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Bericht zum Fachpraktikum Englisch und Unterrichtsentwurf zum Thema Islam in Großbritannien (11. Klasse Gymnasium)

von Marc Felsbrecher (Autor)

Praktikumsbericht / -arbeit 2016 22 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Unterrichtsentwurf (Langentwurf)
2.1 Bedingungen
2.1.1 Unterrichtszusammenhang
2.1.2 Lerngruppenanalyse
2.2 Didaktische Analyse
2.2.1 Legitimation
2.2.2 Sachanalyse
2.2.3 Transformation
2.3 Methodische Analyse
2.3.1 Steuerungsverhalten
2.3.2 Phasierung, Sozialformen, Handlungsmuster und Medien
2.3.3 Stundenziele, Teilziele
2.4 Reflexion der gehaltenen Unterrichtsstunde

3. Hospitationsbericht

4. Abschlussreflexion

Bibliographie

1. Einleitung

„Die Schulerkundungen, die man im Lehramtsstudium macht [...] erlauben einen ersten Einblick in die Berufstätigkeit [...]. Sie geben die Möglichkeit zum vorsichtigen Erkunden der eigenen Kompetenzen und sie liefern wichtige Impulse für die Ausformulierung persönlicher Entwicklungsaufgaben. Aber diese Effekte treten nicht zwangsläufig ein, sondern nur dann, wenn die gesammelten neuen Erfahrungen gründlich reflektiert werden“ (Meyer 2013:12).

Im Februar 2016 beginne ich mein fünfwöchiges Fachpraktikum im Unterrichtsfach Englisch an einem Gymnasium im Rahmen meines Masterstudiums für Musik und Englisch für höheres Lehramt an der Leibniz Universität. Die Schule beschäftigt aktuell zirka 50 Lehrkräfte und Mitarbeiter, die etwa 900 Schüler unterrichten oder betreuen.1 Die Schule wurde 1835 als „Realgymnasium A-Stadt“ oder „höhere Bürgerschule A-Stadt“ gegründet und ist damit das zweitälteste Gymnasium der Stadt. Im Realgymnasium sollte laut seinem Gründer eine Schulformen entstehen, deren Besuch für einfache Bürger bezahlbar war. Das „Realgymnasium“ nach seiner Vorstellungen sollte zudem naturwissenschaftlich-technisch sowie gleichzeitig auch wirtschaftlich orientiert sein, also die sogenannten „Realien“ („Handelsschule“) an die Söhne und Töchter des städtischen Bürgertums weitergeben und sich damit vom seinerzeit vorherrschenden Bild des klassischen humanistischen Gymnasiums abheben. Beides konnte der Gründer ab 1835 am Realgymnasium in A-Stadt verwirklichen. Heute sind Ziele und Leitbild der Schule in der zwölf Punkte umfassenden, 2009 ausgearbeiteten Schulcharta festgehalten. Die Schülerinnen und Schüler2 an der Schule entstammen bei oberflächlicher Betrachtung im wesentlichen dem bürglichen Milieu des naheliegenden Stadtteils, auch wenn die Schule traditionell gerne Schüler aus sozial schwachen Familien, aus „Arbeiterfamilien“ oder Schüler mit Migrationshintergrund aufnimmt. Es gibt keine bekannten wiederkehrend oder gehäuft auftretenden disziplinarischen Probleme oder Probleme mit Gewalt oder Drogenmissbrauch an der Schule.

Zielsetzung des Englischunterrichtes in der 5. und 6. Klasse ist der Aufbau eines „Grundenglisch“. In den folgenden Klassenstufen 7-10 soll mit vielen authentischen Texten, Materialien, Themen und Inhalten, die aktuell und schülernah sind und in ihrer Aufbereitung viele Sprechanlässe bieten, die Entwicklung der sprachlichen Handlungskompetenz gefördert werden, während ab Klasse 11 (Kursstufe) der Unterricht durch die Vorbereitung auf das jeweils vorgeschriebene Zentralabitur geprägt ist. Zur Zeit meines Praktikums wird in der Unterstufe das Lehrwerk „Acess“ (Cornelsen) erprobt, während ab Klasse 7 mit „Green Line“ von Klett gearbeitet wird. In Jahrgang 8 werden außerdem unregelmäßig bilinguale Projekte fächerübergreifend zwischen Geschichte und Englisch angeboten, die sich mit der amerikanischen Geschichte befassen. Zudem unterhält die Schule ein aktives Austauschprogramm mit einer Partnerschule in South Carolina (USA). Jährlich können bis zu 15 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 an dem zweiwöchigen Programm im Februar teilnehmen, wobei die Voraussetzung dafür die Teilnahme an einem Wahlpflichtkurs Erdkunde mit Themenschwerpunkt Amerika ist. Regelmäßiger bilingualer Unterricht oder Angebote des Faches Englisch im AG- oder Ganztagsbereich sind leider nicht zu finden.

