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Bewusstseins- und Gedächtnistheorien zur Verbesserung der Lebensqualität in der heutigen Informationsgesellschaft

Seminararbeit 2000 19 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Susan Greenfield und ihr Bewusstseinsmodell
2.1. Vorbetrachtung
2.2. Funktionieren des Bewusstseins
2.3. Die Bedeutung der Neuromodulation
2.4. Die Physiologie des Bewusstseins
2.4.1. Faktor I: Stärke des Epizentrums
2.4.2. Faktor II: Anzahl von Neuronenverbindungen
2.4.3. Faktor III: Anzahl der modulierenden Neurotransmitter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeschüttet werden
2.4.4. Schlussfolgerung

3. Timothy Leary und seine acht Bewusstseinsschaltkreise
3.1. Vorbetrachtung
3.2. Bewusstseinsstufenmodell
3.2.1. Schaltkreis I: „Bio-Überlebensschaltkreis“
3.2.2. Schaltkreis II: Gefühlsschaltkreis
3.2.3. Schaltkreis III: „ Geschicklichkeits-Symbolismus-Schaltkreis“
3.2.4. Schaltkreis IV: „sozio-sexueller Schaltkreis“
3.2.5. Schaltkreis V: „neurosomatische Schaltkreis“
3.2.6. Schaltkreis VI: „neuroelektrischer Schaltkreis“
3.2.7. Schaltkreis VII: „neurogenetischer Bewusstseins-Schaltkreis“
3.2.8. Schaltkreis VIII: neuroatomares Bewusstsein oder nicht örtlicher Quanten-Schaltkreis

4. Karl Pribram: „Das Gehirn als Hologramm“
4.1. Vorbetrachtung
4.2. Das Holographische Modell

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1.Einleitung

In der heutigen Zeit sind Informationen zu einem entscheidenden Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Besonders in den Industrienationen hat sich eine ganze Branche herausgebildet, deren Angehörige ihren Lebensunterhalt mit der Gewinnung, der Verarbeitung und Verbreitung von Informationen – im speziellen Nachrichten – bestreiten. Gleichgültig, um welches Medium es sich dabei handelt, gilt immer die Devise: “Nichts ist älter als eine Nachricht von gestern“. Für diese Menschen ist es geradezu überlebenswichtig geworden, in kürzester Zeit und ohne größeren Aufwand an eine große Mengen von Informationen zu gelangen. Doch noch setzten die technischen Möglichkeiten einem schnellen und unkomplizierten Zugang zu allen, auf diesem Planeten verfügbaren Informationen, gewisse Grenzen.

Wie kann man diesen Unstand verändern?

Setz dich hin vor die Tatsachen wie ein kleines Kind, und sei bereit, alle vorgefassten Meinungen aufzugeben, folge demütig der Natur, wohin und zu welchen Abgründen sie dich auch führen mag, denn sonst erfährst du nichts.“ T. H. Huxley0

Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Tatsache, dass sich Wissenschaftler und Techniker bei der Entwicklung und Verbesserung zahlreicher Errungenschaften der heutigen Zeit an der Natur orientierten und auch heute noch orientieren. Seien es Konstruktionspläne im Schiffs- und Flugzeugbau oder einfach nur Gegenstände des täglichen Lebens, wie zum Beispiel der Klebstoff, sie alle haben ihr Äquivalent in der Natur.

Wie bei den Dingen des täglichen Lebens, kann man sich auch bei der Bewältigung des Problems der Informationsspeicherung- und verarbeitung an der Natur orientieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als bestes Beispiel für eine biologische Schaltzentrale, in der gleichzeitig eine Fülle von Informationen gesammelt, verarbeitet und wieder abgefragt werden können, eignet sich sicherlich das menschliche Gehirn. Es weist ein Gedächtnis und ein Bewusstsein auf. Während beim Gedächtnis Informationen schnell gespeichert und abgefragt werden können, dient das Bewusstsein der Koordination.

