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Struktur, Analyse und Verfassen einer Rezension zu dem Roman „Herkunft“ von Oskar Roehler

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Textsorte Rezension
2.1 Abgrenzung zur Literaturwissenschaft
2.2 Funktionen einer Rezension
2.3 Position des Kritikers
2.4 Struktur und Inhalte einer literaturkritischen Rezension
2.5 Stilistik einer Rezension

3. Analyse der Rezension „Von schlechten Eltern“ von Christopher Schmidt zu Oskar Roehlers Roman „Herkunft“ (www.sueddeutsche.de)
3.1 Makrostruktur
3.2 Einleitung
3.3 Bezug zu anderen Rezensionen
3.4 Story und Stil
3.5 Interpretation, Argumentation und Wertung
3.6 Stilistik
3.7 Zusammenfassung

4. Rezension zu Oskar Roehlers Roman „Herkunft“
4.1 Einleitung
4.2 Rezension: Von Sektkorken und ungewollten Kindern

5. Schlussbemerkungen

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit, die im Rahmen des Seminars „Literatur der Gegenwart“ im Praxismodul verfasst wird, beschäftigt sich mit dem Thema der Literaturkritik am Beispiel des im Herbst 2011 erschienenen Romans „Herkunft“ von Oskar Roehler. In einem ersten theoretischen Teil der Hausarbeit wird die Textsorte der Rezension vorgestellt, in den literaturkritischen Kontext eingeordnet sowie bezüglich Struktur, grundsätzlich vorhandener Inhalte und Stilistik erläutert. Anschließend wird die Rezension „Von schlechten Eltern“ zu Oskar Roehlers Roman „Herkunft“, verfasst von Christopher Schmidt, erschienen auf www.sueddeutsche.de, in Bezug auf die unter Punkt 2 aufgeführten Kriterien analysiert. In einem dritten Teil wird selbstständig eine Rezension zu o.g. Roman verfasst, abschließend die Ergebnisse der Hausarbeit in den Schlussbetrachtungen zusammengefasst und reflektiert.

2. Zur Textsorte der Rezension

2.1 Abgrenzung zur Literaturwissenschaft

In einem ersten Schritt und für die vorliegende[1] Arbeit grundlegend definiere ich die Textsorte der literaturkritischen Rezension in Abgrenzung zur Literaturwissenschaft. Die literaturkritische Rezension bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Literatur-wissenschaft, Literaturkritik und Journalismus; so ist es schwierig, sie einer dieser Fachrichtungen konkret zuzuordnen. Da sich die literaturkritische Rezension in ihren Funktionen, in ihrer Sprache wie auch im Adressatenkreis wesentlich von der literaturwissenschaftlichen Rezension unterscheidet, lege ich dieser Arbeit den Begriff der „populärwissenschaftliche[n] Rezension“[2] zugrunde, welche eher im Bereich des Journalismus als in der Literaturwissenschaft anzusiedeln ist, also nur allgemeinverständliche fachwissenschaftliche Termini verwendet, aber dennoch als Basis für literatur-wissenschaftliche Diskussionen dienen kann. Nichtsdestotrotz verfügen Rezensenten häufig über großes literaturwissenschaftliches Wissen, das überhaupt zur Bewertung eines literarischen Werkes befähigt – die Kunst im Verfassen einer literaturkritischen Rezension liegt gerade darin, dieses Wissen auf unterhaltsame und nicht wissenschaftliche Weise zu vermitteln. Die literaturkritische Rezension als journalistisches Genre wendet sich außerdem an eine andere Zielgruppe als die literaturwissenschaftliche Rezension: „Sie arbeitet für die Kunst, den Künstler und das Publikum“[3], was zum nächsten Punkt der Erläuterung der Textsorte Rezension führt.

2.2 Funktionen einer Rezension

Wie o.g. Zitat impliziert, kommt der literaturkritischen Rezension eine Mittlerrolle zwischen dem rezensierten Werk, dem Autor und dessen potenzieller Leserschaft zu. Sie verhilft dem besprochenen Titel sowie dem Autor zu Aufmerksamkeit und Publizität, vermittelt durch Interpretationsangebote und Wertungen zwischen Werk und Publikum, das wiederum durch die Rezension die Möglichkeit hat, sich zu informieren und im Endeffekt zu konsumieren.

