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Die Schulsozialarbeit. Zielgruppen, Methoden, Haltungen und Handlungsprinzipien eines wichtigen schulischen Handlungspartners

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Schulsozialarbeit im Kontext der Schule heute

2. Schulsozialarbeit – Zielgruppen, Methoden, Haltungen und Handlungsprinzipien eines wichtigen schulischen Handlungspartners
2.1 Begriffsklärung und Definition
2.2 Schulsozialarbeit – ein Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe
2.3 Schulsozialarbeit im Handlungsfeld der ganzheitlichen, kommunalen Bildung
2.4 Begründung, Ziele und Zielgruppen der Schulsozialarbeit
2.4.1 Begründung und Ziele der Schulsozialarbeit
2.4.2 Zielgruppen der Schulsozialarbeit
2.5 Handlungsprinzipien und Grundsätze der Schulsozialarbeit
2.6 Methoden der Schulsozialarbeit
2.6.1 Einzelhilfe und Beratung
2.6.2 Sozialpädagogische Gruppenarbeit
2.6.3 Offene Angebote für alle Schülerinnen und Schüler
2.7 Kooperation zwischen Schule und Schulsozialarbeit

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Schulsozialarbeit im Kontext der Schule heute

Nach den häufigen Medienberichten über Gewaltereignisse in Schulen, scheinen Krisensituationen in Schulen in den letzten Jahren deutlich zugenommen zu haben. Fast keine Woche vergeht, an der nicht über besondere Gewaltvorkommnisse in Schulen berichtet wird. Die Krisensituationen in Schulen, wie Verkehrsunfälle auf den Schulweg, Prügeleien auf dem Schulhof mit Verletzten oder die Drohungen von Schülern gegenüber anderen Schülern erschüttern die Schulfamilie und alle Beteiligten in bisher noch nicht gekanntem Ausmaß. Heute verbreiten sich auch über Handy und Internet Gerüchte unglaublich schnell, sodass sich in kurzer Zeit eine unkontrollierbare Dynamik aus Sorgen und Angst entwickelt. Aber welche Optionen hat eine Lehrkraft im Umgang mit Problemsituationen?

Das Thema „Schule“ wird in den letzten Jahren so kontrovers diskutiert wie noch nie. Im Prinzip soll aus jungen Menschen verantwortungsbewusste, gesellschaftsfähige Erwachsene werden. Sie sollen ihren Platz in der Gesellschaft finden. Einen Platz, an dem sie sich wohl fühlen und woraus sie Kraft schöpfen, um ihr Leben in einer für sie befriedigenden Form zu meistern. Die Schulsozialarbeit hat den Auftrag, die Schule und die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag zu unterstützen und förderliche Bedingungen dafür zu schaffen. Kindern und Jugendlichen soll das „Hineinwachsen“ in die Gesellschaft erleichtert werden. Dies ist allerdings keineswegs leicht, denn die komplexen persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Kontexte sind deutlich konfliktgeladener als sie vielleicht früher waren. Man schätzt sogar, dass heute 25 bis 30 Prozent aller Jugendlichen (vgl. Drilling 2001, S. 8) von psychosozialen Belastungen betroffen sind. Wir leben in einer Gesellschaft mit einer derartigen Vielfalt an Lebenswelten aus der multiple Anforderungen und Ansprüche resultieren. Schule und Schulsozialarbeit sind auf der Suche nach schlüssigen Konzepten, um zum Wohle der Schülerinnen und Schüler handeln zu können.

In der folgenden Arbeit geht es darum, den Begriff „Schulsozialarbeit“ zu klären und die Ziele, Zielgruppen und Methoden der Schulsozialarbeit zu erläutern. Auch die Kooperation zwischen den Lehrkräften und Schulsozialarbeitern sollen veranschaulicht werden.

