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Mode und Macht im Wirkungsfeld des Sonnenkönigs. Eine Untersuchung zur Bedeutung der Bekleidungskultur am Hofe Ludwigs XIV.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 35 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kleidung und Mode als Forschungsgegenstand - terminologische Konkretisierung

3 Die Intentionebenen der Bekleidungskultur in Frankreich zu Zeiten Ludwigs XIV
3.1 Mode als Kommunikations- und Distinktionsmittel
3.2 Mode als Darstellungs- und Verhaltenstechnik in Hinblick auf die Inszenierung des Königs

4 Die Bedeutung der Mode - Frankreich als „Modehaus“ Europas in der frühen Neuzeit
4.1 Zur ökonomischen und politischen Bedeutung
4.2 Seide und Spitze - Motor der textilen Wirtschaft in Frankreich

5 Fazit

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kaum ein anderer Monarch verstand es sich mit Hilfe eines allumfassenden Kommuni- kationssystems in den Mittelpunkt des höfischen Lebens zu rücken und seine Macht auf eine Weise zu demonstrieren, wie es Ludwig XIV. tat. Unzählige Portraits, Statuen, Standbilder und Medaillen sind Schwerpunkt unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen.1 Auf berühmten Portraits zeigt sich der Souverän in den kostbarsten Ge- wändern und in überdimensional anmutender Stofffülle, sodass der König selbst hinter den Mengen an Samt, Seide, Spitze und Fell zu verschwinden scheint. Bereits zu Zeiten Ludwigs XIV. galt Paris als Modezentrum in Europa und das tut es auch heute noch wenn es um exklusive Stoffe und luxuriöse Moden geht. Kleider machen Leute - eine oft daher gesagte Floskel, die wohl zu keiner Zeit passender scheint, als zu jener, als Luxus und der Aufwand der Kleidung nicht groß genug sein konnten, um einen Träger wie den Sonnenkönig in angemessener Weise zu präsentieren.

Der Historiker Peter Burke unternahm den Versuch sich verschiedener Disziplinen zu nähern und anhand dessen weniger das Selbstverständnis Ludwigs XIV., sondern viel- mehr das Bild der öffentlichen Meinung - das „Image“ zu untersuchen. Dabei rückt er in seiner multiperspektivischen Untersuchung vor allem das Wirkungsfeld der Inszenie- rung in den Blickpunkt, jedoch ohne dabei besonders auf die Relevanz der Bekleidung als solches einzugehen.2 Wenngleich sich Marita Bombek weit mehr mit dem Gegens- tand der Kleidung hinsichtlich der Gesellschaft und ihrer Repräsentation von Körper und Kleidung bzw. der Neugründung der bürgerlichen Vernunftgesellschaft widmet, wird auch in dieser Abhandlung die Relation von Bekleidung, Inszenierung und Macht- demonstration zu Zeiten Ludwigs XIV. nicht vollständig deutlich bzw. nur in Ansätzen umrissen.3

Daraus entstand die Intention sich im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit dieser Thematik fokussiert zu nähern und dabei das Verhältnis von Kleidung, Inszenierung und Machtausübung am Hofe Ludwig XIV. zu untersuchen. Diesbezüglich soll der Fra- ge nachgegangen werden, welche Bedeutung der Kleidung hinsichtlich der bewussten Inszenierung Ludwigs XIV. zugesprochen werden muss und wie fern sie die Macht des absolutistischen Monarchen widerspiegelt, stabilisiert oder gar verstärkt. Meine These lautet diesbezüglich, dass Kleidung ein Machtinstrument - man könnte sagen ein gewis- sermaßen vestimentäres Machtinstrument Ludwigs XIV. war, mit dessen Hilfe er Luxus und seine Person inszenierte und dadurch Autorität, Distinktion und Herrschaftsgewalt ausübte.