Neuhaus unterscheidet zwischen vier Funktionen der Literaturkritik: So nennt er die „Orientierungsfunktion“, die „Informationsfunktion“, die „Kritikfunktion“ und die „Unterhaltungsfunktion“[4]. Diesen kommunikativen Funktionen entsprechend bieten Rezensionen Orientierungshilfe bei den zahllosen Neuerscheinungen auf dem Buch-markt; auch wenn nur ein Bruchteil der jährlichen Neuerscheinungen rezensiert wird bzw. werden kann, geben sie doch einen wichtigen Einblick in die aktuelle literarische Produktion. Diese Funktion wird „in der Kommunikationswissenschaft mit dem Begriff des „Gate-keepers“ bezeichnet“[5]. Rezensionen informieren didaktisch-vermittelnd über Inhalt und Thematik eines Buches, dabei werden auch Informationen über den Autor mitgeteilt. Essentieller Bestandteil einer Rezension ist die Wertung, die durch die Kritikfunktion erfasst wird. Hier erhält der Leser die Möglichkeit, sich zur Lektüre eines Buches zu entscheiden oder nicht. Der Kritiker selbst sollte sich hierbei bewusst sein, dass eben diese Funktion – gerade wegen der Macht, die sie über den Buchmarkt ausüben kann – großes Problempotenzial in sich birgt und den Kritiker in seinem Ethos besonders verpflichtet, argumentativ, besonnen und informiert zu schreiben sowie Deutungs- sowie Interpretationspotenziale des Buches nicht für sich allein zu beanspruchen, sondern demgegenüber große Offenheit walten zu lassen. Nicht zuletzt ist es die Unterhaltungs-funktion, die bei der Literaturkritik im Allgemeinen und der Rezension im Spezifischen nicht außer Acht gelassen werden sollte. Einerseits zeigt sich diese in der Sprache, in der Rezensionen verfasst werden und die durchaus einen literarischen Wert haben darf und sollte, also selbst unterhaltend fungiert, andererseits in den verschiedenen Formaten, in denen Literaturkritik betrieben wird: Im Feuilleton, im Fernsehen, im Radio und im Internet sind Auflage, Publikum und Quote und allgemein gesprochen mediale Aufmerksamkeit von zentraler Bedeutung für die Betreiber literaturkritischer Formate. Auch hier besteht ein wesentlicher Unterschied zur literaturwissenschaftlichen Rezension. Ergänzend zu diesen vier Funktionen zählt Anz außerdem die „Selektions-funktion“ sowie die „reflexions- und kommunikationsstimulierende Funktion“[6] zu den grundlegenden Intentionen einer Rezension. In der Vorauswahl, die ein Kritiker bzgl. der zu rezensierenden Bücher trifft sowie in ihrer Bewertung, liegt Erstere begründet; Letztere stimuliert die öffentliche Diskussion über das aktuelle literarische Schaffen und fördert „die selbstreflexiven Prozesse innerhalb des Literatursystems.“[7]

[...]


[1] Für einen weitergehenden Einblick zu diesem Kapitel siehe auch Anz, Theorien und Analysen, S.198-204.

[2] Klauser, Fachsprache, S. 51.

[3] Brendel, Detlef und Grobe, Bernd: Journalistisches Grundwissen. Darstellung der Formen und Mittel journalistischer Arbeit und Einführung in die Anwendung empirischer Daten in den Massenmedien. München 1976, S.57, zit. nach Neuhaus, Literaturkritik, S.137.

[4] Neuhaus, Literaturkritik, S.167-169.

[5] Ebd., S. 167.

[6] Anz, Theorien und Analysen, S.195f.

[7] Ebd., S.196.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668179226
ISBN (Buch)
9783668179233
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318783
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Literaturkritik Herkunft Oskar Roehler Rezension Literatur

Autor

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