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Die Fußgelenksstabilität im Fußball verbessern. Empirische Studie zu einem sensomotorischen Aufwärmprogramm mit terrasensa®

Bachelorarbeit 2014 60 Seiten

Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

2. Koordinative Fähigkeiten und Stand der Wissenschaft
2.1 Begriffsbestimmung und Bedeutung
2.2 Koordinative Fähigkeiten im Überblick

3. Koordinationstraining im Fußball
3.1 Propriozeptives Training
3.2 Sensomotorisches Training
3.3 Stabilisationstraining

4. Therapie- und Trainingsgerät terrasensa®

5. Koordinationstraining: Konzeption und Befunde einer empirischen Analyse
5.1 Untersuchungsdesign und Aufbau der Studie
5.2 Struktur und Inhalte des sensomotorischen Programms
5.3 Das Testverfahren: Sensomotorisches Diagnostikgerät

6. Statistische Auswertung
6.1 Beschreibung des Datensatzes
6.2 Deskriptive Analyse – Test auf Normalverteilung
6.3 Test auf verbesserte Sensomotorik

7. Diskussion der Ergebnisse

8. Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

Fachbücher

Fachzeitschriften

Online-Quellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das sensomotorische System (Gruber 2001, S. 6).

Abbildung 2: Die terrasensa® Strukturbodenplatte mit ihrer unebenen Oberfläche (www.terrasensa.de).

Abbildung 3: Sensomotorisches Training mit den terrasensa® Bodenplatten (eigene Darstellung).

Abbildung 4: Kniehebellauf mit dem sensomotorischen Trainingsgerät (eigene Darstellung).

Abbildung 5: Seitliche Bewegung auf den Bodenplatten (eigene Darstellung).

Abbildung 6: Die Challenge Disc der Firma MFT (eigene Darstellung).

Abbildung 7: Die Coordi-Software mit Darstellung der Schwierigkeitsstufen (eigene Darstellung).

Abbildung 8: Boxplot für die Auswertung der erzielten Daten.

Abbildung 9: Kurvenverläufe Kontrollgruppe, beidbeinige Tests.

Abbildung 10: Kurvenverläufe Testgruppe, beidbeinige Tests.

Abbildung 11: Kurvenverläufe Kontrollgruppe, Tests linker Fuß.

Abbildung 12: Kurvenverläufe Testgruppe, Tests linker Fuß.

Abbildung 13: Kurvenverläufe Kontrollgruppe, Tests rechter Fuß.

Abbildung 14: Kurvenverläufe Testgruppe, Tests rechter Fuß.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Sensomotorische Trainingsmittel im Fußball (Hottenrott, Suslik 2011, S. 63).

Tabelle 2: Mittelwerte und Standardabweichungen zusammengefasst, Kontrollgruppen U19 & U23.

Tabelle 3: Mittelwerte und Standardabweichungen zusammengefasst, Testgruppen U19 & U23.

1. Einleitung und Problemstellung

Fußball gehört nicht nur zu den populärsten, sondern auch zu den komplexesten Sportarten, die es gibt. Von den Spielern werden eine außergewöhnlich hohe und intensive Körperwahrnehmung sowie eine gute räumliche Orientierung verlangt. Der Umgang mit dem runden Spielgerät erfordert darüber hinaus ein Höchstmaß an Feinkoordination der unteren Extremitäten. Von zentraler Bedeutung ist dabei das Fußgelenk. Sei es das Sprinten, abruptes Abstoppen oder generell schnelle Richtungswechsel, das Springen zum Kopfball oder jegliche Form von Ballannahme, Zuspiel oder Schuss – alle möglichen Bewegungsabläufe im Fußball beziehen den Fuß und das Sprunggelenk mit ein. So verwundert es nicht, dass sich im Profifußball für diesen Körperbereich auch ein hohes Verletzungsrisiko findet. Der Fußballweltverband FIFA (Fédération Internationale de Football Association) gründete Mitte der 90er-Jahre eine eigene medizinische und wissenschaftliche Kommission (FIFA Zentrum für medizinische Auswertung und Forschung, F-MARC), die zur Verbesserung der Verletzungsprävention im Fußball beitragen sollte. In den vergangenen fünfzehn Jahren wurde von dieser Institution eine große Anzahl an medizinisch-wissenschaftlichen Studien zum Thema Verletzungen im Fußball durchgeführt und publiziert (vgl. Papst 2010, S. 7).[1] In Bezug auf das Verletzungsaufkommen von Fußballspielern kam heraus, dass die Verstauchung des Sprunggelenks die im Fußball häufigste Verletzung ist (vgl. Hottenrott, Suslik 2011, S. 62). Gleiches kann ebenso für viele andere Sportarten bestätigt werden. Wie kommt es zu diesen gehäuften verletzungsbedingten Ausfällen bei Fußballern?

Als Hauptursache wird das Wegknicken der Fußsohle genannt, wodurch dann die Bänder an der Außenseite des Sprunggelenks überdehnt werden oder sogar reißen. Oft sind es Unebenheiten auf dem Spielfeld oder die abrupten Richtungswechsel und Zweikämpfe der Spieler, die z.B. nach einem Sprung das Verletzungsrisiko erhöhen. Aufgrund der bereits beschriebenen Wichtigkeit des Fußes als primäres Körperteil im Fußball, ist es umso verständlicher, dass eine Sprunggelenksverletzung „erhebliche Konsequenzen für die Leistungsfähigkeit und damit für die sportliche Zukunft eines Athleten in kurz-, mittel- und langfristiger Hinsicht haben“ kann (Lohrer, Alt, Gollhofer & Rappe 2000, S. 196). Denn ist es einmal zu einer Fußgelenksverletzung gekommen, ist die erneute Verletzungsanfälligkeit generell erhöht und der weitere Karriereweg als Fußballprofi durchaus gefährdet.

