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Ertragsteuerliche Behandlung der Unternehmensnachfolge

Seminararbeit 2016 21 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemanalyse, Zielsetzung und Struktur der Arbeit

2 Grundlagen und Rahmenbedingungen
2.1 Share Deal vs. Asset Deal
2.2 Steuerliche Interessen von Veräußerer und Erwerber
2.3 Ertragsteuerliche Ermäßigungen

3 Unternehmensverkauf bei einer GmbH
3.1 Asset Deal
3.1.1 Ertragsteuerliche Aspekte für den Veräußerer
3.1.2 Ertragsteuerliche Aspekte für den Erwerber
3.2 Share Deal
3.2.1 Ertragsteuerliche Aspekte für den Veräußerer
3.2.2 Ertragsteuerliche Aspekte für den Erwerber

4 Unternehmensverkauf einer GmbH & Co. KG
4.1 Asset Deal
4.1.1 Ertragsteuerliche Aspekte für den Veräußerer
4.2 Share Deal
4.2.1 Ertragsteuerliche Aspekte für den Veräußerer
4.2.2 Ertragsteuerliche Aspekte für den Erwerber

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Gesetzesmaterialien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemanalyse, Zielsetzung und Struktur der Arbeit

Aufgrund der mit dem demographischen Wandels einhergehenden Alterung der Eigentümer und des Rückgangs der geburtenstarken Jahrgänge wurden mittelständige Unternehmen in den letzten Jahren vermehrt an Nachfolger übergeben.[1] Unternehmenskäufe und –verkäufe können allerdings auch andere Gründe haben. Aus der Unternehmensnachfolge könnte so beispielsweise eine strategische Neuausrichtung oder Sanierung resultieren.[2] Laut dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn stehen im Jahr 2016 circa 27.000 Unternehmen vor der Entscheidung, ihr Unternehmen an Nachfolger zu übergeben bzw. zu veräußern.[3] Dies sind rund 20% mehr als es 2014 der Fall war.[4] Geschäftsleiter haben dabei die Möglichkeit, das Unternehmen familienintern, unternehmensintern oder unternehmensextern zu übergeben.

Der Eigentümerwechsel stellt sich in vielen Fällen als problematisch dar und könnte ohne frühzeitige und strukturierte Planung schwerwiegende negative Auswirkungen für den Unternehmer und den Nachfolger haben.[5] Die Planung erfordert insbesondere auch die Betrachtung der steuerlichen Folgen.[6] In diesem Sinne ist zu prüfen, welche Methoden sich anbieten, um die steuerliche Belastung zu vermindern oder zu vermeiden. Zu überdenken wäre, ob dies möglicherweise auch durch einen Rechtsformwechsel erreicht werden kann, da das Unternehmen je nach Rechtsform unterschiedlichen Steuergesetzen unterliegt.[7]

Diese Arbeit befasst sich mit dem Vergleich der steuerlichen Behandlung des Unternehmenskaufs und –verkaufs einer reinen GmbH und einer GmbH & Co. KG. Im ersten Abschnitt werden die Grundlagen, Rahmenbedingungen und Interessengegensätze von Veräußerer und Erwerber dargelegt, die im Rahmen eines Unternehmenskaufs von Bedeutung sind. Darauf folgend werden die ertragsteuerlichen Konsequenzen einer entgeltlichen Unternehmensübertragung aus Sicht einer Kapitalgesellschaft und einer Personengesellschaft behandelt. Anschließend wird kritisch beurteilt, inwiefern der Rechtsformwechsel in Erwägung gezogen werden sollte.

