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Food und Gender im Film. Inwiefern nehmen filmische Darstellungen Einfluss auf reale Lebenslagen?

von Frank Harper (Autor)

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Einfluss und Absicht ... 1

2. Methode – Filmanalyse mit theoretischer Brille ... 2

3. Datenmaterial – Auswahl und Kontextualisierung ... 4

3.1 Film 1: „Ein Herz und eine Seele: Silvesterpunsch“ ... 4

3.2 Film 2: „Pappa ante Portas“ ... 5

3.3 Film 3: „Kein Pardon“ ... 7

3.4 Film 4: „Ironie des Schicksals“ ... 8

3.5 Film 5: „Bahnhof für Zwei“ ... 8

3.6 Film 6: „Moskau glaubt den Tränen nicht“ ... 9

4. Analyse – Empirie und Theorie ... 10

4.1 Männer als Köche ... 10

4.2 Paare und Essen ... 11

4.3 Prioritäten der Hausfrau ... 13

4.4 Die männliche Dominanz ... 14

4.5 Spirituosen und Status ... 15

5. Fazit – Verdichtung und Vernetzung ... 16

6. Quellenverzeichnis ... 17

1. Einleitung – Einfluss und Absicht

Der schwedische Soziologe Richard Swedberg hat in seiner Publikation „The Art of Social Theory“ (2014) Methoden der soziologischen Erkenntnisgewinnung reflektiert. Swedberg appelliert an angehende Soziologen, sich bei der Produktion von gesellschaftlich relevantem Wissen, nicht bloß auf konventionelle Methoden der Erkenntnisbildung zu beschränken. So können (benebst konventioneller schriftlicher und sprachlicher Quellen) Fiktionen, Filme, Fotographien, mathematische Modelle oder gar Träume und Gerüchte jeweils legitime Medien darstellen. Ferner spricht er eine Empfehlung aus, den Forschungsfokus auf jene Dinge zu legen, die einem interessant oder ungewöhnlich erscheinen und zu diesem Untersuchungsgegenstand – aus allen potenziellen Quellen – relevante Informationen zu sammeln (ebd.). Die vorliegende Arbeit ist von dieser Idee beeinflusst.

Geboren in der Sowjetunion und aufgewachsen in einem Netz russischstämmiger sozialer Beziehungen, kam ich früh in Berührung mit den Eigenheiten jener Kultur. So trifft sich die Verwandtschaft in geregeltem Maße, an religiösen Feiertagen sowie an Silvester zusammen, um ebendiese in geselliger Runde zu zelebrieren. Aus diesen Anlässen arbeiten die Frauen an der Zubereitung der Speisen. Männer sind (aus Sicht eines Knaben) in den Küchen nicht willkommen. Während des üppigen Festmahls steigt die Stimmung mit jeder verstreichenden Stunde, was wiederum stark mit der Anzahl konsumierter Spirituosen korreliert. Im Hintergrund des Geschehens und zunächst latent, als die Konzentration beim Verzehr der Speisen liegt, läuft ein Fernsehapparat, der an solchen Tagen immer die beliebtesten Filme im Abendprogramm hat. Sieht man als Kind diese Filme zum ersten Mal, so stellt man fest, dass man etliche Redewendungen daraus bereits (kontextgerecht) im normalen Sprachgebrauch der Menschen gehört hat. Es ist davon auszugehen, dass jede moderne Kultur Filme hervorgebracht hat, die im kollektiven Gedächtnis ihrer Völker verankert sind. In dieser Arbeit werden jeweils drei solcher Filmbeispiele aus dem russisch- sowie dem deutschsprachigen Raum beleuchtet. Unter dem Gesichtspunkt, dass Filme den alltäglichen Sprachgebrauch zu alterieren vermögen, ist es Anliegen dieser Arbeit zu untersuchen, inwiefern das Medium des Films ebenso Umgangsformen der Geschlechter in Hinblick auf Aufbereitung und Konsum von Speisen beeinflussen kann. Weshalb „food“ und „gender“ in dieser Ausarbeitung zusammengebracht werden, lässt sich wie folgt erklären: Der gemeinsame Nahrungsverzehr verbindet Menschen zu Gemeinschaften. Die Beteiligten werden an einer Essstätte zusammengeführt und sind gezwungen ihr Handeln aufeinander zu beziehen. Somit kann das Essen seit jeher als größte Form der Vergesellschaftung und ältester kultureller Brauch verstanden werden (vgl. Setzwein 2004, 32; Kaufmann 2006). Anhand der Film- bzw. Bildanalyse prominenter Filme untersuchen wir Verflechtungsmuster zwischen Essen und Gender.

