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"Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe" von Nicolas Poussin. Eine Bildbeschreibung

Studienarbeit 2014 10 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

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Bildbeschreibung:

Kommentierte Bibliographie:

Bibliographie zum Objekt:

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Bildbeschreibung:

Das Gemälde Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe von dem normannischen Künstler Nicolas Poussin wurde 1651 in Frankreich gefertigt. Poussin hat hierzu Ölfarben auf eine 193 x 274cm große Leinwand aufgetragen. Es ordnet sich in die Gattung der Landschaftsmalerei ein. Poussin malte das Werk für den römischen Gelehrten und Freund Cassiano del Pozzo. Heute befindet sich eine Kopie des Bildes im Städel Museum in Frankfurt.

In der Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe hat Poussin eine Darstellung nach den Metamorphosen des Ovid (IV, 55-105) vorgenommen. Inhalt ist die tragische Liebegeschichte des babylonischen Paares Pyramus und Thisbe. Im Vordergrund wird die Szene der Geschichte dargestellt, in der Pyramus bereits Tod am Boden liegt. Er hatte seine Geliebte erwartet und lediglich ihren blutbefleckten Schleier gefunden. Demnach glaubte er irrtümlicherweise, dass sie von dem Löwen getötet worden ist und stürzte sich anschließend ins Schwert.[1] Thisbe, die sich nur wenige Schritte links von ihm befindet, rennt in der Erkenntnis, dass ihr Geliebter tot ist, mit entsetzter Miene zu ihm hin, mit der Absicht ihm in den Tod zu folgen. Im Mittelgrund des Bildes sind die fliehenden Farmer und ihre Viehherde zu sehen, die gerade von dem Löwen gerissen wird. Die Szene mit dem Löwen schafft den Bezug zu der mythologischen Erzählung.[2] Poussin verbindet in seinem Werk die mythologische Liebeserzählung mit den Naturgewalten, die sich durch die Landschaft ziehen. Wobei das Gewitter, sowie die darauf reagierende Landschaft für ihn im Vordergrund stehen und in seiner Beschreibung eine ausführlichere Erwähnung finden.[3]

Die Figuren im Bilde wirken in ihrer Bewegung stark dynamisch, wie in der aktiven Handlung eingefroren und daher sehr realitätsnah. Sie spielen ihre Rolle im Bild gemäß dem Wetter.[4] Im linken unteren Teil des Bildes liegt Pyramus, die Arme weit von sich gestreckt und den Kopf schlaff zur Seite fallend. Die Haltung kennzeichnet ihn als bereits verstorben. Die stark in sich gesunkene schwache Körperhaltung von Pyramus steht im Kontrast zu der sehr dynamischen Bewegung von Thisbe. Thisbe, die sich links neben Pyramus befindet, hat ihre Arme gen Himmel erhoben und kämpft gegen den starken Wind an. Dies wird durch ihre Kleidung, die sich nach hinten wölbt, verdeutlicht. Der weite Ausfallschritt ihrer Beine zeigt, dass sie auf ihren Geliebten zustürmt. Es scheint beinahe so, als würde sie sich bereits in die offenen Arme von Pyramus und damit gleichzeitig in den Tod stürzen. Die leicht gekippte Haltung von Thisbe verstärkt dies. In ihrem Gesicht spiegelt sich, durch ihre wehleidig schauenden Augen und dem zum Schrei geöffneten Mund, ihre tiefe Erschrockenheit über den Anblick des toten Pyramus.

Hinter Pyramus, im Mittelgrund, befinden sich weitere Figuren: Ein Hund, Pferde und eine Viehherde. Sie sind durch das Unwetter und durch die Flucht vor dem Löwen, der ihr Pferd angreift, stark bewegt dargestellt. Die Mimik der Farmer ist aufgrund des Schreckens von Dramatik erfüllt. Einige Farmer setzen sich zur Wehr, andere reiten den Berg hinauf zurück in die Stadt. Weiter im Hintergrund befindet sich auf einer kleinen Insel am See weiteres Vieh, dies jedoch scheint von der Unruhe nichts mitzubekommen.

