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Sexueller Kindesmissbrauch. Wie sieht das Täterprofil aus? Welche Folgen und Auswirkungen hat sexueller Missbrauch auf das Verhalten des Kindes?

Zu Prävention und Intervention im Rahmen der Sozialen Arbeit

Seminararbeit 2013 20 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Was ist sexueller Missbrauch?
2.1 Definition
2.2 Daten und Fakten

3. Täterprofil
3.1 Täter im engen Umfeld
3.2 Strategien der Täter

4. Folgen von sexuellem Missbrauch
4.1 Psychische Veränderungen
4.2 Die physische Veränderung

5. Prävention
5.1 Das Präventionsdreieck
5.2 Präventionsmöglichkeiten in Einrichtungen
5.3 Präventionsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit

6. Intervention
6.1 Handlungsorientierung für die Intervention bei sexuellem Missbrauch

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Jedes Kind hat ein Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit.“(§1631BGB)

Dieses Gesetz sollte den höchsten Stellenwert in dem Leben eines Kindes einnehmen.

Nach dem Englischen Philosoph John Locke, kommt jedes Kind als unbeschriebenes Blatt zur Welt, auch Tabula Rasa genannt. Dies bedeutet, dass die Ereignisse, Erlebnisse und Erfahrungen, die ein Kind in seinem Leben macht, dieses Blatt füllen und prägen- negativ wie positiv.

Wir als Gesellschaft sind also dafür verantwortlich, dass jedes Kind seelisch und körperlich unangetastet aufwachsen darf. Doch leider ist dies nicht immer gegeben.

Tag täglich werden in Deutschland unschuldige Kinder sexuell Missbraucht, ob in der Familie, im sozialen Nahraum oder von fremden Tätern. Sexuellen Missbrauch gibt es in überall, egal aus welcher Schicht oder welchem Umfeld ein Kind kommt, welche Nationalität oder welchen Bildungsstand es hat. (vgl. Schmidt, 2002, S. 5)

Regelmäßig kommen neue, schreckliche Missbrauchsfälle an die Öffentlichkeit.

Der beschützte Raum, das beschützte Umfeld eines Kindes wird angegriffen. Doch was ist ihr beschützter Raum? Die Familie, Freunde, die Nachbarn, der Sportverein, die Kirche, etc….eben dort wo ein Kind sich arglos und vertrauensvoll aufhält. Und genau diese positive Eigenschaft eines Kindes wird bewusst von den Tätern ausgenutzt.

Im Hinblick auf diesen sexuellen Missbrauch nimmt die Soziale Arbeit durch Prävention und Intervention einen immer höheren Stellenwert ein.

Die primäre Fragestellung der Arbeit wird deswegen sein: Was genau ist sexueller Missbrauch? Wie sieht das Täterprofil aus und welche Folgen und Auswirkungen hat sexueller Missbrauch auf das Verhalten des Kindes?

Das Hauptaugenmerk jedoch wird auf die Prävention und Intervention in der Sozialen Arbeit gelegt. Mit welchen Programmen, intern sowie extern, können Kinder spielerisch lernen „Nein!“ zu sagen, sich wehren und sich an Ansprechpartner wenden? Welche Schutzkonzepte müssen in einer Einrichtung entwickelt werden um Kinder präventiv zu schützen? Wie können die Familien mobilisiert werden genau diesem Thema ein Raum in der alltäglichen Erziehung ihres Kindes zu geben und welche Interventionsstrategien und welche Interventionsarbeit muss die Soziale Arbeit bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch leisten?

Im letzten Teil der Arbeit wird die eigene professionelle Haltung eines Sozialarbeiters sowie das Fazit der Arbeit bearbeitet. (Anmerkung: Sowohl weibliche als auch männliche Personen sind mit dieser Berufsbezeichnung gemeint)

Die vorliegende Arbeit umfasst das Alter des Kindes vom Eintritt in die Kita bis zum Übergang in das Jugendalter.

2. Was ist sexueller Missbrauch?

„Sexueller Missbrauch von Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind vorgenommen wird. Der Täter oder die Täterin nutzt seine beziehungsweise ihre Macht und Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Mädchens oder des Jungen zu befriedigen“ (Hilfeportal Sexueller Missbrauch, 2014)

Sexueller Missbrauch lässt sich durch viele Kriterien beschreiben. Der Täter übt dem Kind gegenüber Gewalt, durch Sexualität aus, der Täter ist dem Kind meistens bekannt und die Tat ist gut geplant und bleibt in den meisten Fällen nicht eine einmalige Tat. (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2002)

Der Begriff Täter, schließt in den meisten Fällen männliche, sowie weibliche Personen ein.

