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Die Krise in Argentinien 2001

Seminararbeit 2004 17 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Problemstellung

2. Chronologischer Ablauf der Krise
2.1.1. Der Plan Cavallo
2.1.2. Weite Bestandteile des Plan Cavallo
2.1.3. Anfängliche Erfolge
2.2. Auswirkungen der Mexikokrise (Tequillakrise)
2.3. Auswirkungen der Krisen in Asien, Brasilien und Russland

3. Ursachen der Krise in Argentinien
3.1. Currency Board
3.2. Fehlende Disziplin in der Fiskalpolitik
3.3 Weitere Ursachen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Inflation, Warenexport

Tabelle 2: Budgetsaldo

Tabelle 3: Zinsbelastung

Tabelle 4: Staatsschulden

Tabelle 5: Haushalt der Provinzen

1. Problemstellung

Nach mehr als drei Jahren Rezession, einer steigenden Arbeitslosenquote von fast 20 %, einer ständig zunehmenden Armut, einem rapiden Wertverlust des argentinischen Pesos auf dem Schwarzmarkt und einer bedingten Sperrung der Bankguthaben hatte die argentinische Bevölkerung im Dezember 2001 genug. Aufstände brachen los, bei denen Geschäfte und Einkaufszentren geplündert und Banken verwüstet wurden. Straßenschlachten, Massendemonstrationen, Streiks und Brände folgten, in denen die argentinische Bevölkerung ihren Unmut äußerte. Die Wirtschaftskrise in Argentinien forderte mindestens 28 Tote und viele Verletzte.[1]

Ziel dieser Arbeit ist es, die Ereignisse der Krise in Argentinien aus ökonomischer Sicht darzustellen. Es wird der Zeitraum von der Einführung des Currency Boards 1991 bis zur Zahlungsunfähigkeit Argentiniens im Jahr 2002 untersucht. Hierbei wird zunächst ein chronologischer Ablauf der Krise gegeben. Anschließend werden die Hauptursachen der Krise näher untersucht. Weniger wichtige Gründe werden im Anschluss nur kurz erläutert, da sonst der Rahmen dieser Seminararbeit gesprengt würde. Abschließend wird ein Fazit gezogen.

2. Chronologischer Ablauf der Krise

2.1.1. Plan Cavallo

Am 1. April 1991 trat das von Wirtschaftsminister Domingo Cavallo entworfene Konvertibilitätsgesetz in Kraft, das einen Eckpfeiler im Plan Cavallo darstellte. Hierdurch wurde der Wechselkurs vom US Dollar und argentinischem Peso auf das Verhältnis von 1:1 fixiert. Das Gesetz garantierte die vollständige Konvertibilität von Peso zu Dollar und legte fest, dass die Geldmenge zu 100 % durch internationale Reserven und öffentliche Wertpapiere in US Dollar oder anderen starken Währungen gesichert sein sollte. Der Unterschied zu einer herkömmlichen Wechselkursfixierung bestand darin, dass das Geldangebot nur durch eine Veränderung der Devisenreserven beeinflusst werden konnte. Hierdurch funktionierte die argentinische Zentralbank wie ein Currency Board.[2] Gleichzeitig wurde per Gesetz die Unabhängigkeit der Zentralbank gesichert.[3] Ziel war es, die Hyperinflation zu stoppen und gleichsam Preisstabilität zu importieren. Eine Finanzierung des öffentlichen Defizits durch die Notenpresse war mit einem solchen System nicht mehr möglich, da auch der Staat Devisen aufbringen musste, wenn er die Zentralbank zum Drucken von Pesos bewegen wollte.[4] Der Öffentlichkeit wurde wiederholt versichert, dass „a peso is a dollar, and a dollar is a peso“.[5]

2.1.2.Weite Bestandteile des Plan Cavallo

Unterstützt wurde das Konvertibilitätsgesetz durch weitere Strukturreformen wie die Abschaffung aller Exportzölle und eine drastische Senkung der Importzölle von 30 % auf 14 %.[6] Im Zuge des Brandy-Plans[7] kam es zu einer Restrukturierung der öffentlichen Auslandsschulden und zu einem erheblichen Schuldenerlass. Weiterhin führten Verhandlungen mit dem Pariser Club im Juli 1992 zu einer Refinanzierung der Kapitalschulden und Verhandlungen mit dem IWF zu erweiterten Kreditfazilitäten, die zur Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit verwendet wurden. Dieses Beistandsabkommen verhalf Argentinien zu einem erneuten Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten. Ein weiterer Bestandteil des Plan Cavaollo war der zügig voranschreitende Privatisierungsprozess.[8] Hierbei wurden die meist verlustbringenden staatlichen Unternehmen verkauft, was einerseits den Wegfall des regelmäßigen Verlustes und andererseits einmalige Einnahmen aus dem Verkauf zur Folge hatte.[9] Außerdem schaffte die Regierung die Indexierung der Löhne ab und betonte bei Verhandlungen mit den Gewerkschaften, dass Lohnsteigerungen nicht an Inflationsraten gekoppelt sein sollten, sondern an Wachstumsraten.[10]