Auf dieser Basis erscheint es als äußerst relevant und wichtig, wie man die Fußgelenks-stabilität bei Fußballspielern nachhaltig erhöhen und somit eine verbesserte Verletzungs-prävention für diesen Bereich des Körpers erreichen kann. Dabei geht es nicht nur um eine Frage der Verantwortung den Spielern gegenüber, dass diese gesundheitlich bestmöglich abgesichert und durch zielführendes und sportartenspezifisches Training optimal für sportliche Höchstleistungen vorbereitet sind. Es geht zusätzlich auch um einen rein wirtschaftlichen Aspekt, der aufgrund der anfallenden finanziellen Kosten, die einerseits durch medizinische Behandlungen, Physiotherapie und Reha-Maßnahmen sowie anderseits durch Gehaltszahlungen des Vereins an den verletzten Spieler ohne erbrachte Leistung, entstehen. Diese Kosten sind insbesondere im Profifußball nicht zu unterschätzen.[2] Um dem Ziel der Verringerung von Fußgelenksverletzungen im Fußball näher zu kommen, konzentriert sich diese Arbeit auf den Bereich der koordinativen Fähigkeiten. Im Fußballtraining hatten und haben die Verbesserung der konditionellen Fähigkeiten wie Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und Schnelligkeit immer einen größeren Stellenwert als die Koordination. Dabei ist der positive Nutzen gut ausgebildeter koordinativer Fähigkeiten und der dadurch erhöhte Wirkungsgrad der konditionellen Fähigkeiten längst anerkannt und von jedem Spieler geschätzt. Nicht umsonst werden die koordinativen Fähigkeiten als die Grundlagen und das Bindeglied eines optimalen Fußballtrainings bezeichnet, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und Verletzungen zu vermeiden (vgl. Buschmann, Bussmann & Pabst 2009, S. 9). Demnach sind Defizite in den motorischen und koordinativen Fähigkeiten mit einem erhöhten Verletzungsrisiko assoziiert. Umgekehrt wird das Verletzungsrisiko durch die Verbesserung der motorischen und koordinativen Fähigkeiten gesenkt (vgl. Lisman, O`Connor, Deuster & Knapik 2013, S. 642 und Kiesel, Butler & Plisky 2013, S. 46). Ein regelmäßiges und sinnvolles Koordinationstraining hat daher ein großes Potential zur Reduzierung von Verletzungen und deren Prävention. Koordinative Fähigkeiten besitzen deshalb eine zentrale Bedeutung in der hier präsentierten Analyse. Die vorliegende Arbeit beinhaltet in ihrem methodischen Vorgehen eine empirische Studie zu einem sensomotorischen Aufwärmprogramm mit dem Sportgerät terrasensa®. Diese speziellen Strukturbodenplatten könnten mit ihren unregelmäßigen Wölbungen und vielen verschiedenen Unebenheiten eine sinnvolle Ergänzung zum Training der koordinativen Fähigkeiten bieten. Inwieweit dies zutrifft und ob es sich darüber hinaus um einen erfolgreichen Ansatz zur Verbesserung der Fußgelenksstabilität im Fußballsport handelt, bleibt im Zuge dieser Arbeit zu klären. Um die Verletzungsprävention und Leistungsoptimierung eines Spielers im Training wie auch im Spiel erreichen zu können, müssen die Gelenke der unteren Extremität in sehr kurzer Zeit reflektorisch und über neuromuskuläre Aktivierung stabilisiert werden können (vgl. Turbanski, Schmidtbleicher 2009, S. 175). Die verbesserte Ansteuerung der Muskulatur bedeutet daher eine erhöhte Körperkontrolle, die es zu erreichen gilt. Derartige Möglichkeiten könnten sich durch das Training auf den terrasensa® Bodenplatten eröffnen. Dieser Arbeit liegen deshalb die folgenden zentralen Fragestellungen zugrunde:

1. Können die komplexen koordinativen Fähigkeiten durch ein fünfwöchiges fußballspezifisches Aufwärmprogramm auf den terrasensa® Bodenplatten verbessert werden?
2. Kann durch ein solches sensomotorisches Training die Fußgelenksstabilität erhöht werden und dadurch eine Verringerung von Verletzungen in den unteren Extremitäten erreicht werden?

Wie Lohrer et al. (2000, S. 197) betonen, ist das Themengebiet dieser Fragestellungen sicher kein neues: Zahlreiche Autoren haben sich in der Vergangenheit mit der monokausalen Analyse der externen und internen, aktiven und passiven Mechanismen der Sprunggelenksstabilisierung auseinandergesetzt. Zielgrößen waren bei diesen Untersuchungen und Analysen z.B. die Gelenkbeweglichkeit, die Bandspannung oder auch die sportmotorische Leistungsfähigkeit, so dass sich die bisherige Forschung größtenteils auf die monokausale Analyse dieser Einflussgrößen konzentrierte (vgl. Lohrer et al. 2000, S. 197). Außerdem lässt sich beobachten, dass in der Vergangenheit oft nur Studien über die Epidemiologie oder mögliche Risikofaktoren und Charakteristika von Sprunggelenksverletzungen im Fußball angefertigt worden sind (vgl. Papst 2010, S. 9). In der vorliegenden Arbeit sollen weniger die möglichen Ursachen oder die reine Epidemiologie untersucht werden, als vielmehr die Möglichkeiten zur Prävention solcher Verletzungen im Fokus stehen. Zentrale These ist dabei die Verbesserung koordinativer Fähigkeiten, die möglicherweise eine wirksame und effektive Präventionsmaßnahme darstellen könnte. Um eine adäquate Bearbeitung der Fragestellungen gewährleisten zu können, muss neben den Ergebnissen der Studie auch auf Fachliteratur zurückgegriffen werden. Das Standardwerk von Schnabel, Harre, Krug und Borde (2005) liefert wichtige Grundsatzinformationen. Bezüglich der koordinativen Fähigkeiten und des Koordinations-trainings im Fußball werden besonders die Ausführungen von Weineck, Memmert und Uhing (2012) verwendet. Auch Hottenrott wird mit Beiträgen diese Arbeit inhaltlich unterstützen. Als explizites Werk sei zu Beginn „Fußball interdisziplinär“, herausgegeben von Gabriele Neumann und Peter Stehle, genannt, das mit verschiedenen Studien und Beiträgen die Themen- und Fragestellungen dieser Arbeit sehr gut aufgreift. Um alle aufgeworfenen Fragen beantworten zu können, müssen außerdem verschiedene Arbeitsschritte unternommen werden. Die Arbeit wird deshalb wie folgt strukturiert: Im ersten folgenden Teil werden die koordinativen Fähigkeiten genauer betrachtet und vorgestellt. Im zweiten Kapitel werden die Bestimmung der Begrifflichkeiten und einer möglichen Systematisierung der koordinativen Fähigkeiten im Vordergrund stehen. Im dritten Kapitel widmet man sich dann dem Koordinationstraining im Fußball. Hier werden gezielt propriozeptives, sensomotorisches und Stabilisationstraining unterschieden und nacheinander beleuchtet. Ebenso werden Gemeinsamkeiten und Überschneidungen aufgezeigt. Anschließend wird im vierten Kapitel das Therapie- und Trainingsgerät terrasensa® Gegenstand der Arbeit sein. Es handelt sich dabei um das zentrale Trainingsgerät der vorliegenden Bachelorarbeit und soll daher separat vorgestellt werden. Das fünfte Kapitel steht ganz im Zeichen der Studie. Nachdem das Untersuchungsdesign und die Rahmenbedingungen der angestellten Untersuchungen vorgestellt wurden, wird sich mit den konkreten Inhalten des sensomotorischen Trainingsprogramms auf den terrasensa® Strukturbodenplatten beschäftigt. Die durchgeführten Übungen sind für einen möglichen Erfolg und positive Auswirkungen in Hinblick auf die Steigerung der Koordinationsfähigkeit und einer Verletzungsprävention entscheidend. Im Anschluss daran gilt es, dass sensomotorische Diagnostikgerät zu beschreiben, das die Eingangs- und Abschlussdaten der Sportler ermittelte und somit die Grundlage zur Datenanalyse legte.

Die Ergebnisse der einzelnen Spieler wurden durch einen Standstabilisationstest auf der Challenge Disc, die von der Firma MFT (Multifunktionale Trainingsgeräte GmbH) bereitgestellt wurde, erzielt. In Verbindung mit dem Software-Programm Coordi konnten die Messwerte dargestellt werden. Das sechste Kapitel beinhaltet darauf aufbauend die statistische Datenanalyse. Der Datensatz wird beschrieben, die deskriptive Analyse wird vorgenommen und der Test auf Normalverteilung wird durchgeführt. Zielsetzung im Rahmen des Unterkapitels 6.3 ist es, die Befunde und Ergebnisse der empirischen Analyse kompakt darzulegen. Dazu werden Diagramme vorgestellt, die durch die jeweiligen Kurvenverläufe die erhaltenen Daten graphisch wiedergeben und vergleichbar machen. Die Untersuchungsergebnisse werden dadurch besser verdeutlicht. Das folgende Kapitel diskutiert dann die erzielten Ergebnisse und bettet sie in die Aussagen einiger anderer ähnlicher Studien mit ein. Somit werden die in dieser Arbeit getroffenen Aussagen untermauert und gestützt. In einem letzten Schritt wird eine Zusammenfassung präsentiert, die in Kombination mit einem Fazit und einem Ausblick die Arbeit inhaltlich abrundet.

