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Der Irak-Konflikt im Kontext des Typus "Neue Kriege"

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie der neuen Kriege

3. Chronologie des Irak-Konflikt

4. Der Irak-Konflikt als Typus der neuen Krie

5. Lösung eines „neuen Kriege
a. Theoretischer Zugang
b. nwendungsbeispiel Ir

6. Faz

7. Literaturverzeichn

1.Einleitung

Alte Kriege, neue Kriege. Mit dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges begann ein Prozess, der die Erscheinungsform der modernen Kriegsführung schrittweise veränderte. Sahen sich vormals Staaten im Konflikt mit anderen Staaten, wandelte sich diese Konstellation im Laufe der letzten 20 Jahre immens. Einher geht damit der Bedeutungsverlust für den Staat als Akteur, an dessen Stelle nun teilstaatliche oder auch private Akteure treten. Dies sorgt nicht nur für eine neue Art von Kriegsführung. Auch die Finanzierungsmöglichkeiten, Diplomatieansätze und Konfliktlösungsstrategien werden beeinflusst oder erleben einen direkten Wandel. Mit dieser Hausarbeit möchte ich die Theorie der neuen Kriege näher untersuchen und sie auf ein Fallbeispiel anwenden. Zunächst werde ich kurz auf die Theorie eingehen und ihre Grundannahmen näher erläutern. Aufbauend auf diesem theoretischen Gerüst werde ich den Konflikt im Irak (seit 2003) untersuchen und näher auf die Frage eingehen, inwiefern die Bemühungen der USA im Irak gescheitert sind und wie sich dies anhand der Theorie der neuen Kriege erklären lässt. Um an die Thematik des Irak-Konfliktes heranzuführen, folgt eine kurze Chronologie der Ereignisse, die die beteiligten Akteure und deren Intentionen näher untersuchen soll. Im Anschluss folgt die Fallanalyse, die den Irak- Konflikt als „Neuen Krieg“ typologisieren soll. Danach folgt eine Beschreibung der möglichen Lösungsansätze eines „neuen Krieges“. Dazu werde ich zunächst auf den theoretischen nsatz eingehen und diesen auf den Irak-Konflikt anwenden. Abschließend folgt im Fazit eine Bewertung des Untersuchungsgegenstandes, sowie eine mögliche Prognose.

Während meiner Recherche wurde deutlich, dass sowohl das Theorem der neuen Kriege, als auch der Irak-Konflikt als solcher, bereits eingehend untersucht wurden. Die Verknüpfung zwischen beiden stellt jedoch eine Lücke in der Forschung dar. Der Fokus der Untersuchungen richtet sich meist auf die Völkerrechtsverletztungen die einhergingen mit der Invasion im Irak und dessen Folgeereignissen. Genau an diesem Punkt soll diese Hausarbeit ansetzten und versuchen, diese zu schließen. Für dementsprechend hoch halte ich die wissenschaftliche Relevanz der Ausarbeitung.

2.Theorie der neuen Kriege

Die Definition von Krieg nach István Kende besagt, dass Krieg ein Massenkonflikt ist, der mindestens auf einer Seite reguläre Streitkräfte der Regierung vorweist, deren Operationen kontinuierlich stattfinden und zentral gelenkt werden ( Kende 1971: 6).Die Theorie der neuen Kriege folgte als neuer Erklärungsansatz von Konflikte nach dem Ende des Kalten Krieges. Sie betrachtet die klassischen Zwei-Staaten-Kriege als überholt, vielmehr spielen jetzt Akteure wie Paramilitärs oder private Akteure eine Rolle. Die Basis für diese Annahme bilden drei Säulen: Entstaatlichung, Asymmetrisierung und Autonomisierung.

Die Entstaatlichung steht im deutlichen Kontrast zu klassischen Kriegen und geht einher mit der Privatisierung von Gewaltmitteln. So werden Akteure wie regionale Warlords, paramilitärische Verbindungen, wirtschaftlich organisierte Firmen für private Sicherheit oder Terroristen zu den vordergründigen Trägern eines Konflikts. (Münkler 2002: 7). Ermöglicht wird dies durch die einfachen Beschaffungsmöglichkeiten moderner Waffen. Dies war in der Vergangenheit staatlichen Akteuren vorbehalten und untermauerte das Machtmonopol dieser. Durch den Bruch dieses Monopols ist es nun auch nicht staatlichen Akteuren möglich, Mittel zur Ausübung von Gewalt zu erlangen, was eine neue Kriegsökonomie zur Folge hat. Finanziert werden Waffen und Ausrüstung nun nichtmehr durch staatliche Mittel. Es existiert nun eine breite Masse an möglichen Finanzierungsmöglichkeiten, die die beteiligten Akteure nutzen. Diese unterscheiden sich nach regionalen Gegebenheiten. Dieser sind u.a. das Ausnutzen von Humankapital in Form von Prostitution, Entführungen oder Erpressung, das Erheben von Kriegssteuern oder Schutzgeldern. Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit bieten Bodenschätze wie Gold, Erdöl oder Edelsteine ( siehe Afrika „Blutdiamanten“), die durch Warlords oder andere Gruppierungen beansprucht werden. Auch der Anbau und Verkauf von Drogen bietet eine mögliche Einnahmequelle. Da sich neue Kriege oftmals in Ländern mit labilen oder zerstörten staatlichen Strukturen abspielen, wird auch humanitäre Hilfe, in Form von Lebensmitteln oder Geld missbraucht, um Gewaltmittel zu finanzieren oder diese direkt zu nutzen (Münkler 2002: 167). Dieser stetige Fluss an Finanzierungsmöglichkeiten hat zur Folge, dass sich diese Art von Konflikte meist über Jahre oder Jahrzehnte erstrecken.