Meine persönlichen Erwartungen an das Fachpraktikum Englisch sind in erster Linie, mich selbst praktisch in der Lehrerrolle erpoben zu können und mit dem Aufbau einer praktischen Lehrkompetenz beginnen zu können. Ich möchte zudem Rückmeldungen der betreuenden Lehrkräfte oder der Schüler dazu nutzen, meinen Berufswunsch abermals zu überprüfen (Bin ich als Lehrer geeignet?). Meine größten Ängste beziehen sich darauf, dass ich den an mich gerichteten Erwartungen nicht gerecht werden kann beziehungsweise in der mir (zeitweise) zugewiesen Lehrerrolle nicht so überzeugend auftreten zu kann, dass ich von den Schülern als Lehrperson ernst- oder von den Lehrern der Schule als „Fachkollege“ angenommen werde. Ewald Kiel beschreibt in seinem Aufsatz „Das [Schul-]praktikum als Selbsterkundung“ unter anderem die folgenden Fragen, die sich Studierende typischerweise vor einem Praxiskontakt mit der Schule stellen:

- „Genüge ich den Anprüchen, die die betreuenden Lehrkräfte im Praktikum an mich stellen?
- Gelingt es mir, die Schüler in einem Rahmen des akzeptabelen Verhaltens zu halten, der mir angemessen erscheint?
- Kann ich mich als Lehrperson so verhalten, dass es den Schülern angemessen erscheint?“

Diese drei ausgewählten Fragen entsprechen meinen persönlichen Bedenken und Erwartungen an das Fachpraktikum sehr genau. Wie bereits erwähnt, sehe ich meine hauptsächliche Herausforderung im Schulpraktikum darin, die Lehrerrolle so auszufüllen, dass es mir gelingt, „die Schüler in einem für mich akzeptabelen Rahmen des Verhaltens“ zu halten (Klassenführung) und so eine Unterrichtsatmosphäre zu schaffen, die ein Erreichen der für die Unterrichtsstunde gesteckten Lernziele ermöglicht. Diese Schwerpunktsetzung mag unter anderem darauf beruhen, dass ich selbst in meiner Schulzeit Teil einer sehr „problematischen“ Klasse war, in der ein zielgerichtetes Unterrichten durch Störungen über lange Strecken gar nicht oder nur in sehr begrenztem Maße möglich war. Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass gewisse Lehrpersonen durch ihr Auftreten und ihre Methodenwahl die Möglichkeit hatten, auch eine sehr unruhige und unkonzentrierte Klasse in einem befriedigenden Maße zu unterrichten, was andererseits natürlich auch eine weniger stressreiche Unterrichtssituation für die Lehrkraft selbst bedeutet. Ich möchte versuchen, Methoden der Klassenführung (u.a. nach: Kounin 1976. Vgl: Kiel,Weiß 2013:89) praktisch einzusetzten, um bereits bei meinen ersten Unterrichtsversuchen ein solches Lehrerverhalten sowie eine gute Steuerung und Disziplinierung der Klasse an den Tag zu legen.

2. Unterrichtsentwurf (Langentwurf)

2.1 Bedingungen

2.1.1 Unterrichtszusammenhang

Die Stunde wird in einem Englischkurs auf grundlegendem Niveau in der Klassenstufe 11 gegeben (Englischgrundkurs). Die SuS in diesem Kurs werden voraussichtlich im Frühjahr 2017 ihre Abiturprüfungen antreten, befinden sich also im 2. Semester ihrer Qualifikationsphase. Die Stunde wird am Montag, den 07.03.2016, in der Zeit von 10.00-11.30 Uhr (Doppelstunde ohne „kleine Pause“) gehalten.