2. Koordinative Fähigkeiten und Stand der Wissenschaft

Die Begrifflichkeit der „koordinativen Fähigkeiten“ stellt in der Sportwissenschaft keinen fest abgegrenzten oder gar überall einheitlich verstandenen Bereich dar. Nach Wollny (2012, S. 58) wie auch nach Hottenrott und Neumann (2010, S. 202) ist man sich in der Bewegungswissenschaft des Sports darüber einig, dass der Kenntnisstand im Bereich der koordinativen Fähigkeiten zum aktuellen Zeitpunkt einem „inkompletten Mosaik“ vergleichbar erscheint. Einige der Bereiche der koordinativen Fähigkeiten sind im Gegensatz zu den konditionellen Fähigkeiten – wie Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit – noch lückenhaft und gelten gleichermaßen als wenig wissenschaftlich abgesichert oder geprüft. Trotz dieser Problematik setzen viele Trainer und Sportler auf koordinative Trainingsinhalte und greifen dabei auf Alltagswissen, Beobachtungen und allgemein positive Rückmeldungen zurück. Rein wissenschaftlich gesehen sind jedoch immer noch viele Fragen zu diesem Gebiet offen: Sie bieten die Grundlage für kontroverse Diskussionen (vgl. Wollny 2012, S. 233). Auch wenn der Bereich der koordinativen Fähigkeiten teilweise noch nicht wissenschaftlich erarbeitet oder durch Theorien abgedeckt ist, so lässt sich doch mit ziemlicher Sicherheit folgendes feststellen: Für die allgemeine motorische Leistungsfähigkeit und Disponibilität, wie auch für die Schaffung einer vielseitigen koordinativ-motorischen Basis und der Ermöglichung einer umfassenden sportlichen Grundausbildung haben die koordinativen Fähigkeiten eine zentrale und immens wichtige Bedeutung (vgl. Schnabel, Harre, Krug & Borde 2005, S. 129). Nicht zuletzt sind sie es, die vielleicht auch einen großen Anteil an der Leistungsoptimierung und der allgemeinen Verletzungsprävention im Fußball haben könnten.

2.1 Begriffsbestimmung und Bedeutung

Was genau ist Koordination und was sind koordinative Fähigkeiten? Wie bereits gesagt, sind diese Fragen wissenschaftlich weder eindeutig beantwortet, noch von einer einheitlichen und anerkannten Sichtweise gekennzeichnet. Stattdessen existieren viele verschiedene Meinungen zu diesem Themengebiet, von denen einige wichtige hier vorgestellt werden sollen. Geschichtlich gesehen haben die koordinativen Fähigkeiten eine wechselvolle und teilweise auch widersprüchliche Entwicklung durchlaufen (vgl. Schnabel, Harre & Krug 2011, S. 135). Bis in die 1990er Jahre sprach man in der Sportwissenschaft zumeist von einer koordinativ bedingten Bewegungseigenschaft, der sogenannten „Gewandtheit“. Unter Gewandtheit wurde allseits die Fähigkeit der schnellen und zweckmäßigen Lösung von komplexen motorischen Aufgaben verstanden. Es handelte sich also um eine Art Fähigkeit, sich aus jeder beliebig wechselnden Spielsituation einen bewegten Ausweg zu verschaffen (vgl. Meinel, Schnabel 2007, S. 212). Ebenso dazu gehörte die Fähigkeit, sportliche Bewegungsabläufe relativ schnell und sicher zu erlernen. Im heutigen Alltagsgebrauch wie auch als wissenschaftlicher Terminus hat sich der Begriff der Koordination durchgesetzt. Ihn definieren Hottenrott und Neumann (2010, S. 202) ganz grundsätzlich als „das Zusammenwirken von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufs“. Häfelinger und Schuba (2013, S. 16) ergänzen diese Definition um den Zusatz, dass dabei das Zentralnervensystem als Steuerungsorgan und die Skelettmuskulatur als Ausführungsorgan begriffen werden kann. Koordination beinhaltet somit alle Prozesse der Bewegungskontrolle und macht jede Bewegung zu einer Einheit. Dieser Gedankengang lässt sich auch bei Bernstein (1975, S. 77) finden, der Koordination als jene Fähigkeit beschreibt, die der Bewegung ihre strukturelle Einheit und damit ihren ganzheitlichen Charakter verleiht und sichert. Damit werden die grundlegende Bedeutung und die Basisrolle, die der Koordination und den koordinativen Fähigkeiten zukommt, sehr deutlich. Statt sie als spezielle Erweiterung im Trainingsprozess zu verstehen, sollte die Koordinationsfähigkeit viel eher in den Komplex der motorischen Basisfähigkeiten eingeordnet werden. Sie hat eine Voraus-setzungsfunktion für die Entwicklung von Kraftfähigkeiten, Schnelligkeit und Ausdauer-fähigkeiten und bildet die Grundlage für jedes sportmotorische Lernen (vgl. Hottenrott, Neumann 2010, S. 203). So liefern die Autoren Hottenrott und Neumann noch die folgende, wesentlich umfangreichere Definition zum Begriff der koordinativen Fähigkeiten:

„Die koordinativen Fähigkeiten sind ein eigenständiger Bestandteil der motorischen Basisfähigkeiten und äußern sich im Prozess der Informationsaufnahme (Sensorik), Informationsverarbeitung und -speicherung sowie der Informationsumsetzung (Sensomotorik). Im Sport repräsentieren sie technikübergreifende Leistungs-voraussetzungen und haben unmittelbaren Einfluss auf die Ausprägung von Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Ausdauer.“ (Hottenrott, Neumann 2010, 203)

