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Die Textilindustrie in Pakistan. Die Arbeitssituation und ihre Folgen

von Ivonne Mnich (Autor) Daisy Mnich (Autor)

Hausarbeit 2015 24 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Überblick zur Textilindustrie

3. Textilproduktion in Pakistan
3.1 Pakistan und die Entwicklung der Textilbranche
3.2 Auftraggeberschaft und Textilproduktion: KiK, H&M und Co.
3.3 Arbeitsverhältnisse in Textilfabriken und die sozialen Folgen
3.4 Arbeitsrisiko / Unfälle: Großbrand in Karachi 2012

4. Menschenrechtorganisationen und innerpolitische Interventionen
4.1 Verfahren zwischen Auftraggeber und Produktionsfirma KiK
4.2 Lösungsansätze
4.3 Kampagne für saubere Kleidung

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungen

1. Einleitung

Pakistan, ein Land welches für Terrorismus und den Islam steht, ist mittlerweile auf Platz vier der Baumwollexporteure weltweit und ein zentraler Ort für die Textil- und Bekleidungsindustrien. Stickige Räumen, bis zu 12 Arbeitsstunden für einen Mindestlohn der kaum zum Leben reicht, gesundheitliche Risiken durch Aspiration von Staub oder Chemikalien und die Opferung der Lebensqualität für den Markt. So kann die Situation in den Exportstädten der Entwicklungsländer beschrieben werden. Es ist seit langem kein Rätsel mehr, wie der günstige Preis für die Bekleidungsmarken H&M, KiK, Calvin Klein etc. zustande kommt. In den internationalen Organisationen wird an einer Lösung für die Arbeitssituation in den Textilfabriken der Dritte Welt Länder gearbeitet. Organisationen wie die Clean Clothes Campaign (CCC), Aktiv gegen Kinderarbeit, UNICEF, Fair Trade, Greenpeace oder andere Nichtregierungsorganisationen setzen sich aktiv für eine Besserung der Arbeitsbedingungen, Sicherheitskontrollen oder angemessene Arbeitslöhne ein.

In der folgenden Seminararbeit soll der Schwerpunkt auf die Textilindustrie in Pakistan, unter Berücksichtigung der dort vorherrschenden Arbeitsbedingungen und daraus resultierenden Folgen für das Entwicklungsland, gerichtet werden. Zuerst wird ein historischer Einblick zu der Entwicklung und Ausweitung der Textilindustrie geliefert. Anschließend folgt ein Überblick über das Land Pakistan und dessen wirtschaftliche Bedeutung für den Textilmarkt. Darüber hinaus werden verstärkt die soziale Situation der Arbeiter, insbesondere der Frauen und Kinder, aber auch Brandunfällen der Textilproduktionsfirmen in Karachi oder Lahore – die für Textilunternehmen wie KiK oder Adidas produzierten – berücksichtigt. Welche Stellung die daran beteiligten Konzerne einnehmen und welche Möglichkeiten der Intervention innerpolitischen Organisationen existieren, wird ebenfalls zusammengetragen. Im Nachhinein sollen Möglichkeiten einer Verbesserung der dortigen Lage und damit zusammenhängende Problematiken veranschaulicht werden, damit in einem Résumé, ein Gesamtbild der Macht der Großkonzerne und die Unterlegenheit der Dritten Welt beispielhaft vermittelt werden kann.