2.1.3. Anfängliche Erfolge

Das neue Programm zeigte bald beachtliche Erfolge. Die Inflation sank von 1344 % im Jahr 1990 auf 84% im Jahr 1991 und 3,9 % im Jahr 1994. Gleichzeitig verbesserte sich das reale BIP von -1,8 % im Jahr 1990 auf 10,6 % im Jahr 1991, und wuchs dann durchschnittlich mit 7% von 1992 bis 1994. Der rasche wirtschaftliche Aufschwung machte Argentinien zu einem attraktiven Ziel für ausländische Investoren. Argentinien konnte sich in der Periode von 1992 bis 1994 über einen Nettozufluss von ausländischem Kapital in Höhe von 32,2 Mrd. US Dollar erfreuen, was 10 % des BIP von 1994 darstellte.[11] Trotz des starken Wachstums und der Preisstabilität schaffte es Argentinien nicht, eine Ausweitung der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Die Arbeitslosenquote stieg von 7 % auf 15 %.[12]

2.2 Auswirkungen der Mexikokrise (Tequillakrise)

Die Periode des starken wirtschaftlichen Aufschwungs in Argentinien wurde durch die Mexikokrise unterbrochen. Die als „Tequilla-Effekt“ bekannt gewordene Übertragung negativer Auswirkungen der Mexikokrise auf andere Schwellenländer erreichte 1994 auch Argentinien.[13] Nach den schlechten Erfahrungen in Mexiko wurden die verunsicherten Investoren vorsichtiger und beobachteten die Schwellenländer Lateinamerikas genau. Sie mieden Länder in denen ähnliche wirtschaftliche Bedingungen wie in Mexiko herrschten, wie z. B. ein fixierter Wechselkurs oder eine starke Abhängigkeit von Fremdfinanzierung. Das Resultat in Argentinien war ein rapider Rückgang des ausländischen Kapitalzuflusses und ein damit verbundenes schwächeres Wirtschaftswachstum.[14] Zusätzlich hatten die argentinischen Banken plötzlich Probleme ihre Kreditlinien mit ausländischen Banken zu erneuern und mussten deshalb einige ihrer Kredite vorzeitig zurückfordern. Auch die privaten Einleger verloren das Vertrauen in die argentinischen Banken und hoben große Teile ihrer in US Dollar nominierten Einlagen ab. Im ersten Quartal des Jahres 1995 sanken die Bankeinlagen von 47 Mrd. auf 41 Mrd. US Dollar. Aus diesem Grund kamen die Banken in Liquiditätsengpässe, die aber nur geringfügig durch die Zentralbank gemindert werden konnten, da dieser durch das Currency Board die Hände gebunden waren.[15] Nach der Unterstützung des privaten Bankensektors hatte die Zentralbank im März 1995 fünf Mrd. US Dollar seiner Fremdwährungsreserven verloren, was mehr als ein Drittel der Gesamtwährungsreserven ausmachte. Der Spielraum für weitere Unterstützungen der einheimischen Banken war erschöpft, weshalb der IWF und die Weltbank das Bankensystem und das soziale Netz mit Krediten in Höhe von 5 Mrd. US Dollar unterstützten.[16] Nach der Wiederwahl von Präsident Menem im Mai 1995 endeten die Spekulationen über einen Ausstieg aus dem Currency Board und die Situation stabilisierte wieder. Der Abzug von Bankguthaben stoppte, die Preise von argentinischen Anleihen erholten sich und das Vertrauen in den Bankensektor war wiederhergestellt. Zusätzlich trug der schwache US Dollar zur Erholung der argentinischen Wirtschaft bei. Insgesamt führten die Auswirkungen der Mexikokrise in Argentinien zu einem starken wirtschaftlichen Abschwung. Das reale BIP verschlechterte sich 1995 um 4,4 % und die Arbeitslosigkeit erhöhte sich von 13 % auf 17 %. Im Jahr 1996 sprang die wirtschaftliche Aktivität wieder an, die durch erneute ausländische Kapitalzuflüsse begleitet wurde. Das reale BIP wuchs 1996 um 5,5 % und 1997 sogar um 8,1 %. Doch diese Erholung war nicht von Dauer.

[...]


[1] Vgl. Edwards (2002), S.3; Mussa (2002), S. 49

[2] Horn, Fritsche (2002), S. 2 f.

[3] Vgl. Jost (2003), S. 31

[4] Vgl. Horn, Fritsche (2002), S. 2

[5] Vgl. Edwards (2002), S. 2

[6] Vgl. Schweikert (2002), S. 170; Jonas (2002), S. 9

[7] 1989 vom damaligen US- Finanzminister Nicolas Brandy vorgeschlagener Krisenplan zum

Schuldenerlass einer Reihe von notleidenen Schuldnern

[8] Vgl. http://www.bundesfinanzministerium.de/Anlage18254/Aktuelle-Entwicklungen-in-

Lateinamerika.pdf

[9] Vgl. Jost (2003), S. 35f.

[10] Vgl. Jonas (2002), S.8

[11] Vgl. Jonas (2002), S. 9

[12] Vgl. Schweikert (2002), S. 170

[13] Vgl. Messner (1997), S. 217ff.

[14] Vgl. Schweikert (2002), S. 170; Mussa (2002), S. 12

[15] Vgl. Mussa (2002), S.21

[16] Vgl. Jonas (2002), S. 10 f.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638328623
ISBN (Buch)
9783638778558
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32022
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre I
Note
1,7
Schlagworte
Krise Argentinien Währungskrisen

Autor

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Titel: Die Krise in Argentinien 2001