Ohne koordinative Fähigkeiten können demnach kaum Fortschritte auf den genannten konditionellen Gebieten realisiert werden. Neben diesem stellt die These der Arbeit einen weiteren Zusammenhang auf, indem sie in der Ausbildung von verbesserten koordinativen Fähigkeiten die Möglichkeit zur Verletzungsprävention im Bereich des Fußgelenkes sieht. Eine Steigerung der Koordinationsfähigkeiten könnte im Zuge eines sensomotorischen Aufwärmprogramms mit den terrasensa® Reliefbodenplatten erreicht werden. Die Richtigkeit dieser Zusammenhänge gilt es im Rahmen der vorliegenden Studie zu prüfen. Unbestritten ist, dass koordinative Fähigkeiten den einzelnen Spieler befähigen, motorische Aktionen in vorhersehbaren wie auch in unvorhersehbaren Situationen sicher und ökonomisch zu beherrschen (vgl. Weineck, Memmert & Uhing 2012, S. 17). Dieses schnelle und handlungssichere Auftreten des Sportlers verhindert Verletzungen und wird durch eine stets trainierte und dadurch aufrechterhaltene Koordinationsfähigkeit ermöglicht. Ein weiteres Ziel der koordinativen Fähigkeiten ist u.a. das beschleunigte und effektive Erlernen neuer sportartspezifischer Bewegungsfertigkeiten. Koordinative Fähigkeiten sind nicht angeboren und müssen deswegen lebenslang erlernt und weiter ausgereift werden (vgl. Wollny 2012, S. 240). Im Idealfall werden sie nicht nur aufrechterhalten, sondern durch die Erhöhung der Komplexität der Trainingsübungen weiter verbessert und stetig ausgebaut. Im Sinne der Annahme in dieser Arbeit, dass eine bessere Koordinationsfähigkeit eine gesteigerte Prävention vor Verletzungen ermöglicht und zur Folge hat, wäre dies nur sinnvoll und angebracht. Es wird sich zeigen, ob dieser Zusammenhang in der vorliegenden Studie nachgewiesen werden kann. Wie können koordinative Fähigkeiten im Trainingsprozess eingeordnet und beschrieben werden? Im Fußball überschneiden und ergänzen sich das Techniktraining und das koordinative Training in mehrfacher Hinsicht. Beide Trainingsformen stellen die Basis der speziellen koordinativen Fähigkeiten dar und bringen durch ihren Zusammenschluss die fußballspezifischen Techniken auf ein höheres Niveau. Daher kann es nicht verwundern, dass manche Sportwissenschaftler und Trainer den Bereich der Koordinationsfähigkeiten als keinen eigenständigen ansehen, weil dieses Training mit im Techniktraining verankert sei. Es gibt aber auch eine wachsende Zahl an Wissenschaftlern, Trainern und Sportlern, die die koordinativen Fähigkeiten als einen eigenständigen Grundpfeiler der sportlichen Leistungsfähigkeit begreifen und sie deswegen auch gezielt trainieren und verbessern wollen.[3] Diese zweite Denkweise zeigt die wachsende Bedeutung der koordinativen Fähigkeiten im Sport. Was zählt nun aber alles zu den koordinativen Fähigkeiten? Mit dieser Frage wird sich der nächste Unterpunkt beschäftigen.

2.2 Koordinative Fähigkeiten im Überblick

Koordination als solche ist nur sehr schwer greifbar, beobachtbar oder gar messbar. Im Gegensatz dazu lässt sich z.B. viel genauer die Qualität eines Torschusses bestimmen: War er gut platziert, wie schnell war er und hat der Spieler eine gute Schusstechnik verwendet? Koordination und koordinative Fähigkeiten können dagegen viel schlechter bewertet und voneinander abgegrenzt betrachtet werden. „Die Ursache für diese Problematik liegt in der Vielfalt der Freiheitsgrade im Zusammenspiel motorischer Bewegungshandlungen“ (Hottenrott, Neumann 2010, S. 204). Es lassen sich demnach viele verschiedene Teilkomponenten der Koordination ausmachen, die in ihrem Ganzen eine Komplettbewegung steuern und ermöglichen. Die Darstellung, Beschreibung und Strukturierung dieser einzelnen koordinativen Teilfähigkeiten fällt sehr unterschiedlich aus (vgl. Steinhöfer 2008, S. 21). Allerdings haben sich im Bestreben um eine Systematisierung und Vereinfachung auf der Grundlage induktiv-statistischer Verfahren sieben koordinativ-technische Teilkomponenten als fundamental und leistungsbestimmend herausgestellt (vgl. Hottenrott, Neumann 2010, S. 204 und Schnabel et al. 2011, S. 137).[4] Nach der unten stehenden Auflistung werden die sieben Komponenten in den darauffolgenden Absätzen kurz definiert und in ihrer Bedeutung für den Fußballsport geschildert.

- Gleichgewichtsfähigkeit
- Kopplungsfähigkeit
- Umstellungsfähigkeit
- Reaktionsfähigkeit
- Differenzierungsfähigkeit
- Orientierungsfähigkeit
- Rhythmisierungsfähigkeit

„Unter Gleichgewichtsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, den gesamten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körper-verlagerungen diesen Zustand beizubehalten beziehungsweise wieder herzustellen.“ (Weineck et al. 2012, S. 21) Somit kommt der Gleichgewichtsfähigkeit nicht nur im Fußball, sondern auch in allen anderen Sportarten eine grundlegende Bedeutung zu. In Bezug auf den Fußballsport kommt es bei schnellem Passspiel des Gegners oft auf unerwartete Richtungswechsel und „Stop-and-Go“-Aktionen an, durch die sich der Spieler ruckartig entgegen der eigenen Laufrichtung wieder in eine andere Position und Richtung befördern muss. Auch beim Landen nach einem Kopfball oder bei möglichen Zusammenstößen zwischen zwei Spielern ist der Gleichgewichtssinn eines jeden Spielers gefragt und herausgefordert. Speziell im Fußball sind eine perfekte Beinarbeit und absolute Körperbeherrschung von großem Vorteil und unabdingbar (vgl. Ebd.).

Eine gut ausgebildete Körperbalance leitet zur zweiten Teilkomponente über: „Unter Kopplungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, Teilkörperbewegungen der Extremitäten, des Rumpfes und des Kopfes untereinander und in Beziehung zu der auf ein bestimmtes Handlungsziel gerichteten Gesamtkörperbewegung zweckmäßig zu koordinieren.“ (Weineck et al. 2012, S. 29) Diese Teilkomponente bezieht sich daher auf das verbindende Element von mehreren Teilkörperbewegungen und deren geordnetem Zusammenspiel. Es ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, eine den ganzen Körper mit einbeziehende und trotzdem einheitliche und wohl koordinierte Gesamtbewegung auszuführen. Als gutes Beispiel dient hier der Kopfball: Er besteht einerseits aus dem Absprung, in der Folge dann aus der Ausholbewegung des Kopfes und schließlich aus dem Köpfen selbst. Nimmt man nun noch eine externe Einwirkung während der Bewegungs-ausführung auf den Spieler an, erhöhen sich die Schwierigkeiten, mit denen sich ein Fußballspieler konfrontiert sieht.

Das koordinative Anforderungsprofil an einen Fußballspieler ist damit noch nicht vollständig. Die genannten Anforderungen werden im Fußballspiel dadurch ergänzt, dass sich durch schnelles Passspiel und rasch wechselnde Ballpositionen und immer wieder neue Situationen ergeben. Auf diese muss sich der Körper einstellen – ohne eine entsprechende koordinative Fähigkeit wird dies allerdings sehr schwer. „Unter Umstellungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, während des Handlungsvollzuges aufgrund wahrgenommener Situationsveränderungen das Handlungsprogramm den neuen Gegebenheiten anzupassen oder die Handlung auf völlig andere Weise fortzusetzen.“ (Weineck et al. 2012, S. 27) Insbesondere im Fußball hat diese Leistung unter großem Zeitdruck bzw. unter entsprechender Schnelligkeit zu passieren.

Die Verbindung zur Reaktionsfähigkeit ist daher besonders hoch. „Unter Reaktionsfähigkeit versteht man die Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmäßiger kurzzeitiger motorischer Aktionen auf ein Signal. Dabei kommt es darauf an, zum zweckmäßigsten Zeitpunkt und mit einer aufgabenadäquaten Geschwindigkeit zu reagieren (…)“ (Weineck et al. 2012, S. 26). Auf der Grundlage der hier aufgeworfenen Fragestellung kann man die Reaktionsfähigkeit auch auf die Verletzungsprävention beziehen. Ein Spieler, dem die reflektorische, neuromuskuläre Ansteuerung schneller gelingt und der dadurch eine beanspruchte Muskulatur rechtzeitig und gezielt anspannen kann, wird besser vor Verletzungen geschützt sein. So ist in den meisten Fällen die schnellstmögliche Reaktion als Optimum zu begreifen. Die Reaktionsschnelligkeit kann auch im Bereich der konditionellen Fähigkeit der Schnelligkeit angesiedelt werden. Nicht nur dadurch, sondern auch durch den Umstand, dass ohne Reaktionsfähigkeit logischerweise keine Form von Ballgefühl denkbar ist, wird klar, wie extrem gekoppelt und abhängig die einzelnen Teilfähigkeiten voneinander sind.

