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Sind Anglizismen eine Gefahr für die deutsche Sprache?

Textgebundene Erörterung zu „Deutsch strikes back“ (2006) von Bastian Sick

Referat / Aufsatz (Schule) 2016 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Sind Anglizismen eine Gefahr für die deutsche Sprache?

Textgebundene Erörterung zu „Deutsch strikes back“ (2006) von Bastian Sick

In dem 2006 erschienenen Text „Deutsch strikes back“ von Sebastian Sick, handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit Anglizismen in der deutschen Sprache.

Aufgrund der vielen Anglizismen im Alltag, fürchtet man eine Überfremdung der deutschen Sprache. Um dieses Problem zu überwinden versucht der Verein Deutscher Sprache eine geeignete deutsche Übersetzung für die vielen englischen Ausdrücke zu suchen oder auch gegebenenfalls zu erfinden.

Der Autor geht in seinem Text auf dieses Problem ein und versucht die Vor- und Nachzüge der Anglizismen zu erörtern. Nach seinem Urteil gäbe es für jeden englischen Ausdruck eine ebenso adäquate deutsche Variante. Jedoch ist diese nicht jedem bekannt, weil die meisten Menschen sich an die englische Version gewöhnt haben. Viele englische Wörter haben sich deshalb in die deutsche Sprache eingegliedert und werden unbewusst genutzt oder sogar selbst für Deutsch gehalten.

Derzeit werden jedoch die unzähligen englischen Begriffe als kulturellen Eingriff in die deutsche Sprache angesehen und man versucht das Eindringen von Anglizismen zu verringern bzw. zu verhindern. Viele Menschen lehnen Anglizismen ab, weil sie die Ausdrücke nicht verstehen oder nicht daran gewöhnt sind. Der Autor benutzt in diesem Zusammenhang viele Anglizismen, weil er an die deutschen Wörter nicht gewöhnt ist, dennoch gibt es auch einige englische Wörter bei denen er lieber die deutsche Übersetzung verwendet.

Anglizismen machen Unternehmen heute viel Internationaler und wirken sich positiv auf die Vermarktung aus, englischsprachige Artikel lassen sich besser verkaufen.

Anfang 2006 hat der Verein Deutsche Sprache eine Aktion geschaffen, dessen Ziel es war für die englischen Wörter die dazu passenden deutschen Begriffe finden oder erfinden und verbreitet. So konnten kleinere Erfolge erzielt werden.

Man könnte die Fremdwörter auch orthografisch verändern und sie somit eindeutschen, so wirken sie nicht mehr fremdartig. Womöglich braucht man gar keine deutschen Wörter für Anglizismen einzuführen, denn durch den Fortschritt kommen und verschwinden viele englische Wörter, bevor sich die deutsche Übersetzung dafür durchgesetzt hat.

Am Anfang stellt der Autor den Lesern die Frage, ob wir diese Verwendung von Anglizismen überhaupt benötigen. Er führt den Leser somit in das Thema ein und erzeugt eine Leselenkung (Vgl. Z. 1-4).

Daraufhin stellt der Autor seine Position dar, er ist nämlich der Meinung, dass es für Anglizismen ebenso gut eine deutsche Übersetzung gibt. Man müsste nur danach suchen oder eine passende Übersetzung erfinden (Vgl. Z. 4-8).

Englische Wörter habe es schon immer gegeben, besonders nach dem zweiten Weltkrieg kamen viele dazu und wurden auch „(…) begeistert akzeptiert, weil sie nützlich, modern und originell waren.“ (Z. 12-13). Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Wörter dazu, sodass man den Überblick verloren hatte und sie dadurch unbewusst als deutsches Wort angesehen wurden. Nun stellt sich wieder die Frage ob englische Fremdwörter überhaupt von Nöten sind (Vgl. Z. 14-18). Als Beispiel führt der Autor eine Unterhaltung mit seiner Kollegin an. Sie würde lieber das Wort „Partyservice“ (Z. 21) verwenden als das Wort „Catering“ (Z. 19), weil sie Anglizismen überflüssig findet. Dabei ist „Partyservice“ ein genauso englisches Wort wie „Catering“. Dieser Fall zeigt wie sehr man sich an ein englisches Wort im alltäglichen Sprachgebrauch gewöhnt hat und dieses nicht mehr als Fremdwort empfindet. Der Autor beschreibt den Menschen als „Gewohnheitstier“ (Z. 31-32), das Änderungen fürchtet. Der Mensch lehnt grundsätzlich englische Anglizismen nicht ab, sondern scheut sich eher davor, weil er die Wörter nicht kennt.