Verbindliche Inhalte für den Englischunterricht auf grundlegendem Anforderungsniveau für das Abitur 2017 sind laut niedersäsischem Kultusministerium:

- Short Story: Hanif Kureishi, “My Son the Fanatic”
- Drama: Arthur Miller, Death of a Salesman (für Berufliche Gymnasien)

Arthur Miller, The Crucible (für allgemein bildende Schulen)

- Film: Billy Elliot (nibis.de:23.03.2016)

Entsprechend werden die genannten drei Inhalte, die sich in Drama, Kurzgeschichte sowie Film gliedern, in der Qualifikationsphase von diesem Englischkurs behandelt. Außerdem finden, neben den langjährig bestehenden schriftlichen Abiturprüfungen auf Grundlage der Inhalte, die in den Oberstufenkursen bearbeitet wurden, 2017 Prüfungen in Hörverstehen und Sprachmittlung als Teil der allgemeinen Abiturprüfungen im Fach Englisch statt (nibis.de; 23.03.2016).

Die aktuelle Unterrichtseinheit im Kurs trägt den Titel „Multicultural Britain“ und behandelt die Integrations- und Identitätsproblematik bei muslimischen Einwanderern in England. Im laufenden Semester wird, dazu passend, Hanif Kureishis Kursgeschichte „My Son the Fanatic“ erarbeitet. Es wird im Unterricht mit dem Lehrwerk „Context“ von Cornelsen gearbeitet, welches eine entsprechende Einheit („The UK – A Kingdom United?“) anbietet (Vgl. 92f.).

In den dieser Unterrichtsstunde unmittelbar vorangegangenen Stunden wurde der abiturrelevante Text „My Son the Fanatic“ im Kurs erarbeitet. Die gesamte Kurzgeschichte wurde in vier Doppelstunden im Unterricht gelesen, wobei vielfältige begleitende Aufgabenstellungen („take short notes“, „skim the text“, „write a scene and act it out“, „solve the reading quiz“, „tell your partner what happened“) das Leseverstehen sichern sollten (Gehring 2010:151). In den Unterrichtsstunden davor waren die Rolle Englands als Kolonialmacht, Damien O´Donell´s Film „East is East“ sowie Mike Bartletts Stück „Artefacts“ thematische Inhalte des Englischunterrichtes. In der letzten, direkt vorangegangenen Stunde wurde die Lektüre von „My Son the Fanatic“ abgeschlossen. Es gab keine Hausaufgaben.

Inhalt dieser Unterrichtsstunde ist die Auseinandersetzung mit Safraz Manzoors Zeitungsartikel „Britain should integrate into Muslim values“, erschienen 2007 im Guardian. In seinem Artikel stellt Manzoor unter anderem die kontroverse These auf, dass religiöser Fanatismus erst mit der zunehmenden Integration von Muslimen in die englische (Gast-)Kultur entstehe (Siehe 2.2). Die SuS können sich bei der Erarbeitung des Zeitungsartikels auf das in den vorangegangen Stunden erworbene Wissen berufen (Integrationsproblematik in England) sowie Manzoors Thesen auf die Kurzgeschichte „My Son the Fanatic“ beziehen (Anforderungsbereich II). In der Fortführung wäre es möglich, Manzoors Thesen mit Schülermeinungen zu vergleichen beziehungsweise sie mithilfe des in den vorangegangen Stunden erworbenen Wissens argumentativ zu widerlegen oder zu bestätigen (Anforderungsbereiche II und III).

2.1.2 Lerngruppenanalyse

Dr. Wolfang Gehring, Professor für englische Fachdidatik, stellt fest, dass „wichtig für die Lehr- und Lernplanung [ist] [...], dass Angaben über Anforderungen, die an die Lerngruppe gestellt werden können, gemacht werden“ (Gehring 2010:84. Ferner: Ziener 2008). Entsprechend folgt ein kurzer Überblick über die Struktur sowie den Lern- und Leistungsstand des zu unterrichtenden Englisch Grundkurses.

Der Kurs besteht aus 26 Teilnehmern, hiervon 11 Schülerinnnen und 15 Schüler. Es gibt keine auffälligen Altersunterschiede, die Alterstruktur ist weitgehend homogen. Die Tische stehen in einer „U-Form“ im Kursraum. Die Sitzplätze sind vorne und hinten gleichmäßig besetzt. Es gibt eine feste Sitzordnung. Von den 26 SuS werden sich voraussichtlich 11 einer Abiturprüfung in Englisch auf grundlegendem Niveau unterziehen, die restlichen 16 SuS belegen Englisch in der Oberstufe als „Abdeckkurs“ und müssen entsprechend in diesem Fach keine Abiturprüfung antreten. Aufgrund der zeitlichen Anordnung der Kurse auf Stundenleisten handelt es sich in diesem Englisch Grundkurs hauptsächlich um SuS mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunktprofil. Der Leistungsstand sowie der Anteil an Abiturprüflingen unter den Kursteilnehmern ist für die Schule überdurchschnittlich. Der Notendurchschnitt lag im vergangenem Halbjahr bei fast 10 Punkten.