So ist hier der Bezug zum sogenannten Ballgefühl, das in der Sportwissenschaft allgemein als Differenzierungsfähigkeit bezeichnet wird, besonders groß (vgl. Weineck et al. 2012, S. 22). „Unter Differenzierungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit zu fein abgestimmten und dosierten Bewegungen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt“ (Weineck et al. 2012, S. 22). Durch muskuläre Feinabstimmung gelingt es dem einzelnen Spieler, z.B. mittels wohldosierten Pässen und Flanken das Zusammenspiel des Teams entscheidend zu verbessern. Der fein abgestimmte Krafteinsatz bei der Ballannahme und -mitnahme, beim Torschuss oder beim Zuspiel ist eine ebenso bedeutende Fähigkeit, die bestens trainiert sein will (vgl. Ebd.). Während z.B. ein Fußballspieler bei der Ballbehandlung besonders das Differenzierungsvermögen mit dem Fuß und Kopf braucht, so benötigt ein Volley- oder Handballspieler mehr Differenzierungsvermögen in den oberen Extremitäten. Daran kann man sehen, wie unterschiedlich die Gegebenheiten und Anforderungen an die jeweiligen koordinativen Fähigkeiten innerhalb der einzelnen Sportarten sein können. Auch im Modell von Meinel und Schnabel (2007, S. 222) wird ersichtlich, wie groß die Vielfalt von Bewegungs- und Beziehungsgefügen der koordinativen Fähigkeiten zueinander ist und dass man sie je nach Sportart einzeln gewichten und bewerten muss.[5]

„Unter Orientierungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit zur Bestimmung und Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit, bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld (z.B. Spielfeld) und/oder ein sich bewegendes Objekt (z.B. Ball, Gegner, Partner)“ (Weineck et al. 2012, S. 23). Auch hierbei handelt es sich um eine der wichtigsten fußballspezifischen koordinativen Fähigkeiten. Sie bezieht sich weniger auf den Spieler selbst, sondern eher auf sein Umfeld. Wie gut funktionieren das periphere Sehen und die eigene Lokalisierung im Spielfeld in Relation zu den Mit- und Gegenspielern? Wo befinden sich freie Räume und wie ist die momentane Spielsituation als ballführender Spieler adäquat zu lösen – und dies innerhalb von Sekundenbruchteilen[6] (vgl. Ebd., S. 23f)? Aufgrund der Vielseitigkeit dieser Anforderungen unterscheidet man eine räumliche und eine zeitliche Orientierungsfähigkeit, wobei letztere das bekannte und wichtige „Timing“ repräsentiert (vgl. Ebd., S. 24). Die erfolgsentscheidende Komponente, das Spielgeschehen antizipieren zu können, wird in dieser Aufstellung ebenso zur Orientierungsfähigkeit gerechnet. Einige Unterteilungen von koordinativen Teilfähigkeiten werten die Antizipationsfähigkeit auch ganz als eigenständigen Bereich.

Zu guter Letzt soll noch auf den so wichtigen Spielrhythmus beim Fußballspielen eingegangen werden. Eine gemeinsame Spielberuhigung oder auch ein rascher Tempowechsel müssen von jedem Spieler des Teams getragen und umgesetzt werden, andernfalls fällt das Spiel auseinander. „Unter Rhythmisierungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, einen von außen vorgegeben Rhythmus zu erfassen und motorisch zu reproduzieren sowie den ‚verinnerlichten‘, in der eigenen Vorstellung existierenden Rhythmus einer Bewegung in der eigenen Bewegungstätigkeit zu realisieren (Weineck et al. 2012, S. 28). So bezieht sich die Rhythmisierungsfähigkeit auch auf jeden einzelnen Spieler, wenn dieser z.B. durch die Einwirkungen seines direkten Gegenspielers ständig „aus dem Tritt“ kommt und damit aus dem Rhythmus gerät (vgl. Ebd.). Diese Auflistung und Beschreibung der koordinativen Teilkomponenten hat gezeigt, wie komplex der Fußballsport tatsächlich ist. Die Anforderungen an jeden einzelnen Spieler sind auf dem koordinativen Gebiet äußerst hoch. Besonders und erneut betont sei nach dieser Einführung in die Teilkomponenten der koordinativen Fähigkeiten, dass sie so gut wie nie alleine oder völlig isoliert auftreten. Dafür hängen sie viel zu stark voneinander ab und bedingen sich gegenseitig. So wird auch eine einzelne koordinative Fähigkeit nicht isoliert die sportliche Leistung bestimmen. Vielmehr muss das große Zusammenspiel und das gesamte Beziehungsgefüge der koordinativen Fähigkeiten bei der jeweiligen Bewegungsform innerhalb der ausgeübten Sportart berücksichtigt werden. Das bedeutet auch, dass sich aus der Sicht der unterschiedlichen Sportarten durchaus sehr verschiedene Anforderungen an die Koordination ergeben (vgl. Hottenrott, Neumann 2010, S. 208). Es erscheint daher als äußerst komplex und schwierig, die genaue Nutzung und Verwendung koordinativer Fähigkeiten sportartbezogen zu untersuchen (vgl. Meinel, Schnabel 2007, S. 222). Klar ist jedoch, dass diese Prozesse der Bewegungssteuerung die grundlegenden Leistungsvoraussetzungen im komplexen Sportspiel darstellen und es dem Sportler erst bei voller Ausnutzung seiner Fertigkeiten ermöglichen, mit den unabsehbaren Situationen sicher und effektiv umgehen zu können (vgl. Weineck et al. 2012, S. 17). Eine professionelle Weiterentwicklung des Trainings im koordinativen Bereich ist deswegen von extrem hoher Bedeutung – nicht nur in Bezug auf die Leistungssteigerung, sondern auch mit dem Aspekt der Verletzungsprävention. Das dritte Kapitel widmet sich nun dem Koordinationstraining im Fußball.

3. Koordinationstraining im Fußball

Jede Sportart beinhaltet ihre ganz eigenen motorischen Abläufe und erfordert spezielle Formen der Koordination. Dies wurde bereits in der Übersicht zu den koordinativen Teilkomponenten hervorgehoben. Auch im Fußball gibt es kein isoliertes Auftreten von koordinativen Einzelfähigkeiten. Charakteristisch ist hier hingegen, dass bestimmte Komponentenverbindungen je nach Spielsituation eine Vorrangstellung erhalten und die fußballspezifischen koordinativen Anforderungen in typischen Komplexsituationen alle miteinander in Bezug und Abhängigkeit stehen (vgl. Weineck et al. 2012, S. 17f). „Koordinativ-technische Fähigkeiten unter höchstem Zeit-, Präzisions- und Variabilitäts-druck können als die wichtigsten Komponenten im modernen Fußball angesehen werden“ (Weineck et al. 2012, S. 7). Sie gilt es daher gezielt zu trainieren und im Zuge von sportartspezifischen Trainingsformen weiterzuentwickeln. Im Folgenden werden auf den Fußballsport bezogene Trainingsmethoden vorgestellt, die den sehr eigenen und spezifischen „Koordinationsanspruch“ der Sportart verdeutlichen (Schnabel et al. 2005, S. 273). Die für diese Arbeit relevanten und zu berücksichtigenden Formen des Koordinationstrainings sind das propriozeptive Training, das sensomotorische Training sowie das Stabilisationstraining.