Im Weiteren weist er darauf hin, dass viele Menschen gerne „(…) dem Einfluss des Englischen auf unsere Sprache ein Riegel vorschieben.“ (Z. 35-37) möchten. Damit will der Autor darstellen, dass die Deutschen ein weiteres Vordringen der englischen Sprache vermeiden wollen. Politiker der CDU und CSU wollen zum Beispiel, die deutsche Sprache unter gesetzlichen Schutz stellen. Jedoch ist nach Sicks Meinung diese Maßnahme sinnlos und er stellt die Fragestellung auf, wer denn entscheiden soll welche englischen Wörter in unserem Wortschatz sinnvoll sind und welche nicht. Sick verdeutlicht, dass jeder eine eigne Meinung darüber hat und man keine allgemeine Entscheidung diesbezüglich fällen kann. Außerdem führt er abermals das Argument an, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, und erläutert dass jeder Mensch eine andere Gewohnheit besitzt.

Er stellt seine eigne Gewohnheit als Beispiel vor, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich mit ihm zu identifizieren und zu vergleichen. So sagt er zum Beispiel lieber „Fastfood“ (Z. 46) als „Schnellkost“ (Z. 47) oder „Cornflakes“ (Z. 49) statt „Maisflocken“ (Z. 49), aber er verwendet auch deutsche Übersetzungen zum Beispiel „Veranstaltung“ (Z. 58) statt „Event“ (Z. 57) oder „Klimaanlage“ (Z. 60) statt „Aircondition“ (Z. 59).

Im nächsten Teil erläutert der Autor, dass viele Unternehmen im Zeitalter der Globalisierung nach Internationalität streben. Beispielsweise versucht die Deutsche Bahn deutsche Begriffe durch englische Ausdrücke zu ersetzen, um den Kunden ein internationaleres und grenzenlos weltläufiges Gefühl zu vermitteln. Die Deutsche Bahn hat nun statt „Schalter“ den Begriff „Counter“ eingeführt. Der Autor bezeichnet den Ersatz der deutschen Wörter durch englische Begriffe als „reine Etikettenschwindel“ (Z. 90). Dies wirkt sich besonders positiv auf die Wirtschaft aus, denn „Jogginghosen“ (Z. 96-97) lassen sich besser verkaufen und vermarkten als „Dauerlaufhosen“ (Z. 97), obwohl beide die gleiche Bedeutung haben.

Anfang 2006 hat der „Verein Deutsche Sprache (VDS)“ (Z. 99-100) die Aktion „Lebendiges Deutsch“ (Z. 100-101) erstellt um für englische Wörter passende deutsche Wörter zu finden und zu erfinden. „ Eine Expertenjury wählt unter allen eingesandten Vorschlägen, den lebendigsten aus und macht sich für die Verbreitung stark.“ (Z.102-106). Anstelle „Laptop“ hat die Jury das Wort „Klappenrechner“ (Z. 115) eingeführt. Der Autor selbst assoziiert jedoch mit dem Begriff andere Dinge wie zum Beispiel „Klapptisch“ (Z.119) oder „Klappstuhl“ (Z. 119), aber nicht mit einem Rechner. Darüber hinaus führt er aber an, dass man sich nach einer Zeit daran gewöhnen kann.

Sick berichtet von kleinen Erfolgen der Aktion, z.B. in einer kleinen Bar, die statt „Happy Hour“ (Z. 130) nun „Beste Stunde“ (Z. 131) anbietet. Jedoch ist Sick der Meinung, dass man die Wörter orthografisch verfremdet soll und sie somit eindeutscht (Vgl. Z. 134-136). Beispielsweise sieht „Happyauer“ (Z. 139) weniger englisch aus als „Happy Hour“ (Z.130). Es sei ein Versuch ein Fremdwort einzudeutschen.

