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Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen?

Masterarbeit 2014 113 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema

Ziel der Arbeit

Annahmen

Abschnitt 1: Gründe für einen Angriff
Germanische Weltherrschaft
Unternehmen Tannenbaum
Militärische Überlegenheit
Luftkrieg
Neutralitätsverletzungen
Rüstungsproduktion für die Alliierten
Spionagezentrum
Schweiz als Fluchthelfer
Geistiger Widerstand
Medialer Widerstand
Politischer Widerstand
Immunität gegen NS-Ideologie

Abschnitt 2: Gründe gegen einen Angriff
Kreditgeber
Wechselstube
Waffenlieferant
Transit
Gute Dienste
Alpenfestung
Militärischer Wehrwille
Frage der Aufteilung
Erweiterte Strategie
Frontenbewegung
Neutralität
Alternativen

Abschnitt 3: Erkenntnisse
Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen?
Worin ist die Schweiz anders?
Hat die Schweiz vom Krieg profitiert?
Hat sich die Schweiz schuldig gemacht?
Wie weit darf Neutralität gehen?
Hat die Schweiz den Krieg verlängert?
Persönliche Anmerkungen

Anhang
Neutralitätserklärung der Schweiz vom 31. August
Rede von Pilet-Golaz vom 25. Juni
Gelöbnis der Offiziersverschwörung vom 21. Juli
Rütlirapport von Gerneral Guisan am 25. Juli
Eingabe der Zweihundert vom 15. Nov. 1940 an den Bundesrat

Literaturverzeichnis

Thema

„Wir befinden uns im Jahr 1940 n. Chr. Ganz Europa ist von der Wehrmacht besetzt… ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen Eidgenossen bevölkertes Land hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“[1]

Viele, vor allem die Schweizer selbst, vergleichen ihr Land während des Zweiten Weltkriegs gerne mit einem Igel, der dem Angreifer mutig seine Stacheln entgegenhält und deshalb nicht gefressen wird. Die Tendenz, positive Ergebnisse der eigenen Leistung, negative Ergebnisse hingegen dem Schicksal oder einer höheren Macht zuzuschreiben, hat aus Österreich das erste Opfer von Hitlers Expansionspolitik gemacht. Auch die Schweiz sucht die Gründe für die Verschonung vom Krieg verständlicherweise lieber beim Widerstandswillen der Bevölkerung und der Stärke ihrer Armee als im Kriegsverlauf oder gar in der Anbiederung der eidgenössischen Wirtschaft ans NS-Regime. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, warum die Schweiz von den Wirren des Zweiten Weltkriegs verschont blieb und deshalb auf mittlerweile mehr als 150 Jahre Frieden, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückblicken kann.

Mein persönliches Interesse an einer historischen Betrachtung der Schweiz ist ein Zweifaches. Zum einen stellt die Schweiz eine Art Gegenmodell zu meiner Heimat Österreich dar. Trotz zahlreicher Parallelen (Lage, Größe, Topografie, Sprache, Neutralität, etc.) hat sich die Schweiz für einen anderen Weg entschieden und zeigt somit auf, welche Optionen sich auch für Österreich geboten hätten. Zum anderen stellt die Schweiz ein Lehrbeispiel dar, wie man Krieg vermeidet. Basierend auf der Hypothese, dass ein vermiedener Krieg besser ist als ein erfolgreich geführter, sollte den Ländern, denen es gelang, nicht in den Sog des Zweiten Weltkriegs zu geraten, mindestens soviel Aufmerksamkeit geschenkt werden wie den Hauptakteuren des Krieges. Während Portugal, Spanien, Irland, Schweden und die Türkei nicht zuletzt auch aufgrund ihrer dezentralen Lage verschont blieben, trifft dies auf die Schweiz nicht zu. Im Auge des Hurrikans gelegen, befand sie sich in unmittelbarer Griffweite Hitlers und bewahrte dennoch ihre Unabhängigkeit. Dies macht sie zu einem interessanten Untersuchungsobjekt.

Ziel der Arbeit

Wer eine Entscheidung zu treffen hat, stellt dazu Pro- und Contra-Argumente einander gegenüber. Soll dieser Prozess nicht ausschließlich dazu dienen, eine bereits im Hinterkopf gefällte Entscheidung vor sich selbst oder anderen zu rechtfertigen, sondern sachlich fundiert sein, so muss beiden Seiten gleiches Gewicht geschenkt werden. Wer Jahre später versucht, eine in der Vergangenheit gefällte Entscheidung plausibel nachzuvollziehen, muss diesen Prozess wiederholen. Erneut müssen die Argumente gleich gewichtet einander gegenüber gestellt werden. Die Rolle des Historikers ist demnach vergleichbar mit der eines Profilers, der sich in die Gedankenwelt eines Verbrechers hineindenken muss. Er darf dabei nicht den Fehler begehen, mit der Weisheit des Rückblicks den Fokus ausschließlich auf die Argumente zu legen, die den tatsächlichen geschichtlichen Verlauf begünstigen. Dennoch ist die Geschichtswissenschaft nahezu vollständig von dieser Form der Betrachtung geprägt. Dazu ein Beispiel: Weil wir wissen, dass das neutrale Norwegen Hitlers Expansionspolitik zum Opfer fiel, werden die der nationalsozialistischen Logik entnommenen Gründe für einen Angriff (z.B. Schlüssel zur Ostsee) intensiv beleuchtet, Gegenargumente hingegen übergangen. Im Falle der Schweiz verhält es sich genau umgekehrt. Im Wissen, dass sie verschont blieb, liegt der Fokus der Betrachtung auf den diesen Ausgang begünstigenden Gründen. Wie würden wohl heutige Abhandlungen über die Schweiz aussehen, wenn Hitler den Angriff im Affekt doch befohlen hätte? Rechtfertigt es eine einzige emotionale Entscheidung des „Führers“, den Scheinwerfer der geschichtlichen Betrachtung um 180 Grad zu drehen?

Aus wissenschaftlichen, dramaturgischen sowie didaktischen Gründen sage ich nein. Wissenschaftlich halte ich es für unsauber, wichtige Aspekte auszublenden, die Einfluss auf die Entscheidung hatten, weil dadurch zwar das WAS beantwortet werden kann, nicht aber das WARUM. Aus dramaturgischer Sicht halte ich es für unklug, das Ende vorauszusetzen, weil dies (wie in einem Kriminalroman) die Spannung zerstört. Aus Sicht der politischen Bildung halte ich es schließlich für irreführend, da so der Eindruck vermittelt wird, Geschichte wäre eine logische Abfolge von Ereignissen. Tatsächlich ist sie jedoch widersprüchlich, weshalb das Wort „zwangsläufig“ im Vokabular des Historikers keinen Platz hat. Wer sich Geschichte als einen überdimensionalen Entscheidungsbaum mit zahlreichen Verästelungen vorstellt, muss ihre Analyse chronologisch (vom Stamm zum Ast) vornehmen, da die entgegengesetzte Betrachtungsweise alternativlos verläuft. Eingetretenes darf nicht posthum als gegeben vorausgesetzt werden, weil es mögliche Alternativ-Verästelungen ausschließt. Der Entscheidungsbaum hätte dann nur einen einzigen Ast und alles andere als der konkrete Ausgang wäre undenkbar. Geschichte mag nur den Indikativ kennen, Geschichtswissenschaft sollte meiner Meinung nach auch den Konjunktiv zulassen.

In der vorliegenden Arbeit habe ich mich bemüht, den Pro- und Contra-Argumenten gleiches Gewicht zu verleihen. Dementsprechend lautet der Titel meiner Arbeit: Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen? Die implizite Betonung der Möglichkeit eines anderen Geschichtsverlaufs durch die Formulierung als Frage, anstatt einer Vorwegnahme desselben (Warum Hitler die Schweiz nicht angegriffen hat!), soll den Schleier einer scheinbaren Logik lüften.

Annahmen

Die Forschungsfrage, die ich zum Titel der vorliegenden Arbeit gemacht habe, mag den Anschein erwecken, Hitler wäre alleine für alles verantwortlich gewesen. Dies ist freilich unrichtig. Zahlreiche Vertreter aus Großindustrie und Hochfinanz sowie eine überwältigende Volksmehrheit haben seinen Erfolg erst ermöglicht. Dennoch ist der geschichtliche Verlauf ohne die Person Hitler undenkbar. Hitler war kein primus inter pares, seine Ansichten waren Staatsdoktrin, sein Wort war Gesetz. Um es mit den Worten von Adalbert Volck zu sagen: Die nationalsozialistische Bewegung bestand nur aus zwei Worten: Adolf Hitler.[2] Hätte der Führer den Angriff auf die Schweiz befohlen, so hätte sich ihm niemand in den Weg gestellt. Insofern halte ich es für legitim, die Forschungsfrage auf die Person Hitler zu verdichten. Dabei muss ihm ein gewisses Maß an „Rationalität“ bei der Entscheidungsfindung unterstellt werden. Den Ausgang der Geschichte ausschließlich der Gemütsverfassung eines „Verrückten“ zuzuschreiben, würde jegliche historische Betrachtung erübrigen. Die vorliegende Arbeit geht demnach davon aus, dass Hitler sich von „sachlichen“ Argumenten (sofern man in diesem Zusammenhang von solchen überhaupt sprechen kann) leiten ließ.

Aus heutiger Sicht wissen wir, dass die Schweiz verschont wurde. Es liegt somit die Vermutung nahe, dass ein Angriff aus Sicht des Dritten Reiches mehr Nach- als Vorteile gebracht hätte. Welche dies sind, soll in der Arbeit näher untersucht werden, wobei ich eine dialektische Dreiteilung vorgenommen habe. Im ersten Kapitel werde ich alle Aspekte beleuchten, die aus nationalsozialistischer Sicht für einen Angriff gesprochen hätten. Im zweiten Kapitel möchte ich als Antithese dazu, die Aspekte betrachten, die einem Angriff entgegenstehen. Im dritten Kapitel werde ich durch Gegenüberstellung erörtern, welche Erkenntnisse gezogen werden können. Dabei werde ich auf eine Gewichtung verzichten, welcher Aspekt in welchem Ausmaß entscheidend war, da aufgrund wechselseitiger Abhängigkeiten die einzelnen Faktoren nicht gegeneinander ausgespielt werden können. Zuletzt sei erwähnt, dass auch der sorgfältigste Versuch einer Beantwortung der Forschungsfrage immer eine gewisse Restmenge an Zweifel zurücklassen wird. Sie kann niemals „mathematisch logisch“ sondern im besten Fall „plausibel“ beantwortet werden. Geschichtliche Analyse ist und bleibt ein Indizienprozess.