In der Literatur und in den Medien gibt es verschiedene Auslegungen und Bezeichnungen für sexuellen Missbrauch. Auch Bezeichnungen wie sexuelle Gewalt oder sexuelle Misshandlung sind oft vorzufinden. Bislang ist es umstritten, welcher Begriff am spezifischsten das Ausmaß dieses Geschehens definiert. In Deutschland findet der Begriff „sexueller Missbrauch“ dennoch am häufigsten in den Medien, der Öffentlichkeit und bei den Betroffenen Verwendung. (vgl. Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs)

Aus diesem Grund, da hauptsächlich der Begriff „sexueller Missbrauch“ verwendet wird, findet er auch im weiteren Verlauf meiner Arbeit verwendung.

Sexueller Missbrauch ist schon lange kein Tabuthema mehr und bedarf deshalb einer richtigen Definition um das Ausmaß und die Auswirkungen zu verdeutlichen und es einzugrenzen.

2.1 Definition

Bei der Definition ist es wie bei vielen anderen wissenschaftlichen Themen auch: Eine Definition, der sich alle anschließen, gibt es nicht. Jeder Autor, hat eine andere Auslegung für die Definition von sexuellem Missbrauch.

„In der Fachliteratur wird eine Reihe von Begriffen verwendet, welche sexuelle Gewalthandlungen gegen Kinder, bzw. Jugendliche bezeichnen. Dabei ist zu beobachten, dass durch den ungleichen Einsatz von Bezeichnungen eine begriffliche Vielfalt entsteht, welche immer wieder zu Missverständnissen führt. Die Erfordernisse der Forschung und Diagnostik ebenso wie die Behandlung von Betroffenen bzw. Tätern und nicht zuletzt die Öffentliche Diskussion rund um die Thematik benötigen jedoch möglichst exakte Bezeichnungen und Definitionen.“ (Bange 2004, S. 30)

Bei der Wahl einer Definition ist es primär wichtig, sie so zu wählen, dass verschiedene Gesichtspunkte angesprochen werden und sie sich auf verschiedene Erklärungsansätze stützt.

Die Definitionen lassen sich wie folgt in zwei unterschiedliche wichtige Definition Gliedern: Enge Definitionen und Weite Definitionen.

Enge Definitonen beziehen sich hauptsächlich auf körperlichen Missbrauch. Damit ist der anala, vaginale und orale Geschlechtverkehr gemeint. (Bange 2002, S.37)

Sie sagt somit aus, dass hier nur von sexuellem Missbrauch gesprochen werden kann, wenn der Täter und das Opfer direkten Körperkontakt haben.

Weite Definitionen hingegen beziehen sich zusätzlich auch auf den nicht körperlichen Missbrauch. Zu der weiten Defintion gehören somit sexuelle Handlungen wie Exhibitionismus, anzügliche Bemerkungen sowie pornographische Handlungen. (vgl. Krieger et. al, 2007, S. 64)

Durch diese beiden Definitionen ist zu erkennen, wie unterschiedlich sexueller Missbrauch definiert werden kann.

„In der Jugendhilfe finden sich daher überwiegend „weite“ Definitionen von sexuellem Missbrauch“. (Unterstaller 2006, S.6-2)

Bei den weiten Definitionen wird nicht wie in den engen Definitionen nur der körperliche Aspekt beleuchtet. Sexueller Missbrauch beginnt stattdessen auch schon durch beispielsweise Worte, also anzügliche Bemerkungen mit welchen des Kind konfrontiert wird.

Zusätzlich zu den engen und weiten Definitionen gibt es die Form der ostensiven Definition. Nach Carlson (1994), wird sexueller Missbrauch wie folgt beschrieben: „Sexuellen Kontakt zwischen einem Kind (gewöhnlich definiert als unter 18 Jahren) und einem Erwachsenen oder einer Person, die zumindest fünf Jahre älter ist als das Opfer, zum Zweck der sexuellen Befriedigung des Täters. Der Kontakt schließt ein: Vergewaltigung, Geschlechtsverkehr, oder Geschlechtskontakt, Oral- oder Oral-Analkontakt, Streicheln, erzwungene Berührungen, des erwachsenen Körpers, Konfrontation mit oder erzwungene Betrachtung von sexuellen Handlungen ob in der Realität, auf Fotos oder im Film oder die Verwendung von Kindern als pornographisches Material.“ (Wipplinger/Amann 1997, S.20)

Vergleich man nun diese verschiedenen Definitionsversuche, ist zu erkennen, dass die ostensive Definition sowohl enge als auch weite Faktoren miteinschließt.

