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Fragen und Anworten zum Text „Nicht-relative Tugenden. Ein aristotelischer Ansatz“ von Martha C. Nussbaum

Zusammenfassung 2014 5 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Fragen zu Nussbaum „Nicht-relative Tugenden: Ein aristotelischer Ansatz“

Fragen mit (*) benötigen eine Literaturangabe (Autor, Titel, Verlag, Erscheinungsjahr) gegebenenfalls mit genauem Hinweis auf die Stelle.

(*) 1. Was ist ethischer Relativismus und welche Spielart des Relativismus wird im Text hauptsächlich behandelt? (2 P) Ethischer Relativismus setzt ethische und moralische Vorstellungen immer in Verbindung mit äußeren Faktoren und setzt somit voraus, dass es keine allgemeingültige Moral, oder sittliche Maßstäbe gibt[1]. Nach Höffe ist der ethische Relativismus schon dann aktuell, wenn man seinen Erfahrungsbereich durch „Reisen, Reiseberichte oder kulturgeschichtliche Studien“ erweitert und dabei in den unterschiedlichsten Gesellschaften auf sehr verschiedene Verbote und Gebote stößt, wie nach dem Sprichwort: „Andere Länder- andere Sitten“. (²Höffe 2008, S.259)

Wer alle Normen seiner Gesellschaft für sittlich richtig, bzw. allgemeingültig hält, wird durch diese Erfahrung, so Höffe, in seinem sittlichen Bewusstsein erschüttert- daher erklärt der ethische Relativismus jede vergleichende Kulturwissenschaft, „sogar jeden interkulturellen Diskurs für unmöglich“. (²ebd.)

Im ethischen Relativismus unterscheidet man zwischen zwei Grundformen: den empirischen und den deskriptiven Relativismus. Im empirischen Relativismus werden die Unterschiede zwischen den Moralen hervorgehoben, ohne „zur Berechtigung der Unterschiede Stellung zu nehmen“. (²ebd.)

Der deskriptive oder auch kulturelle Relativismus betont die Verschiedenheit der Normen (Beispiel nach Höffe: Sexualverhalten, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, etc.) und fordert vor allem höchste Achtung vor den unterschiedlichen Kulturen und ihren Traditionen. (²ebd.)

Im Text wird überwiegend von deskriptivem Relativismus gesprochen.

(*[1])Vgl. UTB: Handbuch Philosophie. Net: http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=774&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbphilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=84907f89f7d60c431f13507f7e2019ae

Zugriff am 01. 12. 2013 15:27 Uhr

(*²)Höffe, Ottfried (2008): Lexikon der Ethik. 7 neu bearb. und erw. Aufl. München: C.H. Beck oHG, S. 259.

2. Was ist eine ethische Norm und wie unterscheidet sie sich von einer Tugend? (1 P)

Eine ethische Norm ist eine –meist gesellschaftlich- moralische Verhaltensvorschrift. Sie schreibt eine allgemeingültige Regel vor, nach der gehandelt werden soll und zwar das ‚gute‘ Handeln. Eine Tugend ist ein ‘Muster‘ von dem solche Normen abgeleitet werden können. Die Tugend schreibt nicht vor, was gut ist- sie gilt eher als eine selbst erlegte Handlungsweise nach diesen ethischen Normen.

Beispiel:

Ethische Norm: „Du sollst nicht lügen“- die dazu gehörende Tugend hierzu wäre: Wahrhaftigkeit.

(*) 3. N. verweist im Text u. a. auf Foucault, der eine Genealogie

entwickelt. Was bedeutetGenealogie? (2 P)

Nietzsche bestimmte den Begriff der Genealogie in seiner Schrift „Genealogie der Moral“, als eine historische Methodik. Durch das Aufzeigen von „historisch- kontigenten Gewordenheit[en][1], konnte Nietzsche die falschen Universalbegriffe hervorheben, bzw. die „einst notwendig erachtete Idole … zerstören und den Weg für neue kreative Möglichkeiten frei … machen²“. ([1] Posselt 2003, Glossar- siehe NET), (²Nussbaum 1988, S. 257)

Nach Posselt bezeichnet die Genealogie die Wissenschaft von Ursprung, Folge und Verwandtschaft der Geschlechter. Foucault überlieferte die Genealogie (ausgehend von Nitzsche) als „eine historisch- philosophische Analysemethode“ im Zusammenhang mit seiner damaligen Arbeit („Die Geschichte des Gefängnis- und Bestrafungssystems“) und seinem Projekt („Die Geschichte der Sexualität“). ([1]ebd.)