Eine weitere Neuerung in der Theorie der neuen Kriege ist die Asymmetrisierung von Konflikte. Diese Konflikte sind oftmals geprägt von religiösen, kulturellen oder ethnischen Differenzen und unterscheiden sich damit von den klassischen Kriegen. Durch die Jahrzehnte lange Dauer dieser Konflikte verschwimmen dabei oft die ursprünglichen Auslöser der Auseinandersetzung. Diese Vermengung von Ursachen macht die Lösung eines Konflikts sehr schwierig und begünstigt die Asymmetrisierung von Konflikten. Sahen sich Staaten in der Vergangenheit mit klaren Fronten konfrontiert, deren Ziel der Gewaltausübung die gegnerischen Soldaten waren, wandelte sich dieses Bild stark. Da nun nichtstaatliche Akteure Mittel der Gewalt zur Verfügung haben, existieren keine klar definierten Fronten mehr. Der Staat verliert das Monopol der Gewaltanwendung (Münkler 2002: 33). Dadurch verschiebt sich das Ziel der Gewaltausübung zu Lasten der Zivilbevölkerung, diese können übergangslos auch zu Kombattanten werden. Gleichzeitig werden auch Teile der unbeteiligten Bevölkerung zum Zielobjekt und es kommt zu einer räumlichen Entgrenzung des Kriegsgeschehens. Ein weiterer Faktor der Asymmetrisierung ist die Auseinandersetzung zwischen staatlichen Militärs und Guerilla- oder Terrorgruppen. Diese sind für staatliche Akteure nicht ohne weiteres zu identifizieren und erschweren die Kriegsführung.

Die dritte Säule der Theorie der neuen Kriege stützt sich auf die Autonomisierung der Konflikte. Klassische Kriege folgen internationalen Konventionen, die eine Entgrenzung der Gewalt eindämmen sollen, u.a. Völkerrechtskonventionen etc. Diese nehmen jedoch nur staatliche Akteure in die Pflicht, d.h. nur diese können für Verfehlungen belangt werden. Durch die Asymmetrisierung der neuen Kriege nehmen nun auch Akteure an den Auseinandersetzungen teil, die nichtstaatlich sind. Diese sind nicht an bestehende Richtlinien gebunden, was zu erhebliche Schwierigkeiten für staatliche Akteure führt. Da diese nach geltendem Recht handeln, jedoch selber dieses nicht entgegen gebracht bekommen, kommt es zu einer einseitigen Willkür der Gewalt. Betroffen davon sind sowohl Kombattanten als auch Unbeteiligte des Konflikts.

Diese drei Säulen machen deutlich, wie komplex neue Kriege sind und welche neuartigen Verflechtungen auftreten. Die folgende Grafik macht dies anschaulich deutlich. Dabei steht der Bürger im Zentrum und sieht sich in der Krisensituation mit einer Reihe verschiedenster Wechselwirkungen konfrontiert.

(Quelle: Mary Kaldor: Alte und Neue Kriege. Frankfurt 2000.)

Bei Betrachtung verschiedenster neuer Konflikte fällt auf, dass diese Wechselwirkungen vor allem in Kriegen vorzufinden ist, die auf dem Gebiet ehemaliger Kolonialstaaten vorzufinden sind. Meist handelt es sich dabei um Staaten, die mit Zerfall zu kämpfen bzw. bereits als failing state bezeichnet werden können. Diese Staatszerfallskriege sind geprägt durch starken internationalen, außenpolitischen Einfluss und erschweren damit die Gewährleistung und Erzeugung innerstaatlicher Stabilität (Münkler 2002: 18).