Da die unentgeltliche Übertragung eines Unternehmens weniger ertragsteuerliche, sondern hauptsächlich erbschaftsteuerliche Auswirkungen auf den Veräußerer und Erwerber hat[8], wird diese in dieser Arbeit nicht behandelt. Die teilentgeltliche Unternehmensüberlassung wird zudem auch nicht behandelt, da diese grundsätzlich nicht anders betrachtet wird als die vollentgeltliche Übertragung in Kombination mit der unentgeltlichen Übertragung.[9]

2 Grundlagen und Rahmenbedingungen

2.1 Share Deal vs. Asset Deal

Ein Unternehmen kann auf zwei Wegen an einen Dritten entgeltlich übertragen werden; zum einen durch einen Share Deal (SD) und zum anderen durch einen Asset Deal (AD). Ein SD zeichnet sich dadurch aus, dass Geschäftsanteile an Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft auf den Rechtsnachfolger an einem vertraglich vereinbarten Stichtag übertragen werden. Es ist somit im Sinne des §§ 433 I S. 2, 453 I BGB ein Rechtskauf. Der Erwerb von Anteilsrechten hat keinen Einfluss auf die Aktiva oder Passiva des erworbenen Unternehmens. Sämtliche Verbindlichkeiten und Haftungsrisiken gehen auf den Nachfolger über. Bei einem AD werden lediglich die Wirtschaftsgüter (WG) des Unternehmens durch Einigung und Übergabe zu einem vertraglich vereinbarten Stichtag übertragen. Das Haftungsrisiko wird nicht automatisch auf den Erwerber (E) übertragen.[10]

2.2 Steuerliche Interessen von Veräußerer und Erwerber

Grundsätzlich herrschen Interessengegensätze zwischen Veräußerer (V) und E bei der Veräußerung von Geschäftsanteilen bzw. WG.[11] Dies beruht darauf, dass die steuerlichen Folgen für beide Parteien unterschiedlich sind. Aspekte wie die Steuerentlastung des Veräußerungsgewinns (VG) und die Nutzung von steuerlich vorteilhaften Verlustvorträgen bzw. Zinsvorträgen zur Optimierung des Veräußerungspreises sind vor allem für den V von erhöhter Bedeutung. Die Ziele des E sind neben der Höhe des Kaufpreises hingegen eher die steuerliche Absetzbarkeit von Anschaffungs-, Finanzierungs-, und Transaktionskosten.[12]

2.3 Ertragsteuerliche Ermäßigungen

Der Veräußerungsgewinn (VG) aus Anteilen an Kapitalgesellschaften ist nach § 17 III S. 1 EStG nur einkommensteuerpflichtig, falls er 9060 Euro übersteigt. Es darf also ein Freibetrag (FB) in Höhe von (iHv) 9060 Euro abgezogen werden, falls der Anteilseigner 100% der Kapitalgesellschaftsanteile hält und verkauft und der VG 9060 Euro übersteigt. Ist dies nicht der Fall, wird der FB nur den veräußerungsanteiligen Werten entsprechend gewährt. Der FB verringert sich dann um den anteiligen VG welcher den Betrag von 36100 Euro überschreitet. Demnach darf kein FB mehr abgezogen werden, sobald der VG, bei einer Beteiligung an sämtlichen Anteilen der Kapitalgesellschaft, 45160 Euro beträgt.[13]

Ein personenbezogener FB wird auch für einen VG an dem Verkauf von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft nach § 16 IV EStG unter bestimmten Voraussetzungen gewährt. Soweit der VG 45 000 Euro nicht übersteigt, kann auf Antrag auf eine Einkommensteuer (ESt) verzichtet werden. Dies gilt nur für einen Steuerpflichtigen, der das 55. Lebensjahr vollendet oder dauernd berufsunfähig geworden ist. Der FB darf nur einmal im Leben gewährt werden und verringert sich um den Betrag, der den VG von 136 000 Euro übersteigt.

Eine sog. „Fünftelregelung“ ergibt sich aus § 34 I EStG. So beträgt die anzusetzende ESt für VG aus außerordentlichen Einkünften (§ 34 II EStG) das Fünffache der Differenz zwischen dem verbleibenden zu versteuernden Einkommen und diesem Einkommen zzgl. eines Fünftels dieser Einkünfte. Nach § 34 I S. 4 EStG darf die Fünftelregelung nicht angewendet werden, falls schon die §§ 6b oder 6c EStG auf diese Einkünfte angewandt wurden.

