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Die Geschichte der Filmmusik. Funktionswandel von den Anfängen bis zur heutigen Zeit

Hausarbeit 2014 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Stummfilm
2.1 Begleitende Musikpraxis im Stummfilm
2.2 Potentielle Gründe für den Wandel der Filmmusik
2.3 Anstrengungen um eine Anhebung des Niveaus von Filmmusik

3 Der Tonfilm

4 Filmmusiktechniken

5 Der Wandel der Filmmusik anhand von Filmmusikbeispielen

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bereits zu den Zeiten, als der Film noch in den Anfängen steckte, übte er schon eine starke Anziehungskraft auf die Menschen aus, versetzte sie ins Staunen, brachte sie zum Lachen oder Weinen oder jagte ihnen einen Schauer über den Rücken. Die Zuschauer in den Vorführräumen ließen sich von dem, was sie auf der Leinwand sahen, mitreißen, sie ließen sich von der Atmosphäre des Films gefangen nehmen. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Noch immer strömen die Menschen ins Kino, um sich zu fürchten, zu weinen oder zu lachen. Doch das auf die Leinwand projizierte Bild allein vermag es nicht, solch starke Emotionen künstlich im Zuschauer hervorzurufen. Das Bild steht im engen Kontakt mit der Musik und ist mit ihr unlösbar verbunden. Das Medium Film, wie man es heutzutage kennt, ist ohne Filmmusik undenkbar.

Die Filmmusik – wurde sie sogar bereits bei der ersten Aufführung der Gebrüder Lumière in Grand Café in Paris verwendet (vgl. Bullerjahn 2012, S.28) – kann mittlerweise eine lange Geschichte vorweisen. Inwiefern sie einen Funktionswandel durchlief, welche Funktionen sie dabei zu Beginn der Filmmusikgeschichte hatte und welche Funktionen sie heute besitzt, sollen in dieser Arbeit beleuchtet werden.

Beginnend bei den musikalischen Anfängen zur Stummfilmzeit über den Wunsch einer qualitativen Anhebung der Filmmusik bis zur Filmmusik der heutigen Zeit soll immer die Frage im Vordergrund stehen, warum es Filmmusik überhaupt gibt und was sie zu dem machte, was sie heutzutage ist. In diesem Zusammenhang erfolgt eine genauere Ausführung über die verschiedenen Filmmusiktechniken. Dabei werden das Underscoring, die Mood- und die Leitmotivtechnik näher betrachtet, wobei noch auf die Unterarten des Underscorings eingegangen werden soll. Im Anschluss daran werden wichtige Vertreter der Filmmusik und einzelne Kompositionen im Vergleich zueinander betrachtet – welche Techniken wurden und werden genutzt und wie wird der Zuschauer wodurch beeinflusst?

2 Der Stummfilm

Mit der Erfindung des Films, dem Reproduzieren bewegter Bilder, wurde eine uralte menschliche Sehnsucht gestillt und den Menschen ermöglicht, bereits Geschehenes noch einmal betrachten zu können. Die Erfindung des Films begann die Gesellschaft zu revolutionieren.

2.1 Begleitende Musikpraxis im Stummfilm

Da die Vorführung eines Films ohne jeden Klang zu stark von der Realität abwich und aufgrund verschiedener anderer Gründe, die später noch näher beleuchtet werden sollen, entschied man sich für das Untermalen der gezeigten Bilder mit Musik. In sogenannten Nickelodeons, kleinen, günstig anzumietenden Räumen, die vorrangig zwischen 1905 und 1908 eröffnet wurden, zeigte man von früh morgens bis in die Abendstunden verschiedene Filme. Der Name entstand aus den mit zehn- bis dreißigminütigen recht kurzen Aufführungen, die jedoch nur einen Nickel (5 Cents) kosteten. Die Musik zum Film erfolgte dabei live. Meist waren es Pianisten, die größtenteils improvisiert den Film musikalisch untermalten. Ließ es sich einrichten, wurden Familienmitglieder engagiert, um als Vorführer, Kartenverkäufer und -abreißer, Klavierspieler oder Sänger zu arbeiten. War dies nicht möglich, wurde aus Kostenersparnis eine einzelne Person für all diese Tätigkeiten eingestellt. (Vgl. Bullerjahn 2012, S. 29)