Abschnitt 1: Gründe für einen Angriff

Germanische Weltherrschaft

„Wir werden weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt. Denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.“ Dieser Refrain stammt aus dem Lied „Es zittern die morschen Knochen“ des Nazi-Dichters Hans Baumann. Auch wenn der Text nach der Niederlage von Stalingrad von „gehört uns Deutschland“ auf „hört uns Deutschland“ abgeändert[3] wird, so belegen zahlreiche Aussagen Hitlers, dass alles andere als die Weltherrschaft für ihn immer nur Etappenziele auf dem Weg zum Endsieg sind.[4]

Zunächst strebt Hitler die Vorherrschaft am europäischen Kontinent[5] an und möchte ein einheitliches Europa[6] ohne Kleinstaaten schaffen: „Österreich, die Schweiz, Belgien, Jugoslawien und die Tschechoslowakei müssen als Staatsgebilde verschwinden.“[7] Schon 1933 erklärt der Führer: „Die Zeit der kleinen Staaten ist vorbei. Es wird künftig keine Neutralität mehr geben. Die Neutralen werden in die Kraftfelder der Großen geraten. Sie werden aufgesaugt werden.“[8] Hitler sieht sich dabei in der Tradition Karls des Großen. Goebbels notiert in sein Tagebuch: „(…) dass das Kleinstaatengerümpel, das heute noch in Europa vorhanden ist, so schnell wie möglich liquidiert werden muss. Es muss das Ziel unseres Kampfes bleiben, ein einheitliches Europa zu schaffen. (…) Es ist gänzlich falsch, ihn (Karl den Großen, Anm.) als Sachsenschlächter anzugreifen. Wer gibt dem Führer die Garantie, das er später nicht einmal als Schweizerschlächter angeprangert wird?“[9] Die Auffassung, dass nach dem Fall Frankreichs auch die Schweiz von der Landkarte verschwinden müsste, ist auch in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet, wie ein SD-Bericht vom 24. Juni 1940 zeigt: „Es herrsche beim einfachen Mann wie auch in Intelligenzkreisen der Eindruck, dass am Ende der jetzigen kriegerischen Auseinandersetzung die gesamten kleinen Staaten Europas verschwinden würden.“[10] Hitler lehnt die Idee eines Staatenbundes ab, denn „bei der nächsten Gelegenheit würde dieses ganze Gebilde wieder auseinanderfallen. Unbedingt sei also feste Zusammenfügung notwendig.“[11]

Dass die Einigung Europas für Hitler jedoch nur ein mittelfristiges Ziel auf dem Weg zur Erlangung einer weltweiten Vormachtstellung sein kann, geht aus mehreren Aussagen hervor. „Wo auch immer unser Erfolg endet, er wird stets nur der Ausgangspunkt eines neuen Kampfes sein.“[12] Gegenüber der Waffen-SS betont Hitler „(…) haben wir dann Europa fest in der Hand, dann schaffen wir uns unseren afrikanischen Kontinent, und eines Tages, wer weiß, werden wir vielleicht auch anderes finden.“[13] Hitler bezeichnet die Erde als „Wanderpokal“[14] und macht deutlich, Deutschland werde „entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein.“[15] Auch die Tagebucheinträge von Joseph Goebbels weisen darauf hin, dass Hitler sich niemals mit einer Vormachtstellung nur auf dem europäischen Kontinent zufrieden geben würde.[16] Dass in den Reden und Aufzeichnungen des Führers die Schweiz kaum Erwähnung findet, kann keinesfalls als Indiz dafür interpretiert werden, dass er ausgerechnet einen neutralen Kleinstaat zu schonen gedenkt, der „vor seiner Haustüre“ liegt und in so ziemlich jeder Hinsicht den nationalsozialistischen Idealen widerspricht. Das oft kolportierte Gerücht, Hitler hätte gar seine „schützende Hand“ über die Schweiz gehalten ist unrichtig. Die Schweiz ist für Hitler, der für seine globalen Überlegungen einen Zeithorizont von tausend Jahren[17] anlegt, schlicht zu klein und unbedeutend, um darin extra Erwähnung zu finden.

Zahlreiche Quellen belegen, dass Hitler die Schweiz vermutlich deshalb kaum in seinen Reden oder Schriften[18] erwähnt, weil er die (deutschsprachigen) Schweizer immer als Teil des germanischen Volkskörpers versteht. So bezeichnet er die Schweizer als „Deutsche in der Schweiz“[19], als „abtrünnige Deutsche“[20] und als „missratenen Zweig unseres Volkes“[21]. Die Schweizer hätten geglaubt „ihren Weg besser gehen zu können, (…) wenn sie die gemeinsame Bestimmung des deutschen Volkes verlassen“, müssten nun aber „im Lichte der jüngsten Ereignisse“ erkennen, dass „ihre Rechnung sich als falsch erwiesen hat.“[22] Hitler weist der Schweiz damit die Rolle einer „verlorenen Sohnes“ zu, der auf die schiefe Bahn geraten ist und deshalb, weil noch immer Teil der Familie, zu seinem eigenen Wohle notfalls mit Gewalt auf den „rechten“ Weg zurückgeführt werden muss.

Dem nationalsozialistischen Geschichtsverständnis nach erfolgte die „unbeabsichtigte Ablösung“ der Schweiz von der deutschen Familie mit dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648. Dieser „Moment der Schwäche“[23] aufgrund „habsburgischen Unvermögens“[24] wäre das „traurigste Jahr der deutschen Geschichte“.[25] Die „alemannischen“[26] Schweizer hätten sich seither innerlich vom Germanentum entfernt und müssten durch einen Umdenkprozess wieder mit dem Reich vereint werden.[27] Schon 1920 wird im 25-Punkte-Programm der NSDAP unter Pkt. 1 der „Zusammenschluss aller Deutschen zu einem Groß-Deutschland“ gefordert. Auch in „Mein Kampf“ werden die „Vereinigung aller Deutschstämmigen“[28] sowie die „Pflege der rassischen Elemente“[29] gefordert. „Was ein Talent ist, kann sich in einem Land wie Österreich oder Sachsen, Dänemark oder der Schweiz nicht entfalten. Die Basis ist zu klein. Deshalb bin ich froh, dass die germanischen Völker jetzt die Möglichkeit wiedergewinnen, welche mit der Weite des Raums gegeben sind.“[30] Selbst als sich die Wehrmacht bereits überall auf dem Rückzug befindet und ihre „Siege“ immer näher der Heimat errungen werden, betont Hitler die Wichtigkeit der Zusammenfassung aller von Deutschen jemals bewohnten Länder zu einem Großreich.[31]

Aufgrund ihrer „blutmäßigen“ Zugehörigkeit, die wichtiger wäre als formale Staatsangehörigkeit, müssten sich die Deutschschweizer, die von der NS-Propaganda als „Volksdeutsche“ bzw. „Auslandsdeutsche“ gesehen werden, früher oder später Deutschland anschließen.[32] Für Himmler, in dessen SS auch Schweizer dienen[33], ist die Schweiz nur ein „Ableger des Germanischen Baumes“. Hitler weist ihr im „Neuen Europa“ die Rolle eines „Gliedes“ bzw. Teiles des kommenden „Großgermanischen Reiches“ zu.[34] Teilweise wird die Heimholung[35] der Schweiz, dieses „unerlösten deutschen Landes“ sogar vorweggenommen. So wird sie auf Landkarten als „deutscher Volksboden“ bzw. als „deutsches Siedlungsgebiet“[36] bezeichnet oder ist bereits als Gau von Großdeutschland eingezeichnet. Zürich, Basel und Bern werden als deutsche Städte[37] und das Finsteraarhorn als höchster Berg Deutschlands ausgewiesen.[38] Zu den 90 Mio. Einwohnern[39] Deutschlands werden auch die drei Mio. Schweizer als „Heimatlose“ gezählt. Die Schweizer Fußballmannschaft wird als „Deutsche aus der Schweiz“ begrüßt, Schweizer Ärzte in Prospekten als „Landsleute“[40] angesprochen. Eine Daseinsberechtigung als souveräner Staat wird der Schweiz jedenfalls langfristig abgesprochen.[41] Durch die rassische Nähe würde es nach dem Endsieg zu einer organischen und harmonischen Verschmelzung mit dem Reich kommen.[42]

Unternehmen Tannenbaum

Neutralität bietet einem Land nur so lange Schutz, so lange diese von den anderen respektiert wird. Dass Hitler nicht beabsichtigt, neben seinem Großgermanien neutrale Staaten zu dulden, belegen die Angriffspläne der Wehrmacht gegen diese: „Silberfuchs“ für Nordskandinavien, „Gisela“ für Portugal und Spanien, „Grün“ für Irland, „Felix“ für Gibraltar. Im Falle der Schweiz lautet der Deckname „Tannenbaum“.

Zunächst plant Hitler jedoch nicht die Eroberung der Schweiz sondern nur ihre Umschließung, um sie so erpressen zu können.[43] Der am 18. Juni 1940 mit Mussolini vereinbarte Plan scheitert jedoch, weil der italienische Vorstoß in Savoyen misslingt.[44] Die Schweiz behält somit eine gemeinsame Grenze[45] inkl. Eisenbahnverbindung[46] mit dem unbesetzten Vichy-Regime.[47] Die Schweiz ist somit nicht nach Belieben erpressbar weshalb Hitler eine militärische Lösung planen lässt.[48] Am 22. Juni 1940, dem Tag des Waffenstillstands mit Frankreich, gibt Hitler den Befehl, mit den Planungen gegen die Schweiz zu beginnen. Im Fokus steht dabei die Rolle der Schweiz als Transitland.[49] An den Planungen sind der Generalstabschef des Heeres sowie zwei Generalfeldmarschälle beteiligt.[50]

Als die Schweiz nach dem Fall Frankreichs die Armee von 450.000 auf 150.000 Mann demobilisiert, macht Deutschland auf der anderen Seite das genaue Gegenteil: Auf die topografischen Verhältnisse der Schweiz abgestimmte Kampfverbände[51] werden an der Schweizer Grenze zusammengezogen um einen Angriffs vorzubereiten.[52] Die Behauptung, Hitler habe nie einen Angriff der Schweiz in Betracht gezogen, ist damit widerlegt. Dass es dennoch zu keinem Angriff kommt, hat nichts mit Hitlers „schützender Hand“ zu tun.