Abweichend von § 34 I EStG erlaubt § 34 III EStG das zu versteuernde Einkommen aus Einkünften nach § 34 II Nr. 1 EStG nach einem ermäßigten Steuersatz (56 % des durchschnittlichen Steuersatzes; mindestens 14%) zu bemessen, falls der Betrag von 5 Mio. Euro nicht überschritten wird.

Ein begünstigter VG, der sich aus §§ 16 IV und 34 EStG ergibt, darf nicht in Anspruch genommen werden, falls wesentliche Betriebsgrundlagen zurückbehalten werden.[14] Falls alle wesentlichen Betriebsgrundlagen verkauft werden oder in das Privatvermögen des E übergehen, darf der V §§ 16 IV und 34 EStG zu seinen Gunsten nutzen.[15] Eine wesentliche Betriebsgrundlage zeichnet sich dadurch aus, dass sie das Betriebsvermögen darstellt und für den operativen Geschäftsbetrieb sowie für die Betriebsführung notwendig ist.[16] Inhalt des operativen Geschäftsbetriebs sind Vermögensgegenstände des Sonderbetriebsvermögens und vor allem die Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, die einen funktionalen Nutzen stiften. Dazu gehört zum Beispiel das betrieblich genutzte Grundstück.[17]

3 Unternehmensverkauf bei einer GmbH

3.1 Asset Deal

3.1.1 Ertragsteuerliche Aspekte für den Veräußerer

Erzielt die GmbH aus der Veräußerung von inländischen Betrieben, Teilbetrieben oder WG einen Gewinn im Rahmen eines AD, unterliegt dieser der GSt, sowie der KSt einschließlich Solidaritätszuschlag (SolZ). Demnach können keine unter §§ 16, 34 I und III EStG aufgeführten Abzüge zum Tragen kommen. Die KSt für den VG beträgt ab dem Veranlagungszeitpunkt 2008 15% (zzgl. SolZ) und die GSt ca. 30%, je nachdem wie hoch der kommunale Hebesatz ist.[18]

Der VG aus der Beteiligung an anderen Kapitalgesellschaft wird nach § 8b II, III KStG nur iHv 5% besteuert. Der körperschaftsteuerliche VG kann, unter Berücksichtigung der Mindestbesteuerung, mit Verlustvorträgen verrechnet werden. Die Mindestbesteuerung ist in § 10d II EStG in Verbindung mit (iVm) § 8 I S.1 KStG geregelt und besagt, dass der Verrechnung mit Verlustvorträgen eine Grenze von 1 Mio. Euro gesetzt ist. Darüber hinaus wird sie auf maximal 60% des GmbH-Einkommens beschränkt.[19]

Entstehen VG durch Assets, werden diese mit einer Gewerbesteuer belastet (§ 7 GewStG, Abschn. 40 II GewStG). Hier sind wiederum 95% von der Besteuerung freigestellt, falls die veräußerten Assets Beteiligungen an einer Kapitalgesellschaft beinhalten (§ 7 S. 4 GewStG iVm § 8b II, III KStG). Auch der gewerbesteuerliche Gewinn kann mit Verlustvorträgen verrechnet werden. Die Regelungen zur Mindestbesteuerung sind hierbei in § 10a S.1, 2 GewStG aufgeführt.[20]

