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Das Höhlengleichnis von Platon und seine Bedeutung für die Soziale Arbeit

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutung des Höhlengleichnisses

3. Bedeutung des Höhlengleichnisses für die Soziale Arbeit

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um Platons Höhlengleichnis und dessen Bedeutung für die Soziale Arbeit. Das Höhlengleichnis ist die älteste Quelle zum Bildungs- und Erziehungsgedanken. Es hat auch heute noch seinen Stellenwert in der Pädagogik. Das Höhlengleichnis ist kein eigenständiges Werk sondern in Platons Werk Politeia eingebunden und findet sich dort am Anfang des siebten von insgesamt zehn Büchern aus denen Platons Politeia besteht. In Platons Politeia geht es um die Frage der Gerechtigkeit und wie diese in einem Staat erreicht werden kann. Der Bildung kommt daher eine zentrale Schlüsselfunktion zu, denn sie wird als Voraussetzung für einen gerechten Staat gesehen, in dem jeder das seine tut um für einen gerechteren Staat zu sorgen. Jeder einzelne ist dabei Bestandteil des Staates und für das Böse oder Gerechte im Staat mitverantwortlich. Der Grad mit dem jeder Staatsbürger zur Gerechtigkeit beitragen kann hängt davon ab, zu welchem Grad er durch Bildung, Einsicht in die Idee des Guten bekommen kann und damit der Erkenntnis des wahren Seins näher zu kommen vermag. Um Verantwortung der Gerechtigkeit auf jeden einzelnen Staatsbürger übertragen zu können, bedarf es der Bildung jeder einzelnen Seele im Staat, die nicht in seelischem Gleichgewicht ist, durch Führung des Philosophen aus ebendieser aus der Höhle der Unwissenheit in das Licht, um somit Einsicht in die Idee des Guten überhaupt erlangen zu können. Der Philosoph als Staatsoberhaupt, den Sokrates Glaukon vorschlägt (vgl Platon, 521,VII,5) ist vermögend, zwischen nicht selbst verschuldeter Unwissenheit und der tatsächlichen Erkenntnis des Seienden zu unterscheiden.Sein herausragender Bildungsstand befähigt, den Philosophen, Gerechtigkeit zu ermöglichen, durch seine in seiner Rolle inhärente Vorbildfunktion und seine sich im Gleichgewicht befindliche, tugendhafte Seele (vgl. Platon,520 VII,5). Er vermag damit die Einheit aller Seelen und damit die Einheit im Staat zu erreichen, weil in seiner Seele die drei Kardinaltugenden zu gleichen Teilen vorhanden sind - die Tapferkeit, die Besonnenheit, und die Weisheit aufgrund derer sich, sofern diese im Gleichgewicht sind, die vierte Kardinaltugend, der Gerechtigkeit ergibt. Ein Mangel an Tugendhaftigkeit führt dazu, dass sich die Seele im Ungleichgewicht befindet (vgl.Platon, 518-519,VII,4) und die Gerechtigkeit dadurch in ihrem Vorhandensein gehindert wird.So kann Weisheit ohne das Vorhandensein von Besonnenheit zu böswilligen Handlungen führen. Sokrates dessen Schüler Platon war, vermittelt dem Bruder Platons Glaukon, anhand des Höhlengleichnisses den Stellenwert von Bildung als Schlüssel zur Gerechtigkeit. (vgl. Anlage 1)

2. Deutung des Höhlengleichnisses

,,Nächstdem mache dir nun an folgendem Gleichnis den Unterschied des Zustandes klar,indem sich unsere Natur befindet, wenn sie im Besitze der vollen Bildung ist und andererseits wenn sie derselben ermangelt.Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen Wohnstätte [Höhle der Unkenntnis] mit lang nach aufwärts gestrecktem Eingang, entsprechend der Ausdehnung der Höhle; von Kind auf sind sie in dieser Höhle festgebannt mit Fesseln an Schenkeln und Hals; sie bleiben also immer an der nämlichen Stelle und sehen nur geradeaus vor sich hin, durch die

Fesseln gehindert, ihren Kopf herumzubewegen; von oben her aber aus der Ferne von rückwärts leuchtet ihnen ein Feuerschein; zwischen dem Feuer aber und den Gefesselten läuft oben ein Weg hin, längs dessen eine nedrige Mauer errichtet ist ähnlich der Schranke,die Gaukelkünstler vor den Zuschauern errichten, um über sie hinweg ihre Kunststücke zu zeigen" (Platon, 514, VII, 1).

Längs der Mauer so Sokrates müsse Glaukon sich nun weiter vorstellen, trügen Menschen allerlei Gerätschaften vorbei, die über die Mauer hinausragten und Bildsäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder und Menschenwerk verschiedenster Art, wobei, wie begreiflich, die Vorübergehenden teils redeten, teils schwiegen. (Platon, 514,VII, ebd.)

Sokrates spielt hier auf die Tatsache an, dass die Menschen und Staatsbürger durch die Fesseln der Unbildung immer auf demselben Bildungsniveau verbleiben und davon ausgehen müssen, dass ein Schauspiel das sich ihnen bietet, aufgrund der Schatten, die das Feuer der Erkenntnis an die ihnen einzig ersichtliche Höhlenwand vor ihnen wirft dem wahrhaften Sein, der Dinge entspricht. Sie sind aber nicht vermögend, das Feuer der Erkenntnis zu betrachten und damit den Ursprung der Schatten weiterzuverfolgen, um sich auch nur im Ansatz auf dem Weg der Erkenntnis, der Sonne und damit der Erkenntnis entgegen zu bewegen(vgl. Wilhelm Nestle, 1973:203f.), da sie an Händen und Füssen Fesseln der Unwissenheit tragen.