Ziel dieser Arbeit ist es keineswegs eine reine Kostümgeschichte zu skizzieren, wie es sie bereits in einer Vielzahl gibt.4 Vielmehr geht es darum, in der vorliegenden Arbeit die außerordentlichen Zusammenhänge zwischen königlicher bzw. absolutistischer5 Herrschaftsausübung und der Bekleidungskultur in Frankreich des 17. Jahrhunderts aufzuzeigen. Dabei soll die Regierungszeit Ludwig XIV. (1643- 1715) den zeitlichen Rahmen der Untersuchung bilden, wenngleich an entsprechender Stelle der Blick auf das Davor und Danach unumgänglich ist, um gewisse Spezifika des Gegenstandsberei- ches konstatieren zu können. Diesbezüglich wird im ersten Gliederungspunkt zunächst der Forschungsgegenstand Mode konkretisiert. Es schließt sich eine Untersuchung der verschiedenen Bedeutungsebenen der Bekleidungskultur in Frankreich der frühen Neu- zeit an. Zudem ist an dieser Stelle auch zu klären, in welcher Form die Inszenierung des Sonnenkönigs vollzogen wurde und welche Rolle dies im täglichen Leben des Monar- chen und der französischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts spielte. Anschließend soll im vierten Gliederungspunkt die politische und ökonomische Bedeutung der Kleidung herausgearbeitet werden.

Die zahlreichen Gemälde auf denen der französische König porträtiert ist, bieten sich hervorragend für die Quellenarbeit dieser Thematik an, da sie in besonderer Weise die Mode seiner Zeit abbilden. Diese Art der Quellen eröffnet dem Betrachter über das rein plakative Abbild Ludwigs XIV. hinaus auch eindeutige Information über die Beklei- dungsformen. Hinzu kommt, dass im Bildlichen auch der Stellenwert der Repräsentati- on und die Vermittlung von Normen, Sitten, Wünschen und Strategien ersichtlich wer- den. Diesbezüglich muss natürlich die Idealisierung der Person und die entsprechende Intention immer vor Augen gehalten werden. Aus diesem Grund soll im Verlauf der Arbeit der Quellenkorpus erweitert werden. Vor allem zeitgenössische Kommentare aus hofkritischer Literatur und Karikaturen seiner Zeit können den Blick auf die For- schungsfrage ungemein erweitern und eine universale und somit auch kritische Betrach- tungsweise ermöglichen.

2 Kleidung und Mode als Forschungsgegenstand - terminologische Konkretisierung

Als materieller Gegenstand ist Kleidung ohne Zweifel ein stark bedeutungsgeladenes Objekt, welches uns tiefe Einblicke in kulturelle und gesellschaftliche Prozesse bieten kann. Die Bedeutung der Kleidung ist dabei immer offen und ergibt sich erst im spezi- fisch zeiträumlichen Kontext. Sie ist zudem Gegenstand gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Handelns und deshalb bestens als Forschungsgegenstand geeignet, um das Wirkungsfeld Ludwigs XIV. aus kulturgeschichtlicher Perspektive zu untersu- chen.6

Die Bezeichnung Mode, vom lateinischen Wort modus abgeleitet, bedeutet sinngemäß Art und Weise aber auch Regel und Maßstab. Der Begriff wurde bereits seit dem 15. Jahrhundert verwendet und war im 17. Jahrhundert fester Bestanteil des französischen Sprachgebrauchs.7 Wie einer 1690 veröffentlichten Enzyklopädie zu entnehmen ist, beschreibt der Terminus zunächst vor allem einen Lebensstil. Im Verlauf des Lexikon- artikels bezieht sich der Begriff jedoch auch auf Luxus und Kleidung, wobei allein die höfische Kleidung gemeint sein sollte. Der Autor Antoine Furetière beschreibt die Wortbedeutung im Kontext des 17. Jahrhunderts folgendermaßen: „Mode, […] coutu- me, usage, maniere de s'habiller, de s'ajuster, en un mot, tout ce qui sert à la parure et au luxe […].“8 Es bleibt die Frage, ob man in Bezug zur Zeit Ludwigs XIV. nun von Kleidung oder eher von Mode sprechen sollte. In der einschlägigen Forschungsliteratur zeigt sich häufig eine Mischung der Termini und auch im allgemeinen Sprachgebrauch erfolgt eine synonyme Verwendung der Begriffe.9 Die bereits angeführte ursprüngliche Definition reicht allerdings nicht aus, um zu begründen, weshalb und vor allem in wel- chem Kontext die unterschiedlichen Termini Mode und Kleidung in der vorliegenden Arbeit verwendet werden. Es bedarf einer weiteren expliziten Differenzierung.