3.1 Propriozeptives Training

Das propriozeptive Training bezeichnet ein Training des sensomotorischen Systems und ist ein Teil bzw. eine Sonderform des Koordinationstrainings. (vgl. Hüter-Becker, Dölken 2011, S. 250). Aus dem Lateinischen entsprechend übersetzt (proprius = eigen und recipere = aufnehmen, wahrnehmen) beschreibt die Propriozeption ganz grundsätzlich die eigene Körperwahrnehmung – sie ist die sensible Eigenempfindung des Körpers. In der heutigen Sportwissenschaft versteht man unter dem Begriff daher die körpereigene Rückmeldung und Orientierung des Körpers im Raum sowie die Lage und der Bewegungssinn der Gelenke zueinander (vgl. Kollath, Buschmann 2010, S. 11). Dieses auch als Tiefensensibilität bezeichnete Phänomen ermöglicht demnach dem Körper und seinen Gelenken, ihre Lage im Raum und ihre Stellung zueinander zu bestimmen (vgl. Weineck et al. 2012, S. 76). Für die Gleichgewichtsfähigkeit des Sportlers stellt die Propriozeption deswegen die wichtigste Größe dar. Ohne sie wäre jegliche Form der Feinkoordination oder auch die Steuerung aller fußballspezifischen Bewegungsformen und Techniken nicht denkbar (vgl. Ebd.). Um Propriozeption zu ermöglichen, bedarf es bestimmter Rezeptorsysteme, die Reize aufnehmen und diese in neuronale Signale umwandeln. Diese werden dann über afferente Bahnen dem Zentralnervensystem zur weiteren Verarbeitung verfügbar gemacht (vgl. Gruber 2001, S. 14). Der Begriff der Propriozeption bezieht sich demnach nur auf die Prozesse des afferenten Zweigs des sensomotorischen Systems und beschreibt weder die Verarbeitung der erhaltenen Information durch das Zentralnervensystem, noch die Aktivitäten auf dem efferenten Zweig des sensomotorischen Systems. Propriozeption beschränkt sich auf den Vorgang der Wahrnehmung. So gehört auch die motorische Antwort auf den ursprünglichen sensorischen Reiz – die Ansteuerung und Anspannung der Muskulatur im Sinne der neuromuskulären Kontrolle – nicht mehr in ihren Bereich, sondern zur übergeordneten Sensomotorik (vgl. Gruber 2001, S. 14). Sie wird in Punkt 3.2 thematisiert. Die Propriozeption bildet daher in erster Instanz die Grundlage für jegliche motorischen Kontrolle und die daraus ermöglichte reaktive Stabilisationsfähigkeit (vgl. Häfelinger, Schuba 2013, S. 26). Abbildung 1 verdeutlicht den Zusammenhang zwischen afferenten und efferenten Nervenbahnen innerhalb des sensomotorischen Systems.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das sensomotorische System (Gruber 2001, S. 6).

Wichtige Rezeptoren zur Aufnahme und Sammlung der vielfältigen Reize sind die Muskelspindeln, die Sehnenrezeptoren und auch die Mechanorezeptoren (vgl. Weineck et al. 2012, S. 76). Diese als Propriozeptoren bezeichneten Sinnesfühler „sind die Grundbausteine des propriorezeptiven Systems. Sie sind in allen wichtigen Teilen des aktiven Bewegungsapparates, in Muskeln, Sehnen, in der Haut und in den Gelenk-strukturen, wie z.B. Bändern und Gelenkkapsel zu finden“[7] (Gruber 2001, S. 55). Sie liefern konkrete Informationen über die Muskellänge, die Sehnendehnung (Golgi-Sehnenorgane), die Gelenkstellung und auch andere Parameter der Lage und Bewegung unseres Körpers (vgl. Häfelinger, Schuba 2013, S. 31).[8] Die Propriozeptoren sind demnach „hoch spezialisierte Eigenwahrnehmungsorgane des Bewegungsapparats, die durch Training auf instabilen Untergründen zu deutlich verbesserten Koordinationsleistungen führen“ (Häfelinger, Schuba 2013, S. 8f). Wie stellen sich auf dieser Grundlage nun das Training und die Verbesserung von derartigen Funktionsfähigkeiten des menschlichen Körpers dar? Im Allgemeinen wird unter der Überschrift „Propriozeptives Training" ein Gleichgewichtsstabilisationstraining verstanden, das außerordentlich in der Physiotherapie und damit in der Rehabilitation Anwendung findet. Bei verletzten Sportlerinnen und Sportlern aus dem Hochleistungssport wird z.B. durch das Training auf instabilen Standflächen eine Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle beobachtet. Die Balanciersituation auf instabilem Untergrund erfordert eine intra- und interkoordinative Reaktion der Muskulatur, die zur Erhaltung des Gleichgewichts notwendig ist. Dadurch erreicht man neben einer guten Haltungsstabilität einen ökonomischen Krafteinsatz bei Sportbelastungen und die Verbesserung der Reaktionsmöglichkeiten auf externe Reize (vgl. Häfelinger, Schuba 2013, S. 62). Es geht also um die Erhöhung der funktionellen Gelenkstabilität, die dann als eine aktive Verletzungsprophylaxe verstanden werden soll. Dies trifft insbesondere bei Verletzungen der unteren Extremitäten zu (vgl. www.dshs-koeln.de). Bereits an dieser Stelle zeigt sich die direkte Schnittstelle zur Thematik dieser Arbeit und das große Potential, das in einem solchen Training steckt und wie groß die Erfolge auf den Gebieten der Leistungssteigerung und auch der Verletzungsprävention sein können. Denn nicht nur bei bereits verletzten Athletinnen und Athleten ist der Einsatz eines solchen Trainings sinnvoll, sondern es sollte auch als gezielte Ergänzung des bisher durchgeführten Trainings z.B. innerhalb der Aufwärmphase integriert werden. Instabile Untergründe wie Weichmatten, Schaumkissen, Wackelbretter oder auch das Trampolin können hier nützliche Trainingsgeräte sein und werden bereits oft in den Bereichen der Prävention und Rehabilitation angewendet (vgl. Haas, Schmidtbleicher 2007, S. 38). Hier entsteht der Bezug zu den terrasensa® Bodenplatten, die ebenso für ein propriozeptives Training verwendet werden können und in der Studie dieser Arbeit als Trainingsgerät dienten.

Propriozeptives Training in seiner Ausrichtung auf das gesamte sensomotorische System hebt demnach folgenden Zusammenhang besonders hervor: Die funktionelle Stabilität eines Gelenkes ist weniger eine Frage der maximal erreichbaren Kraft der gelenkstabilisierenden Muskulatur, sondern vielmehr steht die Frage der neuro-physiologischen Ansteuerung und Koordination im Mittelpunkt (vgl. Hartmann 1999, S. 28). Die grundlegend wichtige Kräftigung der Muskulatur ist demnach nur wenig wert, wenn man sie nicht entsprechend anzusteuern vermag. Der automatische und unbewusste Einsatz der Muskelfunktionskette kann wesentlich besser über propriozeptives Training als über die reine Kräftigung erreicht werden. „Nur so werden auch die ausgleichenden kleinen Muskeln und die koordinative Verfügbarkeit trainiert.“ (Oltmanns 2007, S. 7) Sie führt dann in kritischen Situationen, die ein adäquates Handeln innerhalb von Sekundenbruchteilen erfordern, zu einem effektiveren Schutz vor Verletzungen. Deutlich wird aber auch, dass bei dem Prozess der Ansteuerung die efferenten Strukturen mit einbezogen werden müssen. Sie sind, wie in Abbildung 1 ersichtlich wurde, für die neuromuskuläre Kontrolle zuständig. Dies stellt die Überleitung zum Komplex des sensomotorischen Trainings dar.