Am 25. Juni 1940 wird der erste Entwurf aus der Tannenbaum-Serie fertig. Man geht davon aus, die Schweiz könne in drei bis fünf Tagen besetzt werden. Wichtig wäre, die Schweizer Armee am Rückzug in die Alpenstellungen zu hintern, da ansonsten ein Partisanenkampf in den Bergen drohe.[53] Ferner sollen Industrieanlagen, Straßenknotenpunkte und Brücken möglichst unversehrt bleiben, um die Schweiz als Durchgangsgebiet Richtung Frankreich nutzen zu können. Im Laufe der weiteren Monate wird dieser Erstentwurf immer wieder den veränderten Anforderungen bzw. verfügbaren Truppenstärken angepasst. So plant die deutsche Heeresleitung im Herbst 1940, als die Schweiz aufgrund von militärischen Umgruppierungen besonders verwundbar ist, einen gleichzeitigen Vorstoß deutscher Truppen aus Deutschland und Frankreich sowie italienischer Truppen von Süden.[54]

Neben der Operation Tannenbaum sind noch weitere Operationsentwürfe für einen militärischen Überfall auf die Schweiz bekannt. Einer stammt von Generaloberst Alfred Jodl,[55] ein anderer von Oberst Horst Böhme. Das Projekt bleibt ebenso wie die Tannenbaum-Pläne in der Schublade.[56] Alles in allem dauern die Planungen für einen Angriff auf die Schweiz so lange wie der Krieg selbst.[57]

Wie sind die Angriffspläne gegen die Schweiz einzuschätzen? Der deutsche Offizier von Lossberg bezeichnet sie als „Schubladenentwürfe“ und „Studien für untätige Stäbe“. Generalstabschef Franz Halder behauptet nach dem Krieg sogar, er habe die Studien nur veranlasst, um Hitler den hohen Preis eines Angriffs aufzuzeigen und ihn so von einem Überfall auf die Schweiz abbringen zu können.[58] Andererseits belegen die Planungen, dass sich die OHL mit dem Thema Schweiz auseinandersetzt, währende beispielsweise gegen Schweden keine analogen Angriffspläne existieren.[59] Joseph Goebbels notiert am 18.12.1941 über die neutralen Staaten in sein Tagebuch: „Es wäre geradezu eine Beleidigung Gottes, wenn sie nicht nur diesen Krieg ungeschoren überstehen würden, für den die Großmächte so schwere Opfer bringen, sondern daran auch noch ein Geschäft machten. Wir werden schon dafür sorgen, dass das nicht der Fall sein wird.“[60] Noch im Juli 1940 meldet der Schweizer Nachrichtendienst („Büro Ha“), die Einverleibung der Schweiz sei für die NS-Führung beschlossene Sache, nur hinsichtlich des Zeitpunkts sei man sich uneinig. Der Termin des Angriffs wird im Laufe dies Krieges immer weiter nach hinten verschoben: Nach der Kapitulation Englands, nach dem Sieg über Russland, nach dem Endsieg. Zu einem Angriff gegen die Schweiz wird es nie kommen. Stattdessen erhält die Schweiz die Bezeichnung „Wartegau“.[61]

Militärische Überlegenheit

„Die Schweiz das kleine Stachelschein, die nehmen wir am Rückweg ein“[62] heißt es unter deutschen Soldaten und macht deutlich, wie hoch man die militärische Stärke der Schweiz einschätzt. Ein anderer Spruch lautet „Die Schweiz in Ihrer Blütenpracht, die nehmen wir in einer Nacht.“[63] Auch aus dem Führerhauptquartier sind ähnliche Zitate überliefert. So soll Hitler über die Eroberung der Schweiz gesagt haben: „Das macht mir dann der Dietrich mit meiner Leibstandarte.“[64] und „Wegen der Viertelstunde fangen wir gleich gar nicht an“.[65] Tatsächlich rechnet die OHL mit einem Sieg über die Schweizer Armee in weniger als einer Woche, was in etwa der Dauer des Feldzugs gegen Belgien entspricht.[66] Über den militärischen Geist der Schweizer Armee sagt Hitler, der „alte Herr Tell“ allein könne diesen natürlich auch nicht hochhalten. Die Folge davon sei, dass man heute in der Schweiz „soldatisch so stark abgewirtschaftet habe, dass der Schweizer Offizier, der diesen Krieg richtig darstelle, seines militärischen Ranges entkleidet werde.“[67] Über die Bedeutung des Krieges sagt Hitler: „Eine Wehrmacht, deren einziges Ziel es ist, den Frieden zu erhalten, führt zu einem Soldatspielen – man betrachte nur Schweden oder die Schweiz.“[68] Tatsächlich findet die letzte militärische Auseinandersetzung in der Schweiz im Jahr 1847 mit dem „Sonderbundskrieg“ statt. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs herrscht somit seit fast einem Jahrhundert Frieden.

All dies verdeutlicht, dass man der Schweiz einen ernsthaften militärischen Widerstand nicht zutraut. Diese Einschätzung dürfte zumindest für die Anfangsphase des Krieges auch dem tatsächlichen Kräfteverhältnis entsprechen. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wird der Ausbau der eidgenössischen Landesverteidigung kaum forciert. Als 1930 Rudolf Minger sein Amt als schweizerischer Verteidigungsminister antritt, ist die Lage bedenklich. Zur allgemeinen „Friedenseuphorie“ der 20er Jahre gesellen sich der streng antimilitaristische Kurs der Sozialdemokraten sowie der rigorose Sparkurs der Bürgerlichen vor dem Hintergrund einer allgemeinen Wirtschaftskrise.[69] Dementsprechend schlecht ausgerüstet ist die Schweizer Armee. Vor allem die Luft- und Panzerwaffe[70], die Elemente der späteren deutschen Blitzkriegsstrategie, sind nahezu inexistent. Die Schweiz besitzt wie Frankreich im Wesentlichen ein Infanterieheer.[71] Die Artillerie stammt aus dem letzten Jahrhundert. Auch die Verteidigung ist in einem ähnlichen Zustand.[72] Es gibt keinen Armee-Wetterdienst, keine Benzinvorräte, keine Reifen- und Ersatzteilreserven. Es fehlen 54% der Gewehrmunition, bei Maschinengewehren sogar 77%. Es mangelt an Sanitätsmaterial und Ärzten.[73]

Zu Beginn des Krieges hätte die Schweizer Armee einem deutschen Angriff so gut wie nichts entgegenzusetzen. Besonders prekär sind dabei die Phase vor dem Westfeldzug sowie die Phase nach der Kapitulation Frankreichs. In der ersten Phase resultiert die Gefahr für die Schweiz vor allem aus dem Umstand, dass die Maginotlinie lange Zeit als unüberwindbar gilt. Sie kann demnach nur entweder im Norden durch die Beneluxstaaten oder im Süden durch die Schweiz umgangen werden kann.[74] Die raschen Erfolge der Wehrmacht in Holland und Belgien machen die gefürchtete Zangenbewegung jedoch hinfällig.

Nach dem Fall Frankreichs ist die Schweiz komplett von den Achsenmächten umschlossen. England hat sich vom Kontinent zurückgezogen. Auf Hilfe von außen braucht die Schweiz nicht mehr zu hoffen. Eine Verteidigung der nunmehr auf 1800 Kilometer angewachsenen Grenze erscheint unmöglich. Eine Eroberung durch einen konzentrischen Angriff von allen Seiten gleichzeitig würde keiner besonders großen Kraftanstrengung bedürfen.[75] Hinzu kommt, dass am 6. Juli 1940 ein Großteil der Schweizer Armee entlassen wird, um bei der bevorstehenden Ernte zu helfen.[76] Vieles deutet darauf hin, dass nun auch der „schwer belastete Käsestaat“ zu fallen habe.[77] Obwohl die Schweiz eine leichte Beute wäre und die Operationspläne ausgearbeitet sind, bleibt der Angriffsbefehl erneut aus.

Angesichts der militärischen Überlegenheit der Wehrmacht entschließt sich die Schweizer Armeeführung unter General Guisan zur Verteidigungsstrategie des „Reduit“, welches an anderer Stelle noch ausführlicher behandelt wird. Aus militärischer Sicht bedeutet es eine Konzentration der Kräfte in den schwer zu erobernden Alpen unter Preisgabe eines Großteils der Zivilbevölkerung und des Landes einschließlich aller großen Städte.[78] Schon die Verkündung des Konzepts birgt ein großes Risiko in sich. Um die symbolische Bedeutung zu unterstreichen, versammelt der General die gesamte Schweizer Armeeführung am 25. Juli 1940 auf der „Rütliwiese“. Viele kritisieren dies als unverantwortlich, da ein einziger Sturzkampfbomber die gesamte Schweizer Armee führungslos machen könnte („Alle Eier in einem Korb.“)[79] In der Zeit nach dem „Rütlirapport“ wird das Konzept schrittweise umgesetzt und die Armee von einer Verteidigung des gesamten Landes auf einen Partisanenkampf im Gebirge umgerüstet. In dieser Zeit der höchsten Bedrohung (1940/1941) stellt das erst teilweise umgesetzte Konzept somit ein erhöhtes Risiko dar.[80] Erst Ende September ist das Konzept vollständig umgesetzt und alle neun Divisionen im Zentralraum stationiert. Zu dem Zeitpunkt hat sich das Kriegsgeschehen jedoch bereits nach Russland verlagert.

Da ein deutscher Angriff ausbleibt, muss das Reduit-Konzept keine Bewährungsprobe bestehen und wird im Nachhinein zum Mythos. Kritisch betrachtet weist das Konzept jedoch einige Schwachstellen auf. So ist die Schweizer Armee bis dahin eine reine Feldarmee, die für einen Kampf in den Bergen erst ausgebildet werden muss. Aufgrund der begrenzten Querverbindungen in den Alpen besteht zudem die Gefahr, einen Abwehrkampf nicht koordinieren zu können. Im besten Falle käme es dabei zu einem Partisanenkampf, bei dem jede Einheit auf eigene Faust kämpft. Darüber hinaus stellt das Reduit eine „Falle“ dar. Werden die Zugänge konsequent abgeriegelt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Vorräte der Armee zu Ende gehen. Der Sieger von El Alamein, Feldmarschall Montgomery bezeichnet das Reduit gar als „undurchführbaren Unsinn“. Wollte Hitler den Kampf nicht in den Bergen führen, so müsste er dazu nur ein paar Frauen und Kinder töten, um die Schweizer Armee aus ihrer Deckung zu locken.[81] Neben der Durchführbarkeit wirft das Reduit-Konzept auch die Frage auf, ob es nicht Funktion einer Armee ist, Volk und Heimat zu schützen. Das Reduit-Konzept sieht vor, drei Viertel der Gesamtbevölkerung (3,5 Millionen) sowie mehr als die Hälfte des Landes inklusive aller wichtigen Industrieanlagen einem Angreifer kampflos auszuliefern. Die Verteidigung würde sich, von den wichtigen Transitlinien abgesehen, auf unbedeutende Gebirgsstöcke und Gletscher beschränken. Aus deutscher Sicht stellt das Konzept geradezu eine Einladung zum Angriff dar.

Luftkrieg

Dringen Landstreitkräfte in ein neutrales Land ein, so wird, wie im Falle von Belgien, Holland, Dänemark oder Norwegen, die Neutralität aufgehoben und das neutrale Land befindet sich im Krieg. Ein Eindringen in den Luftraum wird hingegen nur bedingt als Neutralitätsverletzung ausgelegt.[82] Während des Zweiten Weltkriegs dringen sowohl deutsche als auch alliierte[83] Flugzeuge in den Schweizer Luftraum ein. Insgesamt kommt es zu 6501 Einflügen und zu 77 (irrtümlichen?) Bombenabwürfen, 84 Schweizer werden getötet.[84] Die Schweiz setzt Fliegerabwehrkanonen und Jagdflieger ein, befindet sich aber weiterhin formal im Friedenszustand.

