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Intervention bei Innerfamiliärer Gewalt gegen alte Menschen. Die Bonner Initiative gegen Gewalt e.V.

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Gewalt - Begriffsbestimmungen und Daten
1.1. Was bedeutet Gewalt?
1.2. Formen von Gewalt gegenüber älteren Menschen
1.3. Gewalt gegen ältere Menschen im familialen Pflegekontext

2. Zusammenhänge zwischen dem Gesundheitszustand älterer Menschen und Gewalterfahrungen
2.1. Lebenslagenkonzept nach Clemens und Naegele
2.2. Der Gesundheitszustand als wesentliche Determinante des Muße- und Regenerationsspielraums
2.3. Zusammenhänge zwischen Pflegebedürftigkeit älterer Menschen und innerfamiliärer Gewalt

3. Interventionen der Sozialen Arbeit bei Gewalt gegen ältere Menschen
3.1. Interventionen bei innerfamiliärer Gewalt gegen ältere Menschen
3.2. Interventionen bei innerfamiliärer Gewalt an Beispielen der Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e.V

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Altern der Bevölkerung ist besonders für die Sozialwissenschaften ein wesentliches Thema und wird auf Grund des Voranschreitens der alternden Gesellschaft immer bedeutungsvoller.1 Versucht man Problemlagen einer zukünftigen Altersgesellschaft zu analysieren, so könnte Gewalt gegen alte Menschen in der Familie ein wichtiges Thema in der Gesellschaft werden.2 Die Problematik innerfamiliärer Gewalt bezog sich lange Zeit nur auf die elterliche Gewalt gegen Kinder, Gewalt in Partnerschaften und sexuelle Gewalt gegen Kindern. Gewalt gegen ältere Menschen und Formen der Gewalt wurden in Deutschland erstmals in den 1990er Jahren thematisiert.3 Außerdem wurde erkannt, dass Gewalt nicht nur in Institutionen, wie z.B. in Heimen, oder zwischen einander fremden Menschen besteht, sondern auch im sozialen Nahraum. Gewalthandlungen, die sich im Kontext enger sozialer bzw. familiärer Beziehungen ereignen, werden nun verstärkt thematisiert und problematisiert. Gewalt kann niemals vollständig überwunden werden. Sie kann aber durch spezifische Sensibilisierung und präventive Maßnahmen reduziert oder in einzelnen Fällen auch verhindert werden.4

In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, inwiefern die Pflegebedürftigkeit älterer Menschen ein Auslöser für innerfamiliäre Gewalt sein kann. Darauf aufbauend werden Interventionen von Gewalt gegen ältere Menschen thematisiert und an Beispielen aus der Praxis anhand von Berichten der Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e.V. verdeutlicht. Um eine Grundlage zu schaffen, beginnt diese Arbeit mit der Begriffsbestimmung (1.1.), den Formen von Gewalt gegen ältere Menschen (1.2.) und der Erläuterung von Gewalt gegen ältere Menschen im familialen Pflegekontext (1.3.). Im zweiten Kapitel folgt die Bestimmung der Zusammenhänge zwischen dem Gesundheitszustand älterer Menschen und Gewalterfahrungen. In diesem Zusammenhang wird das Lebenslagenkonzept von Clemens und Naegele kurz erläutert (2.1.), einer der sieben Handlungs- und Dispositionsspielräume älterer Menschen aus dem Lebenslagenkonzept wird thematisiert (2.2.) und es folgt eine konkrete Benennung der Zusammenhänge zwischen der Pflegebedürftigkeit älterer Menschen und innerfamiliärer Gewalt (2.3.). In Kapitel drei werden Interventionen von Gewalt der Sozialen Arbeit dargestellt. Es wird konkret auf die Intervention von innerfamiliärer Gewalt eingegangen (3.2.). Beispiele der Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e.V. - Handeln statt Misshandeln (HSM) verdeutlichen anschließend Methoden bzw. Vorgehensweisen in der Interventionsarbeit bei innerfamiliärer Gewalt (3.3.). Abschließend wird in Kapitel vier eine kurze Zusammenfassung aus allen erarbeiteten Ergebnissen präsentiert.

1. Gewalt - Begriffsbestimmungen und Daten

1.1 Was bedeutet Gewalt?

Für den Begriff „Gewalt“ konnte bisher keine einheitliche Definition festgelegt werden. Die Begriffsbestimmung ist von der Perspektive der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin, deren geltenden gesellschaftlichen Normen und Werte und deren Zweckmäßigkeit abhängig.5 Zudem wird der Gewaltbegriff mit den Begriffen „Aggression“, „Misshandlung“, „Missbrauch“ o.a. uneinheitlich oder aber auch synonym verwendet. Die Gewaltforschung unterscheidet zwei Ansätze von Gewalt, den personalen und den strukturellen Gewaltansatz. Bei dem personalen Gewaltansatz geht die Gewalt von einem handelnden Subjekt aus und entsteht immer in Interaktionen zwischen zwei oder mehreren Personen. Wird der personale Gewaltbegriff enger betrachtet, so werden nur solche Handlungen berücksichtigt, die eine körperliche Schädigung aufweisen. In einer weiteren Perspektive werden unter Gewalt auch physische, psychische und sexuelle Formen von Misshandlungen beachtet. Beim strukturellen Gewaltansatz wird der Gewaltbegriff weiter gefasst. Es werden ebenfalls personale Gewalthandlungen, aber auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen und kulturelle Zwänge in den Blick genommen.6 Als Gewalt wird hier jedes Handeln bezeichnet, welches potentiell realisierbare grundlegende menschliche Bedürfnisse durch direkte (personale), strukturelle aber auch kulturelle Determinanten beeinträchtigt, einschränkt oder deren Befriedigung verhindert.7

