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Die Privatisierung des öffentlichen Gutes Wasser. Vor- und Nachteile

Hausarbeit 2016 21 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wasser im Mittelpunkt unseres Lebens
2.1 Wasser und seine Funktionen
2.2 Wasser - eine knappe Ressource

3 Marktversagen
3.1 Öffentliches Gut
3.2 Natürliches Monopol

4 Privatisierung von Wasser
4.1 Formen der Privatisierung
4.2 Gründe für die Privatisierung von Wasser
4.3 Gründe gegen die Privatisierung von Wasser
4.4 Privatisierung von Wasser am Beispiel Berlin

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Sonstige Quellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wirtschaftliche Güterkategorien

Abbildung 2: Güterklassifikation für den Wasserbereich

Abbildung 3: Formen der Privatisierung

1 Einleitung

Wasser ist für viele Menschen etwas Selbstverständliches, vergleichbar mit der Luft, die jedes Lebewesen täglich einatmet. Ein Leben ohne Wasser ist kaum vorstellbar. Der Mensch kann ohne Wasser nur wenige Tage überleben. In Deutschland existiert das Privileg, dass Wasser jederzeit zur Verfügung steht. Dafür wurden Wasserversorgungssysteme entwickelt, die es ermöglichen, Wasser im Haushalt jederzeit über den Wasserhahn abrufen zu können. Dieses Wasser stammt weitestgehend aus den kommunalen Wasserbetrieben.1

Doch immer häufiger wird die Frage gestellt, ob die Bereitstellung von Wasser privatisiert werden sollte. Bereits in der Vergangenheit wurden einige öffentliche Leistungen privatisiert, wie beispielsweise die Post, die Bahn und die Telekom.2 Da Wasser ein Bestandteil der Daseinsvorsorge ist, besteht in diesem Zusammenhang ein hoher Bedarf an Diskussionen.3

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Privatisierung des öffentlichen Gutes Wasser und hat das Ziel Vor- und Nachteile der Privatisierung von Wasser herauszustellen. Zunächst wird in Kapitel 2 auf das Wasser im Allgemeinen eingegangen. Dazu gehören das Wasser mit seinen unterschiedlichen Funktionen sowie ein Ausblick über die zukünftige Verfügbarkeit von Wasser. Die Definition von Marktversagen und dessen Ursachen, zu denen die öffentlichen Güter und die natürlichen Monopole zählen, wird in Kapitel 3 beschrieben. In Kapitel 4 liegt das Hauptaugenmerk auf der Privatisierung von Wasser. Im ersten Schritt erfolgt eine Darstellung der Formen der Privatisierung, welche die formelle, die materielle und die funktionale Privatisierung umfasst. Im Anschluss werden die Gründe, die für eine Privatisierung von Wasser sprechen, herausgearbeitet. Diese werden den Gründen, die gegen eine Privatisierung von Wasser sprechen, gegenübergestellt. Kapitel 4.4 zeigt die Privatisierung von Wasser am Beispiel Berlin. Abschließend werden alle Ergebnisse zusammengefasst.

2 Wasser im Mittelpunkt unseres Lebens

Ohne die Ressource Wasser, die den Menschen täglich umgibt, kann dieser nicht überleben. Jeder Mensch besteht selbst zu zwei Dritteln aus Wasser.4 Es ist zudem ein Grundbedürfnis aber auch ein Menschenrecht, welches in unserem Leben unterschiedliche Funktionen einnimmt.5 Auch die UNO sieht Wasser als Grund- und Menschenrecht an.6

2.1 Wasser und seine Funktionen

Grundlegend lässt sich die Funktion von Wasser in drei Bereiche unterteilen. Der erste Bereich ist die Nutzung als Trink- und Sanitärwasser. Aber auch in der Industrie findet Wasser seine Verwendung, beispielweise bei industriellen Prozessen als Kühlung während der Bierproduktion. Ebenfalls wird Wasser bei der Erstellung von Nahrungsmitteln eingesetzt. So wird dies für die Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel, aber auch für die Versorgung von Tieren verwendet, welche dem Menschen später als Nahrungsmittel dienen.7 Der durchschnittliche tägliche Wasserverbrauch pro Kopf beträgt in Deutschland circa 130 Liter.8