Zum Schluss spielt der Autor auf die Zukunft an, in der man vielleicht statt „Browser“ (Z. 150) doch „Ströber“ (Z. 151) sagt, jedoch könnte sich die Technik weiterentwickeln und man braucht Wörter wie „Browser“ (Z. 150) oder „Hotline“ (Z. 153) gar nicht mehr, bevor man dafür schon eine deutsche Übersetzung eingeführt hat oder vielleicht auch nicht. Die Sprache ist in einem ständigen Entwicklungsprozess und sie wird nie in dem Zustand bleiben wie sie jetzt ist.

Alles in einem lehnt der Autor Anglizismen nicht ab, er verwendet selber welche und hat keine Angst, dass dadurch die deutsche Sprache gefährdet wird. Englische Einflüsse sind unvermeidbar und werden auch oft unbewusst als Deutsch angesehen. Jedoch befürwortet er die Idee, die Anglizismen zu ersetzten oder einzudeutschen und unterstützt diese Aktion.

Grundsätzlich sieht Bastian Sick keine Gefährdung der deutschen Sprache durch Anglizismen. Jedoch findet er es fragwürdig, ob wir so viele oder überhaupt Anglizismen brauchen. Denn es gibt für die englischen Begriffe genauso treffende Übersetzungen, zum Beispiel kann man statt „Event“ auch genauso gut „Veranstaltung“ verwenden. Dies wird in Deutschland sogar häufiger verwendet. Zwar muss auch bedacht werden, dass sich nicht alle Fremdwörter übersetzen lassen. Häufig besitzt die deutsche Übersetzung nicht dieselbe Wirkung wie ihr englisches Pendant. Das Wort „Fastfood“ wird beispielsweise in „Schnellkost“ übersetzt, aber mit „Schnellkost“ assoziiert man nicht, das ungesunde und fettige Essen, welches „Fastfood“ zu Lasten gelegt wird. Auch Wörter und Erfindungen wie „Baby“, „Hobby“ oder „Internet“ lassen sich nicht eindeutig in ihrer ursprünglichen Bedeutung übersetzen. Oftmals wird auch falsch übersetzt, wie zum Beispiel das Wort „race“, welches sich im deutschen als „Rasse“ übersetzen lässt, jedoch im englischen viel weitläufiger verwendet wird. In „Rennen der Ärzte“ von Langowski wird das Problem auf das Judentum bezogen und näher erläutert.

Des Weiteren lässt sich anführen, dass viele Menschen Anglizismen ablehnen, weil sie die englischen Wörter als Überfremdung empfinden und die sinkende Bedeutung der deutschen Sprache im nationalen Raum fürchten. Durch die Verwendung von Anglizismen fürchtet besonders die ältere Generation, dass Kinder und Jugendliche, die deutsche Sprache verlernen und somit die Bedeutung der Sprache für sie verändert. Diese Sichtweise ist nicht unumstritten, da Sprache ein Prozess ist und man eigentlich nicht von Sprachzerfall reden kann, sondern eher von Sprachwandel. Der Sprachwandel beinhaltet Anglizismen und das macht die deutsche Sprache nicht unbedeutender, sondern kreativer und innovativer. Verunsicherung und Angst ist daher eine unnötige Reaktion, denn Sprachwandel ist natürlich und unvermeidlich. In diesem Zusammenhang wurde im 18. Jahrhundert die deutsche Sprache von der französischen dominiert und es hat der Entwicklung der deutschen Sprache nicht verschlechtert, sondern eher bereichert.

Sick erläutert, dass der Mensch ein Gewöhnungstier ist und deshalb die Einflüsse des Englischen scheut, aber vor allem weil er die Begriffe nicht versteht. Zum Beispiel sind Fachbegriffe aus der Computersprache nicht für alle verständlich. Ältere Generationen haben Probleme mit Veränderungen der Sprache, weil sie sie nicht verstehen. Man sollte aber auch bedenken, dass viele deutsche Fachwörter auch nicht verständlich sind. In der deutschen Sprache sind mittlerweile so viele Anglizismen, die sich angepasst haben und man sie gar nicht mehr als Fremdwort empfindet. Das liegt daran, dass der Mensch sich daran gewöhnt hat und diese Wörter als selbstverständlich empfindet. Sick führ hierzu das Beispiel seiner Kollegin an, die „Partyservice“ als deutsches Wort wahrnimmt und „Catering“ ablehnt, obwohl es beides englische Ausdrücke sind. Genauso verhält es sich mit Wörtern wie „normal“, „cool“ oder „Club“, wir verwenden sie und merken oftmals nicht mal, dass sie englischen Ursprungs sind.