Kleidung als solches hat drei Funktionen: Schmuck, Scham und Schutz. Sie soll den Körper bedecken, den Menschen vor Kälte und Umwelteinflüssen schützen und darüber hinaus die körpereigene Schönheit verstärken. In der Forschungsarbeit war man sich der Hierarchie der Bedeutung jeder einzelnen Funktion lange im Unklaren, jedoch gehen die Forscher mittlerweile davon aus, dass die schmückende Funktion die ursprünglich- ste ist.10 Dies greift auch Loschek in ihrer Theorie bezüglich des Ursprungs von Mode auf. Für sie setzt der Beginn der Kleidung bereits an dem Punkt ein, bei dem der Mensch begann sich mittels Bemalungen zu schmücken bzw. zu verändern. Sie setzt demnach lediglich die ursprünglichste geistige Entwicklung voraus, die uns von Tieren unterscheidet und die die Spezies Mensch dazu veranlasste die Tiere durch aufmalen von Flecken oder das Tragen von Fellen nachzuahmen.11 Die ursprünglichste Form der Körperveränderung, wie sie Loschek beschreibt, kann jedoch im Rahmen des zu bear- beitenden Themas nicht als Mode bezeichnet werden - bedenkt man auch die aufge- führte Definition des Lexikons aus dem 17. Jahrhundert. Vielmehr möchte ich mich der Theorie nähern, die den Begriff Mode in der Entstehungszeit des Individualismus und Kapitalismus verortet.12 Denn bereits bei der bloßen Betrachtung der Kleidung von Ludwig XIV., die in zahlreichen Portraits überdimensional und ausladend erscheint, wird schnell deutlich, dass es sich dabei nicht einen funktionale bzw. rein schützende Funktion handelt. Die Beweglichkeit scheint sogar derart eingeschränkt, dass es wie eine Verkleidung wirkt (Vgl. Anhang Abb. 2).

Die Erfindung der Nähnadel aus Metall im ausgehenden Mittelalter ermöglichte den technologischen Fortschritt Kleidung durch Schnitt und Naht in modische Praktiken umzusetzen. Es konnten komplizierte Kleidungsstücke hergestellt werden, deren Form nicht mehr nur vom Material abhing. Auf diese Weise war es möglich, sich im Sinne des Individualismus über gewisse Abgrenzungen hinaus auch individuell zu differenzie- ren.13 Es kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass Kleidung erst durch eine ge- wisse Ästhetisierung hinsichtlich der Form und Gestaltung als Mode zu bezeichnen ist, da im Zuge dessen eben nicht mehr nur die grundlegenden Funktionen und die pragma- tischste Form der textilen Körperbedeckung gegeben waren, sondern das Textile selbst ein gewissermaßen soziales Phänomen darstellt.14 Diesbezüglich sei auch auf die Litera- turwissenschaftlerin Getrud Lehnert verwiesen, aus deren Sicht die Anfänge der Mode „mit ästhetischer Innovation verbunden“ seien.15 Es soll in der gesamten Arbeit diese terminologische Differenzierung beibehalten werden. Das heißt, Bekleidung in ihrer pragmatischen Form, also die generelle Bekleidung des menschlichen Körpers, soll als Kleidung bezeichnet werden. Bekleidung die allerdings stark emotional bzw. sozial16 aufgeladen, stark ästhetisiert ist und bestimmten Normen unterliegt, soll folgend als Mode bezeichnet werden.

3 Die Intentionebenen der Bekleidungskultur in Frankreich zu Zei- ten Ludwigs XIV.

Die Kunsthistorikerin Marita Bombek verdeutlicht bereits in Ansätzen was Kleidung als visuell wahrnehmbares Objekt auf der Ebene der nonverbalen Kommunikation leisten kann. Demnach „[fände] die stoffliche Seite der Vernunft […] ihren unmittelbaren Aus- druck in der Kleidung. Was Menschen am Leib tragen, artikulier[e] Weltverständnis und Selbstverständnis, präsentier[e] diese Selbst- und Welt- Beziehungen und [würde] sie zugleich [konstituieren].“17 Im folgenden Abschnitt soll untersucht werden, inwie- fern die mit Sinn aufgeladene Kleidung - also Mode - auch eine sozial bedeutsame Er- scheinung war und welchen Zweck sie im sozialen Gefüge am Hof Ludwigs XIV. er- füllte.