Viele Wissenschaftler der verschiedensten Fachrichtungen haben sich mit dem hochkomplexen Aufbau und den Schaltkreisen und Funktionsweisen des menschlichen Gehirns auseinandergesetzt. Ihre Denkansätze können die Basis zu neuen Technologien liefern, die uns in Zukunft einen noch schnelleren Zugang zu unseren Informationen ermöglichen. Drei dieser Theorien werden nun vorgestellt. Sie sollen nicht auf ihre Richtigkeit oder Falschheit hin bewertet werden, sondern vielmehr einen Einblick in derzeitige Denkansätze vermitteln.

2. Susan Greenfield und ihr Bewusstseinsmodell

2.1. Vorbetrachtung

Susan Greenfield ist Professorin für Pharmakologie an der Oxford-Universität und Professorin für Medizin am Gresham College in London. Sie beschäftigte sich mit der Frage:

Wie könnte das Gehirn ein Bewusstsein hervorbringen ? In einem von ihr 1997 verfassten Buch gleichnamigen Titels traf sie zwei Vorannahmen:

1. S. Greenfield kann das Bewusstsein zwar nicht definieren, meint aber, dass jeder Mensch ein Bewusstsein besitzt und sich dessen auch „bewusst“ ist.
2. Das Bewusstsein entsteht im Gehirn (physischer Ausgangspunkt).

Frau Greenfield hält die Uneinheitlichkeit des Gehirnes für seine „ offenkundigste Eigenschaft1. Es ist dabei aus zahlreichen verschiedenen Regionen zusammensetzt. Für viele dieser Regionen ist heute schon ihre Bedeutung bei der Erlangung von Erfahrungen und Bewusstseinszuständen bekannt. S. Greenfield sieht diese Entdeckungen von Mechanismen im Gehirn auch als wichtig an, weist aber darauf hin, dass sie nicht die „ Qualia, das Gefühl des eigenen Erlebens in der ersten Person2, erklären.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei dem Versuch, das subjektiv empfundene Bewusstsein in etwas Objektives, für die Naturwissenschaften verwendbares, umzuformen, kam sie zu dem Entschluss, „ein Hilfsmittel zur Untersuchung verschiedener Vorgänge im Gehirn zu entwickeln, die irgendwie mit subjektiven Empfindungen verbunden sind“3 . Sie suchte fortan nach Eigenschaften des Bewusstseins, welche sich konkret mit dem Gehirn in Verbindung bringen ließen: da sich das Bewusstsein nicht genau in einem bestimmten Hirnareal lokalisieren lässt (kein Bewusstseinszentrum), müssen verschiedene Bereiche durch gleichzeitige Interaktion das Bewusstsein ergeben. Aus dieser Überlegung kam sie zu der folgenden formalen Beschreibung von Bewusstsein:

„Bewusstsein ist räumlich vielfältig, aber eigentlich zu jedem Zeitpunkt einheitlich.“ 4

Des weiteren erklärt sie: nach der Aktivierung einer einzelnen Neuronengruppe über einen visuellen Input aktivieren sich im Gehirn ganze Neuronen-Schaltkreise. Neuronen, die über Synapsen miteinander verbunden sind, bilden hierbei ein „dichtes Geflecht“ mit unendlich vielen Kombinationsmöglichkeit. Dies bietet eine „größtmögliche Flexibilität und Vielseitigkeit“ 5. Dabei speichert niemals nur eine Zelle die gewonnenen Informationen ab, was daraus ersichtlich wird, das der Mensch zwar im Laufe seines Lebens Gehirnzellen verliert, die Mehrzahl der gewonnenen Informationen jedoch weiterhin abrufbar bleiben. Wird ein einzelnes Neuron aktiviert, kann er sich an einer Vielzahl unterschiedlicher Schaltkreise beteiligen, „die für die Repräsentation unterschiedlicher Gegenstände sorgen“ 6. Die dabei verwendeten Synapsenverbindungen sind für diesen Prozess sehr wichtig. Sie verharren nicht nur in ihrer Position, sondern weisen eine Plastizität auf, in der, durch Lernprozesse getriggert, neue Verbindungen erstellt oder alte unterbrochen werden. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Anpassung an die entsprechenden Begebenheiten. Beim Menschen ist diese Verformbarkeit der Synapsen verglichen mit den Tieren besonders stark ausgeprägt, weshalb sie schreibt Bewusstsein ist auch ein Kontinuum, „das von minimal bis riesig reicht und seinerseits den Entwicklungsstand des Gehirns wiederspiegelt“ 7.