Dennoch gibt es eine deutliche Leistungsheterogenität. Die drei leistungsstärksten Schüler haben im Unterrichtsgespräch den größten Redenanteil. Bei ihnen handelt es sich um zwei „halb-Muttersprachler“, bei denen jeweils ein Elternteil englischer Muttersprachler ist, sowie einen Schüler der, nach Aussage des Kollegiums, in allen Fächern sehr leistungsstark ist und wahrscheinlich ein sehr gutes Abitur ablegen wird. Die grammatische Richtigkeit der mündlichen Beiträge sowie die Korrektheit in der Aussprache des Englischen ist bei diesen Schülern gut bis sehr gut. Zudem zeigen sie auch große inhaltliche Kompetenz sowie überdurchschnittlich gute Diskussions- und Abstraktionsfähigkeit. Weitere 12 SuS sind – mehr oder weniger - regelmäßig am Unterrichtsgespräch, vornehmlich bei Aufgabenstellungen im Anforderungsbereich I oder II, beteiligt. Einige dieser Kursteilnehmer zeigen Schwächen in Aussprache, Grammatik und Wortschatz. Bei einem Schüler ist auffällig, dass er dem Unterricht folgt, interessiert ist und inhaltlich wertvolle Redebeiträge leisten kann, jedoch deutliche Probleme hat, seine abstrakten Gedankengänge sprachlich korrekt auszudrücken. Die verbleibenden 11 Kursteilnehmer sind sehr sporadisch, in der Regel nur bei persönlicher Ansprache oder bei Präsentationen, am Klassengespräch beteiligt. Es gibt 4 SuS die auch auf Nachfrage quasi jede Redebeteiligung verweigern, wobei anzumerken ist, dass zwei dieser Kursteilnehmer im Schriftlichen befriedigende bis gute Leistungen zeigen. Ein vormals mündlich aktiver Schüler ist seit dem Beginn des Halbjahres, bedingt durch einen Sitzplatzwechsel, nur noch selten am Unterricht beteiligt und häufig abgelenkt. Ein Kursteilnehmer leidet zudem unter Asperger-Autismus. Er ist nicht am Unterrichtsgespräch beteiligt und hat bisweilen große Probleme Aufgabenstellungen, die eine emotionale Aufgabenkomponente (z. B. „Write a letter telling about your feelings“) enthalten, zu lösen, kann den formalen Mindestanforderungen des Kurses jedoch in einem ausreichenden Maß gerecht werden. Bis auf einzelne Ausnahmefälle erhält dieser Schüler keine Sonderbehandlung und keinen Nachteilsausgleich.

Die Hauptkompetenz, die die SuS für die erfolgreiche Mitarbeit in dieser Unterrichtsstunde brauchen, ist die Lese- und Verstehenskompetenz englischsprachiger Texte. Das Einüben dieser Kompetenzen ist einer der Hauptbestandteile des Englischunterrichtes auf allen Lernstufen (Vgl. Gehring 2010:143). Ziel dieser Arbeit ist es, den Lernenden dazu zu befähigen „Texterschließung zunehmend selbstständiger zu gestalten. [...] Von den Lernenden wird erwartet, dass sie explizit und implizit präsentierte Informationen in Lesetexten erkennen und erschließen“ (Gehring 2010:152).

Durch die zuvor gelesenen Texte und durch die Arbeit in den vorangegangenen Stunden wird meiner Meinung nach deutlich, dass die oben beschriebene Kompetenz in dem betreffenden Englischkurs in einem ausreichenden Maße vorhanden ist, um Safraz Manzoors Text „Britain should integrate into Muslim values“ im Unterricht erfolgreich erarbeiten zu können. Trotzdem muss das Textverständnis bei allen SuS methodisch (siehe 2.3) sichergestellt werden.

