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Das Angola Modell. Der Tausch von Ressourcen gegen Infrastruktur am Beispiel Ghana

Seminararbeit 2016 17 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Überblick

3. Das Angola Modell

4. Das Angola Modell in Ghana

5. Angola – Ghana: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

6. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Seit der Reform und Öffnungspolitik im Jahre 1978, ist die VR China nicht nur zu einer Wirtschaftsmacht, sondern auch „zu einem der wichtigsten Akteure in so unterschiedlichen Feldern wie der globalen Währungs-, Handels-, Sicherheits- oder Klimapolitik aufgestiegen.“1 Obgleich China ein Entwicklungsland ist oder nicht, fest steht, dass es an seiner Seite wirtschaftliche und politische Partner benötigt um diesen wirtschaftlichen Aufstieg fortzusetzen. Diese Partner sucht sich China nicht nur bei wirtschaftlich starken Ländern in Nordamerika und Europa, sondern auch im wirtschaftlich schwächeren Kontinent Afrika.

Die chinesische Außenpolitik, insbesondere im Bezug auf Latein-Amerika und Afrika, ist durch diverse Prinzipien und Strukturen gekennzeichnet und bietet damit eine Alternative zur US-amerikanischen und europäischen Außenpolitik.2 3

Vor allem das Angola Modell spielt in diesen Beziehungen eine bedeutende Rolle. In der vorliegenden Seminararbeit soll zunächst ein Grundriss über die historischen Voraussetzungen der angolanisch-chinesischen Partnerschaft geschaffen werden. Anschließend wird das Angola Modell explizit erläutert und im Folgekapitel mit chinesischen Infrastrukturhilfen in Ghana verglichen. In Bezug auf das Angola Modell stützt sich diese Arbeit auf Monographien, sowie Artikel. Für die Recherchen bezüglich Ghana werden vorwiegend aktuelle wissenschaftliche Artikel herangezogen.

2. Historischer Überblick

Um einen Überblick über das Thema zu verschaffen, wird im folgenden Kapitel zuerst auf die Anfänge der chinesisch-afrikanischen Beziehungen seit Gründung der VR eingegangen. Anschließend werden unter Einbezug essentielle historischer Prozesse die Beziehungen zu Angola weiter behandelt.

Während die sino-afrikanischen Beziehungen in der Republik Zeit laut Ian Taylor eine gewisse Irrelevanz aufweisen, so wurden erste Beziehungen im Rahmen der Bandung Konferenz geknüpft.4 Weshalb es nach Ausrufung der Volksrepublik zunächst keine unmittelbaren Bemühungen um eine Afrika Politik gab, begründet der Wissenschaftler Alaba Ogunsanwo damit, dass das chinesische Regime zu diesem Zeitpunkt mit den Bemühungen internationaler Anerkennung (u.a. in der UN), und der Sicherung von Hilfen aus der SU, aber auch mit der Durchführung von politischen Kampagnen intensiver beschäftigte war.5 Eine entscheidende Rolle spielte später die Bandung-Konferenz, die in der gleichnamigen Stadt in Indonesien vom 18. - 24. April 1955 stattgefunden hat. Sechs der damals neunundzwanzig Afrikanischen Staaten waren vertreten: Ägypten, Äthiopien, Goldküste (heute: Ghana), Liberia, Libyen und der Sudan. Die chinesische Delegation wurde von Zhou Enlai 周恩来 (1898-1976) und Chen Yi 陈毅 (1901-1972) geleitet. Auf der Bandung Konferenz hat man die ‚Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz’ (heping gongchu wuxiang yuanze 和平共处五项原则) vorgestellt und somit den Grundstein für die zukünftigen China-Afrika Beziehungen gelegt.

Allerdings wurde eines dieser Prinzipien, das Prinzip der Nicht-Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten, von Seiten Chinas schon bald ignoriert. Taylor nennt als Beispiel die Unterstützung der anti-Französischen und sozialistischen ‚Nationalen-Befreiungsfront’ in Algerien, durch China.6

Auch im angolanischen Unabhängigkeitskrieg stand China an der Seite der drei wichtigsten Befreiungsorganisationen (liberation organisations) und hatte somit ein weiteres Mal über die ‚Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz’ hinweggesehen. Drei große Parteien waren in diesen Befreiungsbewegungen involviert: die Volksbewegung für die Befreiung Angolas, Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA), die Nationale Front für die Befreiung Angolas, Frente Nacional para a Libertação de Angola (FNLA), sowie die Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas, União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA). Wie im Folgenden noch erläutert wird, hatte China mehr oder weniger zu allen drei Gruppen Beziehungen gepflegt.7