Die für die vorliegende Arbeit relevantesten Luftraumverletzungen sind die Kämpfe zwischen deutschen und eidgenössischen Fliegern im Mai / Juni 1940.[85] Am 10. Mai 1940 werden zwei deutsche Bomber von Schweizer Fliegerpatrouillen angegriffen. Einer macht eine Notlandung, der andere entkommt brennend. Am 1. Juni 1940 wird ein deutscher Bomber von einem Jagdflieger abgeschossen. Ein anderer zerschellt auf französischem Boden. Am 2. Juni 1940 wird ein deutscher Bomber zur Landung in der Schweiz gezwungen. Am 4. Juni 1940 wird ein deutscher Bomber abgeschossen. Am 8. Juni 1940 kommt es zur Vergeltungsaktion der deutschen Luftwaffe. In den Luftkämpfen zwischen 28 deutschen und 15 schweizerischen Flugzeugen werden 2 deutsche und 3 schweizerische Flugzeuge abgeschossen.[86] Georg Kreis bezeichnet die Luftkämpfe als „Abtesten des eidgenössischen Wehrwillens“.[87]

Obwohl die Schweiz nur ihrer Neutralitätsverpflichtung zur Sicherung des Luftraumes nachkommt, wird dies in Berlin als Provokation verstanden. Man wirft der Schweiz vor, die Abschüsse wären teilweise über französischem Boden erfolgt und würden nicht mit derselben Intensität gegen Flieger der britischen Royal Air Force[88] vorgegangen, die bei ihren Angriffen gegen Italien und Süddeutschland ebenfalls Schweizer Luftraum verletzen.[89] Darüber hinaus würden sich die Schweizer Piloten gezielt vom Kampfe heimkehrende deutsche Flieger aussuchen, die ihre Munition schon verschossen hätten und demnach ein leichtes Ziel wären. Da es sich bei den eidgenössischen Flugzeugen ebenfalls um deutsche Fabrikate handelt, würden die Angegriffenen erst im letzten Moment bemerken, dass sie beschossen werden. Besonders niederträchtig wäre zudem, dass die Schweizer die „leichten Siege“ auch noch lautstark feiern würden.[90] Es ist belegt, dass sich Hitler wiederholt über die Zwischenfälle aufregt und anordnet, dass ihm sämtliches eingehendes „Material“ über sie unmittelbar zugeleitet werden soll.[91]

Die Protestnote Deutschlands vom 5. Juni fällt entsprechend heftig aus. Deutschland verlangt eine Entschuldigung und eine Wiedergutmachung des Sach- und Personalschadens und behält sich „zur Verhinderung derartiger Angriffsakte alles weitere vor“. In einem Schreiben vom 19. Juni heißt es, man werde im Wiederholungsfall die deutschen Interessen „in anderer Weise Wahrnehmen“.[92] Bundespräsident Pilet-Golaz interpretiert die Ankündigungen als eine versteckte Kriegsdrohung.[93] Diese wird durch Pressemeldungen noch unterstützt.[94] Nach massivem diplomatischem Druck formuliert die Schweizer Bundesregierung eine verklausulierte Entschuldigung, erstattet notgelandete Flugzeuge zurück, lässt die internierten Besatzungsmitglieder frei und erlässt am 20.06.1940 ein internes Verbot, Luftkämpfe mit feindlichen Flugzeugen zu führen.[95]

Hermann Göring, Chef der deutschen Luftwaffe, ist so erzürnt über die Vorfälle, dass er zum Gegenschlag ausholt. Acht Deutsche und zwei Schweizer sollen Sabotageakte durchführen. Konkret sollen am 16. Juni zwischen 22:00 und 24:00 Uhr die Militärflugplätze Dübendorf, Thun, Biel, Lausanne und Genf sowie die Munitionsfabrik Altdorf gesprengt werden („Aktion Adler“ bzw. „Unternehmen Wartegau“).[96] Doch die zehn Männer mit ihren auffällig braunen Rücksäcken werden noch bei ihrer Anreise am 14. Juni am Bahnhof verhaftet.[97] Die Saboteure werden zu lebenslangem Zuchthaus wegen militärischem Verrat verurteilt. Aus politischen Gründen verzichtet die Schweiz jedoch auf eine darüber hinaus gehende Erörterung der Sabotageakte.[98]

Neutralitätsverletzungen

Zwischen Mai 1939 und Sommer 1940 kommt es zu geheimen Absprachen zwischen der französischen und der schweizerischen Heeresleitung.[99] Auch die britische Royal Airforce ist in die bis ins Detail ausgearbeiteten Pläne einbezogen.[100] Die Initiative zu den Absprachen geht von Frankreich aus, das seine rechte Flanke sichern möchte.[101] Der Schweizer Armee kommt dabei die Aufgabe zu, den deutschen Eindringlich möglichst lange aufzuhalten während die französische Armee eine Vorwärtsverteidigung auf Schweizer Boden anstrebt. Schweizerische Truppen bauen hierfür Betonunterstände für französische Geschütze. Die konkreten Pläne werden in insgesamt 18 Urkunden festgehalten.[102] Die Absprachen sind kein politisches Bündnis und beziehen sich ausschließlich auf die Generalstabs- und Kommandoebene.[103] Sie finden unter absoluter Geheimhaltung in Zivilkleidung und ohne Wissen oder Zustimmung des Bundesrates statt.[104] Anfragen von Bundespräsident Pilet-Golaz an General Guisan, ob es Absprachen gäbe, werden von diesem dementiert, um den Präsidenten nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Auch die deutsche Seite erfährt von den Absprachen vorerst nichts.

Für ein neutrales Land stellen solche Absprachen ein erhebliches Risiko dar, wenngleich anzumerken ist, dass es solche in der Geschichte der Schweiz immer wieder gegeben hat.[105] Dabei müssen militärische Notwendigkeiten und der Anspruch einer absoluten Neutralität gegeneinander abgewogen werden.[106] Aus neutralitätsrechtlicher Sicht ist vor allem problematisch, dass es keine vergleichbaren Absprachen mit der deutschen Armeeführung zur Abwehr eines französischen Angriffs gibt. Zwar ordnet General Guisan auch Absprachen mit der Wehrmacht an. Diese fallen jedoch weitaus weniger detailliert aus und stellen somit einen Verstoß gegen die Paritätsklausel dar.[107] Was formal eine Neutralitätsverletzung darstellt, ist inhaltlich nachvollziehbar. Es wäre unklug, sich gerade von der Seite in die Karten schauen zu lassen, von der die eigentliche Gefahr ausgeht. Dieses Dilemma löst der General, indem er den Bundesrat nicht in seine Absprach-Pläne einweiht, da dieser seine Einwilligung aus neutralitätsrechtlicher[108] Sicht verweigern müsste.[109]

Als der Vormarsch der Wehrmacht beim Westfeldzug schneller als erwartet vorankommt, können französische Truppen die Dokumente der Abmachung nicht rechtzeitig vernichten. Am 16. Juni 1940, 6 Tage vor der französischen Kapitulation, finden sie deutsche Truppen in einem verlassenen Güterwagon in La Charité-sur-Loire. Der Fund wird vom Französischen ins Deutsche übersetzt und deutschfreundlichen Besuchern[110] aus der Schweiz zugespielt, in der Hoffnung, General Guisan so belasten zu können. Die Gegner von General Guisan innerhalb der Schweiz versuchen nach Bekanntwerden der Funde daraus Kapital zu schlagen und fordern seine Absetzung. Der General spielt die Bedeutung der Funde herunter, indem er behauptet, es hätte auch Absprachen mit der deutschen Seite gegeben. Dennoch lässt er die schweizerischen Papiere über die Abmachung umgehend vernichten.[111] Bis Kriegsende hängt der Fund innen- wie außenpolitisch wie ein Damoklesschwert über Guisan, der die Absprachen auch nach 1945 noch leugnet.[112] Dieser lässt sich zur Beschwichtigung der deutschen Seite sogar dazu hinreißen, Kontakte zwischen dem schweizerischen und dem deutschen Nachrichtendienst zu ermöglichen, was eine erneute Neutralitätsverletzung, diesmal zu Lasten der Alliierten, darstellt.

Aus deutschen Akten geht hervor, dass Hitler spätestens Anfang September 1940 von den Absprachen weiß.[113] Würde er einen formalen Vorwand für einen Angriff gegen die Schweiz brauchen, so läge dieser Schwarz auf Weiß vor. Tatsächlich passiert jedoch gar nichts. Die deutsche Seite, die sonst kaum eine Gelegenheit auslässt, Andersdenkende zu diskreditieren, verliert kein Wort und legt den Fund zu den Akten.[114] Die deutsche Gesandtschaft in Bern erhält aus Berlin sogar die Anweisung, die Dokumente zu ignorieren.[115] Die Affäre wird für eine spätere Verwendung aufgehoben und stellt einen Teil der deutschen Verunsicherungsstrategie dar.[116] Darüber hinaus beweist Hitler an Beispielen wie Dänemark, Norwegen oder den Beneluxländern, dass er keine formale Rechtfertigung für seine Angriffspläne benötigt. In seinem Großmachtstreben lässt er sich durch unbedeutende Formalitäten wie der Neutralität eines Staates ebenso wenig bremsen wie durch die Verletzung derselben durch diesen. Die ganze Affäre schlägt in der Schweiz höhere Wellen als in Deutschland. Der Fund wird instrumentalisiert, um General Guisan durch jemanden zu ersetzen, der eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland sucht.[117] Insofern ist die Innenwirkung der Aktenfunde höher einzuschätzen als ihre Außenwirkung.

Neben den Aktenfunden von La Charité-sur-Loire kommt es im Zweiten Weltkrieg noch zu einer weiteren Neutralitätsverletzung durch die Schweiz, die sich jedoch erst gegen Kriegsende ereignet und dementsprechend weniger brisant ist. Als sich Anfang 1945 die alliierte Streitmacht vom Süden Italiens nach Norden kämpft, wollen die Deutschen bei ihrem Rückzug die Politik der „verbrannten Erde“ anwenden. Dr. Max Husmann, ein einflussreicher Besitzer einer Privatschule in Zürich, strebt einen Separatfrieden („Operation Sunrise“) an. Tatsächlich gelingt es ihm, durch langwierige und nicht ungefährliche Verhandlungen am 2. Mai 1945 eine Teilkapitulation der deutschen Streitkräfte eine Woche vor der Gesamtkapitulation zu erwirken. Die Aktion rettet zahlreiche Menschenleben und sichert den Erhalt unwiederbringlicher Kulturgüter Norditaliens. Zudem beschleunigt das Bekanntwerden der Kapitulation der Armeegruppe C die Auflösung der anderen deutschen Verbände.[118] Die Vermittlungsversuche sind nicht nur aus Neutralitätsaspekten problematisch sondern werden auch von beiden Kriegsparteien kritisiert. Die deutsche Wehrmacht wird durch die vorzeitige Kapitulation der Möglichkeit beraubt, den Kampf im österreichischen Alpenreduit noch fortzusetzen und die Sowjetunion wird durch die sofortige Besetzung durch die Westmächte von der Ausdehnung ihres Einflussgebiets abgehalten.[119] Stalin befürchtet zudem, der Separatfrieden diene dazu, Streitkräfte für die Ostfront frei zu machen.[120]

Rüstungsproduktion für die Alliierten

Die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre trifft die Schweiz geringer als andere europäische Staaten.[121] Als kleines, rohstoffarmes Land ist die Schweiz jedoch im besonderen Maße auf das Ausland angewiesen.[122] So hat die Schweiz eine Reihe international tätiger Unternehmen, die mehr Kunden im Ausland als im Inland haben.[123] Eine deutsche Studie aus dem Jahr 1940 kommt zu dem Ergebnis, dass die Schweiz die Selbstversorgung nur für ein halbes Jahr sicherstellen könnte, wenn sie von Zufuhren abgeschnitten wäre.[124] Diese Abhängigkeit führt dazu, dass die Grenzen während des gesamten Krieges für Importe und Exporte von Rohstoffen, Fertigprodukten und Finanzflüssen offen stehen.