2. Schulsozialarbeit – Zielgruppen, Methoden, Haltungen und Handlungsprinzipien eines wichtigen schulischen Handlungspartners

2.1 Begriffsklärung und Definition

Schulsozialarbeit, was ist das? Der Begriff als auch das inhaltliche Verständnis im Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit wird nicht immer einheitlich verwendet. Trotz der über 40-jährigen Entwicklung in Deutschland gibt es keine allgemeingültige Definition. Um sich dem Begriff mithilfe eines alltagssprachlichen Verständnis zu nähern, betrachtet man zunächst die beiden Wortbestandteile: Schul(e) und Sozialarbeit. Es scheint sich um eine Form der sozialen Arbeit zu handeln, die in der Institution Schule stattfindet (vgl. Gastiger / Lachat 2012, S. 15).

Der Begriff „Schulsozialarbeit“ ist in Deutschland zwar weitestgehend gebräuchlich, jedoch werden immer wieder – auch von Fachleuten – andere Begrifflichkeiten verwendet, wie etwa „Sozialarbeit an Schulen“, „schulbezogene Jugendsozialarbeit“, „sozialpädagogisches Handeln in der Schule“, „schulalltagsorientierte Sozialpädagogik“, „schulbezogene Jugendhilfe“, sowie „schul soziale Arbeit“ (vgl. Speck 2007, S. 23) Durch diese enorme Begriffsvielfalt wird ein Austausch über die Schulsozialarbeit und eine notwendige Konzeptdiskussion im Fachpublikum stark erschwert. Deshalb spricht einiges für die einheitliche Verwendung des Begriffes „Schulsozialarbeit“, den Speck (2007, S. 28f.) folgendermaßen definiert:

„Unter Schulsozialarbeit wird im Folgenden ein Angebot der Jugendhilfe verstanden, bei dem sozialpädagogische Fachkräfte kontinuierlich am Ort Schule tätig sind und mit Lehrkräften auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammenarbeiten, um junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern, dazu beizutragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, Erziehungsberechtigte und LehrerInnen bei der Erziehung und dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz zu beraten und zu unterstützen sowie zu einer schülerfreundlicheren Umwelt beizutragen. Zu den sozialpädagogischen Angeboten und Hilfen der Schulsozialarbeit gehören insbesondere Beratung und Begleitung von einzelnen SchülerInnen, die sozialpädagogische Gruppenarbeit, die Zusammenarbeit mit und Beratung der LehrerInnen und Erziehungsberechtigten, offene Gesprächs-, Kontakt- und Freizeitangebote, die Mitwirkung in Unterrichtsprojekten und in schulischen Gremien sowie die Kooperation und Vernetzung mit dem Gemeinwesen“ (Speck 2007, S. 28f.)

Einzelne Aspekte dieser Definition werden in den folgenden Abschnitten behandelt.

2.2 Schulsozialarbeit – ein Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe

Die Schulsozialarbeit wird als eigenständiges Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe angesehen. Die SchulsoziarbeiterInnen abreiten im Bereich der Sozialen Arbeit, der der Kinder- und Jugendhilfe übergeordnet ist. SchulsozialarbeiterInnen benötigen ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Sozialen Arbeit. Angestellt sind die SchulsozialarbeiterInnen in der Regel bei öffentlichen oder freien Trägern der Jugendhilfe. Der Gesetzgeber sieht für die Kinder- und Jugendhilfe eine starke präventive, partizipatorische und freiwillige Dienstleistungsorientierung vor. Die Jugendhilfe ist nach § 1 Abs. 3 SGB VIII insbesondere für die Integration von Kindern und Jugendlichen in die Gesellschaft zuständig. Das Tätigkeitsfeld von SchulsozialarbeiterInnen und Lehrkräften unterscheidet sich durch verschiedene Aufträge, Aufgabenschwerpunkte, Fachkompetenz und Arbeitsweisen. Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe sind in der Regel die einzigen ihrer Profession an einer Schule. Deshalb sind fachliche Kenntnisse und Erfahrung hinsichtlich des Arbeitsgebiets sowie eine gute kommunikative Kompetenz unerlässlich (vgl. Gastiger / Lachat 2012, S. 19).