Eine Eigenart der Nickelodeons, die 1907 noch durchaus üblich war, stellt die marktschreierische Nutzung von automatischen Musikinstrumenten wie Pianolas, selbst spielenden Pianos, oder Orchestrions, die sogar ein komplettes Orchester imitieren konnten, dar. Dabei waren die Schalltrichter über dem Eingangsbereich angebracht, sodass vorübergehende Passanten möglichst effektvoll angeworben oder von den Konkurrenten abgeworben werden konnten. Dies bedeutete jedoch gleichzeitig, dass diese Art der Musik innerhalb des Vorführraums, da sie sowohl von der Straße als auch im Inneren zu hören war, in Konkurrenz mit der Filmmusik stand. War diese Praxis anfänglich noch legitim, wurde sie 1912 „als abscheulich abgelehnt“. (Bullerjahn 2012, S. 30) Es folgte der Wunsch nach einer klaren musikalischen Trennung zwischen Theaterinnerem und –äußerem. (Vgl. Bullerjahn 2012, S. 30)

Doch auch illustrierte Lieder erfreuten sich großer Beliebtheit. Gerade zwischen 1905 und 1913 gehörten sie zu einer der Hauptattraktion der Nickelodeons. So wurden handkolorierte Lichtbilder sowie das Titelblatt der Notensammlung, die es zu bewerben galt, an die Wand projiziert. Außerdem wurden auch die Refraintexte gezeigt, damit die Zuschauer mitsingen konnten. Die Tag für Tag gespielten Lieder prägten das Repertoire der Nickelodeon-Pianisten so stark, dass auch die spätere Filmmusik noch häufig aus diesen bekannten Songs bestand. Da die Lieder sowohl vom Titel als auch melodisch bekannt waren, konnte dieses Wissen von den Pianisten bei Filmvorführungen als musikalische Anspielung genutzt werden, was vom Publikum gut aufgenommen wurde. Jedoch wurde bei dieser Praxis die Aufmerksamkeit zu sehr auf den Pianisten gelenkt und dadurch vom Film abgelenkt. Dies führte zu Kritik seitens der Nickelodeonbetreiber und Pressejournalisten, weshalb diese Verfahrensweise spätestens ab 1914 angeprangert und abgelehnt wurde. Ergänzend dazu ist zu sagen, dass sich bereits im Jahre 1913 durch die wachsende Bedeutung von Schallplatten ein Rückgang der illustrierten Lieder aus den Programmen der Nickelodeons ereignete. (Vgl. Bullerjahn 2012, S. 31-32)

Obgleich bereits die Brüder Lumière bei ihrer berühmten Filmvorführung Filmmusik nutzten, war es auch noch 15 Jahre später nicht unüblich, auf Live-Musik zu verzichten. Eine zwischen 1910 und 1913 durchgeführte Umfrage im Raum San Francisco belegt, dass etwa drei Viertel aller Nickelodeons nur mechanische Musik und ein Zehntel gar keine Musik nutzten, hatten einige Nickelodeonbetreiber doch negative Erfahrungen mit unfähigen Pianisten machen müssen. Auch die Ergebnisse aus dem Jahre 1922 von einer diesmal landesweit in den USA durchgeführten Umfrage zeigten, dass 15 Prozent aller an der Studie teilnehmenden Filmtheater keine Live-Musik nutzten. (Vgl. Altman 2004 , S. 200) Häufig wurde auch nicht der gesamte Film mit Musik begleitet, sondern es entstand eher ein Zusammenhang zwischen Gesehenem und Gehörtem. So wurde Geigenmusik live oder von einer Tonquelle gespielt, wenn ein Geiger im Bild war. Wie bereits erwähnt, wurden oft bekannte Songs neben Volksliedern, Ragtimes und ab 1911 zunehmend auch klassische Musik gespielt. Dennoch waren die Pianisten auch für Tierstimmen- und Geräuschimitationen zuständig, um den Realismus des Gesehenen zu erhöhen. Zu dem Pianisten gesellte sich oftmals ein Trap Drummer, eine Art Schlagzeuger. Josef Kloppenburg schreibt, dass die Musik zu der Zeit nicht immer passend zum emotionalem und narrativem Inhalt der Bilder passte „und schon gar nicht, um Stimmungen und Narration zu unterstützen.“ (Bullerjahn 2012, S. 33) Trotzdem etablierte sich zu dieser Zeit zunehmend die Praxis, die Gezeigten Bilder synchron mit Tönen zu illustrieren. (Vgl. Bullerjahn 2012, S. 28-33)

2.2 Potentielle Gründe für den Wandel der Filmmusik

Nun stellt sich im Anschluss daran die Frage, wie es dazu kam, dass die Musik letztlich meist live gespielt wurde und die Narration und den emotionalen Inhalt der Bilder unterstützte. In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Ansätze: den historischen, pragmatischen, ästhetischen, psychologischen/anthropologischen und ökonomischen/technischen Ansatz.