2.2 Wasser - eine knappe Ressource

Dass Wasser eine immer knapper werdende Ressource darstellt, wird durch die Aussage, Wasser sei das Öl des 21. Jahrhunderts verdeutlicht.9 Bereits heute hat ein Großteil der Weltbevölkerung keinen Zutritt zu trinkbarem Wasser, da dieses häufig mit Krankheitserregern befallen ist.10 Jährlich sterben 3,6 Millionen Menschen an den Folgen des verschmutzten Wassers.11 Die erhöhte Nachfrage aufgrund der angestiegenen Nutzung, das Bevölkerungswachstum, wachsende Wirtschaftsaktivitäten sowie die erhöhte Verschmutzung führen ebenfalls zur Verknappung von Wasser.12 Bereits jetzt hat dies in verschiedenen Ländern wie zum Beispiel Malta und Israel zu einem Mangel an erneuerbarem Süßwasser geführt.13

Letztendlich trägt die Landwirtschaft insbesondere bei der Herstellung von Nahrungsmitteln einen großen Teil zur Wasserknappheit bei und wird mit einem globalen Bedarf von 70 % als Hauptverursacher für Wasserverschwendung ausgewiesen.14 Die Schätzungen gehen soweit, dass bereits für das Jahr 2025 das Eintreten einer universellen Wasserknappheit prophezeit wird.15

Um der Wasserknappheit entgegenzuwirken, existieren verschiedene Lösungsansätze. So soll zum Beispiel Wasser aus wasserreichen Gebieten zur Produktion von Gütern in den wasserarmen Ländern verwendet werden. Das Wasser, welches zur Herstellung von Gütern verwendet wird, bezeichnet man als virtuelles Wasser.16 Eine weitere Antwort auf die Wassernot wäre möglicherweise die Privatisierung von Wasser. Dazu soll zunächst auf das Wirtschaftsgut Wasser im Hinblick auf die Bedeutung im volkswirtschaftlichen Sinn eingegangen werden.

3 Marktversagen

Durch Angebot und Nachfrage findet eine Preisbildung auf Märkten statt. Ist dieser Marktmechanismus gestört, liegt Marktversagen vor. Der größtmögliche Ertrag kann aufgrund mangelhafter Kombination der Produktionsfaktoren nicht mehr erzielt werden.17 Zwei mögliche Ursachen hierfür können sein:18

- Öffentliche Güter
- Natürliche Monopole

Diese führen nicht zur pareto-optimalen Allokation. Das bedeutet, dass kein Wirtschaftssubjekt besser gestellt werden kann, ohne dass ein anderes schlechter gestellt wird.19

3.1 Öffentliches Gut

Wirtschaftliche Güter lassen sich in unterschiedliche Güterkategorien einstufen. Die Hausarbeit beschränkt sich auf das Kriterium der Kollektivität, welches zwischen privaten und öffentlichen Gütern unterscheidet. Kennzeichnend für diese beiden Güterarten sind die Begriffe Konsumrivalität und Ausschließbarkeit.20 Eine Übersicht gibt die unten stehende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wirtschaftliche Güterkategorien (Quelle: in Anlehnung an Brunner, S./Kehrle, K. (2009), S. 393)

Für die Einordnung des wirtschaftlichen Gutes Wasser als öffentliches Gut ist es notwendig, zunächst die Definition eines öffentlichen Gutes darzustellen. Während beim privaten Gut Konsumrivalität und Ausschließbarkeit herrscht, treffen diese Eigenschaften nicht auf die öffentlichen Güter zu. Für die öffentlichen Güter gilt folglich, dass unter den Konsumenten des betreffenden Gutes keine Rivalität herrscht. Das bedeutet, dass verschiedene Konsumenten das Gut nutzen können, ohne dass ein Nachteil oder eine Einschränkung für einen anderen Konsumenten auftritt.21 Zudem soll niemand von der Nutzung des Gutes ausgeschlossen werden, auch nicht aufgrund zu hoher Kosten.22 Ist nur eines der oben genannten Kennzeichen nicht erfüllt, wird differenziert zwischen Allmendegüter und Maut- oder Clubgüter als Form von Mischgütern.23

Das Gut Wasser gibt es in vielen verschiedenen Verwendungsformen, beispielsweise in Form von Trinkwasser, aber auch als Sanitärwasser.24 Daher ist eine Einordnung des Gutes Wasser in ein privates oder öffentliches Gut nicht immer eindeutig möglich. Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht die Problematik der Einordnung des Begriffs Wasser als öffentliches Gut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Güterklassifikation für den Wasserbereich (Quelle: in Anlehnung an Schönefuß, S. (2005), S. 52)