Zwei Blitze am Himmel, im Zentrum des Bildes, schlagen jeweils in eine Eiche auf der Insel im See und in einen Berg im Hintergrund des Bildes ein. Die Blitze verlaufen diagonal zu Thisbe hin, dies lenkt den Blickpunkt des Betrachters zusätzlich auf sie. Zudem unterstreicht der Blitz, als erschreckendes blendendes Naturphänomen, auch Thisbes Gemütszustand beim Anblick von Pyramus. Ihr Schmerz entspricht sozusagen dem Unwetter.[5] Rechts neben Pyramus liegt in seinem Blut das Schwert, mit dem dieser sich in den Tod stürzte. Auch Thisbe wird laut Erzählung, mit diesem Schwert ihren Geliebten in den Tod folgen. Im Hintergrund wird durch eine Ansammlung von Häusern, einer Basilika und einem Tempel eine Stadt angedeutet. Im Zentrum des Bildes befindet sich ein spiegelglatter See und hinter diesem sind eine Küste und Berggipfel auszumachen. Mehrere Bäume und Sträucher unterstützen die Landschaft hauptsächlich im Vorder- und Mittelgrund.

Im Kontrast zu der Stadt, in der alles friedlich und vom Gewitter unberührt scheint, steht die wilde karge Naturlandschaft mit den Bäumen und groben Felsen, die dem stürmischem Gewitter zum Opfer fällt.

Poussin bringt in diesem Bild die Naturkräfte zum Ausdruck und zeigt, welche Auswirkungen sie auf Mensch, Tier und Pflanzen haben.[6]

Betrachtet man die Landschaft, fällt vor allem auf, wie der starke Wind Bäume zum biegen bringt, den See im Hintergrund jedoch unberührt lässt.

Der Wind im Gemälde wird ausschließlich durch die Gebärden der Menschen und die Biegung der Pflanzen sichtbar gemacht, der See muss demnach absichtlich von Poussin unberührt gemalt worden sein. Mit dieser künstlerischen Freiheit, nicht etwa Unvermögen, wiedersetzt Poussin sich der Naturgesetze. [7]

Betrachtet man das Zusammenspiel von Wetter, Natur und Handlung, so ergeben sich einige Zusammenhänge. Die unruhigen Bewegungen der lebenden Figuren gehen mit den kräftigen Windböen des Gewitters einher und unterstützen damit die Dramatik. Die Leblosigkeit von Pyramus hingegen spiegelt sich in dem glatten ruhigen See, im Zentrum des Bildes, wieder. Die tragische Geschichte wird demnach in die Landschaft übertragen.[8] Poussin hat der Natur in seinen Landschaftsbildern häufig Ideen zugeordnet, dies auch in Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe.[9]

Die Dramatik des Liebesunglücks, die mit der düsteren stürmischen Naturgewalt einhergeht, wird durch passende Farben unterstützt.

Es sind vor allem die düsterer Farben, die das Bild kennzeichnen. Jedoch finden sich in der Kleidung der Figuren auch leuchtende Farben, wie beispielsweise blau, gelb und rot wieder. Der Himmel ist von blau-schwarzen Wolken durchzogen und die hügelige Landschaft wirkt durch Braun- und Rottöne eher karg und unfruchtbar.

Der Hautton von Pyramus, ein unnatürlich gräulicher Farbton, unterstreicht die Leblosigkeit seines Körpers. Trotz der dunklen Töne sind die Farben überlegt aufeinander abgestimmt und wirken zusammen sehr harmonisch.

Pyramus und Thisbe werden von dem Licht der Blitze hell erleuchtet. Das Licht zieht sich diagonal bis links in den Hintergrund und wird dort zunehmend Stärker, wo sich ein Riss in der Wolkendecke befindet und bereits Sonnenlicht durchlässt. Der gesamte Vordergrund ist an vielen Stellen von schwarzen Schatten durchzogen. Das Gemälde wirkt in Anbetracht des Gewitters und der großen dunklen Wolkendecke trotzdem gut ausgeleuchtet. Die Figuren, Sträucher und Felsformationen im Vordergrund sind gut auszumachen.

Die im vordersten Teil des Bildes dargestellten Figuren von Pyramus und Thisbe, sind von allem Figuren am größten ausgearbeitet, dies legt zum einen die Bedeutung für das Bildthema fest und zeigt zum anderen die Distanz zu den anderen Figuren. Der hinterste Punkt am Horizont wird schemenhaft dargestellt, wodurch das Bild mehr Tiefe bekommt.[10] Die Figuren und Architektur, die zum Horizont hin immer kleiner werden, verstärken die Tiefe und Räumlichkeit zusätzlich. Die allumfassende Zentralperspektive ermöglicht dem Betrachter ein Blick auf das ganze Geschehen zu bekommen und gleichzeitig einen großen Teil der Landschaft zu überblicken, um die ganze Auswirkung des Unwetters und der Atmosphäre einzufangen.