3.1 Mode als Kommunikations- und Distinktionsmittel

Wie bereits erwähnt, steht Mode immer in Beziehung zur Wahrnehmung des Gegenü- bers und ist als sichtbares Objekt ebenso Kommunikationsmittel, wie Mimik oder Ge- stik. Durch vestimentäre Codes ergibt sich eine nonverbale Kommunikation der Mode. Innerhalb einer soziokulturellen Verständigung bestimmen eben diese vestimentären Codes paradigmatische Signale und Regeln, die durchaus der sozialen Distinktion die- nen können.18 Auch in der frühen Neuzeit bediente Kleidung nicht nur die drei Grund- funktionen wie Schutz, Scham und Schmuck. Stattdessen war die schmückende Funkti- on beliebtes Mittel zum Zweck, um vor allem ständische Unterschiede innerhalb der frühneuzeitlichen Gesellschaft sichtbar zu machen.19 Das Kleidungsverhalten diente also einer verstimentären gesellschaftlichen Grenzziehung. Besonders der französische König Ludwig XIV. und die höfische Gesellschaft um ihn herum nutzen Mode, um sich innerhalb des sozialen Gefüges zu positionieren. Durch die aufwendige und überaus- wertvolle Kleidung demonstrierte der Monarch zudem seine Stellung und eine Erwar- tungshaltung hinsichtlich des ihm zu gebührenden Respekts.20

Dass sich die klare Grenzziehung der Gesellschaft explizit in der Identität begründet, zeigt ein Lexikonartikel von 1688. Darin heißt es „La distinction en général est la néga- tion d'identité […].“21 Distinktion bezog sich demnach zu allererst auf die Unterschei- dung hinsichtlich der Identität, die dem entsprechenden Stand gleichzusetzen ist. Aus diesem Grund muss Distinktion durch Mode definitiv als Spiegelbild sozialer Differen- zierung gewertet werden, die, und das sei an dieser Stelle noch einmal betont, immer auch mit dem entsprechenden Zeitgeist korrespondiert und identitären Prozessen folgt. Es ist bezeichnend für den französischen Hof, vor allem unter Ludwig XIV., dass die Ausgestaltung des Äußeren und Sichtbaren jeweils den Rang, die Identität bzw. die so- ziale Lage repräsentieren.22 Prunk und Luxus in jeglicher Form, also auch in Form von Mode, determinieren die Stellung des Trägers. Dies betonte auch Max Weber in beson- derer Weise in seinem Werk über Wirtschaft und Gesellschaft. Seine Definition von Luxus lässt sich als Konsum verstehen, der über die Lebensnotwendigkeiten hinaus geht. Und dieser Luxus sei für die gehobenen Stände eben gerade nicht nur die bloße Verschwendungslust, sondern vor allem Notwendig, um sich in der adligen Gesellschaft durchzusetzen. Weber bezeichnet es explizit sogar als „Mittel der sozialen Selbstbe- hauptung“.23

Bezieht man nun die politische Situation des Adels jener Zeit ein, wird die Bedeutung der stetig luxuriöser werdenden Mode als Mittel der repräsentativen Selbstbehauptung noch prägnanter. In der hierarchisch gestalteten Ständegesellschaft des ancien régimes steht allen voran der König. Allen Vertretern des Königshauses obliegt ein größerer Machtanspruch als jenen, die sich innerhalb dieser starren bzw. strickt geordneten Hie- rarchie weiter unten finden. Jedoch muss bedacht werden, dass die Adligen durch die gefestigte Machtposition des Monarchen wesentlich an Herrschaftsfunktion eingebüßt hatten. Ihr Anspruch beschränkte sich oft lediglich auf die durch den König verliehenen Adelstitel. Hinzu kommt auch, dass das prunkvolle Leben am Hofe und das dem Rang entsprechende Auftreten viele Adlige in den finanziellen Ruin stürzte - wer seinen ge- sellschaftlichen Repräsentationspflichten nicht im ausreichenden Maße gerecht werden konnte, verlor deutlich an sozialem Ansehen und gegebenenfalls die Gunst des Kö- nigs.24

