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Die Qual der Wahl bei der Standortentscheidung. Welche Faktoren beeinflussen Unternehmen tatsächlich? (Erdkunde, 12 Leistungskurs)

Fünfter Unterrichtsentwurf

Unterrichtsentwurf 2015 21 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema der Unterrichtsstunde

Tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsreihe

Verlaufsplan

Längerfristige Unterrichtsreihenplanung

Stundenziel

Teilziele

Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption

Quellenverzeichnis

Anhang

Darstellung der Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verlaufsplan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Längerfristige Unterrichtsplanung

Lerngruppenanalyse und Lernausgangslage

Bei der Lerngruppe handelt es sich um einen Leistungskurs der zwölften Jahrgangsstufe im Fach Erdkunde. Es gibt wöchentlich fünf Unterrichtsstunden Erdkunde im Leistungskurs. Ich kann allerdings, aufgrund meines bedarfsdeckenden Unterrichts, lediglich mittwochs in der Doppelstunde anwesend sein. Ich hospitiere in diesen zwei Stunden seit diesem Schuljahr in Herrn XXX Kurs und habe für diese Doppelstunde eine eigene Reihe geplant, da ich wie beschrieben von den fünf Stunden pro Woche lediglich zwei anwesend sein kann und es somit schwierig ist, die Unterrichtsreihe von Herrn XXX zu übernehmen. Der Kurs besteht aus insgesamt 17 SuS, wobei mit sieben Schülerinnen und zehn Schülern das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen ist. Der Kurs ist als motiviert und leistungsstark zu beschreiben und das Lernklima ist insgesamt als positiv zu kennzeichnen. In Stillarbeitsphasen zeigen sich die SuS konzentriert und es wird ergebnisorientiert gearbeitet. Bei Unterrichtsgesprächen wird allerdings die Heterogenität der Gruppe deutlich. So gibt es einige SuS, die sich sehr häufig melden, von anderen hingegen gehen kaum Wortmeldungen aus. Auch die Qualität der Beiträge ist heterogen. Die SuS des Kurses pflegen einen guten Umgang untereinander und gehen respektvoll miteinander um. Sie sind insgesamt als gute Gemeinschaft zu bezeichnen. Lediglich ein Schüler ist nicht ganz in dem Kurs integriert. Einen Hinweis darauf gibt die Sitzordnung, da der Schüler alleine sitzt. Es handelt sich um einen eher introvertierten Schüler, der wenig sagt und auch außerhalb des Unterrichts eher als Außenseiter zu sehen ist. Auffällig ist, dass der Schüler beim Lesen der Aufgabenstellungen länger als die anderen SuS braucht. Mehrmaliges Nachfragen meinerseits ergab, dass er aber keinesfalls die Aufgabenstellung nicht verstanden hat, sondern er einfach ein wenig mehr Zeit zum Lesen braucht. Wenn er einen Wortbeitrag leistet spricht er langsam und oftmals auch redundant. Die anderen SuS kennen dieses Verhalten und akzeptieren es, wobei zum Teil ablehnende Reaktionen der SuS zu erkennen sind. Bekannt ist, dass der Schüler längere Zeit krank war und auch aktuell noch in ärztlicher Behandlung ist.

Es wird versucht den Unterricht handlungsorientiert und für die SuS spannend zu gestalten. Umgesetzt werden soll dies dadurch, dass Methoden und Medien abwechslungsreich eingesetzt werden und dass die SuS innerhalb der Thematik einen Bezug zu ihrem eigenen Leben herstellen können. Weiterhin wird versucht möglichst viel Verantwortung und viele Aufgaben an die SuS abzugeben, damit diese selbstständig agieren. Gruppen werden zumeist zufällig ausgewählt, sodass jeder mit jedem arbeiten kann, es keine Grüppchenbildung gibt und der vermeintliche Außenseiter bestmöglich integriert wird.

Hinsichtlich der Lernausgangslage ist zu beachten, dass die Thematik neu für die SuS ist. Die SuS kommen zwar aus unterschiedlichen Kursen innerhalb der vorherigen elften Jahrgangsstufe, sind allerdings in Bezug auf ihr thematisches Basiswissen in etwa auf einem gleichen Stand anzusiedeln. Praktisch gesehen fehlen einigen SuS oftmals Fachbegriffe. Beispielsweise wussten einige SuS mit dem Begriff „Wirkungsgefüge“ nicht umzugehen. Nachdem ein anderer Schüler den Begriff erklärt hatte, wurde angemerkt, dass sie diese Vorgehensweise schon kannten, lediglich den Begriff nicht zuordnen konnten. In dem Leistungskurs wird mit der Diercke - App gearbeitet. Den SuS ist es erlaubt während des Unterrichtes Fachbegriffe mit Hilfe der App nachzuschauen. Ich halte diese Methode einerseits für gut und hilfreich, andererseits kann es auch dazu kommen, dass die SuS sich im Allgemeinen auf die App verlassen und auch grundlegende Begriffe nicht mehr lernen.

