Lade Inhalt...

Was macht Multimedia-Reportagen bei Internetportalen so gefragt und erfolgreich? Eine kurze Analyse wichtiger Merkmale und Vorzüge

Seminararbeit 2015 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Gefragt und erfolgreich

Vorteile einer Multimedia-Reportage

Bilanz und Ergebnisse

Literaturverzeichnis und Quellenangaben

Einführung

Zu Beginn dieser Arbeit ist erst einmal die Frage zu klären, was diese sogenannten „Multimedia-Reportagen“ eigentlich sind. Dieser Begriff lässt sich in zwei Teile unterteilen, wobei „multi“ so viel wie „viel“ oder „vielfach“ bedeutet1, und „media“ hierbei auf eine Verwendung des jeweiligen Mediums im Sinne von Produkten oder Dienstleistungen aus den Bereichen der Kommunikation, Unterhaltung oder Computertechnik hindeutet. Der zweite Teil dieses Begriffs, bestehend aus dem Wort „Reportage“, beschreibt eine der typischen journalistischen Darstellungsformen, die heutzutage überall angetroffen werden können, beispielsweise in Zeitungen und Zeitschriften, dem Rundfunk, oder dem Internet. Sie gilt als sehr freie Art der Berichterstattung und unterliegt nur geringfügig festen Regeln2, was auch später noch ein wichtiges Merkmal meiner Analyse sein wird.

Insgesamt geht es also bei einer Multimedia-Reportage darum, mehrere Medien (multimedia) in eine einzelne Darstellungsform einfließen zu lassen. Der „Vorreiter“ dieses relativ neuen Genres der Berichterstattung, war ein gewissermaßen völlig neuartig gestalteter Online-Artikel der US-amerikanischen Zeitung New York Times. In „Snow Fall: The Avalanche at Tunnel Creek“3 erzählt Autor John Branch die Geschichte von 16 Skifahrern, die auf dem Weg zu einer riskanten Freestyle-Abfahrt in den Cascades im Norden der USA teilweise von einer Lawine verschüttet wurden, nur einer der Verunglückten überlebte. Die New York Times veröffentlichte die Reportage Ende 2012, nachdem Branch fast sechs Monate lang dafür recherchiert hatte. Die Story der verunglückten Skifahrer löste ihrerseits eine gewaltige „Lawine“ im Netz und in Fachkreisen des Online-Journalismus aus, und ebnete gewissermaßen den Weg für viele weitere Internetportale, Zeitungen und Nachrichtendienste, die sich an dieser packenden Art der Veranschaulichung von Informationen versuchten.

Die Frage, die sich viele Fachkräfte in den Online-Bereichen jener Portale und Medien stellten, war logischerweise: Warum hatten gerade die Multimedia-Reportagen, auch als „Multimediales Storytelling“ bekannt, so einen Wirbel in Fachkreisen ausgelöst, warum war ein regelrechter „Hype“ um Snow Fall und Co. entstanden? Daraus leitet sich auch die richtungsweisende Frage für meine Arbeit ab. Auch ich habe mir diese Frage gestellt, möchte hier aber noch ein bisschen weiter über den Tellerrand blicken. Denn dass gerade diese neue Darstellungsform sehr erfolgreich ist, und bei den meisten Anbietern digitaler Medien hoch im Kurs steht, lässt sich nicht leugnen, wir werden diese Situation also als Prämisse voraussetzen, was in Abschnitt II („Gefragt und erfolgreich“) noch festgestellt werden wird. Statt also ausschließlich das Ausmaß ihres Siegeszuges zu untersuchen, werde ich in meiner Arbeit das Erfolgskonzept hinter multimedialem Storytelling analysieren: Was macht Multimedia-Reportagen bei Internetportalen so gefragt und erfolgreich?

Gefragt und erfolgreich

Zunächst einmal muss die Prämisse, welche Multimedia-Reportagen als sehr gefragt und auch erfolgreich bezeichnet, genauer erläutert und erklärt werden, damit sie sich nicht zu einer Art Falsifikation entwickelt. Seit der Veröffentlichung von „Snow Fall“ im Jahr 2012 gibt es nur wenige, wirklich große Online-Portale, die sich nicht schon ein, oder auch viele, Male an Multimedialem Storytelling versucht haben. Nachweise für den durchschlagenden Erfolg von Snow Fall sehen wir beispielsweise in dem aufgrund der riesigen Nachfrage extra angefertigten E-Book4 der New York Times und dem ehem. Publishing-Unternehmen „Byliner“. Auch die überdurchschnittlich hohe Kommentarzahl auf der Seite von Snow Fall, nämlich momentan 1155 Stück, weist auf ein großes Interesse hin. Die Verbreitung von Artikeln, Posts und Reviews zur digitalen Umsetzung der Geschichte von der Lawine am Tunnel Creek war und ist immens, und Senior Editor der amerikanischen Politik- und Kulturzeitschrift „The Atlantic“ Yoni Appelbaum bemerkte auf seinem Twitter-Account: „…If this is the future of journalism, it looks beautiful!“5 In dem am 11. Januar 2013 veröffentlichten Interview des Journalisten der „Frankfurter Rundschau“ Sebastian Moll mit Autor John Branch verrät dieser, dass Snow Fall bisher über 4 Millionen Mal angeklickt wurde6. Zu diesem Zeitpunkt waren aber nur 21 Tage seit dem Release der Story vergangen – nicht auszudenken, wie viele Besucher Branchs Werk bis heute hat. Nicht umsonst gewann Snow Fall demnach den jährlich verliehenen „Pulitzer Price“ des Jahres 2013 in der Kategorie „Feature Writing“7.

Aber nicht nur Snow Fall konnte sich auszeichnen und mit Preisen schmücken. Die Multimedia-Reportage „Nicht von Gott gewollt“ des Spiegel-Autors Bernhard Riedmann in Kooperation mit der Journalistin Amrai Coen, die ebenfalls für den Spiegel schreibt, wurde 2013 mit dem Axel-Springer-Preis8 in der Kategorie Internet als „Platz/Preis 1“ belohnt. Zudem erhielt sie schon im Jahr 2012 den Deutschen Reporterpreis9 als beste Web-Reportage. So gewann auch das Storytelling-Werk „Pop auf’m Dorf“ des WDR den Grimme Online Award 201410 der Rubrik Spezial – die Liste der Ehrungen für Multimedia-Reportagen ist ewig lang und könnte noch viel weiter fortgesetzt werden. Wichtig sind sowohl das riesige Interesse an ihnen, das von Nachrichtendiensten bis hin zu Privatpersonen gezeigt wird, als auch der Erfolg vieler Werke, der sich durch zahlreiche Auszeichnungen und hohen Aufrufzahlen äußert. Noch einen Schritt weiter ist der WDR (Westdeutscher Rundfunk) gegangen und hat ein Tool veröffentlicht, mit dem das Erstellen von Multimedia-Reportagen zum Kinderspiel werden soll. Mit „pageflow“11 soll jeder mit ein bisschen Übung und Geschick eigene Werke zu beliebigen Themen erstellen können – ganz umsonst.

Vorteile einer Multimedia-Reportage

Nachdem der Erfolg und die Nachfrage nach Multimedia-Reportagen im vorherigen Abschnitt erläutert wurden, erfolgt nun eine Analyse verschiedener Beispiele. Ich versuche, diese genau zu beschreiben und die Funktionen der anzutreffenden Elemente zu erklären, wodurch ich in einem Vergleich mit anderen Darstellungsformen schlussendlich die Vorzüge des digitalen Storytellings und demnach auch ihr Erfolgskonzept erkennen kann. Die Untersuchung und Analyse werden über Standard-Webbrowser durchgeführt, wie sie jeder zuhause an seinem Computer oder Laptop besitzt, in diesem Fall Google Chrome und Mozilla Firefox unter Windows 8.1 Pro. Diese Angaben sollen einen Querschnitt darstellen, wie man ihn bei jedem Normalverbraucher/Nutzer von Online-Angeboten verschiedener Websites antreffen könnte.

Wir beginnen mit dem Vorreiter dieses Genre, dem schon oft angesprochenen Werk von Auto John Branch, Snow Fall. Als ich die Seite öffne, sehe ich zuerst eine weiße Schneelandschaft, über die der Wind Schnee- und Eisteilchen weht. Der Titel und der Autor des Werkes erscheinen langsam „aus dem Off“ (werden immer transparenter) und ich beginne sofort, mich in die Story eingebunden zu fühlen. Ich bewege mich durch Scrollen mit der Maus, also das Bewegen des Mausrades auf und ab, auf der Seite, und erkenne im obersten Teil einen Reiter, der mich durch verschiedene Kapitel führt. Auch kann ich hier eine Karte („Map“) des Gebietes, sowie Bilder zu den einzelnen Gruppenmitgliedern („The Group“) einsehen. Der Text des ersten Kapitels schiebt sich schwarz auf schneeweiß von unten nach oben über die Schneelandschaft und ich beginne zu lesen.

[...]


1 Duden Fremdwörterbuch, 7. Auflage, 2001

2 Vgl. Sejdiu, 2013, S. 6

3 Siehe: „Snow Fall: The Avalanche at Tunnel Creek“ (New York Times, 2012)

4 Q&A zu Snow Fall: The Avalanche at Tunnel Creek (New York Times, 2012)

5 Yoni Appelbaum via Twitter zu „Snow Fall“ (19. Dezember 2012)

6 Vgl. Moll, Sebastian, 11. Januar 2013, Artikel in der Frankfurter Rundschau

7 Offizielle Internetseite des Pulitzer Price

8 Offizielle Internetseite des Axel-Springer-Preises

9 Offizielle Internetseite des Deutschen Reporterforums

10 Offizielle Internetseite des Grimme-Instituts

11 Internetseite des WDR zu „pageflow“

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668178007
ISBN (Buch)
9783668178014
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318612
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Calw
Note
1,7
Schlagworte
Journalismus Multimedia Multimedia-Reportage MMR Reportage Multimediales Storytelling Storytelling Scrollytelling Snow Fall New York Times Bear 71 Internet Internetportale Online-Journalismus Online gefragt erfolgreich Erfolg Kriterien Web 2.0

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Was macht Multimedia-Reportagen bei Internetportalen so gefragt und erfolgreich? Eine kurze Analyse wichtiger Merkmale und Vorzüge