Die Genealogie ist nicht auf einen Zweck oder auf einen Ursprung gerichtet, sie fokussiert sich eher, in Anbetracht des verzweigenden Stammbaums, auf „eine Zerstreuung der Ursprünge“, ([1]ebd.)

Kurzgefasst beschreibt die Genealogie nicht die Geschichte der Vergangenheit, viel eher versucht sie die „‘Geburt‘ und die Transformation gegenwärtiger diskursiver Formationen, Institutionen und Praktiken (das Gefängnissystem, die Sexualwissenschaften etc.) zu beschreiben.“ ([1]ebd.)

(*[1]) Posselt, Gerald (2003): Genealogie. Glossar.

NET: http://differenzen.univie.ac.at/glossar.php?sp=25, Zugriff am 02. 12. 2013 um 20:00 Uhr.

(*²)Nussbaum, Martha C. (1988): Gerechtigkeit oder das gute Leben. Herlinde Pauer-Studer (Hrsg.), 1999: Genderstudies. Vom Unterschied der Geschlechter. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 257.)

4. Inwiefern sind Tugenden objektiv? (1 P)

Tugenden sind insofern objektiv, da sie ganz unabhängig von Kultur und Individuum jeden Menschen im dazugehörigen Lebensbereich zum “guten” Handeln bewegen. Wie das Handeln konkret ausschaut, sagt die Tugend dagegen nicht aus und ist wiederum Kulturabhängig.

5. Was meint N. mit „Grunderfahrung“ und was bedeutet es, ein "lebendiges menschliches Wesen zu sein"? (1 P)

Grunderfahrung ist der universelle Erfahrungsbereich auf den sich Tugenden beziehen, also beispielsweise die „Furcht vor großen Schäden, insbesondere vor dem Tod“ auf den sich die Tapferkeit bezieht. (Nussbaum 1988, S. 234)

Ein lebendiges menschliches Wesen zeichnet aus, dass es per se irgendeine Einstellung gegenüber den universellen Erfahrungs- und Entscheidungsbereichen besitzt, z.B. auch gegenüber dem eigenen Tod. Das menschliche Wesen kann sich der Frage nicht entziehen. Dadurch handelt man automatisch auch nach der aristotelischen Tugend angemessen oder unangemessen.

(*)Nussbaum, Martha C. (1988): Gerechtigkeit oder das gute Leben. Herlinde Pauer-Studer (Hrsg.), 1999: Genderstudies. Vom Unterschied der Geschlechter. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 234.)

6. Was bringen Kritiker für Einwände gegen eine nicht-relativistische Auffassung der Tugendethik vor?

6.a.1 Wie lautet der erste Einwand? (1 P)

Der erste Einwand beschreibt das Problem der Einzigartigkeit eines Problems und einer Lösung. Es gibt für ein Problem laut den Kritikern nicht nur EINE Lösung, wie sie Aristoteles durch die Tugenden gegeben sieht. Beeinflusst von Kultur, Sprache und Erziehung (also durch Traditionen und Erfahrung), aber auch je nach Problem gibt es unterschiedliche Lösungen, bzw. je eine „starke Definition einer Tugend“. (Nussbaum 1988, S. 240)

(*)Nussbaum, Martha C. (1988): Gerechtigkeit oder das gute Leben. Herlinde Pauer-Studer (Hrsg.), 1999: Genderstudies. Vom Unterschied der Geschlechter. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 240.)

