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Richard Sennetts „Der flexible Mensch“. Zum Kapitel "Das Arbeitsethos" mit Fokus auf den Begriff "Teamarbeit"

Hausarbeit 2016 22 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung – Sachlage
1.1 Der formale Aufbau des Buches „Der flexible Mensch“
1.2 Die Begrifflichkeiten der einzelnen Kapitel und ihr gemeinsamer Kontext

2 Das sechste Kapitel aus Richard Sennetts „Der flexible Mensch“ – Argumentation
2.1 Arbeitsethos – das „alte Modell“
2.1.1 Die Notwendigkeit der Disziplin
2.1.2 Die Disziplin als Tugend
2.1.3 Selbstschöpfung als Gestaltung der eigenen Lebensgeschichte versus Selbstdisziplin beim „getriebenen“ Menschen
2.2 Arbeitsethos – das „moderne Modell“
2.2.1 „Altes-“ versus „modernes Modell“ – eine Gegenüberstellung
2.2.2 „Teamwork ist Gruppenerfahrung der erniedrigenden Oberflächlichkeit.“ (Richard Sennett)
2.2.3 Fiktion am Arbeitsplatz oder: Die Masken der Kooperation

3 Ausblick – Reflexion (auf die eigene Arbeitssituation)

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung – Sachlage

1.1 Der formale Aufbau des Buches „Der flexible Mensch“

Die vorliegende Problematik mit all den ihr zugrundeliegenden Faktoren unter einen Hut zu bringen, ist hinsichtlich des vorgegebenen Umfangs dieser Arbeit ein schwer zu bewältigendes Unterfangen. Gerade das mit einer essayistischen Leichtigkeit Hin- und Herspringen zwischen Beispielen, Theorien diverser Gelehrter, persönlichen Erfahrungen und historischen Abrissen zu bestimmten Begriffen seitens des Autors Richard Sennett, macht es nicht leicht, den roten Faden der unterschwellig formulierten Theorien zu verfolgen. Sennett hangelt sich in gewisser Weise durch die acht in seinem Buch „Der flexible Mensch“ formulierten Kapitel hindurch, dergestalt er spinnennetzartig die darin behandelten Kapitelüberschriften „Drift“, „Routine“, „Flexibilität“, „Unlesbarkeit“, „Risiko“, „Das Arbeitsethos“, „Scheitern“ und „Das gefährliche Pronomen“ in ihrer Begrifflichkeit miteinander verwebt, indem er diese Überschriften in jedem Kapitel – wenn auch zum Teil nur ansatzweise – immer wieder aufgreift und zueinander in Beziehung setzt. Im folgenden Kapitel wird dieser Bezug kurz skizziert, wobei die Begriffe der Überschriften fett markiert sind.

1.2 Die Begrifflichkeiten der einzelnen Kapitel und ihr gemeinsamer Kontext

Der Mensch scheint innerhalb dieser Begrifflichkeiten ein Spielball zu sein, dessen Rolle dabei eingeordnet werden muss. Wie in Kapitel 2.1 dieser Arbeit genauer dargelegt wird, stellte die Routine einen entscheidenden Baustein in vergangenen Arbeitsmodellen seit der Antike bis in die Neuzeit und den frühen Kapitalismus hinein dar, die von einem „alten“Arbeitsethos geprägt waren, das dem Menschen Sicherheit gab, Sicherheit bei der Ausführung seiner Tätigkeit, Sicherheit im Hinblick auf feste (Arbeits-)Beziehungen, sei es zum Vorgesetzten oder auch zu Arbeitskollegen oder der Familie, die sich zumindest nicht weit vom Arbeitsplatz befanden (im Gegensatz zu heutigen Modellen, in denen auch Fernarbeit (Stichwort: Homeoffice) und Fernbeziehungen möglich sind, da Ehepartner u. U. in verschiedenen Städten arbeiten) sowie Sicherheit im Hinblick auf feste Arbeitszeiten. Tätigkeiten unter solch sicheren Bedingungen besaßen eine starre Kontinuität mit einer zu erwartenden Verlässlichkeit. Durch eine zunehmende Flexibilisierung verschiedener Lebensbereiche, die nicht zuletzt im Zuge der zunehmenden Globalisierung auftrat (wobei hier wieder einmal die Frage nach dem Huhn und dem Ei aufkommt, da sich Flexibilisierung und Globalisierung vermutlich gegenseitig bedingen), wurde die Routine aufgebrochen bzw. aufs Abstellgleis verbannt. Gerade im Übergang der Entwicklung von der schwindenden Bedeutung der Routine hin zur Flexibilisierung in den Lebensbereichen, allen voran der Arbeit (Stichwort: Flexibilisierung der Arbeit, sprich flexible Arbeitszeiten, flexible Arbeitsmodelle, Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsortes, die seitens des Arbeitgebers gefordert ist), kam und kommt der Mensch – da diese Phase immer noch andauert – ins Schlingern. So schreibt Hendrik Kahlbach in seiner Rezension bzw. Interpretation zu Sennetts Buch: „Eine Konsequenz der stattfindenden Flexibilisierung vieler Bereiche des Lebens ist die Angst vor dem „Dahintreiben“ – „Drift“, einem Zustand, in dem man die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren glaubt, da durch die stetigen Veränderungen Kontinuitäten wie z. B. Werte zwar nicht verloren gehen, jedoch immer schwerer lebbar werden.“[1] Diese Drift bzw. das Gefühl zu driften führt zu der Angst zu Scheitern, also im Arbeitsprozess zu scheitern und letztlich auch im Leben zu scheitern, da Arbeit nun einmal das Leben prägt, sowohl was die identitätsstiftende Funktion der Arbeit für den einzelnen betrifft, als auch die sinnstiftende Funktion, und nicht zuletzt ist da noch der pekuniäre und damit überlebenswichtige Aspekt der Arbeit. Dies führt andererseits dazu, dass man aus Angst vor dem Scheitern auch Risiken eingeht, wie etwa einen Arbeitsplatzwechsel (ggf. mit Ortswechsel) in Erwägung zieht, eventuell sogar Berufswechsel, nur um dem Gefühl des Driftens zu entgehen und ein Scheitern zu verhindern. Dass man driftet und zu scheitern droht, hat wesentlich mit dem zu tun, was Sennett Unlesbarkeit nennt. Hierzu stellt Kahlbach nachvollziehbar fest: „Den Titel „Unlesbarkeit“ benutzt Sennett synonym für diese wahrgenommene bedrohliche Situation.“[2] Der Mensch kann die raschen Veränderungen, mit denen er privat wie auch im Beruf konfrontiert wird, nicht richtig deuten, also „nicht lesen“ und ist mit der Situation überfordert. Als Lösungsmöglichkeit bietet Sennett daher in seinem Schlusskapitel so etwas wie eine soziale Revolution an, nämlich, dass die Menschen sich selbst organisieren, im Prinzip reorganisieren, so wie es früher üblich war, indem sie sich ihre persönlichen Beziehungen am Arbeitsort wieder lokal herstellen und damit ein Wir-Gefühl erzeugen, gegen alle Widerstände. Sennett nennt diesen letzten Begriff „ Das gefährliche Pronomen “ und meint damit das „Wir“. Gefährlich ist es eventuell deshalb, da es dem „Raubtierkapitalismus“, der sich seiner Legitimation sicher glaubt, entgegenwirkt. Das „Wir“ stellt hier sozusagen symbolisch das letzte Bollwerk vor dem kompletten Zusammenbruch dar, sofern man diese eher kulturpessimistische Position vertritt.

2 Das sechste Kapitel aus Richard Sennetts „Der flexible Mensch“ – Argumentation

Im sechsten Kapitel „Das Arbeitsethos“ aus Sennetts Buch „Der flexible Mensch“ wird der Begriff Arbeitsethos aus zwei verschiedenen Positionen heraus (das „alte Modell“ und das „moderne Modell“ vom Arbeitsethos) historisch beleuchtet und in seiner Bedeutung für die Entwicklung bzw. Bestandsaufnahme des Kapitalismus kritisch betrachtet. Der Begriff Ethos entstammt ursprünglich dem Griechischen und kennzeichnet eine bestimmte Haltung oder auch Gesinnung, hinter der eine moralische Einstellung steckt, die als Leitprinzip verstanden werden kann. In diesem speziellen Fall ist mit Leitprinzip die Frage verbunden, mit welcher moralischen Einstellung sich der Mensch zur Arbeit verhält und inwiefern dies seinen Charakter prägt. Gerade der englische Originaltitel von Sennetts Buch „The Corrosion of Character“ erhält hierdurch seine Bedeutung, da Sennett feststellt, dass es der Charakter des Menschen sei, der unter einem sich aktuell verändernden Arbeitsethos leidet bzw., dass sich der Charakter des Menschen verändert und das mit augenscheinlich eher negativen Auswirkungen für die Gesellschaft[3]. Hier sei es vor allem die Flexibilität, die als zentraler Begriff Einzug in den Titel von Sennetts Buch erhielt, die diese Auswirkungen hervorruft. So schreibt Kahlbach: „Diese Form der Flexibilität, in der Beziehungen zu Geschäftspartnern oder aber auch die Ortsgebundenheit von Menschen immer weiter verloren gehen bzw. flüchtiger werden, hat enorme Auswirkungen auf die Charakterbildung von Menschen und deren Gefühlsleben.“[4] Welche Bedeutung hierbei dem sich durch die Zeiten hindurch verändernden Arbeitsethos zukam, wird im Folgenden beschrieben.

2.1 Arbeitsethos – das „alte Modell“

2.1.1 Die Notwendigkeit der Disziplin

Ursprünglich resultierte das Arbeitsethos aus einer natürlichen Notwendigkeit heraus und war stark verknüpft mit den Anforderungen, die früher – also bereits in der Antike – an eine damals nahezu ausschließlich existierende Bauern- bzw. Agrarwirtschaft gestellt wurden. Sennett bezeichnet dieses ursprüngliche Arbeitsethos als das „alte Modell“. Es stand „… für den disziplinierten Gebrauch der eigenen Zeit und den Wert aufgeschobener Belohnung.“[5] Da man als Bauer einem natürlichen Verlauf der eigenen Arbeit unterworfen war – es gab Zeiten, in denen die Aussaat erfolgte und Zeiten der Ernte, die sämtlich dem Naturkreislauf unterworfen sind – musste man sich auch als Mensch diesem Prozess unterwerfen und die Arbeitsschritte immer nach einem bestimmten Tempo und abhängig von Phasen durchlaufen. Dies erforderte eine starke Selbstdisziplinierung. Dennoch konnte man sich auf die Erfolge der eigenen Arbeit so gesehen auch verlassen (daher der Wert aufgeschobener Belohnung), da man wusste, wie das Endprodukt aussehen würde und wann es zeitlich gesehen zu dem Endprodukt kommen würde. Alles war vorhersehbar und unterlag in seiner Realisierung so gesehen einer gewissen Routine, die wiederum auf (eigener) Erfahrung basierte. Explizit schreibt Sennett hierzu: „In der Antike galt diese selbstauferlegte Disziplin als einziger Weg, mit dem Chaos der Natur fertig zu werden.“[6]

[...]


[1] Hendrik Kahlbach: „ Der flexible Mensch“ von Richard Sennett. Eine Interpretation, Grin Verlag, München, 2014, S. 7

[2] ebd., S. 15

[3] vgl. hierzu Frank Findeiß: Psychologische Elemente in der Anthropologie von Karl Marx – Ein Beitrag zur Genese seines Menschenbildes, AVM Verlag, München, 2014, S. 69-74 & S. 132-136

[4] ebd., S. 6

[5] Richard Sennett: Der flexible Mensch – Die Kultur des neuen Kapitalismus, Siedler Verlag, München, Taschenbuchausgabe 1. Aufl. 2000, S. 132

[6] ebd., S. 133

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668179103
ISBN (Buch)
9783668179110
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318685
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Institut für Kunst, Musik und ihre Vermittlung
Note
1,3
Schlagworte
Musikpädagogik Philosophie Richard Sennet Der flexible Mensch Arbeit Arbeitsethos Charakter Teamarbeit Soziologie

Autor

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Titel: Richard Sennetts „Der flexible Mensch“. Zum Kapitel "Das Arbeitsethos" mit Fokus auf den Begriff "Teamarbeit"