Die marxistisch ausgerichtete MPLA erhielt unter anderem von der UdSSR und Kuba Unterstützung, doch das Zerwürfnis zwischen der Regierung in China und Moskau, führte laut Steven F. Jackson zu einer Abneigung Chinas gegenüber der MPLA.8 Einen weiteren Aspekt sehen Jackson und Taylor auch in der Anerkennung der MPLA Gegenbewegungen als legitime Befreiungsbewegungen als Grund für die Hinwendung Chinas zur FNLA.9 Dennoch wurden freundliche Kontakte zur MPLA von China weiter aufrechterhalten.10

Die Beziehung zwischen China und der ideologiefreien FNLA wurde bis 1973 unterbrochen, da Abgesandten der Volksrepublik China die Einreise in den Kongo verweigert wurde, wo sich die Basis der FNLA befand.11

Demzufolge erschloss sich, dass die UNITA zunächst die wichtigste Organisation für Peking gewesen sein könnte. Taylor belegt dies damit, dass es zu einem Treffen im Juli 1964 zwischen dem Organisationsleiter Jonas Savimbi (1934-2002), Mao Zedong 毛泽东 (1893-1976) und Zhou Enlai kam, außerdem habe Savimbi und andere Organisationskader in China ein militärisches Training absolviert.12 Obwohl die UNITA in China, insbesondere in der Kommunistischen Partei, ein Vorbild für den eigenen Befreiungskampf sah und es 1967 zu einem weiteren Treffen zwischen Mao und Savimbi kam, betrugen die Zuwendungen Chinas nicht mehr als £5.000.13 Darüber hinaus ist Taylor der Meinung, dass für China mit dem Ende der Kulturrevolution (wuchanjieji wenhua dageming 无产阶级文化大革命) kein Interesse gegenüber radikalen maoistisch-orientierten Befreiungsbewegungen wie der UNITA mehr bestand. Jackson ist der Meinung, dass China die UNITA und die FNLA nicht aufgrund ideologischer Werte bevorzugt hat, sondern allein um einen Sieg der von der SU unterstützten MPLA auszuschließen.14 Mit dem Sturz des portugiesischen Regimes im April 1974 wurden mit allen Bewegungen Waffenstillstandsabkommen geschlossen.

Diese waren allerdings nicht von langer Dauer, denn während der durch Peking vermittelten Friedensgespräche eskalierte die Lage zwischen den Bewegungen. Woraufhin die MPLA mit Hilfe von sowjetischen Waffen Luanda und weitere Provinzhauptstädte einnahm.15

Die Beteiligung Chinas am Unabhängigkeitskrieg stellte sich laut Taylor nicht nur als Desaster, sondern auch als Gesichtsverlust für China in Afrika heraus.16 Durch einen südafrikanischen Einmarsch in Angola, hat sich China zur USA und zum südafrikanischen Apartheid Regime bekannt. Man ging verbündet gegen die Sozialisten in Angola vor.17

Dennoch wurde Ende 1975 die erste unabhängige Regierung in Angola von der MPLA gestellt und rasch von Moskau anerkannt. In den folgenden Jahren hatte sich China, abgesehen in Form von Anti-Sowjetischer Propaganda aus Afrika zurückgezogen.

In den fortlaufenden Jahren kam es zu gegenseitiger Anerkennung zwischen China und Angola. In den Jahren 1982 und 1983 folgten offizielle bilaterale Beziehungen zu Angola. Des Weiteren wurde bald darauf eine Botschaft in Luanda errichtet. Der Kontakt zwischen den Ländern entwickelte sich zunächst schleppend, was laut Shinn und Eisenmann nicht verwundernd ist, da Peking nur ein paar Jahre zuvor die MPLA Gegner unterstützt hatte.18 Fortan wurden Handels- und Darlehensverträge abgeschlossen, aber auch eine Zusammenarbeit zwischen der Xinhua Nachrichtenagentur und dessen angolanischen Pendant vereinbart. Im Jahr 1988 wurden während des Aufenthaltes des angolanischen Präsidenten Eduardo dos Santos in Peking, weitere Abkommen geschlossen, welche die Zusammenarbeit auf nahezu allen Bereichen gestärkt hat. Daraufhin ist Angola zu einem der wichtigsten Handelspartner Chinas geworden.19

Der Tiananmen Zwischenfall wurde im Gegensatz zu anderen Ländern in Subsahara-Afrika, nicht von Angola kritisiert. Als es 1992 zu einem erneuten Kampf zwischen MPLA und UNITA kam, mischte sich China diesmal nicht in die Angelegenheiten ein.

3. Das Angola Modell

Nachdem die sino-afrikanischen Beziehungen im Allgemeinen, sowie die sino-angolanischen Beziehung dargestellt worden sind, soll im folgenden Kapitel das Angola Modell explizit veranschaulicht werden.