Die Unterrichtssequenz im Reihenkontext

Die gezeigte Unterrichtsstunde ist die neunte Unterrichtsstunde der Reihe: „Wirtschaftsregionen im Wandel – Einflussfaktoren und ihre Auswirkungen“ und hat das Thema „Die Qual der Wahl – Unternehmen stellen verschiedenste Standortansprüche, aber welche Faktoren beeinflussen tatsächlich ihre Standortentscheidung?“.

Legitimiert werden können die Stunde und ebenso die Reihe mit Hilfe der Landesvorgaben Nordrhein-Westfalens für die Sekundarstufe II in Geographie.[1] Die Reihenthematik ist im Lehrplan unter dem Themenfeld „Bedeutungswandel von Standortfaktoren“ unter Inhaltsfeld vier zu finden. Hier heißt es, dass „Der Strukturwandel in industriell geprägten Räumen und die Herausbildung von Wachstumsregionen […] im Mittelpunkt dieses Inhaltsfeldes [stehen].“[2] Die SuS sollen verstehen, warum „[…] Veränderungen in den wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen sowie die Auswirkungen von Menschen und Gütern […]“ stattfinden.[3] Ebenfalls ist die Reihenthematik auch in dem schulinternen Lehrplan zu finden und wird als verbindlicher Unterrichtsvorschlag beschrieben.[4] Die Gestaltung der Unterrichtsreihe orientiert sich weiterhin an den im Lehrplan geforderten Gestaltungsprinzipien des Unterrichts, wobei vor allem auf selbstständiges Arbeiten und wechselnde kooperative Arbeitsformen, aber auch auf frontale Phasen, wie beispielsweise das gelenkte Unterrichtsgespräch, um Ergebnisse zu bündeln und zu sichern, Wert gelegt wird. Übergeordnetes Ziel der Reihe ist es, dass die SuS verstehen, warum ein Strukturwandel in Regionen stattfindet und welche Konsequenzen dieser für den Raum und die Menschen mit sich bringt. Durch die inhaltliche Akzentuierung der behandelten Regionen und Themen wurde versucht, einen möglichst großen Bezug zur Lebenswelt der SuS herzustellen. Aus diesem Grund wurde das Ruhrgebiet als zu behandelnder Raum ausgewählt. Dieser Raum ist den SuS durch die räumliche Distanz vertraut und stellt somit auch einen Gegenwartsbezug dar. Laut Klafki können sich die SuS durch diese Bezüge besser in die Thematik hineinversetzen, sich mehr mit diesen Gegenständen identifizieren und somit auch besser über diese diskutieren.[5] Ebenfalls ist es meiner Meinung nach wichtig, Kenntnisse über die Geschichte und Wandlung seines unmittelbaren Umfelds zu erlangen. Die Wandlung des Ruhrgebietes stellt neben dem räumlichen Bezug ein gutes Beispiel dar, um Gründe und Auswirkungen eines Strukturwandels nachvollziehen zu können. Fachbegriffe wie Industrialisierung, Deindustrialisierung, Monostruktur, Montanindustrie und Tertiärisierung wurden eingeführt und miteinander in Beziehung gesetzt und damit die Sachkompetenz der SuS erweitert. Anschließend wurde das „Drei Sektoren Modell“ von Fourastie behandelt. Hierbei war auf der einen Seite wichtig zu verstehen, was Antrieb und Motor dieses Modells darstellt. Auf der anderen Seite sollten die SuS den zuvor behandelten Raum vor und nach dem Strukturwandel einordnen. Letztlich fand eine Modellkritik seitens der SuS statt, indem diese beurteilten, wo das Modell Stärken und Schwächen aufweist. Diese Beurteilung erweitert ihre Methoden – und Urteilskompetenz.