Die Anordnung im Raum ist energiegeladen. Die Aufteilung der Figuren wirkt asymmetrisch, ganz so als hätte das Gewitter mit seinen starken Windböen die Symmetrie durcheinander gebracht. Die Landschaft die im Vordergrund hauptsächlich in Horizontalen gegliedert ist, wird ausschließlich von der unnatürlichen Haltung der Thisbe durchbrochen.[11]

Die Architektur, rechts und links im Hintergrund des Bildes, verfolgt eine bestimmte Anordnung und rahmt das Geschehen ein. Der große Fels mit dem sich biegenden Baum links im Vordergrund vertieft die Rahmung der Szene. Poussins Ziel war es weniger eine naturalistische Landschaft zu kreieren, sondern mit überlegten Inszenierungen die Landschaft dazu zu bringen, die Stimmung der Szene widerzuspiegeln.[12]

Kommentierte Bibliographie:

1. Bätschmann, Oskar: Landschaft mit Pyramus und Thisbe. Das Liebesunglück und die Grenzen der Malerei, Frankfurt am Main 1987.

In Landschaft mit Pyramus und Thisbe. Das Liebesunglück und die Grenzen der Malerei setzt sich Bätschmann mit dem Gemälde Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe ausführlich auseinander und stellt eine genaue Beschreibung von Poussin als Künstler dar. Er befasst sich anfangs mit der Intention und der Inspiration die Poussin zum Malen des Bildes gebracht haben könnten und welche Ideen dieser mit dem Gemälde zum Ausdruck bringen wollte. Weiterhin geht er auf Details des Bildes ein. Die eigene Bildbeschreibung von Poussin zu seinem Werk wird von Bätschmann aufgegriffen. Anschließend vergleicht er Poussin mit Malern wie beispielsweise Da Vinci und arbeitet einzelne Merkmale des Gemäldes heraus, um weitere Erkenntnisse aus dem Bild zu gewinnen. Um die speziellen Merkmale des Bildes, die Mimik von Thisbe oder die Stille des Sees herauszuarbeiten, stellt Bätschmann zusätzliche Beschreibungen und Interpretationen zu diesem Bild vor. Um den Stil von Poussin festzumachen, greift Bätschmann ähnliche Zeichnungen oder Gemälde heraus und vergleicht diese anschließend mit der Motivik in Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe.

2. Wright, Christopher: Poussin, Gemälde, Ein kritisches Werksverzeichnis. Landshut 1989.

Poussin gilt für Wright als einer der einflussreichsten Künstler des 17. Jahrhunderts und wurde von etlichen Künstlern, gerade durch seine einfache und harmonische Komposition nachgeahmt.

Jedoch war er gerade im französischen Raum ein umstrittener Künstler, der mehr Erfolg in Rom hatte. Wright versucht in seinem Werk das Können von Poussin hervorzuheben, welches vielseitig kritisiert wurde und aufgrund seiner negativen Thematik, sowie seiner idealisierten Landschaftsmalerei, umstritten scheint. Poussins verstecktes Talent wird in Wrights Werksverzeichnis hervorgehoben und genauer beleuchtet. Welchen Einfluss Poussin in seinen Werken unterliegt, arbeitet Wright heraus und vergleicht dazu auch mehrere Werke von Poussin untereinander. Zudem wird in Wrights Werksverzeichnis die zeitliche Veränderung von Poussin als Maler, von der Historienmalerei bis zur Landschaftmalerei geschildert und interpretatorisch ausgelegt. Dies wird von ihm zeitlich chronologisch abgearbeitet. Welche Empfindungen und Ideen Poussin bei den jeweiligen Gemälden verfolgte, beschreibt Wright kritisch mittels der zugehörigen Werke.