Sie leben in ihrer Realität und halten das Abbild, dass der Schatten der Dinge an die Höhlenwand wirft, erzeugt durch das Feuer der Erkenntnis, in seiner Funktion als künstlicher Schein, für die Dinge selbst. Der Blick in das Feuer würde zumindestens eine Voranhnung von dem abgeben, was das wahre Sein ist. Somit sind die Höhlenbewohner im doppelten Sinne von Unwissenheit betroffen, denn auch die Vorahnung ist nicht das wahre Sein, sondern künstlich erzeugt, wird aber von denen die zeilebens in Dunkelheit fristen als wahr betrachtet.

,,Ein falsches Bewusstsein [der Höhlenbewohner irrt sich nicht nur gelegentlich sondern konstitutionell].Der Irrtum dieser Gestalt des falschen Bewusstseins, ist leicht zu ermitteln:es ist der Irrtum, Schein für Sein zu halten, den gesehenen Schein für gesehenes Sein, den erkannten Schein für erkanntes Sein, die Bennenung von Schein für die Benennung von Sein zu halten." (Kersting Wolfgang, 1999:225).

Sokrates hierzu:

,,Nichts weiter als unseresgleichen.Denn können denn erstlich solche Gefesselten von sich selbst sowohl wie gegenseitig voneinander etwas anderes gesehen haben als die Schatten, die durch Wirkung des Feuers auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle geworfen werden [und][...] gilt von den vorübergetragenen Gegenständen nicht dasselbe ?" [ ]. (Platon,515,VII,1).

Auffällig ist hier, dass Sokrates keinen Unterschied zwischen seinesgleichen und den Höhlenbewohnern vornimmt. Der Punkt ist, ohne entsprechende Bildung und der Erkenntnis, dass der Ursprung allen Seins außerhalb der Höhle liegt besteht kein Bestreben den Höhlenboden zu verlassen und die erlebte, empfundene Realität gegen eine andere wirklichere einzutauschen, dementsprechend fühlen sich die Höhlenmenschen nicht eingeschränkt oder gefesselt, weil sie den Zustand ihrer Unwissenheit als normal empfinden.Sie wissen nicht um die Möglichkeiten, die ihnen Freiheit bietet und das Gerechtigkeit ein höchsterstrebenswertes Ziel ist. Ebenso wenig sind ihnen die Voraussetzungen dafür bekannt.Philosophen unterscheiden sich durch bessere Bildung und die Einsicht in die Idee des Guten. Hätten sie keine Erkenntnis des Seeinden und die Einsicht in die Idee des Guten würden sie auch nichts missen und sich in keinem Detail von Höhlenbewohnern unterscheiden. Bildung befähigt den Menschen dazu auf dem schweren Weg der Erkenntnis, dem Seienden näher zu kommen. Der Weg ist, deshalb schwer weil man den Höhlenbewohner erst zur Überzeugung bringen muss, dass das was er im Feuer der Erkenntnis unter Schmerzen zu sehen glaubt, dem Seeinden näher kommt als das von er zuvor nur den Schatten sah, sofern er überhaupt in der Lage und nicht durch das Kunstlicht des Feuers, nach seiner Befreiung zur Gänze geblendet ist. Die Steigerung wäre dann hinsichtlich der Vorahnung, die sich dem ehemals Gefesselten von dem was sich im Feuer zu erkennen gibt, auf das wahre Sein der Dinge zu stoßen und damit fähig zu sein in das taghelle Sonnenlicht zu blicken. So spricht Sokrates :

,,[... ]er werde weder aus noch ein wissen und glauben, das vordem Geschaute sei wirklicher als das was man ihm jetzt zeigte[..]" Wenn man ihn nun zwinge seinen Blick auf das Licht selbst zu richten [die Sonne als den Ursprung allen Seins (vgl. Platon,509 VI,19)], so würden ihn doch die Augen schmerzen und er würde sich abwenden und wieder jenen Dingen zustreben,deren Anblick ihm geläufig ist, und diese würde er doch tatsächlich für gewisser halten als die, die man ihm vorzeigte[..]. (Platon, 515 VII,1,2).

Daraus wird ersichtlich, dass ein Bildungsauftrag immer nur Erfolg haben kann, wenn der Höhlenbewohner ebenso seine Situation verändern möchte, wie es der Auftrag des Philosophen ist.Bis der Höhlenbewohner vom Feuer der Erkenntnis in die Sonne als Ursprung allen Seins blicken kann wird Zeit vergehen. Die schmerzliche Anpassungsleistung kann der Höhlenbewohner nicht allein bewältigen und der Weg der Erkenntnis ist ein harter.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668177963
ISBN (Buch)
9783668177970
Dateigröße
2.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318603
Institution / Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München – KSFH München
Note
1,0
Schlagworte
Platon Höhlengleichnis Soziale Arbeit

Autor

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Titel: Das Höhlengleichnis von Platon und seine Bedeutung für die Soziale Arbeit