Der historische Ansatz geht von der sehr frühen, bereits in der griechischen Antike und noch früher datierten Verbindung zwischen Musik und Drama aus. (Vgl. Berg 1976, S. 53-83) Bereits zu dieser Zeit ist die Musikbegleitung bei verschiedenen Arten des Schauspiels ein wichtiger Bestandteil. Später, um 1800, wurde das Melodrama in Europa und Amerika zu einem Massenphänomen der modernen Großstadtkultur. Die Stücke basierten auf trivialen Alltagssituationen und stellten eine ‚abgeschwächte’ Form der Tragödie dar. Die erhöhte emotionale Intensität und die daraus resultierende dramatische Wirkung waren Hauptbestandteile. Die Musik wurde dabei als Handlungsmusik eingesetzt, die Musik war dabei also fester Bestandteil des Stücks und wurde nicht als bloße Hintergrundmusik abgewertet. Die Stücke bestanden aus einer Ouvertüre, dem Auf- und Abtreten der Personen, Dialogen und Monologen, wobei an den Stellen des Übergangs die Musik unmerklich ein- und aussetzen sollte, pantomimischen Szenen und dem Schlusstableau. Oftmals waren es die an den Boulevardtheatern angestellten Kapellmeistern, die für die Musikbegleitung zuständig waren. Da diese meist unter Zeitdruck standen, komponierten sie selten selbst, sondern stellten nach bestimmten Kriterien wie Stimmung und Situation Stücke zusammen und versahen diese schlicht mit orts- und kontextbezogenen Änderungen der Texte. Während dieser zeit nutzte man bereits verschiedene, dramaturgische Musiktechniken. So wurden bei Augenblicken mit hoher Spannung wie dramaturgischen Höhepunkten oder Szenen mit schnellen Bewegungen Streichertremoli – sehr schnelle Wiederholungen eines Tones – und - pizzicati, das Zupfen eines Streichinstruments anstatt es mit einem Bogen zu streichen, eingesetzt. Leitmotive wurden zu jener Zeit jedoch noch nicht eingesetzt. (Vgl. Bullerjahn 2012, S. 33-35)

Der pragmatische Ansatz resultiert aus den technologischen Eigenheiten des Films und den daraus entstehenden Rezeptions- und Produktionssituation. So nutzte man Musik um Störgeräusche wie Straßenlärm, Ventilatorengeräusche oder den ratternden Projektorenlärm schlicht zu übertönen. (Vgl. Berg 1976 , S. 15-23) Mit der Zeit wurden die Projektoren jedoch so gebaut, dass der Projektorenlärm bald kein Problem mehr darstellte. Zusätzlich schaffte es die Musik, dem Film den Charakter von etwas ‚Zusammengefügtem’ zu nehmen und Kontinuität zu erzeugen. Dieser Punkt wurde gerade bei den zunehmend länger werdenden Filmen wichtig, da das Wechseln der Filmrollen häufiger stand fand und den Film damit immer wieder unterbrach. Auch wenn die Filme rissen oder ein Projektor einmal ausgefallen ist, konnte diese Wartezeit durch die Musik angenehmer überbrückt werden. Ein weiteres pragmatisches Argument leitet sich aus der Stummfilmproduktion ab. Wurden zwei Filme gleichzeitig im selben Studio gedreht, wurden Musiker angeheuert, die gegen die sonstigen Geräusche im Studio ‚anspielten’ und damit den Schauspielern halfen, sich zu konzentrieren und in die gewünschte Stimmung der Atmosphäre und des Charakters zu kommen. Diese Musik wurde dann nach der Wirkung auf die Stimmung Mood Music genannt. (Vgl. Bullerjahn 2012, S. 35-36)

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Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668186422
ISBN (Buch)
9783668186439
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319515
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Medien- und Kommunikationswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Stummfilm Filmmusik Musik

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