Der ostensiven Definition fehlt jedoch weitere Täterbeschreibungen bzw. Motive wie das Machtverhältnis und das Verlangen nach Macht sowie Neigungen im narzisstischen Bereich und spezielle Wünsche des Täters. Auch wird nach Carlson, sexueller Missbrauch nur dann auch so benannt, wenn der Täter 5 Jahre älter als das Opfer ist. Findet sexueller Missbrauch also beispielsweise zwischen einem 14-Jährigen Jungen und einem 11 Jährigen Mädchen statt wird dies nicht als sexueller Missbrauch gesehen.

Die weite Defintion kann zwar eine große Personengruppe erfassen, jedoch nicht die Person als Einzelne mit individuellen Bedürfnissen.

Die enge Definition bezieht sich zwar zusätzlich auf den nicht direkten körperlichen Kontakt, klammert aber möglicherweise sexuelle Handlungen und Vorgänge aus. Dies kann dazu führen, dass diese nicht beachteteten Handlungen und Vorgänge folgeschwere Auswirkungen auf das Erleben des Opfers haben könnte.

(vgl. Wolfgang Krieger et. al, 2007, S. 64, ff.)

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass alle drei Definitionen wichtige Faktoren einschließen, aber auch wichtige Faktoren ausklammern. Gerade aufgrund dessen ist es von hoher Bedeutung in Zukunft eine Definition zu entwicklen, die möglichst alle Faktoren miteinschließt und als wichtige Grundlage in der Prävention und Intervention von sexuellem Missbrauch genutzt werden kann.

2.2 Daten und Fakten

„Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) sind die Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern (§§ 176, 176a, 176b Strafgesetzbuch) in den letzten beiden Jahren leicht angestiegen, nachdem 2009 der niedrigste Wert seit 1993 zu verzeichnen war (11.319 Fälle): Im Jahr 2011 wurden 12.444 Fälle verzeichnet und im Jahr 2012 waren es 12.623 Fälle. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst jedoch nur das Hellfeld, also die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie endbearbeiteten Straftaten. In diesem Deliktsbereich wird aber von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen, also der Polizei nicht bekannt gewordener Straftaten“ (Unabhängiger Beauftragter für Fragen von sexuellem Kindesmissbrauch, 2014).

Mit Hellfeld sind sexuelle Straftaten gemeint, die aufgenommen werden konnten. Im Dunkelfeld bewegen sich viele unentdeckte Sraftaten sexuellen Missbrauchs. Da viele Opfer sich nicht an die Polizei wenden bleiben diese unentdeckt.

„Trotz vermehrter Hinweise auf diese gesamtgesellschaftliche Problematik sind Hintergründe, Umstände und Ausbreitung sexuellen Missbrauchs in Deutschland, bisher sehr wenig erforscht worden“. (Falardeau 1998, S.16)

Mit dieser Aussage macht Waltraud Falardeau darauf aufmerksam, wie wichtig es deshalb ist, in Deutschland durch Prävention und Intervention in der Sozialen Arbeit sowie der Gesellschaft, die Dunkelziffern zu verkleinern, sowie Hintergründe und Umstände intensiver zu erforschen sowie die Ausbreitung zu verringern.

3. Täterprofil

Wie schon bei 2.2 erwähnt, gibt es keinen „typischen Täter“. Sie sind nicht an äußeren Erscheinungsmerkmalen, ihrem Beruf, ihrer Herkunft oder ihrer Schicht zu erkennen. Mit dem Begriff „Täter“ sind sowohl weibliche als auch männliche Personen gemeint. In 80-90 % der Fällen, sind es jedoch männliche Täter den den sexuellen Missbrauch an Kindern begehen. (vgl. Hilfeportal Sexueller Missbrauch)

Für alle Personen, die im täglichen Kontakt mit Kindern stehen und für deren Schutz verantwortlich sind, ist es wichtig, dass diese mit dem Täterprofil bekannt sind.

3.1 Täter im engen Umfeld

„Da die meisten Täter aus dem sozialen Nahraum des Opfers kommen, sind sie den Kindern bekannt und haben damit auch vonseiten der Kinder schon einen Vertrauensvorschuss“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, S. 15)

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Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668200807
ISBN (Buch)
9783668200814
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320829
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
2,3
Schlagworte
Sexueller Missbrauch Kindesmissbrauch

Autor

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Titel: Sexueller Kindesmissbrauch. Wie sieht das Täterprofil aus? Welche Folgen und Auswirkungen hat sexueller Missbrauch auf das Verhalten des Kindes?