2. Methode – Filmanalyse mit theoretischer Brille

Die Fragestellung sowie der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit mögen bereits implizieren, dass die vorliegende Analysestrategie mehr als einer Methode bedarf. Am besten lässt sich dies Anhand unseres Untersuchungsgegenstandes explizieren. Da die untersuchten Unterhaltungsfilme selbst ein kulturelles Produkt unserer Gesellschaft sind, können sie als ein valides Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Verfasstheit verstanden werden. Dieser Umstand suggeriert bereits eine gewisse Verbindung zur ethnographischen Forschung, da sich in der Realität und ebenso auch in realistischer Fiktion kulturelle- und soziale Praxis beobachten lässt. Der Medienwissenschaftler Helmut Korte spricht in diesem Kontext von „Bezugsrealität“, welche die filmische Handlung mit der außerfilmischen Wirklichkeit in Verhältnis setzt (vgl. 2004, 23f.). Unsere behandelten Filmbeispiele sind in dieser Dimension verortet und visualisieren natürliche Handlungssituationen, die anhand systematischer (Video-)Beobachtung expliziert werden sollen. Dies befähigt uns dazu bestimmte Interaktionsstrukturen zu untersuchen und zu offenbaren, die dem konventionellen Filmrezipienten zumeist entgehen. Obgleich das Datenmaterial der vorliegenden Arbeit aus Filmen entstammt, bedienen wir uns im Rahmen der Filmanalyse lediglich des filmanalytischen Vokabulars (Einstellung, Subsequenz, Sequenz etc. [vgl. a.a.O.]) und bedienen uns der Techniken zur Interpretation stehender Bilder. Denn ein jeder Film besteht aus vielen Einzelbildern.

Eine systematische Durchschau des Filmmaterials allein, wäre wohl lediglich im Kontext quantitativer Erhebung interessant – für unser Forschungsvorhaben bedarf es demnach einer analytischen Komponente, als Bilder in sich zunächst polysem sind. Dies bedeutet, dass wir zunächst über das allgemeine Szenario des jeweiligen Films einen Eindruck gewinnen. Um jedoch nicht in der Datenmenge zu ertrinken, geschieht dies ebenso mit einer theoretischen Brille und dem Fokus auf die (wechselseitige) Performanz beider Geschlechter im Kontext der Speise und des Essens. Ein Brillenglas soll uns dabei helfen das herauszufiltern, was hinter der profanen Alltäglichkeit unserer Essgewohnheiten verborgen liegt. Daher greifen wir auf die empirischen Befunde des französischen Soziologen Jean-Claude Kauffmann zurück, als diese für Koch- und Essensituationen (nicht zuletzt) im Kontext der Geschlechterrollen relevant sind (vgl. 2006). Das zweite Brillenglas bilden die von Erving Goffman offenbarten Interaktionsrituale (vgl. 1979). In seiner Arbeit expliziert Goffman kulturelle Semantiken geschlechtlicher Stereotypen („genderisms“) in Bildern (a.a.O., 9). Er stellt somit eine Organisation der Alltagssemantik dar, die uns als Forschern eine prägnante Orientierung darüber gibt, wie Geschlechter aussehen und wie sie sich verhalten. Somit sind Bilder für uns aus methodischer Sicht nicht theoriegenerierend, als es bspw. Schlechtriemen begreifen würde, der ihnen eine konstitutive Funktion für die soziologische Theoriebildung unterstellt (vgl. 2014, 19-33), sondern stellen (aufgrund ihrer evokativen Kraft) die jeweiligen Sequenzen realitätsnah vor Augen. Die Nähe der Filme zu realen Begebenheiten ergibt sich aus der systematischen Auswahl des Filmmaterials, als wir jeweils solche wählten, die nicht bloß im kulturellen Gedächtnis der jeweiligen Bevölkerung (Sowjetunion/Deutschland) verankert sind, sondern durchaus reale Plots darstellen. Da die Filme thematisch explizit weder Speise noch Gender behandeln, ist überdies anzunehmen, dass jene Bereiche nicht hyperritualisiert dargestellt werden (vgl. Goffman 1979, 3).

3. Datenmaterial – Auswahl und Kontextualisierung

Untersucht werden im Folgenden sechs Filmklassiker deutscher sowie russischer Produktion. Diese sind: „Ein Herz und eine Seele: Sylvesterpunsch“ (1973), „Pappa ante Portas“ (1991) und „Kein Pardon“ (1993). Aus dem russischsprachigen Raum sind es die Filme: „Ironie des Schicksals“ (1975), „Moskau glaubt den Tränen nicht“ (1980) sowie „Bahnhof für Zwei“ (1982). Jene Unterhaltungsfilme können allumfassend dem Genre der Komödie zugeordnet werden, mit Subkategorien wie bspw. der Liebeskomödie. Ein anderer Faktor ist, dass ebenso evidente („Kein Pardon“) als auch latente („Ironie des Schicksals“) satirische Erzählformen angewendet werden, was die Filme weniger fiktional erscheinen lässt, als man es von einer bloßen Komödie vermuten würde.

Im Zuge unserer Film- bzw. Bildanalyse, werden nachfolgend (für die vorliegende Arbeit) relevante Einstellungen kontextualisiert, als weder Gestalt noch Umfang dieser Arbeit es erlauben, jeweilige Subsequenzen ausführlich zu visualisieren.

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Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668186323
ISBN (Buch)
9783668186330
Dateigröße
975 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319435
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Gender Esskultur Food Film Filmanalyse

Autor

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    Frank Harper (Autor)

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