2. Historischer Überblick zur Textilindustrie

Die Textilindustrie legt anhand von wirtschaftlichen Kriterien fest, in welchem Land ihr Konsumgut produziert wird. Zu den Kriterien gehören das Lohn- und Steuerniveau, die Exportquoten und der Marktzugang. Durch Beendigung des Ost-West-Konflikts nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weltmarkt neu geordnet. Es folgte eine Liberalisierungspolitik an die sich fast alle Industrieländer beteiligten. Zudem wurden der Textilbranche durch die Mobilität der Ware und des Kapitals neue Wege bereitgestellt. Seit den 1960ern kann aufgrund des internationalen Handels mit Textilien und Bekleidung ein Entliberalisierungsprozess festgestellt werden.[1] Deshalb wurde im internationalen Textilabkommen eine Ausfuhrbeschränkung eingeführt. Niedrigpreisländer verpflichten sich mit dem Multi-Faser-Abkommen kurz MFA aus dem Jahre 1974, ihre Ausfuhren in bestimmte Länder zu beschränken, da durch die starke Konkurrenz der Entwicklungsländer die Arbeitsplätze in den Industrieländern gefährdet sind.[2]

Wo früher das Label ‘Made in Germany‘ bestätigte, dass die Ware in Deutschland produziert wurde, lässt sich heutzutage kaum zurückzuführen, woher die Rohstoffe stammen, wo das Produkt gefertigt worden ist und zu welchen Bedingungen.[3] Dass die BRD ihre Produktion ins Ausland verlagerte, hing mit dem Strukturanpassungsproblem in den 1970ern und mit dem Fortschritt der Technisierung zusammen, wodurch die Anzahl an Arbeitslosigkeit und der Zuwachs an Konkurrenzunternehmen stiegen.[4] Deutschland befand sich zu dem Zeitpunkt in einer Textilkrise. Die Gründe waren zu hohe Importkosten, ein Rückgang der Beschäftigten und an Standortnachteilen im Fertigungsbereich.[5] Da die BRD in den 1979ern nicht mit vom Standort günstig gelegenen Bekleidungsindustrien ausgestattet war, wurde die deutsche Bekleidungsproduktion ins Ausland verlagert.[6] Ein weiterer Vorteil bietet die Entwicklungsländer, da sie steuerfrei sind und das Lohnniveau niedrig ist, weshalb aus wirtschaftspolitischer Sicht ein solcher Umzug nachvollzogen werden kann. Die Produktionen sind kostengünstig und zunächst noch konkurrenzlos und die Kosten, die durch den langen Transportweg aufkommen, werden durch die niedrigen Produktionskosten gesenkt.[7] Der Verkaufspreis kann wegen der niedrigen Produktionskosten ebenfalls niedrig gehalten werden, was lukrativ für den Verbraucher ist. Mittlerweile kann sich jeder Konsument die neusten Modetrends leisten. Zum erheblichen Nachteil wird dies jedoch für die Arbeiter in der Dritten Welt.