2.2 Didaktische Analyse

2.2.1 Legitimation

Inhalt der Unterrichtsstude ist die Erarbeitung des Zeitungsartikels „Britain should integrate into Muslim values“ von Safraz Manzoor, erschienen im Guardian im Jahr 2007. Nach einer Einstiegsphase erfolgt eine Gruppenarbeitsphase, in der die SuS in Kleingruppen die Charakteristika der drei von Manzoor in seinem Text beschriebenen prototyptischen Generationen von muslimischen Einwanderern in England herausarbeiten, auf Plakten stichpunktartig notieren und anschließend im Plenum vorstellen. In einem abschließenden Klassengepräch wird der Bezug zum Abiturtext „My Son the Fanatic“ hergestellt.

Der Inhalt der Unterrichtsstunde ist zunächst durch das niedersächsische Kerncurriculum Englisch legitimiert. Dieses fordert für SuS höherer Jahrgänge im Bereich „Leseverstehen“, dass diese „Sachtexten unter Verwendung von grundlegenden Texterschließungsverfahren gezielt Informationen entnehmen und Detailverständnis nachweisen“ sowie „ein umfangreiches Repertoire an Arbeitstechniken zum Erschließen von Texten (z. B. intensives und extensives Lesen, Erstellen von mind maps, gezielte Informationsentnahme) anwenden“ (15). Die Entwicklung der beschriebenen Kompetenzen lässt sich durch die regelmäßige Arbeit mit authentischen, englischsprachigen (Sach-)Texten angepassten Schwierigkeitsgrades sowie die Arbeit mit vielfätigen Methoden zur Texterschließung im Unterricht anbahnen (vgl. Gehring 2010:141f.). Da die Lerngruppe bereits über ausreichende Lesekompetenz für die Arbeit mit einem Text dieses Schwierigkeitsgrades verfügt (vgl. 2.1.2) und diesen somit selbstständig in Kleingruppen erarbeiten und gelernte Methoden zur Texterschließung mit anschließender Visualisierung und Präsentation zur Anwendung bringen kann (vgl. auch „Präsentation und Medien“, Nds. Kerncurriculum Englisch S. 24), ist der Stundeninhalt dadurch legitimiert, dass durch diesen die durch das Curriculum verbindlich vorgeschriebenen Kompetenzen eingeübt werden. Ferner bereitet eine Unterrichtsstunde, die eine Transferleistung zum verbindlich vorgeschriebenen Abiturtext „My Son the Fanatic“ enthält, unmittelbar den Inhalt der anstehenden Abiturprüfungen 2017 vor.

Der Inhalt der Unterrichtsstunde ist im Rahmen der Flüchtlingsproblematik sowie deren Diskussion in Deutschland momentan höchst aktuell. Fragen zum Umgang mit Immigranten fremder Religionszugehörigkeit, zu Integration und radikal muslimischem Fundamentalismus sowie Terrorismus sind europaweit Gegenstand der aktuellen politischen Diskussion. Entsprechend weist der Unterrichtsstoff eine große gesellschaftliche Relevanz auf, da den SuS Hintergrundwissen vermittelt wird, da geübt wird, sich kritisch mit verschiedenen Sachmeinungen zu aktuellen Integrationsfragen auseinanderzusetzen und da die Thematik neutral, objektiv und fachlich korrekt diskutiert wird. Da die SuS durch den Unterricht die Möglichkeit erhalten, mit inhaltlich fundierterem Wissen - gegebenenfalls auch in englischer Sprache - an der gesellschaftlichen Diskussion teilzunehmen, weist der Stundeninhalt zudem eine hohe Lernerrelevanz (persönliche Relevanz für den Schüler) auf.

2.2.2 Sachanalyse

Inhalt der Unterrichtsstude ist die Erarbeitung des Zeitungsartikels „Britain should integrate into Muslim values“ von Safraz Manzoor, erschienen im Guardian im Jahr 2007. Nach einer Einstiegsphase erfolgt eine Gruppenarbeitsphase, in der die SuS in Kleingruppen die Charakteristika der drei von Manzoor in seinem Text beschriebenen, prototyptischen Generationen von muslimischen Einwanderern in England herausarbeiten, auf Plakten stichpunktartig notieren und anschließend im Plenum vorstellen. In einem abschließenden Klassengepräch wird der Bezug zum Abiturtext „My Son the Fanatic“ hergestellt. In der Unterrichtsstunde wird mit einem selbst erstellten Arbeitsblatt, das neben dem Text auch den Arbeitsauftrag für die Gruppenarbeitsphase enthält, gearbeitet. Der Text mit Vokabelhilfen wurde Kletts „Green Line - Oberstufe“ entnommen.