3.1.2 Ertragsteuerliche Aspekte für den Erwerber

Für den E ist es bei einem Unternehmenskauf besonders wichtig, seine Gestaltungsinteressen zu vertreten.[21] Dazu gehört, dass er das Abschreibungspotential seiner für den Kauf aufgewendeten Anschaffungskosten zeitnah und in möglichst hohem Ausmaß nutzen möchte.[22] Der Kaufpreis beim AD bietet für den E ein steuerlich nutzbares sog. „Step-Up“ durch Abschreibung. Die Anschaffungskosten der WG würden nämlich einzeln anfallen, somit sind die Bilanzwerte aufzustocken und bieten sukzessiv eine hohe Abschreibungsfähigkeit. Die sog. Stufentheorie nach dem Bundesfinanzhof (BFH) besagt, dass die Buchwerte der bilanzierten materiellen und immateriellen WG um die stille Reserven aufzustocken sind.[23] Die stillen Reserven werden beim V aufgedeckt, falls die historische Buchwerte vom Teilwert überschritten werden.[24] Der nicht mehr den einzelnen WG zuordnungsbare Rest des Kaufpreises wird somit als Firmenwert aktiviert werden und muss in der Regel (idR) innerhalb von 15 Jahren abgeschrieben werden (§ 7 I S. 3 EStG).[25]

Nicht nur das Abschreibungspotential, sondern auch der steuerlich wirksame Abzug von Fremdfinanzierungszinsen ist für den E von hoher Relevanz. Hier ist der AD für den E auch von Vorteil, da der Zinsaufwand als Betriebsausgabe steuerlich abzugsfähig ist[26], mit Ausnahme der Aufwendungen, die durch die teilweise steuerfreien Einkünfte gem. § 3 Nr. 40 EStG entstehen. Ebenso ist der Finanzierungsaufwand für einen E, welcher der ESt unterliegt, zu 60% abzugsfähig, falls sich unter den erworbenen Assets der GmbH auch Beteiligungen an einer Kapitalgesellschaft befinden (§3c II EStG).[27] Für Finanzaufwendungen nach dem 1. Januar 2008 muss die Zinsschranke gem. § 4h EStG i. V. m. § 8a KStG beachtet werden.[28]

Die beim Veräußerer vorliegenden steuerlichen Verlustvorträge können bei einem AD nicht auf den E übergehen, da die einkommens- und körperschaftsteuerlichen Verluste untrennbar mit dem Steuersubjekt (dem V) verbunden sind. Der Verlust kann lediglich mit Berücksichtigung der Mindestbesteuerung (§ 10d EStG) mit dem VG des Verkäufers verrechnet werden.[29] Um den gewerbesteuerlichen Verlust abzuziehen muss nach § 10a GewStG[30] eine Unternehmensidentität des verlustverursachenden und –nutzenden Betriebs vorliegen. Diese Identität entfällt beim AD jedoch, weshalb der Verlust nicht genutzt werden kann.[31]

3.2 Share Deal

3.2.1 Ertragsteuerliche Aspekte für den Veräußerer

Bei der Veräußerung von Anteilen an einer GmbH ist zu unterscheiden, ob sich die Anteile im Privatvermögen oder im Betriebsvermögen befinden.

Falls die Anteile im Privatvermögen des V liegen und die Beteiligung an der Kapitalgesellschaft kleiner als 1% ist, erfolgen aus einem VG oder Veräußerungsverlust (VV) gem. § 20 II, IV EStG Einkünfte aus Kapitalvermögen. Für die Erfassung der Einnahmen kommt das Zuflussprinzip nach § 11 I S. 1 EStG zum Zuge. Die VG bzw. VV ergeben sich dann durch den Abzug der Anschaffungskosten der Anteile und den Aufwendungen des Veräußerungserlöses.[32] Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen unterliegen nach § 32d EStG einer 25%igen Abgeltungssteuer (zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag (SolZ)). VV können lediglich mit positiven Einkünfte aus Kapitalvermögen verrechnet werden und dürfen gem. § 20 VI S. 2 EStG weder mit anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden noch nach § 10d EStG abzogen werden.[33]