1.2. Formen von Gewalt gegenüber ältere Menschen

Betrachtet man den Forschungsstand von Gewalt gegen alte Menschen, so stellt man fest, dass Gewalt gegenüber älteren Menschen bisher in zweifacher Hinsicht untersucht worden ist. Zum einen wurde die strafrechtlich relevante Gewalt gegenüber älteren Menschen im Zusammenhang mit Kriminalität untersucht. Hier sind ältere Menschen Opfer von kriminellen Handlungen, die von Diebstahl bis hin zum Mord reichen. Zum anderen wurde Gewalt gegenüber älteren Menschen in Situationen von Pflege und Versorgung ins Blickfeld genommen. Hier werden zwei Formen unterschieden, Misshandlung und Vernachlässigung. Diese Formen können entweder passive oder aktive Handlungen sein und sind daher schwer zu konzeptualisieren. Die bewährteste Konzeption ist in diesem Zusammenhang die von Dieck aus dem Jahre 1987. Auch Dieck unterscheidet zwischen Misshandlung und Vernachlässigung. Misshandlung wird als ein aktives Tun beschrieben, welches den Adressaten dieser Handlung in seiner Befindlichkeit negativ berührt. Es lassen sich verschiedene Misshandlungsformen unterscheiden. Eine Misshandlungsform ist die körperliche Misshandlung. Hier handelt es sich beispielsweise um körperliche Gewalt generell, wie z.B. Schlagen oder aber auch um sexuellen Missbrauch, Immobilisierung oder unangemessene Verabreichung von Medikamenten.8 Die psychische Misshandlung ist ebenfalls eine Misshandlungsform. Damit ist gemeint, dass einer Person seelische Schmerzen zugefügt werden und diese emotional gequält oder in Not gebracht wird. Zu den Handlungen gehören u.a. verbale Beleidigungen, Demütigungen, Belästigungen oder aber auch das Ignorieren. Symptome für eine solche Misshandlung sind beispielsweise emotionale Verwirrung oder Erregung oder ein extremer Rückzug.9 Eine weitere Misshandlungsform ist die finanzielle Ausbeutung. Damit ist die illegale Nutzung von Geldmitteln und/ oder eines Vermögens gegen den Willen des Adressaten gemeint. Handlungen sind beispielsweise das Nutzen von Schecks ohne Vollmacht oder das Stehlen von Geld.10 Eine letzte Form ist die Einschränkung des freien Willens. Hierzu zählen u.a. die Verletzung der Menschenwürde oder die Behinderung der Ausübung von Bürgerrechten.11

Vernachlässigung bedeutet nach Dieck die Unterlassung von situationsadäquaten Handlungen, die den Bedarf oder den expliziten Wunsch des Adressaten nicht erfüllen. Vernachlässigung lässt sich wiederum in passiver Unterlassung und in aktiver Vernachlässigung unterscheiden. Mit passiver Unterlassung ist das Nichterkennen von Bedarfssituationen oder aber auch ein unzureichendes Hilfepotential durch z.B. unzureichende Pflege gemeint. Die aktive Vernachlässigung ist die bewusste, mit Absicht durchgeführte Verweigerung von Handlungen, die die Bedürfnisse des Adressaten nicht stillen bzw. vernachlässigen.12

[...]


1 Vgl.: Hörl, J./ Schimany, P. (2004):Gewalt gegen pflegebedürftige alte Menschen in der Familie. Ein Zukunftsthema für die Generationenbeziehungen? (http://www.zeitschrift-fuer familienforschung.de/pdf/2004-2-hoerl.pdf) (abgerufen am: 30.12.2015), S. 199 f.), S. 195

2 Vgl.: Ebd., S. 194

3 Vgl.: Kuhlmann, A./ Naegele, G., (2008): Gewalt gegen ältere Menschen - (k)ein Thema? Empirische Befunde und gegenwärtiger Forschungsstand in der Bundesrepublik Deutschland. Sozialer Fortschritt: Vol. 57, No. 7-8, S.182

4 Vgl.: Ebd., S. 189

5 Vgl.: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (2011): Fachlexikon der sozialen Arbeit. Baden-Baden, Nomos, Auflage 7, S. 377

6 Vgl.: Kuhlmann, A./ Naegele, G., (2008), S.182

7 Vgl.: HSM - Handeln statt Misshandeln. Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e.V.: Gewalt. (http://www.hsm-bonn.de/index.php) (abgerufen am: 28.12.2015)

8 Vgl.: Kuhlmann, A./ Naegele, G., (2008), S.183

9 Vgl.: Hagen, B.-P. (2001): Gewalt gegen alte Menschen aus sozialökologischer Perspektive. Entwicklung eines Modells der Gewaltentstehung in familialen Pflegebeziehungen. Regensburg, Roderer Verlag, S. 112 f.

10 Vgl.: Ebd., S. 113

11 Vgl.: Kuhlmann, A./ Naegele, G. (2008), S.183

12 Vgl.:Ebd

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668285606
ISBN (Buch)
9783668285613
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318941
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
Schlagworte
intervention innerfamiliärer gewalt menschen bonner initiative

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