Die Schulsozialarbeit kann als große Chance für die Schule gesehen werden. Sie versucht das Spannungsverhältnis zwischen der Integrations- und Selektionsfunktion der Schule zu entschärfen, damit es zu einer partnerschaftlichen Kooperation auf Augenhöhe kommen kann (vgl. Gastiger / Lachat 2012, S. 20).

2.3 Schulsozialarbeit im Handlungsfeld der ganzheitlichen, kommunalen Bildung

Als „sozialpädagogische Bildungsakteure“ (Gastiger / Lachat 2012, S. 20) tragen SchulsozialarbeiterInnen dazu bei, dass sich Kinder und Jugendliche zu eigenständigen und gemeinschaftsfähigen jungen Menschen entwickeln. Neben den geistigen Fähigkeiten sollen Kinder und Jugendliche ihre Persönlichkeit auch hinsichtlich der personalen und sozialen Kompetenzen erweitern können. Dafür arbeiten die SchulsozialarbeiterInnen nach dem Prinzip der Ganzheitlichkeit und dem Grundsatz des Lebensweltbezugs. Entsprechend dieser Prinzipien werden die Methoden und Handlungskonzepte gewählt (Gastiger / Lachat 2012, S. 20f.).

Schulsozialarbeit wird in Deutschland hauptsächlich von kommunalen Trägern finanziert. Deshalb entscheiden die gewählten kommunalen Vertreter und Vertreterinnen über die einzelnen Standorte der Schulsoziarbeit und über deren Rahmenbedingungen. In den vergangenen Jahren haben sich jedoch immer mehr positive Auswirkungen der Schulsozialarbeit auf die Bildungsprozesse der Kinder und Jugendlichen ergeben, sodass die Kommunen meist zu höheren finanziellen Beiträgen bereit sind (Gastiger / Lachat 2012, S. 21).

Das vernetzte System der kommunalen Bildungsarbeit vereint die Bereiche Bildung, Erziehung und Betreuung der verschiedenen Organisationen und Institutionen, die in der Kommune vertreten sind. Die verschiedenen Bereiche sollen wie Zahnräder ineinander greifen, damit eine kooperative Zusammenarbeit entstehen kann und die Kinder und Jugendlichen entlang ihrer Bildungsbiographie individuell gefördert werden können (vgl. Gastiger / Lachat 2012, S. 21f.).

2.4 Begründung, Ziele und Zielgruppen der Schulsozialarbeit

2.4.1 Begründung und Ziele der Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit funktioniert nicht ohne Ziele und Begründungen. Um sozialpädagogische Dienstleistungen sinnvoll anbieten zu können, steht man zunächst vor der Herausforderung, den Nutzen dieser zu begründen. Speck (2007, S. 33ff.) unterscheidet zwischen alltagspraktischen und theoretischen Begründungsmustern. Demnach stützen sich alltagspraktische Begründungsmuster eher auf die tatsächlich wahrgenommene, aktuelle Problematik in einer bestimmten Region, aus der ein bestimmter Handlungsdruck hervorgeht. Sie beschäftigen sich mit sehr klaren und konkreten Ziel- und Lösungsvorschlägen und beeinflussen damit auch in hohem Maße politische Entscheidungen. Speck (2007, S. 34ff.) sieht im Wesentlichen zwei alltagspraktische Begründungsmuster, die aus der Förderpolitik, aus Pressemitteilungen in Zeitungen und im Internet sowie aus wissenschaftlichen Berichten hervorgehen.

Einerseits wird der Einsatz von SchulsozialarbeiterInnen häufig aus konkretem Anlass mit dem Abbau von Verhaltensauffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern begründet. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um eine sehr individuelle und schülerbezogene Vorgehensweise mit konkreten Zielvorstellungen, z. B. die Verringerung von Gewalt, Reduzierung der Schulverweigerung und Verbesserung des Lern- und Sozialverhaltens. Allerdings handelt es sich bei dieser Art der Begründung meist nur um eine kurzfristige Intervention der Schulsoziarbeit als Legitimation für politisches Handeln. Eine langfristige Absicherung der erreichten Ziele sowie die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe ist in diesem Fall nicht gegeben.