Nach Abgabe der schweizerischen Neutralitätserklärung, erklärt Deutschland, dass es bereit ist, den normalen Wirtschaftsverkehr mit den neutralen Staaten aufrecht zu erhalten und keine Einwände zu erheben, wenn die neutralen Staaten ihren normalen Wirtschaftsverkehr auch mit den alliierten Staaten aufrecht erhalten.[125] Obwohl Neutralität immer nur den Staat und nicht die Privaten verpflichtet und somit Waffenlieferungen von privaten Schweizer Rüstungsbetrieben an das Ausland auch im Kriegsfall grundsätzlich zulässig wären, weitet der Bundesrat im April 1939 die Beschränkung aus neutralitäts-politischen Erwägungen auch auf Private aus. Die Beschränkung wird jedoch bereits acht Tage[126] nach Kriegsbeginn auf alliierten Druck hin revidiert.[127] Moralische Bedenken müssen wirtschaftlichen Interessen und der Arbeitsplatzsicherung weichen. Der argumentative Kniff zur Ausräumung neutralitätspolitischer Bedenken lautet: Wenn die Schweiz die Rüstungsexporte hochschraubt, dann profitiert davon auch die eigene Armee. Das Problem dabei ist, dass die ausländische Nachfrage so hoch ist, dass für die eigene Armee wenig bleibt.[128]

England und Frankreich versuchen den deutschen Rüstungsvorsprung aufzuholen und platzieren in der Schweiz Rüstungsaufträge im Wert von 500 Mio. Franken, während Deutschland Aufträge in Höhe von nur 8 Mio. Franken erteilt.[129] Dieses Ungleichgewicht ist jedoch noch massiver, wenn man bedenkt, dass die meisten deutschen Bestellungen an Tochterfirmen deutscher Firmen gehen, die zur Umgehung des Versailler Vertrages nach dem Ersten Weltkrieg in der Schweiz gegründet werden.[130] So fertigt die Schweizer Waffenindustrie aus deutschem Stahl und mit deutscher Kohle Waffen fast ausschließlich für die Alliierten. Sehr zur Überraschung aller erhebt Berlin dagegen zunächst keinen Einspruch.[131]

Rein quantitativ ist die Schweizer Rüstungsproduktion gering, doch handelt sich dabei oft um unverzichtbare Spezialanfertigungen. So wird beispielsweise das einzige in England befindliche Gerät zur Auswertung von Luftbildern durch deutsche Bombenangriffe zerstört und kann nur mit Hilfe von Schweizer Ersatzteilen repariert werden. Der Erfolg von alliierten Bombardements hängt so von schweizerischen Lieferungen ab.[132] Um die deutsche Wirtschaftsblockade zu durchbrechen, werden kleine aber kriegswichtige Präzisionsprodukte auf unterschiedliche Art an die Alliierten geschmuggelt. Zunächst erfolgt der Versand durch die Post in Briefen unter zwei Kilogramm.[133] Später werden die Kleinteile in der Zeitungspost versteckt.[134] Auch mit diplomatischem Gepäck werden Kleinteile aus der Schweiz geschmuggelt.[135] Daneben werden den Briten auch Pläne und Know-how zugespielt, damit diese die Präzisionsgüter selbst herstellen können.[136]

Spionagezentrum

Kriege werden nicht nur auf den Schlachtfeldern entschieden. Bedeutsam ist auch das Wissen um den nächsten Zug des Gegners. Der Beschaffung von Informationen über den Gegner durch Spionage kommt deshalb eine entsprechend hohe Bedeutung zu. Vor allem neutrale Staaten werden so zum Umschlagplatz für Nachrichten der Geheimdienste. Aufgrund ihrer Lage im Zentrum Europas, ihrer liberale Regierung und ihrer Mehrsprachigkeit nimmt die Schweiz diesbezüglich eine zentrale Rolle im Zweiten Weltkrieg ein.[137] Auch die von Deutschland geforderte Verdunkelung, auf die an anderer Stelle näher eingegangen wird, ist förderlich, da Spionage nun zusätzlich im Schutze der Dunkelheit möglich wird.[138] Die Schweizerische Spionageabwehr ist vor dem Krieg vollkommen unterdimensioniert. Sie besteht von 1930 bis 1935 nur aus zwei Personen, wird jedoch im Verlaufe des Krieges ausgebaut und sehr effektiv.[139] Im Laufe des Krieges werden 1400 Personen wegen Spionage verhaftet, 328 zu langen Gefängnisstrafen und 33 zum Tode verurteilt.[140]

Die Alliierten profitieren mehr als Deutschland von der Schweiz als Spionagezentrum.[141] So sind die USA im Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz nur zu Blockaden in dem Ausmaß bereit, als diese ihre Funktion als Nachrichtenzentrum bewahren kann.[142] Zahlreiche Gegner von Nazideutschland, die teilweise direkt aus dem Hauptquartier Hitlers stammen, schleusen Nachrichten in die Schweiz in der Hoffnung, dass diese in die Hände der Alliierten gelangen. Dies führt zur Entstehung der „Wikinglinie“, die die Angriffe auf Dänemark und Norwegen[143], die Offensive im Westen, im Balkan sowie gegen die Sowjetunion präzise voraussagt.[144] Vor allem nach den großen Niederlagen der Wehrmacht im Jahr 1943 nehmen viele deutsche Offiziere in der Schweiz Verbindung mit den Alliierten auf. Der deutschen Führung ist die Existenz eines durch die Schweiz führenden „Spionage-Geschwürs“ durch Radio-Peilungen bekannt.[145] Manche Quellen gehen sogar so weit, dem Schweizerischen Nachrichtendienst einen Anteil am Sieg der Alliierten zuzuschreiben.[146]

Der Amerikaner Allan W. Dulles, Chef des Office of Strategic Services (OSS) für Zentraleuropa und späterer CIA-Chef, leitet von Bern aus die Nachrichtensammelstelle des amerikanischen Geheimdienstes. Bei ihm laufen alle Informationen seiner Agenten in Deutschland, Italien und Frankreich zusammen und werden weiter nach Washington oder London gefunkt. Er steht in engem Kontakt zu den Männern der Operation Walküre und unterstützt die Résistance sowie Partisanen in Norditalien.[147] Auch trifft er sich öfter mit Hans Hausamann zum „Gedankenaustausch“.[148] Der Ungar Alexander Rado (Deckname „Dora“ bzw. „Albert“) und seine aus Köln stammende Frau Helena (Deckname „Maria“) betreiben eine eigene Spionageorganisation und drei Geheimsender für die Sowjetunion.[149] Die Sendegruppe wird im Oktober 1943 ausgehoben.[150]

Es ist ein Schweizer Kuriosum, dass es neben dem offiziellen Schweizer Nachrichtendienst[151] auch private Geheimdienste gibt, die sich dem Kampf gegen Hitler verschrieben haben. Der wohl bekannteste ist der des Sankt Galler Hauptmanns Hans Hausamann.[152] Aus Patriotismus gründet er vor Kriegsausbruch auf eigene Kosten und Risiko einen privaten Nachrichtendienst („Büro Ha“)[153], da er den staatlichen für absolut unzureichend hält.[154] Er arbeitet eng mit dem Schweizer Armeekommando zusammen, bleibt aber dennoch eigenständig.[155] Viele seiner Prognosen wie die Zähigkeit der Engländer, der deutsche Einmarsch im Balkan, der Kriegseintritt der USA oder die totale Niederlage Deutschlands erweisen sich als zutreffend.[156] Ein weiterer privater Geheimdienst wird vom sozialdemokratischen Berner Journalisten Otto Pünter aufgezogen („Pakbo“). Dieser hält Kontakte zu den Untergrundbewegungen in Frankreich und vermittelt dem britischen Geheimdienst Informationen über die die V-Raketen-Anlagen in Peenemünde, die von der Royal Air Force bombardiert werden.[157] Einen weiteren privaten Geheimdienst betreibt der 1937 aus Deutschland ausgebürgerte Verleger Rudolf Rößler, der seine Kontakte zu Führungspersonen im Dritten Reich[158] nutzt. Er hält engen Kontakt mit dem russischen Geheimdienstchef in Genf und sendet unter dem Decknamen „Lucy“ Informationen an die Sowjetunion.[159] Weitere Schweizer, die sich dem Kampf gegen Hitler durch Spionage verschrieben haben, sind Fred Reymond[160], Roger Altwegg[161] und Paul de Saugy[162].