3.2 Sensomotorisches Training

Der Begriff der Sensomotorik besteht aus den beiden Teilen „Sensorik“ und „Motorik“. Dabei ist die Sensorik die Aufnahme von Informationen und deren Weiterleitung an das zentrale Nervensystem. Dieser Vorgang bezieht sich speziell auf die eben vorgestellte Propriozeption. Die Motorik hingegen steht für die Ansteuerung und die daraus folgende An- bzw. Entspannung der Muskulatur. Der zusammengesetzte Begriff der Sensomotorik ist folglich das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nervensystem (vgl. Häfelinger, Schuba 2013, S. 60). Man kann daher nicht nur von einem klaren Zusammenhang, sondern auch von einem fließenden Übergang zwischen propriozeptiven und sensomotorischen Training sprechen. Haas und Schmidtbleicher (2007, S. 38ff) gehen in ihrer Kritik des Begriffs des propriozeptiven Trainings sogar so weit, dass sie ihn generell mit dem des sensomotorischen Trainings ersetzen wollen würden. Jene Informationsaufnahme, die über kleine Rezeptoren – also die Propriozeptoren in der Muskulatur oder den Gelenken – geschieht, wird durch die Propriozeption beschrieben.[9] Die Informationsaufnahme (Sensorik) an sich, ist wie gesagt aber schon fester Bestandteil der Sensomotorik und damit auch des sensomotorischen Trainings, sodass auch die Propriozeption als solcher verstanden werden kann (vgl. Häfelinger, Schuba 2013, S. 60). Dies macht auch die Sicht von Haas und Schmidtbleicher nachvollziehbar, da es klare Überschneidungen der beiden Konzepte gibt und Propriozeption als ein Baustein des sensomotorischen Systems verstanden werden kann. Neben den afferenten sind im umfassenderen Modell der Sensomotorik nun auch die efferenten Nervenbahnen von Wichtigkeit: Sie sind für die neuromuskuläre Kontrolle und Ansteuerung unverzichtbar. So ist auch das sensomotorische Training ein spezieller Teil des Koordinationstrainings und zielt durch eine Optimierung der Informationsaufnahme und -verarbeitung auf die Verbesserung von einzelnen Bewegungsabläufen ab (vgl. Kollath, Buschmann 2010, S. 13). Wie auch beim propriozeptiven Training liegt die Zielstellung dieses Trainings „in der positiven Beeinflussung der Tiefensensibilität und der reflektorischen Stabilisationsfähigkeit und somit auch der Bewegungsharmonie“ (Häfelinger, Schuba 2013, S. 62). So sollen in einem sensomotorischen Training insbesondere die Sensoren und die Wahrnehmungsfähigkeit während des Bewegungsablaufes trainiert werden (vgl. Oltmanns 2007, S. 6).

Das sensomotorische Stabilisationstraining kommt dann in zweiter Instanz auch der Verletzungsprophylaxe zugute. Insbesondere der Fußballsport ist durch zahlreiche schnelle Richtungswechsel, dem Abspringen und dem Landen nach einem Kopfball sowie dem direkten Einwirken des Gegners in Zweikämpfen geprägt. Daher ist er für Fuß-gelenksverletzungen prädestiniert. Um diese zu verhindern, muss die neuromuskuläre Kontrolle erhöht und die Sensomotorik verbessert werden. Dies ist erreicht, wenn es zu einer Automatisierung der Stabilitätskontrolle gekommen ist. Noch nicht hinreichend belegt ist dabei allerdings, inwieweit verschiedenste Ablenkungsmaßnahmen wie z.B. Zusatzaufgaben, die die Konzentration und Aufmerksamkeit allmählich vom Stabilisa-tionsprozess ablenken, den Prozess der Automatisierung fördern oder beschleunigen. Häufiges Üben mit einer hohen Anzahl an Bewegungswiederholungen stellt noch immer die zentrale Maßnahme dar, um Automatismen in der Stabilisationskontrolle zu generieren (vgl. www.dshs-koeln.de).[10] Schlumberger und Eder (2001, S. 29f) sehen den Gesamteffekt eines sensomotorischen Trainings darin, dass durch wiederholte Rezeptor-Reizung und nachfolgende Zusammenführung dieser Empfindungen in Rückenmark und Hirnstamm eine verstärkte, bewusstere Wahrnehmung von Gelenkposition und -bewegung erzielt werden kann. Somit kommt eine unbewusste und automatisierte Gelenkstabilisierung durch Reflexwirkungen zustande, die wiederum zu einer verbesserten Haltung und Gleichgewichtskontrolle führt. Sensomotorisches Training führt daher zu einer erhöhten Kontrolle und Sicherheit, die in der Ausführung vieler fußballspezifischer Bewegungen äußerst wertvoll ist. Nun ist Fußball ein äußerst schnelles Spiel, das neben der Gleichgewichtsfähigkeit besonders die koordinative Fähigkeit der Reaktionsschnelligkeit erfordert. Die Faktoren der Zeit und des Zeitdrucks müssen daher explizit berücksichtigt werden. Die Frage, wie schnell Informationen über die Position und die Bewegung des Sprunggelenkes in eine funktionale muskuläre Aktion umgesetzt werden können, ist zentral. Dies gilt insbesondere für die Prävention von Verletzungen. Haas und Schmidtbleicher (2007, S. 40) verweisen auf ballistische Krafteinwirkungen als Charakteristikum verletzungsrelevanter Situationen, sodass nur kurze Zeitfenster zur Verfügung stehen, um muskuläre Schutzkontraktionen zu generieren, die dann läsionierenden Effekten entgegenwirken. Deswegen sollte in einem fußballspezifischen sensomotorischen Training darauf geachtet werden, dass nur kurze Korrekturzeiträume zur Verfügung gestellt und schnelle Bewegungsabläufe absolviert werden. So weisen die Autoren darauf hin, dass z.B. das Stehen auf verschiedenen Therapiekreiseln zu einer Gewöhnung des Trainierenden an lange Korrekturzeiträume (> 400 ms) führt. Dadurch wird dann die Möglichkeit reduziert, in kritischen Situationen auf schnelle Korrekturmaßnahmen umzuschalten (vgl. Haas, Schmidtbleicher 2007, S. 40). Dieses Problem entsteht beim Training mit den terrasensa® Bodenplatten definitiv nicht, da es zu keiner Gewöhnung an die Bewegungsausführung kommt. Bevor die Reliefplatten im vierten Kapitel genauer betrachtet werden, wird in Punkt 3.3 noch das Stabilisationstraining kurz vorgestellt.