3.Chronologie des Irak-Konflikts

Um den Fall des Irak-Konflikts angemessen zu untersuchen, ist es von Nöten die beteiligten Akteure sowie die Umstände der Auseinandersetzung zu betrachten. Dieser lässt sich in seinen Anfängen zunächst als klassischer Krieg bezeichnen. Zu Beginn der US-Invasion im Irak herrschten dort staatliche, wenn auch diktatorisch geprägte, Strukturen. Die Fronten und Kombattanten waren offensichtlich zu erkennen und unterschieden sich von der Zivilbevölkerung. Zeitlich terminieren lässt sich der Beginn des Krieges mit dem 20. März 2003. Die technisch überlegenen USA konnten innerhalb kürzester Zeit den Irak einnehmen, was zum offiziellen Ende des Krieges am 1. Mai 2003 führte. Der Armee des Diktators Saddam Hussein standen die USA, Großbritannien sowie die sogenannte Koalition der Willigen1 gegenüber.

Dieses schnelle Ende leitete den Übergang in einen Konflikt mit dem Typus der neuen Kriege ein. Die USA verwalteten den Irak bis zur Übergabe im Juni 2004. Diese kurze Zeit war geprägt von Fehlentscheidungen auf Seiten der USA. Diese hatten stark destruktive Wirkungen, die die Wirtschaft des Iraks innerhalb kürzester Zeit zum Erliegen brachte. Des Weiteren wurde das Verteidigungsministerium des Iraks aufgelöst und im Zuge dessen alle Soldaten der irakischen Armee entlassen (Tilgner 2012: 171 ff.). Der fehlende Sicherheitsapperat, sowie die Wut der entlassenen Soldaten schuf eine neue Gruppe von Akteuren, die sich Aufstandsbewegungen anschloss. Durch die katastrophalen und chaotischen Zustände im Irak, wurde es der Terrororganisation Al-Qaida ermöglicht, auch im Irak schnell Anhänger zu rekrutieren bzw. ins Land zu bringen. Auch Konflikte zwischen ethnisch-kulturelle Gruppen, den Schiiten und Sunniten, wurden Bestandteil der irakischen Auseinandersetzung. Weiterhin wurden im Irak-Konflikt erstmalig in großem Maße private Sicherheitsfirmen, die direkt auf das Geschehen eingriffen und von den USA finanziert wurden, eingesetzt.

Die Entwicklung der beteiligten Akteure macht deutlich, wie schnell der Wandel von einem klassischen Staatenkrieg zu einem Konflikt nach Art der neuen Kriege möglich ist.

4 Der Irak-Konflikt als Typus der neuen Kriege

Im Folgenden werde ich die theoretischen Annahmen mit dem Fallbeispiel Irak verknüpfen. Wie in der Chronologie erwähnt leitete die Besatzungspolitik der USA den Übergang von einem klassischen zu einem neuen Krieg ein. Die Auflösung des irakischen Sicherheitsapperat durch Amerika hatte ein Machtvakuum innerhalb des Iraks zur Folge und lässt sich als Hauptfaktor für die Entstaatlichung bezeichnen. So sahen sich die USA innerhalb kürzester Zeit mit einem Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten konfrontiert, der durch Terroristen weiter verschärft wurde. Dies verdeutlicht die zunehmende Zahl beteiligter nichtstaatlicher Akteure. Im Zuge des fehlenden Sicherheitsapperat rückte der Irak ins Interesse von Terrornetzwerken, insbesondere Al-Qaida. Dieser stand nun kein nationaler Akteur mehr gegenüber, was zu einer Serie von Anschlägen im ganzen irakischen Staatsgebiet führte, vor allem gerichtet gegen schiitische Teile der Bevölkerung. Interessanter Weise rekrutierten sich die Mitglieder zu großen Teilen aus Nachbarländern und waren keine gebürtigen Iraker. Nachbarstaaten wie Saudi-Arabien hatten keinerlei Interesse an einer erfolgreichen Staatskonsolidierung, sodass viele Freiwillige des Netzwerkes aus Saudis bestanden. Al-Qaida machte sich die Spannung zwischen den Bevölkerungsgruppen zu Nutze und sorgte mit gezielten Anschlägen auf Moscheen etc. für eine weitere Verschärfung des Konflikts. Die wechselseitigen Vergeltungsaktionen führten zu einem innergesellschaftlichen Krieg. Die USA, als verbleibender staatlicher Akteur, war nicht gewillt diesen beizulegen, da aufgrund der innerstaatlichen Konflikte nun nicht mehr die Besatzungstruppen im Fokus von Aggressionen

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1 43 Mitglieder: Albanien, Armenien, Australien, Aserbeidschan, Bahrain, Bulgarien, Costa Rica, Dänemark, Estland, Georgien, Israel, Italien, Japan, Jordanien, Katar, Kroatien, Kuwait, Lettland, Litauen, Mazedonien, Oman, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Saudi-Arabien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate und Ungarn. (www.heise.de)

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668194854
ISBN (Buch)
9783668194861
Dateigröße
991 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320240
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Theorie und Empirie der Internationalen Beziehungen
Note
2,0
Schlagworte
irak-konflikt kontext typus neue kriege

Autor

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