Schweiz als Fluchthelfer

Sieben Tage nach der Wannsee-Konferenz erklärt Hitler: „Der Jude muss aus Europa hinaus! (…) Aus der Schweiz und aus Schweden müssen sie herausgenommen werden. Dort, wo sie wenige sind, sind sie am gefährlichsten.“[163] Schon fünf Jahre zuvor heißt es in den Nationalsozialistischen Monatsheften eine „ganze Neutralität“ müsse auch die Aberkennung des Asylrechts für jüdische, marxistische und kommunistische Emigranten bedeuten.[164] Mit dem Asylrecht[165] greift die NS-Führung eines der wertvollsten Souveränitätsrechte der Schweiz an. In ihrer Neutralitätserklärung vom 31. August 1939 gibt die Schweiz bekannt, die Leiden des Krieges lindern zu wollen. Im Rahmen der Schweizer Landesausstellung von Mai bis Oktober 1939 heißt es aus Dankbarkeit für Jahrhunderte des Friedens: „Die Schweiz als Zufluchtsort Vertriebener, das ist unsere Tradition.“[166] 1942 erklärt der Historiker Edgar Bonjour: „Unsere integrale Neutralität verpflichtet uns zur integralen Humanität.“[167]

Als Hitler 1933 an die Macht kommt, verlassen Zehntausende ihr Land, viele von ihnen kommen in die Schweiz. Nach dem Anschluss Österreichs steigt die Zahl der Flüchtlinge weiter an.[168] Bei Ausbruch des Zweite Weltkriegs befinden sich bereits 7.100 Flüchtlinge in der Schweiz, darunter 5.000 Juden.[169] Die Schweiz fungiert dabei als Transitland. Durch die verbliebene Lücke bei Genf[170] schickt die Schweiz wöchentlich einen plombierten Eisenbahnwagon mit Juden Richtung Lissabon.[171] Im August 1942 beherbergt die Schweiz 8.300 Flüchtlinge[172], bis Ende des Jahres steigt ihre Anzahl durch Lockerung der Aufnahmebedingungen[173] auf 16.400.[174] Als die Alliierten im August 1944 die Schweiz aus ihrer Umklammerung lösen und der Krieg entschieden scheint, öffnen sich die Schweizer Grenzen sehr zum Missfallen Hitlers[175] auch für Juden. Auch das IKRK entschließt sich in der Spätphase des Krieges auf amerikanischen Druck hin zu einem Kurswechsel. Die bisherige Linie einer absoluten Neutralität sowie einer Unzuständigkeit für Juden wird nun verworfen.[176] Bei Kriegsende befinden sich in der Schweiz 65.000 Verfolgte, davon 29.000 Juden.[177] Im Verhältnis zur Bevölkerung nimmt die Schweiz fünfmal so viele Juden auf wie die USA.[178] Die Zahl derer, die der Schweiz durch Aufnahme oder Transit ihr Leben verdanken wird zwischen 295.000[179] und 400.000[180] angegeben.[181]

Durch die nicht unbeträchtliche Zahl von illegalen Flüchtlingen, die von Privaten ins Land geschmuggelt und versteckt werden, ist eine genaue Ermittlung der Anzahl der Flüchtlinge nicht möglich. Aufgrund der anfänglichen Weigerung des Bundesrates, Flüchtlinge aus Rassegründen als politische Flüchtlinge anzusehen, werden etwa 20.000 Menschen an der Grenze abgewiesen und somit in den sicheren Tod getrieben.[182] Dies fördert zivilen Ungehorsam[183], der durch die dezentrale Struktur erleichtert wird: restriktive Vorgaben des Bundesrates werden von den kantonalen Regierungen milder ausgelegt, von den Gemeindebehörden nochmals abgeschwächt und von Privaten schließlich ignoriert. So kommt es, dass trotz Aufnahmestopp weiterhin Flüchtlinge ins Land strömen.[184] Viele Schweizer machen sich als Fluchthelfer einen Namen.[185]

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch die Rolle der Schweiz als Fluchthelfer für die Gegenseite. Als sich das Ende des Krieges abzeichnet, folgen die Henker den Spuren ihrer Opfer und beginnen, sich in die Schweiz zu retten. Präsident Roosevelt sendet einen Appell an die Neutralen, den Kriegsverbrechern kein Asyl zu gewähren. Rachele Guidi, die Frau Mussolinis, wird an der Schweizer Grenze zurückgewiesen.[186] Ab 1946 stellt das in Genf beheimatete Rote Kreuz 120.000 Reisedokumente aus, um den zahlreichen Flüchtlingen nach dem Krieg zu helfen. Unter die verzweifelten Heimatlosen mischen sich auch braune Schafe, denen so die Ausreise nach Lateinamerika gelingt. Unter diesen befinden sich so prominente Namen wie Eichmann, Mengele und Barbie.[187]

[...]


[1] Frei zitiert nach Uderzo / Goscinny, Band 1-35, S. 1

[2] Vgl. Maser, Hitlers Briefe und Notizen, S. 289

[3] Vgl. Vgl. Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, S. 21

[4] Fraglich ist allerdings, was genau mit „Endsieg“ gemeint ist. Die Aussage Goebbels, wonach die Größe der politischen Ziele von der Größe der Siege abhänge, macht deutlich, dass die nationalsozialistische Führung keine konkrete Zielsetzung hat – weder im Allgemeinen noch in Bezug auf die Schweiz. Ziele werden nur äußerst vage definiert: Lebensraum im Osten, Kampf dem Bolschewismus, Vernichtung der Juden.

[5] So erklärt Hitler: „Wir überlassen England das Weltmeer. England überlässt uns dafür Mitteleuropa und das Ordnungschaffen im Osten.“ (Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 9)

[6] Tagebucheintrag von Joseph Goebbels: „Aus alledem aber hat der Führer die Konsequenz gezogen, dass das Kleinstaatengerümpel, das heute noch in Europa vorhanden ist, so schnell wie möglich liquidiert werden muss. Es muss das Ziel unseres Kampfes bleiben, ein einheitliches Europa zu schaffen.“ (Reuth (Hg.), Joseph Goebbels Tagebücher, S. 1929)

[7] Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 11

[8] Meyer, Anpassung oder Widerstand, S. 18

[9] Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 27

[10] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 27

[11] Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 15

[12] Vgl. Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, S. 28

[13] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 29

[14] Vgl. Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, S. 74f

[15] Hitler, Mein Kampf, S. 742

[16] „Der Führer gibt seiner unumstößlichen Gewissheit Ausdruck, dass das Reich einmal ganz Europa beherrschen wird. Wir werden dafür noch sehr viele Kämpfe zu bestehen haben, aber sie werden zweifellos zu den herrlichsten Erfolgen führen. Von da ab ist praktisch der Weg zu einer Weltherrschaft vorgezeichnet. Wer Europa besitzt, der wird damit die Führung der Welt an sich reißen. In diesem Zusammenhang können wir natürlich Fragen von Recht und Unrecht überhaupt nicht zur Diskussion akzeptieren.“ (Vgl. Reuth (Hg.), Joseph Goebbels Tagebücher, S. 1929)

[17] Hitler erklärt: „(…) der ganze Nationalsozialismus wäre nichts wert, wenn er sich auf Deutschland beschränkt und nicht mindestens 1000 oder 1200 Jahre lang die Herrschaft der hochwertigen Rasse über die ganze Welt ausübt.“ (Vgl. Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, S. 27)

[18] Auch in „Mein Kampf“ findet die Schweiz an keiner Stelle Erwähnung.

[19] Vgl. Meyer, Anpassung oder Widerstand, S. 19f

[20] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 39

[21] Hitler, in: Picker (Hg.), Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, S. 119

[22] Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 204

[23] Gemeint ist damit die völkerrechtliche Anerkennung der Schweiz durch den Frieden von 1648, der den 30-jährigen Krieg beendet. Dabei wird jedoch übersehen, dass die Schweiz ihre Unabhängigkeit vom Reich bereits 150 Jahre zuvor erhält. Der von Jänner bis September 1499 dauernde Schwaben- bzw. Schweizerkrieg war ein Konflikt zwischen der Eidgenossenschaft und dem Haus Habsburg-Österreich mit seinem Verbündeten, dem Schwäbischen Bund. Die Geschichte der modernen Schweiz beginnt im Jahr 1848 als Bundesstaat mit der Annahme der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

[24] Anlässlich des Anschlusses Österreichs an Deutschland ließ sich der „Völkische Beobachter“, das Propagandaorgan der Nationalsozialisten zu einem Artikel über die Schweiz hinreißen. Darin heißt es u.a., dass der „habsburgische Unverstand“ die eigentliche Ursache der schweizerischen Entfremdung vom Reich sei und diese Ablösung „unbeabsichtigt“ erfolgt wäre. (Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 189)

[25] Die von Goebbels kontrollierte Wochenzeitung „Das Reich“ spricht der Schweiz das Recht auf einen Sonderstatus ab und fordert zur Stärkung des Deutschtums den Zusammenschluss aller Stämme. „Indem sich die Schweizer auf das Jahr 1648 berufen, das im Reich als das traurigste Jahr der deutschen Geschichte gilt (…), berufen sie sich auf die deutsche Schwäche.“ (Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 199)

[26] Im Jänner 1941 spricht sich der schweizerische Nationalsozialist Franz Burri für einen Anschluss der Schweiz ans Reich aus und begründet dies u.a. damit, dass die Schweiz bis 1648 Teil des Deutschen Reiches war und 72% der Bevölkerung der Schweiz alemannisch wären (Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 82)

[27] Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 233

[28] Schon in der Einleitung schreibt Hitler: „Gleiches Blut gehört in ein gemeinsames Reich. Das deutsche Volk besitzt so lange kein moralisches Recht zu kolonialpolitischer Tätigkeit, solange es nicht einmal seine eigenen Söhne in einen gemeinsamen Staat zu fassen vermag.“ (Vgl. Hitler, Mein Kampf, S. 2)

[29] Im Schlusswort ist zu lesen: „Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muss eines Tages zum Herrn der Erde werden.“ (Vgl. Hitler, Mein Kampf, S. 782)

[30] Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 25

[31] Rundfunkrede vom 30. Jänner 1944: „Um überhaupt mit Aussicht auf Erfolg seinen Bestand in Europa wahren zu können, war die Zusammenfassung aller jener Länder notwendig, die von Deutschen bewohnt oder seit über einem Jahrtausend zum Deutschen Reich gehörigen Räume darstellten , die volklich und wirtschaftlich für die Erhaltung des Reiches (…) unentbehrlich sind.“ (Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 27f)

[32] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 63

[33] Vgl. Picker (Hg.), Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, S. 660

[34] Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 236

[35] Vgl. Hofer, Hitler, der Westen und die Schweiz, S. 191

[36] Vgl. Meyer, Anpassung oder Widerstand, S. 19f

[37] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 63f

[38] Vgl. Meyer, Anpassung oder Widerstand, S. 19f

[39] Zu den 90 Mio. „Deutschen“ werden gezählt: 67 Mio. Deutsches Reich, 6,2 Mio. Österreich, 3,5 Mio. Tschechoslowakei, 3 Mio. Schweiz, 1,7 Mio. Frankreich, 1,2 Mio. Polen, 1,1 Mio. Russland sowie 6,3 Mio. aus dem Rest von Europa.

[40] Vgl. Meyer, Anpassung oder Widerstand, S. 19f

[41] Vgl. Hofer, Hitler, der Westen und die Schweiz, S. 191; Langfristig würde die Schweiz als Staat verschwinden und zwischen Deutschland und Italien aufgeteilt. Im besten Fall würde ihr ein gewisses Maß an Teilautonomie zugestanden, jedoch zum Preis einer vollständigen Abhängigkeit von ihren Nachbarn. (Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 235); Urner schreibt, „… dass die multikulturelle Schweiz aus nationalsozialistischer Sicht ein Anachronismus war – eine Insel auf Zeit, die zwar im Krieg noch von Nutzen war, für die es aber nach dem Erringen der deutschen Weltherrschaft keine Existenzberechtigung mehr gab. Kollaboration bot keine Überlebensgarantie. Auch als nützliche Geschäftemacher hätten die Schweiz und Schweden einen deutschen Endsieg kaum überlebt.“ (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 8)

[42] Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 77

[43] Die Schweizerische Neutralität verbietet Waffenlieferungen durch ihr Hoheitsgebiet. Lediglich zivile Güter dürfen zwischen den Achsenpartnern Deutschland und Italien über Schweizer Boden transportiert werden. Hitler erklärt das Ziel einer vollständigen Einschließung der Schweiz wie folgt: „Auch die Schweiz würde durch einen Gürtel besetzten Gebietes von Frankreich völlig abgeschnitten werden und würde sich dann zu einer entgegenkommenderen Haltung in der Transitfrage (…) bequemen müssen.“ (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 39)

[44] Nach dem militärischen Scheitern Italiens hofft Hitler, dass Mussolini das vereinbarte Ziel zumindest am Verhandlungstisch erzielt. Doch die militärischen Misserfolge des Achsenpartners schwächen auch dessen Verhandlungsforderungen gegenüber Frankreich.