3. Textilproduktion in Pakistan

3.1 Pakistan und die Entwicklung der Textilbranche

Das Entwicklungsland Pakistan befindet sich im Süden von Asien und ist daher strategisch gut gelegen.[8] Im Südosten grenzt es an Indien, im Norden an China, im Nordwesten an Afghanistan und westlich am Iran. Das Land etablierte sich im Jahre 1947, als das britische Parlament eine muslimische Nation aus Indien errichten ließ, es ist das zweitgrößte muslimische Land der Welt.[9] Bevor die zwei Nationen Indien und Pakistan getrennt wurden, haben sie jedoch drei Kriege gegeneinander geführt. Es herrschten viele militärische Diktatoren und seit dem 11. September wurde weltweit viel über das Land berichtet. Im 20. Jahrhundert veränderte sich viel für die Nation bezüglich der Migration vom Land zum Staat. Die Einwohnerzahl zählt 170 Millionen Menschen.[10] Der erhebliche Zuwachs der Bevölkerung durch den konfliktbedingten Umzug, brachte soziale und ökonomische Probleme mit sich. Ein Erdbeben im Jahre 2005, welches mehr als 87.000 Todesopfer forderte, beschwor weitere innenpolitische Probleme hervor, da mehr als 3 Millionen Menschen heimatlos wurden.[11] Dies macht sichtbar, dass das Land dringend einen wirtschaftlichen Aufschwung benötigte. Die Industrialisierung hat in Pakistan in den 1950er stattgefunden, die Ökonomie umfasst dabei hauptsächlich die Textilindustrie.[12] Seit den 1960ern haben die Entwicklungsländer, darunter auch Pakistan, ihre Anstrengungen bezüglich einer Industrialisierung verstärkt und ihre Exportbereitschaft auf dritten Märkten – auch in Deutschland – erhöht. So gewannen die Entwicklungsländer in der Zeit Marktanteile an der deutschen Einfuhr, vor allem hinsichtlich der Bekleidung.[13] Südasien besitzt allgemein ein natürliches Anbaugebiet für Baumwolle, welche für die Herstellung von Textilen essentiell sind.[14] Pakistan ist neben Indien der Hauptlieferant für Baumwolle, Textilgarn, Stoffe, Kopfbedeckungen, nicht-textile-Kleidung, sowie Boden- und Wandteppiche. In der Agrarkultur wird die Baumwolle angebaut, welche dann in der Textilindustrie weiterverarbeitet wird. Die pakistanische Textilindustrie konzentriert sich deswegen hauptsächlich auf die Spinnereien, wo die rohe Baumwollpflanze verarbeitet wird.[15] In dem Jahre 2000 verfügt Pakistan insgesamt über 445 Textilmühlen mit 7,2 Millionen Spindeln und 64000 Rotoren, was auf dem Textilmarkt einen erheblichen Vorteil mit sich bringt.[16]

Der Anteil an Pakistans Gesamtexport im Bereich Textilien stieg im Jahre 1990 von 65,5 Prozent und im Jahre 2001 auf 72,1 Prozent (Abb. 1).[17] Es gab einen stetigen Zuwachs von Textil- und Bekleidungsexporten. „Pakistan ist einer der weltgrößten Textilexporteure, im ganzen Land gibt es riesige Schuh- und Kleidungsfabriken. Das Land exportiert Kleidung im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro jährlich, das meiste davon in die USA und nach Europa.“[18] Die Haupthandelspartner sind neben den USA und Deutschland auch China und die Vereinigten Arabischen Emirate. Es gibt jedoch auch Kritikpunkte die solche Textilen aufweisen. Oftmals wurde vermerkt, dass Pakistan ein Land ist, in dem die Textilien eine niedrige Qualität aufweisen, was auf die Auslandsinvestitionen zurückzuführen ist.[19] Aus gegenwärtiger Sicht ist Pakistan eines der 40 Länder, welches die EU mit dem Status ‚Generalised Scheme pf Preferences‘ kurz GSP versehen hat. Das GSP ist ein Programm zur Marktliberalisierung in den Entwicklungsländern und wurde von der WTO gegründet. Seit 2010 hat Pakistan durch die Flutkatastrophe einen gesonderten Status erreicht, wodurch das Marktwachstum begünstigt wurde. Diese Katastrophe hatte zur Folge, dass 70 Produkte – auch aus dem Textilbereich – zollfrei gehandelt werden. Seit 2013 beziehen sich 74,5 Prozent der Exporte in der EU auf Textilien und Bekleidung aus Entwicklungsländern.[20]

