch nur einen Vertrag über dessen Neutralität sowie über logistische Hilfe und Verpflegung für die kaiserlichen Truppen schließen.[48]

[...]


[1] Vgl. dazu Moeller, 1999 und Rabe, 1996.

[2] Burkhardt, 1997: 682.

[3] Stajnko, 2009: 15, Z.6 ff.

[4] Vgl. Parker, 1991: 38, Z.16 ff.

[5] ebenda : 39, Z. 19 f.

[6] Vgl. ebd : 38, Z. 26 ff.

[7] Stajnko, 2009: 16, Z.4 ff.

[8] Vgl. Wimmer, 1996: 247 f.

[9] Vgl. Wimmer, Berlin 2009.

[10] Johann, 2001.

[11] Vgl. Brady, 1983.

[12] Herder, 1857: 100; Hollberg, 2004: 106.

[13] Haug-Moritz, 2002.

[14] Hollberg, 2004: 106.

[15] Vgl. Johann, 2001.

[16] Schmalkaldischer Bund, Artikel auf historicum.net

[17] Haug-Moritz, 2002.

[18] Sachsen war seit dem 11. November 1485 durch die „Leipziger Hauptteilung“ in ein ernestinisches, mit der Resident Weimar und den meisten Besitzungen im Westen, und ein albertisches Fürstentum mit der Residenz Dresden und dem Schwerpunkt der Ländereien im Osten geteilt. Vgl. dazu Kroll, 2007.

[19] Wieland, 1997: 25.

[20] Gebhardt, 2007: 27.

[21] Hollberg, 2004: 106.

[22] Gebhardt, 2007: 27f.

[23] Schmalkaldischer Bund, Artikel auf historicum.net

[24] Haug-Moritz, 2002.

[25] Schmalkaldischer Bund, Artikel auf historicum.net

[26] Haug-Moritz, 2002.

[27] Johann, 2001.

[28] Winter, 2010: 107f.

[29] Mörke, 2005: 57.

[30] Geiß, 2006: 281.

[31] Rabe 1991, S. 392.

[32] Vgl. Kohler,2001: 296.

[33] Schulte-van Pol, 1997.

[34] Seibt, 1990: 162; Vgl. dazu auch Rassow, 1977: 61.

[35] Vgl. Fuchs, 1984: 186.

[36] Vgl. Schorn-Schütte, 2000: 65; Johann, 2001 und Rassow, 1977: 61.; allgemein siehe dazu auch Kohler, 2005.

[37] Kohler, 1990: 325, Nr. 87.

[38] Ebd.: 324.

[39] Schorn-Schütte, 2000: 65.

[40] Über Alkibiades z.B. Herrmann, 2003: 191-194.

[41] Kohler, 2001 :299

[42] Rabe, 1989: 259.

[43] Vgl. Ebd.: 161.

[44] Rabe, 1971: 70.

[45] Rabe, 1989: 260f.

[46] Kohler, 2001: 296.

[47] Rabe, 1989: 258.

[48] Seibt, 1990: 162.

Details

Seiten
33
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668205895
ISBN (Buch)
9783668205901
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320925
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Department für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
eine betrachtung krieges

Autor

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Titel: Eine strategisch-militärische Betrachtung des schmalkaldischen Krieges