Der Autor Sarfraz Manzoor, Jahrgang 1971 und gebürtig aus Pakistan, ist ein britischer Journalist, Blogger und Dokumentarfilmer (wikipedia.org:26.03.2016). Er studierte Politik und Wirtschaft an der University of Manchester (GB) und ist bekannt für seine politischen Kommentare zu Themen aus den Bereichen Kultur und Integration, die er im Guardian, bei Newsnight Review, Saturday Review, BBC Radio 4 sowie in seinem eigenen Blog publiziert. Er lebt in London (ibd.). Manzoor ist politisch dem linksliberalen Spektrum zuzuordnen. Seine Heirat mit einer nicht-Muslima sorgte auf Seiten seiner pakistanischen Familie für Kritik (theguardian.com:26.03.2016). Manzoors Kommentar „Britain should integrate into Muslim values“ stieß aufgrund der provokanten Thesen nach seiner Veröffentlichung 2007 bei konservativen Briten auf Ablehnung (Guillaume:2007).

Beim Text handelt es sich um einen politischen Kommentar aus einer englischsprachigen Tageszeitung. Nach einer kurzen Einleitung, in der traditionell muslimische Erziehungssysteme sowie die Selbst- und Fremdwahrnehmung der muslimischen Gemeinschaft in England (Z.1 - 15)beschrieben werden, folgt die Argumentation des Autors. Die Sprache des Autors ist bildhaft und somit eher literarisch als wissenschaftlich. Der Text ist aufgrund der beispielhaften Ausführungen und des teilweisen Gebrauchs von Umgangssprache (z.B. Z. 16, 17) gut verständlich. Kurze Hintergrundinformationen („Fact File“) werden gegeben sowie schwieriges Vokabular einsprachig erklärt.

Die Haupthese, die Sarfraz Manzoor in seinem Kommentar aufstellt, ist, dass das bei Kindern muslimischer Einwanderer in England gehäuft zu beobachtende Fehlverhalten (Drogenmissbrauch, Drogenhandel, Straftaten, aber auch religiöser Fanatismus) ein Ergebnis der vermehrten Integration westlich-englischer Werte in die muslimische Lebenskultur sei. Hierbei unterscheidet der Autor drei Generationen von Zuwanderern, wobei die erste (Eltern-)Generation streng in der Erziehung ihrer Kinder, bildungsfern, gläubig und stark in die muslimische Gemeinschaft eingebunden sei (Z. 24 – 30), die zweite stärker integriert und weniger gläubig oder streng in der Erziehung ihrer Kinder sei (Z. 30 -35), weswegen die dritte Generation, im wesentlichen aufgrund der fehlenden elterlichen Strenge und der fehlenden Integration in die muslimische Gemeinschaft, „aus dem Ruder“ laufe (Z. 35 – 44). Eine stärkere Orientierung der Briten an den traditionellen Werten muslimischer Erziehung wie elterlicher Strenge und Disziplin (vgl. Titel) könne, dem Autor zufolge, für weniger Probleme mit Straftaten oder religiösem Fantaismus in der jugendlichen Generation führen. In Bezug zu Hanif Kureishis „My Son the Fantatic“ ließe sich der Vater Parvez der zweiten von Manzoor prototypisch entworfenen Generationen paktistanisch-muslimischer Einwanderer (fehlende elterliche Strenge, intregriert, nicht streng gläubig) zuordnen, während sich der Sohn Ali der dritten Generation (religiöser Fundamentalismus als „Fehlverhalten“) zuordnen ließe.

[...]


1 Die folgenden Informationen zu Schulgeschichte, Schulprofil sowie Gestaltung des Unterrichtsfachs Englisch an der Schule entstammen der Internetseite der Schule (Stand 10.02.2016) sowie mündlichen Auskünften des Kollegiums.

2 Im Folgenden auch: „SuS“

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668208438
ISBN (Buch)
9783668208445
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320295
Note
2,0
Schlagworte
bericht fachpraktikum englisch unterrichtsentwurf thema islam großbritannien

Autor

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    Marc Felsbrecher (Autor)

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Titel: Bericht zum Fachpraktikum Englisch und Unterrichtsentwurf zum Thema Islam in Großbritannien (11. Klasse Gymnasium)