3.2 Auftraggeberschaft und Textilproduktion: KiK, H&M und Co.

Auftraggeber für die einzelnen Textilproduktionsfirmen in den Entwicklungsländern wie China, Bangladesch, Türkei, Kambodscha und Pakistan sind namenhafte bekannte Hersteller, die sowohl günstige als auch teure Kleidung vermarkten. Sie lassen ihre Ware für niedrigen Lohn produzieren, um einen guten Profit für das Modehaus zu erzielen.[21] Die Produktionskosten sollen so niedrig wie möglich sein, damit genug Geld in das Design der Bekleidungsstücke und die Werbung für das Produkt fließen kann.[22] Zu diesen Modehäusern gehören beispielsweise Discounter wie die deutsche Textil und Non-Food GmbH KiK, Lidl oder Aldi und Bekleidungsketten wie der schwedische Kleidungskonzern Hennes & Mauritz GmbH oder C&A. Aber auch internationale Großmarken wie die deutsche Edelmarke Hugo Boss – lässt 80% ihrer Bekleidung in 250 Zulieferbetrieben herstellen –, Calvin Klein oder Tommy Hilfiger bevorzugen die günstige Produktion in den Entwicklungsländern. Hierbei entstehen bis zu 2,3 Milliarden Euro Umsatz jährlich.[23] Doch angemessene Löhne zum Überleben der Arbeiter lässt die Wirtschaftspolitik nicht zu, es wird ebenfalls keine Kranken- und Altersversicherungen abgeschlossen und die Arbeitszeiten sind alles andere als gesund.[24] Für die pakistanischen Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern einen besseren Lohn und entsprechende Rechte beziehungsweise Schutz bieten wollen, sieht es auf dem Arbeitsmarkt schlecht aus. Sie bekommen kaum Aufträge.

Jene Bekleidungskonzerne, die einen schlechten Ruf durch Missachtung der rechtlichen Vorschriften erlangt haben, beschäftigen sich immer mehr damit, vorbildliche Bedingungen in den Produktionsstätten zu gewährleisten, um das Unternehmen zu sichern.[25] Hierzu kann der schwedische Bekleidungskonzern H&M gerechnet werden, der weltweit mehr als 900 Lieferanten unter Vertrag hat, demnach auf mehrmaligen Anschuldigungen zur mangelhaften Kontrolle der Textilfirmen und der Arbeitsbedingungen mit der Clean Clothes Campaign ein Abkommen zur Verbesserung schloss, um das Ansehen zu bewahren. Einige der Reglungen sind ein Mindestalter von 14 Jahren bei Kindern, ein Verhaltenskodex und Einhaltung des Mindestlohns, dass dies jedoch in korrekter Form eingehalten oder kontrolliert wird, wird angezweifelt. Solange keine Offenlegung der Lieferanten eintritt, steht die Clean Clothes Campaign dem Konzern ebenfalls kritisch gegenüber.[26] Das unterstützt auch die Werbekampagne von 2013, in der sich H&M an nachhaltige Verbraucher richtete. Die „Concious Collection“ soll für nachhaltige Textilproduktion stehen, doch die Presse beweist das Gegenteil. 2010 sind allein in Kambodscha 2900 Näherinnen zusammengebrochen was im Englischen „unconcious“ bedeutet und eine Ironie angesichts der Kollektion darstellt, denn Hunderte davon arbeiteten für H&M.[27]

In den Produktionsländern steht ein stetiger Kampf um die Produktionsrate an, China ist lange Zeit Vorreiter in der kostengünstigen Produktion von Textilien gewesen, doch ging mit der Globalisierung auch der Konkurrenzkampf mit Ländern wie Vietnam, Pakistan oder Kambodscha weiter. Der Zeit-, Preis- und Konkurrenzdruck wird insbesondere auf die Arbeitskräfte ausgetragen, obwohl die Textilfirmen außerhalb bescheinigen, unter fairen oder sozialen Umständen zu produzieren.[28] Damit die Textilfabriken dem Arbeitsmarkt standhalten können, werden von den Produzenten zum Teil sogar illegale Anbauten an das eigentliche Fabrikgebäude angebracht oder Wohnraumnutzung einbezogen, um dadurch einen größeren Arbeitsbetrieb mit geringeren Arbeitszeiten und höhere Erträge zu schaffen. Diese provisorischen Gebäude liegen noch schlechteren Bedingungen und Sicherheitsstandarts zu Grunde. Den europäischen Auftraggebern sind solche Einzelfälle bekannt, dennoch lassen sie keine Überprüfungen neben den Sozial-Audits durchführen oder veranlassen angemessen Vorkehrungen zur Vermeidung einer solchen Situation. [29] Natürlich riskieren der Produzent und die Auftraggeberschaft hierbei immer wieder die gesundheitliche Situation der pakistanischen Textilarbeiter, was sich auch auf das Familienleben auswirkt.