Falls die Beteiligung am Kapital der Gesellschaft mindestens 1% beträgt, führt der Gewinn aus der Anteilsveräußerung nach § 17 I S. 1 EStG zu Einkünften aus Gewerbebetrieb und unterliegt der ESt. Dies ist nur dann der Fall, wenn die Beteiligung am Kapital der Gesellschaft von mindestens 1% innerhalb der letzten fünf Jahre unmittelbar oder mittelbar zustande gekommen ist (§ 17 I S. 1 EStG). Der VG ergibt sich hier nach § 17 II EStG aus dem Veräußerungserlös abzgl. der Veräußerungskosten und der Anschaffungskosten. Gem. § 3 Nr. 40 iVm § 3c II EStG muss der VG im Rahmen des Teileinkünfteverfahrens zu 60% besteuert werden. Von diesem 60%igen Anteil am VG darf nach § 17 III EStG ein FB iHv 9060 Euro abgezogen werden, falls die Voraussetzungen (s.o.) gegeben sind. Nach der Minderung des steuerpflichtigen VGs verbleibt ein Teil, welcher der ESt mit einem Steuersatz von 0% bis 45% unterliegt. Der genaue Steuersatz richtet sich nach der individuellen Situation der Übertragung. Falls ein VV vorliegt darf dieser nach § 3 Nr. 40 iVm § 3c II EStG in den Verlustausgleich einbezogen werden, falls der Steuerpflichtige Einnahmen aus der Beteiligung erzielt hat oder zumindest die Absicht hatte, Dividenden zu erzielen.[34] Für einen VV gelten allerdings auch gem. § 17 II S. 6 EStG gewisse Sonderregeln. Demnach darf dieser Verlust nicht in Betracht gezogen werden, wenn er auf Anteile des Steuerpflichtigen entfällt, die in den letzten fünf Jahren unentgeltlich erworben wurden. Diese Regel entfällt, falls der VV vom Rechtsvorgänger anstatt vom Steuerpflichtigen hätte geltend gemacht werden können (§ 17 II S. 6 Buchst. a EStG). Weiterhin wird der Verlust nicht berücksichtigt, falls die Anteile entgeltlich erworben wurden aber der Steuerpflichtige trotzdem innerhalb der letzten fünf Jahre nicht nach § 17 I S. 1 EStG beteiligt war.[35] Darüber hinaus fällt auf der Gesellschafterebene keine Gewerbesteuer (GSt) an, da aus der Beteiligung an der Kapitalgesellschaft mit mehr als 1% zwar Einkünfte aus Gewerbebetrieb entstehen, aber diese Beteiligung allein dennoch nicht mit einem Gewerbebetrieb als solches gleichzustellen ist.[36]

Im Falle, dass die Anteile dem Betriebsvermögen einer natürlichen Person angehören führt der VG zu Einkünften aus Gewerbebetrieb (§15 I Nr. 2 EStG) und muss nach § 3 Nr. 40 iVm § 3c II EStG im Hinblick auf das Teileinkünfteverfahren zu 60% versteuert werden.[37] Es darf kein FB nach § 16 IV EStG und keine Steuerermäßigung nach § 34 I, III EStG vom steuerpflichtigen Teil abgezogen werden, da der Veräußerungsgewinn in diesem Fall als laufende Einkünfte im Sinne des (iSd) § 15 EStG gilt. Es muss zusätzlich eine GSt nach § 7 GewStG auf den steuerpflichtigen Teil des VGs erhoben werden, die sich allerdings größtenteils durch die Steuerermäßigung nach § 35 EStG aufhebt. VV sind ebenfalls zu 60% steuermindernd und können so mit anderen Einkünften ausgeglichen werden und dürfen in den Verlustabzug miteinbezogen werden. Der Gewerbeertrag wird somit durch die VV nach § 7 S. 1 GewStG um 60% gemindert.

Bei einer 100%igen Beteiligung des Gesellschafters an der GmbH ergeben sich dieselben steuerlichen Folgen wie bei einer Beteiligung, die unter 100% liegt. Allerdings darf ggf ein FB nach § 16 IV EStG bei einer Betriebsveräußerung abgezogen werden.