Nur die entsprechende Kleidung konnte eine Akzeptanz am Hofe bewirken, wie es auch Lieselotte von der Pfalz beschreibt. Aus den Briefquellen der Herzogin von Orléans geht eindeutig hervor, wie sich das Leben am Hofe um Mode drehte. Sie beschreibt aus- führlich, in welcher Wechselwirkung sich ständischer Rang und Mode befanden. Sie berichtet diesbezüglich, „ich [bin] jetzt sehr à la mode […],denn alles was ich sage und tue, es sei gut oder überzwerch, das admirieren die Hofleute auch dermaßen, daß, wie ich mich jetzt bei dieser Kälte bedacht, meinen alten Zobel anzutun, um wärmer auf dem Hals zu haben, so läßt jetzt jedermann auch einen nach diesen Schnitt machen und es ist jetzt die größte Mode; welches mich wohl lachen macht, denn eben dieselben, so jetzt diese Mode admirieren und selber tragen, haben mich vor fünf Jahren dermaßen ausgelacht und so sehr mit meinem Zobel beschrien, daß ich ihn seitdem nicht mehr hab antun dürfen. So gehts hier bei diesem Hofe zu, wen die Kurtisane sich einbilden, daß einer in Gunst ist, so mag einer auch tun was er will, so kann man doch versichert sein, daß man gebilligt werden wird[…].“25

Schließlich zeigt sich die Bedeutung der visuellen Repräsentation des Ranges durch materielle Dinge wie Mode auch in der hofkritischen Literatur. Der französische Mora- list und Zeitgenosse Ludwigs XIV. Jean de la Bruyère schreibt in seiner Abhandlung mit Blick auf die modischen Gepflogenheiten am Hofe „Früher trug der Höfling seine natürlichen Haare, kleidete sich mit Hosen, Wams und Stulpenstiefeln und war ein Freigeist. Das schickt sich nicht mehr: heute trägt er eine Perücke, eng anliegende Kleidung, glatte Strümpfe und ist ein Frömmler. Alles richtet sich nach der Mode.“26

[...]


1 Die verschiedenen Zeugnisse wie Portraits, Bauwerke oder Reiterstandbilder etc. sind Thema diverser wissenschaftlicher Abhandlungen. Stellvertretend dazu bspw. Huber, Johannes Selbstdarstellung und Propaganda. Zum Verhältnis von Geschichte, Inhalt und Wirkung des zerstörten Reiterstandbildes Lud- wigs XIV. von François Girardon. Zürich: Zentralstelle der Studentenschaft 1993. Außerdem Ziegler, Hendrik: Der Sonnenkönig und seine Feinde. Die Bildpropaganda Ludwigs XIV. in der Kritik. In: Stu- dien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte 79 (2010). Petersberg: Imhof.

2 Burke, Peter: Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs. Berlin: Wagenbach 2005.

3 Vgl. Bombek, Marita: Kleider der Vernunft. Die Vorgeschichte bürgerlicher Präsentation und Repräsentation in der Kleidung. Münster: Lit Verlag 2005.

4 Dazu von Boehn, Max: Die Mode. 2 Bde.. München: Bruckmann 1996. Ebenso ausführlich dazu Loschek, Ingrid: Reclams Mode- und Kostümlexikon. Stuttgart: Reclam 2005.

5 An dieser Stelle sei auf den schwierigen Sachverhalt des Begriffs Absolutismus hingewiesen. Diesbezüglich ist sich auch die neuere Forschung nicht einig, in welchem Kontext der Begriff adäquat zu verwenden ist. Differenziert setzt sich damit Heinz Durchhardt auseinander in Durchhardt, Heinz: Barock und Aufklärung. 4.,neu bearb. und erw. Aufl. München: Oldenbourg Verlag 2007, S. 169-176. In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff jedoch völlig wertungsfrei verwendet.

6 Vgl. Mentges, Gabriele: Europäische Kleidermode (1450-1950). In: Europäische Geschichte Online (EGO). hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG). Mainz: 2011.

<http://www.ieg-ego.eu/mentgesg-2011-de> (22.10.2014, 18:22 Uhr).

7 Vgl. Loschek, Ingrid: 2005, S. 373.

8 Vgl. Furetière, Antoine: Mode (Art.). In: Dictionnaire universel, contenant généralement tous les mots françois tant vieux que modernes, et les termes de toutes les sciences et des arts (Bd. 2.). Den Haag, Rot- terdam: 1690.

9 Vgl. Loschek, Ingrid: 2005, S. 374.

10 Vgl. Flügel, John Carl: Psychologie der Kleidung. In: Bovenschen, Silvia (Hg.): Die Listen der Mode. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991, S. 209-214.

11 Loschek, Ingrid: Mode. Verführung und Notwendigkeit. Struktur und Strategie der Aussehensveränderungen. München: Bruckmann 1991, S. 11.