[45] Die Grenze verläuft vom Genfer Zipfel bis nach St-Gingolph und zur Dreiländerecke östlich von Chamonix.

[46] Die Eisenbahnverbindung über Genf, Annemasse, La Roche bis nach Annecy ist der deutschen Kontrolle entzogen. Hitler plant deren Zerstörung. Zwar werden einige Weichen ausgebaut, ein Stellwerk und eine Brücke gesprengt, doch die Linie bleibt erhalten. Nach anderthalb Monaten steht die Verkehrslinie wieder. (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 56ff)

[47] Mit dem Wirtschaftsabkommen vom 09. August 1940 versucht Deutschland, die Schweiz dazu zu zwingen, die Lücke selbst zu schließen, indem ein Ausfuhrverbot gefordert wird. Die Schweiz weist die Forderung mit dem Verweis zurück, die Exporte würden in der gegenwärtigen Situation de facto keine Rolle spielen. (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 87) Ein erster Durchbruch zur Schließung der Lücke gelingt erst im Mai 1941 im Rahmen von Verhandlungen mit dem Petain-Regime. Erst der Einmarsch am 11. November 1942 im unbesetzten Teil Frankreichs schließt die Lücke endgültig. Bis dahin ist es der Schweiz jedoch schon gelungen, ihre Verhandlungsposition gegenüber Deutschland aufzuwerten. Die Bedeutung der Lücke für das wirtschaftliche Überleben der Schweiz ist unbestritten hoch. Da sie mit der Forschungsfrage jedoch nur mittelbar in Zusammenhang steht, sei an dieser Stelle an die detaillierten Ausführungen von Klaus Urner verwiesen. Klaus Urner widmet den gesamten zweiten Teil seines 1990 erschienen Buches „Die Schweiz muss noch geschluckt werden“ der Bedeutung der Lücke sowie den Bestrebungen Hitlers, diese zu schließen.

[48] Generaloberst Franz Halter äußert sich 1969 wie folgt dazu: „In der Zeit, in der die Schweiz von deutschen Truppen umstellt war, wurden mir mehrfach aus dem OKW, wo ich natürlich meine privaten Nachrichtenquellen hatte, Wutausbrüche Hitlers gegen die Schweiz berichtet, die bei seiner Mentalität möglicherweise plötzlich zu militärischen Anforderungen an das Heer führen konnten. Es war nicht ausgeschlossen, dass er dann plötzlich an den ObdH, von Brauchitsch, herantrat mit der Forderung, ihm über die Angriffsmöglichkeiten gegen die Schweiz vortragen zu lassen.“ (Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 55)

[49] Als Ziele werden definiert: „Gewinnung der wichtigsten Eisenbahn- und Straßenknotenpunkte sowie der zahlreichen Brücken und Tunnel in unbeschädigtem Zustande, um das Land baldigst als Durchgangsgebiet nach Südfrankreich für alle Transporte nutzbar zu machen.“ (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 54)

[50] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 10

[51] Hitler weist am 23. Juni 1940 General Halder an, die Panzergruppe Guderian durch die 12. Armee List zu ersetzen. Neun Divisionen, darunter zwei Gebirgsdivisionen, warten an der Schweizer Grenze auf den Angriffsbefehl des Führers. Dieser bleibt jedoch vorerst aus. (Vgl. Senn, Überlebensstrategie zwischen Anpassung und Widerstand, S. 77)

[52] Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 65f

[53] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 20

[54] Vgl. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, S. 173ff

[55] Vgl. ebd., S. 175

[56] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 108

[57] Vgl. Stüssi-Lauterburg und Luginbühl, Freier Fels in brauner Brandung, S. 188

[58] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 49f

[59] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 10

[60] Vgl. ebd., S. 8f

[61] Vgl. Meyer, Anpassung oder Widerstand, S. 140

[62] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 29

[63] Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 50

[64] Sepp Dietrich ist Kommandeur der Leibwache Hitlers. Hitler ist offenbar der Meinung, dass für die militärische Niederwerfung der Schweiz seine persönliche Leibwache ausreichen würde. (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 63)

[65] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 73

[66] Vgl. Codevilla, Eidgenossenschaft in Bedrängnis, S. 34

[67] Picker (Hg.), Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, S. 602

[68] Vgl. Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 25

[69] Vgl. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, S. 168

[70] Die Schweiz verfügt nur über 24 Panzer, 40 Messerschmitt und 80 veraltete Mehrzweck-2-Sitzer-Maschinen. Von 21 eingerückten Fliegerkompanien finden fünf kein einziges Flugzeug vor und werden wieder entlassen. (Vgl. Maissen, Geschichte der Schweiz, S. 264)

Zum Vergleich: Deutschland verfügt über 3000 Bomber, Jäger und Zerstörer. (Vgl. Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 152)

[71] Vgl. Hofer, Hitler, der Westen und die Schweiz, S. 144f

[72] Für die Verteidigung verfügt die Schweiz über gerade mal 4 Scheinwerfer, 3 Horchgeräte und 31 Flabgeschütze.

[73] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 153 ff

[74] Vgl. ebd., S. 160

[75] Vgl. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, S. 169

[76] Tatsächlich dient dieser symbolische Akt dazu, Hitler zu besänftigen und Arbeitskräfte für die Schweizer Industrie freizumachen, die für die Achse produziert. Aus Soldaten gegen Deutschland werden so wieder Arbeiter für Deutschland. (Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 168f)

[77] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 27

[78] Der Berufsoffizier der Schweizer Armee, Samuel Gonard, vergleicht den Verzicht das gesamte Land zu verteidigen, um dafür möglichst lange verteidigen zu können, mit einem Tausch von Raum gegen Zeit, die im Leben einer Nation bedeutsamer wäre als seine Oberfläche. (Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 181)

[79] Vgl. Richardort, Die Andere Schweiz, S. 142

[80] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 170

[81] Vgl. ebd., S. 171ff

[82] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 62

[83] Dabei handelt es sich um britische Bombergeschwader die Angriffe gegen Norditalien fliegen und dabei den Weg über die Schweiz nehmen, wobei deren Flughöhe für die Schweizer Flugabwehr zu groß ist sowie um amerikanische und britische Bomber, die den direkten Weg von Nordafrika nach Deutschland nehmen (bzw. zurück). Insgesamt werden 15 Flieger abgeschossen, 14 Briten und 13 US-Soldaten sterben. Stimmen werden laut, die Schweiz würde ihre eigenen Befreier töten. (Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 111ff)

[84] Die Alliierten kommen für die durch sie verursachten Schäden selber auf. (Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 114)

[85] Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 46f

[86] Goebbels notiert in sein Tagebuch: „Das neutrale Ausland frisst uns aus der Hand. Bloß die Schweiz bleibt unentwegt frech, hat uns zwei Flugzeuge heruntergeschossen.“ (vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 32)

[87] Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 111ff

[88] In diesem Zusammenhang kursiert folgende Anekdote eines angeblichen Dialogs zwischen Schweizer Fliegerabwehr und einem britischen Piloten: Schweizer Flab: „Sie dringen in schweizerischen Luftraum ein.“ Britischer Pilot: „We know, we know.“ Schweizer Flab: „Wir werden schießen.“ Britischer Pilot: „We know, we know.“ PAUSE Britischer Pilot: „You are shooting too much leftside.“ Schweizer Flab: „We know, we know.“ (Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 115)

[89] Die Kritik ist nicht unbegründet, zumal die Briten erklären, auf „technische“ Neutralitätsverletzungen nicht verzichten zu können und Deutschland nach seinen Überfällen auf Belgien und Holland nicht legitimiert wäre, Neutralitätsverletzungen zu kritisieren. (Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 120)

[90] Vgl. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, S. 89

[91] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 34

[92] Vgl. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, S. 97

[93] Vgl. ebd., S. 88f

[94] Ungarische Zeitungen bezeichnen die Vorfälle als „kriegerische Einmischung“ und kündigen ein militärisches Vorgehen gegen die Schweiz an. Sogar die angesehenste Zeitung Teherans schildert die Vorgänge in einer Weise, dass der Schweizer Gesandte beim persischen Außenministerium protestiert. (Vgl. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, S. 88ff)

[95] Das Verbot gilt bis 02.11.1943. Davon ausgenommen sind Fliegerabwehrbatterien. Fremde Flugzeuge wurden also weiterhin bekämpft, wenn auch nicht mit der vorherigen Intensität. Von diesem Verbot profitiert später am meisten die Royal Air Force bei Ihren Angriffen auf Italien.

[96] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 205

[97] Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 51

[98] Vgl. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, S. 107

[99] Der Öffentlichkeit werden die Absprachen erst 1960 bekannt. (Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 35f)

[100] Vgl. Setzen, Neutralität im Zweiten Weltkrieg, S. 106

[101] Vgl. Gautschi, General Henri Guisan, S. 115

[102] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 32f

[103] Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 98

[104] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 40

[105] Bereits im Ersten Weltkrieg kommt es zu einem Verstoß der Schweizer Militärführung gegen die Neutralitätsprinzipien, die das Vertrauen der Bevölkerung erschüttert („Obersten-Affäre“). Zwei eidgenössische Generalstabsoberste beliefern den deutschen und den österr.-ungar. Militärattache mit dem Tagesbulletin des Generalstabs und diplomatischen Depechen. (Vgl. Gautschi, General Henri Guisan, S. 115)

[106] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 35f

[107] Vgl. Gautschi, General Henri Guisan, S. 114

[108] Es gibt jedoch auch Historiker, in Abrede stellen, dass es sich bei den Absprachen um eine Neutralitätsverletzung handelt. Neutralität diene der Wahrung der Unabhängigkeit. Insofern wären die Absprachen im Sinne der Neutralität, da Frankreich erst bei einer Neutralitätsverletzung durch Deutschland aktiv geworden wäre. (Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 98f)

[109] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 224

[110] Divisionär Eugen Bircher, Oberst Gustav Däniker

[111] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 48

[112] Vgl. Gautschi, General Henri Guisan, S. 392

[113] Vgl. Gautschi, General Henri Guisan, S. 368

[114] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 35

[115] Höhere Nationalsozialisten sollen die Dokumente sogar aus Sympathie zur Schweiz vernichtet haben. (Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 100)

[116] Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 79

[117] Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 100

[118] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 254ff

[119] Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 129

[120] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 158

[121] So beträgt beispielsweise die Arbeitslosenrate nur 5%.