3.3 Stabilisationstraining

Auch das Stabilisationstraining ist eng mit den anderen beiden Trainingsformen verknüpft und durch einen fließenden Übergang zu ihnen charakterisiert. Kollath und Buschmann (2010, S. 15) meinen sogar, dass Stabilisationstraining und sensomotorisches Training im Wesentlichen deckungsgleich seien. Diese Sicht wird dadurch bestärkt, dass im Zuge des propriozeptiven und auch sensomotorischen Trainings immer auch von Stabilisations-übungen die Rede war. Die Begrifflichkeiten und die jeweiligen Trainingsformen liegen daher sehr nah beieinander. Der Begriff des Stabilisationstrainings betont nochmal direkt, dass die Problematik von Instabilität eine der größten Herausforderungen für den Freizeit- und auch Leistungssportbereich darstellt. Verschiedene Übungen auf instabilen Untergründen sorgen für eine deutlich verbesserte Bewegungssicherheit. Wer sein Gleichgewicht auf unebenen oder gar wackelnden Untergründen halten kann, der wird dies auf festem und ebenem Boden definitiv auch und mit größerer Sicherheit schaffen. Beim Training solcher Fähigkeiten geht es immer darum, diese dann für unvorhersehbare Schwierigkeiten als präventiv erlernte und entwickelte Lösungsstrategien parat zu haben und automatisiert anwenden zu können (vgl. Häfelinger, Schuba 2013, S. 8). Wie bereits erwähnt, ist zum Erreichen dieses präventiven Verletzungsschutzes das kräftigende Training der großen Muskelgruppen allein nicht ausreichend. Vielmehr ist beim Stabilisationstraining die Stärkung und Einbeziehung tiefer liegender, kleiner Muskeln zur Feinabstimmung und Absicherung des gesamten Bewegungsablaufes gewünscht. „Denn insbesondere geringe, überraschende Auslenkungen aus einer stabilen Position werden über eine Innervation der kleinen, tiefer liegenden Muskulatur kompensiert.“ (Kollath, Buschmann 2010, S. 16). Das gezielte Training der Tiefensensibilität eines jeden Sportlers kann daher eine effektive Verletzungsprävention gewährleisten. Das gilt natürlich auch für die so häufig auftretenden Distorsionen des oberen Sprunggelenkes im Fußball. Die Trainingsmethoden unterscheiden sich im Vergleich zu den propriozeptiven und sensomotorischen Formen kaum. Auch hier können die Spieler selbständig verschiedene Stabilisationsübungen durchführen, die die Gelenks- und Muskelrezeptoren aktivieren und somit die adaptive Fähigkeit des oberen Sprunggelenkes auf unterschiedliche externe Gegebenheiten verbessern (vgl. Papst 2010, S. 59f). Erneut sei gesagt, dass für den notwendigen Fußballbezug schnelle und möglichst dynamische Übungen ausgewählt werden sollten. Die Bedeutung von kurzen Korrekturzeiträumen im Trainingsprozess tritt hier wieder in den Vordergrund. Um Verletzungen in der Praxis effektiv vorbeugen zu können, müssen innerhalb von sehr kurzen Zeitfenstern funktionale muskuläre Aktionsmuster generiert werden (vgl. Haas, Schmidtbleicher 2007, S. 40). Gelingt dies nicht, wird der präventive Aspekt verfehlt und der Spieler ist nicht entsprechend geschützt. Kollath und Buschmann (2010, S. 18) fassen zusammen, dass derartige Übungen zu einer verbesserten Koordination beitragen, das Kraftpotential erhöhen, den Bewegungsablauf ökonomisieren, das gesamte Bewegungsgefühl verbessern und schließlich die so wichtige Gelenkstabilität erhöhen und dadurch das Verletzungsrisiko vermindern. Die Erhöhung der koordinativen Fähigkeiten mittels der drei genannten Trainingsmethoden besitzt daher einen großen Stellenwert bei der Prävention von Sprunggelenksverletzungen im Fußball. Man sollte meinen, dass diese Vorteile zu einer festen Verankerung des sensomotorischen (propriozeptiven) Stabilisationstrainings im Fußball geführt haben. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Obwohl die vielen positiven Effekte eines solchen Trainings seit geraumer Zeit bekannt sind, bleiben sie im Fußballtraining vielfach noch ungenutzt (vgl. Kollath, Buschmann 2010, S. 18). Es wäre wünschenswert, dass sich dies in Zukunft ändert und die großen Chancen und Potentiale, die in einem Training des sensomotorischen Apparates liegen, nicht nur erkannt, sondern auch genutzt werden.

[...]


[1] F-MARC entwickelte darüber hinaus ein System für die standardisierte Erfassung und Registrierung aller Verletzungen bei Fußballturnieren. Dieses wurde dann auch für andere Sportarten angepasst und vom IOC übernommen (vgl. http://de.fifa.com, 2010).

[2] Henke (2006, S. 82) geht in seinen Untersuchungen, die sich auf die ersten drei Fußballligen des DFB beziehen, allein bei den Behandlungs- und Personalkosten von einer Summe von 90 Millionen Euro pro Saison aus.

[3] Für weitere Informationen zur Notwendigkeit eines eigenständigen, weniger fertigkeits-spezifischen Koordinationstrainings oder auch der möglichen Integration im Techniktraining vgl. Hottenrott, Neumann 2010, S. 208 und 210.

[4] Diese Form der Unterteilung lässt sich u.a. ebenso bei Schnabel und Meinel (2007, S. 218), bei Steinhöfer (2008, S. 22f) sowie bei Häfelinger und Schuba (2013, S. 18ff) finden.

[5] Eine fachwissenschaftliche Analyse der Tätigkeitsanforderungen durch Experten und durch die Methode der Trainerbefragung gelangte im Jahr 1998 zur Bestimmung leistungsrelevanter koordinativer Fähigkeiten für fast alle olympischen Sportarten (vgl. Schnabel et al. 2011, S. 138).

[6] Weineck et al. (2012, S. 23f) sprechen im Zuge ihrer Betrachtungen auch von dem Erfordernis des „fünffachen Blickes“, der sowohl auf 1.) Mitspieler, 2.) Gegenspieler, 3.) die Position des Torwarts, 4.) die „freie“ Ecke des Tores als Ziel als auch natürlich 5.) auf den Ball selbst gerichtet sein muss.

[7] In der Literatur lässt sich sowohl die Bezeichnung des propriozeptiven als auch des propriorezeptiven Trainings finden. Gleiches gilt für Propriozeption oder auch Propriorezeption.

[8] Detailliertere Informationen zu den Propriozeptoren, ihrem Vorkommen, ihrem Aufbau, ihrer Funktion sowie ihrem Wirken im menschlichen Körper finden sich bei Häfelinger und Schuba (2013, S. 31ff). Weineck et al. (2012, S. 76ff) sowie Gruber (2001, S. 14ff) liefern eine tiefergehende Darstellung über die Muskelspindeln, die Sehnen- und Mechanorezeptoren.

[9] Große Rezeptoren wären hingegen das Auge oder auch das Ohr mit dem Gleichgewichtsorgan. Der im Innenohr befindliche Vestibularapparat nimmt Gleichgewicht und auch Beschleunigung wahr (vgl. Oltmanns 2007, S. 5).

[10] Hottenrott und Neumann (2010, S. 210) merken an, dass sich ein nachhaltiger Effekt des Koordinationstrainings nur durch mehrfache Wiederholungen neuer oder koordinativ anspruchs-voller Übungen und vor allem durch die Erhöhung des Schwierigkeitsgrades erzielen lässt.

Details

Seiten
60
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668179462
ISBN (Buch)
9783668179479
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318747
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
2
Schlagworte
Koordinative Fähigkeiten Propriozeptives Training Sensomotorisches Training Stabilisationstraining Statistische Auswertung Therapie- und Trainingsgerät terrasensa

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Titel: Die Fußgelenksstabilität im Fußball verbessern. Empirische Studie zu einem sensomotorischen Aufwärmprogramm mit terrasensa®