Hierbei wird deutlich, dass nicht immer beide der genannten Kriterien gleichzeitig beziehungsweise vollständig erfüllt sein können.25 Die Hausarbeit spricht von Wasser im Allgemeinen als öffentliches Gut, da Wasser grundsätzlich von mehreren Wirtschaftssubjekten verwendet wird und niemand ausgeschlossen werden soll. Geografische Ungleichheiten können dies einschränken.26

Ein wichtiger Aspekt ist die Frage nach der Finanzierung öffentlicher Güter und somit auch nach der Finanzierung von Wasser. Nach dem Äquivalenzprinzip müsste jeder Konsument für die Menge des öffentlichen Gutes, die er verbraucht, aufkommen. Jedoch werden öffentliche Güter für jeden Konsumenten bereitgestellt (Nicht-Ausschließbarkeit), so dass keiner willig ist, sich an der Finanzierung für diese zu beteiligen. Des Weiteren sind öffentliche Güter nicht durch Unternehmen herstellbar. Dadurch kann eine Unterversorgung mit öffentlichen Gütern entstehen. Diese Problematik wird als Trittbrettfahrer-Phänomen bezeichnet. Um die Bereitstellung des öffentlichen Gutes jederzeit zu gewährleisten und der Unterversorgung entgegenzuwirken, müsste der Staat in das Marktgeschehen in Form von Steuererhebungen eingreifen.27 Folglich liegt hier Marktversagen vor, da der Marktmechanismus gestört ist.28

3.2 Natürliches Monopol

Eine weitere Ursache von Marktversagen ist das natürliche Monopol. Neben der Marktform des Monopols existieren weitere Formen. Diese sind Oligopol und Polypol, welche sich wie das Monopol durch die Zahl der Anbieter und Nachfrager unterscheiden. Beim Monopol versorgt ein einziger Anbieter die Nachfrage des gesamten Marktes.29

Wenn ein einziger Anbieter die gesamte Marktnachfrage zu geringeren Kosten pro Stück anbieten kann als mehrere Anbieter zusammen, spricht man von einem natürlichen Monopol.30 Die Durchschnittskosten für ein einzelnes Unternehmen gehen hierbei zurück und der Produktionsumfang steigt.31

[...]


1 Vgl. Krüger, S. (2003), S. 200.

2 Vgl. Rügemer, W. (2008), S. 13.

3 Vgl. Krüger, S. (2003), S. 200.

4 Vgl. Barlow, M. (2014), S. 9.

5 Vgl. ebd., S. 15, Vgl. Mauser, W. (2007), S. 161f.

6 Vgl. Bsirske, F. (2003), S. 187.

7 Vgl. Mauser, W. (2007), S. 161ff.

8 Vgl. Loewe, J. (2007), S. 14.

9 Vgl. ebd., S. 18.

10 Vgl. Mauser, W. (2007), S. 99.

11 Vgl. Barlow, M. (2014), S. 17.

12 Vgl. Mauser, W. (2007), S. 24f.

13 Vgl. Stadler, L./Hoering, U. (2003), S. 36f.

14 Vgl. ebd., S. 22.

15 Vgl. Mauser, W. (2007), S. 207.

16 Vgl. ebd., S. 189.

17 Vgl. Duden (2010), S. 144.

18 Vgl. Fredebeul-Krein, M. u. a. (2014), S. 59f. Zwei weitere Ursachen sind externe Effekte und Informationsdefizite, die nicht näher erläutert werden.

19 Vgl. ebd., S. 59 und 71.

20 Vgl. Brunner, S./Kehrle, K. (2009), S. 14f.; Vgl. Schönefuß, S. (2005), S. 51.

21 Vgl. Schönefuß, S. (2005), S. 51.

22 Vgl. Fredebeul-Krein, M. u.a. (2014), S. 452.

23 Vgl. Duden (2013), S. 206f.; Vgl. Rüttgers, C. (2009), S. 43.

24 Vgl. Mauser, W. (2007), S. 161ff.

25 Vgl. Schönefuß, S. (2005), S. 51f.

26 Vgl. Brunnengräber, A. (2003), S. 32.

27 Vgl. Duden (2013), S. 206; Brunner, S./Kehrle, K. (2009), S. 16; Vgl. Schönefuß, S. (2005), S. 51.

28 Vgl. Fredebeul-Krein, M. u.a. (2014), S. 59.

29 Vgl. Brunner, S./Kehrle, K. (2009), S. 293.

30 Vgl. ebd., S. 340.

31 Vgl. Stiglitz, J./Walsh, C. (2010), S. 309f.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668182622
ISBN (Buch)
9783668182639
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v319106
Note
1,7
Schlagworte
privatisierung gutes wasser vor- nachteile

Autor

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