Falls der Anteilseigner des Betriebsvermögens allerdings eine juristische Person ist, gehört ein VG nach § 8 II KStG den Einkünften aus Gewerbebetrieb an und ist nach § 8b II KStG zu 95% steuerfrei. Es gelten 5% als nichtabziehbare Betriebsausgaben iSd § 8b III S. 1-2 KStG. Nach § 7 GewStG gilt diese 5%ige Steuerbelastung auch für die Gewerbesteuer.[38] Ein VV ist nach § 8b III S. 3 KStG nicht bei der Körperschaftsteuer (KSt) und nach § 7 GewStG nicht bei der GSt abziehbar.

Ein Gesellschafter kann gleichzeitig verschiedene Anteile im Privatvermögen und im Betriebsvermögen halten. Die Berechnung der Grenze von § 17 I S. 1 EStG ist dann möglich, wenn beide Anteile zusammengerechnet werden.[39]

3.2.2 Ertragsteuerliche Aspekte für den Erwerber

Unabhängig davon, ob sich die Anteile im Privatvermögen oder im Betriebsvermögen befinden, kann das Ziel des E beim Erwerb von GmbH-Geschäftsanteilen, ein möglichst hohes Abschreibungspotential zu erreichen, nicht realisiert werden, da es beim SD lediglich darum geht, die Buchwerte der GmbH fortzuführen. Die Anteile an einer Kapitalgesellschaft unterliegen nämlich keiner gewöhnlichen Nutzungsdauer über die abgeschrieben werden könnte.[40] Somit ist ein SD für den E steuerlich grundsätzlich nachteilig, da keine steuerlich wirksamen Abschreibungen entstehen. Der Beteiligungskaufpreis ergibt sich aus den Anschaffungskosten, während die Anschaffungskosten der von der Kapitalgesellschaft erworbenen Vermögensgegenstände unabhängig von dem Verkauf unverändert fortgeführt werden.[41] Eventuell könnte es im Rahmen der späteren Wertminderung zu einer Teilwertabschreibung nach § 6 I Nr. 2 EStG kommen. Allerdings ist diese steuerlich nicht wirksam, falls es sich um die Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft handelt (§ 8b III KStG).[42] Aufgrund der Nachteiligkeit für den E bei einem SD wurden einige Modelle konzipiert, um einen SD für den E steuerlich attraktiv zu gestalten. Durch Änderungen der Gesetzte verloren jedoch jegliche Modelle ihre Bedeutung, weshalb in dieser Arbeit nicht weiter darauf eingegangen wird.[43]

[...]


[1] Vgl. KAY, R./SUPRINOVIC, O., Unternehmensnachfolge, 2015, S. 12.

[2] Vgl. GRÖGER, H., Steuern beim Unternehmenskauf, 2015, S. 348.

[3] Vgl. KAY, R./SUPRINOVIC, O., IfM, 2013, S. 8.

[4] Vgl. WIESEHAHN, A., Unternehmensnachfolge, 2015, S. 29.

[5] Vgl. KAY, R./SUPRINOVIC, O., Unternehmensnachfolge, 2015, S. 12.

[6] Vgl. WEGMANN, J., Unternehmensverkauf, 2013, S. 29.

[7] Vgl. SCHEWE, G., Unternehmensverfassung, 2015, S. 98.

[8] Vgl. SCHIFFERS, J., Geschäftsanteil und Übertragung, 2015, S. 377.

[9] Vgl. KRAFT, C./ KRAFT, G., Unternehmensbesteuerung, 2014, S. 54.

[10] Vgl. BEISEL, W., Der Unternehmenskauf, 2015, S.12.

[11] Vgl. SINEWE, P./WITZEL, D., Steuerliche Motivationsgrundlage, 2010, S. 45.

[12] Vgl. GROBSHÄUSER, U., Die Besteuerung der GmbH, 2013, S. 434.

[13] Vgl. JACOBS, O.H., Unternehmensbesteuerung und Rechtsform, 2015, S. 467; GROBSHÄUSER, U., Die Besteuerung der GmbH, 2013, S. 435.

[14] Vgl. WACKER, R., Einkommensteuergesetz Kommentar, 2015, § 16, Rz. 100, S. 1327.

