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Stadtplanung in der DDR am Beispiel Halle-Neustadt. Entwicklung einer eigenständigen Stadt oder eines stadtähnlichen Ballungsgebietes?

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stadtentwicklung Halle-Neustadts
2.1. Definition: Stadt, Planstadt, sozialistische Planstadt
2.2. Entwicklung und Umsetzung in Halle-Neustadt

3. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Halle-Neustadt, errichtet von 1964 bis 1989, kann als Prototyp der geplant expandierenden sozialistischen Stadt in der DDR angesehen werden. Die Stadt gilt als größtes Stadtbauprojekt sowie als einzige Neuplanung einer ganzen Großstadt in der damaligen DDR und gilt als Modell für den Wohnungs-, Städte-, und Gesellschaftsbau der DDR.

Andere Planstädte der DDR wurden lediglich als Plansiedlungen errichtet, ohne Hintergedanken daran, eigene Städte werden zu sollen, sie blieben stets Stadtteile. „Halle-Neustadt, ein Fenster, durch das die Welt in die Republik schaut!“ [1], so beschreibt eine Bürgerin ihre Stadt 1974. Die Stadt wurde mit dem Gedanken geplant, eine Stadt für die Chemiearbeiter der Werke Buna und Leuna zu schaffen, in der Arbeit und Wohnen bestens miteinander kombinierbar sein sollte. Arbeit und Bildung waren die Hauptmerkmale, die den Puls dieser Stadt prägen sollten. Man wollte beste Bedingungen zur Entwicklung des sozialen Gemeinschaftslebens schaffen, hinsichtlich der kulturellen Betätigung, der Versorgung, des Wohnens, des Sports und der Erholung. Eine Stadt sollte entstehen, die Vorbild für die Verräumlichung des Sozialismus sein und in der sich ein sozialistischer Mensch herausbilden sollte. Das Abbild einer neuen, besseren Gesellschaft mit guten Lebensbedingungen sollte schließlich aus dem Errichten dieser neuen Stadt resultieren. „Westend für alle“ [2], so wurde propagiert, man wollte keine Unterteilung in Arbeiterviertel und vornehmes Westend, Halle-Neustadt sollte eine homogene Stadt werden. Ebenso benötigte man einen Beleg für die Ernsthaftigkeit der politischen Entschlüsse zur Lösung der Wohnungsfrage unter den gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen der DDR. In Halle-Neustadt sollte die totale Planbarkeit urbanen Lebens vollzogen werden, durch die Sicherung der Erfüllung wesentlicher Kriterien, wie der Wohnungsgröße, der Ausstattung der Wohnungen, der Mietkosten, der Versorgung mit Lebensmitteln und Kultur sowie der Betreuung und der Bildung der jungen Generation, auf dem höchst möglichen Niveau. Das Projekt Halle-Neustadt war wohl das spektakulärste Projekt seiner Art, gegenüber anderen Neubausiedlungen der DDR. Doch kann man sagen, dass sich Halle-Neustadt zu einer eigenständigen Stadt im eigentlichen Sinne entwickelt hat oder blieb es vielmehr ein stadtähnliches Ballungsgebiet?

2. Stadtentwicklung Halle-Neustadts

2.1. Definition: Stadt, Planstadt, sozialistische Planstadt

Zunächst muss ein allgemeiner Begriff von Stadt definiert werden. Hier soll eine Stadt als die kulturelle Form des verdichteten Zusammenlebens größerer und intern heterogener Menschengruppen in einer integrierten und nach außen hin abgegrenzten Ansiedlung verstanden werden, die entweder historisch gewachsen oder intentional gewollt stadtbaulichen Charakter trägt. Sogenannte Ansiedlungen lassen sich politisch, ökonomisch sowie sozial erzeugen, also die Baumassenverdichtungen und die Menschenverdichtungen auf einem engeren Raum. Eine Stadt entsteht jedoch erst, wenn sich die Bewohner der Ansiedlung als kulturelle Form entfalten, d.h. die Stadtmorphologie, Architektur sowie städtische Alltagsroutinen in ihr Leben mit einbeziehen, ihnen Bedeutung verleihen sowie diese mit Handlungen in Besitz nehmen, die Stadt also einen Differenzierungsprozess durchläuft. Dieser ermöglicht Sektoren der Autonomie, welche Freiräume bieten um Neues, bisher noch nicht Gedachtes und Ausprobiertes auszutesten. [3]

Planstädte hingegen sind weitgehend das Ergebnis politischer Entscheidungen, welche ökonomisch motiviert sind. Diese Entscheidungen werden in einem relativ kurzen Zeitraum, verglichen mit sonstigen Stadtentwicklungen, umgesetzt und lassen so eine stadtähnliche Agglomeration entstehen. Eine Stadt wird erst durch soziale Praxis geschaffen. [4]

Sozialistische Planstädte der DDR indes sind von einer eigenen Stadtidee getragen. In ihr sollte ein bedeutender Schritt hin zum Kommunismus erlangt werden. Außerdem sollte ein „Neuer Mensch“ entstehen, diese Entstehung wurde am ehesten in einer solchen sozialistischen Stadt erwartet. [5]

2.2. Entwicklung und Umsetzung in Halle-Neustadt

Da Halle-Neustadt im Gegensatz zu anderen Plansiedlungen nicht nur als „sozialistische Stadt“ sondern als „sozialistische Chemiearbeiterstadt“ modellhaft für den DDR-Städtebau sowie für eine Stadt der Jugend stehen sollte und in ihr alle städtischen Funktionen geschaffen werden sollten, versuchte man mehrere Konzepte in einem allgemeinen Entwurf zu vereinen.

Funktionalität, neues Bauen und sozialistische Gesellschaftstheorien sollten sich in einer neuen Form vereinen. Der Aufbau-Chronist Jan Koplowitz schrieb 1969, man wolle eine „bis in alle Einzelheiten ihres Lebens, ihrer Funktionstüchtigkeit, ihrer Versorgung, ihrer Kultur, Unterhaltung, Bildung überlegte und geplante einzigartige Stadt“ schaffen. [6]

Die Gründung Halle-Neustadts kann gleichzeitig als „Gründung der DDR in der DDR“ angesehen werden. Man wollte in der Überschaubarkeit einer Stadt die Vorstellungen der DDR verwirklichen, diese Stadt sollte egalitär, funktional und modern sein: „Mit dem Bau der Chemiearbeiterstadt werden wir demonstrieren, wie wir uns die Verbesserung der Lebensverhältnisse der arbeitenden Menschen vorstellen.“ [7]

[...]


[1] Pasternack, Peer: Zwischen Halle-Novgorod und Halle-New Town, S.9

[2] ebd. S.13

[3] Wirth, Louis: Urbanität als Lebensform

[4] Löw, Martina: Soziologie der Städte, S.13

[5] Pasternack, Peer: Zwischen Halle-Novgorod und Halle-New Town

[6] Koplowitz, Jan: Die Taktstraße. Geschichten aus einer neuen Stadt, S.286

[7] Sindermann, Horst: Aus der Rede zur Grundsteinlegung am 15.Juli 1964, S.54

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668187986
ISBN (Buch)
9783668187993
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319635
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
DDR Halle-Neustadt Geschichte Zeitgeschichte Städtebau Planstadt Sozialismus sozialistische Planstadt

Autor

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