Um das zerstörte Land nach Ende des langen Bürgerkriegs wiederaufzubauen, war externe Hilfe von Nöten. Bereits zwischen 1995 und 2004 haben laut Deborah Brautigam Verhandlungen zwischen dem IWF und Angola stattgefunden, jedoch erfolglos.20 In der Vergangenheit kam es im Bereich der Umsätze aus Erdölförderungen bereits zu einem Verschwinden von Geldern, deshalb forderte der IWF hier Reformen bei der Transparenz. Eine andere Wissenschaftlerin nennt als weitere Forderung des IWFs makroökonomische Stabilisierung im Sinne einer restriktiven Fiskalpolitik um die Inflationsrate zu senken.21 Da die angolanische Regierung die oben genannten Bedingungen des IWFs und anderer westlichen Geldgeber weder erfüllen konnte noch wollte, hat sich die MPLA Regierung an China gewandt.22

Für ein zerstörtes Land ohne eine fundierte Infrastruktur wie Angola, war es eine Hürde politische Reformen durchzuführen, ohne dabei auf ausländische Hilfe zu verzichten. Monetäre Hilfe ohne politische Bedingungen hätte es auch von europäischen Banken gegeben, allerdings zu viel höheren Zinsen und mit einer kürzeren Rückzahlungsfrist. Demzufolge entschied man sich in Angola für das Angebot aus China, denn Chinas Darlehen sind nicht an politische Bedingungen geknüpft, jedoch auch nicht komplett bedingungslos, wie im Folgenden erklärt wird.23

Bei diesem Abkommen bietet China Angola nicht nur Geld, sondern auch Knowhow für den Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur. Im Gegenzug kann Angola den Energiehunger, der auf Produktion basierten chinesischen Wirtschaft, stillen. Oder wie es die Wissenschaftler Campos und Vines ausdrücken: „From both the Angolan and Chinese perspectives, the relationship is pragmatic and strategic.“24

[...]


1 Schmidt, Dirk; Heilmann, Sebastian, Außenpolitik und Außenwirtschaft der Volksrepublik China. Wiesbaden: Springer VS 2012, S. 11.

2 Alden, Chris; Large, Daniel, „China’s Exceptionalism and the Challenges of Delivering Difference in Africa“, Journal of Contemporary China Vol. 20, Issue 68 (Januar 2011), S. 21-38, S. 30

3 Schmidt; Heilmann, S.44.

4 Taylor, Ian, China and Africa: engagement and compromise. London: Routledge 2006, S. 16 – 17.

5 Ogunsanwo, Alaba, China’s Policy in Africa: 1958-71. London: Cambridge University Press 1974, S. 4.

6 Taylor, Ian (2007), S. 21.

7 Taylor, Ian (2007), S. 75.

8 Jackson, Steven F., „China's Third World Foreign Policy: The Case of Angola and Mozambique, 1961–93“, The China Quarterly 142 (Juni 1995), S. 388-422, S. 396.

9 Taylor, Ian (2007), S. 75.

10 Taylor, Ian (2007), S. 76.

11 Taylor, Ian (2007), S. 76.

12 Taylor, Ian (2007), S. 76.

13 Jackson, Steven F. (1995), S. 397 f.

14 Jackson, Steven F. (1995), S. 405.

15 Taylor, Ian (2007), S. 80.

16 Taylor, Ian (2007), S. 81.

17 Shinn, David Hamilton; Eisenmann, Joshua, China and Africa: a century of engagement. Philadelphia: University of Pennsylvania Press 2012, S. 66.

18 Shinn, David Hamilton; Eisenmann, Joshua (2012), S. 340.

19 Taylor, Ian (2007), S. 88.

20 Brautigam, Deborah, The dragon’s gift: the real story of China in Africa. London: Oxford University Press 2011, S. 274.

21 Corkin, Lucy, „Uneasy allies: China’s evolving relations with Angola“, Journal of Contemporary African Studies Vol. 29, No. 2 (April 2011), S. 169-180, S. 171.

22 Power, Marcus; Mohan, Giles; Tan-Mullins, May, China’s Resource Diplomacy in Africa: Powering Development?. Basingstoke: Palgrave Macmillan 2012, S. 142.

23 Asche, Helmut; Schüller, Margot: “Chinas Engagement in Afrika – Chancen und Risiken für Entwicklung“, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, 2008, S. 17.

24 Campos, Indira; Vines, Alex, „Angola and China: A Pragmatic Partnership“, CSIS Working Paper, London: CSIS 2008, S. 18.

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668177369
ISBN (Buch)
9783668177376
Dateigröße
990 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318420
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Schlagworte
Angola Modell China Außenpolitik Ghana Ressourcen Infrastruktur Afrika

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