[15] Vgl. GRÖGER, H., Steuern beim Unternehmenskauf, 2015, S. 354.

[16] Vgl. BFH-Urteil v. 28.08.1985, BStBl. II 1985; § 16 Abs. 8 EStH.

[17] Vgl. DÜLL, A., GmbH & Co. KG, 2015, S. 1202.

[18] Vgl. GRÖGER, H., Steuern beim Unternehmenskauf, 2015, S. 353.

[19] Vgl. WASSERMANN, B./SCHULTE-UMBERG, A., Unternehmenskauf, 2011, S. 324.

[20] Vgl. WASSERMANN, B./SCHULTE-UMBERG, A., Unternehmenskauf, 2011, S. 324.

[21] Vgl. WASSERMANN, B./SCHULTE-UMBERG, A., Unternehmenskauf, 2011, S. 306.

[22] Vgl. BRÜCK, M.J.J., Besteuerung des Erwerbers, 2010, S. 77.

[23] Vgl. BROLL, H., Unternehmenskauf, 2010, S. 117.

[24] Vgl. SCHMEISSER, W./LESENER, L./TSCHARNTKE, C., Unternehmensnachfolge durch Unternehmenskauf, 2007, S. 103.

[25] Vgl. KÄSTLE, F./OBERBRACHT, D., Unternehmenskauf, 2010, S. 6.

[26] Vgl. KLUMPP, H., Der Unternehmenskauf, 2009, S. 354.

[27] Vgl. WASSERMANN, B./SCHULTE-UMBERG, A., Unternehmenskauf, 2011, S. 328.

[28] Vgl. KÄSTLE, F./OBERBRACHT, D., Unternehmenskauf, 2010, S. 6.

[29] Vgl. KÄSTLE, F./OBERBRACHT, D., Unternehmenskauf, 2010, S. 6.

[30] Vgl. BFH v. 03.05.1993 – GrS 2/92, BStBl. II 1993, 616 m.w.N.

[31] Vgl. GRÖGER, H., Steuern beim Unternehmenskauf, 2015, S. 390.

[32] Vgl. GRÖGER, H., Steuern beim Unternehmenskauf, 2015, S. 351.

[33] Vgl. JACOBS, O.H., Unternehmensbesteuerung und Rechtsform, 2015, S. 466; GROBSHÄUSER, U., Die Besteuerung der GmbH, 2013, S. 435.

[34] Vgl. BFH vom 25.06.2009, BStBl II 2009, 220; VZ 2011

[35] Vgl. GOSCH, D., Veräußerung von Anteilen an KapG’s, 2015, § 17 EStG, Rz. 113-119.

[36] Vgl. JACOBS, O.H., Unternehmensbesteuerung und Rechtsform, 2015, S. 466

[37] Vgl. KRAFT, C./ KRAFT, G., Unternehmensbesteuerung, 2014, S. 171.

[38] Vgl. SCHIFFERS, J., Geschäftsanteil und Übertragung, 2015, S. 364.

[39] Vgl. GROBSHÄUSER, U./ PREIßER, M., Die Besteuerung der GmbH, 2013, S. 435.

[40] Vgl. GRÖGER, H., Steuern beim Unternehmenskauf, 2015, S. 349.

[41] Vgl. FISCHER, M.U., Praxishandbuch Unternehmenskauf, 2009, S. 231.

[42] Vgl. BRÜCK, M.J.J., Besteuerung des Erwerbers, 2010, S. 77.

[43] Vgl. WASSERMANN, B./SCHULTE-UMBERG, A., Unternehmenskauf, 2011, S. 307.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668193802
ISBN (Buch)
9783668193819
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v320026
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Unternehmensrechnung und -besteuerung
Note
1,7
Schlagworte
Unternehmen Nachfolge Ertragssteuer Unternehmenskäufe Kapitalgesellschaft Personengesellschaft Rechtsformen Unternehmensüberlassung
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Titel: Ertragsteuerliche Behandlung der Unternehmensnachfolge