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Positive Auswirkungen von „Belastungen“ im Lehrberuf

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 20 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Belastungen im Lehrberuf - Ein Einblick
2.1 Ist bereits die Ausbildung zur Lehrkraft eine Belastung?
2.2 Stress
2.3 Burnout

3. Positive „Belastungen“
3.1 Arbeitszufriedenheit
3.2 „Schöpferische Unzufriedenheit“ und positiver Stress

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn in den Medien über den Lehrberuf gesprochen wird, erhält man schnell den Eindruck, dass dies ein sehr „stressiger“ Beruf sei und viele Lehrkräfte sich bereits früh pensionieren ließen, da sie dem Beruf und seinen Belastungen nicht mehr Stand halten. Trotz der langen Ferien. Der Begriff des „Lehrerstress“ begleitet den Medienalltag, wenn es um diesen Beruf geht. Disziplinlose Schüler, zu große Klassen, schlechte Ausstattungen, zu hohe Anforderungen des Lehrplans sind dabei oft angeführte Gründe. Viele Studien unterstützen diese Annahme. Es ist eine Tatsache, dass sich der Großteil der Lehrkräfte aus gesundheitlichen Gründen bereits mit 60 Jahren pensionieren lässt und nur die wenigsten noch mit 64 Jahren im Berufsleben stehen (vgl., Scheuch/Haufe/Seibt, 2005, S.172). Laut Klaus Scheuch und Reingard Seibt kranke die Belastungsforschung im Rahmen des Lehrberufs daran, dass es zu wenig Vergleiche mit anderen Berufen gäbe (vgl., Hier und im Folgenden, ebd., S.155 ff). Aus diesem Grund würden positive Aspekte auch zu wenig artikuliert und falsch bewertet. Das Berufsbild scheint verzerrt und in eine negative Ecke gedrängt. In der folgenden Arbeit wird nun versucht werden, durch die Vor- und Gegenüberstellung verschiedener Autoren und Ergebnisse deren Arbeit, eben jene positiven Aspekte herauszufiltern und zu benennen. Trotz des Versuchs die positiven Aspekte herauszuarbeiten, wird mit den allgemeinen Belastungen im Lehrberuf begonnen, um einen Überblick zu schaffen.

2. Belastungen im Lehrberuf - Ein Einblick

Da die Belastungsforschung, laut Scheuch, Seibt und Haufe, besonders im Rahmen eines Vergleichs von unterschiedlichen Berufen nur einen orientierenden Charakter haben könne, da sie auf der Grundlage unterschiedlicher Hypothesen und Theorien beruht, sei die Einstufung der nicht einheitlichen Berufsgruppe der Lehrer besonders schwierig. Zwischen den einzelnen Berufszweigen, wie Gymnasial- oder Förderschullehrer, gäbe es erhebliche unterschiedliche arbeitsmedizinische und arbeitspsychologische Gesichtspunkte. Grundlegend könne man jedoch sagen, dass der Lehrberuf mit erheblichen Belastungen und hohen Anforderungen zu bewältigen sei. Aus verschiedenen Befragungen haben Scheuch, Seibt und Haufe jene Belastungen herausgefiltert, die in einer Art Grundstruktur immer wieder auftreten (vgl., hier und im Folgenden, ebd., S. 158). Die Faktoren der Belastung sind im Besonderen:

1. die „ allgemeinen Arbeitsbedingungen “ und die „ schlechte Ausstattung “ der Schule, sowie die „ Hierarchie im Schulsystem “
2. der Zeitdruck und lange Arbeitszeiten
3. mangelnde Disziplin, Leistungsschwächen, Verhaltensaufflälligkeiten
4. zu große Klassen
5. geringes Ansehen des Lehrberufs

Diese Faktoren mögen nicht überraschen, da sie dem allgemeinen Bild entsprechen. Um einen etwas detaillierteren Einblick zu erhalten, eignet sich die Beschreibung von Bernhard Sieland, welche den Lehrberuf als Ganzes versucht zu beschreiben:

„ Lehrer sollen unterrichten, erziehen, beurteilen, beraten, innovieren, mitwirken und müssen dabei mit Schülern, Eltern, Kollegen und Vorgesetzten kooperieren. [ … ] Für die Erfüllung dieser Aufgaben braucht die Lehrperson möglichst gute Analyse-, Planungs- und Handlungskompetenzen auf fachlichem, sozialem und persönlichem Gebiet. [ … ] Sie sollen und wollen gerecht sein, aber auch nachsichtig, straff führen und doch taktvoll auf jedes Kind eingehen,[ … ]. “ (Sieland in: Hillert/Schmitz 2004, S. 144 f)

Bereits an dieser Stelle zeigt sich, wie vielfältig der Lehrberuf ist. Ebenso zahlreich wie die Anforderungen sind dementsprechend auch die Belastungen. Die ständige Dauerpräsenz, das Leben in einem permanenten „Spannungsverhältnis“ zwischen den Wünschen und Forderungen von Eltern, Schülern und Vorgesetzten, der „Gegenwind“ wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, immer selbst ein Vorbild sein - all dies sind Belastungen, die viele an ihre Grenzen bringen und im Rahmen der Ausbildung noch kaum erfahrbar sind. So passiert es oft, dass manche Lehrkräfte erst spät erkennen, dass sie dem nicht standhalten (vgl., Miller, 2013, S. 44). Doch alles aufzugeben sei an diesem Punkt auch keine Alternative, so Reinhold Miller. Er plädiert für ein Training - wenn auch nicht um jeden Preis - an sich selbst: „Standhalten - und verändern“, und durch kleine Tricks die Selbstsicherheit fördern (z.B. bei einer Konferenz die Meinung sagen). Liest man Millers Anforderungen an eine professionelle Lehrkraft, so entsteht schnell der Eindruck, dass es nur wenige, nach seiner Ansicht, „gute Lehrer“ geben kann. Miller gliedert fünf Kompetenzbereiche mit zahlreichen Unterpunkten auf: darunter die Selbstkompetenz, Beziehungskompetenz und Gesprächskompetenz. Zudem zeigt er Persönlichkeitsmerkmale auf, die Menschen in Beziehungsberufen mitbringen sollten: Emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit (vgl., ebd., S. 21). Miller weist im Weiteren darauf hin, dass zu Beginn eines Berufslebens nicht alle Kompetenzen vorhanden sein müssen, sondern man sollte sich diese im Laufe der Jahre aneignen und so die „Berufsfähigkeit“ erweitern. Eine ausgebildete Lehrkraft sollte also zahlreiche Kompetenzen im besten Fall mitbringen und fehlende im Laufe der Zeit erwerben und einsetzen, um den Alltag zu meistern. Diese hohen Anforderungen können auf Berufsanfänger sehr einschüchternd wirken, Druck ausüben und somit Stress erzeugen. Doch jede Anforderung kann auch positive Seiten bergen. Dies sollte nicht vollständig aus dem Blick geraten. Besonders im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Gesundheit sind die angegebenen Belastungsfaktoren interessant. Nicht jeder Belastungsfaktor birgt automatisch ein gesundheitliches Risiko. Auch scheint der Punkt der hohen Arbeitsunfähigkeit bereits vor dem 60. Lebensjahr bei Lehrkräften nicht unbedingt mit rein negativen Faktoren einher zu gehen (vgl., Scheuch/Seibt/Haufe, S. 160). Dies wird unter Punkt 3 Thema sein.

2.1 Ist bereits die Ausbildung zur Lehrkraft eine Belastung?

Beginnt man eine Ausbildung im Lehramt, ist die Ausbildung eine Prüfung an sich. Das mittlerweile modularisierte Studium birgt einen Stundenaufwand der teilweise vergleichbar scheint mit einer 50 Stunden-Woche. Je nach Prüfungszeitraum und Fach ist dieser noch höher. Im Referendariat schließlich steigt der Druck, den Anforderungen der Seminarleitung und der Schule sowie den Schülern zu entsprechen. Ein leider ständiger Begleiter scheint bei diesem Weg die Angst zu sein. Die Angst vor dem Versagen, Angst vor Problemen mit den Eltern, Schülern und Vorgesetzten kann erdrückend sein. Subjektiv immer unterschiedlich empfunden, beinhaltet Angst einen der größten Stressfaktoren im Lehrberuf und auch die negativsten Auswirkungen wie Herz-Kreislauf Erkrankungen und Depressionen (vgl., Reisch, 2003). Wolfgang Hagemann sieht in seinem Buch „Burnout bei Lehrern“ (2009) bereits vorwiegend in der Ausbildung ein Problem und damit auch eine hohe Belastung. Im späteren Verlauf zeichnet Hagemann Probleme im Kollegium ab, mangelnde Unterstützung aber auch Aspekte wie Lärmbelästigung, wenige Rückzugsmöglichkeiten und sehr viele organisatorische Tätigkeiten führt er als Punkte dazu an. Die Lehramts- Ausbildung steht bereits seit langem unter Beschuss. Vielfach wird über die Art und Weise der Ausbildung und deren Sinnhaftigkeit diskutiert. In einem Interview über den Lehrerberuf spricht der Frankfurter Bildungsexperte Professor Dr. Andreas Gold von einem „Gesamtkunstwerk“ in welchem die verschiedenen Phasen „nicht selten gegeneinander arbeiten“ (vgl., Jaspers, 2007, S. 85). Die Ausbildung an der Universität sei hierbei oft in der Schusslinie, doch sie solle, so Gold, das Fachliche, das Wissenschaftliche vermitteln und nicht die Unterrichtspraxis. An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Eine ausführliche Diskussion würde jedoch an dieser Stelle zu weit vom eigentlichen Thema dieser Arbeit weg führen. Bisher hat sich jedoch gezeigt, dass Angst und Stress ständige Begleiter zu sein scheinen. Von Anfang an.

2.2 Stress

Stress macht wie bereits beschrieben einen großen Teil des Lehrberufs aus. So sehr, dass er die durchaus positiven Aspekte beinahe gänzlich überschattet. Man könnte fast meinen, der Lehrberuf sei ein Synonym für Stress (vgl., Rudow, 2002). Auch Reinhold Miller greift den Aspekt „Stress“ in seinem Werk unter dem Bereich der Selbstkompetenz auf. Er bezeichnet Stress als Warnsystem und wichtige Bedingung zum Überleben. Zu massiven Störungen käme es dann, wenn aus Stress ein sogenannter Dauerstress, auch Disstress genannt, wird (vgl., Miller, 2013, S. 36 f). Rudow bezeichnet Stress als „Schirmbegriff für negative Emotionen“(Rudow, 1994, S. 91). Besonders Emotionen wie Angst, Ärger, Wut, Aggressivität, Gereiztheit, Frustration, Enttäuschung, Depressivität, können sich in einer Art Spannungszustand vereinen (vgl., ebd.). Es stehe dabei außer Frage, so Rudow, dass der Lehrberuf eine hauptsächlich „psychisch belastende Tätigkeit“ sei (vgl., Rudow, 2002, S.137). Miller zeigt an Beispielen aus dem Schulalltag, wie negative Erfahrungen zu negativen Reaktionen führen können und dadurch Stress auslösen. So zum Beispiel ein Lehrer, welcher von seinen Schülern permanent beleidigt wird und dadurch die Schüler verbal sehr negativ attackiert oder sich mehr und mehr zurückzieht. Ebenso wäre eine Situation im Rahmen des Kollegiums denkbar, die dazu führt, dass die betroffene Person sich in die Enge getrieben und unter Druck gesetzt fühlt und sich aus diesem Grund zurück zieht, eventuell vielleicht sogar Depressionen entwickelt. Dauerstress, oder Disstress, so Miller, hat zwei „schädigende Komponenten“:

a) körperliche und seelische Belastungen
b) Belastungen der zwischenmenschlichen Beziehungen (vgl., Miller, S. 37).

Miller gibt weiterhin einen Einblick in die wichtigen Komponenten im Lehrberuf die außerhalb der bekannten Belastungen stehen. So sei es relevant, den eigenen „Zeittyp“ zu kennen und sich selbst „sozialverträglich“ zu managen, indem man beispielsweise „innere Stoppschilder“ errichte oder Reaktionsverhalten trainiere (vgl., ebd.).

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Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668178946
ISBN (Buch)
9783668178953
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318704
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Belastungen positiv Lehrberuf Stress Lehrer

Autor

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