12 Vgl. Lehnert, Gertrud: Mode, Weiblichkeit und Modernität. Dortmund: 1998, S. 7. Eine ausführliche Darstellung zur Entstehung des Individualismus Macha, Karel: Individuum und Gesellschaft. Zur Geschichte des Individualismus. Berlin: DVW 1964. Zu frühkapitalistischen Gesellschaftstrukturen in der frühen Neuzeit speziell auch in Frankreich Sombart, Werner: Der moderne Kapitalismus. Historischsystematische Darstellung des gesamteuropäischen Wirtschaftslebens von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 1. Halbbd. 2. München: dtv 1987, S. 719.

13 Der Modehistoriker Laver vergleicht die Bedeutung des technologischen Fortschrittes durch die Erfindung der Nähnadel mit der Erfindung des Rades. vgl. Laver, James: A concise history of costume. New York: Thames and Hudson 1996, S. 10. Über die modische Entwicklung im 13. Jahrhundert auch Brüggen, Elke: Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts. Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag 1989, S. 106.

14 Auch Haberler sieht die terminologische Abgrenzung von Kleidung und Mode als zwingende Notwen- digkeit. Haberler, Veronika: Mode(n) als Zeitindikator. Die Kreation von textilen Modeprodukten. Wies- baden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012 (Zugl.: Wien, Univ., Diss., 2010), S. 24. Zu einer ähnli- chen Differenzierung, allerdings wird der Begriff Mode in eine enge und weite Dimension gegliedert, auch Schnierer, Thomas: Modewandel und Gesellschaft. Die Dynamik von „in“ und „out“. Opladen: Leske und Budrich 1995, S. 20-24.

15 Lehnert, Gertrud: 1998, S. 7.

16 Den Zusammenhang von Kleidung und sozialer Aufladung erklärt Martin Dinges. Demnach ergeben sich durch Kleidung differenzierte soziale Taktiken, wodurch sie immer mit einem sozialen Sinn aufgeladen sei. Vgl. Dinges, Matin: Der feine Unterschied. Die soziale Funktion der Kleidung in der höfischen Gesellschaft. In: ZHF (19). Berlin: Duncker und Humbold 1992, S. 51.

17 Bombek, Marita: 2005, S. 1.

18 Vgl. Sommer, Carlo Michael: Der soziale Sinn der Mode. Kleidung und Mode aus sozialpsychologi- scher Sicht. In: Hohlenstein, Andre; Meyer Schweizer, Ruth; Weddigen, Tristan; Zwahlen, Sarah Marga- rita (Hg.): Zweite Haut, Eine Kulturgeschichte der Kleidung. Bern, Stuttgart, Berlin: Haupt Verlag 2010, S. 242-243.

19 Vgl. Simon-Muscheid, Katharina: Standesgemäße Kleidung. Repräsentation und Abgrenzung durch Kleiderordnungen (12.-16. Jahrhundert). In: Hohlenstein, Andre; Meyer Schweizer, Ruth; Weddigen, Tristan; Zwahlen, Sarah Margarita (Hg.): Zweite Haut, Eine Kulturgeschichte der Kleidung. Bern, Stuttgart, Berlin: Haupt Verlag 2010, S. 91.

20 Vgl. Mansel, Philip: Dressed to Rule: Royal and Court Costume from Louis XIV to Elizabeth II. London, New Haven: Yale Universitiy Press 2005.

21 Furetière, Antoine: Distinction (Art.). 1690.

22 Vgl. Elias, Norbert: Die höfische Gesellschaft. Untersuchung zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie. 8. Aufl. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997, S. 98.

23 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft.Grundrisse der verstehenden Soziologie. 5. rev. Aufl. Tübingen: Mohr 1980, S. 651. Dazu auch Bombek, Marita: 2005, S. 70.

24 Vgl. Elias, Norbert: Die höfische Gesellschaft. 1997, S. 95- 99. Außerdem auch Bombek, Marita: Kleider der Vernunft. Die Vorgeschichte bürgerlicher Präsentation und Repräsentation in der Kleidung. Münster: Lit Verlag, 1994, S. 166.

25 Orléans, Elisabeth Charlotte d': Briefe der Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orleans. In: Künzel, Carl: Schicksal und Abenteuer. Lebensdokumente vergangener Jahrhunderte. Ebenhausen b. München: W. Langewiesche-Brandt 1912, S. 42.

26 La Bruyère, Jean de: Die Charaktere. 1947, S. 337.

Details

Seiten
35
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668186163
ISBN (Buch)
9783668186170
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319274
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
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