Um eine Gefährdung der deutschen Sprache zu verhindern haben auch Politiker der CDU und CSU versucht die deutsche Sprache unter gesetzlichen Schutz zu stellen, jedoch findet Sick es Schwachsinnig, denn wer soll bestimmen welche Wörter im deutschen Wortschatz sinnvoll ist und welche nicht? Jeder empfindet es anders und jeder ist an andere Wörter gewöhnt. Beispielsweise verwendet ein älterer Mensch keine Wörter wie „cool“, „chillen“ oder „dealen“, aber dafür jüngere Generationen.

Um die deutsche Sprache zu schützen hat der Verein Deutsche Sprache eine Aktion ins Leben gerufen um für Anglizismen eine gute und kreative Übersetzung zu suchen oder zu erfinden. So wird zum Beispiel aus „Stalker“ „Nachsteller“ oder aus „Blackout“ „Aussetzer“. Diese Aktion bietet eine gute Möglichkeit, Anglizismen zu vermindern. Nichtsdestotrotz ist die Verbreitung sehr schwer, denn wie oben genannt, ist der Mensch ein Gewohnheitstier und er hat sich viele englische Wörter bereits eingeprägt. Außerdem ist „Blackout“ und „Stalker“ viel geläufiger. Würde man versuchen die Übersetzung zu verbreiten, würden viele Menschen trotzdem auf das Englische zurückgreifen, weil sie es ursprünglich so kannten.

Eine gute Alternative zu Anglizismen wäre der Versuch, das englische Wort einzudeutschen, wie es Sick es mit „Happyauer“ versucht hatte. Durch die orthografische Veränderung, ist das Wort nicht mehr so ganz ein Fremdwort, zum Beispiel „abdancen“, „daten“ oder „jobben“ sind eingedeutschte Wörter.

Ein weiteres Argument dafür, dass Anglizismen keine Gefahr darstellen, ist, dass die englisch Sprache die Weltsprache ist und unsere Sprache bereichern und internationaler machen kann. Besonders in der Wirtschaft ist es wichtig, international zu sein. Wie Sick erwähnt, lassen sich englische Firmennamen oder Produkte viel besser vermarkten und verkaufen, weil der deutsche Käufer auch international sein will und dadurch ein modernes und internationales Gefühl erzeugt wird. In diesem Zeitalter ist alles modernisiert und die englische Sprache zählt auch zu der modernen Entwicklung unserer Gesellschaft. Durch die Verwendung von Anglizismen fühlen sich viele moderner und an das heutige Zeitalter angepasst.

Anglizismen wirken sich nicht nur positiv auf die Wirtschaft aus, sondern auch auf die Gesellschaft und Kultur. Humboldt erklärt, dass mit jeder Sprache eine andere Weltansicht und Kultur vermittelt wird. Durch das Verwenden und Erlernen der englischen Sprache, können wir die deutsche Kultur bereichern, unsere Weltansicht erweitern und toleranter bzw. weltoffener sein. Dieser Prozess geschieht nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Meines Erachtens verursachen Anglizismen keinen Sprachzerfall der deutschen Sprache, denn dabei handelt es sich nicht um Sprachzerfall, sondern um Sprachwandel. Sprachwandel ist ein natürliches Phänomen und unvermeidlich. Die Sprache bleibt niemals wie sie ist oder besitzt ein Endstadium, sondern entwickelt sich immer weiter. Früher war es der französische Einfluss, heute ist es die englische Dominanz. Anglizismen zeugen von Innovation und Kreativität des Menschen und sollten deshalb nicht als etwas Negatives angesehenen werden. Die englischen Einflüsse machen uns internationaler und weltoffener, welches sich positiv auf unser Allgemeinwohl auswirkt.

Quelle:

Sick, Bastian. Deutsch strikes back! In: Sick, Bastian: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Folge 3. Noch mehr Neues aus dem Irrgarten der deutschen Sprache. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2006, ISBN 3-462-03742-0. S.87-95.

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Details

Seiten
5
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668201606
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319712
Note
14
Schlagworte
sind anglizismen gefahr sprache textgebundene erörterung deutsch bastian sick

Autor

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