3. Licht, Fred Stephen: Die Entwicklung der Landschaft in den Werken von Nicolas Poussin, Basel 1954.

In seiner Dissertation Die Entwicklung der Landschaft in den Werken von Nicolas Poussin stellt Licht systematisch die unterschiedlichen Entwicklungsstufen in denen von Landschaft geprägten Werken von Nicolas Poussin dar. Da sich Poussin vor allem in seiner späten Zeit als Künstler mit der Landschaftsmalerei beschäftigte, spezialisiert sich Licht auf die Werke des 17.-18. Jahrhunderts. In einem einzelnen Kapitel erklärt Licht, dass Poussin sich keiner Epoche, sondern bestimmten Stilen und Modi eingeordnet hat. Nach einem ähnlichen Verfahren arbeitet Licht auch in seiner Dissertation und setzt eine bestimmte Reihenfolge für die Stile der Landschaft fest. Er befasst sich beispielsweise zuerst mit der nördlichen, dann mit der südlichen und anschließend mit der idealen Landschaft.

Anhand der Landschaftstypen und Zeit des Schaffens, verstärkt Licht mittels Beispielbilder die Phasen der Malerei von Poussin. Detailiert beschreibt er einzelne Merkmale der Landschaft in Hinblick auf das Gemälde selbst und vergleicht Motive hierzu mit anderen Werken. Er stuft Poussin als einen, für die heutige Zeit, bedeutenden unterschätzten Vertreter der Landschaftsmalerei ein. Außerdem legt anhand umfangreicher Forschungsgebiete zu dem Thema fest, wie wertvoll er als Landschaftsmaler für die Kunsthistoriker ist.

Bibliographie zum Objekt:

Alte Meister. 1300-1800 im Städel Museum, hrsg. v. Jochen Sander, Ostfildern 2011.

Badt, Kurt: Die Kunst des Nicolas Poussin, Köln 1969.

Bätschmann, Oskar: Das Unsichtbare im Sichtbaren: Nicolas Poussins „Landschaft mit Pyramus und Thisbe“ 1651. In: Klassizismus (1987), S. 19-39.

Bätschmann, Oskar: Landschaft mit Pyramus und Thisbe. Das Liebesunglück und die Grenzen der Malerei, Frankfurt am Main 1987.

Kitson, Michael: The relationship between Claude and Poussin in landscape. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 24. (1961), S. 142-162.

Licht, Fred Stephen: Die Entwicklung der Landschaft in den Werken von Nicolas Poussin, Basel 1954.

Van Helsdingen, H.-W.: Notes on Poussin’s Late Mythological Landscapes. In: Simiolus: Netherlands Quarterly for the History of Art Vol. 29, No. ¾ (2002), S. 152-183.

Verdi, Richard: Poussin and Claude at Frankfurt. In: Burlington Magazine Vol. 130, No.1022 (1988), S. 393-395.

Wild, Doris: Nicolas Poussin, Katalog der Werke, Band 2, Zürich 1980.

Wright, Christopher: Poussin, Gemälde, Ein kritisches Werksverzeichnis. Landshut 1989.

Abbildung:

Nicolas Poussin, Landschaft mit Pyramus und Thisbe, 1651, 193 x 274 cm, Öl auf Leinwand. Frankfurt am Main, Städel Museum.

Abbildungsnachweis:

Alte Meister. 1300-1800 im Städel Museum, hrsg. v. Jochen Sander, Ostfildern 2011. S. 217.

[...]


[1] Vgl. Bätschmann, Oskar: Landschaft mit Pyramus und Thisbe. Das Liebesunglück und die Grenzen der Malerei, Frankfurt am Main 1987. S. 2.

[2] Vgl. Bätschmann, Oskar. S. 5-7.

[3] Ebd. S. 41.

[4] Ebd. S. 18.

[5] Vgl. Alte Meister. 1300-1800 im Städel Museum, hrsg. Von Jochen Sander, Ostfildern 2011. S. 219.

[6] Vgl. Licht, Fred Stephen: Die Entwicklung der Landschaft in den Werken von Nicolas Poussin, Basel 1954. S. 162.

[7] Vgl. Bätschmann, Oskar. S. 27.

[8] Ebd. S. 44.

[9] Vgl. Wright, Christopher: Poussin, Gemälde, Ein kritisches Werksverzeichnis. Landshut 1989. S. 109.

[10] Vgl. Licht, Fred Stephen. S. 162.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Wright, Christopher. S. 108.

Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668193543
ISBN (Buch)
9783668193550
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320128
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Geschichts- und Kulturwissenschaften
Note
13,0
Schlagworte
Portfolio Kunstgeschichte Nicolas Poussin Pyramus und Thísbe griechische Mythologie Bildbeschreibung Kommentierte Bibliographie

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