Des weiteren erklärt sie das Bewusstsein wie folgt: „Es ist eine „emergente Eigenschaft“ nicht spezialisierter Neuronengruppen, die im Verhältnis zu einem Epizentrum stetig veränderlich sind“ 8.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Eine „emergente Eigenschaft“ beschreibt hierbei eine Eigenschaft mehrerer Komponenten, die sich nicht einer einzelnen Komponente zuordnen lässt.)

Als den „Brennpunkt“ unseres Bewusstseins definiert sie ein Epizentrum. Sie vergleicht es mit einem Stein, der ins Wasser fällt und dabei Wellen auslöst. „Nach meiner Vermutung befindet sich das Epizentrum, der Stein im Teich, der das Bewusstsein in jedem Augenblick auslöst, in einer Gruppe von Neuronen, zwischen denen relativ langlebige Verbindungen bestehen.“9

Der Aufbau dieser Verbindungen dauert einige Sekunden. Wir sind uns dieses Vorgangs nicht unmittelbar bewusst. Das Epizentrum ist dabei nicht das Zentrum des Bewusstseins, es ist vielmehr sein Auslöser – es ist „von großer Bedeutung dafür, dass die Schritte in Gang kommen“10 .

2.2. Funktionieren des Bewusstseins

Wie bereits erwähnt, stehen in dem Bewusstseinsmodell der Professorin Greenfield die, durch den ins Wasser geworfenen Stein verursachten, Wellen sinnbildlich für die Funktionsweise des Bewusstseins. Diese Wellen symbolisieren Impulse, welche eine Gehirnzelle aussendet, um andere Neuronengruppen zu rekrutieren. Das Bewusstsein ist somit als eine wachsende Neuronenpopulation anzusehen, wobei es aufgrund der kaum messbaren Geschwindigkeit (Sekundenbruchteil), mit der andere Neuronengruppen einbezogen oder wieder ausgeschlossen werden, schlecht zu messen ist. Ist eine „gewisse Schwelle“11 überschritten, stellt sich ein spürbares Bewusstsein ein.

Bei der Betrachtung dieses Grundschemas des Bewusstseins drängt sich die Frage auf: Wenn das Bewusstsein immer nach diesem Schema verläuft, warum haben wir dann nicht jedes Mal das gleiche Bewusstsein? Frau Greenfield erklärt dazu, das sich nicht alle Zellen, welche die Wellen empfangen, immer in den entsprechenden Schaltkreis dazuschalten. Sie vergleicht die Neuronensysteme mit Telefonleitungen, die signalsendende Zelle mit einem Manager, welcher mehrere untergeordnete Manager und Angestellte anruft. Einer dieser rangniederen Manager nimmt vielleicht nicht ab, weil er verhindert ist. Ein Angestellter, der vielleicht auf eine Beförderung wartet, nimmt stattdessen ab und schaltet sich dazu.

[...]


0 Talbot, M.: S. 19

1 Greenfield, S.: S. 286

2 Greenfield, S.: S. 287

3 Greenfield, S.: S. 287

4 Greenfield, S.: S. 291

5 Greenfield, S.: S. 292

6 Greenfield, S.: S. 292

7 Greenfield, S.: S. 289

8 Greenfield, S.: S. 291

Details

Seiten
19
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638119313
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3182
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Bewusstseins- Gedächtnistheorien Verbesserung Lebensqualität Informationsgesellschaft Seminar Weltbilder Soziologie

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