6.a.2 Was besagt das Donner-Beispiel? Worin unterscheiden sich Tugend und Donner? (1 P)

Durch Erfahrungen wird zunächst ein Name und dann Theorien über den Donner (das laute Geräusch aus den Wolken) gebildet. Verschiedene Theorien bilden konkurrierende Versionen der Wahrheit, die alle nach dem Guten trachten (alle wollen den Donner erklären). Letztendlich gibt es aber nur eine gute Definition dafür.

Die Tugend ist nicht wie der Donner in der Erfahrung selbst gegeben. Die Tugend ist immer von den (Lebens-)Umständen abhängig. Dadurch kann es nicht DIE gute Definition von tugendhaftem Handeln geben, die alle für gleich angemessen halten. Zudem ist nicht klar, ob jeder nach DER guten Definition strebt, geschweige denn sie für wünschenswert hält.

6.b Was besagt der zweite Einwand? (2 P)

Ein gemeinsamer menschlicher Erfahrungsbereich ist Bedingung für die Tugend. Der zweite Einwand stellt in Frage, dass es allgemein diesen gemeinsamen menschlichen Erfahrungsbereich gibt. Etwas Natürliches wie Schmerz kann bspw. in unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedlich wahrgenommen werden– die Interpretation ist also abhängig von bspw. Sprache, Glaube, Erlerntes, strukturellen und sozialen Kontexten. Wenn das bei natürlichen Dingen wie dem Schmerzempfinden der Fall ist, gilt das auch für die Erfahrungsbereiche. Es kann also sein, dass es keinen gemeinsamen Erfahrungsbereich gibt und damit keine Tugend.

6.c Wie funktioniert der dritte Einwand und inwiefern unterscheidet er sich vom zweiten bzw. ist radikaler als dieser? (2 P)

Der Dritte bestreitet ebenso den gemeinsamen menschlichen Erfahrungsbereich, geht aber noch einen Schritt weiter und behauptet, dass ein Leben auch ganz ohne bestimmte Erfahrungen dieser Form möglich ist. Beim zweiten Einwand gab es eine alternative Erfahrung, hier existiert sie nicht. Beispielsweise kann es in einer idealen Gesellschaft (laut Marx) in der es keinen Besitz gibt, nicht den Lebensbereich „Umgang mit dem eigenen Besitz...“ geben. (Nussbaum 1988, S.232)

Damit fehlt die Grundlage für die Tugend- Freigebigkeit, woraus folgt, dass diese Tugend hier nicht existieren kann.

7. Wie sind deraristotelische Partikularismusund diearistotelische Objektivität"zu vereinbaren"? (1 P)

Sie sind insofern vereinbar, dass wenn man die Anpassung an besondere Merkmale des Kontextes als immer und überall richtig ansieht, die Objektivität trotz Partikularismus bewahrt bleibt.

Anders gesagt ist es absolut und objektiv, dass ein Mensch “die menschlich richtige Entscheidung” trifft, indem er den Kontext mit einbezieht. (Nussbaum 1988, S. 249)

Eine Situation die im ethischen Kontext dieser gleicht, würde zur selben richtigen Entscheidung führen.

(*)Nussbaum, Martha C. (1988): Gerechtigkeit oder das gute Leben. Herlinde Pauer-Studer (Hrsg.), 1999: Genderstudies. Vom Unterschied der Geschlechter. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 249.)

8. Wie versucht N. den zweiten Einwand zu entkräften? (2 P)

Der zweite Einwand besagt, dass kulturspezifisch bedingt nicht jeder Erfahrungsbereich zwangsläufig bei jedem Menschen besteht.

Nussbaum behauptet, dass es Merkmale bei interkulturellen Gemeinsamkeiten und Überschneidungen gibt, die abseits der gesellschaftlichen Kontexte Allgemeingültigkeit besitzen. Eine Liste mit Vorschlägen für diese Merkmale listet sie auf. Diese ist an der Liste der Erfahrungsbereiche Aristoteles angelehnt. Dies zeigt, dass es die angezweifelten allgemeingültigen Erfahrungsbereiche eben doch geben muss und entkräftet damit den zweiten Einwand.

[...]

Details

Seiten
5
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668189027
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319698
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Aristoteles Tugend nicht-relativ Martha C. Nussbaum
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