Eine andere schwarze Seite der Textilindustrie betrifft das Arbeiten und den Umgang mit gesundheitsschädlichen Mitteln. Die Umweltorganisation Greenpeace machte im November 2013 mit der Kampagne ‚Detox‘ auf Gefahrstoffe bei der Textilproduktion für Zara in China und Pakistan aufmerksam. In zahlreichen Textilien dieses Modehauses wurden nach chemischer Analyse giftige und krebserregende Stoffe nachgewiesen. Diese Massen-Produktionen vergiften hierdurch nicht nur die Gewässer in den Herstellungsländern, sie gelangen durch die Haushaltswäsche auch in die deutschen Flüsse. Aus diesem Grund arbeiten NROs wie Greenpeace daran, die Belastung der Gewässer und Gesundheitsrisiken der Arbeiter durch diese Textilproduktion zu mindern.[30]

3.3 Arbeitsverhältnisse in Textilfabriken und die sozialen Folgen

In Pakistan werden Kleidung und Textilien von niedriger Qualität gefertigt, das zu einem lebensgefährlichen und menschenunwürdigen Preis. Dass die Arbeitsbedienungen in den Entwicklungsländern bezüglich der Textil- und Bekleidungsindustrie unzumutbar und alles andere als ethisch beziehungsweise moralisch vertretbar sind, wird in der Gegenwart häufiger debattiert. Mittlerweile gibt es viele Konzerne und Nichtregierungsorganisationen, die sich für die schlechten Arbeitsbedingungen in der dritten Welt stark machen. Trotzdem ist das Bündnis für nachhaltige Textilien weltfremd.[31] Die Textilfirma Ali Enterprises in der Hafenstadt Karachi in Pakistan ist beispielhaft für die schlechten Zustände am Arbeitsplatz. An der Tagesordnung steht Arbeitsdruck und ein strenger Zeitplan, zudem machen die Arbeiter unzählige Überstunden die nicht einmal bezahlt werde.[32] Der Lohn für einen Maschinenbediener liegt in Monat bei ungefähr 18.000 pakistanischen Rupien, was umgerechnet etwa 155 € sind. Im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern ist dies ein gutes Gehalt, auch wenn die Arbeitsbedingungen verheerend sind.[33] So reißt sich die Bevölkerung teilweise um eine Stelle in einer dieser Fabriken, obwohl diese ausgebeutet werden. Das Geld hilft den armen Menschen in Pakistan dennoch die Familie zu ernähren und den Kindern eine Schulbildung zukommen zu lassen.

Aufgrund der Maschinen ist es in den Fabriken sehr heiß, es gibt kaum Fenster oder eine gute Belüftung, die Stoffe sorgen für eine staubige Luft und zum Trinken brauch man in manchen Fabriken sogar eine Erlaubnis. In vielen Fabriken darf nicht mehr als zweimal täglich vom Arbeitsplatz weggetreten werden. Die Toilettenanlagen sind oftmals nicht gereinigt und das Trinkwasser ist ebenfalls verschmutzt.[34] In der Textilfabrik in Faisalabad arbeiten mehr als dreißigtausend Menschen. Von den Arbeitern wird gefordert, dass sie präzise arbeiten, Fingerfertigkeit besitzen und schnell sind, wodurch ständiger Leistungsdruck besteht. [35] Die Arbeiter verrichten ihre Arbeit auf engsten Raum, sind dazu oftmals nicht sozialversichert und haben enormen Zeitdruck, da sonst eine Kündigung droht. Die Textilfabrik in Faisalabad ist ein Beispiel dafür, dass sich die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen in Pakistan ein wenig verbessert haben.[36]