[122] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 182f

[123] Vgl. UEK Die Schweiz, der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg, S. 526

[124] Vgl. Senn, Überlebensstrategie zwischen Anpassung und Widerstand, S. 74

[125] Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 158

[126] Vgl. Rings, Raubgold aus Deutschland, S. 129

[127] Vgl. Setzen, Neutralität im Zweiten Weltkrieg, S. 105

[128] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 92

[129] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 384

[130] Vgl. Codevilla, Eidgenossenschaft in Bedrängnis, S. 153

[131] Erst mit dem Sieg über Frankreich wird sich die schweizerische Rüstungsproduktion Richtung Achse verlagern. (Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 79)

[132] Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 76

[133] Durch eine unvorsichtige Notiz des „Schweizerischen Handelsblattes“ bemerkt das OKW Ende November 1940 diese Lücke. (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 97)

[134] Solange dafür die begehrten Schweizer Zeitungen verwendet werden, ist die Verlustrate hoch. Erst als man auf deutsche Zeitungen übergeht, für die sich kaum jemand interessiert, gehen die Verluste zurück. (Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 75)

[135] Dies missfällt dem deutschen Sonderstab für „Handelskrieg und wirtschaftliche Kampfmaßnahmen“ (HWK) so sehr, dass sogar die Ermordung des englischen Gesandten in Bern erwogen wird. (Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 76)

[136] Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 75

[137] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 143f

[138] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 180ff

[139] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 348

[140] 15 Todesurteile werden vollstreckt, was als wichtiges Signal nach innen wie nach außen zu werten ist. Ein Land das bereit ist, seine eigenen Bürger wegen Kollaboration hinzurichten, ist auch bereit Widerstand zu leisten. (Vgl. Codevilla, Eidgenossenschaft in Bedrängnis, S. 91f)

[141] Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 124

[142] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 146

[143] Der Name „WIkinglinie“ leitet sich davon ab, dass diese im Zusammenhang mit der deutschen Offensive gegen Dänemark und Norwegen („Weserübung“) entstanden ist.

[144] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 355ff

[145] Vgl. Codevilla, Eidgenossenschaft in Bedrängnis, S. 90

[146] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 193ff

[147] Vgl. ebd., S. 183

[148] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 360f

[149] Vgl. ebd., S. 369f

[150] Vgl. Heiniger, Dreizehn Gründe warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht erobert wurde, S. 143

[151] Der Schweizer Nachrichtendienst unter der Leitung von Oberst Roger Masson zählt 120 Mitarbeiter und besteht aus drei Büros: „Büro D“ (Deutschland), Büro I (Italien), Büro F (Frankreich). (Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 357) Seine Hauptaufgabe besteht darin, das schweizerische Oberkommando über die Aktivitäten der Armeen der Nachbarstaaten zu informieren. Die „Wiking-Linie“ lieferte dabei wertvolle Informationen direkt aus der deutschen Heeresleitung. (Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 189)

[152] Hans Hausamann zählt zu den Mitbegründern des Offiziersbundes und der Aktion Nationaler Widerstand und setzt sich energisch für die Landesverteidigung ein.

[153] Ursprünglich hat sich der freisinnige Hauptmann Hans Hausamann der Bekämpfung der sozialdemokratischen Partei verschrieben. Als diese jedoch ihre Haltung zum bewaffneten Widerstand aufgibt, konzentriert sich das „Büro Ha“ fortan auf die Bekämpfung des Nationalsozialismus, wobei es sogar zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten kommt. ( Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 190)

[154] Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 284

[155] Selbst der Chef des schweizerischen Geheimdienstes, Roger Masson, weiß nicht über die genauen Vorgänge im Büro Ha Bescheid. Eidgenössischer Föderalismus auch im Geheimdienst. (Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 350)

[156] Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 279ff

[157] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 351f

[158] Die Namen dieser Freunde werden von Rößler auch nach 1945 nicht verraten. (Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 352f)

[159] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 186

[160] Fred Reymond unterhält ein französisch-schweizerisches Nachrichtennetz, das bis Belgien reicht und arbeitet eng mit dem britischen Intelligence Service zusammen. (Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 31)

[161] Der Zürcher Roger Altwegg nutzt seine schweizerisch-französische Doppelstaatsbürgerschaft und spioniert über den Schweizerischen Nachrichten- und Sicherheitsdienst für England. (Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 28)

[162] Paul de Saugy, der eng mit der französischen Widerstandsgruppe „Ajax“ von Achille Peretti zusammenarbeitet, liefert Informationen über deutsche Militärflugplätze an die Alliierten. (Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 33)

[163] Fink, Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, S. 25

[164] Vgl. Meyer, Anpassung oder Widerstand, S. 136

[165] Das Asylrecht ist ein Vorrecht eines Staates, der davon Gebrauch machen kann. Es ist jedoch kein Recht eines Flüchtlings, der dieses einfordern kann. (Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 193)

[166] Vgl. Kreis, Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 135

[167] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 336

[168] Als die Flüchtlingsströme nach dem Anschluss Österreichs zunehmen, sieht sich die Schweiz als „Transitland“, welches bei der Weiterreise in andere Staaten behilflich ist. Viele Staaten verweigern jedoch die Aufnahme von Flüchtlingen. (Vgl. Engel, Die Schweiz und ihr Neutralitätsstatus während des Zweiten Weltkriegs, S. 8f)

[169] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 218f

[170] Hitler vereinbart mit Mussolini am 18. Juni 1940 eine komplette Einschließung der Schweiz. Das Vorhaben, welches an anderer Stelle näher beschrieben wird, misslingt und es verbleibt eine kleine Lücke zum unbesetzten Teil Frankreichs inkl. Eisenbahnverbindungen. Nicht nur Importe und Exporte sind so der deutschen Kontrolle entzogen, auch dient die Lücke bis zur Besetzung von Vichy-Frankreich am 11. November 1942 als Schlupfloch für Immigranten aus Frankreich und Emigranten via Lissabon nach Übersee. (Vgl. Urner, Die Schweiz muss noch geschluckt werden, S. 87f)

[171] Vgl. Ziegler, Die Schweiz, das Gold und die Toten, S. 69

[172] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 326

[173] Ab September werden „Härtefälle“ als Flüchtlinge aufgenommen. Dazu zählen Schwangere, Ältere, Ehepaare, Kinder unter 16 Jahren, usw. Flüchtlinge aus Rassegründen gelten jedoch weiterhin nicht als politische Flüchtlinge.

[174] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 335

[175] Gegen Ende des Krieges versucht Heinrich Himmler sein Haut zu retten und mit den Westächten ins Gespräch zu kommen. Er strebt einen Separatfreieden mit den Amerikanern im gemeinsamen Kampf gegen die Sowjetunion an. Da eine direkte Kontaktaufnahme mit diesen jedoch unmöglich ist, befiehlt er, Juden nicht zu töten sondern sie gegen Lösegeld freizukaufen. Himmler erhofft sich so das Wohlwollen der Alliierten sichern zu können ohne Hitler vor den Kopf zu stoßen. Tatsächlich werden unter Mithilfe des Chefs des Spionagedienstes der SS, Walter Schellenberg, 1200 Juden aus Theresienstadt freigekauft und am 07. Februar 1945 in die Schweiz gebracht. Als Hitler davon erfährt ist er außer sich und untersagt jede weitere Freilassung von Juden. (Vgl. Steinacher, Hakenkreuz und Rotes Kreuz, S. 96f)

[176] Wohl auch um das Ansehen als moralische Instanz nach dem Krieg zu wahren, entschließt man sich zur Rettung der ungarischen Juden. Dem Beispiel des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg folgend, werden in großer Zahl Schutzpässe ausgestellt, Suppenküchen und Kinderheime mit dem Schutzzeichen des IKRK versehen und deutsche Beamte bestochen. (Vgl. Steinacher, Hakenkreuz und Rotes Kreuz, S. 81ff)

[177] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 346

[178] Vgl. Codevilla, Eidgenossenschaft in Bedrängnis, S. 37

[179] Vgl. Rings, Schweiz im Krieg, S. 315

[180] Vgl. Chevallaz, Die Herausforderung der Neutralität, S. 195

[181] Die Gesamtkosten der Betreuung der Flüchtlinge und Emigranten belaufen sich auf eine Milliarde SFr. (Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 226)

[182] Vgl. Bonhage et al., Hinschauen und nachfragen, S. 107

[183] Privatpersonen, Kirchen politische und nichtpolitische Gruppen organisieren Transporte, verstecken Personen, demonstrieren an den Grenzen, uvm.

[184] Vgl. Codevilla, Eidgenossenschaft in Bedrängnis, S. 37f

[185] Vgl. Richardot, Die andere Schweiz, S. 27ff; als Beispiele wären zu nennen: Der Lehrer August Bohny rettet zahlreiche Kinder vor Razzien und Deportationen. Die Krankenschwester Friedel Bohny-Reiter rettet zahlreiche Internierte vor der Deportation in das KZ Auschwitz. Die Gastwirtin Marthe Boillat versteckt und verpflegt Flüchtlinge und baut ein Netzt auf, um diesen die Weiterreise zu ermöglichen. Der Delegierte des IKRK in Budapest, Friedrich Born, richtet Krankenhäuser, Kinder- und Waisenheime für ungarische Juden ein, rettet so tausende Menschen. Die Lehrerin Elisabeth Eidenbenz hilft Verfolgten mit gefälschten Papieren bei der Flucht in die Schweiz. Die Sozialarbeiterin Renée Farny betätigt sich als Fluchthelferin für die Jugendlichen von La Hille. Der Polizeihauptmann Paul Grüninger ermöglicht 3000 Flüchtlingen durch Dokumentenfälschung die Einreise in die Schweiz. Der IKRK-Delegiert Louis Häfliger rettet 60.000 Menschen im KZ Mauthausen das Leben rettet, indem er amerikanische Truppen benachrichtigt und so die Sprengung des Flugzeugwerkes in St. Georgen und der Stollen in Gusen verhindert. Die Menschenrechtlerin Anne-Marie Im Hof-Piguet schleust jüdische Kinder illegal über die Grenze in die Schweiz. Die Frauenrechtlerin Regina Kägi-Fuchsmann nimmt antifaschistische Flüchtlinge aus Italien, Österreich und Deutschland auf. Der Gemüsebauer Arthur Lavergnat trägt eigenhändig 75 jüdische Kleinkinder über die Grenze und versteckt sie in der Schweiz. Der Diplomat Carl Lutz stellt Ausreisewilligen Schutzbriefe aus und rettet so 50.000 ungarische Juden. Die Krankenschwester Rösli Näf rettet Kinder vor der Deportation in die Vernichtungslager. Der Pfarrer Roland de Pury hilft Juden aus dem Vichy-Regime in die Schweiz zu flüchten. Der Pfarrer Paul Vogt fordert die Mitglieder seiner Gemeinde zur regelmäßigen Zahlungen eines „Flüchtlingsbatzen“ auf. Der Student Pierre Wolmann holt zusammen mit Kameraden Flüchtlinge an der Schweizer Grenze ab und bringt sie nach Zürich.

[186] Vgl. Schwarz, Vom Sturm umbrandet, S. 225

[187] Vgl. Steinacher, Hakenkreuz und Rotes Kreuz, S. 125ff

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Titel: Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen?