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Das Narren-Kompendium. Witz, Komik und Humor in Kunst, Literatur und Wissenschaft

Diskussionsbeitrag / Streitschrift 2016 138 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

PROLOG

HUMOR IN DER ANTIKE

DAS MITTELALTER ZWISCHEN ERNST UND HEITERKEIT

DIE SATIRE IM BAROCK

HEINRICH HEINE UND DER WITZ IN DER ROMANTIK

BILDER DES GROTESKEN

KOMIK IN DER MUSIK

SKURRILES AUS DER WISSENSCHAFT

STREIFZÜGE DURCH ABSURDISTAN

WITZ UND PARODIE

BIBLIOGRAPHIE

AUTORENNOTIZ

PROLOG

„Stultorum infinitus est numerus.”

Eccl. I,15

In der postmodernen Welt wimmelt‘s von Narren aller Art und allerorten, kreuz und quer, sie offeriert uns Clowns und Gecken, Schelme, Har­lekins und Komödianten. Bereits im 17. Jahr­hundert registrierte der berüchtigte Demo­critus Junior Robert Burton Rotten von Masken­trägern, windigen Gesellen, Cumanischen Eseln, Fastnachtsnarren, Mummenschanzspielern, bemalten Puppen, Fassadenmenschen, fan­tastischen Schatten, Einfaltspinseln, Ungeheuern, Wirrköpfen und Zierbengeln. Burtons Maxime lautete: T otus mundus agit histrionem.

Sie alle dürfen nicht fehlen in einem Narren-Kompendium, die liebenswerten Spinner und Pierrots, Hornochsen, Deppen und Spaßvögel, wenn es darum geht, Witz, Komik und Humor zu exponieren. Nicht immer läßt sich der homo risibilis vom hom o lugens unterscheiden, der lachende vom weinenden Narren, zumal in Kunst, Wissenschaft und Religion die Sumser, Sülzer, Fabulanten überhand nehmen: eine globale Heerschar von Monologisten, Phantasten und Apologeten.

Schon seit Jahrtausenden beglücken sie ihre Mitmenschen durch clownesk-absurde Hans­wurstiaden: Endzeit-Chiliasten, Windmühlen-Krieger und Präzeptoren, kosmische Schauer in der Hühnerbrust. Besessen vom choreatischen Syndrom inszenieren sie ihren endlosen Tanz der Mimen, Histrionen und Jongleure vor der Kulisse einer fröhlichen Apokalypse. Den Phänotypus hat Gottfried Benn beschrieben: „Spasmen der Leere, Keuchhusten des Nichts, Stakkatotyp, Manometer auf Bruch, akute Hyperämie, Schwelltyp mit der simultanen Vision, der Halluzinatorische mit dem schiefen Blick.“

In einem solchen Abnormitätenkabinett dominieren die Normopathen, die vielfach unterwegs sind als Superdeppen und Lärmpachulken: Laubbläser, Kampfradler, und Nordic-Walker mitsamt jenen grazilen Harpyien, die stets brillieren durch ihre stöckeschwingende Trampel-Folklore: eine Narzicken-Pantomime im ewigen Gender-Krieg der Maulaffen, Arschgeigen und Sackgesichter. „Sie pissen mit dem Herzen“, bemerkte Heinrich Heine. Nicht zu vergessen die Brüller & Knüller von nebenan, die mit Sockenschuß und Vollmeise, „die Fresse von Cäsaren und das Gehirn von Troglodyten“ (Benn).

Da dürften auch all jene buckelnden Spießer und grenzdebilen Universaldilettanten mitsamt ihren vorgewaschenen Loch-Jeans sowie ihren armseligen Patchwork-Biographien gemeint sein, die diesen orbis terrarum als Verblödungsmaximierer, Wohlfühlexperten, Mobilitätsdeppen, Vollblutkarrieristen, Gefühlskrüppel, Dumpf­backen, Kotzbrocken, Buchhalterseelen, Selbst­­glorifizierer, Humansülzer und „Gleich­­heitsflegel“ (Heine) kolonisieren. „Statisten des Mittelmaßes“ nennt sie Kai Pohl in seinem Nulpen-Tango:

„ihr selbst

seid das

was ihr am meisten fürchtet

ihr Spaßfanatiker

die einem jeglichen Spaß

verderben können

ihr Geschmeiß

der Wegwerfgesellschaft

ihr mit euren

Reformbestrebungen

ihr mit euren

Menschenrechten

ihr politisch korrekten

Massenmörder

jetzt seid ihr am Ende

mit eurem

Kammerjägerlatein

ihr Realitätsverweigerer

ihr Nullchecker

ihr Nulpen

zu euch

fällt mir

nichts

mehr ein.“

Wäre bei so viel Raserei in Absurdistans teatro del grotesco nicht längst ein Grillenarzt vonnöten, der durch Narrheit von der Narrheit heilt? Der moralisierende Endzeitprediger Sebastian Brant hat in seinem Narrenschiff anno 1494 mitgeteilt:

„Dann wer sich für ein narren acht

Der ist bald zv eym wisen g‘macht.“

Da muß der Straßburger Stadtschreiber wohl jene Perikope aus dem Neuen Testament vor Augen gehabt haben, die sich im ersten Brief des Paulus an die Korinther findet: „Welcher sich unter euch dünket weise zu sein, der werde ein Narr in dieser Welt, daß er möge weise sein“ (1.Kor.3,18).

Der Narr im Gewand des Clowns war zu allen Zeiten ein Glücksbringer, Weiser und Rebell. Die Weisheit des Clowns sei die Weisheit desjenigen, der gelernt hat, seine Wunden zu tarnen, im Verborgenen zu bluten, der im Bewußtsein der Schwierigkeit, im ungestümen Stimmengewirr zu leben, dennoch überlebt, glaubt Constantin von Barloewen. „Das Naturrecht des Clowns will helfen, eine Ordnung zu finden in einer Hölle, von der jeder Augenblick ein Wunder ist.“

Ob Normalnarren, Halbnarren, Pseudonarren - im Narratorium der Titanic finden sie alle ihren Platz, die Clowns und Freaks und Snobs und Stars und Tramps und Wracks, „all die aufgeklappten Visagen“, schreibt Ulrich Holbein, „halb Lachkrampf, halb Tollwut, und Turmfrisuren obendrauf, Kubikmeter Glitzer­schmuck - aber warum sehn die alle so glücklich aus? Weil sie rosarote Brillen aufhaben, Flöhe im Ohr, Rosinen im Kopf und verblüffend wenig Tassen im Schrank. Sie strampeln sich aus Zwangsjacken frei.“

Es sind Witzbolde, Gaukler, Büttenredner und verschrobene Hallodris, Quacksalber, Kutten­brunzer, Sackgassenmenschen auf den Spuren des Caballero de la Mancha, stets Windmühlen vor Augen, hinter denen sich die Perfidie der Welt verbirgt. Hier werden sie nochmal lebendig, die mittelalterlichen festa stultorum, „alle Straßen, Gassen sind voll Narren“ (Brant), Farceure, Crooner, Fanfarons, Korinthen kackende Yahoos, Morlocks und Eloi. Dazu Mahner & Warner ohne Ende, reagenzglasgezeugte Politclowns, Pfaffen, Pauker und Polypen mit computergenerierter Sprache aus dem Legobausetzkasten: dies Erdenrund ist ein Plagiat des Tartarus, ein imaginärer jardin d‘enfants - und Narrenfreiheit haben sie alle im globalen Kuckucksnest.

Wenn man sie Revue passieren läßt, alle diese Phrasendrescher und Possenreißer, mag es einem ergehen wie Giorgio Celli, der in seiner „Wissenschaft des Komischen“ den homo risibili s mit den Worten skizziert: „Im irdischen Jammertal, das wir, so lange wir leben, alle durchwandern, sucht uns gelegentlich der Gott des Komischen mit seiner Schellenkappe heim, treibt uns die Purpurröte des Blutandrangs auf die Wangen, zerhackt unseren Atem in kurzes Röcheln wie von unterdrückten Schluchzern, zieht in rhythmischem Pulsieren unsere Brust- und Bauchmuskeln zusammen, um uns dann mit konvulsivischem Zugriff zusammenzuklappen und so von Kopf bis Fuß in jenes schwach­sinnsähnliche Verhalten hineinzuziehen, in jene vitale und regenerierende Natur­katastrophe: den Lachanfall.“

HUMOR IN DER ANTIKE

„Ridendo dicere verum.“

Horaz

Bereits die Literatur der Antike bietet eine Fülle von heiteren und humorvollen Texten, ohne die die griechisch-römische Zivilisation nicht denkbar wäre; ob es die Spottepigramme Martials sind, die Satiren Juvenals, die Parodien Lukians, die Komödien des Aristophanes oder die Witzsammlungen des Philogelos, in denen allerlei Typen wie Abderiten, Grobiane, Scholastikoi, Suffköppe, Stinker u.a. karikiert werden.

Über die unterhaltsame „Bettelpoesie“ Martials, der wohl zu den bissigsten Satirikern des Altertums zählt, schreibt Otto Seel: „Hier ist das Leben in seiner trostlosen Armseligkeit angenommen. Und in diese Welt hinein, aus diesem enttäuschten Leben heraus hat Martial seine Epigramme geschrieben, mit dem illusionslosen Blick dafür, daß es eine wölfische und hündische Welt war, in der er lebte, an der er teilhatte, und in der es darauf ankam, mit den Wölfen zu heulen und mit den Hunden zu winseln. Die Bühne ist Rom, der Protagonist der jeweilige Kaiser ... Dazu dann die Chargen und Statisten: Welt und Halbwelt, Banausen und Nichtstuer, Zuhälter und Dirnen, Schmarotzer, Erbschleicher, Heuchler, Spitzbuben, Gauner, Geprellte, pfiffige Narren, dazu die Liederlichen und Perversen, Päderasten und Kokotten, Händler, Gaukler, Schildwachen, Flaneure, agierend als Staffage und Statisten im Ambiente von Theater, Mimus und Zirkus, bei Gelagen, Massenmord und Bäderluxus.“

Ähnliches läßt sich über die Anthologia Palatina sagen, die Hunderte von Spottgedichten im Stil Martials enthält. Dort findet sich auch eine Dunciade über die Atrozität des Bartmenschen:

„Bester, du glaubst, ein Bart, der könne zum Weisen dich machen, deswegen pflegst du ihn so, Fliegen wehrt er dir ab. Schneid´ ihn rasch ab! Ich rat‘s dir! Ein solcher Bart schafft nicht Weisheit, wohl aber bringt er dir Läuse in großer Zahl ein.“

In der gleichen Anthologie werden von Nikarchos die ora­len und analen Affinitäten des Menschen psychologisch als Korrelation zwischen Diarrhöe und Logorrhöe karikiert:

„Mund und Hintern von dir - sie riechen ganz gleich, Theodoros, sie unterscheiden zu könn‘n, war‘ für die Ärzte ganz toll. Solltest drauf schreiben du nicht, was Hintern bei dir und was Mund ist? Jetzt nämlich kommt‘s mir so vor, daß, wenn du redest, du furzt.“

Im Anschluß an die Satiren des Menippos mit ihren burlesken Episoden, begann Petronius mit der Niederschrift seines Schelmenromans Satyricon, in dem die Irrfahrten des Erzschelms Encolpius durch das Bordell- und Schenkenmilieu der Antike parodiert wird. Als das Kopula-Idyll mit der Messalina Circe zu scheitern droht, resümiert der Protagonist das voluptio -Szenario mit den Worten:

„Häßlich ist und nur kurz des Beischlafs Wollust, und es ekelt der Akt, sobald vollzogen. Nicht wie brünstiges Vieh drum wollen blindlings wir und jählings uns aufeinanderstürzen; sondern so, ja so ohne Ende feiernd wollen küssend wir beieinanderliegen. Dies bringt Mühe nicht, dies bringt kein Erröten, dies erfreute, erfreut, bringt lang auch Freude, niemals endet es, stets beginnt‘s aufs Neue.“

In den Ekklesiazusen des Aristophanes sind es häufig sexhungrige Greisinnen, denen sich die Jünglinge zuwenden müssen, bevor ihnen eine jüngere Weiblichkeit zugestanden wird. Die Alte macht in der Komödie dem Jüngling deutlich, daß der Weiberrat beschlossen habe: „Wenn ein junger Mann eine junge Frau begehrt, darf er sie nicht eher stoßen, bevor er‘s nicht zuerst einer Alten besorgt hat. Wenn er das aber vorher nicht will, sondern nur hinter der jungen her ist, dann soll es den älteren Frauen erlaubt sein, den Jüngling ungestraft an den Hoden zu packen und ihn mit sich zu zerren.“

In der aristophanischen Komödie L ysistrate erklärt der Chorführer den im Liebesstreik befindlichen Frauen: „Wild, unbändig, wie die Weiber, ist kein Tier auf Erden mehr, / Unbezwingbar gleich dem Feuer, frecher als das Panthertier!“ Als die Chorführerin daraufhin bemerkt: „Wenn du solches weißt, warum denn führst du Krieg mit mir, du Narr? / Und doch kannst du mich zur treuen Freundin haben, wenn du willst!“, resigniert der Chorführer mit den Worten: „Nein, die Weiber samt und sonders haß‘ ich all mein Leben lang.“

In der aristophanischen Komödie Die Frauen am Thesmophorienfest ist es Mikka, die Frau des Kleonmyos, die sich über die Insimulationen des Euripides mokiert, daß die Weiber läufig, mannstoll, ehebrecherisch, schwatzhaft, versoffen, falsch, wortbrüchig, treulos und verdorben seien, „durch und durch!“ Selbst die Chorführerin erklärt: „Ja, über Weiber, von Geburt vermessen, frech und schamlos, / Geht doch an Niederträchtigkeit nichts in der Welt als Weiber!“ Sodann beklagt sie die opinio communis der Männer, wonach die Frauen „der Fluch der Welt und der Urquell alles Verderbens“ seien: „Wir gebären nur Haß, Zank, Kummer und Not und Empörung und Krieg!“

Ähnlich kritisch-satirisch hat sich der griechische Jambendichter Semonides von Samos in seinem P sogos gynaikon (Weibertadel) geäußert, indem er gleich einleitend konstatiert: „Getrennt vom Weibe schuf Gott den Verstand zunächst einmal.“ In seiner misogyn-pessimistischen Deszendenztheorie stammen die Frauen ab vom „dreckigen Schwein“, vom „hinterhältigen Fuchs“, vom „kläffenden, streunenden Hund“, vom „störrisch-faulen und gefräßigen Esel“, vom „liebeshungrigen und räuberischen Wiesel“ sowie vom „Affen mit seinem bösen Sinn und seinem abscheulichen Aussehen.“ Einzig die von den Bienen abstammende Frau findet Anerkennung, da sie fleißig, anmutig und ohne Schwatzhaftigkeit sei. Für Semonides hat Zeus im Weibe „das größte aller Übel“ geschaffen.

Auch Horaz klagt im XII. Kapitel seiner spöttischen E pode n:

„Was willst du denn, Weib, die du am besten zu schwarzen Elefanten paßt? Geschenke für mich? Briefe schickst du mir? Ich bin weder ein starker Mann noch ist meine Nase verstopft. Ich kann ja schärfer schnüffeln, ob ein Polyp oder ein beizender Bock haust im Gestrüppe der Achseln, als ein scharfer Hund, wo die Sau steckt. Welch ein Schweiß! Wie allenthalben den verrunzelten Gliedern übler Geruch entströmt, wenn sie am schlaffen Schwanz sich müht, die ungezähmte Gier zu stillen, und nicht mehr will ihr feucht gewordene Schminke haften, nicht die Farbe, mit Krokodilsmist angemacht. In ihrer Geilheit bricht sie entzwei Matratzen und das Bettgestell. Oder aber sie schilt meinen Enkel mit heftigen Worten: ‚Bei der Inachia bist du doch weniger schlaff als bei mir! Inachia kannst du dreimal pro Nacht, bei mir bist du für eine einzige Nummer zu schlapp! Zur Hölle jene, die dich Schlappschwanz mir gezeigt, als einen Stier ich suchte, diese Lesbia! Hatte ich doch Amyntas aus Kos noch bei mir, in dessen ungezähmtem Schoß das Glied viel fester als ein junger Baum auf Hügeln haftet...‘.“

So deftig wie bei Horaz und Semonides ging es dann erst wieder im 16. und 17. Jahrhundert zur Sache, etwa in Robert Burtons Anatomi e der Melancholie, wo die ar s amatoria gynäkophobisch als Wahnsinn, Plage, Qual und Hölle exponiert wird: „Denn es ist kein Liebender, der die Geliebte nicht vergöttert, sie sei so schief, wie sie will, so krumm, wie sie kann; runzlig, ranzig, blaß, sommersprossig, rotes Haar und gelbe Haut, ein talgiges Galgengesicht oder eine runde, platte Schießscheibe, oder dumm, dürr und dürftig, schief und schäbig wie eine Vogelscheuche, kahl, glotzäugig, triefäugig, hohläugig, hühneräugig, schielt wie ein Huhn in der Sonne und blinzelt wie eine Katze vorm Ofen, hat Ränder und Ringe um die Augen wie eine Eule, einen Spatzenmund und darüber einen Nasenhaken wie ein persischer Teppich-händler, oder eine spitze Fuchsnase, eine rote Rübe, eine plattgedrückte Nase wie ein Chinese, gelbe Biberzähne, oder schwarz und schief und durcheinander wie ein alter Judenfriedhof, zusammengewachsene Brauen über wimpernlosen Lidern, Hexenbart und Warzen, ihr Atem stinkt durch das ganze Zimmer, die Nase tropft Sommer und Winter, hat einen Kropf unterm Kopf und einen bayrischen Beutel unterm Kinn, Fledermausohren oder Hängeohren wie ein Wachtelhund, einen Hals wie ein Kranich, pendulis mammis, Titten wie Quitten oder gar keine, ein Plättbrett als Busen, Hitzpocken oder Frostbeulen, lange schwarze Nägel, Schorf an den Händen und Räude an den Füßen, krumm, klapprig, rippendürr, lahm, Plattfüße, Schweißfüße, geht einwärts und schnurrt mit den Schuhen, ein wahrer Wechselbalg, ein Alpdruck, ein halbgebackenes Gespenst, schilt wie eine Rohrammer und schrillt wie der Griffel auf dem Schiefer, eine wüste Schlampe, eine schleichende Pest, eine läufige Hündin und ranzige Otter, in summa und ums kurz zu machen: ein Kuhfladen im Backofen.“

Der Oxforder Gelehrte und Exzentriker Burton läßt aber nicht locker und warnt seine Leser: „Du kannst sie nicht sehen, dich ekelts vor ihr, würdest ihr am liebsten ins Gesicht spucken oder ihr auf den Busen rotzen; remedium amoris; denn sie ist eine Schlampe und Vogelscheuche, zetert und zankt, ein rammelndes Reff, dumm und dreist, feige und frech, ein Unflat, ungebildet und unerzogen, Polyphems Tochter, Theristes‘ Schwester und Grobians Schülerin - aber er liebt sie, er bewundert sie, sieht an ihr kein Fehl und kein Falsch, und will nur sie und sonst keine. Wenn Thetis‘ Füße schimmern wie Silber und Hebes Knöchel wie Kristall, Auroras Arme wie Rosen und Junos Busen wie Schnee, was kümmerts ihn? ‚Komm, Süße, komm! 0 du mein Ein und Alles!‘ Sag mir: ist eine schlimmere Sklaverei auf Erden als diese?“

Aber bei Robert Burton gibt es auch Remedia gegen die „Schwermut der Liebe“, man müsse dem Kranken zum Beispiel sagen, „daß seine Liebste ihn betrügt, mit einem andern geht, ihn nicht mehr mag, nichts von ihm wissen will, daß sie eine Hure ist, eine üble Person, schlampig, schlurig, zänkisch, ein Teufel; oder sag, daß sie eine häßliche Krankheit hat, Gicht, Gallenstein, Bettnässen, fallende Sucht, und daß diese Krankheiten unheilbar sind und erblich obendrein; daß sie die Schwindsucht hat, Pocken, Flechte, Ausfluß; daß sie zwar keine Haare hat, aber aus dem Mund riecht und ein Spatzenhirn besitzt, und daß sie in der Familie zur Hälfte wahnsinnig sind; daß sie andere geheime Krankheiten hat, daran Frauen zu leiden pflegen, und die ich hier nicht erwähne; daß er ein Zwitter ist, oder ein Eunuch, unfähig und verschwenderisch, ein Spieler, ein Hanswurst, ein Bettler, ein Hurenknecht, verschuldet, kann nicht für sie sorgen, ein Trinker, seine Mutter war eine Hexe, seinen Vater hat man gehängt, er hat einen Wolf in der Brust, ein offenes Bein, die Lepra, er wird sie schlagen, kann sein Wasser nicht halten, schreit nachts im Traum und schlafwandelt, ersticht seine Bettgenossen, verrät alle Geheimnisse im Schlaf, und ähnliche und schreckliche und tragische Dinge, denen kein lebender Mann und keine Frau widerstehen.“

Burton weiß freilich auch, daß man den Frieden der Seele, bonum pacis, durch die Liebe leicht verlieren kann, „denn sie ist eine Qual, ein Feuer, eine tödliche Neugier, eine Galle, so den Honig unseres Lebens verbittert, Wahnsinn, Schwindel, eine wahre Hölle.“ Denn, was man zuvor kaum bedacht:

„Schwangerschaft, Alter, die tyrannische Zeit machen aus Venus eine Furie. Die eine wird dick, die andere dünn &c; die milde Mathilde, die süße Susanne, das lustige Lieschen, das knusprige Käthchen, die feine Phyllis mit den schmalen Händen, die freche Carmen mit den kohlschwarzen Augen, das fiedelnde Fritzchen, das fröhliche Fränzchen, der schlanke Johann und der große Georg &c. - sie alle verlieren über Nacht ihre Reize, werden plump, schal, schäbig, trüb, träge, dumm, sauer oder bitter und kommen, jeder und jede, nach und nach aus der Mode.“

Aber zurück in die Antike, wo die pathetisch-moralistischen Satiren eines Juvenal mit ihren grotesken Übertreibungen zweifellos zu den Höhepunkten der damaligen Zeit- und Gesellschaftskritik zählten. Rom war in der Kaiserzeit eine Millionenstadt mit allen Gebresten, wie sie für Metropolen dieser Größenordnung typisch sind: Verkehrsstaus, Lärm und Dreck, Rücksichtslosigkeit und Kriminalität. In seiner dritten Satire schildert Juvenal in sarkastisch-karikierender Manier den Großstadtalltag mit seinen Menschenmassen, Hauseinstürzen, fliegenden Nachttöpfen und brutalen Überfällen: „Schau, wie das elende Handgemenge sich entwickelt, ... wo der eine nur schlägt und der andere nur einsteckt! Er steht dir gegenüber und befiehlt: ‚Stehen bleiben!‘ Du mußt gehorchen; denn was willst du tun, wenn ein Wüterich dich zwingt, der noch dazu stärker ist?! ‚Woher kommst du?‘, schreit er los. ‚Von wessen Essig, von wessen Bohnen bist du so aufgebläht? Was für ein Schuster hat mit dir Schnittlauch und das Maul eines gesottenen Hammels gegessen? Du antwortest mir nicht? Sprich, oder du kriegst einen Tritt! Sag an, an welcher Ecke du zum Betteln stehst! An welchem Gebetsort der Juden kann ich dich finden?‘ - Ob du versuchst, irgendetwas zu sagen, oder schweigend den Rückzug antrittst, ist einerlei: Sie prügeln auf jeden Fall, und nachher laden sie dich noch zornig vor Gericht. Darin besteht die Freiheit des Armen: Daß er, schon verdroschen, darum bittet, daß er, von Fäusten zerschlagen, darum fleht, wenigstens mit ein paar Zähnen noch nach Hause zurückkehren zu dürfen!“

Lukian wiederum, der Prunkredner und Sophist, figuriert innerhalb der antiken Spötter als glänzender Zyniker, der vor der nur wenig göttlichen Welt der Olympier keinerlei Respekt hatte. Christoph Martin Wieland bemerkte in seiner Übersetzung: „Es war ein ebenso glücklicher als neuer und kühner Gedanke, die Götter sozusagen in ihrem Hauswesen und im Negligé, in Augenblicken der Schwäche, Verlegenheit und Zusammenstoß ihrer einander so oft entgegenstehenden Forderungen und Leidenschaften miteinander reden zu lassen, wo sie sich selbst gleichsam entgötterten und ihren betörten Anbetern in ihrer ganzen Blöße darstellen mußten. Lukian hätte dem Aberglauben seiner Zeit keinen schlimmeren Streich spielen können.“

In den T otengesprächen Lukians wird eine Unterhaltung des Philosophen Menipp mit dem Gott Hermes geführt, der die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt geleitet:

„MENIPP: Wo sind denn die schönen Männer oder die schönen Frauen, Hermes? Sei mein Fremdenführer, ich bin ja noch neu hier.

HERMES: Keine Zeit, Menipp! Aber schau dorthin; zur Rechten da, dort sind Hyazinth und Narziß, Nireus und Achill und auch Tyro, Helena, Leda und all die anderen Schönheiten.

MENIPP: Ich sehe nur Gebeine und Schädel ohne Fleisch; das meiste sieht ganz gleich aus.

HERMES: Und doch sind es gerade jene Knochen, die du zu verachten scheinst, die alle Dichter bewundern.

MENIPP: Zeige mir wenigstens die Helena; ich kann sie nämlich nicht erkennen.

HERMES: Dieser Schädel hier ist Helena.

MENIPP: Und da wurden wegen dieses Schädels tausend Schiffe bemannt aus ganz Griechenland und fielen so viele Hellenen und Barbaren und wurden so viele Städte zerstört?

HERMES: Aber du hast sie nicht zu Lebzeiten gesehen, verehrter Menipp! Da hättest auch du sicher gesagt, es sei nicht zu verurteilen, daß man um solch ein Weib lange Zeit Schmerzen erduldet. So ist es auch bei den Blumen: Schaut man sie an, wenn sie vertrocknet sind und ihre Farben verloren haben, dann kommen sie einem natürlich häßlicher vor; wenn sie jedoch in Blüte stehen und ihre Farbe haben, dann sind sie wunderschön.

MENIPP: Dann muß ich mich, mein lieber Hermes, aber doch darüber wundern, daß die Griechen nicht begriffen, daß sie sich wegen etwas so Kurzlebigem und leicht Verblühendem so abmühten.“

In seiner gnadenlosen Satire Über das Lebensende des Peregrinos hat sich der Spötter Lukian allerdings eines Tonfalls bedient, der sich von der Lachkultur der athenischen Komödie, etwa der des Diogenes von Sinope, durch seine zynische Unerschrockenheit erheblich unterscheidet. Peter Sloterdijk sieht in der lukianischen Schilderung der Verbrennungsszene beim Selbstmord des Peregrinos ein Umspringen des kynischen Impulses von einer plebejischen, humoristischen Kulturkritik in die zynische Herrensatire. „Lukians Gelächter bleibt eine Nuance zu schrill, um heiter zu sein, es bezeugt mehr Haß als Souveränität. In ihm ist die Bissigkeit von jemandem, der sich in Frage gestellt fühlt. Wenn die Kyniker den Staat der Römer, die Zivilisation der Hellenen und die Psychologie der ehrgeizigen und komfortablen Bürger attackierten, so rüttelten sie an den sozialen Grundlagen, auf denen auch die Existenz des hoch-kultivierten Ironikers beruhte.“

Zu den heitersten Geistern der Antike dürfte Demokrit zählen, der „lachende Philosoph“, der in seiner Ethik betonte, daß die Glückseligkeit, eudaimonia, des Menschen in der Wohlgemutheit, euthymia, und im guten Befinden, euesto, zu suchen sei. In seiner Lehre des Atomismus erklärte der Grieche, dessen Bildung die aller antiken Philosophen vor Aristoteles an Umfang und Vielseitigkeit überragte, daß die Urgründe des Alls die Atome sowie das Leere und alles andere nur schwankende Meinungen seien. Das Endziel des menschlichen Strebens sah der Philosoph in der Seelenheiterkeit jenseits von Furcht und Aberglauben. „Nur Toren leben ohne Lebensfreude.“ Am besten bekomme es dem Menschen, „wenn er sein Leben so viel wie möglich in frohgemuter Gelassenheit zubringt und sich so wenig wie möglich mißmutiger Stimmung überläßt.“

In den Briefen des Hippokrates, die von einer Reise des berühmten Arztes nach Abdera, der Heimatstadt des Demo critus ridens handelt, beklagt Demokrit die ökologische, ökonomische und spirituelle Krise, in die sich die Sterblichen durch Habgier, Dummheit und Illusionismus gebracht hätten. Ohne Sinn und Verstand ließen sie sich durchs Leben treiben und stürzten planlos bald hierhin, bald dorthin,

„in ihrem Geist geschädigt, aufgeblasen, bei ihrem unlogischen Denken schwer zu belehren über ihr ungeordnetes Treiben“. Die Fähigkeit, den Lauf der Welt klar zu sehen und sich selbst gut zu kennen, hielten sie für verrückt, und ihre eigene Unvernunft war für sie eine allgemeine Selbstverständlichkeit.

„All diese Torheiten“, schreibt Manfred Geier, „ließen Demokrit nicht weinen, sondern lachen. Er hielt sein Lachen für angebracht, weil er es als ein besseres Mittel schätzte, um nicht nur selbst nicht in die Verzweiflung zu stürzen, sondern um auch den Abderiten ihre lächerliche Unvernunft zu signalisieren.“ Erst durch Horaz, Seneca und Pseudohippokrates sei Demokrit zu einer populären Figur gemacht worden. „Man sah in ihm den Weisen, dessen Lachen das beste Mittel war, sich in einer verkehrten Welt zu behaupten und ihr den Spiegel vorzuhalten.“

Unter dem zunehmenden Einfluß der christlichen Religion, die das Leiden in den Vordergrund rückte, wurde Demokrits Lachkultur zurückgedrängt. Für die Kirchenväter waren die Freunde der ars iocandi nur Narren oder Sünder. Erst das Spätmittelalter erinnerte sich wieder im Licht eines neuen Humanismus an den unterhaltsamen Democritus ridens. „Demokrits Lachen wurde als Ausdruck eines heiteren Menschenfreundes interpretiert, der sich selbst frei weiß von den eitlen Hoffnungen und Begierden der Menge. Lächelnd rief er ihr zu: Seht, man kann heiter sein auch mit euren Leiden und ohne eure Freuden!“ (Geier)

DAS MITTELALTER ZWISCHEN ERNST UND HEITERKEIT

„Humor ist Erkenntnis der Anomalien.“

C. F. Hebbel

Anders als in der Antike, galt das Lachen im Mittelalter weithin als suspekt, denn wer lachte, dem mangelte es an Frömmigkeit. Alle Direktiven für das alltägliche Leben gingen damals von der Bibel aus, wie man an den Mönchsregeln, etwa der Regula Magistri oder der Regula Sancti Benedicti erkennen kann. Clemens von Alexandrien verurteilte das Lachen als eine für Possenreißer, Clowns und Mimen kennzeichnende Modalität: Lachen beschmutze das „kostbarste aller Güter, die dem Menschen innewohnen“, das Wort Gottes, das durch Gelächter erniedrigt werde. In den Regeln des Hl. Basilius figuriert das Lachen als ein der Sünde entstammender fleischlicher Genuß: „Der Herr hat alle verdammt, die in diesem Leben lachen.“

Und tatsächlich hatte der homo risibilis des christlich-lateinischen Mittelalters nicht allzu viel zu lachen, für ihn galt, was Augustinus in die Worte faßte: „Die Menschen lachen und weinen, und daß sie lachen, ist zum Weinen.“ Spaßmacher und Spielleute wurden vom Klerus gnadenlos verfolgt und jede Form der exzessiven Fröhlichkeit im Keim erstickt. „Es gab im Mittelalter nichts zu lachen“, schreibt Gerhard Schmitz, „es ist der Teufel, der lacht, und wer lacht ist des Teufels.“

Die Repression durch die Kirche wurde aber von den Scholaren und Vaganten heftig persifliert, Hohn und Spott ergossen sich über die Kurie, die als geldgieriger Moloch attackiert wurde. „Man dichtete Säufer- und Trinkermessen, die den Gottesdienst parodierten. P otemus, lasset uns saufen, heißt es dort anstelle von Oremus, und gebetet wird zu Bacchus: ‚0 Wirt des Bacchus, der du die Nüchternheit der Welt beseitigst, gib uns zu trinken‘.“ (Schmitz) In seiner Vagantenbeichte empfahl der Dichter Archipoeta eine probate Lösung zur Bewältigung der Existenzialien, die noch im 21. Jahrhundert überaus beliebt ist:

„Mein begehr und willen ist,

in der kneipe sterben,

wo mir wein die lippen netzt,

bis sie sich entfärben!

aller englein jubelchor

wird dann für mich werben:

‚laß den wackern zechkumpan,

Herr, dein reich ererben‘.“

Anlässe zu einer das Christentum parodierenden mittelalterlichen Lachkultur gab es zuhauf. Noch bis ins 19. Jahrhundert empfahl der Klerus seinen Schäfchen besonders lange, unterhalb der Füße knüpfbare Hemden für den Nachtschlaf der Kinder; es waren rückwärts zu schließende Zwangsjacken und Onanieverhinderungsgürtel mit Vorhängeschlössern. Kulmination aller moraltheologischen Repressionen war ein Kasten, schreibt Karlheinz Deschner, „der bei spontaner Versteifung des Gliedes Klingelalarm gab.“

In Frankreich wurde noch Mitte des 18. Jahrhunderts ein Sodomit wegen seiner großen Liebe zu einer Eselin gehängt. „Das Tier wurde allerdings fama salva freigesprochen mit der Begründung, es sei vergewaltigt worden und habe sich nicht freiwillig beteiligt - nicht willentlich gesündigt also. Die Priorin des örtlichen Nonnenklosters und mehrere Bürger der Stadt stellten der Genotzüchtigten ein so hervorragendes Leumundszeugnis aus, daß es über ihren Ruf, ihre Reputation, ihre moralische Bonität keinen Zweifel mehr gab. Sie unterzeichneten eine Zeugenerklärung des Inhalts, ‚daß besagte Eselin ihnen seit vier Jahren bekannt sei und sich stets, daheim und unterwegs, als tugendhaft erwiesen und nie bei irgend jemandem Anstoß erregt habe‘. Das Dokument beeinflußte, heißt es, entscheidend das Urteil des Gerichts“ (Deschner).

Auch der fromme Betrug mit Reliquien im Namen Petri gab immer wieder Gelegenheit zur allgemeinen Belustigung, etwa in einem Fall, wo bei 19 überprüften Heiligen insgesamt 121 Köpfe, 136 Leiber und eine stupende Fülle anderer Glieder zusammenkamen, die in aller Welt als ossile Wunder admiriert werden. Im 15. Jahrhundert wurde gar eine „Brüderschaft von der Heiligen Vorhaut“ gegründet, die, wie Deschner in seiner Schrift Obe n ohne mitteilt, durch spezielle Präputiumkapläne das angebliche Frenulum Christi einmal im Jahr triumphal durch die Gassen führen ließen. Heilige wie Katharina von Siena trugen Jesu Vorhaut gar als Verlobungsring am Finger. Noch 1874 beglückte dies Ringlein die beiden jungen Stigmatisierten Célestine Fenouil und Marie-Julie Hahenny. „Bei dieser sahen ihn gleich vierzehn Männer anschwellen und unter der Haut rot werden. Ihr Bischof war voll Begeisterung“, schreibt Deschner.

Weit weniger amüsant ist freilich die Tatsache, daß die damaligen Kirchenfürsten „nicht nur Mörder im großen Stil“ waren, wie der katholische Historiker Lord Acton konstatierte, sondern den Mord „zu einem Rechtsgrundsatz der christlichen Kirche und zu einer Bedingung für die Erlösung“ machten. Johannes XII. wurde wegen Meineid, Mord, Blutschande und Kirchenschändung angeklagt, seine Kurtisanen löhnte er mit Meßkelchen; Innozenz VIII. war für Tausende von Frauenmorden mitverantwortlich; der Ketzerverfolger Pius V. wurde für seine Verbrechen heiliggesprochen, ebenso der skrupellose Damasus, der durch Terror und Bestechung Papst geworden war. Pius IX. war ein erfolgreicher Mörder, ebenso Paul IV.; Urban VIII. war Bodenspekulant und Kriegstreiber; Leo IX. erklärte Priesterkonkubinen zu Kirchensklavinnen; Sixtus IV. verordnete 1476 das Dogma der Immaculata conceptio und beschlief seine Schwestern und Töchter; von seinen Hetären kassierte er jährlich 20.000 Golddukaten Luxussteuer.

Aber zurück zur mittelalterlichen Lachkultur, in der selbst Christus mitunter als Harlekin figuriert. Harvey Cox hat in seinem Buch Das Fest der Narren den Erlöser als einen verspotteten Narren gezeichnet, der verhöhnt und geschunden, aber niemals besiegt wird. Denn, und hier zitiert Cox aus dem ersten Brief des Paulus an die Korinther: „Die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind; und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.“ Für die frühen Christen müsse Jesus Christus etwas von einem heiligen Narren gehabt haben. „Darüber hinaus gibt es selbst im biblischen Bild Christi Züge, die ohne weiteres auf Symbole des Clowns hinweisen. Gleich dem Hofnarren spottet Christus jeder Sitte und verachtet gekrönte Häupter. Gleich einem wandernden Troubadour hat er keinen Ort, sein Haupt hinzulegen. Gleich dem Clown in der Zirkusparade verhöhnt er die gegebene Autorität, indem er in der Stadt einreitet, umgeben von königlichem Prunk, während ihm keine irdische Macht zur Verfügung steht. Wie ein Bänkelsänger besucht er Banketts und Parties. Zum Schluß wird er von seinen Gegnern in die Spottkarikatur königlicher Gewänder gekleidet. Unter Gekicher und Gespött wird er gekreuzigt, zu seinen Häupten ein Zeichen, das seinen lachhaften Anspruch deutlich macht.“

Der Clown unterliegt immer wieder, schreibt Cox, er wird überlistet, gedemütigt und herumgestoßen, er ist unendlich verwundbar, aber er wird nie endgültig besiegt. Cox meint, es falle vielen Leuten immer noch schwer, die Religion als Form des Spiels zu sehen. „Die Schwierigkeit hat zwei Ursachen. Erstens wurden sie gelehrt, ‚dem Spiel‘ einen sehr niedrigen Wichtigkeitsgrad zuzumessen. Darin drückt sich jedoch ein Vorurteil der industriellen Gesellschaft aus, das keineswegs ein allgemeines Urteil bedeutet. Plato bezeichnete in seinen ‚Gesetzen‘ den Gottesdienst nicht nur als eine Art Spiel, sondern lehrte auch, daß ‚das Leben als Spiel gelebt werden muß‘. Zweitens sind viele der Meinung, man könne das Spiel nicht ‚ernst‘ nehmen. Diese Kritiker haben offenbar noch nie einen Meisterschaftskampf in Bridge beobachtet. Der Mensch kann das Spiel sehr ernst nehmen und kann sogar die ernstesten Dinge spielerisch bewältigen.“

Für Cox ist das Gelächter der Hoffnung letzte Waffe. „Auf allen Seiten bedrängt von Idiotie und Gemeinheit, zu dem Zugeständnis genötigt, daß wir offenbar unter dem letzten Gericht stehen, pflegen wir nichtsdestoweniger das Lachen als unsere letzte Zuflucht. Unter Unglück und Sterben lachen wir, statt uns zu bekreuzigen. Oder, vielleicht richtiger gesagt, unser Lachen ist unsere Art, uns zu bekreuzigen. Es zeigt, daß wir - trotz des Verschwindens jeder Erfahrungsgrundlage für die Hoffnung - das Hoffen nicht aufgegeben haben.“

Es gab im Mittelalter auch außerhalb des karnevalesken Treibens eine Fröhlichkeit, die als Ausdruck christlicher Spiritualität galt und in den Reliefbildern gotischer Kathedralen ebenso in Erscheinung tritt, wie in der bildenden Kunst, der Buchmalerei und der Musik. Jacques Le Goff schreibt: „Der Mönch als Inbegriff des weltflüchtigen, ‚weinenden Menschen (homo lugens)‘ zeigte manchmal auch das heitere Gesicht des hom o risibilis, also des Menschen, der im Unterschied zu allen anderen Lebewesen zu lachen vermag.“

Tatsächlich kannte das Mittelalter eine bunte Lach- und Karnevalskultur, in der die Narrentage, festa stultorum, mit Narrenpapst, Narrenbischof und Narrenabt begangen wurden, es waren die „Eselstage“, das „Osterlachen“, risu s paschalis und viele andere. In ihnen wurde der Sieg über die Angst, über Hölle, Tod und Teufel gefeiert, über Verbote, Lüge, Zwang, Heuchelei und Einschüchterung. „Das mittelalterliche Lachen besiegte die Angst vor dem Geheimnis der Welt und der Macht und zeigte furchtlos die Wahrheit über beide“, protokollierte Michail Bachtin. „Es behauptete sich gegen Lüge, Schmeichelei und Heuchelei. Die lachende Wahrheit ging mit Flüchen und Schimpfworten gegen die Macht an; einer ihrer Repräsentanten war der Narr.“

Die Freiheit des karnevalistischen Lachens setzte die hierarchischen Schranken vorübergehend außer Kraft und sanktionierte symbolisch den Sieg über Macht und Gewalt der weltlichen Potentaten, über alles was knechtet und begrenzt. „Der Karneval vereinigt, vermengt und vermählt das Geheiligte mit dem Profanen, das Hohe mit dem Niedrigen, das Große mit dem Winzigen, das Weise mit dem Törichten“, schreibt Bachtin. Der mittelalterliche Mensch habe im Lachen den Sieg über die Furcht vor allem Geheiligten und Verbotenen empfunden, vor der Macht Gottes und vor der Macht der Menschen, vor den autoritären Geboten und Verboten, vor Tod und Vergeltung im Jenseits und vor der Hölle.

Der lachende Narr des Mittelalters fungierte als Träger einer objektiv abstrakten Wahrheit, in der alles Drohende als lächerlich erscheint. In den volkstümlichen Ritualen des Karnevals wurde das utopische Potential der Menge freigesetzt, die Vision einer besseren Zukunft und einer Wiederkehr des „Goldenen Zeitalters“ imaginiert. „Denn nur die im Lachen hervorgebrachte Kultur reflektiert das Werden, den Umbruch, die Schwelle, die Wiederkehr, das Nicht-Ende“, betont Renate Lachmann. „Das Lachprinzip garantiert die Regeneration des Gattungskörpers, die Akkumulation der Kulturerfahrung als Gedächtnis, das sich zyklisch in den konkreten Formen der Karnevalsriten als antieschatologische Verheißung zum Ausdruck bringt.“

Das mittelalterliche Lachen fand in dem volkstümlichen Roman Gargantua und Pantagruel von François Rabelais seinen höchsten Ausdruck, glaubt Michail Bachtin. Die Heldentaten der beiden Protagonisten haben Geister wie Molière, La Fontaine und Swift ebenso beeinflußt wie Goethe, Wieland, Jean Paul und, in unseren Tagen, Arno Schmidt und Arno Holz. Der Roman sprüht vor Witz und skatologischer Komik, ob es das Kotwerfen im Charivari-Ritual ist, der Narrenbischof, der statt Weihrauch seine Fäzes schwenkt, oder die Urinüberschwemmung im Lager des Königs Anarchos. In einer Episode lädt der Autor seine Leser zum Umtrunk ein, verbittet sich aber die Teilnahme von Parasiten, Heuchlern, Intriganten u.a.:

„Hebt euch von hinnen, ihr Köter! Aus dem Weg, geht mir aus der Sonne, Mönchsbrut, schert euch zum Teufel! Kommt ihr arschwackelnd hier angepirscht, bemäkelt meinen Wein und bepißt mir mein Faß? Seht hier den Stecken, den Diogenes in seinem Letzten Willen nach seinem Tod neben sich zu legen befahl, damit diese Leichenlarven und Höllenhunde zu verjagen und kreuzlahm zu bleuen. Platz da, Muckergezüchte! Jagt die Schafe, Köter! Packt euch, Wölfe im Schafspelz, in drei Teufels Namen! Seid ihr immer noch da? Meinen Teil an Papimanien geb ich dran, wenn ich euch schnappe. Kss! Kss! Ksssss! Vorwärts! Los! Trollen sie sich bald? Daß ihr doch nie scheißen könntet, als wenn man euch das Leder blutig gerbt, nie brunzen als auf der Wippe, nie warm kriegen, als wenn man euch durchwalkt.“

Für La Bruyère waren solche Szenen, die er „Freuden des Pöbels“ nannte, bloß „schmutzige Verdorbenheit“ und für den Abbé Galiani war die Obszönität Rabelais‘ naiv. „Sie gleicht dem Hintern eines armen Mannes.“ Für derlei Akte des koprophilen Humors hatte man im 18. Jahrhundert keinen Sinn mehr. Voltaire notierte 1734 in seinen Lettre s Philosophiques: „Rabelais entwickelt in seinem extravaganten und unverständlichen Buch eine extreme Heiterkeit und außerordentliche Vulgarität; er verschüttet mit vollen Händen Belesenheit, Schmutz und Langeweile, eine gut erzählte Passage von zwei Seiten muß mit einem ganzen Band voller Unsinn bezahlt werden. Einige Leute mit einem absonderlichen Geschmack bestehen darauf, das ganze Buch in all seinen Seiten zu verstehen und zu schätzen, während der Rest der Nation über Rabelais‘ Witze lacht und dem Buch skeptisch gegenübersteht. Man lobt Rabelais als den besten Narren und bedauert, daß ein so kluger Mensch seinen Verstand so unwürdig einsetzt. Rabelais ist ein besoffener Philosoph, der nur im Rausch schreibt.“

Einige Dekaden nach Rabelais erschienen die Essays von Michel de Montaigne, in denen die Menschheit panurgisch-grobianisch und moralsatirisch karikiert wird. „Die Menschen sind wahnsinnig! Sie können nicht einmal einen elenden Wurm herstellen und hören nicht auf, Götter zu schaffen!“ Der melancholische Philosoph des französischen Späthumanismus beschrieb den Eigendünkel des Menschen als dessen „natürliche Erbkrankheit“. Das jämmerlichste, zerbrechlichste Geschöpf unter allen ist für ihn der Mensch, und zugleich das hochmütigste. „Es fühlt und sieht sich hienieden im Staub und Auskehricht hingeworfen und angebunden und genietet an die schlechteste, unbeseelteste und der Verwesung nächste Klasse aller Tiere der ganzen Schöpfung im untersten Stockwerk ihres Gebäudes, und am entferntesten von der Feste des Himmels, und doch will es sich anmaßen, sich über den Kreislauf des Mondes hinauf zu setzen, und den Himmel zum Schemel seiner Füße zu machen. Es ist durch den Dünkel dieser Einbildung, daß es sich Gott gleichstellt.“

Schon vor Montaigne trat der Straßburger Stadtschreiber Sebastian Brant mit seinem Buch vom Narrenschiff auf den literarisch-satirischen Plan und erklärte: „Narren, Narren insgemein! Alle Straßen, Gassen sind voll von Narren, und die Welt will betrogen und belogen - und nur mit Wahn geäfft und regiert sein!“ Unter Verwendung von Schwankdichtung und Ständesatire empfahl der elsäßische Endzeitprediger den Narren dieser Welt eine allgemeine Katharsis auf der Basis der alttestamentarischen Sapientia.

Wenig später wurden die Passagiere des Narrenschiffs in den Fastnachtsspielen des Hans Sachs personifiziert, und zwar als Narren der „Hoffart“, der „Geitzigkeyt“, der „Füllerey“ usw., wie es den mittelalterlichen Todsünden entsprach. In Sachs‘ Lehrstück Das Narren Schneyden wird den Toren zur Remission eine homöopathische Trinkkur mit Urin empfohlen:

„Seh hin vnd trink dein aygen Harm.

Dieweil er noch ist also warm!

So wem die Narrn in dir zabeln,

Wie Ameiß durch einander krabeln.“

Nach den Anfängen der commedia dell‘arte und der Epoche der commedia erudita, der ersten Till Eulenspiegel-Ausgabe und dem Erscheinen von Johann Fischart und Miguel de Cervantes auf dem Narrenplan, sind die deftigen Grobianus -Satiren von Friedrich Dedekind erschienen. Während in diesen Zwei Büchern über die Einfalt der Sitten die rüpelhaften, schamlosen, frechen und obszönen Manieren des Grobianus karikiert werden, tritt in Thomas Murners Schelmenzunft der Grobian in Gestalt einer Sau auf: „Sus, sauw / grobianus heißt eyn schweyn, / Der nüt kan, den eyn vnflat seyn...“. Zum Ausklang seiner Dedekind-Übertragung schreibt Caspar Scheidt:

„Vnd bitten Gott daß er vns geb

Daß man hie rein vnd nüchtern leb

Vnd sich die sünd nit meistern laß

Daß wir wandlen die rechte straß

On sünd vnd makel alle zeit

Hiermit beschleußt es Caspar Scheidt.“

DIE SATIRE IM BAROCK

„Die Geißel macht Striemen,

aber die Zunge zerschmettert die Knochen.“

Sir. 28,17

Ob Komik, Witz, Humor, Polemik: dem barocken Pasquillanten mit seinem Waffenarsenal aus Spießen, Ruten, Messern, Keulen, Pfeilen, „trunken von lyrischer Lust und kritischer Grausamkeit“ (Heine), sind keine Grenzen gesetzt in seiner literarischen Aggression. Denn die Satire will verletzen und zielt durch Demontage auf den Sieg der Ideale über die erbärmliche Wirklichkeit. Für den französischen Aufklärer Pierre Bayle stand fest, „daß ein Satirenschreiber, welcher die Ehre seiner Feinde durch Schmähschriften angreift, durch Stahl und Gift auch nach ihrem Leben streben würde, wenn er eben dieselbe Gemächlichkeit dazu hätte.“

In solcher Destruktion vermutete der Klerus stets den Fürst der Finsternis, den „Erzlügner“, über den Martinus Möller im 17. Jahrhundert notierte: „Denn der Teuffel heisset und ist ein Verleumbder von anfang / Denn er verkeret Gott dem HErrn seine Worte im Paradeiß. Denn da Gott sprach: Welches Tages du von dem Baum essen wirst / solt du deß Todes sterben. Da verkeret es der Teuffel / und sprach zu Adam und Eva: Ihr werdet mit nichte deß Todes sterben / sondern Gott weiß / daß / welches Tages jr davon esset / so werden ewer Augen auffgethan / und werdet sein / wie Gott / und wissen / was gut und böse ist.“

Das Verfahren des Satirikers zielt indessen auf Strafe und Reinigung durch literarische Medikation: er brennt Wunden aus und läßt zur Ader durch satirische Arznei, die eine allopathische Katharsis herbeiführen soll. Daniel von Czepko wußte:

„Wann aus der Miltze gleich die Schwermuth kommt gestiegen, Wird ein Gelächter sie doch alsobald besiegen, Denn Momus selber lacht, wenn er die Verse liest.“

Nach Johann Georg Sulzer sollte in der dramatisierten Satire „die Narrheit durch die Narrheit“ heilen, wie die Narrenspitale im 17. und 18. Jahrhundert illustrieren. Bei Johann Beer ist die Rede von „geborenen Narren“, „Weibernarren“, „Disputiernarren“, „Kleidernarren“ und „Modenarren“. Noch Jonathan Swift zählte die Hälfte der damaligen Bevölkerung Großbritanniens zu den psychisch unheilbaren Toren. Gegen diese helfen nur Brenneisen und Beizmittel, die als Analogon für extrem aggressive Schreibweisen galten. Sie repräsentierten den äußersten Grad an satirisch-literarischer Gewaltsamkeit in einem metaphorischen Modell, so Christoph Deupmann, „in dem chirurgische Maßnahmen von Verstümmelung kaum noch zu unterscheiden sind.“

Joachim Rachel, den Gottsched aufgrund seiner beißenden Rhetorik den „deutschen Lukian“ nannte, notierte über den sanativen Zweck der Satire:

„Ist dieser Eßig scharf, so ist er doch gesund,

Und beißt das faule Fleisch heraus bis auf den Grund.

Gleichwie Machaon brennt und heilt mit klugen Händen:

So mag auch ein Poet zwar strafen, doch nicht schänden.“

Jenseits solcher blutreinigenden Andragogik, in der man „keinen Stand ungeschoren läßt“, wie Erasmus von Rotterdam in seinem Lob der Torheit vermerkte, gibt es beim Satiriker auch ein erstaunliches Potenzial an Misanthropie. Karl Wilhelm Ramler schrieb in seiner Einleitung in die Schönen Wissenschaften: „Es scheint, daß in dem Herzen des Satirenschreibers ein gewisser Keim von Grausamkeit liegt, der sich mit den Gerechtsamen der Tugend bedeckt, um das Vergnügen zu haben, wenigstens das Laster zu geißeln. Es kömmt in diese Gesinnung Tugend und Bosheit hinein, Lust sich zu rächen, und eine Art von Verdrusse, daß man es nicht anders als durch Worte thun kann. Und wenn es sich zutragen sollte, daß die Satiren die Menschen besserten, so scheint es, daß alles, was der Satirenschreiber thun könnte, dieses wäre, daß er sich nicht darüber ärgerte.“

Ob der Pasquillant aus Neid, Rachgier oder sonstigen Gemütsbewegungen angetrieben wird, erweist sich erst im Umgangsstil mit seinem Objekt. Gottlieb Wilhelm Rabener erklärte 1755 in seinen Satiren: „Aus allgemeiner Menschenliebe fangen wir an, seine Fehler zu tadeln, und aus Eigenliebe fahren wir fort, ihn ohne Barmherzigkeit niederzureissen, so bald er Muth genug hat, sich zur Wehre zu setzen.“

Persönliche Rachsucht und Privataffekte machen die Legitimität des satirischen Verfahrens insofern bedenklich und moralisch fragwürdig. Am Ende dominieren nur mehr Ehrgeiz, Eitelkeit und Sucht nach Beifall. „Der Pasquillant verdient das Tollhaus“, schrieb Rabener, denn, so der Augustinermönch und Satiriker Abraham a Sancta Clara: „Die Auslacher und Spöttler hat GOtt noch selten auch auf dieser Welt ungestrafter gelassen.“ Wie Bonaventura in seinen Nachtwachen erklärte, war die neugeschaffene Erde „so empfindsam und gut eingerichtet, daß es dem Teufel, der sie einst zum Zeitvertreibe sich beschaute, zum Ärger gereichte; um sich an dem Werkmeister zu rächen, schickte er das Gelächter ab, und es wußte sich geschickt und unbemerkt in der Maske der Freude einzuschleichen, die Menschen nahmen‘s willig auf, bis es zuletzt die Larve abzog und als Satire sie boshaft anschaute.“

Das war ein Maskenspiel, wie es auch Jonathan Swift im 18. Jahrhundert inszeniert hat, als er, der irische Dechant und „größte Satiriker des christlichen Europa“, seinen Gulliver konzipierte. Gullivers Reisen nach Lilliput und Brobdignang demonstrieren recht eindringlich die Relativität aller menschlichen Werte. Swifts Freund Edward Young schrieb über das skeptisch-pessimistische Menschenbild dieses sa- tirisch-utopischen Reiseromans: „What a monster hast thou made of Human face divine?“ Namentlich Gullivers Reise ins Land der Houyhnhnms (sprich: Whinnims) - sanfte, zivilisierte und genügsame Pferde - verfolge den Zweck, „die menschliche Natur zu erniedrigen und zu verleumden.“ Dort nämlich kolonisiert die Paria-Rasse der Yahoos: abstoßende, affenähnliche Karikaturen des Menschen, die, gänzlich ohne Vernunft, nur von ihren Trieben beherrscht werden. Voller Ekel vor diesen Kreaturen wird der Protagonist zum Misanthropen und flüchtet sich in die Gesellschaft der Houyhnhnms.

[...]

Details

Seiten
138
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668179547
ISBN (Buch)
9783668179554
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318856
Note
Schlagworte
narren-kompendium witz komik humor kunst literatur wissenschaft

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Titel: Das Narren-Kompendium. Witz, Komik und Humor in Kunst, Literatur und Wissenschaft