Neben den Männern, die sich an den Maschinen abschuften und ihre Gesundheit riskieren, sind die Zustände für Näherinnen, Färberinnen, Weberinnen und Baumwollpflücker nicht zwingend besser.[37] Pakistan ist nur eines der Entwicklungsländer wie Bangladesch und Indien, wo die Arbeiter in der Textilbranche ausgebeutet werden und die Zustände teilweise noch drastischer sind. In dieser Branche fällt das Leid größtenteils auf Frauen und Kinder zurück, denn durch den Einsatz von Chemikalien beim Prozess des Färbens oder Bleichens entstehen schädliche Dämpfe, welche die Gesundheit der Beschäftigten und die Umwelt erheblich belasten.

In anderen Betrieben liegt der Monatsverdienst bei sieben Euro und der Arbeitstag erstreckt sich von morgens um acht bis zehn Uhr nachts. Viele der Arbeiterinnen machen bis drei Uhr morgens Überstunden. Die unmöglichen Arbeitszeiten führen dazu, dass die Arbeiterrinnen unter Schlafstörungen leiden. Trotz des übermüdeten Zustandes wurden die Arbeiterinnen von dem Fabrikbesitzer weiter unter Druck gesetzt[38], dies hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun. In den Textilfabriken der Entwicklungsländer kommt es zudem häufiger zu sexuellen Missbrauch am Arbeitsplatz, wie es bei der Fabrik in Formosa der Fall ist, da dort viele junge Frauen eingestellt sind.[39] Im Verlauf der Jahre sind die geringen Löhne nicht gestiegen, jedoch die Lebensmittelpreise, was es für die Frauen schwierig macht die Familie zu ernähren, geschweige den die Schulkosten zu zahlen. Viele Frauen sind daher gezwungen ihre Kinder aus den Schulen zu nehmen. Die Familien müssen sich Geld leihen, um über die Runden zu kommen und nicht zu verhungern.

Neben den schlechten Zuständen bei der Frauenarbeit ist die Kinderarbeit ein weiteres Problem in der Textilbranche. Da die Entwicklungsländer von Armut gezeichnet sind, müssen selbst die Kinder zum Familieneinkommen etwas beitragen. Das hat Folgen in der Entwicklung des Landes, da Kinder nicht die Schule besuchen können und keine Möglichkeit auf Bildung und einen guten Beruf haben.[40] Außerdem erreichen die Kinder durch die nicht gewachsene körperliche Arbeit kein sehr hohes Alter. In Pakistan ist die Kinderarbeit seit 1997 verboten, trotzdem wird davon ausgegangen, dass sie in kleineren Betrieben weiterhin vollzogen wird. Sie wird hauptsächlich für die Fußballproduktion, Baumwollanbau/ernte und in der Teppichproduktion eingesetzt.[41] Da Kinder eine ideale Größe aufweisen und billige Arbeitskräfte sind, werden sie für die Ernte sowie für die Verarbeitung eingesetzt. Ein Arbeitstag dauert hier 12 Stunden und bringt ein maximales Einkommen von ungefähr zehn Euro im Monat.[42] Das Einkommen gilt nur für Kinder die nicht in Schulknechtschaft stehen. Diejenigen, die in Schulknechtschaft sind, begleichen die Schulden der Eltern und verdienen kein Lohn. Die schwachen Kinder riskieren tagtäglich ihr Leben, da sie gefährlicher Hitze und giftigen Pestiziden – mit denen die Baumwollpflanzen besprüht werden, um sie vor Schädlingen zu schützen – ausgesetzt sind.

Jährlich sterben – laut Aktiv gegen Kinderarbeit – 28.000 Baumwollpflücker durch Pestizide. Vor allem die Kinder sind betroffen, auch wenn sie nicht selbst die Baumwollfelder besprühen: Leere Pestizid-Behälter werden oft von Kindern zum Spielen oder zum Wassertransport verwendet.[43] Da ihnen keine Schutzkleidung zugestellt wird, können die Pestizide problemlos durch die dünne Haut aufgenommen werden. Schreckliche Zustände für Kinder, die eigentlich zur Schule gehen sollten. Da die Bevölkerung in Entwicklungsländer zum Überleben auf jegliche Arbeit angewiesen ist, lasse sie diese Torturen mit sich ergehen. Doch von Arbeit kann hier nicht mehr die Rede sein, dann die Textilbranche ist ein Sklavenbetrieb. Mitverantwortlich für die Zustände sind nicht nur die Konzerne, sondern auch der Endverbraucher, das Netz lässt sich ziemlich weit spannen.[44] Der Wettbewerb um Aufträge steigt ebenfalls, da die Textilfirmen die Produktionskosten um jeglichen Preis senken, dass dabei die Gesundheit und das Leben der Arbeiter gefährdet wird spielt keine Rolle. Die europäischen Auftraggeber sind sich den Zuständen durchaus bewusst, ihn geht es jedoch nur im den eigenen Profit. Dem Verbraucher ist es bewusst, dass die Kleidung unter entwürdigenden Umständen produziert wird, was jedoch meist ausgeblendet wird. Die deutschen Konsumenten kaufen im Schnitt 40-70 Kleidungsstücke im Jahr und die Tendenz steigt von Jahr zu Jahr. Mit dieser Erkenntnis ist es ersichtlich, dass der Verbraucher nicht auf seinen Luxus verzichten will und ihn die Probleme am anderen Ende der Welt daher nicht interessieren.[45]

[...]


[1] Vgl. Breitenacher, Micheal (1981): Textilindustrie. Berlin: Duncker & Humblot. (= Struktur und Wachstum: Reihe Industrie 34). S. 52.

[2] Vgl. Breitenacher, Micheal (1981). S. 53.

[3] http://www.stern.de/wirtschaft/news/made-in-germany-etikettenschwindel-590955.html (20.03.15)

[4] Vgl. Breitenacher, Micheal (1981. S. 11.

[5] Ebd.

[6] Ebd. S. 46.

[7] Vgl. Kotteder, Franz (2013): Die ganz normale Ausbeutung: Hungerlöhne für deutsche Textilien. In: Billig kommt uns teuer zu stehen, Das skrupellose Geschäft der globalisierten Wirtschaft. München: Ludwig Verlag. Abschnitt 37.

[8] Vgl. Crompton, Samuel Willard (2006): Pakistan. Modern World Nations. New York: Infobase Publishing. S. 8.

[9] Ebd. S. 9.

[10] Ebd. S. 12.

[11] Ebd. S. 14.

[12] Vgl. Sharma, Milan (2006): Textile Industry of India and Pakistan. New Delhi: APH Publishing. S. 26.

[13] Vgl. Breitenacher, Micheal (1981). S. 48.

[14] Vgl. Sharma, Milan (2006). S. 1.

[15] Vgl. Crororaton, Caesar Bucia (2008): Pakistan's Cotton and Textile Economy: Intersectoral Linkages and Effects on Rural and Urban Poverty. Washington, D.C.: Intl Food Policy Research Institute. (= Research Report 158). S. 20.

[16] Vgl. Sharma, Milan (2006). S. 35.

[17] Ebd. S. 2.

[18] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pakistan-kik-liess-jeans-bei-der-abgebrannten-textilfabrik-produzieren-a-856530.html (16.03.15)

[19] Vgl. Sharma, Milan (2006). S. 55.

[20] Vgl. Fact-Sheet: der europäische Textilhandel mit Pakistan S. 4. http://www.medico.de/themen/aktion/textil/dokumente/fact-sheet-textilindustrie-europa-pakistan/4464/ (22.03.15)

[21] Vgl. Fact-Sheet: der europäische Textilhandel mit Pakistan S. 6: http://www.medico.de/themen/aktion/textil/dokumente/fact-sheet-textilindustrie-europa-pakistan/4464/ (22.03.15)

[22] Vgl. Die Textilbranche und die dritte Welt. Für eine Hand voll Dollar. S. 212.

[23] Vgl. Kotteder, Franz (2013): Hungerlöhne für deutsche Textilien. In: Billig kommt uns teuer zu stehen, Das skrupellose Geschäft der globalisierten Wirtschaft. München: Ludwig Verlag.

[24] Vgl. http://www.medico.de/themen/aktion/textil/dokumente/fact-sheet-textilindustrie-europa-pakistan/4464/ (19.03.15)

[25] Vgl. Fact-Sheet: der europäische Textilhandel mit Pakistan S. 6: http://www.medico.de/themen/aktion/textil/dokumente/fact-sheet-textilindustrie-europa-pakistan/4464/ (22.03.15)

[26] Vgl. Die Textilbranche und die ditte Welt. Für eine Hand voll Dollar. S. 318f.

[27] Vgl. Kotteder, Franz (2013): Die ganz normale Ausbeutung: Bewusste Verbraucher, bewusstlose Näherinnen. Abschnitt 38.

[28] Vgl. Diekamp, Kirsten und Koch, Werner (2010): Eco Fashion, Top Labels entdecken die Grüne Mode. München: Stiebner. S. 109.

[29] Vgl. Fact-Sheet: der europäische Textilhandel mit Pakistan S. 6: http://www.medico.de/themen/aktion/textil/dokumente/fact-sheet-textilindustrie-europa-pakistan/4464/ (22.03.15)

[30] Vgl. http://www.br.de/nachrichten/arbeitsbedingungen-textilindustrie-schwellenlaender-100.html (22.03.15)

[31] Vgl. http://www.welt.de/debatte/kommentare/article133359990/Das-Buendnis-fuer-nachhaltige-Textilien-ist-weltfremd.html (23.03.15)

[32] Vgl. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pakistan-kik-liess-jeans-bei-der-abgebrannten-textilfabrik-produzieren-a-856530.html (16.03.15)

[33] Vgl. http://www.zdf.de/auslandsjournal/aussendienst-als-teppichweberin-auslandsjournal-vom-12.-november-2014-36605160.html (23.0.3.15)

[34] Vgl. Die Textilbranche und die Dritte Welt. Für eine Hand voll Dollar. S. 214f.

[35] Vgl. http://www.zdf.de/auslandsjournal/aussendienst-als-teppichweberin-auslandsjournal-vom-12.-november-2014-36605160.html (23.0.3.15)

[36] Ebd.

[37] Vgl. http://www.welt.de/debatte/kommentare/article133359990/Das-Buendnis-fuer-nachhaltige-Textilien-ist-weltfremd.html (23.03.15)

[38] http://bangladesch.org/bangladesch/wirtschaft-und-armut/textilindustrie/menschenunwuerdige-arbeitsbedingungen.html (23.03.15)

[39] Vgl. Die Textilbranche und die Dritte Welt. Für eine Hand voll Dollar. S. 215.

[40] Vgl. http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/welt/asien/pakistan/ (23.03.15)

[41] Ebd.

[42] http://einewelt.20six.de/einewelt/page/10744/Pakistan (25.03.15)

[43] Ebd.

[44] Vgl. http://www.medico.de/themen/aktion/textil/dokumente/toedliche-textilien/4463/ (23.03.15)

[45] Ebd.

Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668194090
ISBN (Buch)
9783668194106
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320120
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Sozial- und Kulturwissenschaften
Note
12,0
Schlagworte
Textilindustrie Internationale Beziehungen Pakistan Bangladesh Arbeitssituation Dritte Welt Großhandel Arbeitsunfälle Fair Trade

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Titel: Die Textilindustrie in Pakistan. Die Arbeitssituation und ihre Folgen