Als konkretes Beispiel des Strukturwandels im Ruhrgebiet wurde das CentrO Oberhausen ausgewählt. Für diese Auswahl gibt es mehrere Gründe. Zum einen kennen die SuS das CentrO und es ist wiederum ein Lebensweltbezug gegeben. Zum anderen findet am 14.12.2015 für die zwei Erdkunde - Leistungskurse der 12. Jahrgangsstufe eine Exkursion dorthin statt, sodass es sich angeboten hat, diesen Ort näher zu betrachten. Die übergeordnete Frage lautete, ob das CentrO ein gelungenes Beispiel für den Strukturwandel im Ruhrgebiet darstellt oder nicht. Hierbei war es in einem ersten Schritt wichtig, die Wandlungsschritte bis zum heutigen CentrO zu erarbeiten und weiterhin die Dimensionen und Ausmaße des größten Einkauf- und Freizeitcenters Europas[6] zu erfassen. Um diesen Schritt umzusetzen wurde ein kurzer Werbefilm des CentrO[7] gezeigt und anschließend wurden Texte und Grafiken[8] ausgewertet. Nachdem diese Grundlagen geschaffen wurden, versetzten wir uns 20 Jahre zurück, vor den Bau des CentrO und es wurden in arbeitsteiligen Gruppen Argumente für und gegen den Bau erarbeitet. Die Kleingruppen sollten sich weiterhin in vorgegebene Rollen hineinversetzen und diese in einer Podiumsdiskussion vertreten. Hierbei ging es einerseits darum, die Methodenkompetenz des Argumentierens zu fördern, andererseits aber auch darum, Argumente aus anderen Sichtweisen und Positionen zu verstehen, wahrzunehmen und sich selbst im Sinne der Urteilsbildung zu positionieren. So war es für die SuS schwierig, Argumente gegen den Bau des CentrO zu finden, da sie selbst dieses Projekt bisher nie hinterfragt hatten. Hierbei sollte erreicht werden, dass SuS Sachverhalte und Gegebenheiten bezüglich der Nachhaltigkeit hinterfragen und überdenken. Das Fach Erdkunde hat übergeordnet den Auftrag, im Sinne der Umweltbildung das Bewusstsein der SuS für Umwelt und Nachhaltigkeit zu stärken und sie dazu anzuregen sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.[9] Insgesamt sollte den SuS bewusst werden, dass Einkaufszentren eine Gefahr für kleinere ansässige Betriebe darstellen und auch dazu führen können, dass die Geschäfte in den Innenstädten, in unserem Fall in Oberhausen, ausstreben. Die SuS wurden angeregt, ihr Handeln, beispielsweise Vorhaben wie: „Wir fahren manchmal nur zum Essen ins CentrO“ zu überdenken. Ob letztlich ein Umdenken und damit ein bewussteres Handeln der SuS stattfindet, kann allerdings nicht nachgewiesen werden.

Die SuS bewerteten das Argument, dass die Innenstädte durch Einkaufzentren auf der „Grünen Wiese“ zerstört werden, als das wichtigste Gegenargument. Somit bot es sich an, auf die aktuelle Situation in Deutschland zu schauen, wo viele neue Einkaufzentren nicht mehr auf der „Grünen Wiese“ außerhalb, sondern direkt in den Innenstädten entstehen. Fällt mit dieser Änderung der Standorte das wichtigste Argument gegen große Einkaufszentren weg? Nach einer Sammlung von Einschätzungen der SuS wurde ein kurzer Filmausschnitt gezeigt und die aktuelle Situation bewertet und ein Vergleich mit dem aktuellen Sterben von Malls in den USA angestellt. Doch wie entscheidet sich ein Einkaufzentrum oder allgemein ein Unternehmen für einen Standort?

An dieser Stelle befinden wir uns thematisch in der gezeigten Unterrichtsstunde, in welcher die SuS in arbeitsteiligen Gruppen für zwei bekannte Unternehmen einen passenden Standort finden sollen. Wurden Kriterien für Standorte erarbeitet, diese nach Relevanz gewichtet und mit Hilfe einer Standortanalyse ein passender Standort zugeordnet, sollen die SuS in den nächsten Unterrichtsstunden das Standortmodell von Weber auswerten und anhand der kennengelernten Standortansprüche beurteilen, ob es eine Verschiebung und Veränderung, vor allem zwischen harten und weichen Standortfaktoren, gegeben hat. Das Modell von Weber wird anschließend mit dem aktuellen Modell von Florida verglichen. Als Abschluss der Sequenz sollen die Produktlebenszyklen anhand der Entwicklung der deutschen Textilindustrie erarbeitet werden.

[...]


[1] Vgl.: Vgl.: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, letzter Zugriff: 03.12.2015.

[2] Vgl.: ebd.

[3] Vgl.: ebd.

[4] Vgl.: Schulinterner Lehrplan.

[5] Klafki, W., S. 265ff.

[6] Vgl.: Diercke Praxis, S.60, M3.

[7] Vgl.: CentrO Oberhausen (letzter Zugriff: 03.12.2015).

[8] Vgl.: Diercke Praxis, S.60f.

[9] Vgl.: Wilhelmi, V., S. 4ff.

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668177116
ISBN (Buch)
9783668177123
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318318
Note
2
Schlagworte
qual wahl standortentscheidung welche faktoren unternehmen erdkunde leistungskurs unterrichtsentwurf

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Titel: Die Qual der Wahl bei der Standortentscheidung. Welche Faktoren beeinflussen Unternehmen tatsächlich? (Erdkunde, 12 Leistungskurs)