Zum anderen wird die Schulsozialarbeit im Rahmen des alltagspraktischen Begründungsmusters oft durch die für die Schülerinnen und Schüler verfügbaren Freizeitangebote und die Nachmittagsbetreuung legitimiert. Dabei entsteht jedoch die Gefahr, dass die Schulsozialarbeit nur noch als „Lückenbüßer“ für den außerunterrichtlichen Unterricht fungiert und die vielfältigen Potenziale der Schulsozialarbeit dabei vernachlässigt werden.

Die theoretischen Begründungsmuster werden nun in einem zweiten Schritt behandelt. Sie setzen sich mit übergreifenden empirischen Befunden und theoretischen Konzepten auseinander. In der aktuellen Forschung (z. B. Drilling 2001) lassen sich insgesamt vier theoretische Begründungsmuster für Schulsozialarbeit erkennen:

- Sozialisations- und modernisierungstheoretisches Begründungsmuster
- Schultheoretisches Begründungsmuster
- Transformationstheoretisches Begründungsmuster
- Rollen- und professionstheoretisches Begründungsmuster

Das sozialisations- und modernisierungstheoretisches Begründungsmuster betrifft die gesellschaftlichen Veränderungen in Familie, Freizeit, Schule und Beruf. Je nach Sichtweise und Lage führen sie zu schwierigen und „defizitären Sozialisationsbedingungen“ (Speck 2007, S. 36). In diesem Zusammenhang ist insbesondere von Veränderungen in den Familienstrukturen (Scheidungen, Alleinerziehende) und den Vor- und Nachteilen der gestiegenen Individualisierung des Lebens die Rede. Drilling (2001, S. 9) spricht von „sich verändernden Lebenswelten, in deren Folge eine zunehmende Zahl von Individuen aus ihren Bildungs- und Versorgungsstrukturen herausgelöst werden“. Deshalb erlebt die heutige Gesellschaft eine zunehmende Zahl an Kindern und Jugendlichen, die mit Schulversagen und Schulverdrossenheit auf diese Lebensbedingungen reagieren. Angesichts dieser Reaktionen besteht aus der Sicht der Schulsozialarbeit Handlungsbedarf. Die heranwachsenden, jungen Menschen benötigen Unterstützung hinsichtlich ihrer Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung. Außerdem, so betont Speck (2007, S. 38), sollen die Schülerinnen und Schüler in ihrer schulischen und außerschulischen Lebensbewältigung gefördert werden, um ihre Schulerfolgsaussichten und die soziale Integration langfristig zu erhöhen. Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur in ihrer „Schülerrolle“ wahrgenommen werden, auch deren lebensweltliche Bezüge und alltägliche Erfahrungen sollen in den Mittelpunkt gerückt werden.

Das schultheoretische Begründungsmuster der Schulsozialarbeit erlebte besonders Anfang der 1980er Jahre große Beliebtheit, denn es herrschte die Überzeugung, mit Schulsozialarbeit die bestehenden Probleme aus dem reformierten Schulsystem lösen zu können. Bei diesem Begründungsmuster werden ebenfalls wie beim sozialisations- und modernisierungstheoretisches Begründungsmuster die veränderten Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen anerkannt. Hier werden vor allem die komplexen Herausforderungen für Schule und Lehrkräfte anerkannt, die durch die verschiedenen Lebensbedingungen der Schülerinnen und Schüler in die Schule hineingetragen werden (vgl. Speck 2007, S. 39).

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Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668174580
ISBN (Buch)
9783668174597
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318263
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Schlagworte
Schulsozialarbeit
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Titel: Die Schulsozialarbeit. Zielgruppen, Methoden, Haltungen und Handlungsprinzipien eines wichtigen schulischen Handlungspartners